The Revelations of Karma
GA 127
14 June 1911, Vienna
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The Mission of the New Spiritual Revelation, tr. SOL
13. Glaube, Liebe, Hoffnung
13. Faith, Love, Hope
[ 1 ] Es gereicht mir zu einer großen Freude, Sie heute auf meiner Durchreise wieder begrüßen zu können und über einiges Theosophisches am heutigen Tage mit Ihnen sprechen zu können. Dabei dürfen wir gerade an diesem Orte, wo wir vor etwas mehr als einem Jahr eingehend über ein Thema aus dem Bereich des theosophischen Erkennens und Lebens sprachen, und mancherlei Ideen und Begriffe dabei aufgenommen haben, ein Thema berühren, das mehr dem seelischen Leben des Menschen, dem inneren Leben des Gemütes nahesteht und doch uns wiederum hinaufweist und hinaufweisen kann in die Perspektiven, die uns unterrichten werden vom Zusammenhang des Menschen mit den großen Sternenwelten, mit dem, was wir den Makrokosmos nennen.
[ 1 ] It is a great pleasure for me to welcome you again today as I pass through and to be able to speak with you about some theosophical matters. Here, in this very place where, a little over a year ago, we spoke at length about a topic from the realm of theosophical knowledge and life, and having absorbed various ideas and concepts in the process, we may touch upon a topic that is closer to the spiritual life of the human being, to the inner life of the soul, and yet which in turn points us upward and can point us upward toward perspectives that will teach us about the connection between humanity and the great stellar worlds, with what we call the macrocosm.
[ 2 ] Ich möchte heute von einer Anschauung ausgehen, einem Leitspruch, welcher durch die ganze menschliche Geschichte geht und der uns auf der einen Seite die Sehnsucht des Menschen ausdrückt, seinem höheren Selbst nahezukommen, auf der anderen Seite aber sagt, wie wenig er an sein göttliches Selbst heranlangt. In der griechischen Geschichte finden wir Sokrates, wie er herumgeht, lehrend die Menschen, durch einfache Begriffe sie auf die Tugend hinlenkend, auf alles das, was dem menschlichen Gemüt naheliegt. Sokrates, der griechische Weise, wollte den Blick seiner Zeitgenossen von der äußeren Natur wegwenden. Während seine Vorgänger über das dachten, was den großen Naturerscheinungen zugrunde liegt und sie zu erklären suchten, wird von Sokrates gesagt, daß er den Ausspruch getan haben soll: Was interessiert uns die Natur, die Bäume, die Vögel? Sie können uns nicht lehren, wie wir Menschen besser werden. — Dieser Satz enthält einen Irrtum. Aber darauf kommt es hier nicht an, ob Sokrates einen Irrtum begeht, sondern darauf kommt es an, was er wollte. Er war einer der größten Weisen der Welt, der sogar das, was er wollte, mit seinem Leben bezahlt hat.
[ 2 ] Today I would like to begin with a concept, a guiding principle that runs through all of human history and which, on the one hand, expresses humanity’s longing to draw closer to its higher self, but on the other hand shows how little it actually comes close to its divine self. In Greek history, we find Socrates walking about, teaching people, guiding them toward virtue through simple concepts, toward all that is close to the human heart. Socrates, the Greek sage, wanted to turn his contemporaries’ gaze away from external nature. While his predecessors pondered what underlies the great phenomena of nature and sought to explain them, it is said that Socrates uttered the following: “What do we care about nature, the trees, the birds? They cannot teach us how to become better human beings.” — This statement contains an error. But what matters here is not whether Socrates erred, but rather what he intended. He was one of the world’s greatest sages, who even paid for what he intended with his life.
[ 3 ] Einen Leitspruch gibt es, der von Sokrates erhalten ist. Sein Inhalt fällt jeder Menschenseele auf, die sich selbst erkennen will: er lehrte die Tugend, die Moralität. Wenn der Mensch sie wirklich einsehen könnte, würde er danach handeln. Wenn der Mensch von der Moralität abgeht, so kommt das nur daher, daß er sie noch nicht ganz einsieht. Die Tugend ist lehrbar. Das menschliche Herz wendet ein, daß die menschliche Natur schwach sei, daß sie oft gegen die Tugend fehle. Derjenige, welcher diesen Spruch in eine Form geprägt hat, in der er in vielen Herzen lebt, so lebt, daß er ein Ausdruck des tiefsten Bedauerns, der Entschuldigung ist, Paulus, hat diesem Spruch die Form gegeben: Stark ist der Geist, das Fleisch ist schwach. — Viele sehen ein, worin die’Tugend besteht und können ihr doch nicht folgen. Dieser Zwiespalt geht durch die ganze menschliche Natur. Man braucht nur diesen Ausspruch in seine Seele zu schreiben, und man hat die Zwiespältigkeit der menschlichen Natur aufgezeichnet. Es gibt etwas im Menschen, was über ihn hinausragt: die höhere menschliche Natur ragt über die niedere hinaus.
[ 3 ] There is a maxim that has been handed down from Socrates. Its meaning strikes every human soul that seeks to know itself: he taught virtue and morality. If people could truly understand them, they would act accordingly. If people stray from morality, it is only because they do not yet fully understand it. Virtue can be taught. The human heart objects that human nature is weak, that it often fails in the face of virtue. The one who shaped this saying into a form that lives in many hearts—a form that is an expression of the deepest regret and apology—Paul, gave this saying its form: The spirit is strong, but the flesh is weak. — Many understand what virtue consists of and yet cannot follow it. This conflict runs through the whole of human nature. One need only inscribe this saying in one’s soul, and one has recorded the conflict within human nature. There is something in man that transcends him: the higher human nature transcends the lower.
[ 4 ] Durch die Theosophie werden wir gewohnt, die menschliche Natur nicht als etwas bloß Einfaches anzusehen. Die Seele des Menschen erscheint uns als eine Dreiheit. Es muß hier an die Entwickelung unseres Planeten erinnert werden, an seine früheren Inkarnationen, die er durchlaufen hat und in welchen mit ihm auch der Mensch entwickelt worden ist. Die erste Inkarnation unseres Planeten war der Saturnzustand. Hier wurde der Keim gelegt zum physischen Körper des Menschen. Nachdem dieser Zustand lange gedauert hatte, löste sich der Planet auf und erschien abermals, und zwar als Sonne mit den Kräften des Lebensäthers. In diesem Zustand wurde dem physischen Leib der Ather- oder Lebensleib im Keime hinzugefügt. Wieder nach langer Zeit löste sich der Planet auf und erschien abermals, und zwar im Mondenzustand. In ihm wurde dem menschlichen physischen und ätherischen Leib der astralische Leib hinzugefügt. Und nachdem auch dieser Zustand durch die Auflösung gegangen war, verkörperte sich die Erde in der Form, die sie jetzt hat. Als viertes Prinzip wurde jetzt dem Menschen der Keim seines Ichs hinzugefügt.
[ 4 ] Theosophy teaches us not to view human nature as something merely simple. The human soul appears to us as a trinity. Here we must recall the evolution of our planet, its earlier incarnations, through which it has passed and in which humanity has also developed alongside it. The first incarnation of our planet was the Saturn state. Here the seed was sown for the human physical body. After this state had lasted a long time, the planet dissolved and reappeared, this time as the Sun with the forces of the life ether. In this state, the etheric or life body was added in embryonic form to the physical body. Again, after a long time, the planet dissolved and reappeared, this time in the lunar state. In it, the astral body was added to the human physical and etheric bodies. And after this state, too, had undergone dissolution, the Earth took on the form it has today. As a fourth principle, the seed of the human ego was now added to the human being.
[ 5 ] Saturn, Sonne und Mond ist eine Dreiheit: die Vergangenheit der Erde. Während dieser hat sich die menschliche Dreiheit entwickelt: physischer Leib, Ätherleib, Astralleib. Diese sind Menschenvergangenheit. Sein Ich ist die Gegenwart. Seine Zukunft liegt in dem, was es aus der unteren Dreiheit herausarbeitet, was an Durchgeistigung dabei erreicht wird. Indem das Ich den astralischen Leib durchdringt und beherrschen lernt, wandelt es ihn um zum Geistselbst oder Manas. Indem das Ich den Ätherleib durchdringt, wandelt es ihn um zum Lebensgeist oder Buddhi. Indem das Ich den physischen Leib durchdringt, wandelt es ihn um zum Geistesmenschen oder Atman. Dies ist die obere Dreiheit, die Zukunft des Menschen.
[ 5 ] Saturn, the Sun, and the Moon form a trinity: the past of the Earth. During this period, the human trinity developed: the physical body, the etheric body, and the astral body. These constitute humanity’s past. The ego is the present. Its future lies in what it works out of the lower triad, in the spiritualization achieved in the process. As the ego penetrates the astral body and learns to master it, it transforms it into the spiritual self or Manas. As the ego penetrates the etheric body, it transforms it into the life spirit or Buddhi. By permeating the physical body, the I transforms it into the spiritual human or Atman. This is the upper triad, the future of the human being.
[ 6 ] Nun ist auch das Ich ein Dreifaches, denn die Seele hat drei Aspekte, drei Grundkräfte, aus denen sie besteht, die von ihr niemals getrennt oder herausgerissen werden können. Diese drei Kräfte sind das, was wir die Empfindungsseele, Verstandesseele, Bewußtseinsseele genannt haben. Sie sind Teile der allmählich zum Bewußtsein sich hindurchringenden Individualität. Wir können sie mit den Worten unserer Sprache auch bezeichnen als Klugheit, Individualität und Moralität. In der Empfindungsseele erfühlen wir das innerlich Seelische; der astralische Leib kann als das Außere der Empfindungsseele betrachtet werden. Aus der Verstandesseele ringt sich das bewußt werdende Ich heraus. Innerhalb der erwachsenden Ich-Kräfte wird die Bewußtseinsseele als das Innere erlebt, das Geistselbst als das Äußere.
[ 6 ] Now, the “I” is also threefold, for the soul has three aspects, three fundamental forces of which it is composed, and which can never be separated from or torn away from it. These three forces are what we have called the feeling soul, the intellectual soul, and the conscious soul. They are parts of the individuality that gradually struggles its way to consciousness. We can also describe them in our language as intelligence, individuality, and morality. In the feeling soul we sense the inner soul; the astral body can be regarded as the outer aspect of the feeling soul. From the intellectual soul the self, becoming conscious, struggles forth. Within the developing powers of the self, the consciousness soul is experienced as the inner aspect, the spiritual self as the outer aspect.
[ 7 ] Gibt es etwas, was uns andeuten kann, daß wahr ist, was eben gesagt wurde? Um uns diese Frage zu beantworten, nehmen wir Rücksicht auf das, was wir geworden sind durch die Entwickelungsstadien der Menschheit. Wir stehen zwischen der vergangenen niederen Dreiheit und der leuchtenden geistig-seelischen Dreiheit mitten darin. Wir wollen heute mit Worten, die aus dem unmittelbaren Leben genommen sind, diese Dreiheit bezeichnen, nicht wie in dem Buch «Theosophie», wo sie wissenschaftlich dargestellt ist. Was ist das, was uns bedeuten kann unsere tiefsten seelischen Mängel, unsere seelischen Sehnsuchten und Unbefriedigung, was ist diese Dreiheit, wenn wir auf unsere Klugheit, Individualität und Tugend sehen, auf all unser Streben, das uns mit Beseligung oder mit Disharmonie erfüllen kann? Das ist diese Dreiheit, die wir bezeichnen können als Glaube, als Hoffnung und als Liebe. Sie sind die drei Grundkräfte der Seele, die nie von ihr genommen werden können. Glaube - was ist Glaube? Glaube ist eine Seelenkraft, die nie der Menschenseele ganz entrissen werden kann, und sie lebt in jedem Menschen. Kein Volk hat es gegeben, welches sie nicht gehabt hätte, keine Religion hat es sich nehmen lassen, davon zu sprechen. Die Glaubenssehnsucht ist es, welche die Welt durchzieht. Immer will die Seele etwas haben, woran sie haften kann. Erhält diese Glaubenssehnsucht keine Befriedigung, dann ist es bös bestellt um die gequälte Seele. Wenn ihr genommen wird, woran sie glauben kann — wie es durch den Materialismus geschieht -, dann geht es ihr so, wie wenn dem menschlichen Körper die Luft zum Atmen entzogen würde. Nur daß der Vorgang des Erstickens des Körpers sehr kurz, jener der Seele sehr lang dauert.
[ 7 ] Is there anything that can suggest to us that what has just been said is true? To answer this question, let us consider what we have become through the stages of human development. We stand in the midst of the past lower triad and the radiant spiritual-soul triad. Today we wish to describe this triad using words taken from everyday life, not as in the book *Theosophy*, where it is presented scientifically. What is it that can signify to us our deepest spiritual deficiencies, our spiritual longings and dissatisfaction? What is this trinity when we look at our wisdom, individuality, and virtue, at all our striving that can fill us with bliss or with disharmony? This is the triad that we can describe as faith, hope, and love. They are the three fundamental forces of the soul that can never be taken from it. Faith—what is faith? Faith is a spiritual force that can never be completely wrested from the human soul, and it lives in every human being. There has never been a people that did not possess it, nor has any religion refrained from speaking of it. It is the longing for faith that pervades the world. The soul always wants something to cling to. If this longing for faith is not satisfied, then the tormented soul is in a dire state. When what it can believe in is taken from it—as happens through materialism—then it fares as if the human body were deprived of the air it needs to breathe. Except that the process of suffocation takes very little time for the body, but a very long time for the soul.
[ 8 ] Vielfach liest man Aussprüche, wie: Wissen ist Macht — und dergleichen. Nun ist im Eingange der Bibel ein eigentümliches Wort gefunden worden, das bis heute noch nicht richtig gewürdigt wird. Es ist dort die Rede vom Baum der Erkenntnis und von der Frucht des Baumes der Erkenntnis, die gegessen wird. Das ist ganz wörtlich zu nehmen. Erkenntnis ist Nahrung, Wissen ist Nahrung für die Seele. Die Seele ißt von dem, was wir als Begriffe aus der Theosophie in uns aufnehmen. Sie ißt von dem, was sie glaubt, und sie hat gesunde Nahrung nur an dem, was die Theosophie ihr bietet.
[ 8 ] One often comes across sayings such as: “Knowledge is power”—and the like. Now, at the beginning of the Bible, a peculiar phrase has been found that has not yet been properly appreciated to this day. It speaks of the tree of knowledge and of the fruit of the tree of knowledge that is eaten. This is to be taken quite literally. Knowledge is nourishment; knowledge is food for the soul. The soul feeds on what we take in as concepts from theosophy. It feeds on what it believes, and it finds healthy nourishment only in what theosophy offers it.
[ 9 ] Glaube, sagen die Wissenschafter und Materialisten, sei ein überwundener Standpunkt. Ich glaube nur, was ich weiß -, sagt der moderne Mensch. Das ist ein Irrtum. Glaube ist kein Verfall in die Vergangenheit, denn Glaube und Wissen bilden keinen Gegensatz. Das Wissen aber ist wandelbar und es kann das Glaubensbedürfnis im Herzen des Menschen nicht befriedigen. Wenn die materielle Wissenschaft behauptet, die Welt sei aus Atomen zusammengesetzt und durch Zufall geworden, dann sagt das Menschenherz ganz richtig: Das kann ich nicht glauben, ich finde keine Befriedigung an dieser Hypothese. — Und weil der Mensch nicht glauben kann, weil er nichts hat, woran er sich mit seinem Glaubensgefühl fest anklammern kann, deshalb ist die menschliche Seele nicht gesund, und diese ungesunde Seele macht den Körper krank. So entsteht Nervosität im heutigen Sinne und wird immer ärger und ärger. So wirkt die Seele auf den Körper und der so gewordene Mensch auf seine Umgebung, welche er herunterzieht und krank macht, und auf seine Nachkommen. Daher kommt es, daß die Menschheit mehr und mehr degeneriert, und es wird leider noch immer ärger und ärger werden. Die materialistische Wissenschaft ist es, welche den Menschen «Steine statt Brot» gibt. Die Seele hat keine Nahrung, obzwar der Intellekt überfüllt mit Wissen ist. Und ein solcher Mensch geht dann herum und weiß nicht, was er mit sich anfangen soll, er weiß nicht, woran er festhalten soll, und genau so, wie wenn man ihm die Atemluft nimmt, so erstickt die Menschenseele daran, daß sie keine Nahrung, keine geistige Lebensnahrung hat. Die Theosophie ist deshalb in die Welt gekommen, um die Menschheit mit Nahrung zu versehen.
[ 9 ] “Faith,” say the scientists and materialists, “is an outdated viewpoint.” “I believe only what I know,” says the modern person. This is a mistake. Faith is not a retreat into the past, for faith and knowledge are not opposites. Knowledge, however, is changeable and cannot satisfy the need for faith in the human heart. When material science claims that the world is composed of atoms and came into being by chance, the human heart rightly says: I cannot believe that; I find no satisfaction in this hypothesis. — And because the human being cannot believe, because he has nothing to which he can firmly cling with his sense of faith, the human soul is not healthy, and this unhealthy soul makes the body sick. This is how nervousness in the modern sense arises and becomes worse and worse. Thus the soul affects the body, and the human being who has become this way affects his surroundings—which he drags down and makes sick—and his descendants. This is why humanity is degenerating more and more, and unfortunately it will only get worse and worse. It is materialistic science that gives people “stones instead of bread.” The soul has no nourishment, even though the intellect is overflowing with knowledge. And such a person then goes about not knowing what to do with himself, not knowing what to hold on to, and just as if the air he breathes were taken from him, so the human soul suffocates because it has no nourishment, no spiritual sustenance. Theosophy has therefore come into the world to provide humanity with nourishment.
[ 10 ] Wenn wir, um Theosophie zu betreiben, zusammenkommen, tun wir es nicht so wie andere Vereine etwa, die sich mit Literatur, schönen Künsten, sozialen Problemen und dergleichen befassen. Wir treiben Theosophie nicht aus Neugierde, sondern deshalb, um den Glaubensdrang zu befriedigen, um der Seele Nahrung zu geben. Deshalb lassen wir die theosophischen Begriffe, Gefühle und Empfindungen auf unsere Seele einwirken.
[ 10 ] When we come together to practice Theosophy, we do not do so in the same way as other societies, for example, that deal with literature, the fine arts, social issues, and the like. We do not practice Theosophy out of curiosity, but rather to satisfy the soul’s thirst for faith, to nourish the soul. That is why we allow theosophical concepts, feelings, and sensations to take effect on our soul.
[ 11 ] Wenn wir nun dies betrachten im Hinblick auf die Welt- und Menschheitsentwickelung, so müssen wir uns erinnern, daß während des Mondenzustandes der Erde der astralische Leib dem Menschen hinzugefügt worden ist. Was ist nun dieser astralische Leib? Er besteht aus Kräften, die immer etwas ergreifen müssen, die immer sich irgendwo anhaften müssen. In ihrer Wirkung sind diese Kräfte das, was wir als Glaube, als Glaubenskraft erleben. Der astralische Leib ist der Quell des Glaubens selbst. Er muß daher Nahrung erhalten, soll er sich entwickeln, soll er leben. Das Verlangen nach Nahrung ist die Glaubenssehnsucht. Kann diese Glaubenskraft nicht befriedigt werden, wird dem Glauben eins ums andere entzogen, woran er sich halten könnte, wird ihm nicht gute geistige Nahrung geboten, dann wird der astralische Leib krank und durch ihn auch der physische Mensch. Erhält er aber die Befriedigung aus jenen Begriffen, Vorstellungen und Gefühlen, welche die Theosophie aus der Wahrheit, aus den Tiefen der Welterkenntnis schöpft, dann hat er seine ihm zusagende seelische Nahrung, dann hat er seine Befriedigung. Er wird stark, gesund, und der Mensch selbst wird gesund. Bis auf das Wort haben sich seit einem Jahrhundert etwa die Ansichten geändert. Vor hundertdreißig Jahren ungefähr nannte man einen Menschen nervös, der ein fester Kerl war, mit starken Muskeln und voll Kraft. Heute ist ein nervöser Mensch ein unzufriedener, schwächlicher Mensch, ein Kranker, einer, dessen Seele unbefriedigt nach dem sucht, woraus sie ihre Nahrung ziehen kann. Aus alldem folgt, daß wir mit Fug und Recht den astralischen Leib den Glaubensleib nennen können.
[ 11 ] If we now consider this in relation to the development of the world and humanity, we must remember that during the Earth’s lunar phase, the astral body was added to the human being. What, then, is this astral body? It consists of forces that must always grasp something, that must always attach themselves to something. In their effect, these forces are what we experience as faith, as the power of faith. The astral body is the very source of faith itself. It must therefore be nourished if it is to develop, if it is to live. The craving for nourishment is the longing for faith. If this power of faith cannot be satisfied, if one thing after another is withdrawn from faith that it might cling to, if it is not offered good spiritual nourishment, then the astral body becomes ill, and through it the physical human being as well. But if it receives satisfaction from those concepts, ideas, and feelings that Theosophy draws from the truth, from the depths of world knowledge, then it has the spiritual nourishment that suits it, then it has its satisfaction. It becomes strong, healthy, and the human being himself becomes healthy. Views have changed almost to the letter over the past century or so. About 130 years ago, a person was called nervous if he was a sturdy fellow, with strong muscles and full of vigor. Today, a nervous person is a dissatisfied, frail person, a sick person, one whose soul searches unsatisfied for that from which it can draw its nourishment. It follows from all this that we can rightly call the astral body the body of faith.
[ 12 ] Eine zweite Grundkraft ist die Liebe. Niemandem fehlt sie, immer ist sie da, sie kann nicht ausgerottet werden. Wer glauben würde, daß der größte Hasser, der größte Egoist keine Liebe habe, ist im Irrtum. Das zu denken ist durchaus falsch. Die Liebessehnsucht ist immer und immer hier vorhanden. Mag es sich um Geschlechtsliebe handeln oder um Liebe zum Kinde, oder zum Freunde, oder um Liebe zu irgend etwas, zu einem Werke, immer ist sie da. Sie kann nicht aus der Seele herausgerissen werden, weil sie eine Grundkraft der Seele ist. Aber so wie der Mensch die Luft zum Atmen braucht, so braucht er das Liebeswerk, die Liebebetätigung für seine Seele. Ihr Gegner, ihre Behinderung, ist der Egoismus. Was tut aber der Egoismus? Er läßt die Liebe nicht hinauswirken, er preßt sie in die Seele hinein, immer und immer. Und wie beim Atmen die Luft ausströmen muß, damit der Mensch nicht ersticke, so muß die Liebe ausströmen, damit die Seele nicht ersticke an dem, was gewaltsam in sie hineingepreßt wird. Besser gesagt: die Seele verbrennt an dem eigenen Liebesfeuer in sich selbst und geht zugrunde.
[ 12 ] A second fundamental force is love. No one lacks it; it is always there; it cannot be eradicated. Anyone who believes that the greatest hater or the greatest egoist has no love is mistaken. To think so is entirely wrong. The longing for love is always and ever present. Whether it be sexual love, love for a child, for a friend, or love for anything—for a work of art—it is always there. It cannot be torn from the soul, because it is a fundamental force of the soul. But just as a person needs air to breathe, so does he need the work of love, the expression of love, for his soul. Its opponent, its obstacle, is selfishness. But what does selfishness do? It does not allow love to flow outward; it presses it into the soul, over and over again. And just as air must flow out during breathing so that a person does not suffocate, so must love flow out so that the soul does not suffocate from what is forcibly pressed into it. Better said: the soul burns in its own fire of love within itself and perishes.
[ 13 ] Erinnern wir uns nun, daß der Mensch auf der alten Sonne den Atherkörper in der Anlage bekommen hat, daß dieses Feurige, Lichtvolle, Glänzende der Sonne Anlage ist des Ätherleibes. Darin ist nur eine andere Seite der Liebe gegeben, das, was die Liebe im Geiste ist: Licht ist Liebe. Im Ätherkörper ist uns also die Liebe und die Liebessehnsucht gegeben, und wir können den Ätherkörper mit Fug und Recht nennen den Liebesleib: Licht und Liebe.
[ 13 ] Let us now recall that on the ancient Sun, human beings received the etheric body in its embryonic form; that the fiery, luminous, and radiant nature of the Sun is the foundation of the etheric body. In it, we find only another aspect of love—that which love is in the spirit: light is love. In the etheric body, therefore, we are given love and the longing for love, and we can rightly call the etheric body the body of love: light and love.
[ 14 ] Es ist ein wahres Wort: die Liebe ist das höchste Gut. Aber sie kann auch die unheilvollsten Folgen haben. Im alltäglichen Leben sieht man das, und ich erzähle hier ein Beispiel, das erlebt ist. Eine Mutter hat ihr Töchterchen sehr geliebt, und aus Liebe hat sie ihm alles hingehen lassen, was es auch getan hat. Sie hat es nie bestraft, hat ihm jede Laune erfüllt. Eine Giftmischerin ist das Töchterchen geworden, und aus Liebe ist es dies geworden. Liebe muß mit Weisheit gepaart sein, sie muß eine erleuchtete Liebe werden, dann erst kann sie wahrhaft gut wirken. Die theosophische Lehre ist berufen, ihr diese Weisheit zu bringen, ihr diese Erleuchtung zu geben. Und wenn der Mensch in sich aufgenommen hat, was über die Weltentwickelung, über dieses scheinbar so weit, so ferne Liegende gesagt und gelehrt wird, was über den Zusammenhang des Menschen mit dem Makrokosmos mitgeteilt wird, dann wird der Mensch so werden, daß seine erleuchtete Liebe sich dem Nebenmenschen gegenüberstellen wird, um in ihn hineinzusehen, ihn verstehen zu können, und so zur erleuchteten Menschenliebe zu werden.
[ 14 ] It is true: love is the greatest good. But it can also have the most disastrous consequences. You see this in everyday life, and here I will share a real-life example. A mother loved her little daughter very much, and out of love she let her get away with whatever she did. She never punished her, indulged her every whim. The little girl became a poisoner, and it was love that led to this. Love must be paired with wisdom; it must become an enlightened love; only then can it truly have a beneficial effect. Theosophical teaching is called upon to bring this wisdom to her, to give her this enlightenment. And when a person has taken in what is said and taught about world evolution—about this seemingly so distant, so distant, and what is communicated about the connection between humanity and the macrocosm, then humanity will become such that its enlightened love will turn toward its fellow human beings in order to look into them, to be able to understand them, and thus become enlightened love for humanity.
[ 15 ] Wir hören oft sagen, daß das Leben öde und leer sei. Aus diesem Gefühl geht eine Art Mißstimmung sogar über auf den Körper. Das bewirkt die unbefriedigte Liebeskraft. Wenn die Welt unsere Liebe zurückstößt, empfinden wir Schmerz. Wenn wir etwas aus Liebe tun, müssen wir es tun, weil die Seele es braucht, ebenso wie die Lunge die Luft. Nicht aus wissenschaftlicher Neugierde oder um eine wissenschaftliche Meinung der Welt vorzusetzen — deren haben wir mehr als genug, denn es gibt tausend Fragen, die der Lösung harren -, sondern um der Menschheit Lebenserfüllung zu geben, ist die Theosophie in die Welt gekommen. Wir vereinigen uns noch zu kleinen Kreisen, aber diese Kreise werden in kurzem immer größer und größer werden, und wir werden einstmals die tausend Fragen der heutigen Zeit lösen können.
[ 15 ] We often hear people say that life is dreary and empty. This feeling even causes a kind of malaise to spread to the body. This is caused by the unsatisfied power of love. When the world rejects our love, we feel pain. When we do something out of love, we must do it because the soul needs it, just as the lungs need air. Theosophy has come into the world not out of scientific curiosity or to impose a scientific opinion on the world—we have more than enough of those, for there are a thousand questions awaiting a solution—but to give humanity fulfillment in life. We are still gathering in small circles, but these circles will soon grow larger and larger, and we will one day be able to solve the thousand questions of our time.
[ 16 ] Wer wird die soziale Frage lösen? — Die, welche darüber theoretisieren und debattieren? Niemals. Die theosophische Weltanschauung und die Liebe werden sie lösen. Und wahrhaftig, so paradox es auch klingen mag, die Menschheit wird in kurzem nicht einmal mehr Kartoffeln bauen können - denn die Kartoffeln werden heute schon immer schlechter -, sie wird nicht einmal mehr Kartoffeln bauen können ohne die Theosophie! Wie ist das zu erklären? Vieles tut die Menschheit heute instinktiv, aus einem gewissen Instinkt heraus. Dieser Instinkt aber muß immer mehr und mehr verschwinden. Warum? Weil die Zeit gekommen ist, daß er in das Bewußtsein übergeht. Die Menschen werden daher den Ackerbau nicht kennen können, ohne die Wahrheiten der Theosophie über die Beschaffenheit der Erde, der in ihr wirkenden Kräfte und so weiter, kennenzulernen.
[ 16 ] Who will solve the social question? — Those who theorize and debate about it? Never. The theosophical worldview and love will solve it. And truly, as paradoxical as it may sound, humanity will soon not even be able to grow potatoes anymore—for potatoes are already getting worse and worse today—it will not even be able to grow potatoes without theosophy! How can this be explained? Much of what humanity does today is done instinctively, out of a certain instinct. But this instinct must gradually fade away. Why? Because the time has come for it to give way to consciousness. People will therefore be unable to practice agriculture without learning the truths of Theosophy regarding the nature of the earth, the forces at work within it, and so on.
[ 17 ] ‚Die dritte Grundkraft ist die Hoffnung. Die Menschenseele muß hoffen, jedermann weiß das. Unbefriedigt und suchend gehen Menschen in der Welt herum, und nur zu häufig findet man Menschen, welchen alles schal vorkommt, denen nichts Befriedigung gewährt, denen eines um das andere zwischen den Fingern zerrinnt. Finster sei es um sie, ohne Aussicht, ohne Hoffnung - so sagen sie.
[ 17 ] “The third fundamental force is hope. The human soul must hope; everyone knows that. People wander through the world unsatisfied and searching, and all too often one finds people to whom everything seems hollow, to whom nothing brings satisfaction, to whom one thing after another slips through their fingers. Let it be dark around them, without prospects, without hope—so they say.
[ 18 ] Ein großer Mensch hat gesagt: Tugend ohne Hoffnung ist das größte Verbrechen, die Ewigkeit ohne Hoffnung ist die größte Lüge! — Und doch ist die Hoffnungskraft in die Seele hineingeschrieben, sie ist eine unausrottbare Kraft, und keine Macht wird sie jemals dem Menschen entreißen können. Wenn aber der Menschheit nicht gegeben, sondern genommen wird, woran sie sich emporranken kann, da werden die so beraubten Seelen die Sicherheit, die Stütze, die Festigkeit verlieren, und so werden die Menschen in Unsicherheit zusammenbrechen, sie werden dumm und unsinnig sein. Die theosophischen Grundlehren von Karma und Wiederverkörperung sind Befriedigung für die Hoffnungskraft der Menschenseele. Sie bieten das Dauernde, das, was in die Zukunft führt. Was ist eine Tat, was ist ein Gedanke, ein Wort, das vom Menschen losgerissen gedacht wird? Der Mensch und seine Taten, der Mensch und seine Gedanken gehören zusammen, und es ist unlogisch, eine böse Tat, eine Beleidigung etwa, als gesühnt anzusehen, wenn der Täter sie nicht selbst gutgemacht hat. Das Gesetz der Verursachung spricht hier: Das Leben des Menschen ist an den Menschen gebunden, und er muß von Verkörperung zu Verkörperung gehen.
[ 18 ] A great man once said: Virtue without hope is the greatest crime; eternity without hope is the greatest lie! — And yet the power of hope is inscribed in the soul; it is an indestructible force, and no power will ever be able to tear it from humanity. But if humanity is not given, but rather deprived of, that upon which it can climb upward, then the souls thus robbed will lose their security, their support, their steadfastness, and thus people will collapse into uncertainty; they will become foolish and senseless. The theosophical fundamental teachings of karma and reincarnation are a source of fulfillment for the power of hope within the human soul. They offer that which is enduring, that which leads into the future. What is an action, what is a thought, a word, when it is conceived as torn away from the person? Man and his deeds, man and his thoughts belong together, and it is illogical to regard an evil deed—an insult, for example—as atoned for if the perpetrator has not made amends for it himself. The law of causation speaks here: Man’s life is bound to man, and he must pass from incarnation to incarnation.
[ 19 ] Lessing hat als Schlußergebnis seines ganzen Lebens das Buch von der «Erziehung des Menschengeschlechts» hinterlassen. Der Gedanke, welcher der Gipfelpunkt dieses Werkes ist, ist der, daß der Mensch oft und oft wiederkehrt. Was haben die großen Geister, solche Genies wie Lessing, anderes gedacht als die Wiederverkörperungslehre, daß nämlich die menschliche Seele von Stufe zu Stufe weiter fort sich entwickelt, daß sie dasjenige, was sie verursacht hat, weiter erlebt, fort und fort. Es wird nur mehr kurze Zeit dauern, bis die Reinkarnationslehre und die Karmalehre auch in der äußeren Wissenschaft anerkannt werden wird. Und damit wird die Menschheit wieder etwas erhalten, was ihr von der materialistischen Wissenschaft entzogen worden ist: die Hoffnung.
[ 19 ] Lessing left behind the book *The Education of the Human Race* as the culmination of his entire life’s work. The central idea of this work is that human beings return time and again. What else could the great minds—geniuses such as Lessing—have believed but the doctrine of reincarnation, namely that the human soul continues to develop from one stage to the next, that it continues to experience what it has brought about, over and over again. It will only be a short time before the doctrine of reincarnation and the doctrine of karma are also recognized in mainstream science. And with that, humanity will regain something that has been taken from it by materialistic science: hope.
[ 20 ] Warum verstehen wir das Wesen der vergangenen Kulturepochen? Nicht die Literatur und auch nicht die Kunstgeschichte gibt uns das, was die Griechen hinterlassen haben. Viel zu wenig bringen ja beide, es wäre nicht einmal notwendig, davon etwas zu wissen. Wir haben die Errungenschaften der griechischen Kultur in uns, einfach deshalb, weil wir damals selbst gelebt haben, weil wir diese Epoche der Kultur durchgemacht haben, und wir könnten heute nicht sein, was wir sind, wenn wir damals diese Epoche nicht durchlebt haben würden. Hebbel hat Notizen hinterlassen eines Gedankens, den er dramatisch nicht mehr gestalten konnte. In einer Schule exerzierte ein Professor mit seinen Schülern den Plato. Der wiederverkörperte Plato ist unter den Schülern und bekommt vom Professor eine sehr schlechte Note um die andere, ja sogar Strafen, weil er - der Plato — den Plato nicht versteht! Auch hier kommt der Reinkarnationsgedanke zum Ausdruck aus der Seele eines Genies,
[ 20 ] Why do we understand the essence of past cultural eras? It is neither literature nor art history that gives us what the Greeks left behind. Both offer far too little; it wouldn’t even be necessary to know anything about them. We carry the achievements of Greek culture within us, simply because we ourselves lived back then, because we lived through that cultural epoch, and we could not be what we are today if we had not lived through that epoch back then. Hebbel left behind notes on an idea that he was no longer able to develop into a play. In a school, a professor was teaching Plato to his students. The reincarnated Plato is among the students and receives one very poor grade after another from the professor, even punishments, because he—Plato—does not understand Plato! Here, too, the idea of reincarnation is expressed from the soul of a genius,
[ 21 ] Wenn die Frucht der Tugend nicht am Menschen hinge, was wäre da die Tugend? Wie könnte Böses gesühnt werden, wenn es der Mensch nicht selbst sühnen müßte! Ewigkeit bliebe eine Lüge, wenn nicht der Mensch selbst an der Ewigkeit hinge, wenn sie ihn nicht selbst anginge. Die Fortdauer durch Verkörperungen und Verkörperungen, das ist es, was die Hoffnung ausmacht, und nur dadurch können die hoffnungsarmen Seelen, die ihre Hoffnungssehnsucht nicht befriedigen können, gesund werden.
[ 21 ] If the fruit of virtue did not depend on human beings, what would virtue be? How could evil be atoned for if human beings themselves did not have to atone for it! Eternity would remain a lie if human beings themselves did not depend on eternity, if it did not concern them personally. Continuation through incarnation after incarnation—that is what constitutes hope, and only through this can souls lacking in hope, who cannot satisfy their longing for hope, be healed.
[ 22 ] Auf dem alten Saturn wurde der Keim des physischen Menschen gelegt. Wie das? Geistig wurde er dort gelegt, in dem nämlich, was fortdauern soll: die Hoffnung. Daher kann der physische Leib der Hoffnungsleib genannt werden mit Fug und Recht. Die Eigenschaft des physischen Leibes ist seine Dichte. Wenn die Wellen des seelischen Lebens immer und immer an den menschlichen Körper schlagen und sich immer mehr und mehr in ihn hineinbohren, dann wird er durchdrungen von der Hoffnung, von der Gewißheit, daß sich aus ihm etwas entwickeln wird, das ewig dauert, das unvergänglich ist. Dieses Verlangen nach Befriedigung der Hoffnung, nach einem Fortleben, ist eine Folge der Hoffnungskraft der Seele, und die Nahrung wird ihr entzogen durch die äußere Wissenschaft.
[ 22 ] The seed of the physical human being was sown on ancient Saturn. How so? It was sown there spiritually, namely in that which is to endure: hope. Therefore, the physical body can rightly be called the body of hope. The characteristic of the physical body is its density. When the waves of soul life strike the human body again and again and penetrate deeper and deeper into it, then it becomes permeated by hope, by the certainty that something will develop from it that lasts eternally, that is imperishable. This longing for the fulfillment of hope, for a continuation of life, is a consequence of the soul’s power of hope, and its nourishment is deprived of it by external science.
[ 23 ] Die Theosophie, ihre Begriffe, Vorstellungen, Empfindungen geben sie ihr wieder, und das ist die große Mission der Theosophie, die Menschen wieder stark im Glauben, in der Liebe glücklich und in der Hoffnung fortdauernd zu machen.
[ 23 ] Theosophy reflects these concepts, ideas, and feelings, and that is the great mission of Theosophy: to restore people’s strength of faith, their happiness in love, and their perseverance in hope.
[ 24 ] Nehmen wir nur die Wahrheiten, die uns die Theosophie übermittelt, und geben wir sie der Glaubenskraft der Seele zur Nahrung, dann wird schon von selbst Manas entstehen, die Umwandlung des Astralleibes zu Manas wird sich von selbst vollziehen. Nehmen wir nur die Wahrheiten und geben sie der Liebe zur Nahrung, und Buddhi wird von selbst entstehen, Nehmen wir die theosophischen Wahrheiten und geben wir sie der Hoffnung zur Nahrung und es wird der Geistesmensch, Atman, von selbst entstehen.
[ 24 ] If we take only the truths that Theosophy imparts to us and feed them to the soul’s power of faith, then Manas will arise of its own accord; the transformation of the astral body into Manas will take place of its own accord. If we take only the truths and offer them as nourishment to love, Buddhi will arise of its own accord. If we take the theosophical truths and offer them as nourishment to hope, the spiritual man, Atman, will arise of his own accord.
[ 25 ] Deshalb allein wird 'Theosophie gearbeitet und gedacht, nicht aus wissenschaftlicher Neugierde. Unrecht ist es, wenn aus Bequemlichkeit gesagt wird, das brauche ich alles nicht zu wissen. Denn die theosophischen Wahrheiten sind aus der Wahrheit selbst geholt, sie sind heruntergeholt aus dem großen All, sie dienen der Menschenseele zur lebendigen Nahrung, so wie das Brot, so wie die Luft. Soll der Mensch, soll die Menschheit nicht ersticken, soll sie ihre Mission vollführen können, muß ihr diese Nahrung gebracht werden und zwar gerade jetzt, weil sie so außerordentlich notwendig ist. Das ist der Zweck des theosophischen Studiums, und nicht Wissensdrang, nicht Neugierde oder noch etwas Schlechteres vielleicht.
[ 25 ] That is the sole reason why theosophy is practiced and contemplated—not out of scientific curiosity. It is wrong to say, out of convenience, that one does not need to know all this. For theosophical truths are drawn from Truth itself; they are brought down from the great Cosmos; they serve as living nourishment for the human soul, just as bread does, just as air does. If humanity is not to suffocate, if it is to be able to fulfill its mission, this nourishment must be brought to it—and precisely now, because it is so extraordinarily necessary. That is the purpose of theosophical study, and not a thirst for knowledge, not curiosity, or perhaps something even worse.
