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The Revelations of Karma
GA 127

11 February 1911, Munich

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The Mission of the New Spiritual Revelation, tr. SOL
  1. Die Offenbarungen des Karma, 8th ed.

4. Die Beziehung der Menschlichen Wesensglieder zur Menschheitsentwickelung und zum Lebenslauf Gottessohn und Menschensohn

4. The Relationship of the Human Constituents to Human Development and the Life Course of the Son of God and the Son of Man

[ 1 ] Im Verlauf unserer geisteswissenschaftlichen Studien werden wir zunächst bekanntgemacht mit der sogenannten Gliederung des Menschen und unterscheiden dann am Menschen seinen physischen Leib, Ätherleib, astralischen Leib, das Ich und so weiter. Nun könnte es vielen scheinen, als ob wir, wenn wir nun wissen: der Mensch besteht aus diesen Wesensgliedern — dann schon sozusagen auch die Wesenheit des Menschen einigermaßen erfaßt hätten. Und viele glauben in der Tat, das Wesentlichste vom Menschen zu wissen, wenn sie nun diese verschiedenen menschlichen Wesensglieder aufzählen können, allenfalls noch anzugeben wissen, wie sich das eine oder andere verhält beim Durchgang durch verschiedene Verkörperungen hindurch. In Wirklichkeit ist es auf der einen Seite durchaus notwendig, daß man bei der Betrachtung des Menschen von diesen Wesensgliedern ausgeht, aber dann muß man sich klarmachen, daß man damit im Grundegenommen nur etwas sehr Vorläufiges getan hat, wenn man sich damit bekanntgemacht hat. Denn es kommt durchaus nicht bloß darauf an, daß der Mensch nun aus diesen sieben oder neun Gliedern besteht, sondern es kommt auf das Verhältnis dieser verschiedenen Wesensglieder des Menschen an, wie das eine oder andere wiederum zu dem einen oder anderen steht. Nun ist dieses Verhältnis aber durchaus nicht etwa für alle Menschen und alle Zeiten gleich, sondern es ist verschieden, und vor allen Dingen ändert sich im Verlauf der Zeiten der menschlichen Entwickelung dieses Verhältnis der Glieder zueinander, so daß wir sagen können: Wenn wir auf die Menschheit blicken in einem Zeitraum, der vier bis fünftausend Jahre hinter uns liegt, so waren diese Glieder anders miteinander verbunden als heute, und in der Zukunft werden sie ganz anders miteinander verbunden sein. Die Art der Zusammenfügung, das Verhältnis der Wesensglieder, das ändert sich im Laufe der Zeit. Das Immer-wieder-Erscheinen des Menschen im Verlauf seiner Inkarnationen hat dadurch seinen bedeutungsvollen Sinn, daß, während der Mensch sozusagen durchmacht seine eigene individuelle Entwickelung von Verkörperung zu Verkörperung, im Verlauf der Erdenentwickelung dieser Komplex von physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib seine Entwickelung durchmacht in bezug auf das Verhältnis dieser Glieder, so daß der Mensch mit jeder neuen Verkörperung gewissermaßen auf eine neue Zusammensetzung stößt. — Dadurch erlebt der Mensch immer Neues, daß er auf eine solche verschiedene Zusammenfügung stößt. Wir brauchen nur in bezug auf einen Punkt zunächst alte Zeiten mit unserer Zeit zu vergleichen und werden dann einen Einblick gewinnen können in das, was gemeint ist.

[ 1 ] In the course of our studies in the spiritual sciences, we are first introduced to what is known as the structure of the human being, and then we distinguish within the human being the physical body, the etheric body, the astral body, the I, and so on. Now it might seem to many that once we know the human being consists of these constituent parts, we have, so to speak, already grasped the essence of the human being to some extent. And many do indeed believe they know the most essential aspects of the human being if they can now list these various human constitutional elements, and at most can also describe how one or the other behaves as it passes through various incarnations. In reality, on the one hand, it is certainly necessary to start from these constituents when considering the human being, but then one must realize that, having familiarized oneself with them, one has essentially done only something very preliminary. For it is by no means merely a matter of the human being consisting of these seven or nine elements; rather, what matters is the relationship between these various elements of the human being—how one or the other relates to the other. Now, however, this relationship is by no means the same for all human beings and all times; rather, it varies, and above all, in the course of human development, this relationship of the elements to one another changes, so that we can say: If we look at humanity over a period of four to five thousand years in the past, these elements were connected differently than they are today, and in the future they will be connected quite differently. The manner of their combination, the relationship of the constituent parts, changes over time. The repeated appearance of the human being in the course of his incarnations has its profound significance in that, while the human being, so to speak, undergoes his own individual development from incarnation to incarnation, in the course of Earth’s evolution this complex of physical body, etheric body, astral body undergoes its own development in terms of the relationship between these members, so that with each new incarnation the human being encounters, as it were, a new composition. — Through this, the human being always experiences something new, in that they encounter such a different combination. We need only compare ancient times with our own in relation to one point, and we will then be able to gain an insight into what is meant.

[ 2 ] Wenn wir zurückblickten in das 4. und 5. Jahrtausend, in die ägyptische Kultur, und uns die Menschen betrachteten, so würden wir sehen, daß bei diesen Menschen ein viel loseres Verhältnis von physischem Leib, Ätherleib, Astralleib vorhanden war, als es heute der Fall ist. Es waren sozusagen der Astralleib und Ätherleib loser nur an den physischen Leib gekettet in diesen alten Zeiten, als das heute der Fall ist, und gerade das ist die Tendenz unserer heutigen Entwickelung, daß der Astral- und Ätherleib sich immer dichter und dichter, fester und fester mit dem physischen Leib des Menschen verbinden wollen. Das ist sehr bedeutsam, denn indem mit fortschreitender menschlicher Entwickelung in die Zukunft hinein der Astralleib und Ätherleib die Tendenz haben, immer mehr sich an den physischen Leib zu ketten, hat der Mensch von seiner Seele aus nicht mehr in derselben Art Einfluß auf seinen physischen Leib, wie er das in alten Zeiten hatte. In alten Zeiten waren der Astralleib und der Ätherleib freier, in sie wirkten nicht so energisch hinein die Gesetze des physischen Leibes wie heute. Wenn der Mensch ein Gefühl faßte in alten Zeiten, irgendeine Idee, so setzte sich die Kraft dieses Gefühls, dieser Idee in den Astralleib und Ätherleib hinein rasch fort, und von da aus war der Mensch in der Lage, weil er Herr war seines Äther- und Astralleibes, auch wiederum von der Seele aus den physischen Leib zu beherrschen. Diese Möglichkeit, von der Seele aus den physischen Leib zu beherrschen, nimmt immer mehr ab, weil sich der Astral- und Atherleib immer mehr hineinsetzen in den physischen Leib. Dies hat aber eine andere Folge noch. Es hat die Folge, daß der Mensch im Laufe der Zeiten vermöge seiner natürlichen Beschaffenheit immer unzugänglicher wird denjenigen Kräften und Mächten, die aus der geistigen Welt auf ihn herunterwirken. Deshalb haben wir in alten Zeiten eine gleichsam natürliche Inspiration und Imagination, ein altes Hellsehen, weil Ätherleib und Astralleib freier waren bei den Menschen der alten Zeiten. In diesen freien Astralleib und freien Ätherleib strömten die Kräfte der übermenschlichen Hierarchien ein, konnten in den Ätherleib und Astralleib hineinwirken. Nun entreißt im Verlauf des Menschheitsprozesses der physische Leib dem eigentlichen Inneren des Menschen den Äther- und Astralleib, nimmt sie für sich in Anspruch, und die Folge ist, daß der direkte Einfluß aus den spirituellen Welten immer geringer wird, immer weniger und weniger hereingelangen kann in den Ätherleib und Astralleib des Menschen.

[ 2 ] If we were to look back to the 4th and 5th millennia, to Egyptian culture, and observe the people of that time, we would see that the relationship between the physical body, the etheric body, and the astral body was much looser among those people than it is today. In those ancient times, the astral and etheric bodies were, so to speak, more loosely chained to the physical body than is the case today, and this is precisely the trend in our present-day development: the astral and etheric bodies seek to bind themselves ever more closely and firmly to the human physical body. This is very significant, for as human development progresses into the future, the astral and etheric bodies tend to become increasingly bound to the physical body; consequently, the human being no longer exerts the same kind of influence on his physical body from the soul as he did in ancient times. In ancient times, the astral body and the etheric body were freer; the laws of the physical body did not act upon them as energetically as they do today. When a person felt an emotion or conceived an idea in ancient times, the power of that emotion or idea quickly extended into the astral and etheric bodies, and from there the person was able—because they were master of their etheric and astral bodies—to in turn control the physical body from the soul. This ability to control the physical body from the soul is steadily diminishing, because the astral and etheric bodies are becoming increasingly embedded within the physical body. But this has another consequence as well. It has the consequence that, over the course of time, human beings, by virtue of their natural constitution, are becoming increasingly inaccessible to those forces and powers that act upon them from the spiritual world. That is why in ancient times we had, so to speak, natural inspiration and imagination, an ancient form of clairvoyance, because the etheric and astral bodies were freer in the people of ancient times. Into these free astral and etheric bodies the forces of the superhuman hierarchies flowed, able to work into the etheric and astral bodies. Now, in the course of human evolution, the physical body snatches the etheric and astral bodies away from the very inner being of the human being, claiming them for itself, and the result is that the direct influence from the spiritual worlds becomes ever weaker, able to penetrate ever less and less into the human being’s etheric and astral bodies.

[ 3 ] Das können wir selbst verfolgen in der äußeren Gestaltung des Menschen. Wenn wir weit, weit zurückgehen würden in der alten, sagen wir ägyptischen Menschheit, würden wir finden: So wie der Mensch beschaffen war in seiner Seele, etwa wenn er diese oder jene Leidenschaften oder Triebe hatte, wirkte das fort in den Astralleib und Ätherleib hinein, und dieser Astralleib und Ätherleib drückten dann die Triebe und Leidenschaften im physischen Leib ab. Daher würden wir finden, daß in sehr alten Zeiten der ägyptischen Kultur, aber überhaupt in den Zeiten der alten Kulturen das Äußere des Menschen eine Art Abdruck seiner Seele war. Man konnte an der Stirne lesen, in der Physiognomie lesen, was in der Seele lebte. Es war eine Art von voller Analogie zwischen dem äußeren Physischen und dem Seelischen. Dann kam die Zeit der griechisch-lateinischen Kultur, kam dieses merkwürdige, wie in der Mitte der nachatlantischen Zeit stehende Griechenvolk. Das steht so in der Mitte, daß noch im allgemeinen die Kräfte der spirituellen Welt zur Seele strömen und sich ausdrücken in der Körperlichkeit. Daher jener merkwürdige Einklang bei den Griechen zwischen der äußeren Körperlichkeit, der Schönheit der äußeren Körperlichkeit und der Schönheit der Seele. Diese schöne Seele war, weil sie frei war vom physischen Leib, dadurch fähig sich zu öffnen nach oben, nach den Hierarchien. Die Hierarchien sandten ihre Kräfte herein. Dies drückte sich aus im physischen Leib, und dadurch wurde der ganze physische Leib des Griechen zum Ausdruck der schönen Seele. So finden wir, daß in hohem Maße ein Übermenschliches sich ausdrückte im menschlichen Körper in der griechischen Zeit, ein Allgemein-Menschliches.

[ 3 ] We can see this for ourselves in the physical form of human beings. If we were to go far, far back into ancient, say, Egyptian humanity, we would find: Just as a person was constituted in their soul—for instance, if they had this or that passion or impulse—this continued to affect the astral body and the etheric body, and these astral and etheric bodies then imprinted the impulses and passions onto the physical body. Therefore, we would find that in very ancient times of Egyptian culture—but indeed in the times of ancient cultures in general—the human exterior was a kind of imprint of the soul. One could read on the forehead, in the physiognomy, what lived in the soul. There was a kind of complete analogy between the outer physical and the soul. Then came the time of Greco-Roman culture, came this remarkable Greek people, as if standing in the middle of the post-Atlantean era. It stands so in the middle that, in general, the forces of the spiritual world still flow into the soul and express themselves in the physical body. Hence that remarkable harmony among the Greeks between the outer physical form, the beauty of the outer physical form, and the beauty of the soul. This beautiful soul, because it was free from the physical body, was thereby able to open itself upward, toward the hierarchies. The hierarchies sent their forces into it. This was expressed in the physical body, and thus the entire physical body of the Greek became an expression of the beautiful soul. Thus we find that, to a high degree, something superhuman was expressed in the human body during the Greek era—a universal humanity.

[ 4 ] In der Zukunft nun - und das ist das Wichtige, daß wir uns das in die Seele schreiben — wird das ganz anders werden. In der Zukunft wird der physische Leib des Menschen anspruchsvoller, kettet Astralund Ätherleib an sich, und nur dadurch, daß der Mensch bewußt herantritt an die spirituelle Welt, aufnimmt die Ideen, Begriffe, Gefühle der spirituellen Welt, wie wir jetzt beginnen in den spirituellen Bewegungen, kann er selber jene starken Kräfte entwickeln, welche ihm früher von den Hierarchien hereingegossen worden sind in den physischen und Ätherleib. Und der Mensch kann gegen die Zukunft hin, wenn er noch Herr bleiben will seines physischen Leibes, starke Kräfte in bewußter Weise aus der spirituellen Welt heraus beziehen, um die widerstrebenden Kraftmassen des Ätherleibes zu überwinden, der an den physischen Leib gebunden ist.

[ 4 ] In the future, however—and this is the important point that we must take to heart—things will be quite different. In the future, the human physical body will become more demanding, binding the astral and etheric bodies to itself; and only by consciously approaching the spiritual world and absorbing the ideas, concepts, and feelings of the spiritual world—as we are now beginning to do in the spiritual movements—will he himself be able to develop those powerful forces that were formerly poured into his physical and etheric bodies by the hierarchies. And in the future, if the human being wishes to remain master of his physical body, he can consciously draw powerful forces from the spiritual world to overcome the resisting forces of the etheric body, which is bound to the physical body.

[ 5 ] Wir können also sagen: In alten vorchristlichen Zeiten wurde den Menschen die Möglichkeit von selbst gegeben, in den physischen Leib hineinzuwirken. In der Zukunft wird den Menschen diese Möglichkeit nur gegeben werden, wenn sie etwas dazu tun. - Dadurch aber wird in der Zukunft der Menschheit immer mehr zutage treten, daß ein Unterschied deutlich zwischen den Menschen auftreten wird, die sich sträuben gegen die spirituellen Lehren und Erkenntnisse, und solchen, die gerne und willig und instinktgemäß herankommen an die spirituellen Erkenntnisse. Wir wissen, daß die letzteren heute noch ein kleines Häuflein bilden. Aber diese Scheidung wird sich vollziehen zwischen solchen Menschen, die immer mehr sich sträuben werden aus Haß und Abneigung gegen das Spirituelle, und solchen, die willig, durch einen gewissen Instinkt zunächst getrieben, an die spirituellen Bewegungen herankommen. Diejenigen Menschen, die sich sträuben, werden das immer mehr in ihrem Antlitz zeigen. Sie werden zeigen, daß sie keine Gewalt haben über ihre Gesten, über ihr Physisches, daß ihr Physisches überall stärker ist als sie selber. Diejenigen, die an die spirituellen Lehren herankommen, werden zeigen, daß sie starke Kräfte bekommen, um das widerstrebende Physische zu überwinden.

[ 5 ] We can therefore say: In ancient pre-Christian times, people were naturally given the ability to influence their physical bodies. In the future, this ability will only be granted to people if they take action to earn it. — As a result, however, it will become increasingly evident in the future of humanity that a clear distinction will emerge between those who resist spiritual teachings and insights, and those who approach spiritual knowledge gladly, willingly, and instinctively. We know that the latter still form only a small group today. But this separation will take place between those who will increasingly resist out of hatred and aversion to the spiritual, and those who, driven initially by a certain instinct, willingly approach spiritual movements. Those who resist will show this more and more in their countenance. They will show that they have no control over their gestures, over their physical nature, that their physical nature is stronger than they are in every respect. Those who approach the spiritual teachings will show that they are gaining strong powers to overcome the resistant physical nature.

[ 6 ] Das wird sich so ausdrücken, daß die Menschen in bezug auf ihre äußere Bildung und Entwickelung ganz andere Dinge zeigen werden als in alten Zeiten. Zurückgehend noch einmal in alte Zeiten, können wir sagen: Wenn wir zu den Ägyptern hinaufsehen, wie sie vier- bis fünftausend Jahre vor unserer Zeitrechnung waren, dann können wir die Kindheitsentwickelung nach der Geburt so sehen, daß das Kind gar nicht recht menschlich aussah. Es sah aus, wie wenn ein Engel hineingefahren wäre, wie wenn es aus der spirituellen Welt heraus seine weichen, das Spirituelle im Physischen unmittelbar ausdrückenden Körperformen erhalten hätte. Und je mehr es heranwuchs, desto mehr wurde es menschlich. Es entwickelte sich herunter zum Menschentum. Ein großer Gleichklang zwischen der ersten und späteren Menschheit war bei den Griechen. Da zeigte sich schon im ersten Kindheitsalter der Abdruck des Allgemein-Menschlichen, und der blieb dann; daher man das Griechenvolk mit Recht als eine Art kindlichen Volkes ansieht. In der Zukunft wird immer mehr die Tatsache auftreten, daß der Mensch und gerade der bedeutendste Mensch als kleines Kind nach der Geburt häßlich ist, richtig häßlich ist im Sinne des griechischen Schönheitsideals. Aber je mehr der Mensch sich bekanntmacht mit spirituellen Ideen, desto mehr wird seine Gestalt und Figur etwas Charakteristisches bekommen, wird das, was zuerst verschwommene, unbestimmte, ja häßliche Züge sind, beim Kind sich umwandeln, daß man den Gesichtszügen anmerken wird: sie sind der Ausdruck der Ideen und Begriffe aus der spirituellen Welt. Das wird immer mehr so der Fall sein.

[ 6 ] This will mean that, in terms of their external education and development, people will exhibit characteristics quite different from those of ancient times. Looking back once more to ancient times, we can say: When we look up to the Egyptians as they were four to five thousand years before our era, we can see childhood development after birth in such a way that the child did not really look human at all. It looked as if an angel had entered it, as if it had received its soft bodily forms—forms that directly expressed the spiritual in the physical—from the spiritual world. And the more it grew, the more human it became. It developed down into humanity. A great harmony between early and later humanity was evident among the Greeks. There, the imprint of the universal human was already evident in early childhood, and it remained; hence the Greek people are rightly regarded as a kind of childlike people. In the future, the fact will become increasingly apparent that human beings—and especially the most significant ones—are ugly as small children after birth, truly ugly in the sense of the Greek ideal of beauty. But the more human beings familiarize themselves with spiritual ideas, the more their form and figure will take on a distinctive character; what are at first blurred, indefinite, even ugly features in the child will be transformed, so that one will be able to discern in the facial features that they are the expression of ideas and concepts from the spiritual world. This will increasingly be the case.

[ 7 ] Dasjenige, was in der äußeren Menschheit auftritt, zeigt sich manchmal wie zusammengeschoben in der Kunst. In der Tat ist das Material zu derjenigen Menschheit, die der Zukunft entgegengehen soll, sozusagen aus den europäischen Völkermassen heraus genommen, während das Material zu der Menschheit, welche die alte Herrschaft über den physischen Leib gehabt hat, dem Süden entsprang. So haben wir auch in der Kunst, in der griechischen Kunst den Ausdruck des allgemeinen schönen Menschen. Selbst seinen Göttergestalten prägt der Grieche den Ausdruck des schönen Menschen auf, und das setzt sich bis in die Renaissance des europäischen Südens hinein fort. Vergleichen Sie eine Madonna von Raffael dagegen mit einer des Nordens, so werden Sie sehen, daß die Kunst vorausnimmt, was wirklich eintritt. Da haben Sie die mehr charakteristische Gestalt, das Charakteristische überwiegt. Die Nachklänge des griechischen Künstlertums wirkten so, wie wenn es das Schöne ohne sein Zutun hätte. Ein starkes Inneres, ein kraftvolles seelisches Inneres ist das, worauf die Menschheit in der nächsten Zukunft angewiesen sein wird. Solch einem Zeitalter gehen wir entgegen, und gerade diese Tatsache müssen wir in Zusammenhang bringen mit der anderen, daß diese verschiedenen Wesensglieder des Menschen zu den verschiedenen Zeiten der Menschheitsentwickelung einen verschiedenen Zusammenhang haben. Sie waren früher lockerer, und es streben immer mehr die unteren Glieder, dicht aneinander zu kommen.

[ 7 ] What occurs in outer humanity sometimes appears in art as if compressed together. In fact, the material for the humanity that is to face the future is, so to speak, drawn from the European masses, while the material for the humanity that once held dominion over the physical body originated in the South. Thus, in art—in Greek art—we also find the expression of the universally beautiful human being. Even in his depictions of the gods, the Greek imprints the expression of the beautiful human being, and this continues right into the Renaissance of southern Europe. Compare, however, a Madonna by Raphael with one from the North, and you will see that art anticipates what actually comes to pass. There you have the more characteristic form; the characteristic prevails. The echoes of Greek artistry had the effect of creating beauty as if by itself. A strong inner life, a powerful spiritual inner life—that is what humanity will depend on in the near future. We are moving toward such an age, and it is precisely this fact that we must connect with the other—that these various aspects of the human being have a different relationship at different times in human development. They used to be more loosely connected, and the lower aspects are increasingly striving to come closer together.

[ 8 ] Nun hängt mit einer solchen Tatsache manches zusammen, was in unserer Zeit dem aufmerksamen Lebensbeobachter sehr greifbar entgegentreten kann, zum Beispiel die Unmöglichkeit gewisser Menschen, irgendwie nur noch den Tatsachen der Welt angemessene Begriffe zu fassen. Es gibt heute schon zahlreiche Menschen, welche die Begriffe, die ihnen eingedrillt worden sind, so fest haben, daß es ihnen rein unmöglich ist, später noch einen neuen Begriff aufzunehmen. Woher kommt das? Ein Ätherleib, welcher wenig stark verknüpft ist mit dem physischen Leib, kann immer mehr neue Begriffe aufnehmen, weil er elastisch ist. Ein Ätherleib, der fest mit dem physischen Leib verbunden ist, lernt eine gewisse Summe von Begriffen, dann hat der physische Leib eine bestimmte Form erhalten, die zwingt er dem Ätherleib auf. Und so kommt es, daß viele Persönlichkeiten in unseren gebildeten und gelehrten Kreisen heute das, was sie eingeprägt haben dem Gehirn, in späteren Lebensaltern nicht mehr ändern können und steif und unelastisch sind in bezug auf ihre Begriffe. Ihr Ätherleib kann nicht mehr heraus, wird nicht mehr losgelassen vom physischen Leib. Es ist dann nur die Stärke und Gewalt und Eindringlichkeit der spirituellen Begriffe und Ideen, die es möglich machen, daß der Mensch diese Tendenz überwindet. Denn der Mensch muß durch sich hier eine kosmische Tendenz überwinden. Das ist gerade die Mission des Menschen, daß er durch sich eine kosmische Tendenz überwinder. Man kann im wesentlichen durch einen Vergleich die Sache klarmachen. Stellen Sie sich einfach eine Pflanze vor, die durchzogen ist von Flüssigkeit und dadurch frisch und grün ist. Stellen Sie sich unter der Feuchtigkeit den Ätherleib vor und unter dem anderen den physischen Leib des Menschen. Dieser physische Leib des Menschen wird mächtig, sagte ich, dadurch daß er den Ätherleib an sich zieht und auch den Astralleib an sich zieht; er bekommt Übermacht. Dadurch werden Äther- und Astralleb ohnmächtig, wie wenn der Pflanze Feuchtigkeit entzogen wird und sie trocken wird, verholzt. Der physische Leib des Menschen beginnt nach und nach zu verholzen, weil die Kräfte des Ätherleibes und Astralleibes verarmen. Ein Gehirn, welches also verholzt, kann nur wenig Begriffe aufnehmen, weil es bei seinen Begriffen bleiben will. Wir müssen uns unseren Astralleib und Ätherleib beleben durch Aufnahme von spirituellen Ideen und Begriffen.

[ 8 ] Now, there are many things connected to this fact that can appear quite tangibly to the attentive observer of life in our time; for example, the inability of certain people to form concepts that are in any way appropriate to the facts of the world. There are already numerous people today who have the concepts that have been drilled into them so firmly in place that it is simply impossible for them to take on a new concept later on. Where does this come from? An etheric body that is not strongly connected to the physical body can take on more and more new concepts because it is elastic. An etheric body that is firmly connected to the physical body learns a certain set of concepts; once the physical body has taken on a specific form, it imposes that form on the etheric body. And so it happens that many individuals in our educated and scholarly circles today can no longer change what they have imprinted on their brains in later years and are rigid and inflexible with regard to their concepts. Their etheric body can no longer break free; it is no longer released from the physical body. It is then only the strength, power, and forcefulness of spiritual concepts and ideas that make it possible for a person to overcome this tendency. For a person must overcome a cosmic tendency through themselves here. This is precisely the mission of the human being: to overcome a cosmic tendency through themselves. One can essentially clarify the matter through a comparison. Simply imagine a plant that is permeated by liquid and is therefore fresh and green. Imagine the etheric body beneath the moisture and the human physical body beneath the other. This human physical body becomes powerful, I said, by drawing the etheric body to itself and also drawing the astral body to itself; it gains the upper hand. As a result, the etheric and astral bodies become powerless, just as when moisture is drawn from the plant and it becomes dry and woody. The human physical body gradually begins to become woody because the forces of the etheric and astral bodies are depleted. A brain that has thus become woody can take in only a few concepts because it wants to remain stuck in its existing concepts. We must revitalize our astral and etheric bodies by absorbing spiritual ideas and concepts.

[ 9 ] So sehen wir, daß es sich bei der spirituellen Bewegung der Gegenwart um eine in der Mission des Menschen liegende Notwendigkeit für die Zukunft handelt, etwas, das ebenso notwendig ist wie irgendwelche Ereignisse, die ohne menschliches Zutun über das Menschengeschlecht gekommen sind. Man wird sich gegen solche Wahrheiten allerdings noch lange heftig sträuben, aber all dieses Sträuben wird nichts helfen. Die Menschen werden an der Art und Weise des Kulturganges, wie er immer mehr hervortreten wird in den nächsten Zeiten, wahrnehmen, daß die Sachen so sind. Tatsachen werden es den Menschen beweisen.

[ 9 ] Thus we see that the spiritual movement of the present is a necessity for the future that lies within humanity’s mission—something just as necessary as any events that have befallen the human race without human intervention. People will, of course, continue to resist such truths vehemently for a long time to come, but all this resistance will be to no avail. People will perceive that this is the case through the course of cultural development, which will become increasingly evident in the coming times. Facts will prove it to them.

[ 10 ] Nun ist das nicht nur so für die ganze menschliche Entwickelung, daß dieses Verhältnis der einzelnen menschlichen Wesensglieder sich ändert, sondern auch für das einzelne Menschenleben. Es ist keineswegs dasselbe Verhältnis zwischen Ätherleib und Astralleib und Ich für die erste Kindheit und für das spätere Alter des Menschen. Auch beim Menschen selber, bei der einzelnen menschlichen Entwickelung müssen wir darauf Rücksicht nehmen, daß das Verhältnis sich ändert. Wir haben namentlich als eine sehr wichtige Zeit im Verlauf des menschlichen Einzellebens jene Zeit, welche die drei ersten Lebensjahre ungefähr umfaßt. Im Grunde ist jeder Mensch da ein ganz anderes Wesen als später. Wir wissen, daß diese drei ersten Jahre und die spätere Zeit scharf voneinander abgegrenzt sind durch zwei Tatsachen. Die eine ist diese, daß der Mensch erst nach Verlauf dieser Zeit lernt, das Ich zu erfassen, zu sich Ich zu sagen, seine Ichheit zu verstehen. Das andere ist, daß der Mensch, wenn er sich später zurückerinnert, sich nur bis an diesen Zeitpunkt höchstens zurückerinnert, der diesen Zeitraum von dem späteren Leben trennt. Kein Mensch weiß im normalen Zustand irgend etwas, was diesem Zeitpunkt vorangeht. Der Mensch ist da ein ganz anderes Wesen in einer gewissen Beziehung. Und wenn auch wiederum heutige Psychologen die unglaublichsten Kindereien sagen, müssen wir dennoch an dieser Erkenntnis festhalten, daß in der Tat der Mensch zu einem Bewußtsein seiner Ichheit erst nach Verlauf dieser Zeit kommt. Es gibt heute schon sogar Psychologien, in denen man lesen kann, der Mensch lernte zuerst denken und dann sprechen. Nun, solches Blech, wie es heute geschrieben wird in populären psychologischen Schriften, ist nur möglich in einem Zeitalter, in dem diejenigen Menschen, die heute an den offiziellen Stellen Psychologie treiben, als ernsthafte Wissenschafter angesehen werden. Diese Tatsache gehört zu den wichtigsten, daß wir die Scheidung dieser ersten Lebensjahre von den späteren ins Auge fassen und sozusagen die ersten Lebensjahre hindurch den Menschen als ein ganz anderes Wesen ansehen als später. Später erst tritt das Ich des Menschen, dasjenige, woran alles gebunden ist, auf. Aber kein Mensch sollte behaupten, daß dieses Ich vorher untätig war. Es war natürlich nicht untätig. Es wird nicht erst geboren im dritten Jahre; es war da, es hatte nur eine andere Aufgabe als in die Tätigkeit des Bewußtseins einzugreifen.

[ 10 ] Now, it is not only true of human evolution as a whole that this relationship between the individual components of the human being changes, but also of the individual human life. The relationship between the etheric body, the astral body, and the I is by no means the same in early childhood as it is in later life. Even in the individual human being, in the course of individual human development, we must take into account that this relationship changes. We consider the period encompassing roughly the first three years of life to be a particularly important time in the course of an individual human life. In essence, every human being is a completely different being then than later on. We know that these first three years and the later period are sharply distinguished from one another by two facts. The first is that it is only after this period has elapsed that a person learns to grasp the ego, to say “I” to oneself, to understand one’s own egohood. The second is that when a person later recalls the past, they can only go back as far as this point in time, which separates this period from later life. No human being, in a normal state, knows anything at all that precedes this point in time. In a certain sense, the human being is a completely different being at that stage. And even though today’s psychologists say the most unbelievable childish things, we must nevertheless hold fast to this insight: that in fact, the human being only comes to an awareness of their sense of self after this period has elapsed. There are even schools of psychology today in which one can read that human beings first learned to think and then to speak. Well, such drivel, as is written today in popular psychological writings, is only possible in an age in which those people who today practice psychology in official capacities are regarded as serious scientists. This fact is among the most important: that we must consider the distinction between these first years of life and the later ones, and view the human being throughout the first years of life, so to speak, as a completely different being than later on. Only later does the human ego—that to which everything is bound—emerge. But no one should claim that this ego was inactive before that. It was, of course, not inactive. It is not born only in the third year; it was there, it simply had a different task than intervening in the activity of consciousness.

[ 11 ] Was hatte es für eine Aufgabe? Es ist der wichtigste spirituelle Faktor bei der Bildung der drei Hüllen des Kindes, des Astralleibes, Ätherleibes und physischen Leibes. Die physische Hülle des Gehirns wird fortwährend umgebildet. Da haben wir fortwährend das Ich an der Arbeit. Es kann nicht bewußt werden, weil es eine ganz andere Aufgabe hat: es muß erst das Werkzeug des Bewußtseins formen. Dasselbe, was uns später bewußt wird, arbeitet erst an unserem physischen Gehirn in den ersten Lebensjahren. Es ist sozusagen nur eine Änderung der Aufgabe des Ich. Erst arbeitet es an uns, dann in uns. Es ist wirklich ein Plastiker zuerst, dieses Ich, und es ist unsagbar, was dieses Ich an der Formung selbst dieses physischen Gehirns leistet. Ein gewaltiger Künstler ist dieses Ich. Aber wer gibt ihm die Kraft? Diese Kraft hat es aus dem Grunde, weil in das Ich in den ersten drei Lebensjahren die Kräfte der nächsthöheren Hierarchie, der Engel einströmen. In der Tat arbeitet — das ist kein Bild, das ist kein Gleichnis, sondern tatsächlich eine Wahrheit - im Menschen durch das Ich des Menschen Engel, das heißt eine Wesenheit der nächsthöheren Hierarchie. Diese Wesenheit arbeitet in dem Ich und durch das Ich an dem Menschen, ihn plastisch ausgestaltend. Es ist, wie wenn der Mensch den ganzen Strom des spirituellen Lebens hätte, als ob er zu den höheren Hierarchien hinaufflösse und da die Kräfte der höheren Hierarchien auf ihn hereinströmten. Und in dem Augenblick, wo er lernt Ich zu sagen, ist es so, als ob etwas von der Kraft abgetrennt würde, wie wenn er dazu berufen würde, etwas zu tun von dem, was der Engel vorher tat.

[ 11 ] What was its task? It is the most important spiritual factor in the formation of the child’s three bodies: the astral body, the etheric body, and the physical body. The physical structure of the brain is constantly being reshaped. Here we see the “I” constantly at work. It cannot become conscious because it has a completely different task: it must first shape the instrument of consciousness. The very same thing that later becomes conscious to us first works on our physical brain during the first years of life. It is, so to speak, merely a change in the ego’s task. First it works on us, then within us. This “I” is truly a sculptor at first, and it is indescribable what this “I” accomplishes in shaping the physical brain itself. This “I” is a mighty artist. But who gives it the power? It possesses this power because, during the first three years of life, the forces of the next higher hierarchy—the angels—flow into the “I.” In fact—and this is not a metaphor, not a parable, but an actual truth—angels, that is, beings of the next higher hierarchy, work within the human being through the human ego. This being works in the ego and through the ego on the human being, shaping him plastically. It is as if the human being possessed the entire stream of spiritual life, as if it were flowing upward toward the higher hierarchies, and there the forces of the higher hierarchies were pouring into him. And at the moment when he learns to say “I,” it is as if something were separated from that power, as if he were called upon to do something of what the angel had previously done.

[ 12 ] Damit aber haben wir in den ersten Lebensjahren tatsächlich etwas gegeben, was uns wie ein letzter Nachklang dessen erscheint, was durch das ganze menschliche Leben auch noch in einem gewissen Grade da war in der ersten nachatlantischen Zeit. So wie der Mensch ungefähr in den ersten Lebensjahren ist, so war der Mensch fast sein ganzes Leben hindurch, mindestens die erste Hälfte seines Lebens, unmittelbar nach der großen atlantischen Katastrophe. Das können wir uns deutlich an der ersten indischen Kultur vergegenwärtigen. Die kindlichsten Menschen in der ersten indischen Kultur waren die großen Lehrer des indischen Volkes, die heiligen Rishis. Ich habe öfter auf sie aufmerksam gemacht. Wenn man sie sich vorstellen würde nach dem Muster eines heutigen Gelehrten, würde man sehr fehl gehen. Wenn ein heutiger Mensch sie treffen würde, würde er sie überhaupt nicht für erhebliche Menschen betrachten. Sie würden ihm einfach kindlich naive Bauern sein. Es gibt vielleicht heute solche Kindlichkeit gar nicht mehr, wie sie bei den Rishis vorhanden war. Dann aber, wenn sie ihre Zeiten hatten, sprach durch sie das, was als Strom der Inspiration hereinströmte, dann sagten sie Dinge, welche die Geheimnisse der höheren Welten waren, weil sie ihr ganzes Leben hindurch eigentlich niemals das Wort Ich im Sinne der heutigen Menschen über ihre Lippen brachten. Sie haben nie Ich gesagt. Sie unterschieden sich also von dem Kind dadurch, daß das Kind das primitive Vorstellen hat. Aber in dieselbe Form des Seelenlebens flossen herein die höchsten Weisheitsschätze, wie wenn heute ein Kind in den ersten drei Jahren die größte Weisheit sagen würde. Die sagt es im Grunde nicht - aber vielleicht doch nur für einen Teil der Menschen nicht. Vielleicht darf ich Sie daran erinnern, daß ich öfter den Satz ausgesprochen habe: Der Weiseste kann vielleicht am meisten von dem Kinde lernen. — Und wenn tatsächlich derjenige, der selber in die geistigen Welten hineinschauen kann, das Kind vor sich hat mit dem Strom, der in die geistige Welt hinaufgeht, dann ist das so — verzeihen Sie den trivialen Ausdruck -, dann hat derjenige, der in die geistigen Welten hineinzusehen vermag, in dem Kinde etwas wie einen Telephonanschluß in die geistigen Welten. Durch das Kind spricht die geistige Welt. Die Menschen wissen es nur nicht. Der Weiseste kann am meisten von dem Kinde lernen. Das Kind spricht nicht, sondern der Engel aus dem Kinde.

[ 12 ] But in the first years of life, we have indeed experienced something that seems to us like a final echo of what was still present to a certain degree throughout human life in the early post-Atlantean era. Just as human beings are in the first years of life, so were they throughout almost their entire lives, at least the first half of their lives, immediately following the great Atlantean catastrophe. We can clearly see this in the early Indian culture. The most childlike people in the early Indian culture were the great teachers of the Indian people, the holy Rishis. I have often drawn attention to them. If one were to imagine them in the mold of a modern scholar, one would be very much mistaken. If a person today were to meet them, they would not regard them as significant individuals at all. To them, they would simply be childishly naive peasants. Perhaps such childlikeness no longer exists today as it did in the Rishis. But then, when their time came, what flowed through them as a stream of inspiration spoke through them; they spoke of things that were the mysteries of the higher worlds, because throughout their entire lives they never actually uttered the word “I” in the sense that people do today. They never said “I.” They differed from a child in that a child has a primitive conception of the world. But into the same form of soul life flowed the highest treasures of wisdom, as if today a child in the first three years were to speak the greatest wisdom. It does not actually say it—but perhaps only not for a portion of people. Perhaps I may remind you that I have often uttered the sentence: The wisest person can perhaps learn the most from the child. — And if, in fact, the one who can look into the spiritual worlds himself has the child before him with the stream flowing up into the spiritual world, then it is so—forgive the trivial expression—then the one who is able to look into the spiritual worlds has in the child something like a telephone connection to the spiritual worlds. The spiritual world speaks through the child. People just don’t know it. The wisest person can learn the most from the child. It is not the child who speaks, but the angel within the child.

[ 13 ] Nun ist die Frage diese: Wie verhält sich zum späteren Leben die ganze Konstitution des Menschen dann, wenn sein Ich nicht bloß das vierte Glied ist, sondern zugleich das unterste Glied eines Engels ist? Wir könnten geradezu die Glieder des Engels für diese Zeit anführen, das Kindes-Ich als das unterste Glied des Engels aufzählen. Die Beziehungen sind ganz anders als später zwischen den Wesensgliedern. Es fragt sich also, wie verwandelt sich das später beim Menschen? Was geht da später vor? - Es wird so etwas wie die lebendige Strömung abgeschnürt, der Mensch verliert den lebendigen Zusammenhang mit der geistigen Welt. Daher sind auch in diesen ersten Lebensjahren am Menschen am intensivsten bemerkbar diejenigen Kräfte, die er aus seinen früheren Inkarnationen mitbringt. Da arbeitet am intensivsten der Wesenskern der geistigen Teile, so die Körperlichkeit herauszugestalten, daß sie geeignet ist für die Inkarnation. Wie verhält sich das spätere normale Bewußtsein dazu? So, daß der Mensch heute eben nicht mehr jenen Leib hat, jenen Ätherleib und seine Beziehungen zum physischen Leib, wie sie bei den heiligen Rishis vorhanden waren. Da blieb das ganze Leben hindurch jenes Vererbungsverhältnis für den Ätherleib und Astralleib, welches möglich machte, daß dieses Ich plastisch arbeiten konnte an der äußeren Hülle des Menschen. Heute erben wir schon mit der Geburt einen so dichten und anspruchsvollen physischen Leib, daß nur ein geringer Teil der Arbeit von dem Ich geleistet werden kann, der früher geleistet worden ist. Unser physischer Leib ist nicht mehr geeignet für das, was wir in den ersten drei Jahren sind. Wir erben jenen physischen Leib, den wir für die späteren Lebensjahre brauchen, und der ist nicht geeignet, das Auge hinaufzurichten in die geistigen Welten. Das Kind weiß nicht, was herunterströmt, und die Umstehenden erst recht nicht, denn es hat sich der physische Leib geändert, er ist dichter, trockener geworden. Wir werden geboren mit einer Seele, die noch in den ersten drei Jahren in die geistigen Welten hinaufragt, aber wir werden mit einem Leib geboren, der dazu berufen ist, das Bewußtsein, in dem das Ich lebt, unser ganzes übriges Leben hindurch zu entwickeln. Hätten wir nicht diesen dichten physischen Leib, so würden wir allerdings kindlich bleiben vermöge des heutigen Menschheitszyklus. Aber weil wir ihn haben, kann das Zusammenleben mit der spirituellen Welt während der drei ersten Jahre nicht zum vollen Bewußtsein kommen.

[ 13 ] The question now is this: How does the entire constitution of the human being relate to later life when the ego is not merely the fourth member, but at the same time the lowest member of an angel? We could even list the members of the angel for this period, naming the child’s ego as the lowest member of the angel. The relationships are quite different from those that exist later between the members of the being. The question then arises: How does this transform in the human being later on? What happens there later? — Something like a living current is cut off; the human being loses the living connection with the spiritual world. That is why, even in these first years of life, the forces that the human being brings with them from their earlier incarnations are most intensely noticeable. It is here that the core of the spiritual parts works most intensely to shape the physical body so that it is suitable for incarnation. How does later normal consciousness relate to this? In such a way that human beings today no longer have that body, that etheric body and its relationship to the physical body, as existed in the case of the holy Rishis. Throughout their entire lives, the holy Rishis retained that hereditary relationship for the etheric and astral bodies which made it possible for the I to work plastically on the human being’s outer shell. Today, we inherit at birth a physical body so dense and demanding that only a small part of the work that was previously performed by the I can be accomplished. Our physical body is no longer suited to what we are in the first three years. We inherit the physical body we need for the later years of life, and that body is not suited to lifting the gaze up into the spiritual worlds. The child does not know what is streaming down, and those around it certainly do not, for the physical body has changed; it has become denser and drier. We are born with a soul that still reaches up into the spiritual worlds during the first three years, but we are born with a body that is destined to develop the consciousness in which the I lives throughout the rest of our lives. If we did not have this dense physical body, we would indeed remain childlike by virtue of the current human cycle. But because we have it, coexistence with the spiritual world during the first three years cannot come to full consciousness.

[ 14 ] Was muß jetzt eintreten im Laufe der Menschheitsentwickelung? Was ist das einzig Gesunde? Wir können am leichtesten dieses Gesunde aussprechen, wenn wir die beiden Begriffe der alten Zeit gebrauchen für diese zwei Menschen, die in uns leben. Der eine Mensch ist der geistig-seelische in den ersten drei Kindheitsjahren, der nicht mehr recht zum äußeren Menschen paßt, aber kein Ich-Bewußtsein entwickeln kann. Diesen Menschen nannte man in alten Zeiten den Gottessohn. Und den, der heute seinen physischen Leib so hat, daß das IchBewußtsein darin leben kann, nannte man den Menschensohn. So daß der Gottessohn im Menschensohn lebt. Heute ist es so, daß der Gottessohn sich nicht mehr bewußt werden kann im Menschensohn, sondern erst abgeschnürt werden soll, wenn das heutige Ich-Bewußtsein auftreten soll. Aber des Menschen Aufgabe ist es, den Menschensohn, die äußeren Hüllen, durch bewußte Aufnahme der spirituellen Welt so umzugestalten, so zu überwinden, so sich über das zum Herrn zu machen, daß nach und nach der Menschensohn wiederum ganz durchdrungen wird vom Gottessohn. Wenn die Erde am Ende ihrer Entwickelung angelangt sein wird, muß der Mensch bewußt gemacht haben, was er unbewußt von der Kindheit herauf nicht mehr machen kann. Mit seinem göttlichen Teil muß er seinen Menschensohn ganz durchdrungen haben. Was muß den Menschen ganz durchdringen und durchgießen, was muß sich in alle Glieder des physischen, Äther- und Astralleibes hineingießen, damit der Mensch seinen ganzen Menschensohn mit dem ganzen Gottessohn durchdringt? Da muß - vom Ich durchdrungen, vollbewußt -, was in den drei ersten Lebensjahren lebt, den ganzen Menschen durchdringen, das muß sich ergießen.

[ 14 ] What must now take place in the course of human development? What is the only healthy course of action? We can most easily articulate this healthy course by using the two concepts from ancient times to describe these two human beings who live within us. One of these human beings is the spiritual-soul being of the first three years of childhood, who no longer quite fits the outer human being but cannot develop an ego-consciousness. In ancient times, this human being was called the Son of God. And the one who today has a physical body in which the ego-consciousness can live was called the Son of Man. So that the Son of God lives within the Son of Man. Today, the Son of God can no longer become conscious within the Son of Man, but must first be cut off so that today’s sense of self may emerge. But it is the task of the human being to transform the Son of Man—the outer shells—through the conscious reception of the spiritual world, to overcome them, and to rise above them in such a way that, little by little, the Son of Man is once again completely permeated by the Son of God. When the Earth has reached the end of its development, humanity must have made conscious what it has been unable to do unconsciously since childhood. With its divine part, it must have completely permeated its human son. What must completely permeate and fill the human being, what must pour into every limb of the physical, etheric, and astral bodies, so that the human being may permeate his entire human son with the entire Son of God? That which lives in the first three years of life—permeated by the I and fully conscious—must permeate the whole human being; that must pour forth.

[ 15 ] Nehmen wir an, es sollte vor uns auftreten wie ein Muster dessen, was der Mensch werden soll, ein Wesen wie ein Ideal. Was muß sich bei diesem Wesen erfüllen? Dasjenige, was als Seele in diesem Wesen drinnen sitzt, kann man nicht brauchen, das kann die äußeren Hüllen nicht durchdringen. Ein gewöhnlicher Mensch der heutigen Entwickelung würde nicht das menschliche Erdenideal verwirklichen können, würde es nicht darstellen können. Wir müßten die Seele herausreißen, sozusagen ihn vor uns stehen haben wie er als Menschensohn die Seele herausreißt, und eine solche Seele in diesen Menschen hineinsenken, die wie die Seele in den drei ersten Lebensjahren ist, nur von vollem Ich-Bewußtsein durchdrungen. Auf keine andere Weise könnten wir ein Ideal der Erdenentwickelung vor uns hinstellen als einen Menschen, dem wir ausreißen seine Seele und dem wir eine Seele einpflanzen wie in den drei ersten Jahren, und diese kindliche Seele müßte das volle Ich-Bewußtsein haben. Die müßten wir einpflanzen. Und wie lange würde dann in einem physischen Menschenleben es eine solche Seele aushalten können? Der physische Leib kann nur drei Jahre hindurch eine solche Seele tragen, dann muß er eine solche Seele unterjochen. Also bei einem solchen Menschen muß der physische Leib nach drei Jahren zerbrechen. Es müßte das ganze Karma der Erde so ein ‚erichtet sein, daß der physische Leib nach drei Jahren zerbricht. Denn beim Menschen, wie er heute ist, ist es so, daß das, was in drei Jahren lebt, unterjocht wird. Bleibt es aber, so müßte es umgekehrt den physischen Leib unterjochen und zersprengen. Also ein Ideal dessen, was die Menschen-Erdenmission ist, würde sich nur erfüllen, wenn in einem Menschen physischer Leib, Atherleib und Astralleib für sich blieben, die gewöhnliche Seelenhaftigkeit herausgerissen würde, die Seelenhaftigkeit der drei ersten Jahre mit vollem Ich-Bewußtsein hineingesenkt würde. Dann würde die Seele den Menschenleib zersprengen, aber während dieser Jahre würde es darleben ein volles Musterbild dessen, was der Mensch erreichen kann.

[ 15 ] Let us suppose that it were to appear before us as a model of what humanity is meant to become, a being like an ideal. What must be fulfilled in this being? That which resides within this being as a soul is of no use; it cannot penetrate the outer shells. An ordinary human being at today’s stage of development would not be able to realize the human ideal on Earth, nor would they be able to embody it. We would have to tear out the soul—to have them stand before us, so to speak, just as the Son of Man tears out the soul—and implant into this human being a soul that is like the soul in the first three years of life, but imbued with full ego-consciousness. In no other way could we set before us an ideal of earthly development than by taking a human being from whom we tear out the soul and into whom we implant a soul as in the first three years, and this childlike soul would have to possess full ego-consciousness. We would have to implant that. And how long could such a soul endure in a physical human life? The physical body can carry such a soul for only three years; then it must subjugate such a soul. So in such a human being, the physical body must break down after three years. The entire karma of the Earth would have to be arranged in such a way that the physical body breaks down after three years. For in human beings as they are today, what lives for three years is subjugated. But if it were to remain, it would conversely have to subjugate and shatter the physical body. Thus, an ideal of what the human mission on Earth is would only be fulfilled if, within a human being, the physical body, etheric body, and astral body remained separate, the ordinary soul-binding were torn away, and the soul-binding of the first three years were lowered into it with full ego-consciousness. Then the soul would shatter the human body, but during these years it would live out a complete model of what a human being can achieve.

[ 16 ] Dieses Ideal ist das Christus-Ideal, und was in der Jordan-Taufe geschehen ist, ist die Realität dessen, was geschildert worden ist. Es wurde tatsächlich dieses vor die Erdenmenschheit hingestellt, was wir als das menschliche Ideal begreifen müssen. Es kann gar nicht anders sein. Was wir da einsehen, ist geschehen. Es ist geschehen, daß durch die Jordan-Taufe die Seele, an die wir gebannt werden während unserer drei ersten Kindheitsjahre, aber nun voll durchdrungen vom menschlichen Ich, in vollem Zusammenhang mit der spirituellen Welt nach oben, in einen menschlichen Leib, aus dem die frühere Seele herausging, hineinversetzt worden ist, und daß nach drei Jahren diese Seele aus den spirituellen Welten die Leiber zersprengt hat. So haben wir in den drei ersten Lebensjahren ein schwaches Abbild dessen vor uns, gleichsam ein ganz entblößtes Abbild dessen, was als Christus-Wesenheit drei Jahre lang im Leib des Jesus auf der Erde gelebt hat. Und wenn wir eine solche Menschenwesenheit in uns selber auszubilden versuchen, die wie die Kindheitsseele ist, aber voll durchdrungen von allem Inhalt der spirituellen Welt, dann haben wir eine Vorstellung jener Ichheit, jener Christusheit, von der Paulus spricht, als er die Forderung an die Menschen stellt: Nicht ich, sondern der Christus in mir —: die mit der vollen Ichheit erfüllte kindliche Seele. Dadurch wird der Mensch so, daß er seinen Menschensohn durchdringen kann mit seinem Gottessohn und imstande sein wird, sein Erdenideal zu erfüllen, zu überwinden alle äußere Wesenheit und den Zusammenhang wieder zu finden mit der spirituellen Welt.

[ 16 ] This ideal is the Christ ideal, and what took place at the baptism in the Jordan is the reality of what has been described. What we must understand as the human ideal was indeed set before humanity on Earth. It cannot be otherwise. What we perceive here actually happened. It happened that through the baptism in the Jordan, the soul to which we are bound during our first three years of childhood—but now fully permeated by the human ego—was transferred upward, in full connection with the spiritual world, into a human body from which the former soul had departed; and that after three years, this soul burst forth from the spiritual worlds into the bodies. Thus, in the first three years of life, we have before us a faint image of this, as it were, a completely stripped-down image of what lived on Earth for three years as the Christ-being in the body of Jesus. And when we try to develop within ourselves such a human being as the childhood soul, but one fully permeated by the entire content of the spiritual world, then we have a conception of that I-ness, that Christ-ness, of which Paul speaks when he makes the demand of human beings: “Not I, but Christ in me”—the childlike soul filled with full I-ness. Through this, the human being becomes capable of permeating his human self with his divine self and will be able to fulfill his earthly ideal, to overcome all external existence, and to rediscover the connection with the spiritual world.

[ 17 ] Wie müssen wir aber werden? Jeder Ausspruch hat einen mehrfachen Sinn in den religiösen Urkunden. Wir müssen werden wie die Kinder, wenn wir hineinschauen wollen in die Reiche der Himmel, aber mit der vollen Reife des Ich. Das steht uns in Aussicht bis zur Zeit, wo die Erde ihre Mission erfüllt haben wird. Es ist etwas, was uns sehr, sehr eigentümlich berühren kann, wenn wir sozusagen auf der einen Seite darauf blicken, wie im Grunde unser physischer Leib einem Vertrocknungsprozefßß entgegengeht, und auf der anderen Seite sich der Spiritualisierungsprozeß hineinsetzt, indem er überwindet das, was der Vertrocknung entgegengeht gegen die Zukunft hin. Aus den spirituellen Welten heraus muß das Innere so stark werden, daß das widerstrebende Äußere sich in seinem Charakter anpaßt. Damit stehen wir als Menschen im Einklang mit unserer Erdenentwickelung. Es sagt uns die spirituelle Wissenschaft über unsere Erde, daß wir längst über den Punkt hinaus sind, wo das mineralische Reich, das den Boden bildet, vom Granit durch Gneis, Schiefer bis zu unserer Ackererde, seine frischen Aufbaukräfte hat, sondern daß das alles in einem fortwährenden Zerstörungsprozeß begriffen ist. Wir gehen nicht auf einem Boden herum, der in Neubildung begriffen ist, sondern, weil die Erde über die Mitte ihrer Entwickelung hinausgelangt ist, auf einem Boden, der bereits sich auflöst, der bereits in Zerstörung begriffen ist. Wir stehen mit unserer Bildung ganz im Einklang mit unserer Planetenbildung. Wir haben einen physischen Leib in uns, der nach und nach vertrocknet und den wir überwinden, aber wir haben auch in dem Boden etwas, was im Zerfall begriffen ist, und wie sich Täler und Gebirge bilden, ist Zerfall der Erdenrinde.

[ 17 ] But how must we become? Every statement has multiple meanings in religious texts. We must become like children if we wish to glimpse the realms of heaven, yet with the full maturity of the self. This is what lies ahead for us until the time when the Earth has fulfilled its mission. It is something that can touch us in a very, very peculiar way when we look, so to speak, on the one hand at how our physical body is essentially heading toward a process of withering, and on the other hand at how the process of spiritualization sets in, overcoming what is leading toward withering as we look toward the future. From the spiritual worlds, the inner must become so strong that the resistant outer adapts in character. In this way, we as human beings are in harmony with our Earth’s development. Spiritual science tells us about our Earth that we have long since passed the point where the mineral kingdom, which forms the soil—from granite through gneiss and slate to our topsoil—possesses fresh building forces, but rather that all of this is in the midst of a continuous process of destruction. We do not walk on soil that is in the process of being newly formed, but—because the Earth has passed the midpoint of its development—on soil that is already disintegrating, that is already in the process of destruction. Our own development is entirely in harmony with the formation of our planet. We have a physical body within us that gradually withers away and which we overcome, but we also have in the soil something that is in the process of decay, and just as valleys and mountains are formed, so too is the decay of the Earth’s crust.

[ 18 ] Die spirituelle Wissenschaft sagt aus: Du gehst über eine zerfallende Erde. Wenn du über ein Gebirge steigst, mußt du dir bewußt sein, daß da etwas zerbrochen, geborsten ist und daß der Bruch nicht ein Fortbildungsprozeß ist. Über der Mitte der Erdenentwickelung sind wir seit Mitte der atlantischen Zeit hinweg. Seither sind wir auf einer zerstörten Erde, die einst als Leichnam von uns fallen wird. — Es ist eines der schönsten Beispiele, wie diese spirituelle Erkenntnis im vollen Einklang steht mit der wirklichen Wissenschaft der Gegenwart. Denn Anthroposophen sollten unterscheiden lernen zwischen dem, was wirkliche Wissenschaft ist, und alledem, was sich heute durch unzählige populäre Kanäle als Wissenschaft gebärdet, aber nichts ist als eine Summe von Vorurteilen und dergleichen mehr. Wenn man zu den wirklichen Quellen der einzelnen Wissenschaften geht, erlangt man die Einsicht, daß spirituelle Erkenntnis in vollem Einklang mit der Wissenschaft steht. Hier ist eines der schönsten Beispiele. Denn es gibt keinen gründlicheren Geologen als Eduard Sueß, und es ist gewiß richtig, was ein anderer Geologe sagt, daß das Werk von Sueß «Das Antlitz der Erde», die geologische Epopöe der Erde ist, Es wurde allerdings ganz besonders sorgfältig durchgearbeitet. Dieses Werk ist dasjenige, in dem man als in einem monumentalen Werk das finden kann, was man heute, mit aller Vorsicht und ohne durch Theorien sich voreinnehmen zu lassen, auf Grundlage der geologischen Tatsachen behaupten kann. Sueß untersucht nicht etwa, wie es selbst noch Buch oder Humboldt getan haben, nach vorgefaßten Ideen, sondern einfach, was Tatsache ist. Und da ist ja eines interessant, was Sueß über die eigentliche Bildung des Erdbodens zu sagen weiß, aus sorgfältigen Tatsachen heraus. Für ihn ist tatsächlich in der Bildung des Erdbodens genau das, was für die spirituelle Wissenschaft der heutige Erdboden ist, nur daß er nichts weiß von der spirituellen Wissenschaft, sondern aus den reinen physischen Tatsachen seine Schlüsse zieht. Für ihn sind Täler dadurch entstanden, daß gewisse Kräfte so gewirkt haben, daß Fels- und Gesteinsmaterial abstürzte und dadurch Vertiefung entstand, während eine Erhöhung blieb und so weiter. Das alles ist durch Zusammensturz, Überwerfung und Überfaltung gebildet, in dem nur noch die zerstörenden Kräfte wirken. Eine Stelle darf ich Ihnen vorführen aus seinem großen Werk. So werden Sie sehen, wie das hier, wo wir es mit wirklicher Wissenschaft zu tun haben, im Einklang steht mit dem, was spirituelle Erkenntnis ist. Er sagt an einer Stelle seines Werkes: «Der Zusammenbruch des Erdballes ist es, dem wir beiwohnen. Er hat freilich schon vor sehr langer Zeit begonnen, und die Kurzlebigkeit des menschlichen Geschlechtes läßt uns dabei guten Mutes bleiben. Nicht nur im Hochgebirge sind die Spuren vorhanden. Es sind große Schollen hunderte, ja in einzelnen Fällen viele tausende von Fuß tief gesunken, und nicht die geringste Stufe an der Oberfläche, sondern nur die Verschiedenheit der Felsarten oder tiefer Bergbau verraten das Dasein des Bruches. Die Zeit hat alles geebnet. In Böhmen, in der Pfalz, in Belgien, in Pennsylvanien, an zahlreichen Orten zieht der Pflug ruhig seine Furchen über die gewaltigsten Brüche.»

[ 18 ] Spiritual science states: You are walking upon a decaying Earth. When you climb a mountain, you must be aware that something there is broken and shattered, and that this breaking is not a process of further development. We have been past the midpoint of Earth’s evolution since the middle of the Atlantean epoch. Since then, we have been on a destroyed Earth, which will one day fall away from us like a corpse. — It is one of the most beautiful examples of how this spiritual insight is in full harmony with the real science of the present day. For anthroposophists should learn to distinguish between what is true science and all that which today, through countless popular channels, presents itself as science but is nothing more than a sum of prejudices and the like. When one goes to the true sources of the individual sciences, one gains the insight that spiritual knowledge is in full harmony with science. Here is one of the finest examples. For there is no geologist more thorough than Eduard Suess, and it is certainly true, as another geologist says, that Suess’s work *The Face of the Earth* is the geological epic of the Earth. It was, however, worked out with particular care. This work is the one in which one can find, as in a monumental work, what one can assert today—with all due caution and without being prejudiced by theories—on the basis of geological facts. Süss does not investigate, as Buch or Humboldt did, according to preconceived ideas, but simply what is fact. And there is indeed something interesting in what Süss has to say about the actual formation of the Earth’s surface, based on careful facts. For him, the formation of the Earth’s surface is precisely what the present-day Earth’s surface is for spiritual science, except that he knows nothing of spiritual science but draws his conclusions from purely physical facts. For him, valleys were formed because certain forces acted in such a way that rock and stone material collapsed, creating depressions, while elevations remained, and so on. All of this was formed through collapse, overturning, and folding, in which only the destructive forces are at work. I would like to present one passage from his great work to you. Thus you will see how this, where we are dealing with true science, is in harmony with what spiritual knowledge is. He says at one point in his work: “It is the collapse of the globe that we are witnessing. It certainly began a very long time ago, and the transience of the human race allows us to remain of good cheer in this regard. The traces are not found only in the high mountains. Large sections of land have sunk hundreds, and in some cases many thousands, of feet deep, and not the slightest step on the surface, but only the variety of rock types or deep mining reveal the existence of the fracture. Time has leveled everything. In Bohemia, in the Palatinate, in Belgium, in Pennsylvania, and in numerous other places, the plow quietly draws its furrows across the most massive faults.”

[ 19 ] Das ist nur gesagt hier, um Ihnen zu zeigen, wie unser Erdenplanet erst im Sinne spiritueller Weisheit diesen Verdorrungs- und Vertrocknungs- und Zerstörungsprozeß zeigt gleich dem physischen Leibe. Die Menschen, die heute Weltanschauungen aufstellen, gehen nicht zu wirklicher Wissenschaft. Denn es gehört viel dazu, das Riesenwerk von Eduard Sueß auch nur durchzustudieren. Aber das würde nichts helfen, wenn man nicht bekannt wäre mit der ganzen geologischen Wissenschaft der Gegenwart, insofern sie lehrt, ein solches Werk zu lesen. Wo der Mensch an die wirklichen Wissensquellen herangeht, da findet er überall die absoluten Tatsachen.

[ 19 ] This is mentioned here only to show you how our planet Earth, in the sense of spiritual wisdom, exhibits this process of withering, drying up, and destruction, just like the physical body. The people who formulate worldviews today do not engage in true science. For it takes a great deal just to study through Eduard Suess’s monumental work. But that would be of no help if one were not familiar with the entire body of contemporary geological science, insofar as it teaches one how to read such a work. Wherever a person approaches the true sources of knowledge, there they will find the absolute facts everywhere.

[ 20 ] Hier aber gibt es eine spirituelle Wissenschaft, sie sagt uns: Die Sachen sind so — zum Beispiel über den Fortgang unserer Erdenentwikkelung -, daß die Erde einst, ehe Organismen waren, sich nicht in jenem phantastischen Zustand befand, wo der Granit feuerflüssig war, sondern wo die ganze Erde durchzogen war von ähnlicher Tätigkeit wie zum Beispiel beim Menschen, wenn er denkt. Dieser Zersetzungsprozeß wurde einst eingeleitet, und dadurch kam das zustande, daß man sagen kann: Von dem Erdenorganismus fielen wie ein Regen heraus die chemischen Stoffe, die heute der Organismus nicht mehr enthält, also zum Beispiel die Stoffe, aus denen der Granit besteht. Das sickerte herunter, und im wesentlichen waren es diese Zerstörungsprozesse, die im Verein mit dem Chemismus der Erde jene Möglichkeit hervorriefen, daß der Granit entstand als fester Mutterboden der Erde. — Aber damals wurde schon ein Zersetzungsprozeß eingeleitet, und was heute ist, muß die Folge sein. Unsere mineralischen Prozesse sind Folgen jenes Zersetzungsprozesses, der in gerader Linie fortgeht. Was muß uns die wirkliche Naturwissenschaft zeigen? Daß wirklich jene Prozesse vorhanden sind, die da sein müssen. Überall zeigt sich uns das in der wirklichen Naturwissenschaft. Nirgends widerspricht wirkliche Naturwissenschaft dem, was Geisteswissenschaft fordert, überall ist es nur Bestätigung.

[ 20 ] But here there is a spiritual science that tells us: The facts are such—for example, regarding the course of our Earth’s development—that the Earth, before organisms existed, was not in that fantastical state where granite was molten, but rather where the entire Earth was permeated by an activity similar to that which occurs, for example, in a human being when he thinks. This process of decomposition was once set in motion, and as a result, one can say: The chemical substances that the Earth organism no longer contains today—such as the substances of which granite is composed—rained down from the Earth organism. This seeped down, and essentially it was these processes of destruction, in conjunction with the Earth’s chemistry, that created the possibility for granite to emerge as the Earth’s solid bedrock. — But a process of decomposition had already been set in motion back then, and what exists today must be the consequence. Our mineral processes are consequences of that process of decomposition, which continues in a straight line. What must true natural science show us? That the processes which must be there are indeed present. This is evident to us everywhere in true natural science. Nowhere does true natural science contradict what spiritual science demands; everywhere it is merely a confirmation.

[ 21 ] Solche Bestätigung wird der Mensch auch finden in bezug auf Reinkarnation und Karma. Nur muß die Menschheit einmal hinauskommen über all die Theorien, Vorurteile und dergleichen. Die Tatsachen sind überall zu brauchen, wo sie Tatsachen sind, nicht konfuse Hypothesen wie die Annahme, daß einmal existiert hat, was die geologischen Theoretiker als den Zustand der Erde zur Granitzeit denken, ganz abgesehen von den philosophischen Theorien der Gegenwart, in denen wir etwas vor uns haben, was von aller Geistigkeit ziemlich verlassen ist. Wir dürfen uns nicht imponieren lassen von solcher Rederei wie zum Beispiel, wenn jemand kommt und sagt: Die menschliche Einzelentwickelung, die wir begründen auf Reinkarnation und Karma, stammt aus den Unendlichkeiten der geistigen Entwickelung. — Es ist möglich, daß heute ein Mensch weltberühmt werden kann und sagen kann, die menschliche Einzelentwickelung stammt aus der Unendlichkeit der geistigen Entwickelung -, was nichts ist als ausgewalztes Blech, wenn es auch als offizielle Philosophie verkündet wird und an den Namen Wundt gebunden ist. Hier stehen wir in der Tat an der Grenzscheide zweier Geisteswelten, und dessen müssen wir uns bewußt sein. Das eine ist die tatsächliche, überall die Geisteswissenschaft nur bestätigende Naturwissenschaft, insofern sie auf Tatsachen fußt. Das andere sind die verschiedenen philosophischen Theorien, Hypothesen und allerlei «geistvolles» Zeug über das, was zugrunde liegen soll den äußeren Vorgängen. Davon soll sich wirklich Geisteswissenschaft streng scheiden. Dann werden wir schon auch sehen, wie es immer mehr möglich wird zu begreifen, daß dasjenige, was wir uns durch spirituelle Erkenntnis aneignen — diese Zusammensetzung des Menschen und die Beziehungen der Glieder zu den verschiedenen Epochen der Menschheitsentwickelung, auch der einzelnen Menschenentwickelung — uns tief hineinweist in die Geheimnisse der Welt, und daß in so etwas wie einer richtigen Betrachtung der drei ersten Kindheitsjahre, die erste Stufe gegeben ist, um das Mysterium von Golgatha in seiner Wahrheit zu erkennen und ein solches Schriftwort wirklich zu verstehen, wie das ist: So ihr nicht werdet wie die Kindlein, könnet ihr nicht hineinkommen in die Reiche der Himmel!

[ 21 ] People will also find such confirmation with regard to reincarnation and karma. Humanity must, however, eventually move beyond all the theories, prejudices, and the like. Facts must be accepted wherever they are facts, not confused hypotheses such as the assumption that what geological theorists conceive of as the state of the Earth during the Granite Age ever existed, quite apart from the philosophical theories of the present day, in which we are faced with something that is quite devoid of all spirituality. We must not allow ourselves to be impressed by such talk as, for example, when someone comes along and says: “The individual human development that we base on reincarnation and karma originates from the infinities of spiritual development.” — It is possible that today a person can become world-famous and claim that individual human development originates from the infinity of spiritual development—which is nothing but hollow rhetoric, even if it is proclaimed as official philosophy and associated with the name of Wundt. Here we stand, in fact, at the dividing line between two spiritual worlds, and of this we must be aware. One is the actual natural science, which everywhere merely confirms spiritual science insofar as it is based on facts. The other consists of the various philosophical theories, hypotheses, and all manner of “spiritual” nonsense about what is supposed to underlie external processes. Spiritual science must strictly separate itself from this. Then we will also see how it becomes increasingly possible to grasp that what we acquire through spiritual knowledge—this composition of the human being and the relationships of the members to the various epochs of human development, as well as individual human development—points us deeply into the mysteries of the world, and that in something like a proper consideration of the first three years of childhood, the first step is given to recognize the Mystery of Golgotha in its truth and to truly understand a Scripture passage such as this: “Unless you become like little children, you cannot enter the kingdom of heaven!”