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The Revelations of Karma
GA 127

19 December 1911, Berlin

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The Mission of the New Spiritual Revelation, tr. SOL
  1. Die Offenbarungen des Karma, 8th ed.

14. Die Symbolik und die Phantasie mit Bezug auf das Mysterium «Die Prüfung der Seele»

14. Symbolism and Imagination in Relation to the Mystery of “The Trial of the Soul”

[ 1 ] Wir wollen heute anknüpfen an das zweite unserer Mysterienspiele, an «Die Prüfung der Seele».

[ 1 ] Today we will continue with the second of our mystery plays, The Trial of the Soul.

[ 2 ] Sie werden gesehen haben, daß es sich bei all diesen Darstellungen, hauptsächlich aber bei der «Prüfung der Seele», um den Versuch handelt, dramatische Vorgänge an unsere geisteswissenschaftliche Weltanschauung heranzubringen. Insbesondere in dieser «Prüfung der Seele» ist versucht worden, die Wiederverkörperungsidee in ihrem Hineinwirken in das menschliche Seelenleben real zur Darstellung zu bringen. Ich brauche wohl nicht zu bemerken, daß die Vorgänge in der «Prüfung der Seele» nicht rein ausgedacht sind, sondern tatsächlich den Beobachtungen des okkulten Lebens in einer gewissen Weise voll entsprechen, so daß also die Darstellung in einem gewissen Sinne voll realistisch ist. Was zunächst zur Sprache kommen soll, ist für den heutigen Abend ein Blick auf den Umstand, daß es nötig geworden ist, eine Art Übergang zu schaffen von dem bisherigen Leben des Capesius zu der Versenkung des Capesius in ein vorzeitliches Leben, in eine Zeit, in welcher er selbst eine vorhergehende Inkarnation durchgemacht hat.

[ 2 ] You will have seen that all these descriptions—but especially The Trial of the Soul—represent an attempt to bring dramatic processes into alignment with our spiritual-scientific worldview. In this “Trial of the Soul” in particular, an attempt has been made to realistically portray the idea of reincarnation as it works its way into the life of the human soul. I need hardly point out that the events in “The Trial of the Soul” are not purely fictional, but in a certain sense fully correspond to observations of occult life, so that the depiction is, in a certain sense, entirely realistic. What I would like to address first this evening is the fact that it has become necessary to create a kind of transition from Capesius’s life up to now to his immersion into a past life, into a time in which he himself underwent a previous incarnation.

[ 3 ] Ich habe mich oftmals selber, seit diese «Prüfung der Seele» fertig geworden ist, gefragt, was für Capesius den Übergang bilden kann aus seinem Leben in einer Welt, in welcher er nur dasjenige gekannt hat — wenn auch in einer geistvollen Weise —, was die äußere Sinnesanschauung und diejenige Anschauung der Welt bietet, welche an das Instrument des Gehirnes gebunden ist, was, sage ich, für ihn den Übergang bilden kann aus einer solchen Welt in die Welt, in welche er sich dann versenkt, welche man sich nur durch die okkulten Sinnesorgane erschließen kann? Ich habe mich oft gefragt, warum das Märchen mit den drei Gestalten einen solchen Übergang für Capesius bilden muß. Denn selbstverständlich ist nicht aus irgendeinem Verstandesbegriff oder aus irgendeiner Überlegung heraus das Märchen an diese Stelle gestellt, sondern weil es die Phantasie so ergeben hat. Fragen kann man sich höchstens hinterher, warum ein solches Märchen notwendig geworden ist? Und es ergaben sich mir in einer Anknüpfung an die «Prüfung der Seele» Gesichtspunkte, die mir aufklärend erscheinen überhaupt über die Märchenpoesie und über die Poesie im Zusammenhange namentlich mit der anthroposophischen Weltanschauung.

[ 3 ] Since this “Examination of the Soul” was completed, I have often asked myself what could constitute for Capesius the transition from his life in a world in which he has known only—albeit in a spiritual way—what is offered by external sensory perception and that perception of the world which is bound to the instrument of the brain; what, I mean, what could form the transition for him from such a world into the world into which he then immerses himself, a world that can only be accessed through the occult senses? I have often asked myself why the fairy tale with the three figures must form such a transition for Capesius. For, of course, the fairy tale is not placed here out of any intellectual concept or any deliberation, but because the imagination has produced it thus. At most, one can ask afterward why such a fairy tale became necessary? And in connection with the “Examination of the Soul,” certain perspectives arose for me that seem illuminating to me regarding fairy-tale poetry in general and poetry in the context of the anthroposophical worldview in particular.

[ 4 ] Wenn der Mensch einmal praktisch in sein eigenes Leben die Tatsache einführen wird, die zum Ausdruck kommt in der Gliederung der Seele in Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele, dann werden sich ihm rein elementar-gefühlsmäßig in bezug auf seine Stellung, sein Verhältnis zur Welt gewisse Empfindungsrätsel ergeben; Rätsel, die sich gar nicht aussprechen lassen in unserer gewöhnlichen Sprache und unseren gewöhnlichen Begriffsformen, aus dem einfachen Grunde nicht, weil wir heute doch in einer zu intellektualistischen Zeit leben, um durch das Wort und durch alles, was durch das Wort möglich ist, jene feinen Beziehungen zum Ausdruck zu bringen, die sich ergeben zwischen den drei Seelengliedern. Das kann man viel eher, wenn man ein Mittel wählt, durch welches die Beziehung der Seele zur Welt selber als eine vieldeutige und dennoch als eine ganz bestimmte und ausgesprochene erscheint. Was durch die ganze «Prüfung der Seele» hindurch spielt als eine Beziehung aller Vorgänge zu dem, was in den drei Gestalten Philia, Astrid und Luna ausgedrückt ist, das bedurfte eines Ausdruckes in nicht scharfen Konturen, der aber dennoch durch bestimmte seelische Kraftwirkungen etwas hat, was das Verhältnis des Menschen zur Welt anschaulich machen kann. Und das konnte auf keine andere Weise gegeben werden, als indem gezeigt wurde, wie durch die Erzählung dieses Märchens von den drei Gestalten in Capesius’ Seele hervorgerufen wird ein ganz bestimmter Drang, ein ganz bestimmter Vorgang, der ihn reif macht, nun hinunterzusteigen in diejenigen Welten, die erst jetzt wieder beginnen, reale, wirkliche Welten für den Menschen zu werden.

[ 4 ] Once a person actually incorporates into their own life the fact expressed in the division of the soul into the soul of sensation, the soul of understanding or feeling, and the soul of consciousness, certain mysteries of sensation will arise for them in a purely elemental, emotional way with regard to their position and their relationship to the world; puzzles that cannot be articulated at all in our ordinary language and our ordinary conceptual forms, for the simple reason that we live today in an age that is too intellectualistic to express, through words and all that is possible through words, those subtle relationships that arise between the three soul components. This is much more possible if one chooses a medium through which the soul’s relationship to the world itself appears as ambiguous and yet as quite definite and distinct. What runs through the entire “Trial of the Soul” as a relationship of all events to what is expressed in the three figures of Philia, Astrid, and Luna required an expression not in sharp contours, yet one that, through certain spiritual forces, possesses something capable of making the human relationship to the world vivid. And this could be conveyed in no other way than by showing how the telling of this fairy tale of the three figures evokes in Capesius’s soul a very specific urge, a very specific process that ripens him to now descend into those worlds that are only now beginning once again to become real, actual worlds for human beings.

[ 5 ] Es soll nun zunächst dieses Märchen zur Darstellung gebracht werden, damit dann die Betrachtung an dieses Märchen angeknüpft werden kann.

[ 5 ] We will now begin by presenting this fairy tale so that our discussion can then build upon it.

Es war einmal ein Knabe,
Der wuchs als armer Förstersleute einzig Kind
In Waldeseinsamkeit heran. —
Er lernte außer seinen Eltern
Nur wenig Menschen kennen.
Er war von schwachem Gliederbau:
Durchscheinend fast war seine Haut.
Man konnte lang ins Aug’ ihm schaun;
Es barg die tiefsten Geisteswunder.
Und wenn auch wenig Menschen nur
Des Knaben Lebenskreis betraten,
Es fehlte ihm an Freunden nicht.
Wenn in den nahen Bergen
Erglühte golden Sonnenhelle,
Dann sog des Knaben sinnend Auge
Das Geistesgold in seine Seele ein:
Und seines Herzens Wesen,
Es ward so morgensonnengleich.
Doch wenn durch finstre Wolken
Der Morgensonne Strahl nicht drang
Und düstre Stimmung alle Berge überzog,
Da ward des Knaben Auge trüb
Und wehmutvoll sein Herz —.
So war er hingegeben ganz
Dem Geistesweben seiner engen Welt,
Die er nicht fremder fühlte seinem Wesen
Als seines Leibes Glieder.
Es waren ihm ja Freunde auch
Des Waldes Bäume und die Blumen;
Es sprachen Geisteswesen aus den Kronen,
Den Kelchen und den Wipfeln —,
Verstehen konnte er ihr Raunen —.
Geheimer Welten Wunderdinge
Erschlossen sich dem Knaben,
Wenn seine Seele sich besprach
Mit dem, was leblos nur
Den meisten Menschen gilt.
Und sorgend oft vermißten abendlich
Die Eltern den geliebten Sprossen. —
An einem nahen Orte war er dann,
Wo aus den Felsen eine Quelle drang
Und tausendfach zerstäubend
Die Wassertropfen über Steine sprengte.
Wenn Mondeslichtes Silberglanz
In Farbenfunkelspielen zauberhaft
Sich spiegelt’ in des Wassers Tropfenstrom,
Da konnt’ der Knabe stundenlang
Am Felsenquell verharren.
Und Formen, geisterhaft gebildet,
Erstanden vor dem Knabenseherblick
Im Wassertreiben und im Mondenlichtgeflimmer.
Zu dreien Frauenbildern wurden sie,
Die ihm von jenen Dingen sprachen,
Nach denen seiner Seele Trieb gerichtet. —
Und als in einer milden Sommernacht
Der Knabe wieder an der Quelle saß,
Ergriff der Frauen eine viele tausend Stäubchen
Des bunten Wassertropfenwesens
Und reichte sie der zweiten Frau.
Die formte aus den Tropfenstäubchen
Ein silberglänzend Kelchgefäß
Und reichte es der dritten Frau.
Die füllte es mit Mondessilberlicht
Und gab es so dem Knaben.
Der hatte alles dies geschaut
Mit seinem Knabenseherblick. —
Ihm träumte in der Nacht,
Die dem Erlebnis folgte,
Wie er beraubt des Kelches
Durch einen wilden Drachen ward.
Nach dieser Nacht erlebte jener Knabe
Nur dreimal noch das Quellenwunder.
Dann blieben ihm die Frauen fort,
Auch wenn der Knabe sinnend saß
Am Felsenquell im Mondensilberlicht.
Und als dreihundertsechzig Wochen
Zum dritten Mal verstrichen waren,
War längst der Knabe Mann geworden
Und von dem Elternhause und dem Waldesgrund
In eine fremde Stadt gezogen.
Da sann er eines Abends,
Von harter Arbeit müde,
Was ihm das Leben wohl noch bringen möge.
Es fühlte sich der Knabe plötzlich
Nach seinem Felsenquell entrückt;
Und wieder konnte er die Wasserfrauen schauen.
Und dieses Mal sie sprechen hören.
Es sagte ihm die erste:
Gedenke meiner jeder Zeit,
Wenn einsam du dich fühlst im Leben.
Ich lock’ des Menschen Seelenblick
In Atherfernen und in Sternenweiten,
Und wer mich fühlen will,
Dem reiche ich den Lebenshoffnungstrank
Aus meinem Wunderbecher. —
Und auch die zweite sprach:
Vergiß mich nicht in Augenblicken,
Die deinem Lebensmute drohen.
Ich lenk’ des Menschen Herzenstriebe
In Seelengründe und auf Geisteshöhn.
Und wer die Kräfte sucht bei mir,
Dem schmiede ich die Lebensglaubensstärke
Mit meinem Wunderhammer. —
Die dritte ließ sich so vernehmen:
Zu mir erheb’ dein Geistesauge,
Wenn Lebensrätsel dich bestürmen.
Ich spinne die Gedankenfäden
In Lebenslabyrinthen und in Seelentiefen,
nd wer zu mir Vertrauen hegt,
Dem wirke ich die Lebensliebesstrahlen
Auf meinem Wunderwebestuhl. — — —
Es träumt’ in jener Nacht,
Die dem Erlebnis folgte,
Dem Manne, daß ein wilder Drache
In Kreisen um ihn her sich schlich
Und nicht ihm nahen konnte:
Es schützten ihn vor jenem Drachen
Die Wesen, die er einst am Felsenquell geschaut
Und die aus seiner Heimat
Mit ihm zum fremden Ort gezogen waren.

Once upon a time there was a boy,
Who grew up as the only child of poor foresters
In the solitude of the forest. —
Apart from his parents,
He knew very few people.
He was of frail build:
His skin was almost translucent.
One could gaze long into his eyes;
They held the deepest wonders of the spirit.
And though few people
Entered the boy’s circle of life,
He lacked no friends.
When in the nearby mountains
Golden sunlight glowed,
Then the boy’s pensive eye
The gold of the spirit into his soul:
And the essence of his heart,
It became like the morning sun.
But when through dark clouds
The morning sun’s ray did not penetrate
And a gloomy mood covered all the mountains,
Then the boy’s eye grew dim
And his heart became melancholy—.
Thus he was wholly devoted
To the spiritual fabric of his small world,
Which he felt no more alien to his being
Than the limbs of his own body.
For to him, too, were friends
The trees of the forest and the flowers;
Spiritual beings spoke from the crowns,
The calyxes and the treetops—,
He could understand their murmuring—.
Wonders of secret worlds
Revealed themselves to the boy,
When his soul conversed
With that which is merely lifeless
To most people.
And often, worried, his parents missed him in the evening
Their beloved son. —
He was then in a nearby place,
Where a spring gushed from the rocks
And, atomizing a thousandfold,
The water droplets splashed over stones.
When the silver glow of moonlight
In a magical play of sparkling colors
Was reflected in the stream of water droplets,
Then the boy could linger for hours
By the rocky spring.
And forms, ghostly in shape,
Arose before the boy’s gaze
In the swirling water and the shimmering moonlight.
They became three images of women,
Who spoke to him of those things,
Toward which his soul’s desire was directed. —
And when, on a mild summer night
The boy sat again by the spring,
One of the women gathered many thousands of specks
Of the colorful water-drop essence
And handed them to the second woman.
She fashioned from the droplet specks
A silver-shining chalice
And handed it to the third woman.
She filled it with the silver light of the moon
And thus gave it to the boy.
He had seen all this
With his boyish, clairvoyant gaze. —
He dreamed that night,
Which followed the experience,
How he was robbed of the chalice
By a wild dragon.
After that night, that boy
Experienced the spring miracle only three more times.
Then the women stayed away from him,
Even when the boy sat pondering
By the rocky spring in the silver moonlight.
And when three hundred and sixty weeks
Had passed for the third time,
The boy had long since become a man
And had moved from his parents’ home and the forest glade
To a foreign city.
There he pondered one evening,
Tired from hard work,
What life might yet bring him.
Suddenly the boy felt
Transported back to his rocky spring;
And once again he could see the water nymphs.
And this time hear them speak.
The first one said to him:
Remember me at all times,
When you feel lonely in life.
I draw the gaze of the human soul
To the far reaches of the atmosphere and the vastness of the stars,
And to whoever wishes to feel me,
I shall offer the elixir of hope for life
From my wondrous cup. —
And the second one also spoke:
Do not forget me in moments
That threaten your courage to live.
I guide the impulses of the human heart
Into the depths of the soul and upon the heights of the spirit.
And whoever seeks strength from me,
To them I forge the strength of faith in life
With my magic hammer. —
The third spoke thus:
Lift your spirit’s eye to me,
When life’s riddles assail you.
I weave the threads of thought
In life’s labyrinths and in the depths of the soul,
and whoever places trust in me,
For them I weave the rays of love for life
On my wondrous loom. — — —
He dreamed that night,
Which followed the experience,
The man dreamed that a wild dragon
Crept in circles around him
And could not approach him:
He was protected from that dragon
By the beings he had once seen at the rock spring
And who had journeyed from his homeland
With him to this foreign place.

[ 6 ] Die Märchenstimmung ist, wie mir scheint, überhaupt etwas, was sich in einer voll berechtigten Weise hineinstellt zwischen die äußere Welt und all das, was der Mensch einstmals in der alten Zeit des ursprünglichen menschlichen Hellsehens in den geistigen Welten schaute, was er auch heute noch schauen kann, wenn er sich etwa durch besondere abnorme Anlagen oder durch ein regelrecht geschultes Hellsehertum zu den geistigen Welten erheben kann. Zwischen dieser Welt und der Welt der äußeren Wirklichkeit und des Verstandes und der Sinne ist die Welt des Märchens vielleicht das allerberechtigtste Zwischenglied. Es scheint mir notwendig, eine gewisse Erklärung zu finden für die ganze Stellung des Märchens und der Märchenstimmung zwischen diesen Welten. Nun ist es außerordentlich schwierig, die Brücke zwischen diesen beiden Gebieten wirklich zu schlagen. Aber da kam es mir vor Augen, als wenn sie durch ein Märchen selber zu schlagen wäre. Und besser als alle theoretischen Erklärungen scheint mir ein sehr einfaches Märchen diese Brücke wirklich zu schlagen, das man etwa so erzählen könnte:

[ 6 ] The fairy-tale atmosphere is, it seems to me, in fact something that quite justifiably interposes itself between the outer world and all that which human beings once beheld in the spiritual worlds during the ancient era of original human clairvoyance—and which they can still behold today if they are able to rise to the spiritual worlds, for instance through special, exceptional gifts or through properly trained clairvoyance. Between this world and the world of external reality, of the intellect, and of the senses, the world of the fairy tale is perhaps the most legitimate intermediary. It seems necessary to me to find some explanation for the entire position of the fairy tale and the fairy-tale atmosphere between these worlds. Now, it is extraordinarily difficult to truly bridge the gap between these two realms. But then it occurred to me that it could be built through a fairy tale itself. And better than any theoretical explanation, a very simple fairy tale seems to me to truly build this bridge, one that could be told something like this:

[ 7 ] Es war einmal ein armer Bursche. Der hatte eine kluge Katze. Und die kluge Katze verhalf dem armen Burschen, der nichts hatte außer ihr selber, zu einem großen Besitz. Sie bewirkte es nämlich, daß man dem Könige hinterbrachte, der arme Bursche hätte einen großen, wunderschönen, merkwürdigen Besitz, den sogar ein König mit Neugierde betrachten könnte. Und die kluge Katze brachte es dahin, daß der König sich aufmachte und durch allerlei höchst merkwürdige Gegenden fuhr. Überall wurde dem König weisgemacht, durch die Veranstaltungen der klugen Katze, daß der weite Besitz von Gefilden und von allerlei Baulichkeiten höchst merkwürdigster Art diesem Burschen gehöre. Da kam der König zuletzt auch noch zu einem großen zauberhaften Schloß. Aber er kam für die Verhältnisse, die im Märchen spielen, etwas spät. Denn schon war die Zeit herangerückt, wo der große Riese oder Troll nach Hause heimkehrte von der Weltenwanderung und wieder hineingehen wollte in den Palast, der eigentlich diesem Riesen gehörte. Der König war eben in dem Palast und wollte sich alles Zauberhafte und Wundersame anschauen. Da legte sich denn die kluge Katze vor die Tür hin, damit der König nicht merke, daß das alles dem Riesen gehöre, dem Troll. Da der Riese heimkehrte gegen die Morgenstunde, begann die Katze dem Riesen eine Geschichte zu erzählen, von der sie ihm klarmachte, daß er sie anhören müßte. Und sie erzählte ihm mit großer Geschwätzigkeit, wie der Bauer sein Feld pflügt, wie er seinen Acker düngt, wie er dann wieder umpflügen muß, wie er dann die Samen holt, die er in den Acker streuen will, wie er dann die Samen in den Acker bringt. Kurz, sie erzählte ihm eine so lange Geschichte, daß es Morgen wurde und die Sonne aufging. Und da sagte die kluge Katze, jetzt müsse der Riese, der doch noch niemals die goldene Jungfrau im Osten gesehen hat, bleiben und sich die goldene Jungfrau ansehen, müsse sich die Sonne ansehen. Aber — so ist es nach einem Gesetz, dem die Riesen unterstehen — als der Riese sich umdrehte und die Sonne ansah, da zerplatzte er. Und die Folge war, daß jetzt tatsächlich durch die Hintanhaltung des Riesen der Palast dem armen Burschen zugefallen war. Und er hatte nicht nur durch die Machinationen der klugen Katze all den Besitz, den sie ihm vorher nur zugesprochen hatte, sondern er besaß jetzt wirklich den Riesenpalast und alles, was dazugehörte.

[ 7 ] Once upon a time, there was a poor young man. He had a clever cat. And the clever cat helped the poor lad, who had nothing but her, to acquire a great estate. She arranged for word to reach the king that the poor lad possessed a vast, beautiful, and wondrous estate that even a king might view with curiosity. And the clever cat managed to get the king to set out and travel through all sorts of most wondrous regions. Everywhere, thanks to the clever cat’s scheming, the king was led to believe that the vast estate of fields and all manner of structures of the most wondrous kind belonged to this young man. Finally, the king also came upon a large, enchanted castle. But he arrived a little late, given the circumstances of the fairy tale. For the time had already come when the great giant or troll was returning home from his travels around the world and wanted to enter the palace that actually belonged to him. The king was just inside the palace and wanted to look at all the magical and wondrous things. So the clever cat lay down in front of the door so that the king would not realize that all of this belonged to the giant, the troll. As the giant returned home toward morning, the cat began to tell the giant a story, making it clear to him that he had to listen to it. And she told him at great length how the farmer plows his field, how he fertilizes his land, how he must then plow it again, how he then fetches the seeds he intends to scatter in the field, how he then sows the seeds in the field. In short, she told him such a long story that morning came and the sun rose. And then the clever cat said that now the giant, who had never yet seen the golden maiden in the east, must stay and look at the golden maiden, must look at the sun. But—such is the law to which giants are subject—when the giant turned around and looked at the sun, he burst into pieces. And the result was that, because the giant had been held back, the palace had indeed fallen to the poor lad. And not only did he have, through the clever cat’s machinations, all the possessions she had previously promised him, but he now truly owned the giant’s palace and everything that went with it.

[ 8 ] Man kann sagen: Eigentlich muß man das kleine, anspruchslose Märchen wirklich außerordentlich bezeichnend finden, man möchte sagen für die Welthistorik der Märchenstimmung in unserer Zeit. Denn wahrhaftig, wenn wir den Menschen in seiner Entwickelung im Erdengange betrachten, so sind unter allen Menschen, die sich auf der Erde entwickelt haben, oder von allen Inkarnationen, durch welche Menschen hindurchgegangen sind, oder unter den gegenwärtig inkarnierten Seelen die meisten das, was man mit dem armen Burschen vergleichen kann. Ja, wir sind im Grunde genommen in unserer Gegenwart, im Verhältnis zu den anderen Zeiten, wirklich der arme Bursche und haben nichts als eine kluge Katze. Aber die kluge Katze haben wir ganz zweifellos. Denn die kluge Katze ist gerade unser Verstand, unser Intellekt. Und das, was der Mensch gegenwärtig durch seine Sinne besitzt, was er für die äußere Welt hat durch den Verstand, der an das Gehirn gebunden ist, ist wahrhaftig im Verhältnisse zu der gesamten kosmischen Welt, zu alledem, was der Mensch durchgemacht hat durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit, etwas recht Armseliges. Der arme Bursche sind wir im Grunde genommen alle, und nur unseren Verstand haben wir, der sich ein wenig hermachen kann, um einen gewissen imaginären Besitz uns zuzusprechen. Kurz, wir sind in der gegenwärtigen Lage der arme Bursche, und wir haben die kluge Katze. Aber wir sind nicht bloß der arme Bursche. Wir sind es für unser Bewußtsein. Unser Ich aber wurzelt in verborgenen Tiefen des Seelenlebens. Diese verborgenen Tiefen des Seelenlebens hängen zusammen mit unzähligen Welten und unzähligen kosmischen Geschehnissen. Die alle spielen herein in das Menschenleben. Nur ist der Mensch der Gegenwart ein armer Bursche geworden und weiß von dem allem nichts mehr, kann sich höchstens durch die kluge Katze, durch die Philosophie, allerlei erklären lassen über den Sinn und die Bedeutung dessen, was er mit den Augen sieht oder mit den sonstigen Sinnen wahrnimmt. Und wenn dann der Mensch in der Gegenwart doch von irgend etwas sprechen will, was über die Sinneswelt hinausgeht, wenn er sich irgend etwas verschaffen will, was über die Sinnenwelt hinausgeht, dann tut er es — und er tut es schon seit vielen Jahrhunderten — in der Kunst und in der Dichtung.

[ 8 ] One might say: In fact, one really must find this small, unassuming fairy tale extraordinarily significant—one might even say for the global history of the fairy-tale mood in our time. For truly, when we consider humanity in its development on Earth, among all the people who have developed on Earth, or of all the incarnations through which human beings have passed, or among the souls currently incarnated, most are what one might compare to the poor fellow. Yes, in our present time, compared to other eras, we are truly the poor fellow and have nothing but a clever cat. But we certainly do have the clever cat. For the clever cat is precisely our mind, our intellect. And what humanity currently possesses through its senses, what it has of the external world through the mind bound to the brain, is truly, in relation to the entire cosmic world, to all that humanity has gone through during the Saturn, Sun, and Moon eras, something quite pitiful. We are all, in essence, that poor fellow, and we have only our mind, which can dress itself up a little to claim a certain imaginary possession for us. In short, in our present situation we are the poor fellow, and we have the clever cat. But we are not merely the poor fellow. We are that in our consciousness. Our self, however, is rooted in the hidden depths of the soul’s life. These hidden depths of the soul’s life are connected to countless worlds and countless cosmic events. All of these play a part in human life. Only, the human being of the present has become a poor fellow and knows nothing of all this anymore; at most, he can have the clever cat—through philosophy—explain all sorts of things to him about the meaning and significance of what he sees with his eyes or perceives with his other senses. And when people today do wish to speak of something that transcends the sensory world, when they wish to attain something that transcends the sensory world, they do so—and have been doing so for many centuries—through art and poetry.

[ 9 ] Aber gerade unsere Zeit — diese in vieler Beziehung so merkwürdige Übergangszeit — zeigt uns so recht, wie der Mensch doch sich nicht viel hinausfühlt über die Stimmung des armen Burschen, auch wenn er Dichtung und Kunst in die gegenwärtige Welt der Sinne hereinstellen kann, wie sie ihm gegeben ist. Denn in unserer Zeit strebten die Menschen aus einem gewissen Unglauben an die höhere Kunst und an die höhere Dichtung hin zum Naturalismus, zu einer rein äußerlich gehaltenen Wiedergabe der äußeren Wirklichkeit. Und wer möchte leugnen, daß unsere Zeit etwas von jener Stimmung hat, die, wenn im Glanze der Kunst und der Dichtung die Wirklichkeit dargestellt wird, doch immer wieder seufzt: Ach, das alles sind doch Scheingebilde, das alles ist doch keine Wahrheit. — Wieviel hat nicht unsere Zeit von einer solchen Stimmung? So daß in der Tat der König im Menschen, der urständet aus der geistigen, aus der spirituellen Welt heraus, gar sehr der Überredung bedarf durch die kluge Katze, durch den Verstand, der dem heutigen Menschen gegeben ist, um einzusehen, wie dasjenige, was der Phantasie erwächst und erwacht in der Kunst, doch in einer gewissen Weise wahrer Menschenbesitz ist. Überredet wird der Mensch, der König im Menschen zunächst. Aber das taugt doch eigentlich nicht viel, taugt nur für eine gewisse Weile. Es kommt dann an den Menschen in einer Zeit — wir leben jetzt gerade am Ausgangspunkte dieser Zeit — die Notwendigkeit heran, wieder den Zugang zu finden zu der höheren, geistigen, zu der eigentlichen spirituellen Welt. Es kommt an den Menschen heran, und überall ist heute zu fühlen, wie an den Menschen dieser Drang herankommt, wieder aufzusteigen in die Sphären der geistigen Welt.

[ 9 ] But it is precisely our own time—this transitional period, so remarkable in so many ways—that truly shows us how little humanity can transcend the mood of that poor fellow, even if it can introduce poetry and art into the present world of the senses, just as it is given to us. For in our time, people, driven by a certain disbelief in higher art and higher poetry, have turned toward naturalism, toward a purely external rendering of external reality. And who would deny that our time has something of that mood which, when reality is depicted in the splendor of art and poetry, still sighs again and again: “Ah, all this is but illusion; none of it is truth.” — How much of such a mood is there in our time? So that, in fact, the king within the human being, who arises from the spiritual world, is in great need of persuasion by the clever cat, by the intellect given to modern man, to realize how that which grows and awakens in the imagination through art is, in a certain sense, a true possession of humanity. First, the human being—the king within—is persuaded. But that is not really of much use; it is only good for a certain while. Then, at a certain time—we are now living precisely at the starting point of this time—the necessity arises for humanity to find access once more to the higher, spiritual world, to the true spiritual realm. It is approaching humanity, and everywhere today one can sense how this urge is coming upon people to ascend once more into the spheres of the spiritual world.

[ 10 ] Da muß ein gewisser Übergang eintreten. Und es ist kaum durch irgend etwas anderes dieser Übergang in leichterer Weise zu machen als durch eine sinngemäße Wiederbelebung der Märchenstimmung. Die Märchenstimmung hat wirklich, rein äußerlich gesprochen, das an sich, was es dem Menschen der Gegenwart am allerleichtesten macht, seine Seele vorzubereiten auf das Erleben solcher Ereignisse, die hereinleuchten aus höheren, übersinnlichen Welten. Gerade die Art und Weise, wie das Märchen anspruchslos vor uns hintritt und zunächst nicht den Anspruch darauf macht, in irgendeinem Zuge Abbild der äußeren Wirklichkeit zu sein, sondern wie das Märchen kühn sich hinwegsetzt über alle äußeren Gesetze der äußeren Wirklichkeit, gibt aus dem Märchen heraus die Möglichkeit, die menschliche Seelenstimmung vorzubereiten für das Wiederempfangen der höheren, geistigen Welt. Der grobe Glaube, der für die geistige Welt in der alten Zeit dadurch erreicht worden ist, daß die Menschen noch auf einer primitiveren Stufe standen und ein gewisses Hellsehen in ihrer Seele war, muß zerplatzen wie der Riese Troll vor einer äußeren Wirklichkeit. Man kann ihn nur hinhalten durch die klugen Katzenfragen und durch die Katzenerzählungen, die man breit über die äußere Wirklichkeit hinspinnt. Gewiß, man kann lange an so klugen Katzenerzählungen spinnen und zeigen, wie da und dort die Wirklichkeit notwendig macht, daß man zu geistigen Erklärungen seine Zuflucht nimmt. Man kann in breiter Philosophie ausspinnen, wie da und dort manche Frage nur durch das Beziehen auf die geistige Welt beantwortet werden kann. Da behält man etwas wie ein Andenken aus alter Zeit. Man hält den Riesen durch das, was aus den alten Zeiten stammt, eine Weile hintan. Aber gegenüber der klaren Sprache der Wirklichkeit wird das, was aus der alten Zeit geblieben ist, nicht standhalten können, das zerplatzt wie der Riese gegenüber der aufgehenden Sonne. Aber diese Stimmung, das Zerplatzen des Riesen, muß man erst kennen. Und hier berühren wir etwas, wodurch die Psychologie des Märchens in einer gewissen Weise gegeben werden kann. Ich kann diese Dinge nicht theoretisch auseinandersetzen, ich kann das Psychologische des Märchens nur durch Seelenbetrachtung auseinandersetzen und möchte dazu folgendes sagen.

[ 10 ] A certain transition must take place. And there is hardly any other way to effect this transition more easily than through a meaningful revival of the fairy-tale spirit. The fairy-tale atmosphere truly possesses, purely from an external standpoint, that which makes it easiest for people of the present day to prepare their souls for the experience of such events that shine forth from higher, supersensory worlds. It is precisely the way in which the fairy tale presents itself to us without pretension—and initially makes no claim to be a reflection of external reality in any way—but rather how the fairy tale boldly sets itself above all the external laws of external reality, that gives the fairy tale the power to prepare the human soul for the rediscovery of the higher, spiritual world. The crude belief in the spiritual world that existed in ancient times—achieved because people were still at a more primitive stage and possessed a certain clairvoyance in their souls—must shatter like the giant Troll before external reality. One can only stave it off through the clever cat questions and the cat tales that are spun out over external reality. Certainly, one can spin such clever cat tales at length and show how, here and there, reality necessitates that one take refuge in spiritual explanations. One can elaborate at length in broad philosophy on how, here and there, certain questions can only be answered by referring to the spiritual world. In this way, one retains something like a memento from ancient times. One holds the giant at bay for a while through what has come down from ancient times. But in the face of the clear language of reality, what has remained from ancient times will not be able to stand; it bursts like the giant in the face of the rising sun. But one must first be familiar with this mood, the bursting of the giant. And here we touch upon something through which the psychology of the fairy tale can be revealed in a certain way. I cannot analyze these things theoretically; I can only analyze the psychological aspect of the fairy tale through soul contemplation, and I would like to say the following on this subject.

[ 11 ] Denken Sie sich einmal, es stünden in lebendiger Imagination, wie wir das jetzt auch wieder skizzenhaft in den Vorträgen über Pneumatosophie geschildert haben, mancherlei von den Gebilden der geistigen Welt vor irgendeiner Seele. Gewiß, wir in dem Gebiet der Anthroposophie erzählen vieles aus den geistigen Welten. Das muß lebendig zunächst vor irgendwelcher Seele stehen. Aber es käme nicht viel zustande für die äußere Darstellung, wenn man nur das darstellen wollte, was sich da vor die Seele hindrängt, auch vor die hellseherische Seele. Es kommt eine merkwürdige Disharmonie in der Seele heraus, nicht nur wenn man in die grauenvollen Gespinste des gegenwärtigen Gedankens hineingeheimnissen soll solche Wahrheiten, wie sie hier in unserem Zweige in den letzten drei Stunden über die Saturn-, Sonnen- und Mondenzustände auseinandergesetzt werden mußten. Da fühlt man sich gegenüber den Dingen, die da vor der Seele stehen, überall eingeengt. Und was so einfangen muß die Geheimnisse über die höheren Welten, das kommt sich im Menschen selbst recht trollhaft vor. Ein patschiger, trolliger Riese ist man eigentlich, wenn man die Gebilde der geistigen Welt einfangen will. Und vor der Sonne des Tages muß man dann in einer gewissen Weise freiwillig zerplatzen lassen diese Gebilde, um sie der Stimmung der Gegenwart anzupassen, muß sie sozusagen freiwillig hellseherisch zerplatzen lassen an der äußeren Wirklichkeit, kann aber etwas zurückbehalten. Man kann das zurückbehalten, was der arme Bursche zurückbehält. Was Besitz werden kann von der geistigen Welt für unsere unmittelbare Gegenwartsseele, das ist die Umwandlung, aber die sachgemäße Umwandlung des gigantischen Gehaltes der imaginativen Welt in dem Vieldeutigen einer Märchenstimmung. Dann fühlt sich wirklich diese menschliche Seele wie der König, der hingeführt wird zu dem, was zunächst dieser Seele gar nicht gehört, was der Armen-Burschen-Seele gar nicht gehört. Sie kommt aber in diesen Besitz dadurch, daß der gigantische Riese zerplatzt, daß man gegenüber der Wirklichkeit die imaginative Welt aufgibt und sie in den Palast, den die Phantasie zimmern kann, hereinbekommt. Während nämlich in den alten Zeiten die Phantasie der Menschen — die Phantasie des armen Burschen — durch die imaginative Welt gespeist worden ist, kann sie das heute gegenüber der Entwickelungsstufe unserer Seele nicht mehr. Aber dennoch, wenn man zunächst einmal die ganze imaginative Welt aufgibt und das Ganze hereinpreßt in die vieldeutige Märchenstimmung, die sich nicht an die äußere Wirklichkeit hält, dann kann uns etwas in der Phantasie des Märchenspieles zurückbleiben, was eine tiefe, tiefe Wahrheit ist. Das heißt, der arme Bursche, der eigentlich nichts hat als die Katze, als den klugen Verstand, kann gerade in der Märchenstimmung dasjenige haben, was er braucht für die Gegenwart, damit seine Seele erzogen werden kann, um auf eine neue Weise in die geistigen Welten hineinzukommen.

[ 11 ] Imagine, for a moment, that various forms from the spiritual world were to appear before a soul in vivid imagination, just as we have recently sketched out in our lectures on Pneumatosophy. Certainly, in the field of anthroposophy, we recount much from the spiritual worlds. This must first stand vividly before any soul. But not much would come of the external presentation if one were to depict only what thrusts itself before the soul—even before the clairvoyant soul. A strange disharmony arises in the soul, not only when one is to weave such truths—as have been expounded here in our branch over the past three hours regarding the Saturn, Sun, and Moon states—into the ghastly webs of present-day thought. There one feels constricted on all sides in relation to the things that stand before the soul. And what must capture the mysteries of the higher worlds seems quite troll-like within the human being. One is actually a clumsy, troll-like giant when one wants to capture the forms of the spiritual world. And in the light of day, one must then, in a certain sense, voluntarily let these forms burst open to adapt them to the mood of the present; one must, so to speak, voluntarily let them burst open clairvoyantly against external reality, though one can retain something. One can retain what the poor fellow retains. What can become the possession of the spiritual world for our immediate present soul is the transformation—but the proper transformation—of the gigantic content of the imaginative world into the ambiguity of a fairy-tale mood. Then this human soul truly feels like the king who is led to what at first does not belong to this soul at all, what does not belong to the poor lad’s soul at all. But it comes into this possession through the fact that the gigantic giant bursts, that one abandons the imaginative world in the face of reality and brings it into the palace that the imagination can build. For while in the old days the imagination of human beings—the imagination of the poor fellow—was nourished by the imaginative world, today it can no longer do so in light of the stage of development our soul has reached. But nevertheless, if one first abandons the entire imaginative world and compresses the whole into the ambiguous fairy-tale atmosphere that does not adhere to external reality, then something may remain for us in the imagination of the fairy-tale play that is a deep, deep truth. That is to say, the poor lad, who really has nothing but the cat—that is, the wise mind—can, precisely within the fairy-tale atmosphere, possess what he needs for the present, so that his soul may be educated to enter the spiritual worlds in a new way.

[ 12 ] Daher scheint es mir eine richtige Psychologie des Capesius zu sein, der so ganz aus der Ideenwelt der Gegenwart herausgewachsen ist, daß er aus einer allerdings vergeistigteren Auffassung der gegenwärtigen Welt in die Welt der Märchen hineinkommt, die sich als ein Neues, als eine wirkliche Beziehung zur okkulten Welt ihm erschließen soll. So muß denn auch so etwas wie ein Märchen hingestellt werden an der Stelle, die den Übergang bilden soll zwischen dem Stehen des Capesius in der Welt der äußeren Wirklichkeit und der Welt, in die er untertauchen soll, um sich selber in einer früheren Inkarnation zu schauen.

[ 12 ] It therefore seems to me to be an accurate psychological portrayal of Capesius, who has grown so completely out of the present-day world of ideas that he enters the world of fairy tales from a more spiritualized conception of the present world, a world that is to open up to him as something new, as a real connection to the occult world. Thus, something like a fairy tale must be placed at the point that is to form the transition between Capesius’s standing in the world of external reality and the world into which he is to immerse himself in order to see himself in a previous incarnation.

[ 13 ] Was ich Ihnen jetzt gleichsam rein als ein persönliches Aperçu sagte, als etwas, was sich mir ergeben hat als Grund, warum damals gerade der notwendige Einfall kam, dieses Märchen an diese Stelle zu stellen, stimmt mit dem überein, was wir nennen können etwa die Geschichte von der Entstehung der Märchen überhaupt in der menschheitlichen Entwickelung. Es stimmt in einer ausgezeichneten Weise überhaupt zu der Art, wie die Märchen in der Menschheit heraufgekommen sind. Wenn wir auf die früheren Zeiten menschheitlicher Entwickelung zurückblicken, finden wir überall bei den Völkern in den Urzeiten ein gewisses primitives Hellsehen, ein Hineinschauen in die geistige Welt. Wir müssen daher in jenen Zeiten nicht nur unterscheiden die beiden wechselnden Zustände von Wachen und Schlafen, oder höchstens als einen chaotischen Übergangszustand noch das Träumen, sondern wir müssen noch einen Übergangszustand zwischen Wachen und Schlafen bei den alten Völkern annehmen, der diese Menschen nicht traumhaft, sondern als in eine Wirklichkeit schauend, in die Möglichkeit versetzte, mit dem geistigen Dasein zu leben. Der gegenwärtige Mensch ist mit seinem Bewußtsein in der Welt beim Tagwachen, aber nur mit seinem sinnlichen Bewußtsein und mit seinem Verstande. Er ist arm geworden wie der arme Bursche, der nichts hat als die kluge Katze. Dann aber kann er auch in der geistigen Welt sein, nämlich in der Nacht. Da schläft er aber, da hat er kein Bewußtsein von den geistigen Welten. Zwischen diesen zwei Zuständen hatte der Urmensch noch den dritten, der ihm etwas vor die Seele zauberte wie gewaltige Bilder. Er lebte dann in dem, was der Hellseher, der die Kunst des Hellsehens erreicht hat, auch hat, nur daß er es nicht traumhaft und nicht in einem Chaos, sondern in einer wirklichen Welt hat. Aber doch hatte es der alte Mensch so, daß er mit einem klaren Bewußtsein seine Imaginationen umspannen konnte. In diesen drei Zuständen lebte der Urmensch. Und wenn er so seine Seele hinaus erweitert fühlte in das geistige All, überall zusammenhängend mit geistigen Wesen anderer Art, angrenzend an die Hierarchien, an die geistigen Wesen, die in den Elementen, in Erde, Wasser, Luft und Feuer leben, wenn er so sein Wesen über die engen Grenzen seines Seins hinaus erweitert fühlte, dann fühlte er sich wohl in solchen Zwischenzuständen als der Riese, der aber immer platzte, wenn die Sonne aufging und er in den Wachzustand übergehen mußte.

[ 13 ] What I have just told you, so to speak, purely as a personal insight—as something that occurred to me as the reason why, at that particular time, the necessary inspiration arose to place this fairy tale in this spot—corresponds to what we might call, roughly speaking, the history of the origin of fairy tales in general within human development. It corresponds in an excellent way to the very nature of how fairy tales arose among humanity. When we look back at the earlier times of human development, we find everywhere among the peoples of primeval times a certain primitive clairvoyance, a looking into the spiritual world. We must therefore not only distinguish in those times between the two alternating states of waking and sleeping, or at most, as a chaotic transitional state, dreaming, but we must also assume a transitional state between waking and sleeping among the ancient peoples, which enabled these people not in a dreamlike way, but by looking into a reality, to live with spiritual existence. Modern human beings are present in the world with their consciousness during the waking day, but only with their sensory consciousness and their intellect. They have become as poor as the poor lad who has nothing but the clever cat. Yet they can also be in the spiritual world, namely at night. But then they are asleep; they have no awareness of the spiritual worlds. Between these two states, primitive man still had a third, which conjured up something before his soul like mighty images. He then lived in what the clairvoyant, who has attained the art of clairvoyance, also possesses, only that he has it not in a dreamlike state and not in chaos, but in a real world. Yet the ancient human was able to encompass his imaginings with clear consciousness. In these three states did the primitive human live. And when he felt his soul expanding out into the spiritual universe, connected everywhere with spiritual beings of other kinds, bordering on the hierarchies, on the spiritual beings who live in the elements—in earth, water, air, and fire—when he felt his being expand beyond the narrow limits of his existence, then he felt at home in such intermediate states as the giant, who, however, always burst when the sun rose and he had to pass into the waking state.

[ 14 ] Diese Schilderungen nämlich sind gar nicht so unrealistisch. Heute, wo man gar nicht mehr das ganze Schwergewicht der Worte fühlt, wird man vielleicht glauben, es wäre mit Zerplatzen nur gedankenlos ein Wort hingestellt, wie man sonst ein Wort an das andere reiht. Aber es entspricht das Zerplatzen bildlich einer Art Tatbestand. Es ist für den alten Menschen so gewesen, wie wenn er sein Wesen in eine ganze Summe von Welten hinauswachsen fühlte, und wenn dann die goldene Jungfrau am Morgen herankam und sein Auge an die äußere Wirklichkeit sich gewöhnen mußte, dann kam ihm der Streif der äußeren Wirklichkeit vor wie etwas, was ihm auseinandertrieb, was er vorher schaute, was zum Zerplatzen brachte, was er vorher war. Es entspricht das in einer gewissen Weise tatsächlich einer Art von Tatbestand.

[ 14 ] These descriptions, in fact, are not at all unrealistic. Today, when one no longer feels the full weight of words, one might think that “bursting” is merely a thoughtless word thrown in, just as one might string one word after another. But “bursting” figuratively corresponds to a kind of reality. For the ancient person, it was as if they felt their being expanding into a whole sum of worlds, and when the golden maiden approached in the morning and their eye had to adjust to external reality, then the touch of external reality seemed to them like something that drove them apart, that shattered what they had previously seen, that shattered what they had previously been. In a certain sense, this actually corresponds to a kind of fact.

[ 15 ] Das aber, was im Menschen wirksam ist, was der eigentliche König in der Menschennatur ist, ließ sich nicht abhalten, etwas hereinzutragen in die Welt der gewöhnlichen Wirklichkeit aus der Welt, in der die Seele eigentlich wurzelt. Und was da hereingetragen wurde, ist eben die Projektion, das Schattenbild des Erlebten in unsere Welt herein, ist die Welt der Phantasie, der wirklichen Phantasie, nicht der phantastischen, die einfach die Lappen des Lebens zusammenstellt, sondern der wirklichen Phantasie, die ihren Sitz im Inneren der Seele hat, die zu allen Einzelheiten des Schaffens von innen heraus getrieben wird. Naturalistische Phantastik würde gerade den umgekehrten Weg machen von dem, welcher der Weg der wirklichen Phantasie ist. Naturalistische Phantastik würde da und dort ein Motiv aufgreifen, würde die Modelle zu jeder Kunst auch in der äußeren Wirklichkeit suchen und diese Lappen der Wirklichkeit so zusammenfügen, wie es durch eine kombinatorische Phantasie entsteht, wie sie in den Zeiten niedergehender Kunstperioden einzig und allein vorhanden ist. In derjenigen Phantasie, die ein Schattenbild der Imagination ist, arbeitet etwas, was nicht diese, nicht jene einzelne Gestalt hat, was zunächst in äußeren Formen nicht weiß, was sie schaffen soll, wo von innen heraus der Stoff nach dem Schaffen drängt. Dann tritt wie eine Verdunkelung des Lichtprozesses das auf, was sich hingebend als bildhaft nachgestaltende Kunst zu der realen Wirklichkeit neigt. Es ist genau der entgegengesetzte Prozeß zu dem, der im heutigen künstlerischen Schaffen so vielfach zu bemerken ist. Aus einem Zentrum heraus geht alles zu dieser Phantasie, das als ein Geistiges — zunächst einer imaginativen Wirklichkeit — hinter unserer Sinneswirklichkeit steht. Und was da zustande kommt, ist eine Phantasiewirklichkeit. Aber es ist tatsächlich dasjenige, was legitim aus den spirituellen Welten in unsere Wirklichkeit hereinwachsen kann, was sozusagen ein Jegitimer Besitz des armen Burschen werden kann, das heißt des gegenwärtigen Menschen, der auf die Armut der äußeren Sinneswelt beschränkt ist. Und von allen Dichtungsformen am wenigsten an die äußere Wirklichkeit gebunden ist gerade das Märchen. Gehen wir zur Sage, zum Mythos, zur Legende: überall finden wir, daß die Züge, die nur übersinnlichen Gesetzen folgen, durchtränkt werden in Sage und Mythos von den Gesetzen der realen Wirklichkeit, weil man aus dem Geistigen in die äußere Welt hinausgeht, und daß die Quellen, welche historische Quellen sind oder in irgendeiner Weise mit der Historie zusammenhängen, nun mit der historischen Gestalt in Beziehung gesetzt werden. Nur das Märchen läßt sich gar nicht gestalten wie reale Gestalten, es schaltet ganz frei gegenüber den realen Gestalten. Es kann alles, was es in der Wirklichkeit gibt, in beliebiger Weise verwenden und hat es verwendet. Daher ist das Märchen der reinste Sproß des alten primitiven Hellsehens, ist etwas wie eine Abschlagzahlung für das frühere Hellsehen. Mag der Nüchterling, der Pedant, der in allem nur zu einer professoralen Daseinsbetrachtung kommt, es nicht empfinden; er braucht es nicht zu empfinden, aus dem einfachen Grunde nicht, weil er immer bei jeder Wahrheit fragt: Wie stimmt sie zu aller Wirklichkeit?

[ 15 ] But that which is active within the human being—that which is the true king of human nature—could not be prevented from bringing something into the world of ordinary reality from the world in which the soul is truly rooted. And what was brought in there is precisely the projection, the shadow image of what has been experienced into our world; it is the world of imagination, of real imagination—not the fantastical kind that simply patches together the scraps of life, but real imagination, which has its seat within the soul and is driven from within to all the details of creation. Naturalistic fantasy would take precisely the opposite path from that which is the path of real imagination. Naturalistic fantasy would pick up a motif here and there, would seek the models for every art form in external reality as well, and would piece together these scraps of reality in the manner produced by a combinatorial imagination, such as exists solely during periods of artistic decline. In that imagination, which is a shadow image of the imagination, something is at work that has neither this nor that individual form, that initially does not know in external forms what it is to create, where the material urges from within toward creation. Then, like a darkening of the light process, there arises that which, devotedly as pictorially recreating art, inclines toward real reality. It is precisely the opposite process to that which is so frequently observed in today’s artistic creation. From a center, everything flows into this fantasy, which stands as a spiritual reality—initially an imaginative reality—behind our sensory reality. And what comes into being there is a fantasy reality. But it is in fact that which can legitimately grow into our reality from the spiritual worlds, which can, so to speak, become the legitimate possession of the poor fellow—that is, of the present-day human being, who is confined to the poverty of the external sensory world. And of all forms of literature, the fairy tale is the least bound to external reality. Let us turn to the saga, the myth, the legend: everywhere we find that the features which follow only supersensible laws are permeated in saga and myth by the laws of real reality, because one moves from the spiritual out into the external world, and that the sources, which are historical sources or are in some way connected with history, are now related to the historical figure. Only the fairy tale cannot be shaped at all like real figures; it operates entirely freely in relation to real figures. It can use everything that exists in reality in any way it chooses, and has done so. Therefore, the fairy tale is the purest offshoot of ancient primitive clairvoyance; it is something like a down payment for the clairvoyance of the past. The sober-minded person, the pedant, who in everything arrives only at a professorial view of existence, may not perceive this; he need not perceive it, for the simple reason that he always asks of every truth: How does it correspond to all reality?

[ 16 ] Eine Gestalt wie Capesius strebt über alles hinaus zur Wahrheit. Er kann nicht zufrieden sein mit der Frage: Wie stimmt eine Wahrheit zur Wirklichkeit? — Denn er sagt sich: Ist eine Wahrheit denn abgetan, wenn man sagt, sie stelle etwas dar, was zur äußeren Welt stimmt? — Die Dinge können wahr und wahr und wahr sein und können richtig und richtig und richtig sein und könnten gerade ebensoviel Beziehung zu der Realität haben wie die Wahrheit jenes semmelholenden Dorfjungen, der ganz richtig gerechnet hat, aber es hatte seine Rechnung keinen Bezug zur Realität, weil er rechnete, er hätte für seine zehn Kreuzer nur fünf Semmeln zu bekommen. Der Semmeljunge machte es ebenso wie der, welcher über die Wirklichkeit philosophiert. Aber man bekam eben in jenem Dorfe auf fünf Semmeln eine drauf, das ist etwas, was mit keiner Philosophie, mit keiner Logik rechnet, das ist eine Wirklichkeit. So kommt für Capesius eben nicht in Frage: Wie stimmt die eine oder die andere Idee, der eine oder der andere Begriff zu der Wirklichkeit? — Capesius aber fragte zuerst: Was erlebt die Menschenseele bei irgendeinem Begriff, den sie sich zunächst bildet? — Daher erlebt die Menschenseele bei alledem, was nur äußere Wirklichkeit sein kann, Ode, Austrocknung, Anlage zu fortwährendem Absterben in der Seele. Daher braucht Capesius die Auffrischung durch die Märchen der Frau Felicia, braucht gerade das, was im Sinne der äußeren Wirklichkeit am allerwenigsten wahr zu sein braucht, einen Inhalt, der real ist, der aber im gewöhnlichen Sinne gar nicht wahr zu sein braucht. Dieser Inhalt bereitet ihn vor, den Weg in die okkulte Welt zu finden.

[ 16 ] A figure like Capesius strives above all else for truth. He cannot be satisfied with the question: How does a truth correspond to reality? — For he asks himself: Is a truth dismissed simply because one says it represents something that corresponds to the external world? — Things can be true and true and true, and can be right and right and right, and could have just as much connection to reality as the truth of that village boy carrying bread rolls, who calculated quite correctly, but his calculation had no connection to reality because he calculated that he would only get five rolls for his ten kreuzers. The bread boy did the same as the one who philosophizes about reality. But in that very village, you got a slap for five rolls—that is something no philosophy, no logic can account for; that is a reality. So for Capesius, the question simply does not arise: How does one idea or another, one concept or another, correspond to reality? — But Capesius first asked: What does the human soul experience in connection with any concept it first forms? — Therefore, the human soul experiences, in connection with everything that can only be external reality, a withering, a drying up, a tendency toward continual dying in the soul. That is why Capesius needs the refreshment provided by Mrs. Felicia’s fairy tales; he needs precisely that which, in the sense of external reality, needs least to be true—a content that is real but need not be true in the ordinary sense. This content prepares him to find the path into the occult world.

[ 17 ] Im Märchen ist dem Menschen etwas geblieben, was sich wie ein Nachkomme dessen auslebt, was die Menschen im alten Hellsehen erlebt haben, in einer Form, die gerade dadurch so legitim ist, daß keiner, dem sich das Märchen in die Seele ergießt, Anspruch darauf macht, daß seine Züge mit der äußeren Wirklichkeit stimmen. Und in der Märchenphantasie hat der arme Bursche, der sonst nur die kluge Katze hat, einen Palast, der in die unmittelbare Wirklichkeit hereinragt. Daher kann das Märchen für jedes Lebensalter ein wunderbares geistiges Nahrungsmittel sein. Wenn wir die geeigneten Märchen dem Kinde erzählen, regen wir die kindliche Seele so an, daß sie nicht allein in der Weise der Wirklichkeit zugeführt wird, daß sie immer nur in der Stimmung verharrt bei irgendeinem Begriff, der mit der äußeren Realität stimmt. Denn ein solches Verhältnis zur Wirklichkeit vertrocknet und verödet die Seele, dagegen wird die Seele lebendig und frisch gehalten, so daß sie die Gesamtorganisation des Menschen durchdringt, wenn sie das, was real im höheren Sinne ist, in den gesetzmäßigen Gestalten der Märchenbilder fühlt, die aber doch die Seele ganz über die äußere Welt hinwegheben. Kräftiger für das Leben, lebendiger das Leben erfassend wird der Mensch, wenn in seiner Kindheit Märchen auf seine Seele gewirkt haben.

[ 17 ] In fairy tales, something has remained for humanity that lives on as a descendant of what people once experienced through ancient clairvoyance, in a form that is legitimate precisely because no one whose soul is touched by the fairy tale claims that its features correspond to external reality. And in the fairy-tale imagination, the poor boy, who otherwise has only the clever cat, has a palace that extends into immediate reality. That is why the fairy tale can be wonderful spiritual nourishment for every age. When we tell children the appropriate fairy tales, we stimulate the child’s soul in such a way that it is not merely introduced to reality in a manner that keeps it perpetually fixated on some concept that corresponds to external reality. For such a relationship to reality withers and desolates the soul; on the other hand, the soul is kept alive and fresh, so that it permeates the entire human being, when it feels what is real in the higher sense within the lawful forms of fairy-tale images, which nevertheless lift the soul entirely above the external world. A person becomes more vigorous in life and grasps life more vividly when fairy tales have worked upon their soul in childhood.

[ 18 ] Für Capesius sind Märchen die Anreger für die imaginative Erkenntnis. Nicht was in ihnen enthalten ist, was sie mitteilen, sondern wie sie verlaufen, wie ein Zug sich an den anderen gliedert, das wirkt und webt in seiner Seele. Der eine Zug läßt gewisse Seelenkräfte nach aufwärts streben, ein anderer andere nach abwärts, wieder durch andere werden aufstrebende und abwärtsstrebende durchkreuzt. Dadurch kommt er in seiner Seele in Bewegung, dadurch wird herausgeholt aus seiner Seele das, was ihn zuletzt befähigt, hineinzuschauen in die geistige Welt. Für viele kann gerade das Märchen das Alleranregendste sein. Deshalb finden wir bei den Märchen, die in früheren Zeiten entstanden sind, immer etwas, was zeigt, wie Züge des alten hellseherischen Bewußtseins in die Märchenzüge hereinspielen. Die ersten Märchen sind nicht so entstanden, daß sie jemand ausgedacht hat, nur die Theorien der gegenwärtigen Märchenprofessoren, welche die Märchen erklären, sind so entstanden. Die Märchen sind nirgends ausgedacht, sind die letzten Reste des alten Hellsehens, die von den Menschen, welche noch die Kräfte dafür hatten, im Traume erlebt waren. Was im Traume gesehen wurde, das wurde erzählt, so wie das Märchen vom gestiefelten Kater, das nur eine Umbildung ist des Märchens, das ich Ihnen heute erzählte. Alle Märchen waren schließlich vorhanden als letzte Reste des ursprünglichen Hellsehens. Daher kann ein wirkliches Märchen nur entstehen, wenn — entweder bewußt oder unbewußt — in der Seele des Märchendichters die Imagination vorhanden ist, die sich hineinprojiziert in die Seele, sonst ist es nicht richtig. Ein beliebig ausgedachtes Märchen kann nie richtig sein. Wenn heute noch da oder dort durch irgendeinen Menschen ein wirkliches Märchen entsteht, so entsteht es auch nicht anders als dadurch, daß in dem Menschen die Sehnsucht erwacht nach den alten Zeiten, welche die Menschheit einstmals durchgemacht hat. Diese Sehnsucht ist vorhanden, nur schleicht sie sich manchmal in gar verborgene Seelentiefen ein, und der Mensch verkennt in dem, was er bewußt schaffen kann, oft sehr, wie vieles aus den verborgenen Tiefen des Seelenlebens heraufkommt, und wie vieles nur durch das entstellt ist, was der Mensch mit seinem gegenwärtigen Bewußtsein machen kann.

[ 18 ] For Capesius, fairy tales are the catalysts for imaginative insight. It is not what they contain or what they convey, but rather how they unfold—how one sequence follows another—that stirs and weaves within his soul. One sequence causes certain soul forces to strive upward, another causes others to strive downward, and yet others cause the upward and downward striving to be crossed. This sets his soul in motion; this draws out of his soul that which ultimately enables him to look into the spiritual world. For many, the fairy tale can be the most stimulating thing of all. That is why, in the fairy tales that originated in earlier times, we always find something that shows how elements of the old clairvoyant consciousness play into the fairy-tale motifs. The first fairy tales did not come into being because someone made them up; only the theories of today’s fairy-tale scholars, who explain the fairy tales, have come into being in this way. Fairy tales are not invented anywhere; they are the last remnants of the old clairvoyance, which were experienced in dreams by people who still possessed the powers for it. What was seen in dreams was told, just as the fairy tale of Puss in Boots is merely a reworking of the fairy tale I told you today. All fairy tales ultimately existed as the last remnants of the original clairvoyance. Therefore, a true fairy tale can only come into being if—either consciously or unconsciously—the imagination is present in the soul of the fairy-tale writer, projecting itself into the soul; otherwise, it is not genuine. A fairy tale invented at random can never be right. If a true fairy tale still arises here and there today through some person, it arises only because a longing awakens in that person for the ancient times that humanity once lived through. This longing is present; it merely sometimes creeps into the very hidden depths of the soul, and in what a person can consciously create, they often fail to recognize how much arises from the hidden depths of the soul’s life, and how much is distorted solely by what a person can do with their present consciousness.

[ 19 ] Da möchte ich doch einmal auch hier darauf hinweisen, daß alles, was in die dichterische Form geprägt werden kann, im Grunde genommen niemals auf Wahrheit beruhen kann, wenn es nicht zurückgeht auf ein sich erfüllendes Sehnen nach dem alten hellseherischen Eindringen in die Welt, oder wenn es nicht irgendwie mit neuem, wirklichem Hellsehen zusammenhängt, das ja nicht voll herauszukommen braucht, das in den Seelentiefen verborgen leuchten kann und sich in den Seelentiefen nur abschattieren kann. Deshalb bleibt aber dieses Verhältnis doch vorhanden. Wieviel Leute fühlen heute noch die Notwendigkeit des Reimes? Wieviel Leute fühlen heute noch da, wo ein Reim auftritt, die Notwendigkeit des Reimes? Es ist heute sogar die Deklamier-Unsitte eingerissen, daß man den Reim womöglich unterdrückt, über diese Form hinüberdeklamiert und nur recht auf den Sinn, das heißt auf das, was der äußeren Wirklichkeit entspricht, Rücksicht nimmt. Aber auch diese Form der Dichtung, der Reim, hängt eng mit einem Stadium der Sprachenentwickelung zusammen, das zu der Zeit vorhanden war, als noch das alte Hellsehen seine Nachwirkungen hatte.

[ 19 ] I would like to point out here as well that anything that can be cast into poetic form can never, in essence, be based on truth unless it stems from a longing fulfilled for the old clairvoyant insight into the world, or unless it is somehow connected to a new, genuine clairvoyance—one that need not fully manifest itself, but can shine hidden in the depths of the soul and reveal itself only in the depths of the soul. Yet this relationship remains. How many people today still feel the necessity of rhyme? How many people today, when a rhyme occurs, still feel the necessity of rhyme? Today, the bad habit of recitation has even taken hold, whereby one suppresses the rhyme if possible, recites over this form, and takes into account only the meaning—that is, what corresponds to external reality. But this form of poetry, the rhyme, is also closely connected to a stage of language development that existed at a time when the old clairvoyance still had its aftereffects.

[ 20 ] Und zwar hängt der Endreim zusammen mit dem merkwürdigen Seelenzustand, der sich ausdrückt, nachdem der Mensch in die gegenwärtige Entwickelung eingetreten ist, durch die Kultur der Gemütsseele oder Verstandesseele. Im Grunde genommen ist die Zeit, in welcher die Verstandesseele oder Gemütsseele im vierten nachatlantischen Kulturzeitraum in die Menschen hineingekommen ist, auch diejenige Zeit, da in der Dichtung die Erinnerung an alte erlebte Zeiten aufdämmerte, die noch in die alten imaginativen Welten hereinreichten. Diese Erinnerung wird zum Ausdruck gebracht, indem regelmäßig gestaltet wird, was in der Verstandes- oder Gemütsseele aufleuchtet, in dem Endreim, der seine Hauptpflege hat in alledem, was in der vierten nachatlantischen Kulturperiode sich ausgebildet hat.

[ 20 ] The end rhyme is connected to the peculiar state of the soul that manifests itself after humanity has entered the current stage of development through the culture of the emotional soul or the intellectual soul. Essentially, the period in which the intellectual soul or emotional soul entered into human beings during the fourth post-Atlantean cultural epoch is also the time when, in poetry, the memory of ancient times long past began to dawn, times that still reached back into the old worlds of the imagination. This memory is expressed by regularly giving form to what dawns in the intellectual or emotional soul, in the end-rhyme that finds its primary expression in all that has developed in the fourth post-Atlantean cultural period.

[ 21 ] Dagegen hat alles das, worin sich die Kultur der vierten nachatlantischen Kulturperiode hineingesenkt hat, mit dem Christentum und den Nachwirkungen des Mysteriums von Golgatha eine ganz besondere Erfrischung erfahren; und in was sich das hineingegossen hat, das war die europäische Empfindungsseele. Innerhalb Europas hat die Empfindungsseelenkultur auf einer zurückgebliebenen Stufe gewartet auf eine höhere Kultur, auf eine Verstandesseelenkultur, die von Mittel- und Südeuropa heraufzog. Das dauerte über den vierten nachatlantischen Kulturzeitraum hinaus, damit das, was sich in Mittel- und Südeuropa und in Vorderasien ausgebildet hatte, in das hereinkommen konnte, was in Mitteleuropa noch alte Empfindungsseelenkultur war, und was es aufnahm in die Willensstärke und in die Willensenergie, die hauptsächlich in der Empfindungsseelenkultur zum Ausdruck kommt. Daher sehen wir, wie in alledem, was Kultureinfluß vom Süden ist, in der Dichtung sich ganz regulär der Endreim einbürgert, und daß in der Willenskultur, in die das Christentum aufgenommen wird, der andere Reim, der Stabreim, die Alliteration, der richtige Ausdruck ist. In dem nordischen und mitteleuropäischen Stabreim fühlen wir den rollenden Willen, der sich in die auf der Höhe der vierten nachatlantischen Kulturperiode stehenden Kultur hineinergießt, die eine Kultur der Verstandes- oder Gemütsseele ist.

[ 21 ] In contrast, everything into which the culture of the fourth post-Atlantean epoch had sunk experienced a very special renewal through Christianity and the aftereffects of the Mystery of Golgotha; and what this poured itself into was the European feeling soul. Within Europe, the culture of the feeling soul, at a less advanced stage, awaited a higher culture, a culture of the intellectual soul, which was emerging from Central and Southern Europe. This lasted beyond the fourth post-Atlantean cultural epoch, so that what had developed in Central and Southern Europe and in the Near East could enter into what was still the old culture of the feeling soul in Central Europe, and what it absorbed into the strength of will and the energy of will that finds its main expression in the culture of the feeling soul. Thus we see how, in all that is cultural influence from the South, end rhyme becomes quite regular in poetry, and that in the culture of the will, into which Christianity is absorbed, the other rhyme—alliteration—is the proper expression. In the Nordic and Central European alliteration, we sense the rolling will that pours into the culture standing at the height of the fourth post-Atlantean cultural epoch, which is a culture of the intellectual or emotional soul.

[ 22 ] Merkwürdig ist es, daß Dichter, die dann aus einer ursprünglichen Seelenkraft heraus die Erinnerung wiederbeleben wollen an das, was die ursprüngliche Kraft in einem bestimmten Gebiete war, in einer manchmal ganz unorganischen Weise auf das Frühere zurück weisen wollen. Das ist mit Wilhelm Jordan geschehen, der in seinen «Nibelungen» wieder aufdämmern lassen wollte den alten Stabreim, und der eine merkwürdige Wirkung erzielte, als er als Rhapsode herumzog und diesen Stabreim wieder lebendig machen wollte. Die Leute wußten nicht recht, was das sollte, weil der heutige Mensch in unserer intellektualistischen Zeit die Sprache nur als Ausdruck für einen Inhalt kennt, nur den Inhalt der Sprache kennt und nicht das, was die Empfindungsseele im Anfangsreim zum Ausdruck bringen will, was die Verstandesseele im Endreim zum Ausdruck bringen will. Die Bewußtseinsseele kann eigentlich den Reim in ihrer Art nicht mehr verwenden, da muß der Mensch zu anderen Mitteln greifen. Deshalb wird uns jetzt Fräulein von Sivers [Marie Steiner] den Stabreim in einer kurzen Probe hier zu Gehör bringen, um daran zu charakterisieren, wie ein Künstler wie Wilhelm Jordan wirken wollte, der alte Zustände wieder erneuern wollte.

[ 22 ] It is curious that poets who, drawing on an innate spiritual power, seek to revive the memory of what the original force was in a particular region, sometimes refer back to the past in a completely disjointed manner. This is what happened with Wilhelm Jordan, who in his Nibelungen sought to revive the old alliterative verse, and who achieved a remarkable effect when he traveled about as a rhapsode seeking to bring this alliterative verse back to life. People didn’t quite know what this was all about, because in our intellectualistic age, modern people know language only as an expression of content; they know only the content of language and not what the feeling soul seeks to express in the initial rhyme, nor what the intellectual soul seeks to express in the final rhyme. The conscious soul can actually no longer use the rhyme in its original form; here, the human being must resort to other means. That is why Miss von Sivers [Marie Steiner] will now present the alliterative verse to us in a short sample here, in order to illustrate how an artist like Wilhelm Jordan sought to work, seeking to renew old conditions.

Und es nahten die Nornen, von Niemand gesehen,
Zu geräuschlosem Reigen und machten die Runde
Um diese Verlobten. Ein leiser Lufthauch,
Das war die Meinung der Minneberauschten,
Winde sich murmelnd herein zum Kamine;
Doch hinunter zur Nachtwelt, zu Nibelheims Tiefen,
Und hinauf zu den Wolken zu Walhalls Bewohnern
Erklang nun für andre als irdische Ohren
Vernehmlich wie Seesturm der Nornen Gesang:

Dein eigen ist alles
Dein Heil wie dein Unheil,
Dein Wollen und Wähnen
Dein Sinnen und Sein.
Wohl kommen, gekettet
In ewige Ordnung
Die Larven des Lebens
Die Scharen des Scheins;
Sie ziehen die Zirkel
Sie zeigen die Ziele
Sie impfen den Abscheu
Sie wecken den Wunsch;
Doch dein ist das Dünken
Und wie du geworden
So wirst du dich wenden,
Wir wissen die Wahl.
Es formt unser Finger
Aus ewigem Vorrat
Den Faden des Lebens
Das einzelne Los.
Wir spinnen und spulen
Und weifen und weben
Den Teppich der Taten
Am Webstuhl der Welt.
Gezogen vor Zeiten
Von uns ist der Zettel,
Dein eigen der Einschlag,
Das Muster, o Mensch!
Doch je schöner dein Schiffel
Die mächtigen Maschen
Zum Bilde verbunden


Je näher der Neid.
Wohl gönnen’s die Götter
Des lauteren Lichtes
Allmählich zu mehren
Das menschliche Maß.
Doch die Nachtwelt beneidet
Das Wachstum gen Walhall
Und Teil hat die Tiefe
Am sterblichen Stoff.
Sie mengt in das Muster
Verbotene Bilder:
Da trübt sich die Treue
Da schwindet der Schwur;
Da knüpft sich der Knoten,
Verwirrt das Gewebe
Und schnell dann zerschneidet’s
Die Schere der Schuld.

Der Sonnengott senkte
Zum Schoße der Schönsten
Zu lauterstem Streben
Den leuchtendsten Strahl.
Da sandten Versucher
Die Goldesbegierde,
Die trüglichen Träume
Wir wußten die Wahl!
Dein eigen ist Alles
Dein Heil wie dein Unheil,
Es lenken die Lose
Dein Herz und sein Hang. Dein Stern war im Steigen, Nun winkt ihm zur Wende, Beneideter Sigfrid,
Der Nornen Gesang.

So hallte gen Himmel und nieder zu Hela,
Wie, an Felsen gebrochen, das Brausen der Brandung,
Wie Wettergedröhne die Weise der Drei.
Doch bewußtlos umweift und umwoben vom Schicksal,
Hielten sich herzend der Held und Krimhilde
Und tauschten die Seelen in süßestem Taume]
Mit Lippen, erglühend von Lust und von Glück.

And the Norns drew near, unseen by anyone,
In a silent dance, circling
Around these betrothed. A gentle breeze,
So thought those intoxicated by love,
Whispering its way in from the hearth;
But down to the world of night, to the depths of Nibelheim,
And up to the clouds, to the inhabitants of Valhalla
Resounded now for ears other than earthly ones
As audible as a sea storm, the song of the Norns:

All is yours
Your salvation as well as your doom,
Your will and your delusions
Your thoughts and your being.
Indeed, chained
Into eternal order
Come the larvae of life
The hosts of illusion;
They draw the circles
They point out the goals
They instill the loathing
They awaken the desire;
Yet yours is the thinking
And as you have become
So shall you turn,
We know the choice.
Our fingers shape
From an eternal store
The thread of life
The individual lot.
We spin and wind
And weave and weave
The tapestry of deeds
At the loom of the world.
Drawn long ago
The warp is ours,
The weft is yours,
The pattern, O man!
But the more beautiful your shuttle
The mighty stitches
Joined into an image


The closer the envy.
Surely the gods grant
That the pure light
May gradually increase
The human measure.
But the night world envies
The growth toward Valhalla
And the depths have a share
In mortal matter.
They mix into the pattern
Forbidden images:
Then faith grows dim
Then the oath fades;
Then the knot is tied,
Confusing the fabric
And swiftly it is cut
By the scissors of guilt.

The sun god lowered
Toward the lap of the fairest
Toward the purest striving
The brightest ray.
Then the tempters sent
The lust for gold,
The deceptive dreams
We knew the choice!
All is yours
Your salvation as well as your doom,
The lots
Steer your heart and its inclination. Your star was rising, Now the Norns’ song beckons it to turn, Envied Siegfried,
The Norns’ song.

So it echoed toward heaven and down to Hela,
Like the roar of the surf, broken on the rocks,
Like the roar of the storm, the song of the Three.
Yet unconscious, swept and entwined by fate,
The hero and Krimhilde held each other close
And exchanged their souls in the sweetest ecstasy]
With lips ablaze with lust and happiness.

[ 23 ] Jordan selbst hat noch wirklich im Vortrage die Stabreime zur Geltung gebracht. Das ist etwas, was der moderne Mensch durchaus als etwas ihm nicht mehr ganz Entsprechendes empfindet. Denn, um das zu fühlen, was Wilhelm Jordan wie eine Art Programm für das angab, was er wollte, müßte man die alte Zeit in der neuen so imaginativ erleben, wie wenn man geradezu dasjenige, was sich in den letzten Tagen in unserem Versammlungssaal im Architektenhaus abgespielt hat während der Generalversammlung, in all die astralischen Strömungen eingehüllt empfände, die zum Ausdruck bringen, was da gesprochen worden ist. Und dann müßte man das, was sich da in jenen Tagen in unserem Erkenntnisimpuls verschiedentlich abgespielt hat, als den bildhaften Ausdruck der Verwirklichung eines Jordan-Wortes empfinden. Dann würde man das richtig empfinden, was er angab als eine Art Programm, durch welches er wieder eine Stimmung heraufbringen wollte, die sich im alten Germanentum abgespielt hat:

[ 23 ] Jordan himself still truly brought out the alliteration in his lectures. This is something that modern people certainly perceive as no longer quite relevant to them. For in order to feel what Wilhelm Jordan presented as a kind of program for what he wanted, one would have to experience the old times in the new ones with such imagination as if one were to perceive, enveloped in all the astral currents that express what was spoken there, precisely what took place in our assembly hall at the Architektenhaus during the general meeting in recent days. And then one would have to perceive what took place in various ways in our impulse of knowledge during those days as the pictorial expression of the realization of a word of Jordan’s. Then one would correctly perceive what he described as a kind of program through which he wanted to evoke once again a mood that existed in the old Germanic world:

... der Sprache Springquell....
Bedarf nur der Leitung, um lauter und lieblich
Mit rauschendem Redestrom bis zum Rande
Der Vorzeit Gefäße wieder zu füllen
Und neu zu verjüngen nach tausend Jahren
Die wundergewaltige uralte Weise
Der deutschen Dichtkunst.

... the spring of language....
It needs only guidance to flow more fully and sweetly
With a rushing stream of speech to the very brim
To refill the vessels of antiquity
And to rejuvenate, after a thousand years,
The wondrously powerful, ancient wisdom
Of German poetry.

[ 24 ] Dazu gehört aber etwas: ein Gehör, um die Laute zu empfinden. Das aber hängt innig mit den Imaginationen der alten hellseherischen Zeit zusammen, denn darin urständet noch das Gefühl für den Laut. Was aber ist der Laut? Der Laut selber ist noch eine Imagination, eine imaginative Vorstellung.

[ 24 ] But this requires something: an ear capable of perceiving sounds. This, however, is intimately connected with the imaginations of the ancient clairvoyant era, for it is there that the sense of sound still originates. But what is sound? Sound itself is still an imagination, an imaginative conception.

[ 25 ] So lange Sie sagen Licht und Luft und damit nichts anderes meinen als das Helle und das Wehende, haben Sie keine Imagination. Aber die Worte sind selber Imagination. Und wenn man ihre imaginative Gewalt noch empfindet, dann empfindet man bei einem Worte, wenn prädominiert wie im Worte Licht das I, ein strahlendes, helles Unbestimmtes, und bei U wie in Luft ein Erfülltes und sich Erfüllendes. Und weil der Strahl ein dünn Erfüllendes ist, die Luft ein voll Erfüllendes ergibt, deshalb hat eine Alliteration die Stammverwandtschaft mit dem Erfüllenden. Und es ist nicht gleichgültig, ob man Worte, die Stabreim haben oder keinen, als Licht und Luft zusammenstellt, und es ist nicht gleichgültig, ob man die Namen von drei Brüdern einfach zusammenstellt, oder ob man sie so zusammenstellt, daß man spürt, daß der Weltenwille sie selber vereinigt hat, wie Gunther, Gernot, Giselher. Da empfand die Empfindungsseele die alte Imagination im Stabreim.

[ 25 ] As long as you say “light” and “air” and mean nothing more by them than “brightness” and “the blowing,” you have no imagination. But the words themselves are imagination. And if one still senses their imaginative power, then one senses in a word—when the “i” predominates, as in the word “light”—a radiant, bright indeterminacy, and in the “u,” as in “air,” something fulfilled and self-fulfilling. And because the ray is a thin fulfillment, while the air is a full fulfillment, alliteration shares a fundamental kinship with the fulfilling. And it is not indifferent whether one combines words that have alliteration or do not, as in “light” and “air,” and it is not indifferent whether one simply combines the names of three brothers, or whether one combines them in such a way that one senses that the will of the world has united them itself, as in Gunther, Gernot, Giselher. There the feeling soul perceived the ancient imagination in alliteration.

[ 26 ] Und im Endreim würde sich die Gemütsseele in der alten Imagination wiedererkennen. Daher kann auch, wenn die Sprache lebendig gemacht wird, dasjenige, was die Sprache nachwirkt in der Seele, selbst in den Traum noch hineingeheimnissen gewisse Imaginationen, so daß der Mensch manches von dem in den Traum hineinbekommen kann, was auch dem Hellsehen als richtige Charakteristik, zum Beispiel der Elemente erscheint. Es ist nicht immer so, aber zum Beispiel bei den Worten Licht und Luft ergibt sich etwas, was, wenn es gefühlt wird und in den Traum hineinwirkt, unter Umständen in der Traumphantasie selbst aufsprießen lassen kann etwas von dem, was zur Charakteristik der betreffenden Elemente, des Lichtes und der Luft, führen kann. Erst dann wird der Mensch die verschiedenen Geheimnisse der Sprache erkennen, wenn die Sprache auf ihren Ursprung zurückgeführt werden wird, wenn sie nämlich selber auf das imaginative Erkennen zurückgeführt wird. Denn die Sprache entstammt durchaus jenem Zeitalter, in welchem der Mensch eigentlich noch nicht der arme Bursche war, aber auch nicht die kluge Katze hatte, sondern noch in einer gewissen Weise mit dem Riesen der Imagination zusammenlebte und aus des Riesen Gliedern heraus dasjenige empfand, was sich in den Laut als die hörbare Imagination hineingesenkt hat. Wenn der Ton erfaßt wird von der Imagination, sich in sie hineinergießt, um sie als eine Hülle auszufüllen, dann wird der Laut daraus, der wirkliche Laut.

[ 26 ] And in the end rhyme, the soul of the mind would recognize itself in the old imagination. Therefore, when language is brought to life, that which lingers in the soul through language can even instill certain imaginations into the dream, so that a person can bring into the dream much of what also appears to clairvoyance as a true characteristic, for example, of the elements. It is not always so, but for example with the words “light” and “air,” something arises which, when felt and working into the dream, may under certain circumstances cause something to spring up in the dream imagination itself that can lead to the characteristics of the elements in question, light and air. Only then will human beings recognize the various mysteries of language, when language is traced back to its origin—namely, when it is traced back to imaginative perception itself. For language certainly originates from that age in which human beings were not yet the poor wretches they are today, nor did they possess the cunning of a fox, but rather still lived, in a certain sense, alongside the giant of the imagination and sensed, from the giant’s limbs, that which has sunk into sound as audible imagination. When the sound is grasped by the imagination, pours itself into it to fill it as a shell, then it becomes the sound, the real sound.

[ 27 ] Das sind Dinge, die ich Ihnen heute gern ganz anspruchslos und unzusammenhängend vorbringen wollte. Sie sollten Ihnen zeigen, wie in einer gewissen Weise wiederbelebt werden muß, was der Mensch verloren hat und was sich hinübergerettet hat in unsere Zeit, was aber wiedergewonnen werden muß, wie es Capesius gewinnt, damit der Mensch dann in das Zeitalter hineinwachsen kann, das uns doch bevorsteht, und in welchem er wieder der höheren Welten teilhaftig werden kann.

[ 27 ] These are things I wanted to share with you today in a very unpretentious and disjointed way. They are meant to show you how, in a certain sense, we must revive what humanity has lost and what has been preserved into our time, but which must be regained—as Capesius does—so that humanity can then grow into the age that lies ahead of us, and in which it can once again participate in the higher worlds.