Esoteric Christianity and the
Spiritual Guidance of Humanity
GA 130
19 September 1911, Locarno
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Esoteric Christianity and the Spiritual Guidance of Humanity, tr. SOL
2. Der Christus-Impuls im historischen Werdegang II
2. The Christ Impulse in the Course of History II
Meine lieben theosophischen Freunde!
My dear Theosophical friends!
[ 1 ] Mit herzlicher Befriedigung spreche ich heute zu Ihnen - hier auf den friedlichen Bergen und im Anblick des wunderbaren Sees — von jenen Dingen, die uns als die Botschaften, die Tatsachen des geistigen Lebens am tiefsten interessieren. Und wenn ich anknüpfe, meine lieben theosophischen Freunde, an die auffälligste Tatsache, die insbesondere denen entgegentritt, welche sich heute hier versammelt haben, um unsere Bergesfreunde zu besuchen, so ist es doch wohl die, dass sich eine Reihe unserer Freunde zurückgezogen hat, vielleicht nicht in die Bergeseinsamkeit, aber doch in die Bergesfriedlichkeit und Bergeslieblichkeit. Und wenn man sich dann fragt: Was liegt dabei in unseren Herzen als ein Trieb, als ein Wunsch zugrunde?, so dürfen wir diesen Trieb, diesen Wunsch vielleicht recht verwandt finden mit der heutigen Sehnsucht des Menschen nach dem Geistesleben überhaupt. Und vielleicht ist es keine Täuschung, wenn wir annehmen, dass in der Welt da draußen ein gleicher Trieb ist wie der Trieb, der manche hinausgezogen hat hierher in die Bergeseinsamkeit.
[ 1 ] It is with deep satisfaction that I speak to you today—here in these peaceful mountains and with a view of the wonderful lake—about those things that interest us most deeply as the messages and realities of spiritual life. And when I take up, my dear Theosophical friends, the most striking fact that particularly confronts those who have gathered here today to visit our mountain friends, it is surely this: that a number of our friends have withdrawn, perhaps not into the solitude of the mountains, but certainly into the peace and loveliness of the mountains. And when one then asks oneself: What lies at the root of this in our hearts as an impulse, as a desire?, then we may find this impulse, this desire, perhaps quite akin to humanity’s present-day longing for spiritual life in general. And perhaps it is no delusion to assume that in the world out there there is an impulse similar to the one that has drawn some of us out here into the solitude of the mountains.
[ 2 ] Entweder weiß der Mensch oder er ahnt es, dass in allem, was uns als Natur, als Wald und Gipfel, als Wetter und Gewittersturm umgibt, eine Geistigkeit waltet, die, nach dem Ausspruche einer bedeutenden Persönlichkeit des Abendlandes, schon eine Geistigkeit ist, welche konsequenter ist als das Handeln und Fühlen und Denken des Menschen. Die Ahnung muss uns ja überkommen, dass in alledem, was uns so umgibt als Wald und Gipfel, Berg und See, der Geist spricht. Und in der Theosophie werden wir ja immer mehr und mehr gewahr, wie aus allem, was uns in der Natur umgibt, aus allem, was uns als fester Boden trägt, das, was daraus spricht, Geist ist. Wir werden in altersgraue Zeiten verwiesen und sagen uns: Wir stammen aus der geistigen Vergangenheit, sind die Kinder von alten Zeiten. So wie wir unsere Kunstwerke erzeugen, wie wir dem obliegen, was sie zu unserer Handhabung geeignet macht, so haben unsere Vorfahren ihre Werkzeuge geschaffen. Und was als Naturerscheinungen um uns ist, es ist das Produkt der Arbeit der Göttervorfahren in vergangenen uralten Zeiten. Wenn wir uns durchdringen von solch einem Gefühl, dann wird uns alle Natur nach und nach zu dem, was sie aller geistigen Wissenschaft zu allen Zeiten war. Sie wird uns zwar zu einer Maya, aber zu einer Maya, die groß und schön ist aus dem Grunde, weil sie das Werk ist des Göttlich-Geistigen. Und so gehen wir, wenn wir in die Natur hinausgehen, in die Denkmäler geistiger Arbeit der alten vorirdischen Zeit. Dann überkommt uns jenes große, jenes starke Gefühl, das durchaus eine Vertiefung des Naturgefühls bewirken und uns mit Wärme durchdringen kann.
[ 2 ] Either a person knows or senses that in everything that surrounds us—nature, forests and peaks, weather and thunderstorms—there reigns a spirituality which, according to the words of a prominent Western figure, is already a spirituality that is more consistent than human action, feeling, and thought. We must surely be overcome by the sense that in all that surrounds us—forests and peaks, mountains and lakes—the Spirit speaks. And in Theosophy, we become increasingly aware that in everything that surrounds us in nature, in everything that supports us as solid ground, that which speaks from it is Spirit. We are transported back to times of ancient grayness and say to ourselves: We come from the spiritual past; we are the children of ancient times. Just as we create our works of art, just as we make use of what makes them suitable for our purposes, so did our ancestors create their tools. And what surrounds us as natural phenomena is the product of the work of our divine ancestors in past, ancient times. When we are imbued with such a feeling, then all of nature gradually becomes to us what it has always been to all spiritual science throughout the ages. It does indeed become a Maya to us, but a Maya that is great and beautiful for the very reason that it is the work of the Divine-Spiritual. And so, when we go out into nature, we enter the monuments of spiritual work from the ancient pre-earthly time. Then that great, that powerful feeling comes over us, which can certainly deepen our sense of nature and fill us with warmth.
[ 3 ] Wenn wir unser Naturgefühl befriedigen an der geistigen Wissenschaft, dann muss uns aber noch etwas anderes überkommen: dass es in gewisser Beziehung ein Privileg ist, in dem Geiste der Natur sein zu dürfen. Und das ist ein Privileg. Denn wir dürfen, ja wir müssten uns dabei wohl erinnern, wie vielen Menschen es fehlt, dieses in ihrer heutigen Inkarnation fehlt, den Schöpfungen des Naturgeistes nahezustehen. Wie viele Seelen leben heute, namentlich in den Kulturstädten, die nichts von dem Erhebenden, dem Göttlich-Geistigen in der Natur mehr fühlen können! Und wenn man mit einem durch die Geisteswissenschaft geschärften Blicke die Natur betrachtet, dann weiß man, wie innig zusammenhängt dasjenige, was wir moralisches Leben nennen - was nach dem Geistesleben das Höchste ist, das wir in diesem Leben an Streben haben -, dann weiß man, wie eng das, was wir an der Natur fühlen, zusammenhängt mit dem, was man Moral nennt.
[ 3 ] When we satisfy our sense of nature through spiritual science, something else must also come over us: the realization that, in a certain sense, it is a privilege to be able to dwell in the spirit of nature. And that is a privilege. For we may—indeed, we ought to—remember how many people lack this in their present incarnation: the ability to be close to the creations of the spirit of nature. How many souls live today, especially in the cultural cities, who can no longer feel anything of the uplifting, the divine-spiritual in nature! And when one observes nature with a gaze sharpened by spiritual science, then one knows how intimately connected is that which we call moral life—which, after spiritual life, is the highest aspiration we have in this life—then one knows how closely what we feel in nature is connected with what is called morality.
[ 4 ] Es ist vielleicht paradox gesprochen, aber wahr ist es, dass jene Menschen, die in der Stadt verlernen müssen, wie ein Hafer-, ein Roggen- oder Gerstenkorn aussieht, auch leider abgetrennt werden in ihren Herzen von den tiefsten moralischen Quellen unseres Daseins. Wenn wir dies bedenken, betrachten wir es wohl als ein Privileg, nahe sein zu dürfen den Quellen des Geistes der Natur, denn dann verbindet sich von selbst eine solche Empfindung mit der anderen, die, erhärtet durch die Theosophie, durch die Welt gehen soll: mit der Wahrheit der Reinkarnation. Wir empfangen sie zunächst als Glaubenswahrheit, diese Wahrheit von den wiederholten Erdenleben des Menschen. Aber wie vermöchte sich eine Seele aufrecht zu erhalten in heutiger Zeit, wo zu sehen ist, auf wie gar verschiedenen Wegen die Menschen sich durch das Leben hindurchfinden, wo so krass zu sehen ist alle Ungleichheit, die auf unserer Erde notwendigerweise ausgegossen sein muss. Dann fühlt wohl der Mensch, der das Privileg hat, nahe an den Quellen der Natur zu sein, dass er nicht nur allen Grund zur Befriedigung hat, von den Wahrheiten der Theosophie wissen zu dürfen, sondern er fühlt auch alle Verantwortlichkeit, auch alle Pflicht zur Erkenntnis des geistigen Lebens. Denn was werden diejenigen Seelen, die heute das Privileg haben, in der Natur Frieden und Gesundheit genießen zu dürfen, was werden sie als ein Bestes herantragen an die Pforte des Todes? Was als ihr Bestes?
[ 4 ] It may sound paradoxical, but it is true that those people who, living in the city, have to unlearn what a grain of oats, rye, or barley looks like are, unfortunately, also cut off in their hearts from the deepest moral sources of our existence. When we consider this, we surely regard it as a privilege to be allowed to be close to the sources of the spirit of nature, for then one such feeling naturally connects with another—one that, strengthened by theosophy, is meant to go forth into the world: the truth of reincarnation. We first receive it as a truth of faith, this truth of the repeated earthly lives of human beings. But how could a soul sustain itself in the present day, when we see the vastly different paths by which people make their way through life, when all the inequality that must necessarily be poured out upon our earth is so glaringly evident? Then the person who has the privilege of being close to the sources of nature feels not only that they have every reason to be satisfied at being allowed to know the truths of Theosophy, but they also feel the full responsibility, indeed the duty, to understand spiritual life. For what will those souls, who today have the privilege of enjoying peace and health in nature, what will they bring as their best to the gates of death? What as their best?
[ 5 ] Wenn wir ein wenig hineinblicken in das, was so gelehrt werden kann von den geistigen Mächten, die uns näherstehen, als sie es im neunzehnten Jahrhundert getan haben, was können wir da lernen? Da können wir ganz besonders lernen, dass wir in unserer tiefsten Seele, in unserem tiefsten Fühlen etwas anderes mitnehmen können in die folgenden Inkarnationen, wenn wir uns durchdringen mit der geistigen Wissenschaft, als wenn wir uns ihr fernhalten. Wir sind ja heute fürwahr nicht darauf angewiesen, dass wir wie eine abstrakte Lehre, wie eine Theorie aufnehmen das, was uns Geisteswissenschaft geben kann. Das, was Ihre Seelen aufnehmen, was sich in sie senkt wie eine Theorie, es ist dazu da, dass alles Leben wird. Und das, was so Leben wird, wirkt bei manchen Menschen schon heute, schon in dieser Inkarnation, sonst in der nächsten. Es wird wirkliches, unmittelbares Leben, ein Leben, von dem wir nur eine Vorstellung haben können, wenn wir uns jenem prophetischen Blick hingeben, der ja sagt: Wohin geht denn diese Entwicklung? Sie geht mit all den Früchten in das unmittelbare äußere Dasein über. Und dasjenige, was wir heute nur sagen können, heute nur aussprechen können, nur unseren Worten einverleiben können, wird Blick, Blick bei den Jüngeren, Blick bei den Älteren, Blick, der beseligend wirkt.
[ 5 ] If we take a brief look at what can be taught by the spiritual forces that are closer to us now than they were in the nineteenth century, what can we learn from this? We can learn, in particular, that in our deepest soul, in our deepest feelings, we can carry something different into our next incarnations if we immerse ourselves in spiritual science than if we keep our distance from it. After all, we are certainly not dependent today on absorbing what spiritual science can offer us as an abstract doctrine or theory. What your souls take in, what sinks into them like a theory, is there so that everything may become life. And what thus becomes life is already at work in some people today, already in this incarnation, or else in the next. It becomes real, immediate life—a life of which we can have only an inkling if we surrender to that prophetic gaze which asks: Where is this development heading? It passes over into immediate outer existence with all its fruits. And that which we can only say today, can only express today, can only incorporate into our words, becomes a vision—a vision in the younger ones, a vision in the older ones, a vision that has a blissful effect.
[ 6 ] Alle, die noch nicht haben herankommen können an die Wärme und das Licht der Geisteswissenschaft, um für sich selbst zu den Früchten dieser geistigen Wissenschaft zu gelangen, werden dann das Beseligende eines solchen Blickes empfinden! All das, was äußere Persönlichkeit sein kann, wird in Zukunft jenes Feuer in sich haben, zu dem das, was heute nur Theorie ist, das Heizmaterial abgibt. Es ist nur ein kleines Häuflein von Menschen, welche die wahren Träger sein wollen alles dessen, was in der Zukunft zu all den Menschen fließen soll, die dessen bedürfen: der wahren, echten Früchte der menschlichen Liebe und des menschlichen Mitleids. Nicht darum lernen wir Geisteswissenschaft, um für uns selbst Befriedigung zu haben, nicht um der eigenen Befriedigung willen, sondern darum, dass wir milde, segnende Hände bekommen, den milden Blick, der schon dadurch wirkt, dass er aus den Augen strahlt, dass wir verbreiten dasjenige, wovon das Auge der Quellborn ist, Quellborn von alledem, was wir geistiges Schauen nennen. Menschen, die mit solcher Gesinnung gerade so nahe leben dürfen der Natur, die sollten jetzt schon achtgeben, wie in jetziger Zeit alles sich wandelt, alles anders wird! Es wird anders, es wird nämlich anders im großen Kosmos.
[ 6 ] All those who have not yet been able to draw near to the warmth and light of spiritual science, so as to reap the fruits of this spiritual science for themselves, will then experience the bliss of such a vision! Everything that can constitute the outer personality will in the future possess within itself that fire for which what is today merely theory provides the fuel. It is only a small handful of people who wish to be the true bearers of all that is to flow in the future to all those who need it: the true, genuine fruits of human love and human compassion. We do not study spiritual science to find satisfaction for ourselves, not for the sake of our own satisfaction, but so that we may gain gentle, blessing hands, the gentle gaze that works simply by radiating from the eyes, so that we may spread that of which the eye is the spring, the spring of all that we call spiritual vision. People who, with such a disposition, are able to live so close to nature should already be paying attention to how everything is changing in the present time, how everything is becoming different! It is becoming different; indeed, it is becoming different in the great cosmos.
[ 7 ] Es ist kein richtiges Wort, welches da sagt: Die Natur macht keine Sprünge. In der Natur gibt es immerfort Sprünge. So vom Blatt zur Blüte, von der Blüte zur Frucht. Wenn aus dem Ei das Küchlein wird, da gibt es einen Sprung. Es gibt kein unwahreres Wort als dieses, dass die Natur keine Sprünge mache. Überall gibt es Sprünge, überall plötzliche Übergänge. Und so leben wir in einer Zeit eines solchen Überganges. Und wir haben hinübergelebt in ein Jahr, das große Bedeutung hat: das Jahr 1899. Die Wende des zwanzigsten Jahrhunderts ist für die ganze kulturelle Entwicklung bedeutsam durch den Ablauf dessen, was vom Morgenländischen aus sich hineinlebt in das Abendländische, sich da hineinmischt, auf dass aufgehe dasjenige, was gerade aus dem Naturleben gesaugt werden kann als etwas Belebendes für unser tiefstes Seelenleben.
[ 7 ] It is not true to say that nature does not make leaps. In nature, there are leaps all the time. From leaf to flower, from flower to fruit. When the egg becomes a chick, there is a leap. There is no untruer statement than this: that nature makes no leaps. Everywhere there are leaps, everywhere sudden transitions. And so we live in a time of such a transition. And we have moved into a year of great significance: the year 1899. The turn of the twentieth century is significant for the entire course of cultural development through the process by which the Eastern flows into the Western, mingling with it, so that what can be drawn directly from the life of nature may blossom as something that enlivens our deepest soul life.
[ 8 ] Diejenigen, deren Geist geweckt ist, werden innerhalb der Naturvorgänge neue Wesenheiten sehen können. Während der Mensch, der noch nicht Hellseher geworden ist, trotz aller Wehmut über das unaufhaltsame Absterbende immer mehr erleben wird etwas Erfrischendes in der Natur, wird derjenige, dessen hellseherische Kräfte erwachen, neue elementarische Wesenheiten aus der absterbenden Natur hervorgehen sehen. Während in der groben physischen Welt verhältnismäßig wenig zu sehen sein wird von dem großen Umschwunge um die Wende des zwanzigsten Jahrhunderts, wird die geistig geöffnete Seele empfinden: Die Zeiten ändern sich, und wir Menschen haben die Pflicht, die Geisteswissenschaft vorzubereiten. Immer mehr und mehr, meine lieben theosophischen Freunde, wird es wichtig sein, solche Dinge zu beobachten und im Bewusstsein zu tragen. Denn im Willen der Menschen liegt es, ob sie solche Dinge zum Heil der Menschheit in sich aufnehmen oder an sich vorübergehen lassen wollen; dieses dann zum Unheil.
[ 8 ] Those whose spirits have been awakened will be able to perceive new entities within the processes of nature. While the person who has not yet become clairvoyant will, despite all melancholy over the inexorable process of decay, increasingly experience something refreshing in nature, the one whose clairvoyant powers are awakening will see new elemental beings emerging from the decaying natural world. While in the gross physical world relatively little will be visible of the great upheaval at the turn of the twentieth century, the spiritually open soul will sense: Times are changing, and we humans have a duty to prepare for spiritual science. More and more, my dear Theosophical friends, it will be important to observe such things and keep them in mind. For it is up to the will of human beings whether they wish to take such things in for the good of humanity or let them pass them by; the latter then leading to disaster.
[ 9 ] Damit ist eines angedeutet: Es wird um die Wende des zwanzigsten Jahrhunderts gleichsam geboren ein immerhin neues Reich von Naturwesen, das als ein geistiger Quell aus der Natur hervorgeht und für die Menschen sichtbar und erlebbar wird. Noch ein anderes. Gewiss, es wäre eine Menschenseele stumpf, die nicht das Aufsprießen des Frühlings erkennen könnte, aber noch anderes kommt hinzu. Diejenigen, die in die Lage kommen werden, das, was eben geschildert wurde, als Tatsache der Natur zu erleben, die werden in ganz anderer Art als durch das gewöhnliche Gedächtnis solche Eindrücke bewahren. Sie werden hinübertragen - wie die Samenkörner durch den Winter in den Frühling hinein es tun - das, was ihnen entgegenströmt an neuen Elementargeistern. Was im Frühling erlebt wurde und was im Herbst erlebt wurde, das war in der Vergangenheit voneinander unabhängig: dieses Aufstrahlen der Natur im Frühling und diese Wehmut im Herbst. Dasjenige, was der Kosmos von seinem Gedächtnis hergibt, das macht, dass wir von dem, was wir im Herbst erleben, einiges hinübertragen in den Frühling hinein. Wenn wir in uns wirken lassen die Elementarkräfte des Herbstes, dann können wir in einer neuen Weise empfinden, was uns in der Zukunft gegeben wird. Alles erfährt ein Neues in der Zukunft, und es ist unsere Pflicht, dass wir uns vorbereiten, durch die Erkenntnis des Geistigen ein Verständnis dafür zu haben. Denn die Geisteswissenschaft ist nicht in die Welt gekommen durch die Willkür der Menschen, sondern weil neue Dinge geschehen in den Himmeln, die nur wahrgenommen werden können, wenn die Ergebnisse der Geistesforschung aufgenommen werden von den Menschen. Deshalb ist die theosophische Bewegung ins Leben getreten.
[ 9 ] This suggests one thing: around the turn of the twentieth century, a new realm of natural beings will, as it were, come into being—a realm that emerges from nature as a spiritual source and becomes visible and tangible to human beings. And yet another. Certainly, a human soul would be dull if it could not recognize the sprouting of spring, but there is more to it than that. Those who will be able to experience what has just been described as a fact of nature will preserve such impressions in a way entirely different from ordinary memory. They will carry over—just as the seeds do through the winter into spring—what flows toward them in the form of new elemental spirits. What was experienced in spring and what was experienced in autumn were, in the past, independent of one another: this radiance of nature in spring and this melancholy in autumn. What the cosmos imparts from its own memory is what enables us to carry some of what we experience in autumn over into spring. If we allow the elemental forces of autumn to work within us, then we can perceive in a new way what is given to us in the future. Everything will experience something new in the future, and it is our duty to prepare ourselves to understand this through spiritual insight. For spiritual science did not come into the world through human caprice, but because new things are happening in the heavens that can only be perceived when the results of spiritual research are taken up by human beings. That is why the Theosophical Movement came into being.
[ 10 ] Wie in der Natur, so ist es auch im moralischen Leben: da erfährt das Seelenleben eine Umgestaltung. Mancherlei wird auftreten, wovon die Menschen heute noch keine Ahnung haben. Nur das eine möchte ich als Beispiel erwähnen: Es wird immer mehr und mehr Menschen geben - und namentlich bei Kindern wird das herauskommen -, bei denen es so sein wird, dass, wenn der Mensch dieses oder jenes in der Zukunft tun will, diese oder jene Tat in der Welt vollbringen will, es dann in seiner Seele so sprechen wird, dass er sich gedrängt fühlt, etwas stillzuhalten und auf etwas hinzulauschen, was ihm aus der geistigen Welt gesagt wird. Eine Tatsache, die wie eine Vision vor seinen Augen steht, wird ihm entgegentreten. Er wird zuerst eigentümlich berührt werden von dieser Vision. Dann wird er - wenn er ein wenig nähergetreten sein wird der Geisteswissenschaft - erkennen, dass in ihr gegeben ist das karmische Gegenbild seiner eben getanen Handlungen. So wird die Seele darauf aufmerksam gemacht: Du musst dahin arbeiten, dass du dich aufraffst, hineinzukommen in die Evolution der Zukunft. Und es wird gezeigt, dass keine Tat geschieht ohne Wirkung. Und das wird zu einem Antriebe, der unser moralisches Leben ordnet. So werden die moralischen Triebe wie ein Karma nach und nach in unsere Seele gesenkt werden, wenn wir uns bereiten, unsere Geistesaugen und unsere Geistesohren zu öffnen für das, was aus der geistigen Welt zu uns sprechen kann.
[ 10 ] Just as in nature, so it is in moral life: there, the inner life of the soul undergoes a transformation. Many things will come to pass of which people today have no inkling. I would like to mention just one example: There will be more and more people—and this will be particularly evident in children—for whom it will be the case that, when a person wants to do this or that in the future, wants to accomplish this or that deed in the world, a voice will speak within their soul, compelling them to pause and listen to what is being said to them from the spiritual world. A fact that stands before their eyes like a vision will confront them. At first, they will be strangely moved by this vision. Then—once he has drawn a little closer to spiritual science—he will recognize that within it lies the karmic counterpart of the actions he has just performed. Thus the soul is made aware: You must strive to rouse yourself to enter into the evolution of the future. And it is shown that no deed occurs without an effect. And this becomes a driving force that orders our moral life. Thus, the moral impulses will gradually be instilled in our soul like karma, if we prepare ourselves to open our spiritual eyes and ears to what can speak to us from the spiritual world.
[ 11 ] Wir wissen, dass es lange Zeit dauern wird, bis die Menschen lernen werden, im Geiste zu schauen. Aber im zwanzigsten Jahrhundert wird das beginnen, und im Laufe von dreitausend Jahren werden immer mehr und mehr Menschen dazu kommen. Die nächsten drei Jahrtausende werden von der Menschheit solchen Dingen gewidmet sein. Auf dass aber solche Dinge geschehen können, meine lieben theosophischen Freunde, fließen - auch wieder auf Anordnung der geistigen Führung der Menschheit - die Hauptströmungen der Entwicklung so, dass die Menschen immer mehr werden hindurchdringen können zum Verständnis des okkulten Lebens, so wie es heute geschildert worden ist.
[ 11 ] We know that it will take a long time for people to learn to see in the spirit. But this will begin in the twentieth century, and over the course of three thousand years, more and more people will join in. The next three millennia will be devoted by humanity to such matters. But in order for such things to happen, my dear Theosophical friends, the main currents of development—again at the behest of humanity’s spiritual guidance—are flowing in such a way that people will increasingly be able to penetrate to an understanding of the occult life, as it has been described today.
[ 12 ] Zwei Hauptströmungen haben wir da. Die erste ist bekannt dadurch, dass es eine sogenannte abendländische Philosophie gibt und dass dasjenige, was elementarste Begriffe von der geistigen Welt sind, aus den reinsten Untergründen der Philosophie stammt. Und es ist merkwürdig, was sich ergibt bei einem Überblick über das, was innerhalb der Wissenschaft der abendländischen Kultur nach und nach sich zugetragen hat. Da sehen wir, wie Menschen rein intellektuell werden, wie andere auf dem Boden des religiösen Lebens stehen, aber zugleich erfüllt sind von dem, was nur geben kann das hinter allem stehende Schauen der geistigen Welt. Überall sehen wir ein Geistesleben aus der abendländischen Philosophie herausquellen. Ich will nur nennen Wladimir Solowjow, den russischen Philosophen und Denker, einen wirklichen Hellseher, wenn er auch nur dreimal in seinem Leben hineinblicken konnte in die reine geistige Welt: Das erste Mal als neunjähriger Knabe, das zweite Mal im Britischen Museum, und zum dritten Mal, als er in der Wüste in Ägypten war und den ägyptischen Sternenhimmel über sich hatte. Da brach über ihn herein, was nur mit hellseherischem Blick zu sehen ist. Daraus erblühte in ihm dasjenige, was sich ausdrückte als Zukunftssehen der Menschheitsevolution. Es quillt das hervor, was — durch reine Anstrengung des Geistes Schelling und Hegel erreicht haben. Da sie einsam gestanden haben auf den Höhen des Denkens, dürfen wir sie auch hier hinstellen auf den Gipfel, wo nachher stehen werden alle Gebildeten. Das alles ist ja gesprochen worden im Verlaufe der letzten Jahrhunderte und besonders in den letzten vier Jahrhunderten. Wenn wir das überblicken und mit den Methoden des praktischen Okkultismus bearbeiten - und das ist geschehen in der letzten Zeit -, um gerade das zu erforschen, was die rein intellektuellen Köpfe von Hegel bis Haeckel ausgeklügelt haben, so sehen wir auch in dieses hineinwirken die okkulten Kräfte. Und ein ganz merkwürdiges Resultat ergibt sich da: Wir können von einer reinen Inspiration gerade bei denen sprechen, die uns am wenigsten so erscheinen. Wer hat sie inspiriert, alle die Geister, die auf rein intellektuellem Boden stehen? Wer hat dieses Geistesleben angefacht, das aus jedem Buche spricht, das bis hinab in die niederen Hütten geht? Woher kommt alles das, was abstraktes Geistesleben in Europa ist und ein merkwürdiges Resultat darstellt?
[ 12 ] There are two main currents here. The first is characterized by the existence of what is known as Western philosophy, and by the fact that the most fundamental concepts of the spiritual world originate from the purest foundations of philosophy. And it is remarkable what emerges when we survey what has gradually taken place within the science of Western culture. There we see how some people become purely intellectual, while others stand on the ground of religious life, yet are at the same time filled with what can only be given by the vision of the spiritual world that lies behind everything. Everywhere we see a spiritual life springing forth from Western philosophy. I will mention only Vladimir Soloviev, the Russian philosopher and thinker, a true clairvoyant, even if he was able to glimpse into the pure spiritual world only three times in his life: The first time as a nine-year-old boy, the second time in the British Museum, and the third time when he was in the Egyptian desert with the Egyptian starry sky above him. Then what can only be seen with a clairvoyant gaze came upon him. From this blossomed within him that which expressed itself as a vision of the future of human evolution. What emerges is what Schelling and Hegel achieved through the pure exertion of the spirit. Since they stood alone on the heights of thought, we may also place them here on the summit, where all educated people will stand in the future. All of this has indeed been spoken of over the course of the last few centuries, and especially in the last four centuries. When we survey this and work through it using the methods of practical occultism—and this has been done in recent times—precisely to investigate what the purely intellectual minds from Hegel to Haeckel have devised, we also see the occult forces at work here. And a very remarkable result emerges from this: we can speak of pure inspiration precisely in those who seem least like it to us. Who inspired them, all those minds standing on purely intellectual ground? Who has kindled this spiritual life that speaks from every book, reaching down even to the humblest huts? Where does all this come from—this abstract spiritual life in Europe that presents such a remarkable result?
[ 13 ] Wir wissen es ja alle, wie sich das große Ereignis zugetragen hat, das geschildert wird. Einst hatte sich eine große Individualität der Menschheitsentwicklung, eine der Individualitäten, die wir mit dem Namen Bodhisattva bezeichnen, inkarniert im Königshaus des Suddhodana. Wir wissen alle, dass diese Individualität bestimmt war, aufzusteigen zu der nächsten Würde, die auf die des Bodhisattva folgt. Jeder Mensch, der höher steigt und der bis zur Würde eines Bodhisattva kommt, der muss als letzte Inkarnation ein Buddha werden. Was bedeutet diese Buddha-Würde? Was bedeutet sie insbesondere bei dem einen Bodhisattva, der als Gautama Buddha zur Buddha-Würde gelangte? Sie bedeutet, dass der Buddha - und das ist ja bei jedem Buddha der Fall - nicht mehr in einem fleischlichen Leibe sich auf Erden zu verkörpern braucht. Und so war, wie ein jeder Buddha, der Gautama Buddha dazu ausersehen, hernach von der geistigen Welt herab zu wirken. Niemals sollte er wieder auf Erden physisch herumgehen; aber dasjenige, was er erreicht hat von Inkarnation zu Inkarnation, das machte ihn fähig, fortan immer herunterzuwirken in unsere irdische Kultur.
[ 13 ] We all know how the great event described here took place. Once upon a time, a great individuality in the development of humanity—one of the individualities we refer to as a Bodhisattva—was incarnated into the royal house of Suddhodana. We all know that this individual was destined to ascend to the next rank following that of the Bodhisattva. Every human being who ascends higher and reaches the rank of a Bodhisattva must, in their final incarnation, become a Buddha. What does this Buddha-hood mean? What does it mean, in particular, for the one Bodhisattva who attained the Buddha-hood as Gautama Buddha? It means that the Buddha—and this is the case with every Buddha—no longer needs to incarnate in a physical body on Earth. And so, like every Buddha, Gautama Buddha was destined to work from the spiritual world thereafter. He was never to walk the earth physically again; but what he had achieved from incarnation to incarnation enabled him to continue working down into our earthly culture from then on.
[ 14 ] Die erste große Tat, die er vollbrachte, die, wie ich in Basel angedeutet habe, der Buddha als ein rein geistiges Wesen zu vollbringen hatte, war die, dass er bei jenem Jesusknaben, den uns das LukasEvangelium schildert, in den astralischen Leib hinein die Kräfte schickte, die im Sinne jenes Spruches, den wir ja immer als Weihnachtsspruch sagen, zum Ausdruck kommen: Es offenbaren sich die Geisteswesen der Höhen, und Friede soll sein in den Menschen auf Erden, die einen guten Willen in sich haben.
[ 14 ] The first great deed he accomplished—which, as I indicated in Basel, the Buddha, as a purely spiritual being, had to accomplish—was to send into the astral body of that boy Jesus, whom the Gospel of Luke describes to us, the forces expressed in the sense of that saying we always recite as a Christmas message: “Glory to God in the highest, and on earth peace to those on whom his favor rests.”
[ 15 ] Wenn unsere Seele von jenem Spruch berührt wird, in welchem Engelwesen in der Aureole schweben über dem Engelskinde, so sollen wir wissen, dass in jene Jesus-Aura die Kräfte des Nirmanakaya des Buddha wirken. Seitdem sind die Geisteskräfte des Buddha einverleibt worden den höchsten Individualitäten in den sich vollziehenden Tatsachen, von welchen das Mysterium von Golgatha spricht. Sodass seine Kräfte weiterwirken auch in jener Weltanschauungsströmung der Philosophen des Abendlandes. Aus der geistigen Welt heraus ist er selbst der Antrieb zu dem Leben, das bis zum Verstande durchgedrungen und sich dann verirrt hat.
[ 15 ] When our soul is moved by that image in which angelic beings hover in a halo above the infant Jesus, we should know that the powers of the Buddha’s Nirmanakaya are at work within that aura of Jesus. Since then, the spiritual powers of the Buddha have been incorporated into the highest individualities within the unfolding events of which the Mystery of Golgotha speaks. Thus his powers continue to work even within that philosophical current of Western thought. From the spiritual world, he himself is the driving force behind the life that has penetrated as far as the intellect and then gone astray.
[ 16 ] Wenn wir heute Leibniz und Schelling und Solowjow lesen und uns fragen: Wie sind sie inspiriert?, so ist es durch das Wesen, das im Palaste des Suddhodana geboren wurde, das vom Bodhisattva zum Buddha aufgestiegen ist und dann selbstlos weitergewirkt hat. So selbstlos hat er weitergewirkt, dass wir heute zurückgehen können in Zeiten, wo im Abendlande nicht einmal der Name des Buddha genannt wurde. Von dem zum Buddha gewordenen Bodhisattva findet Ihr den Namen nicht, nicht einmal bei Goethe! Er lebt aber in allem, das wisst Ihr. Er hat so viel Verständnis gefunden, dass er in der abendländischen Literatur namenlos weiterlebt. Das wusste das Mittelalter auch; nur erzählen sie es uns damals nicht so. Sie erzählen etwas anderes.
[ 16 ] When we read Leibniz, Schelling, and Soloviev today and ask ourselves, “What inspired them?”, the answer lies in the being who was born in Suddhodana’s palace, who ascended from Bodhisattva to Buddha, and who then continued to work selflessly. He continued his work so selflessly that today we can go back to times when in the West not even the name of the Buddha was mentioned. You will not find the name of the Bodhisattva who became the Buddha, not even in Goethe! But he lives in everything, as you know. He has found such understanding that he lives on namelessly in Western literature. The Middle Ages knew this too; they just didn’t tell us about it that way back then. They told us something else.
[ 17 ] Es war im achten Jahrhundert, da lebte Johann von Damaskus, der da ein Buch geschrieben hat in Romanform. Über was? Er erzählt, es habe einmal gelebt ein bedeutender Lehrer, welcher der Lehrer wurde des Josaphat, der den Josaphat unterrichtete in dem, was die Geheimlehre ist, was die großen christlichen Wahrheiten sind. Und wenn man alledem nachgeht, so findet man in der ganzen Erzählung darauf bezügliche Wahrheiten. Man findet auch Erzählungen aus der buddhistischen Literatur. Wir verfolgen dieselbe Sache und kommen auf eine Legende: jene Legende, die da erzählt, dass der Buddha weitergelebt hat, allerdings nicht in irdischer Menschenform, sondern in tierischer, in der Form eines Hasen. Und als einmal ein Brahmane ging und einen Hasen fand - der die Maske des Buddha war, da klagte der Brahmane ihm das Elend der Menschen draußen, und da hat der Buddha in einem Feuer, das er sich selber bereitete, sich selber gebraten, um der Menschheit zu helfen. Der Brahmane nahm ihn und versetzte ihn in den Mond. Wenn man weiß, dass der Mond das Symbol der immerdar dauernden Weisheit ist, die in der Brust der Menschen lebt, dann sieht man, dass in den alten Legenden ein Bewusstsein ausgebildet und dargelegt worden ist von der Aufopferung des Buddha.
[ 17 ] It was in the eighth century that John of Damascus lived; he wrote a book in the form of a novel. About what? He tells of an eminent teacher who once lived and became the teacher of Josaphat, instructing Josaphat in what the esoteric teachings are and what the great Christian truths are. And if one traces all of this, one finds truths relating to it throughout the entire narrative. One also finds stories from Buddhist literature. We follow the same thread and come upon a legend: that legend which tells that the Buddha lived on, though not in earthly human form, but in animal form, in the form of a hare. And once, when a Brahmin was walking and found a hare—which was the mask of the Buddha—the Brahmin lamented to him the misery of the people outside, and then the Buddha roasted himself in a fire he had prepared himself, in order to help humanity. The Brahmin took him and placed him in the moon. When one knows that the moon is the symbol of the everlasting wisdom that lives in the hearts of people, then one sees that in the ancient legends a consciousness of the Buddha’s self-sacrifice has been formed and presented.
[ 18 ] Was ist die Aufgabe des Buddha da draußen in der Welt des Geistes? Es ist seine Aufgabe, immerdar in unseren Herzen zu entzünden jene Kräfte, aus denen herausgeholt werden kann hohe Weisheit. Als eine solche müssen wir die eine Strömung verstehen, die durch unsere Welt fließt, meine lieben theosophischen Freunde: Es ist die BuddhaStrömung. Sie ist auch in der einen Form repräsentiert, die durch unser Jahrhundert fließt, wenn auch verabstrahiert. Wir müssen aber suchen, die okkulte Bedeutung einer jeden Geistesform zu erkennen. Zu dieser Strömung tritt die andere hinzu, die ihren Anfang genommen hat in dem Mysterium von Golgatha, die sich mit der Buddha-Strömung zu einer notwendigen Ganzheit verknüpft hat und die wir ebenso aufnehmen müssen im irdischen Leben. Diese Strömung, die von Golgatha ausgeht und an der teilnehmen müssen alle Menschen, die kommt nicht nur innerlich an den Menschen heran, sondern sie ist eine solche Strömung, dass sie unser gesamtes Erdendasein durchdringt.
[ 18 ] What is the Buddha’s task out there in the world of the spirit? It is his task to continually kindle within our hearts those forces from which high wisdom can be drawn. As such, we must understand the one current that flows through our world, my dear Theosophical friends: it is the Buddha Current. It is also represented in the single form that flows through our century, albeit in an abstracted form. But we must seek to recognize the occult meaning of every spiritual form. To this current is added another, which took its origin in the Mystery of Golgotha, which has united with the Buddha Current to form a necessary whole, and which we must likewise take up in our earthly life. This current, which emanates from Golgotha and in which all human beings must participate, not only approaches human beings inwardly, but is such a current that it permeates our entire earthly existence.
[ 19 ] Während wir in der Buddha-Strömung, wie in jeder anderen, eine solche haben, die uns alle als Menschen betrifft, haben wir in der Christus-Wesenheit einen kosmischen Einschlag. Alle Bodhisattvas gehören zu den Individualitäten, die das Leben hier auf Erden durchmachen, gehören zur Erde. Die Christus-Individualität kommt von der Sonne und betritt die Erde erst mit der Johannestaufe, sie ist nur während drei Jahren in dem physischen Leibe des Jesus von Nazareth. Das Charakteristische dieser Christus-Individualität ist, dass es ihr bestimmt ist, nur während drei Jahren in der irdischen Welt zu wirken. Es ist dieselbe Wesenheit, auf die der Zarathustra hinwies, indem er sie den Ahura Mazdao nannte, der hinter der sichtbaren Sonne steht, dieselbe, von der die heiligen Rishis kündeten und von der die Griechen sprachen als von der Wesenheit, die dem Pieroma zugrunde liegt. Es ist die Wesenheit, die nach und nach zum Geiste unserer Erde geworden ist, zur Aura unserer Erde, seitdem ihr Blut auf Golgatha geflossen ist. Der Erste, der sie so sehen durfte, dass er nicht unmittelbar durch das physische Ereignis dazu angeregt war, das war Paulus.
[ 19 ] While in the Buddha stream, as in any other, we have an aspect that concerns us all as human beings, in the Christ Being we have a cosmic influence. All Bodhisattvas belong to the individualities that pass through life here on Earth; they belong to the Earth. The Christ Individuality comes from the Sun and enters the Earth only with the baptism of John; it remains in the physical body of Jesus of Nazareth for only three years. The characteristic of this Christ Individuality is that it is destined to work in the earthly world for only three years. It is the same being to whom Zarathustra referred by calling him Ahura Mazdao, who stands behind the visible sun; the same being of whom the holy Rishis spoke and whom the Greeks described as the being underlying the Pieroma. It is the being that has gradually become the spirit of our Earth, the aura of our Earth, ever since its blood flowed on Golgotha. The first to be permitted to see it in this way, without being directly prompted by the physical event, was Paul.
[ 20 ] So ist etwas geschehen durch das Golgatha-Ereignis, das einen ganz neuen Tatsachenablauf in unsere Erdenentwicklung gebracht hat. Vorher war alles da, um durch die mannigfaltigen Religionen die verschiedensten Begriffe aufzunehmen. Was aus der BuddhaReligion herüberwirkte, indem die Buddha-Wesenheit in die AstralAura des Jesus hineinstrahlte, und was ich erzählt habe: dass aus der Natur heraus die Seele Neues erkennen und empfunden wird, das bedeutet nichts anderes, als dass ebenso, wie die Christus-Individualität durch die Taufe herabgestiegen ist in den physischen Leib, in ihm verweilte bis zu dem Ereignis von Golgatha und so als physisches Ereignis auf dem physischen Plan da war, sie nun ebenso beginnen wird eine neue Wirksamkeit in der Ätherwelt. Wir können also von einer physischen Verkörperung sprechen bei dem Ereignis der Johannestaufe bis zu Golgatha hin und jetzt von einem ätherischen Wiedererscheinen.
[ 20 ] Thus, the events at Golgotha brought about a completely new sequence of events in the development of our Earth. Previously, everything was in place to absorb the most diverse concepts through the manifold religions. What radiated from the Buddha religion, as the Buddha-being shone into the astral aura of Jesus, and what I have described—that the soul comes to recognize and feel something new through nature—means nothing other than that just as the Christ Individuality descended into the physical body through baptism, remained within it until the event of Golgotha, and was thus present as a physical event on the physical plane, so now it will likewise begin a new activity in the etheric world. We can therefore speak of a physical incarnation from the event of John’s baptism up to Golgotha, and now of an etheric reappearance.
[ 21 ] Indem der Ätherleib sich ausbildet, auch durch Herbsteseindrücke, die der Mensch in sich hineinverwebt, wird wahrgenommen der ätherische Christus. Wozu war der physische Christus da? Dazu, dass der Mensch sich höher hinaufentwickeln konnte, um sich dann fähig zu machen, den Christus immer mehr im Ätherischen wahrzunehmen.
[ 21 ] As the etheric body develops—in part through the impressions of autumn that a person weaves into their being—the etheric Christ is perceived. What was the purpose of the physical Christ? It was so that human beings could evolve to a higher level, thereby enabling themselves to perceive the Christ more and more in the etheric realm.
[ 22 ] Sodass wir sagen können: Wir sind in diesem Vortrag ausgegangen von jenen elementaren Geistern, die sich geltend machen in der Natur, wir sind aufgestiegen von jenen eigentümlichen Visionen, die uns dazu bewegen, innezuhalten in unserem Tun und auf das innere Wort zu lauschen, und wir sehen in dem allem, in diesen vor uns ausgebreiteten Ereignissen, die sich gruppieren um einen Mittelpunkt, dass die Menschen, die sich in richtiger Weise zur geistigen Welt hinfinden - und hier meine ich nicht den geistig geschulten Hellseher, der immer den Christus hat finden können, sondern die Menschen in ihrer natürlichen Entwicklung -, dass diese Menschen den Christus als Äthererscheinung schauen werden: ihn, der nur vom Äther aus eingreifen wird in das Weltgeschehen. Wir sehen, wie sich alle diese Ereignisse um das zukünftige Christus-Ereignis gruppieren. Und wenn wir den ganzen geistigen Werdegang in seiner fortschreitenden Entwicklung nehmen, so sehen wir: Der im Liebesfeuer sich hinopfernde Buddha ist der Inspirator unserer Wissenschaft.
[ 22 ] So that we can say: In this lecture, we began with those elemental spirits that make themselves felt in nature; we ascended from those peculiar visions that move us to pause in our activities and listen to the inner word, and we see in all of this, in these events spread out before us and clustered around a central point, that those who find their way to the spiritual world in the right way—and here I do not mean the spiritually trained clairvoyant who has always been able to find the Christ, but rather people in their natural development—that these people will behold the Christ as an etheric manifestation: he who will intervene in world events only from the ether. We see how all these events cluster around the future Christ event. And when we consider the entire spiritual development in its progressive course, we see: The Buddha, who sacrifices himself in the fire of love, is the inspirer of our science.
[ 23 ] Diejenigen Menschen, die mit Aufmerksamkeit solche Dinge lesen wie «Die Prüfung der Seele», die ich in München aufführen lassen durfte, und die vernehmen, wo all die geheimnisvollen Kräfte liegen, die auf das hinweisen, was in der Natur um uns herum ist, die achtgeben auf die Weisheit der Zukunft, auch wenn die Weisheit der Zukunft oft die Torheit der Gegenwart ist, so wie die Weisheit der Gegenwart oft die Torheit der Zukunft ist, sie werden gewahr werden, dass es geben wird eine vom Christus-Impulse durchzogene Chemie, eine vom Christus-Impuls durchzogene Botanik und so weiter. Nicht wesenlose Moleküle liegen dem zugrunde. Alles, was draußen in der Natur sich ausbreitet, es kommt vom Geiste. So ist die Blume eine ätherische Wesenheit, und andrerseits ist durch diese Blume der Geist von außen in die Erde hineingedrungen. In dem, was da aus der Erde heraus an Formen hervorsprießt, zeigt sich uns der höchste Sinn. Man wird nicht nur erkennen durch den Glauben, sondern man wird wissend werden.
[ 23 ] Those who read works such as *The Trial of the Soul*—which I had the privilege of staging in Munich—with attention, and who perceive where all those mysterious forces lie that point to what is in nature around us, pay heed to the wisdom of the future, even if the wisdom of the future is often the folly of the present, just as the wisdom of the present is often the folly of the future—they will come to realize that there will be a chemistry permeated by the Christ impulse, a botany permeated by the Christ impulse, and so on. It is not insubstantial molecules that underlie this. Everything that spreads out in nature comes from the spirit. Thus, the flower is an ethereal being, and on the other hand, through this flower, the spirit has penetrated from the outside into the earth. In what sprouts forth from the earth in forms, the highest meaning reveals itself to us. One will not only recognize through faith, but one will become knowledgeable.
[ 24 ] Damit haben wir die zweite Strömung vor unsere Seele gestellt, die sich mit der ersten verbinden soll. Viel Überraschendes werden die nächsten Jahre der Erde bringen. In allen Dingen, die in solcher Weise auftreten werden, können wir das Christus-Prinzip wahrnehmen, während wir den Buddha-Impuls mehr innerlich gewahr werden. Daher können wir auch nur durch Verständnis für jene erhabenen Maßnahmen, die von der geistigen Führung der Welt aus geschehen, uns Klarheit verschaffen, wie wir den Christus-Impuls verfolgen können, wie er es ist, der im historischen Werdegang die eine Individualität in die andere hinüberführt. Was bietet für den Erkenntnisdrang des denkenden Menschen eine solche Erscheinung, wie sie im Westen sich zeigt, wo alles Denken sich mehr ausdrückt in der Art - nennen wir, um ein Beispiel zu haben — von Galilei oder wiederum im Osten sich ausdrückt in der Art des Wladimir Solowjow? Wenn wir das sehen, so erkennen wir, wie objektiv der Christus-Impuls wirkt. In ähnlicher Weise können wir in dem, was draußen in der Welt geschieht, überall den Christus-Impuls sehen.
[ 24 ] We have thus placed the second current before our souls, which is to unite with the first. The coming years will bring many surprises to the Earth. In all things that will occur in this way, we can perceive the Christ principle, while we become more inwardly aware of the Buddha impulse. Therefore, it is only through an understanding of those sublime measures taken by the spiritual leadership of the world that we can gain clarity on how to follow the Christ impulse, for it is this impulse that, in the course of history, leads one individuality into another. What does a phenomenon such as that which manifests in the West—where all thinking expresses itself more in the manner of, say, Galileo—or, conversely, in the East in the manner of Vladimir Soloviev, offer to the thinking person’s thirst for knowledge? When we see this, we recognize how objectively the Christ impulse works. In a similar way, we can see the Christ impulse everywhere in what is happening out in the world.
[ 25 ] Größtes wird sich vollziehen in den nächsten Kulturperioden. Was in der vierten nur wie ein Traum des großen Märtyrers Sokrates erstand, das wird als Wirklichkeit dastehen. Was war denn dieser groRe Impuls des Sokrates? Er wollte, dass der, welcher ein moralisches Gesetz erlebt und es so durchschaut, dass er davon ergriffen wird, auch in entsprechender Weise als moralischer Mensch handeln solle. Bedenken wir, wie weit wir davon noch entfernt sind, wie viele sagen können: das muss geschehen -, aber wie wenige die innere Kraft, die Stärke der Moral dazu haben! Dass die moralischen Lehren so klar durchschaut und die moralischen Gefühle so sicher entwickelt werden, dass es gar nichts geben kann, was wir erkennen, ohne den Impuls zu haben, es mit Feuer auszuführen, dass dies wirklich in den menschlichen Seelen heranreifen kann, nicht nur eingesehen wird, dass es gar nicht anders sein kann, als dass ein moralischer Impuls auch zur Tat wird: das hängt davon ab, dass sich die Menschen in die zwei gekennzeichneten Geistesströmungen einleben. Dann werden unter dem Einflusse der beiden Strömungen immer mehr und mehr jene Menschen heranreifen, welche vermögen, vom Empfinden, vom moralischen Erkennen, vom moralischen Impuls zur Tat vorzuschreiten.
[ 25 ] The greatest events will unfold in the coming cultural epochs. What in the fourth epoch emerged merely as a dream of the great martyr Socrates will become a reality. What, then, was this great impulse of Socrates? He wanted that whoever experiences a moral law and comprehends it so deeply that they are moved by it should also act accordingly as a moral person. Let us consider how far we still are from this, how many can say, “This must happen”—but how few possess the inner strength, the moral fortitude, to do so! That moral teachings may be so clearly understood and moral feelings so surely developed that there can be nothing we recognize without the impulse to carry it out with fervor; that this may truly mature within human souls—not merely be recognized, but such that it cannot be otherwise than that a moral impulse also becomes action: this depends on people becoming attuned to the two distinct spiritual currents described. Then, under the influence of these two currents, more and more people will mature who are capable of progressing from feeling, from moral insight, and from moral impulse to action.
[ 26 ] Wodurch wird in der Menschheit bewirkt, dass diese beiden Strömungen zusammenschmelzen, um von innen heraus durch den Buddha den Christus ergreifen zu können? Es wird dadurch bewirkt, dass das Amt des Bodhisattva niemals unausgefüllt geblieben ist. In dem Momente, wo der Bodhisattva zum Buddha wurde, da kam ein anderer zur Bodhisattva-Würde. Und es kam jene Individualität, von der wir wissen, dass sie etwa hundert Jahre vor dem Jesus von Nazareth als Essäer gelebt hat. Eine Persönlichkeit, die leider verleumdet und verkannt worden ist, zum Beispiel durch den Schriftsteller Celsus, durch Haeckels «Welträtsel» insbesondere. Jene Persönlichkeit, die also ein volles Jahrhundert vor dem Mysterium von Golgatha gewirkt hat, die bekannt ist als Jeshu ben Pandira, die eine der Verkörperungen jenes Bodhisattva, der Nachfolger wurde des Gautama, des zum Buddha gewordenen Bodhisattva. Er wird noch als Bodhisattva wirken, bis dreitausend Jahre verflossen sind, und dann, wenn so fünftausend Jahre vollendet sein werden, seitdem der Buddha unter dem Bodhibaum seine Erleuchtung empfing, wird auch er zum Buddha werden. Es weiß jeder ernste Okkultist, dass fünftausend Jahre nach der Erleuchtung des Gautama Buddha unter dem Bodhibaume jene Individualität, die fortlebt als Bodhisattva, dann zum MaitreyaBuddha geworden sein wird. Bis dahin wird er sich noch öfter verkörpern. Und dann, wenn die fünftausend Jahre um sind, wird eine Lehre auftauchen: die Lehre des Maitreya-Buddha, dem Buddha des Guten, wo das, was gesagt wird, zugleich moralisch wirkt. Worte, um diese Wirkung zu schildern, sind jetzt noch nicht in entsprechender Kraft da. Das kann nur in der geistigen Welt geschaut werden, und es wird der Mensch, um es zu empfangen, erst reif dazu werden müssen. Das Besondere dieses Maitreya-Buddha ist, dass er in gewisser Weise nachzuahmen haben wird, was in dem Ereignis von Golgatha geschehen ist.
[ 26 ] What is it that brings about, within humanity, the merging of these two currents so that, from within, the Buddha can take hold of the Christ? It is brought about by the fact that the office of the Bodhisattva has never remained unfilled. The moment the Bodhisattva became a Buddha, another attained the dignity of a Bodhisattva. And there came that individual whom we know to have lived as an Essene about a hundred years before Jesus of Nazareth. A personality who, unfortunately, has been slandered and misunderstood, for example by the writer Celsus, and particularly through Haeckel’s *The Riddle of the Universe*. That personality, who thus worked a full century before the Mystery of Golgotha, who is known as Jeshu ben Pandira, who is one of the incarnations of that Bodhisattva who became the successor to Gautama, the Bodhisattva who became the Buddha. He will continue to work as a Bodhisattva until three thousand years have passed, and then, when five thousand years have elapsed since the Buddha received his enlightenment under the Bodhi tree, he too will become a Buddha. Every serious occultist knows that five thousand years after the enlightenment of Gautama Buddha under the Bodhi tree, that individuality, which lives on as a Bodhisattva, will then have become the Maitreya Buddha. Until then, he will incarnate many more times. And then, when the five thousand years are over, a teaching will emerge: the teaching of the Maitreya Buddha, the Buddha of Goodness, where what is said has a moral effect at the same time. Words to describe this effect do not yet possess the necessary power. This can only be perceived in the spiritual world, and humanity will first have to become ripe to receive it. What is special about this Maitreya Buddha is that, in a certain sense, he will have to emulate what took place in the event of Golgotha.
[ 27 ] Wir wissen, wie die Buddha-Individualität in den Jesus von Nazareth eingezogen ist und nur noch von außen auf die Erdenentwicklung einwirkt. Alle, die als Bodhisattva leben und einmal zum Buddha werden, haben auf Erden das Schicksal, das jeder ernste Okkultist sehen kann: Sie sind in gewisser Beziehung in ihrer Jugend unbekannte Menschen. Die etwas von ihnen wissen, sehen in ihnen vielleicht begabte Menschen, sehen aber nicht, dass die BodhisattvaWesenheit sie durchzieht. So war es immer, und so wird es auch im zwanzigsten Jahrhundert sein. Nur in der Zeit, die zwischen dem dreißigsten und dreiunddreißigsten Jahre liegt - dieselbe Zeitspanne wie zwischen der Taufe im Jordan und Golgatha -, wird es zu erkennen sein. Da vollzieht sich eine Umwandlung mit dem Menschen, der dann seine Individualität bis zu einem gewissen Grade opfert und einer andern Individualität Haus wird, wie die Jesus-Individualität den Christus hat einziehen lassen.
[ 27 ] We know how the Buddha-individuality entered into Jesus of Nazareth and now influences earthly development only from the outside. All who live as Bodhisattvas and will one day become Buddhas have a destiny on Earth that every serious occultist can see: in a certain sense, they are unknown people in their youth. Those who know something of them may see them as gifted individuals, but they do not see that the Bodhisattva essence permeates them. It has always been so, and it will be so in the twentieth century as well. Only during the period between the ages of thirty and thirty-three—the same span of time as between the baptism in the Jordan and Golgotha—will this become apparent. During this time, a transformation takes place within the human being, who then sacrifices his individuality to a certain degree and becomes a vessel for another individuality, just as the Jesus individuality allowed the Christ to take up residence within him.
[ 28 ] Die Bodhisattva-Inkarnationen, die jene des künftigen MaitreyaBuddha sind, treten in unbekannten Menschen auf. Diese wirken als einzelne Menschen und durch ihre eigene Kraft. Es wird der Maitreya-Buddha auch wirken durch die eigene Kraft und entgegen der Meinung der tonangebenden Menschen. Unbekannt bleibt er in der Jugend. Und wenn er im dreißigsten Jahr hinopfern wird scine Individualität, dann wird er so auftreten, dass in seinen Worten moralisch wirken wird, was er sagt. Fünftausend Jahre, nachdem der Buddha unter dem Bodhibaume erleuchtet ward, wird auch sein Nachfolger zur Buddha-Würde aufsteigen und wird sein der Bringer des moralisch wirkenden Wortes. Jetzt sprechen wir: «Im Urbeginn war das Wort.» Dann werden wir sagen dürfen: In dem Maitreya-Buddha ist uns der größte Lehrer gegeben, der da erschienen ist, um den Menschen das Christus-Ereignis in seinem vollen Umfang deutlich zu machen. - Das Eigentümliche an ihm wird sein, dass er, als der größte Lehrer, das erhabenste Wort bringen wird, das höchste Wort.
[ 28 ] The Bodhisattva incarnations, who are those of the future Maitreya Buddha, appear in the form of unknown people. They act as individuals and through their own power. The Maitreya Buddha will also act through his own power and contrary to the opinion of influential people. He remains unknown in his youth. And when, in his thirtieth year, he sacrifices his individuality, he will appear in such a way that his words will have a moral impact. Five thousand years after the Buddha attained enlightenment under the Bodhi tree, his successor will also ascend to Buddhahood and become the bearer of the morally impactful word. Now we say: “In the beginning was the Word.” Then we shall be able to say: In the Maitreya Buddha, the greatest Teacher has been given to us, who has appeared to make the Christ event clear to humanity in its full scope. — What is peculiar about him will be that, as the greatest Teacher, he will bring the most sublime Word, the highest Word.
[ 29 ] Da so oft das Große, das in richtiger Weise in die Welt gebracht werden sollte, so falsch verstanden wird, müssen wir versuchen, uns zu dem, was da kommen soll, vorzubereiten. Und wenn wir uns dem Geiste nähern wollen, da wo der Geist der Natur zu uns auch moralisch spricht, dann dürfen wir uns sagen: In gewisser Beziehung ist alle Geisteswissenschaft Vorbereitung, damit wir verstehen lernen ein solches Wort, wie es gesprochen wurde dem vergangenen Ereignis gegenüber, als wir von dem Wandel der Zeiten sprachen.
[ 29 ] Since what is truly great—and which ought to be brought into the world in the right way—is so often misunderstood, we must try to prepare ourselves for what is to come. And if we wish to draw closer to the spirit, where the spirit of nature also speaks to us morally, then we may say to ourselves: In a certain sense, all spiritual science is preparation, so that we may learn to understand a word such as that which was spoken in relation to the past event, when we spoke of the turning of the ages.
[ 30 ] Neue Zeiten zogen heran, als der Johannes den Christus verkündete. Von neuen Zeiten, denen gegenüber es nötig ist, dass unser Sinn sich ändere, von solchen neuen Zeiten dürfen wir auch heute in gewissem Sinne sprechen. Unbeschadet der großen Kulturmittel, die kommen werden in der äußeren Welt, soll des Menschen Sinn sich so ändern, dass seine Seele etwas übrig hat auch für das Hineinblicken in die geistige Welt, die in einer neuen Art sich verkünden wird gerade in der Zeit, in der wir leben. Ob hier in diesem Leben etwas davon sichtbar sein wird, ob an der Pforte des Todes oder bei der neuen Geburt - wir werden nicht nur sehen diese neue Welt, sondern aus dieser neuen Welt heraus wirken. Und das Beste, was oft in uns ist, das kommt dadurch zur Auswirkung, dass von den Pforten des Todes her, aus der anderen Welt, Wesenheiten diese Kräfte in uns senden. Und diese Kräfte werden auch wir senden dürfen, wenn wir durch die Pforte des Todes so schreiten, dass wir uns hier dasjenige erwerben, was wir als notwendige Änderung für unsere Zeit erkennen und wovon ich mir gestattet habe, Ihnen heute etwas zu sagen.
[ 30 ] A new era was dawning when John the Baptist proclaimed the coming of the Christ. We can still speak of such a new era today, in a certain sense—an era that requires a change in our outlook. Notwithstanding the great cultural resources that will emerge in the outer world, the human spirit must change in such a way that the soul retains the capacity to look into the spiritual world, which will reveal itself in a new way precisely in the time in which we live. Whether something of this will be visible here in this life, whether at the threshold of death or at the time of a new birth—we will not only see this new world, but we will also work from within this new world. And the best that is often within us comes to fruition through the fact that, from the thresholds of death, from the other world, beings send these forces into us. And we, too, will be able to send these forces when we pass through the gate of death in such a way that we acquire here what we recognize as a necessary change for our time—and about which I have taken the liberty of speaking to you today.
