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The Rudolf Steiner Archive

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From Jesus to Christ
GA 131

10 October 1911, Karlsruhe

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Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Von denjenigen Dingen, die gestern besprochen worden sind, ausgehend, werden wir uns den bedeutsamsten Kernfragen des Christentums nähern können und in das eigentliche Wesen des Christentums einzudringen versuchen. Wir werden sehen, wie wir eigentlich nur auf diesem Wege durchschauen können, was der Christus-Impuls für die Menschheitsentwickelung geworden ist, und was er in Zukunft werden soll.

[ 1 ] Building on the topics discussed yesterday, we will be able to address the most significant core questions of Christianity and attempt to penetrate the very essence of Christianity. We will see that it is only in this way that we can truly understand what the Christ impulse has become for human development, and what it is to become in the future.

[ 2 ] Wenn die Menschen immer wieder und wieder betonen, daß die Antworten auf die höchsten Fragen nicht so kompliziert sein sollen, sondern daß die Wahrheit im Grunde genommen in einfachster Art an jeden Menschen unmittelbar herangebracht werden müsse, und wenn bei einer solchen Gelegenheit gesagt wird, daß zum Beispiel der Apostel Johannes in seinem höchsten Alter den Extrakt des Christentums in die Wahrheitsworte zusammengefaßt habe: Kinder, liebet euch!, so darf daraus niemand den Schluß ziehen: Ich kenne das Wesen des Christentums, kenne das Wesen aller Wahrheit für die Menschen, indem ich einfach die Worte ausspreche: Kinder, liebet euch! Denn daß der Apostel Johannes diese Worte einfach aussprechen durfte, dazu hatte er sich mehrere Vorbedingungen erworben. Erstens wissen wir, daß er am Ende eines langen Lebens im fünfundneunzigsten Lebensjahre eigentlich erst zu einem solchen Ausspruche übergegangen ist, daß er sich also in seiner damaligen Inkarnation erst das Recht erworben hatte, solches Wort auszusprechen; so daß er damit wohl als ein Zeuge dasteht, daß dieses Wort, von jedem beliebigen Menschen ausgesprochen, nicht dieselbe Kraft habe wie bei dem Apostel Johannes. Aber noch etwas anderes hat er sich errungen. Er ist — wenn es auch die Kritik bestreitet — der Verfasser des Johannes-Evangeliums, der Apokalypse und der Briefe des Johannes. Er hat also nicht immer sein Leben lang gesagt: Kinder, liebet euch!, sondern er hat zum Beispiel ein Werk geschrieben, das zu den schwersten Werken der Menschheit gehört: die Apokalypse — und ein Werk, das zu den intimsten und am tiefsten in die menschliche Seele eindringenden Werken gehört: das JohannesEvangelium. Er hat sich das Recht, solche Worte zu sagen, erst durch ein langes Leben und durch das, was er geleistet hat, erworben. Und wenn ihm jemand dieses Leben nachlebt und tut, was er getan hat, und dann ihm nachspricht: Kinder, liebet euch!, dann kann man im Grunde genommen gegen ein solches Vorgehen nichts einwenden. Aber wir müssen uns darüber klar sein, daß Dinge, die in wenig Worte zusammengefaßt werden können, dadurch, daß wir sie mit so wenigen Worten ausdrücken, ja recht viel bedeuten können, daß sie aber auch nichtssagend sein können. Und gar mancher, der ein Weisheitswort, das vielleicht bei gehörigen Voraussetzungen etwas sehr Tiefes bedeutet, nur so ausspricht und damit unendlich viel gesagt zu haben glaubt, erinnert an eine Erzählung von einem Herrscher, der einmal ein Gefängnis besuchte und dem ein Bewohner dieses Gefängnisses, ein Dieb, vorgeführt wurde. Da richtete der Herrscher an den Dieb die Frage, warum er denn gestohlen habe, und der Dieb sagte, weil er hungrig gewesen sei. Nun, die Frage, wie dem Hunger abzuhelfen sei, ist eine Frage, mit der sich schon viele Menschen beschäftigt haben. Der betreffende Herrscher aber meinte zu dem Dieb, er habe noch nie gehört, daß man stehle, wenn man hungrig ist, sondern daß man esse! Zweifellos ist das eine richtige Antwort, daß man esse und nicht stehle, wenn man hungrig ist. Aber es handelt sich darum, ob die betreffende Antwort auch in die entsprechende Situation hineinpaßt. Denn damit, daß die Antwort wahr ist, ist noch nicht gesagt, daß sie auch etwas aussprechen kann, was eine Bedeutung oder einen Wert hat zur Entscheidung der entsprechenden Angelegenheit. So kann auch aus dem Munde des Schreibers der Apokalypse und des Johannes-Evangeliums im höchsten Alter das Wort: Kinder, liebet euch! als aus dem Wesen des Christentums heraus gesprochen sein — dasselbe Wort, das aus dem Munde eines andern eine bloße Phrase sein kann. Deshalb müssen wir uns schon einmal damit bekanntmachen, daß wir die Dinge zum Verständnis des Christentums weit herholen müssen, gerade damit wir sie dann auf die einfachsten Wahrheiten des alltäglichen Lebens anwenden können. Wir mußten gestern an die für das moderne Denken verhängnisvolle Frage gehen, wie es mit dem steht, was wir in der viergliedrigen Wesenheit des Menschen den physischen Leib nennen. Wir werden sehen, wie das, was gestern berührt worden ist im Hinblick auf die dreifache Anschauung des Griechentums, des Judentums und des Buddhismus, uns weiterführen wird zum Verständnis des Wesens des Christentums. Zunächst aber werden wir hingelenkt auf eine Frage, die tatsächlich im Mittelpunkte der ganzen christlichen Weltanschauung steht, wenn wir uns über die Frage nach dem Schicksal des physischen Leibes unterrichten; denn wir werden damit zu nichts Geringerem hingeführt als zu jener Wesenskernfrage des Christentums: Wie steht es mit der Auferstehung Christi? Dürfen wir annehmen, daß es wichtig ist für das Verständnis des Christentums, ein Verständnis zu haben über die Auferstehungsfrage?

[ 2 ] When people emphasize time and again that the answers to the highest questions should not be so complicated, but that the truth must essentially be brought directly to every person in the simplest way possible, and when it is said on such an occasion that, for example, the Apostle John, in his old age, summarized the essence of Christianity in these words of truth: Children, love one another!, then no one should conclude from this: I know the essence of Christianity, I know the essence of all truth for humanity, simply by uttering the words: Children, love one another! For the Apostle John had to fulfill several prerequisites before he was able to utter these words so simply. First, we know that it was only at the end of a long life, in his ninety-fifth year, that he actually came to utter such a statement—that is, he had only then, in his incarnation at that time, earned the right to speak such a word; so that he stands as a witness to the fact that this word, when spoken by any other person, does not possess the same power as it did in the mouth of the Apostle John. But he has achieved something else as well. He is—even if critics dispute it—the author of the Gospel of John, the Apocalypse, and the Epistles of John. He did not, therefore, spend his entire life saying: “Children, love one another!” but rather he wrote, for example, a work that ranks among the most profound works of humanity: the Apocalypse—and a work that ranks among the most intimate and deeply penetrating works of the human soul: the Gospel of John. He earned the right to speak such words only through a long life and through what he accomplished. And if someone lives his life and does what he did, and then echoes him: “Children, love one another!”—then, strictly speaking, one cannot object to such an approach. But we must be clear that things which can be summarized in a few words can, precisely because we express them with so few words, mean quite a lot—but they can also be meaningless. And many a person who merely utters a word of wisdom—which might mean something very profound under the right circumstances—and thereby believes they have said an infinite amount, brings to mind a story about a ruler who once visited a prison and was presented with an inmate of that prison, a thief. The ruler then asked the thief why he had stolen, and the thief replied that it was because he had been hungry. Now, the question of how to alleviate hunger is one that many people have grappled with. But the ruler in question said to the thief that he had never heard of anyone stealing when they were hungry, but rather that one should eat! Undoubtedly, the correct answer is that one should eat and not steal when one is hungry. But the question is whether that particular answer also fits the situation at hand. For the fact that the answer is true does not necessarily mean that it can express something that has meaning or value for deciding the matter in question. Thus, even from the mouth of the writer of the Apocalypse and the Gospel of John in his old age, the words: “Children, love one another!” may be spoken as coming from the very essence of Christianity—the same words that, from the mouth of another, might be a mere phrase. That is why we must first familiarize ourselves with the fact that we must draw on broader perspectives to understand Christianity, precisely so that we can then apply them to the simplest truths of everyday life. Yesterday we had to address the question, so fateful for modern thinking, of what is the nature of what we call the physical body within the fourfold being of the human being. We shall see how what was touched upon yesterday, in light of the threefold perspective of Hellenism, Judaism, and Buddhism, will lead us further toward an understanding of the essence of Christianity. First, however, we are drawn to a question that actually stands at the center of the entire Christian worldview when we examine the question of the fate of the physical body; for this leads us to nothing less than the very core question of Christianity: What is the nature of Christ’s resurrection? May we assume that it is important for the understanding of Christianity to have an understanding of the question of the Resurrection?

[ 3 ] Daß dies wichtig ist, dazu brauchen wir uns nur dessen zu erinnern, was im ersten Korintherbriefe des Paulus steht (Kapitel 15, 14-20):

[ 3 ] To understand why this is important, we need only recall what is written in Paul’s First Letter to the Corinthians (chapter 15, verses 14–20):

[ 4 ] «Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, so ist unsere Predigt nichtig, nichtig aber auch euer Glaube. Dann würden wir aber auch erfunden als falsche Zeugen Gottes, weil wir wider Gott zeugten, daß er Christus auferweckt hätte, während er ihn doch nicht auferweckt hat, wenn wirklich keine Toten auferstehen. Denn werden keine Toten auferweckt, so ist auch Christus nicht auferweckt. Ist aber Christus nicht auferweckt, so ist euer Glaube eitel, so seid ihr noch in euren Sünden; dann sind auch verloren, die in Christus entschlafen sind. Wenn wir nur solche sind, die in diesem Leben nichts als ihre Hoffnung auf Christus haben, so sind wir die beklagenswertesten aller Menschen. Nun aber ist Christus auf erweckt von den Toten als der Erstling der Entschlafenen.»

[ 4 ] “But if Christ has not been raised, then our preaching is in vain and your faith is in vain. Then we would also be found to be false witnesses of God, because we testified against God that he had raised Christ, whereas he did not raise him, if indeed the dead are not raised. For if the dead are not raised, then Christ has not been raised either. But if Christ has not been raised, your faith is futile; you are still in your sins; then those who have fallen asleep in Christ have perished. If we are only those who have nothing in this life but our hope in Christ, we are the most pitiable of all people. But now Christ has been raised from the dead as the firstfruits of those who have fallen asleep.”

[ 5 ] Wir müssen dabei darauf hinweisen, daß das Christentum, wie es sich über die Welt verbreitet hat, zunächst von Paulus ausgegangen ist. Und wenn wir uns einen Sinn dafür angeeignet haben, die Worte ernst zu nehmen, so dürfen wir nicht an den wichtigsten Worten des Paulus einfach vorübergehen und etwa sagen: Wir lassen die Frage der Auferstehung ungeklärt. Denn was ist es, was Paulus sagt? Daß überhaupt das ganze Christentum keine Berechtigung und der ganze Christenglaube keinen Sinn habe, wenn die Auferstehung keine Tatsache sei! Das sagt Paulus, von dem das Christentum als historische Tatsache seinen Ausgangspunkt genommen hat. Und damit ist im Grunde genommen nichts Geringeres gesagt als: Wer die Auferstehung aufgeben will, muß aufgeben das Christentum im Sinne des Paulus.

[ 5 ] We must point out here that Christianity, as it has spread throughout the world, originated with Paul. And if we have come to understand the importance of taking his words seriously, we must not simply gloss over Paul’s most important statements and say, for example: We will leave the question of the resurrection unresolved. For what is it that Paul says? That Christianity as a whole has no justification and the entire Christian faith has no meaning if the resurrection is not a fact! This is what Paul says, from whom Christianity took its starting point as a historical fact. And this essentially amounts to nothing less than this: Whoever wishes to abandon the resurrection must abandon Christianity in the sense of Paul.

[ 6 ] Und jetzt wenden wir unseren Blick über fast zwei Jahrtausende und fragen einmal an bei den Menschen der Gegenwart, wie sie sich nach den Vorbedingungen der gegenwärtigen Zeitbildung zu der Auferstehungsfrage verhalten müssen. Ich will jetzt noch nicht auf diejenigen Rücksicht nehmen, die etwa den ganzen Jesus wegleugnen; dann ist es natürlich außerordentlich leicht, sich über die Auferstehungsfrage klar zu werden; und sie ist im Grunde genommen am leichtesten damit zu beantworten, daß man sagt: Jesus hat überhaupt nicht gelebt, also braucht man sich nicht über die Auferstehungsfrage die Köpfe zu zerbrechen. Wenn wir also von solchen Leuten absehen, so wollen wir uns einmal an diejenigen Menschen wenden, die zum Beispiel um die Mitte oder im letzten Drittel des letzten Jahrhunderts übergegangen sind zu den gebräuchlichen Vorstellungen unserer Zeit, in denen wir ja noch selber stecken; und bei ihnen wollen wir einmal Anfrage halten, wie sie vermöge ihrer ganzen Zeitbildung über die Auferstehungsfrage denken müssen. Wenn wir uns da an einen Mann wenden, der großen Einfluß gewonnen hat auf die Denkweise derjenigen, die sich für die aufgeklärtesten Menschen halten, an David Friedrich Strauß, so lesen wir bei ihm in seiner Schrift über den Denker Reimarus des achtzehnten Jahrhunderts folgendes: «Die Auferstehung Jesu ist recht ein Schibboleth, an dem sich nicht nur die verschiedenen Auffassungen des Christentums, sondern verschiedene Weltanschauungen und geistige Entwickelungsstufen voneinander scheiden.» Und fast zur selben Zeit lesen wir in einer schweizerischen Zeitschrift die Worte: «Sobald ich mich von der Wirklichkeit der Auferstehung Christi, dieses absoluten Wunders, überzeugen kann, zerreiße ich die moderne Weltanschauung. Dieser Riß durch die, wie ich glaube, unverbrüchliche Naturordnung wäre ein unheilbarer Riß durch mein System, durch meine ganze Gedankenwelt.»

[ 6 ] And now let us look back over nearly two millennia and ask the people of today how they should approach the question of the Resurrection in light of the conditions of our present age. I do not wish to consider here those who, for example, deny the very existence of Jesus; for them, of course, it is extraordinarily easy to come to a clear understanding of the question of the Resurrection; and, in essence, the easiest way to answer it is to say: Jesus never lived at all, so there is no need to rack one’s brains over the question of the Resurrection. If we set such people aside, let us turn to those who, for example, around the middle or in the last third of the last century, adopted the prevailing ideas of our time—ideas in which we ourselves are still immersed; and let us ask them how, given their entire historical context, they must think about the question of the Resurrection. If we turn to a man who has exerted great influence on the way of thinking of those who consider themselves the most enlightened people—David Friedrich Strauss—we read the following in his work on the eighteenth-century thinker Reimarus: “The resurrection of Jesus is truly a shibboleth by which not only the various views of Christianity, but also different worldviews and stages of intellectual development are distinguished from one another.” And almost at the same time, we read the following words in a Swiss journal: “As soon as I can convince myself of the reality of Christ’s resurrection, this absolute miracle, I will tear apart the modern worldview. This rupture through what I believe to be the unbreakable order of nature would be an irreparable rupture through my system, through my entire world of thought.”

[ 7 ] Fragen wir uns, wie viele Menschen unserer Gegenwart, die nach den gegenwärtigen Standpunkten diese Worte unterschreiben müssen und auch unterschreiben werden, sagen werden: Wenn ich genötigt sein sollte, die Auferstehung als eine historische Tatsache anzuerkennen, so zerreiße ich mein ganzes philosophisches oder sonstiges System. Fragen wir: Wie sollte auch in die Weltanschauung des modernen Menschen die Auferstehung als eine historische Tatsache hineinpassen?

[ 7 ] Let us ask ourselves: How many people today, who—given current perspectives—must and will endorse these words, would say: “If I were compelled to acknowledge the Resurrection as a historical fact, I would tear apart my entire philosophical or other system.” Let us ask: How could the resurrection as a historical fact possibly fit into the worldview of modern man?

[ 8 ] Erinnern wir uns daran, daß wir schon in dem ersten öffentlichen Vortrage darauf hingedeutet haben, wie in erster Linie die Evangelien genommen sein wollen: nämlich als Einweihungsschriften. Was als die größten Tatsachen in den Evangelien geschildert ist, sind im Grunde genommen Einweihungstatsachen, Vorgänge, welche sich zunächst im Innern des Tempelgeheimnisses der Mysterien abgespielt haben, wenn dieser oder jener Mensch, der dafür würdig erachtet worden war, durch die Hierophanten eingeweiht wurde. Da hat ein solcher Mensch, nachdem er lange Zeit hindurch dazu vorbereitet worden war, eine Art Tod und eine Art Auferstehung durchgemacht; und auch gewisse Lebensverhältnisse mußte er durchmachen, welche uns in den Evangelien wiedererscheinen — zum Beispiel als die Versuchungsgeschichte, als die Geschichte auf dem Ölberg und dergleichen. Weil sich das so verhält, erscheinen auch die Beschreibungen der alten Eingeweihten, die nicht Biographien im gewöhnlichen Sinne des Wortes sein wollen, so ähnlich den Evangeliengeschichten von dem Christus Jesus. Und wenn wir die Geschichte des Apollonius von Tyana, ja selbst die Buddha-Geschichte oder die Zarathustra-Geschichte lesen, das Leben des Osiris, des Orpheus, wenn wir gerade das Leben der größten Eingeweihten lesen, dann ist es oft, als wenn uns dieselben wichtigen Lebenszüge da entgegentreten, wie sie in den Evangelien geschildert werden vom Christus Jesus. Aber wenn wir auch zugeben müssen, daß wir auf diese Art für wichtige Vorgänge, die uns in den Evangelien dargestellt werden, die Vorbilder zu suchen haben in den Einweihungszeremonien der alten Mysterien, so sehen wir doch auf der anderen Seite handgreiflich, daß die großen Lehren des ChristusJesus-Lebens überall durchtränkt sind in den Evangelien mit Einzelangaben, die nun nicht eine bloße Wiederholung der Einweihungszeremonien sein wollen, sondern die uns recht sehr darauf hinweisen, daß unmittelbar Tatsächliches geschildert wird. Oder müssen wir nicht sagen, daß es in einer merkwürdigen Weise einen tatsächlichen Eindruck macht, wenn uns im Johannes-Evangelium folgendes geschildert wird (Kapitel 20, 1-17):

[ 8 ] Let us recall that we already pointed out in the first public lecture how the Gospels are primarily meant to be understood: namely, as initiatory texts. What is described as the greatest events in the Gospels are, in essence, initiation events—processes that initially took place within the inner sanctum of the Mystery Temples when this or that person, deemed worthy, was initiated by the hierophants. There, such a person, after having been prepared for this over a long period of time, underwent a kind of death and a kind of resurrection; and he also had to undergo certain life circumstances that reappear to us in the Gospels—for example, as the story of the temptation, as the story on the Mount of Olives, and the like. Because this is the case, the descriptions of the ancient initiates—which are not intended to be biographies in the ordinary sense of the word—resemble the Gospel stories of Christ Jesus. And when we read the story of Apollonius of Tyana, indeed even the story of the Buddha or the story of Zarathustra, the life of Osiris, of Orpheus—when we read the lives of the greatest initiates—it is often as if we encounter the same significant life events there as those described in the Gospels regarding Christ Jesus. But even if we must admit that, in this way, we must seek the models for important events presented to us in the Gospels in the initiation ceremonies of the ancient mysteries, we nevertheless see quite clearly on the other hand that the great teachings of the life of Christ Jesus are permeated throughout the Gospels with specific details that are not intended to be a mere repetition of the initiation ceremonies, but which point quite strongly to the fact that actual events are being described. Or must we not say that it makes a real impression in a remarkable way when the following is described to us in the Gospel of John (Chapter 20, 1–17):

[ 9 ] «Am ersten Wochentage aber kommt Maria, die von Magdala, morgens frühe, da es noch dunkel war, zu dem Grabe, und sieht den Stein vom Grabe weggenommen. Da läuft sie und geht zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, welchen Jesus lieb hatte, und sagt zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grabe genommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Da ging Petrus hinaus und der andere Jünger, und gingen zum Grabe. Es liefen aber die beiden miteinander und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam zuerst an das Grab, und beugte sich vor und sieht die Leintücher da liegen, hinein ging er jedoch nicht. Da kommt Simon Petrus hinter ihm drein, und er trat in das Grab hinein und sieht die Leintücher liegen, und das Schweißtuch, das auf seinem Kopf gelegen war, nicht bei den Leintüchern liegen, sondern für sich zusammengewickelt an einem besonderen Ort. Hierauf ging denn auch der andere Jünger hinein, der zuerst zum Grab gekommen war, und sah es und glaubte. Denn noch hatten sie die Schrift nicht verstanden, daß er von den Toten auferstehen müsse. Da gingen die Jünger wieder heim. Maria aber stand außen am Grabe weinend. Indem sie so weinte, beugte sie sich vor in das Grab, und schaut zwei Engel in weißen Gewändern da sitzend, einen zu Häupten und einen zu Füßen, wo der Leichnam Jesu gelegen war. Dieselben sagen zu ihr: Weib, was weinst du? Sagt sie zu ihnen: weil sie meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Als sie dies gesagt hatte, kehrte sie sich um und schaut Jesus dastehend, und erkannte ihn nicht. Sagt Jesus zu ihr: Weib, was weinst du? Wen suchst du? Sie, in der Meinung, es sei der Gartenhüter, sagt zu ihm: Herr, wenn du ihn fortgetragen, sage mir, wo du ihn hingelegt, so werde ich ihn holen. Sagt Jesus zu ihr: Maria! Da wendet sie sich und sagt zu ihm hebräisch: Rabbuni! das heißt: Meister. Sagt Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an; denn noch bin ich nicht aufgestiegen zu dem Vater!»

[ 9 ] “On the first day of the week, Mary Magdalene came to the tomb early in the morning, while it was still dark, and saw that the stone had been removed from the tomb. So she ran and went to Simon Peter and the other disciple, the one whom Jesus loved, and said to them: ‘They have taken the Lord out of the tomb, and we do not know where they have laid him.’ So Peter and the other disciple went out and came to the tomb. The two of them ran together, but the other disciple outran Peter and reached the tomb first; he bent down and saw the linen cloths lying there, but he did not go in. Then Simon Peter came, following him, and he went into the tomb and saw the linen cloths lying there, and the face cloth, which had been on his head, not lying with the linen cloths but rolled up in a separate place. Then the other disciple, who had reached the tomb first, also went in, and he saw and believed. For they had not yet understood the Scripture, that he must rise from the dead. So the disciples went home again. But Mary stood outside the tomb weeping. As she wept, she bent over into the tomb and saw two angels in white robes sitting there, one at the head and one at the feet, where Jesus’ body had lain. They said to her: “Woman, why are you weeping?” She said to them, “Because they have taken away my Lord, and I do not know where they have laid him.” When she had said this, she turned around and saw Jesus standing there, but she did not recognize him. Jesus said to her, “Woman, why are you weeping? Whom are you seeking?” She, thinking he was the gardener, said to him: “Sir, if you have carried him away, tell me where you have laid him, and I will take him.” Jesus said to her, “Mary!” She turned and said to him in Hebrew, “Rabboni!” which means “Teacher.” Jesus said to her, “Do not hold on to me, for I have not yet ascended to the Father.”

[ 10 ] Da haben wir eine Situation so mit Einzelheiten geschildert, daß wir kaum etwas vermissen, wenn wir uns in unserer Imagination ein Bild machen wollen, so, wenn zum Beispiel gesagt wird, daß der eine Jünger schneller läuft als der andere, daß das Schweißtuch, das den Kopf bedeckt hatte, fortgelegt ist an eine andere Stelle und so weiter. In allen Einzelheiten sehen wir etwas geschildert, was keinen Sinn hätte, wenn es sich nicht auf Tatsachen beziehen würde. Auf eins wurde auch schon bei anderer Gelegenheit aufmerksam gemacht, daß uns erzählt wird: Maria erkannte den Christus Jesus nicht. Und es wurde darauf aufmerksam gemacht, wie es möglich wäre, daß man jemanden, den man vorher gekannt hat, nach drei Tagen nicht in derselben Gestalt wiedererkennen würde? Daß der Christus also in einer veränderten Gestalt der Maria erschienen ist, das muß auch berücksichtigt werden; denn sonst hätten diese Worte auch keinen Sinn.

[ 10 ] Here we have a situation described in such detail that we hardly miss anything when we try to picture it in our imagination—for example, when it is said that one disciple runs faster than the other, that the sweat cloth that had covered his head has been placed elsewhere, and so on. In every detail, we see something described that would make no sense if it did not refer to facts. One point has also been brought to our attention on another occasion: that we are told, “Mary did not recognize Jesus Christ.” And it was pointed out: how is it possible that one would not recognize someone one had known before in the same form after three days? That Christ appeared to Mary in a transformed form must also be taken into account; for otherwise these words would make no sense.

[ 11 ] Zweierlei können wir daher sagen: Die Auferstehung müssen wir tatsächlich auffassen als das Historischwerden der Auferweckung in den heiligen Mysterien zu allen Zeiten — nur mit dem Unterschiede, daß wir sagen müssen: Der, welcher die einzelnen Mysterienschüler auferweckt hat, war in den Mysterien der Hierophant; in den Evangelien wird aber darauf hingewiesen, wie der, der den Christus auferweckt hat, die Wesenheit ist, die wir mit dem Vater bezeichnen, daß der Vater selber den Christus auferweckt hat. Wir werden damit auch darauf hingewiesen, daß das, was sich sonst in einem kleineren Maßstabe in den Tiefen der Mysterien zugetragen hat, von den göttlichen Geistern hingestellt worden ist für die Menschheit einmal auf Golgatha, und daß die Wesenheit, die als der Vater bezeichnet wird, selber als Hierophant aufgetreten ist zur Erweckung des Christus Jesus. So haben wir also ins höchste gesteigert, was sonst im kleineren in den Mysterien aufgetreten ist. Das ist das eine. Das andere ist, daß mit den Dingen, die auf die Mysterien zurückführen, verwoben sind Beschreibungen von solchen Einzelheiten, daß wir uns die Situationen auch heute noch an den Evangelien bis in die Einzelheiten — wie wir an dem angeführten Bilde gesehen haben — rekonstruieren können. Eins ist es, was als noch wichtiger in Betracht kommt. Jene Worte müssen einen Sinn haben: «Denn noch hatten sie die Schrift nicht verstanden, daß er von den Toten auferstehen müsse. Da gingen die Jünger wieder heim.» Fragen wir also: Wovon hatten sich bis dahin die Jünger überzeugen können? So klar, wie nur irgend etwas klar sein kann, wird uns geschildert, daß die Leintücher da sind, daß der Leichnam nicht da ist; nicht mehr im Grabe ist. Von nichts anderem hatten sich die Jünger überzeugen können, und nichts anderes verstanden sie, als sie jetzt wieder heim gingen. Sonst hätten die Worte keinen Sinn. Je tiefer Sie eindringen in den Text, desto mehr müssen Sie sich sagen: Die Jünger, die am Grabe standen, überzeugten sich davon, daß die Leintücher da waren, daß aber der Leichnam nicht mehr im Grabe war; und sie gingen heim mit dem Gedanken: wo ist nun der Leichnam hin? Wer hat ihn aus dem Grabe gebracht?

[ 11 ] We can therefore say two things: We must indeed understand the Resurrection as the historical manifestation of the raising up that has taken place in the sacred Mysteries throughout the ages—with the sole difference that we must say: The one who raised up the individual Mystery students was, in the Mysteries, the Hierophant; but the Gospels point out that the one who raised Christ is the Being we designate as the Father, that the Father Himself raised Christ. We are thus also shown that what otherwise took place on a smaller scale in the depths of the Mysteries was enacted by the divine spirits for humanity once upon Golgotha, and that the Being designated as the Father Himself appeared as the Hierophant for the resurrection of Christ Jesus. Thus we have elevated to the highest degree what otherwise occurred on a smaller scale in the Mysteries. That is one thing. The other is that interwoven with the things that lead back to the Mysteries are descriptions of such details that we can still reconstruct the situations today in the Gospels down to the smallest details—as we have seen in the example cited. There is one thing that must be considered even more important. Those words must have a meaning: “For they had not yet understood the Scripture that he must rise from the dead. Then the disciples went home again.” So let us ask: What had the disciples been able to convince themselves of up to that point? As clearly as anything can be clear, it is described to us that the linen cloths are there, that the body is not there; is no longer in the tomb. The disciples had been able to convince themselves of nothing else, and they understood nothing else as they now went home again. Otherwise, the words would make no sense. The deeper you delve into the text, the more you must tell yourself: The disciples who stood at the tomb were convinced that the linen cloths were there, but that the body was no longer in the tomb; and they went home with the thought: Where has the body gone? Who has taken it out of the tomb?

[ 12 ] Und jetzt führen uns von der Überzeugung, daß der Leichnam nicht da ist, die Evangelien langsam zu den Dingen, durch welche die Jünger eigentlich von der Auferstehung überzeugt werden. Wodurch werden sie überzeugt? Dadurch, daß, wie die Evangelien erzählen, ihnen nach und nach der Christus erschienen ist, daß sie sich sagen konnten: Er ist da! was sogar so weit ging, daß Thomas, der der Ungläubige genannt wird, seine Finger in die Wundmale legen konnte. Kurz, aus den Evangelien können wir sehen, daß sich die Jünger von der Auferstehung erst dadurch haben überzeugen lassen, daß ihnen der Christus nachher als Auferstandener entgegengetreten ist. Daß er da war, das war für die Jünger der Beweis. Und hätte man diese Jünger, so wie sie sich nach und nach die Überzeugung verschafft hatten, daß der Christus lebt, trotzdem er gestorben war, — hätte man sie gefragt um den eigentlichen Inhalt ihres Glaubens, so würden sie gesagt haben: Wir haben die Beweise, daß der Christus lebt! Aber sie würden durchaus nicht so gesprochen haben, wie später Paulus gesprochen hat, als er das Ereignis von Damaskus erlebt hatte.

[ 12 ] And now, starting from the realization that the body is not there, the Gospels gradually lead us to the events through which the disciples are actually convinced of the Resurrection. What convinces them? The fact that, as the Gospels recount, Christ appeared to them little by little, so that they could say: He is here!—which even went so far that Thomas, who is called the unbeliever, was able to place his fingers in the wounds. In short, from the Gospels we can see that the disciples were only convinced of the resurrection because Christ subsequently appeared to them as the risen one. That he was there—that was the proof for the disciples. And if one had asked these disciples—as they had gradually come to the conviction that Christ lives, even though he had died—if one had asked them about the actual content of their faith, they would have said: We have the proof that Christ lives! But they would by no means have spoken as Paul later spoke when he had experienced the event at Damascus.

[ 13 ] Wer das Evangelium und die Paulus-Briefe auf sich wirken läßt, wird merken, welch tiefgehender Unterschied in bezug auf die Auffassung der Auferstehung zwischen dem Grundton der Evangelien und der paulinischen Auffassung ist. Zwar parallelisiert Paulus seine Auferstehungsüberzeugung mit der der Evangelien; denn indem er sagt, Christus sei erstanden, weist er darauf hin, daß der Christus als ein Lebendiger, nachdem er gekreuzigt worden war, dem Kephas, den Zwölfen, dann fünfhundert Brüdern auf einmal und zuletzt ihm auch, als einer unzeitigen Geburt, erschienen ist aus dem Feuerschein des Geistigen. So ist er auch den Jüngern erschienen; darauf weist Paulus hin. Und die Erlebnisse mit dem Auferstandenen waren für Paulus keine anderen als für die Jünger. Was er aber gleich daran anknüpfl, was für ihn das Ereignis von Damaskus ist, das ist seine wunderbare und leicht zu begreifende Theorie von der Wesenheit des Christus. Denn was wird vom Ereignis von Damaskus an für ihn die Wesenheit des Christus? Sie wird für ihn der zweite Adam. Und Paulus unterscheidet sogleich den ersten Adam und den zweiten Adam: den Christus. Den ersten Adam nennt er den Stammvater der Menschen auf der Erde. Aber in welcher Weise? Wir brauchen nicht weit zu gehen, um uns die Antwort auf diese Frage zu verschaffen. Er nennt ihn den Stammvater der Menschen auf Erden, indem er in ihm den ersten Menschen sieht, von dem alle übrigen Menschen abstammen — das heißt für Paulus: derjenige, der den Menschen vererbt hat den Leib, den sie als einen physischen an sich tragen. So hatten alle Menschen von Adam ihren physischen Leib vererbt. Das ist der Leib, der uns zunächst in der äußeren Maja entgegentritt, und der sterblich ist; es ist der von Adam vererbte, verwesliche Leib, der dem Tode verfallende physische Leib des Menschen. Mit diesem Leib — wir können den Ausdruck, denn er ist nicht schlecht, geradezu gebrauchen — sind die Menschen «angezogen». Und den zweiten Adam, den Christus, betrachtet Paulus im Gegensatz dazu als innehabend den unverweslichen, den unsterblichen Leib. Und durch die christliche Entwickelung setzt Paulus voraus, daß die Menschen allmählich in die Lage kommen, an die Stelle des ersten Adam den zweiten Adam zu setzen, an die Stelle des verweslichen Leibes des ersten Adam den unverweslichen Leib des zweiten Adam, des Christus, anzuziehen. Nichts Geringeres also, als was alle alte Weltanschauung zu durchlöchern scheint, nichts Geringeres scheint Paulus von denen zu fordern, die sich echte Christen nennen. Wie der erste, verwesliche Leib abstammt von Adam, so muß von dem zweiten Adam, von Christus, stammen der unverwesliche Leib. So daß jeder Christ sich sagen müßte, weil ich von Adam abstamme, habe ich einen verweslichen Leib, wie ihn Adam hatte; und indem ich mich in das rechte Verhältnis zu dem Christus setze, bekomme ich von Christus — dem zweiten Adam — einen unverweslichen Leib. Diese Anschauung leuchtet für Paulus unmittelbar hervor aus dem Damaskus-Ereignis. Mit anderen Worten: was will Paulus sagen? Wir kön nen es vielleicht mit einer einfachen schematischen Zeichnung ausdrücken.

[ 13 ] Anyone who allows the Gospel and Paul’s letters to take hold of them will notice what a profound difference there is between the underlying tone of the Gospels and Paul’s understanding of the resurrection. Paul does, however, draw a parallel between his belief in the Resurrection and that of the Gospels; for when he says that Christ has risen, he points out that Christ, as a living being, appeared after his crucifixion to Cephas, to the Twelve, then to five hundred brothers at once, and finally to him as well—as one born out of due time—from the radiance of the spiritual. Thus he also appeared to the disciples; Paul points this out. And the experiences with the Risen One were no different for Paul than they were for the disciples. But what he immediately connects to this—what the Damascus event is for him—is his wonderful and easily comprehensible theory of the essence of Christ. For what does the essence of Christ become for him from the Damascus event onward? For him, it becomes the second Adam. And Paul immediately distinguishes between the first Adam and the second Adam: the Christ. He calls the first Adam the progenitor of humanity on earth. But in what sense? We need not go far to find the answer to this question. He calls him the progenitor of humanity on earth by seeing in him the first human from whom all other humans are descended—that is, for Paul: the one who bequeathed to humanity the body that they bear as a physical one. Thus all human beings inherited their physical body from Adam. This is the body that first confronts us in the outer Maya and is mortal; it is the perishable body inherited from Adam, the physical body of human beings subject to decay and death. With this body—we can use the expression, for it is not bad—human beings are “clothed.” And in contrast, Paul regards the second Adam, Christ, as possessing the imperishable, the immortal body. And through Christian development, Paul presupposes that human beings gradually come to be in a position to replace the first Adam with the second Adam, to put on the imperishable body of the second Adam, Christ, in place of the perishable body of the first Adam. Nothing less, then, than what seems to undermine the entire old worldview; nothing less does Paul seem to demand of those who call themselves true Christians. Just as the first, perishable body descends from Adam, so must the imperishable body descend from the second Adam, from Christ. So that every Christian must say to himself: because I descend from Adam, I have a perishable body, just as Adam had; and by placing myself in the right relationship to Christ, I receive from Christ—the second Adam—an imperishable body. For Paul, this view shines forth directly from the Damascus event. In other words: what is Paul trying to say? We can perhaps express it with a simple schematic diagram.

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[ 14 ] Wenn wir eine Anzahl von Menschen zu einer bestimmten Zeit haben (X), so wird Paulus alle stammbaumgemäß zurückführen zu dem ersten Adam, von dem sie alle abstammen, und der ihnen den verweslichen Leib gegeben hat. Ebenso muß nach der Vorstellung des Paulus ein anderes möglich sein. Wie die Menschen in bezug auf ihre Menschlichkeit sich sagen können: wir sind verwandt, weil wir von dem einen Urmenschen, von Adam, abstammen, so müssen sie sich auch im Sinne des Paulus sagen: wie wir ohne unser Zutun durch die Verhältnisse, die in der physischen Menschheitsfortpflanzung gegeben sind, diese Linien zu Adam hinaufführen können, so muß es möglich sein, daß wir in uns etwas entstehen lassen können, was uns ein anderes möglich macht. Wie die natürlichen Linien zu Adam hinaufführen, so muß es möglich sein, Linien zu ziehen, die uns — zwar nicht zu dem fleischlichen Adam hinaufführen mit dem verweslichen Leib, die uns aber ebenso hinführen zu dem Leib, der unverweslich ist, und den wir durch unsere Beziehung zu dem Christus ebenso in uns tragen können, nach Paulinischer Auffassung, wie wir den verweslichen Leib durch Adam in uns tragen.

[ 14 ] If we have a certain number of people at a given time (X), Paul traces them all back through their family trees to the first Adam, from whom they all descend and who gave them their mortal bodies. Likewise, according to Paul’s conception, another possibility must exist. Just as people can say to one another with regard to their humanity: we are related because we descend from the one original human, from Adam, so they must also say to one another in the sense of Paul: just as we can trace these lines back to Adam through circumstances inherent in the physical reproduction of humanity, without any action on our part, so it must be possible for us to bring something into being within ourselves that makes something else possible for us. Just as the natural lines lead back to Adam, so it must be possible to draw lines that lead us—not to the fleshly Adam with his perishable body, but to the body that is imperishable, and which, according to the Pauline view, we can carry within us through our relationship to Christ just as we carry the perishable body within us through Adam.

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[ 15 ] Nichts Unbequemeres gibt es für das moderne Bewußtsein, als diese Vorstellung. Denn ganz nüchtern besehen: was fordert das von uns? Es fordert etwas, was für das moderne Denken geradezu ungeheuerlich ist. Das moderne Denken hat lange darüber gestritten, ob alle Menschen von einem einzigen Urmenschen abstammen; aber das läßt es sich noch gefallen, daß alle Menschen von einem einzigen Menschen abstammen, der einmal auf der Erde da war für das physische Bewußtsein. Paulus aber fordert folgendes. Er sagt: Wenn du im rechten Sinne ein Christ werden willst, mußt du dir vorstellen, daß in dir etwas entstehen kann, was in dir leben kann, und von dem du sagen mußt, du kannst ebenso geistige Linien ziehen von diesem in dir Lebenden zu einem zweiten Adam, zu Christus, und zwar zu jenem Christus, der am dritten Tage sich aus dem Grabe erhoben hat, wie alle Menschen Linien hinziehen können zu dem physischen Leib des ersten Adam. — So verlangt Paulus von allen, die sich Christen nennen, daß sie in sich etwas entstehen lassen, was wirklich in ihnen ist, und was so, wie der verwesliche Leib zurückführt auf Adam, zu dem hinführt, was sich am dritten Tage erhoben hat aus dem Grabe, in das der Leib des Christus Jesus hineingelegt worden ist. Wer das nicht zugibt, kann kein Verhältnis zu Paulus gewinnen, kann nicht sagen: er verstehe Paulus. Stammt man ab in bezug auf seinen verweslichen Leib vom ersten Adam, so hat man die Möglichkeit, indem man die Wesenheit des Christus zu seinem eigenen Wesen macht, einen zweiten Stammvater zu haben. Das ist aber der, der sich am dritten Tage, nachdem der Leichnam des Christus Jesus in die Erde gelegt worden war, aus dem Grabe erhoben hat.

[ 15 ] There is nothing more uncomfortable for the modern mind than this idea. For, viewed objectively: what does it demand of us? It demands something that is downright outrageous to modern thinking. Modern thinking has long debated whether all human beings descend from a single primordial human; but it can still tolerate the idea that all human beings descend from a single human being who once existed on Earth for physical consciousness. Paul, however, demands the following. He says: If you want to become a Christian in the true sense, you must imagine that something can arise within you, something that can live within you, and of which you must say that you can draw spiritual lines from this living being within you to a second Adam, to Christ—namely, to that Christ who rose from the grave on the third day—just as all human beings can draw lines to the physical body of the first Adam. — Thus Paul demands of all who call themselves Christians that they allow something to arise within them that is truly within them, and which, just as the perishable body leads back to Adam, leads to that which rose on the third day from the tomb into which the body of Christ Jesus had been laid. Whoever does not acknowledge this cannot establish a relationship with Paul, cannot say: he understands Paul. If one descends from the first Adam in regard to one’s perishable body, one has the possibility, by making the essence of Christ one’s own essence, of having a second progenitor. But this is the one who rose from the tomb on the third day, after the body of Christ Jesus had been laid in the earth.

[ 16 ] So sei uns zunächst klar, daß dies eine Forderung des Paulus ist, so unbequem es auch dem modernen Denken ist. Wir werden uns schon von dieser Paulinischen Aufstellung dem modernen Denken nähern; nur soll man keine andere Meinung haben über das, was uns aus Paulus so klar entgegentritt, soll nicht herumdeuteln an dem, was gerade bei Paulus so klar ausgesprochen ist. Es ist freilich bequem, etwas allegorisch auszulegen und zu sagen, er habe es so und so gemeint; aber alle diese Deutungen haben keinen Sinn. Und es bleibt uns nichts übrig, wenn wir einen Sinn damit verbinden wollen — selbst wenn das moderne Bewußtsein es als einen Aberglauben auffassen wollte — als daß nach Paulinischer Darstellung der Christus nach drei Tagen auferstanden ist. Gehen wir aber weiter.

[ 16 ] Let us first be clear that this is a demand made by Paul, however uncomfortable it may be for modern thinking. We will already be approaching modern thinking from this Pauline perspective; we simply must not hold a different opinion about what Paul presents to us so clearly, nor should we try to twist the meaning of what is so clearly stated by Paul. It is, of course, convenient to interpret something allegorically and say that he meant this or that; but all these interpretations make no sense. And if we wish to attach any meaning to it—even if modern consciousness were to regard it as superstition—we have no choice but to accept that, according to Paul’s account, Christ rose from the dead after three days. But let us move on.

[ 17 ] Ich möchte hier nun auch noch die Bemerkung einfügen, daß eine solche Behauptung, wie sie Paulus getan hat, nachdem er selber den Gipfel seiner Initiation durch das Ereignis von Damaskus erlangt hatte, die Behauptung über den zweiten Adam und seine Auferstehung aus dem Grabe, nur einer machen konnte, der seiner ganzen Denkweise und seiner ganzen Anschauung nach aus dem Griechentum hervorgegangen war; der eben in dem Griechentum wurzelte, wenn auch als ein Angehöriger des hebräischen Volkes; der aber all seinen Hebräismus in gewisser Beziehung der griechischen Auffassung zum Opfer gebracht hatte. Denn was behauptet eigentlich Paulus, wenn wir der Sache nähertreten? Was die Griechen geliebt und geschätzt haben, die äußere Form des Menschenleibes, wovon sie die tragische Empfindung hatten: das endet, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet!, von dem sagt Paulus aus seiner Anschauung heraus: Es hat sich triumphierend aus dem Grabe erhoben mit der Auferstehung des Christus! — Und ziehen wir eine Brücke zwischen den zwei Weltanschauungen, so können wir sie am besten so ziehen:

[ 17 ] I would also like to add here the observation that a claim such as the one Paul made—after he himself had reached the pinnacle of his initiation through the event at Damascus—namely, the claim concerning the second Adam and his resurrection from the grave, could only have been made by someone whose entire way of thinking and worldview had emerged from Hellenism; who was rooted in Greek culture, even as a member of the Hebrew people; but who had, in a certain sense, sacrificed all his Hebraism to the Greek conception. For what does Paul actually assert, when we examine the matter more closely? What the Greeks loved and valued—the outward form of the human body, about which they held the tragic conviction: “That ends when man passes through the gate of death!”—of that, Paul says from his own perspective: “It has risen triumphantly from the grave with the resurrection of Christ!” — And if we are to draw a bridge between these two worldviews, we can best do so as follows:

[ 18 ] Der griechische Heros sagte aus seiner griechischen Empfindung heraus: Lieber ein Bettler sein in der Oberwelt, als ein König im Reiche der Schatten! Und er sagte es, weil er aus seiner griechischen Empfindung heraus davon überzeugt war, daß das, was der Grieche liebte, die äußere Form des physischen Leibes, mit dem Durchgehen durch die Pforte des 'Iodes ein für allemal verloren sei. Auf denselben Boden, auf dem diese schönheitstrunkene tragische Stimmung erwachsen war, trat Paulus, der Verbreiter des Evangeliums zunächst unter den Griechen. Und wir weichen nicht von seinen Worten ab, wenn wir sie in folgender Weise übersetzen: «Nicht geht in der Zukunft das, was ihr am meisten schätzt, die menschliche Leibesform, zugrunde; sondern der Christus ist erstanden als der Erste von denen, die auferweckt werden von den Toten! Die physische Leibesform ist nicht verloren — sondern zurückgegeben der Menschheit durch die Auferstehung des Christus!» Was die Griechen am meisten schätzten, das gab der durch und durch griechisch gebildete Jude Paulus den Griechen mit der Auferstehung wieder zurück. Nur ein Grieche konnte so denken und so sprechen, aber nur ein Grieche, der es geworden war mit all den Voraussetzungen, die zugleich die Abstammung aus dem Judentum ergab. Nur ein zum Griechen gewordener Jude konnte so sprechen, nimmermehr ein anderer.

[ 18 ] The Greek hero said, speaking from his Greek sensibility: Better to be a beggar in the world above than a king in the realm of shadows! And he said this because, based on his Greek sensibility, he was convinced that what the Greeks loved—the outward form of the physical body—was lost once and for all upon passing through the gate of the 'Iodes. Paul, the first to spread the Gospel among the Greeks, stepped onto the same ground where this beauty-intoxicated, tragic mood had taken root. And we do not deviate from his words when we translate them as follows: “What you value most—the human bodily form—will not perish in the future; rather, Christ has risen as the first of those who are raised from the dead! The physical bodily form is not lost—but returned to humanity through the resurrection of Christ!” What the Greeks valued most, Paul—a Jew thoroughly educated in Greek culture—restored to the Greeks through the Resurrection. Only a Greek could think and speak in this way, but only a Greek who had become one with all the prerequisites that simultaneously resulted from his Jewish ancestry. Only a Jew who had become a Greek could speak in this way; never anyone else.

[ 19 ] Wie können wir uns aber diesen Dingen vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus nähern? Denn vorerst sind wir erst so weit, daß wir wissen, Paulus habe etwas gefordert, was dem modernen Denken einen gründlichen Strich durch die Rechnung macht. Jetzt wollen wir einmal versuchen, uns vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus dem, was Paulus fordert, zu nähern.

[ 19 ] But how can we approach these matters from the standpoint of spiritual science? For the time being, we have only reached the point where we know that Paul demanded something that thoroughly thwarts modern thinking. Now let us try to approach what Paul demands from the standpoint of spiritual science.

[ 20 ] Nehmen wir einmal die Dinge, die wir aus der Geisteswissenschaft wissen, zusammen, um aus dem, was wir selber sagen, eine Vorstellung zu bekommen gegenüber den Behauptungen des Paulus. Da wissen wir, wenn wir uns die allereinfachsten geisteswissenschaftlichen Wahrheiten noch einmal vor die Seele führen: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Wenn Sie nun jemanden fragen, der sich ein wenig mit Geisteswissenschaft beschäftigt hat, aber nicht sehr gründlich, ob er den physischen Leib des Menschen kenne, so wird er Ihnen ganz gewiß sagen: Den kenne ich sehr gut; denn ich sehe ihn ja, wenn ein Mensch mir vor Augen tritt. Das andere sind die übrigen unsinnlichen, unsichtbaren Glieder, die kann man nicht sehen; aber den physischen Menschenleib kenne ich sehr gut. — Tritt uns wirklich der physische Leib des Menschen vor Augen, wenn wir mit unserer gewöhnlichen physischen Anschauung und unserem physischen Verstande dem Menschen entgegentreten? Ich frage Sie: Wer hat ohne hellseherische Anschauung jemals einen physischen Menschenleib gesehen? Was haben die Menschen vor Augen, wenn sie nur mit physischen Augen schauen und mit dem physischen Verstande begreifen? Ein Menschenwesen, das aber besteht aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich! Und wenn ein Mensch vor uns steht, steht ein organisierter Zusammenhang aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich vor uns. Und es hat sowenig Sinn, zu sagen, es stünde ein physischer Leib vor uns, wie es keinen Sinn hätte, zu sagen, wenn wir jemandem ein Glas Wasser vorhalten: da ist Wasserstoff drinnen! Wasser besteht aus Wasserstoff und Sauerstoff, wie der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Was physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich zusammen ausmachen, das ist äußerlich in der physischen Welt zu sehen, wie das Wasser in dem Glase Wasser. Wasserstoff und Sauerstoff aber wird nicht gesehen, und der irrt sich gewaltig, der da sagen wollte, er würde den Wasserstoff im Wasser sehen. So irrt sich aber auch der, der da meint, er sehe den physischen Leib, wenn er einen Menschen in der äußeren Welt sieht. Nicht einen physischen Menschenleib sieht der mit physischen Sinnen und mit physischem Verstande begabte Beschauer, sondern ein viergliedriges Wesen — und den physischen Leib nur insofern, als er durchdrungen ist von den übrigen menschlichen Wesensgliedern. Da ist er aber so verändert, wie der Wasserstoff im Wasser, indem er vom Sauerstoff durchdrungen ist. Denn Wasserstoff ist ein Gas, und Sauerstoff ist auch eins. Wir haben also zwei Gase; beide zusammengefügt geben eine Flüssigkeit. Warum sollte es also unbegreiflich sein, daß der Mensch, der uns in der physischen Welt entgegentritt, sehr unähnlich ist seinen einzelnen Gliedern — dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem Astralleib und dem Ich, wie ja auch das Wasser dem Wasserstoff sehr unähnlich ist? Und so ist es auch! Deshalb müssen wir sagen: Auf jene Maja, als die ihm der physische Leib zunächst erscheint, darf sich der Mensch nicht verlassen. Wir müssen uns den physischen Leib in einer ganz anderen Weise denken, wenn wir uns dem Wesen dieses physischen Menschenleibes nähern wollen.

[ 20 ] Let us summarize what we know from spiritual science in order to form an idea, based on our own statements, of how they compare to Paul’s assertions. If we bring the most basic truths of spiritual science to mind once more, we know that: Human beings consist of a physical body, an etheric body, an astral body, and an I. If you were to ask someone who has dabbled a little in spiritual science, though not very thoroughly, whether they know the human physical body, they would certainly tell you: I know it very well; for I see it when a person stands before me. The other parts are the remaining non-sensory, invisible members; those cannot be seen; but I know the physical human body very well. — Does the physical body of a human being truly appear before our eyes when we encounter a person with our ordinary physical perception and our physical intellect? I ask you: Who has ever seen a physical human body without clairvoyant perception? What do people see when they look only with physical eyes and comprehend with the physical mind? A human being—but one consisting of a physical body, an etheric body, an astral body, and an I! And when a human being stands before us, an organized complex of physical body, etheric body, astral body, and I stands before us. And it makes as little sense to say that a physical body stands before us as it would make no sense to say, when holding a glass of water up to someone: there is hydrogen in there! Water consists of hydrogen and oxygen, just as the human being consists of a physical body, an etheric body, an astral body, and an I. What the physical body, etheric body, astral body, and I together constitute can be seen externally in the physical world, just as the water in the glass of water. But hydrogen and oxygen are not seen, and anyone who claims to see the hydrogen in the water is gravely mistaken. But just as gravely mistaken is the one who thinks they see the physical body when they see a human being in the outer world. The observer endowed with physical senses and physical intellect does not see a physical human body, but a fourfold being—and the physical body only insofar as it is permeated by the other human constituents. There, however, it is transformed, just as hydrogen in water is transformed by being permeated by oxygen. For hydrogen is a gas, and oxygen is also a gas. So we have two gases; when combined, they form a liquid. Why, then, should it be incomprehensible that the human being who meets us in the physical world is very unlike his individual components—the physical body, the etheric body, the astral body, and the I—just as water is very unlike hydrogen? And so it is! Therefore, we must say: Human beings must not rely on that Maya, as the physical body initially appears to them. We must conceive of the physical body in a completely different way if we wish to approach the essence of this physical human body.

[ 21 ] Da handelt es sich darum, daß die Betrachtung des physischen Menschenleibes an sich zu den schwierigsten hellseherischen Problemen gehört, zu den allerschwierigsten! Denn nehmen wir an, wir lassen von der Außenwelt dasjenige Experiment mit dem Menschen vollziehen, das ähnlich ist dem Zerlegen des Wassers in Wasserstoff und Sauerstoff. Nun, im Tode wird ja dieses Experiment von der großen Welt vollzogen. Da sehen wir, wie der Mensch seinen physischen Leib ablegt. Legt er wirklich seinen physischen Leib ab? Die Frage scheint eigentlich lächerlich zu sein. Denn was scheint klarer zu sein, als daß der Mensch mit dem ’Iode seinen physischen Leib ablegt! Aber was der Mensch mit dem Tode ablegt — was ist denn das? Das ist etwas, von dem man zum mindesten sich sagen muß, daß es das Wichtigste, was der physische Leib im Leben hat, nicht mehr besitzt: nämlich die Form, die von dem Momente des Todes an zerstört zu werden beginnt an dem Abgelegten. Wir haben zerfallende Stoffe vor uns, und die Form ist nicht mehr eigentümlich. Was da abgelegt wird, sind im Grunde genommen die Stoffe und Elemente, die wir sonst auch in der Natur verfolgen; das ist nicht das, was sich naturgemäß eine menschliche Form geben würde. Zum physischen Menschenleib gehört aber diese Form ganz wesentlich. Für den gewöhnlichen hellseherischen Blick ist es zunächst tatsächlich so, als ob einfach der Mensch diese Stoffe ablege, die dann der Verwesung oder Verbrennung zugeführt werden, und sonst nichts von seinem physischen Leibe bliebe. Dann sieht das gewöhnliche Hellsehen nach dem Tode in jenen Zusammenhang hinein, der da besteht aus Ich, astralischem Leib und Ätherleib während der Zeit, während welcher der Mensch seinen Rückblik zum verflossenen Leben hat. Dann sieht der Hellseher durch das fortschreitende Experiment den Ätherleib sich abtrennen, sieht einen Extrakt dieses Ätherleibes mitgehen und das Übrige sich auflösen in dem allgemeinen Weltenäther in der einen oder anderen Weise. Und so scheint es in der 'Tat, als ob der Mensch den physischen Leib mit den physischen Stoffen und Kräften abgelegt hätte mit dem Tode und den Ärherleib nach ein paar Tagen. Und wenn der Hellseher den Menschen dann weiter verfolgt während der KamalokaZeit, so sieht er, wie wieder von dem Astralleib ein Extrakt durch das weitere Leben zwischen Tod und neuer Geburt mitgenommen, und wie das andere des Astralleibes der allgemeinen Astralität übergeben wird.

[ 21 ] The point is that observing the physical human body is in itself one of the most difficult problems in clairvoyance—one of the very most difficult! For suppose we were to have the external world carry out an experiment on the human being similar to the decomposition of water into hydrogen and oxygen. Well, in death this experiment is indeed carried out by the great world. There we see how the human being sheds his physical body. Does he truly shed his physical body? The question actually seems ridiculous. For what could be clearer than that the human being sheds his physical body at death! But what is it that the human being sheds with death—what is that? It is something about which one must at least say that it no longer possesses the most important thing the physical body has in life: namely, the form, which begins to be destroyed from the moment of death in what has been shed. We have decaying matter before us, and the form is no longer distinctive. What is cast off there are, in essence, the substances and elements that we otherwise observe in nature; this is not what would naturally take on a human form. Yet this form is an essential part of the physical human body. To the ordinary clairvoyant gaze, it initially appears as though the human being simply sheds these materials, which are then subjected to decay or cremation, and nothing else remains of their physical body. Then, after death, ordinary clairvoyance looks into that connection consisting of the I, the astral body, and the etheric body during the time when the human being looks back on their past life. Then, through the ongoing process, the clairvoyant sees the etheric body detach itself, sees an extract of this etheric body depart, and the remainder dissolve into the general world ether in one way or another. And so it actually seems as though the human being has shed the physical body, along with its physical substances and forces, at death, and the etheric body after a few days. And when the clairvoyant then continues to follow the person during the Kamaloka period, he sees how an extract from the astral body is again carried along through the further life between death and new birth, and how the remainder of the astral body is surrendered to the general astral realm.

[ 22 ] Wir sehen also: Physischer Leib, Ätherleib und Astralleib werden abgelegt, und der physische Leib scheint erschöpft zu sein in dem, was wir vor uns haben in den Stoffen und Kräften, die der Verwesung oder Verbrennung oder auf eine andere Weise der Auflösung in die Elemente entgegengehen. Je mehr sich aber in unserer Zeit des Menschen Hellsichtigkeit entwickelt, desto mehr wird er sich über eines klar werden: daß das, was mit dem physischen Leibe abgelegt wird als die physischen Stoffe und Kräfte, doch nicht der ganze physische Leib ist, daß das gar nicht einmal die ganze Gestalt des physischen Leibes gäbe. Sondern zu diesen Stoffen und Kräften gehört noch etwas anderes, das wir nennen müssen, wenn wir sachgemäß sprechen, das «Phantom» des Menschen. Dieses Phantom ist die Formgestalt des Menschen, welche als ein Geistgewebe die physischen Stoffe und Kräfte verarbeitet, so daß sie in die Form hineinkommen, die uns als der Mensch auf dem physischen Plane entgegentritt. Wie der plastische Künstler keine Statue zustande bringt, wenn er Marmor oder irgend etwas anderes nimmt und wüst darauf losschlägt, daß einzelne Stücke abspringen, wie sie der Stoff eben abspringen läßt; sondern wie der plastische Künstler den Gedanken haben muß, den er dem Stoffe einprägt, so ist auch für den Menschenleib der Gedanke vorhanden; aber nicht so vorhanden, da das Material des Menschenleibes kein Marmor oder Gips ist, wie derjenige des Künstlers, sondern als der reale Gedanke in der Außenwelt: als Phantom. Was der plastische Künstler einprägt seinem Stoffe, das wird den Stoffen der Erde, die wir nach dem 'Iode dem Grabe oder dem Feuer übergeben sehen, eingeprägt als Phantom des physischen Leibes. Das Phantom gehört zum physischen Leibe dazu, es ist der übrige Teil des physischen Leibes, ist wichtiger als die äußeren Stoffe; denn die äußeren Stoffe sind im Grunde genommen nichts anderes als etwas, was hineingeladen wird in das Netz der menschlichen Form, wie man Äpfel auf einen Wagen lädt. Das Phantom ist etwas Wichtiges! Die Stoffe, die da zerfallen nach dem Tode, sind im wesentlichen das, was wir in der Natur draußen auch antreffen, nur daß es aufgefangen wird von der menschlichen Form.

[ 22 ] We see, then, that the physical body, the etheric body, and the astral body are shed, and the physical body appears to be exhausted in what we have before us—the substances and forces that are destined for decay, cremation, or some other form of dissolution into the elements. But the more clairvoyance develops in human beings in our time, the more they will realize one thing: that what is shed along with the physical body—namely, the physical substances and forces—is not the whole physical body, that this does not even constitute the entire form of the physical body. But to these substances and forces belongs something else, which we must call, if we are to speak accurately, the “phantom” of the human being. This phantom is the form of the human being, which, as a spiritual fabric, processes the physical substances and forces so that they take on the form that appears to us as the human being on the physical plane. Just as the sculptor does not create a statue by taking marble or some other material and striking it haphazardly so that individual pieces break off as the material allows them to; but just as the sculptor must have the idea that he imprints on the material, so too is the idea present for the human body; but not in the same way, since the material of the human body is not marble or plaster, as is that of the artist, but as the real thought in the external world: as a phantom. What the sculptor imprints upon his material is imprinted upon the materials of the earth—which we see, after death, consigned to the grave or to fire—as the phantom of the physical body. The phantom is part of the physical body; it is the remaining part of the physical body, and is more important than the external substances; for the external substances are, in essence, nothing other than something that is loaded into the net of the human form, just as one loads apples onto a cart. The phantom is something important! The substances that disintegrate after death are essentially what we also encounter in nature outside, only that it is caught up by the human form.

[ 23 ] Wenn Sie tiefer nachdenken: glauben Sie, daß alle die Arbeit, die getan worden ist von großen göttlichen Geistern durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit hindurch, nur das geschaffen hat, was mit dem ’Iode den Elementen der Erde übergeben wird? Nein! das ist es gar nicht, was da durch Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit hindurch entwickelt worden ist. Das Phantom ist es, die Form des physischen Leibes! Das ist es also, worüber wir uns klar sein müssen, daß das Verständnis dieses physischen Leibes nicht so leicht ist. Vor allen Dingen darf das Verständnis des physischen Leibes nicht in der Welt der Illusion, nicht in der Welt der Maja gesucht werden. Wir wissen, daß den Grundstein, sozusagen den Keim zu diesem Phantom des physischen Leibes, die Throne während der Saturnzeit gelegt haben, daß dann weiter daran gearbeitet haben die Geister der Weisheit während der Sonnenzeit, die Geister der Bewegung während der Mondenzeit und die Geister der Form während der Erdenzeit. Und dadurch erst ist das, was der physische Leib ist, zum Phantom geworden. Daher nennen wir sie die Geister der Form, weil sie eigentlich in dem leben, was wir das Phantom des physischen Leibes nennen. So müssen wir schon, um den physischen Leib zu verstehen, zum Phantom desselben zurückgehen.

[ 23 ] If you think about it more deeply: do you believe that all the work done by the great divine spirits throughout the Saturn, Sun, and Moon eras has created only what is handed over to the elements of the Earth through the ‘Iod’? No! That is not at all what was developed throughout the Saturn, Sun, and Moon eras. It is the phantom, the form of the physical body! So this is what we must be clear about: that understanding this physical body is not so easy. Above all, the understanding of the physical body must not be sought in the world of illusion, not in the world of Maya. We know that the foundation stone, so to speak, the seed of this phantom of the physical body, was laid by the Thrones during the Saturn era; that the Spirits of Wisdom then continued to work on it during the Sun era, the Spirits of Movement during the Moon era, and the Spirits of Form during the Earth era. And it is only through this process that what the physical body is has become a phantom. That is why we call them the Spirits of Form, because they actually live within what we call the phantom of the physical body. Thus, in order to understand the physical body, we must go back to its phantom.

[ 24 ] Nun würden wir also sagen können, wenn wir an den Beginn unseres Erdendaseins uns versetzen: Die Scharen aus den Reihen der höheren Hierarchien, welche über die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit bis zur Erdenzeit den menschlichen physischen Leib in seiner Form bereitet haben, sie haben dieses Phantom zunächst innerhalb der Erdenevolution hereingestellt. In der Tat war als erstes von dem physischen Leib des Menschen das Phantom da, das man nicht mit physischen Augen sehen kann. Das ist ein Kraftleib, der ganz durchsichtig ist. Was das physische Auge sieht, sind die physischen Stoffe, die der Mensch ißt, die er aufnimmt, und die dieses Unsichtbare ausfüllen. Schaut das physische Auge einen physischen Leib an, so sieht es in Wahrheit das Mineralische, das den physischen Leib ausfüllt, gar nicht den physischen Leib. Wodurch ist denn aber das Mineralische gerade so, wie es ist, hineingekommen in dieses Phantom des physischen Leibes des Menschen? — Um uns diese Frage zu beantworten, vergegenwärtigen wir uns noch einmal die Entstehung, das erste Werden des Menschen auf unserer Erde.

[ 24 ] So, if we were to transport ourselves back to the beginning of our earthly existence, we could say: The hosts from the ranks of the higher hierarchies, who prepared the human physical body in its form throughout the Saturn, Sun, and Moon eras up to the Earth era, first introduced this phantom into the course of Earth evolution. In fact, the first thing present in the human physical body was the phantom, which cannot be seen with physical eyes. This is a force body that is completely transparent. What the physical eye sees are the physical substances that the human being eats, that he takes in, and that fill this invisible body. When the physical eye looks at a physical body, it actually sees the mineral substance that fills the physical body, not the physical body itself. But how did the mineral substance come to be exactly as it is within this phantom of the human physical body? — To answer this question, let us once again recall the origin, the first emergence of humanity on our Earth.

[ 25 ] Herübergekommen ist von Saturn, Sonne und Mond jener Kraftzusammenhang, der uns im unsichtbaren Phantom des physischen Leibes in seiner wahren Gestalt entgegentritt, und der gerade für ein höheres Hellsehen erst als Phantom erscheinen wird, wenn wir absehen von alledem, was als äußere Stoffe dieses Phantom ausfüllt. Also dieses Phantom ist es, was am Ausgangspunkte steht. Unsichtbar wäre also der Mensch am Ausgangspunkte seines Erdenwerdens auch als physischer Leib. Nehmen wir jetzt an, es würde zu diesem Phantom des physischen Leibes der Ätherleib noch hinzugefügt werden, würde dadurch der physische Leib nun sichtbar werden als Phantom? Ganz gewiß nicht. Denn der Ätherleib ist sowieso unsichtbar für das gewöhnliche Anschauen. Also physischer Leib plus Ätherleib sind noch immer nicht sichtbar im äußeren physischen Sinne. Und der Astralleib erst recht nicht; so daß physischer Leib als Phantom und Ätherleib und Astralleib zusammen noch immer unsichtbar sind. Und das Ich, hinzugefügt, würde zwar innerlich wahrnehmbar sein, aber nicht äußerlich sichtbar. Also der Mensch bliebe uns, wie er aus der Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit herübergekommen ist, etwas Unsichtbares, und würde nur für ein Hellsehen sichtbar sein. Wodurch wurde er sichtbar? — Er würde überhaupt nicht sichtbar geworden sein, wenn nicht das eingetreten wäre, was uns die Bibel symbolisch und was uns wirklich die Geheimwissen schaft schildert: der luziferische Einfluß. Was ist damit geschehen?

[ 25 ] What has come over from Saturn, the Sun, and the Moon is that interplay of forces which confronts us in its true form as the invisible phantom of the physical body, and which will appear as a phantom—precisely for higher clairvoyance—only when we disregard all that fills this phantom as external matter. So it is this phantom that stands at the starting point. Thus, at the starting point of its earthly existence, the human being would be invisible even as a physical body. Let us now suppose that the etheric body were added to this phantom of the physical body; would the physical body thereby become visible as a phantom? Certainly not. For the etheric body is invisible to ordinary sight anyway. Thus, the physical body plus the etheric body are still not visible in the external physical sense. And the astral body certainly not; so that the physical body as a phantom, together with the etheric body and the astral body, remains invisible. And the I, added to this, would indeed be perceptible inwardly, but not outwardly visible. So the human being would remain to us, as he has come over from the Saturn, Sun, and Moon epochs, something invisible, and would be visible only to clairvoyants. By what means did he become visible? — He would not have become visible at all had it not been for what the Bible describes symbolically and what esoteric science describes to us in reality: the Luciferic influence. What happened as a result?

[ 26 ] Lesen Sie nach in der «Geheimwissenschaft»: Aus jener Entwickelungsbahn, in welcher der Mensch dadurch war, daß sein physischer Leib, Ätherleib und Astralleib bis zum Unsichtbaren gebracht worden sind, ist er heruntergeworfen worden in die dichtere Materie und hat die dichtere Materie so aufgenommen, wie er sie eben aufnehmen mußte unter dem Einflusse des Luzifer. Wäre also in unserem astralischen Leibe und in unserem Ich nicht das, was wir die luziferische Kraft nennen, so würde die dichte Materialität nicht so sichtbar geworden sein, wie sie sichtbar geworden ist. Daher müssen wir sagen: Wir müssen den Menschen als einen unsichtbaren hinstellen; und erst mit den Einflüssen des Luzifer sind Kräfte in den Menschen eingezogen, die ihn für die Materie sichtbar machen. Durch die luziferischen Einflüsse geraten in das Gebiet des Phantoms die äußeren Stoffe und Kräfte und durchdringen dieses Phantom. Wie wenn wir in ein durchsichtig erscheinendes Glas eine farbige Flüssigkeit hineingießen, so daß uns dasselbe gefärbt erscheint, während es sonst für unser Auge durchsichtig war, so müssen wir uns denken, daß der luziferische Einfluß Kräfte hineingegossen hat in die menschliche Phantomform, wodurch der Mensch geeignet wurde, auf der Erde die entsprechenden Stoffe und Kräfte aufzunehmen, die seine sonst unsichtbare Form sichtbar werden lassen.

[ 26 ] See *The Secret Science*: From that path of development in which humanity found itself—where its physical body, etheric body, and astral body had been brought to the point of invisibility—it was cast down into denser matter and took on that denser matter just as it had to under the influence of Lucifer. If, then, there were not in our astral body and in our I what we call the Luciferic force, dense materiality would not have become as visible as it has become. Therefore, we must say: We must regard the human being as invisible; and it is only with the influences of Lucifer that forces have entered into the human being which make him visible to matter. Through the Luciferic influences, external substances and forces enter the realm of the phantom and permeate this phantom. Just as when we pour a colored liquid into a glass that appears transparent, so that it appears colored to us, whereas it was otherwise transparent to our eye, so we must imagine that the Luciferic influence has poured forces into the human phantom form, whereby the human being became capable of absorbing on Earth the corresponding substances and forces that make his otherwise invisible form visible.

[ 27 ] Was also macht den Menschen sichtbar? Die luziferischen Kräfte in seinem Innern machen den Menschen so sichtbar, wie er uns auf dem physischen Plane entgegentritt; sonst wäre sein physischer Leib immer unsichtbar geblieben. Daher haben die Alchimisten immer betont, daß der menschliche Leib in Wahrheit besteht aus derselben Substanz, aus welcher der ganz durchsichtige, kristallhelle Stein der Weisen besteht. Der physische Leib besteht wirklich aus absoluter Durchsichtigkeit, und die luziferischen Kräfte im Menschen sind es, welche ihn zur Undurchsichtigkeit gebracht haben und ihn so vor uns hinstellen, daß er undurchsichtig und greifbar wird. Daraus werden Sie ersehen, daß der Mensch zu dem Wesen, das die äußeren Stoffe und Kräfte der Erde aufnimmt, die mit dem Tode wieder weggegeben werden, nur dadurch geworden ist, daß er von Luzifer verführt worden ist, und daß gewisse Kräfte in seinen Astralleib hineingegossen worden sind. Was aber wird denn notwendigerweise daraus folgen? Daraus muß folgen, daß, indem das Ich unter dem Einfluß des Luzifer auf der Erde in den Zusammenhang von physischem Leib, Ätherleib und Astralleib eingezogen ist, der Mensch erst das geworden ist, was er auf der Erde ist. Dadurch ist er erst zum Träger der irdischen Gestalt geworden, sonst wäre er es nicht geworden.

[ 27 ] So what makes human beings visible? The Luciferic forces within them make human beings visible in the way they appear to us on the physical plane; otherwise, their physical bodies would have remained invisible. That is why the alchemists have always emphasized that the human body is in truth composed of the same substance as the completely transparent, crystal-clear Philosopher’s Stone. The physical body is truly composed of absolute transparency, and it is the Luciferic forces within the human being that have rendered it opaque and placed it before us in such a way that it becomes opaque and tangible. From this you will see that the human being has become the being that takes in the external substances and forces of the Earth—which are given back again at death—only because he has been seduced by Lucifer, and because certain forces have been poured into his astral body. But what, then, must necessarily follow from this? It must follow that, by the ego being drawn under the influence of Lucifer on Earth into the connection of the physical body, the etheric body, and the astral body, the human being has only then become what he is on Earth. Through this, he has only then become the bearer of the earthly form; otherwise, he would not have become so.

[ 28 ] Und jetzt nehmen wir einmal an, daß von einem menschlichen Zusammenhange, der da besteht aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich, in einem bestimmten Zeitpunkte des Lebens das Ich herausgeht, daß also dann vor uns stehen würde: physischer Leib, Ätherleib, Astralleib — nicht aber das Ich dazu. Nehmen wir einmal an, das würde eintreten, das heißt, es würde eintreten, was eingetreten ist mit Bezug auf den Jesus von Nazareth im dreißigsten Jahre seines Lebens: da hat das menschliche Ich diesen Zusammenhang von physischem Leib, Ätherleib und Astralleib verlassen. Und in dies, was geblieben ist — eben der Zusammenhang von physischem Leib, Ätherleib und Astralleib — zieht die Christus-Wesenheit ein mit der Johannes-Taufe im Jordan. Daher haben wir jetzt physischen Leib, Ätherleib und Astralleib eines Menschen — und die ChristusWesenheit. Wie sonst das Ich, so sitzt jetzt in einem menschlichen Zusammenhange die Christus-Wesenheit. Was also unterscheidet jetzt diesen Christus Jesus von allen anderen Menschen der Erde? Das unterscheidet ihn, daß alle anderen Menschen jenes Ich in sich tragen, das einmal in der Versuchung des Luzifer unterlegen ist, und daß der Christus Jesus dieses Ich nicht mehr in sich trägt, sondern statt dessen die Christus-Wesenheit. So daß er nunmehr von dem, was von Luzifer kommt, den Rest in sich trägt — ohne daß ein menschliches Ich weiter in diesen Leib, von der Johannes-Taufe im Jordan angefangen, die luziferischen Einflüsse hineinkommen lassen könnte. Ein physischer Leib, ein Ätherleib, ein astralischer Leib, in denen die Reste der luziferischen Einflüsse von früher drinnen sind, aber in die keine neuen Einflüsse hineinkommen können in den nächsten drei Jahren, und die Christus-Wesenheit: das macht den Christus Jesus aus.

[ 28 ] And now let us suppose that, at a certain point in life, the I were to leave the human being—which consists of the physical body, the etheric body, the astral body, and the I—so that we would then be left with: the physical body, the etheric body, the astral body—but not the I. Let us suppose this were to happen, that is, that what happened in the case of Jesus of Nazareth in the thirtieth year of his life were to occur: there the human I left this complex of physical body, etheric body, and astral body. And into what remains—namely, the complex of physical body, etheric body, and astral body—the Christ-being enters with the baptism of John in the Jordan. Therefore, we now have the physical body, etheric body, and astral body of a human being—and the Christ-being. Just as the ego does, the Christ-being now resides within a human context. So what distinguishes this Christ Jesus from all other human beings on Earth? What distinguishes him is that all other human beings carry within themselves that ego which once succumbed to the temptation of Lucifer, whereas Christ Jesus no longer carries this ego within himself, but instead the Christ-being. So that he now bears within himself the remnant of what comes from Lucifer—without a human ego being able to allow Luciferic influences to enter this body any further, beginning with John’s baptism in the Jordan. A physical body, an etheric body, an astral body, in which the remnants of the Luciferic influences from the past remain, but into which no new influences can enter for the next three years, and the Christ-Essence: this is what constitutes the Christ Jesus.

[ 29 ] Fassen wir ganz genau ins Auge, was jetzt der Christus von der Johannes-Taufe im Jordan bis zum Mysterium von Golgatha ist: ein physischer Leib, ein ätherischer Leib und ein astralischer Leib, der diesen physischen Leib und Ätherleib sichtbar macht, weil er die Reste des luziferischen Einflusses noch enthält. Denn dadurch, daß die Christus-Wesenheit die Reste des astralischen Leibes hat, die der Jesus von Nazareth gehabt hat von der Geburt bis zum dreißigsten Jahre, dadurch ist der physische Leib sichtbar als der Christus-Träger. Seit der Johannes-Taufe im Jordan haben wir also vor uns einen physischen Leib, der als solcher nicht sichtbar wäre auf dem physischen Plan, einen Ätherleib, der als solcher nicht wahrnehmbar wäre, die Reste des Astralleibes, der die beiden anderen Leiber sichtbar macht, der den Jesus-von-Nazareth-Leib zu einem sichtbaren Leib macht von der Johannes-Taufe im Jordan bis zum Mysterium von Golgatha — und die Christus-Wesenheit drinnen. Diese viergliedrige Wesenheit des Christus Jesus wollen wir uns einmal recht gut in die Seele schreiben, wollen uns sagen: Ein jeder Mensch, der auf dem physischen Plane vor uns steht, besteht aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich; aber dieses Ich ist ein solches, das immer in den astralischen Leib hineinwirkt bis zum "Tode. Die Christus- JesusWesenheit aber steht als solche vor uns, die an sich hat auch physischen Leib, Ätherleib, Astralleib — aber jetzt kein menschliches Ich, so daß da die drei Jahre bis zum Tode nicht dasselbe hineingewirkt wird, was sonst in die menschliche Wesenheit hineingewirkt wird, sondern eben die Christus-Wesenheit.

[ 29 ] Let us take a very close look at what the Christ is from the baptism of John in the Jordan to the Mystery of Golgotha: a physical body, an etheric body, and an astral body that makes this physical body and etheric body visible because it still contains the remnants of the Luciferic influence. For because the Christ-being possesses the remnants of the astral body that Jesus of Nazareth had from birth until the age of thirty, the physical body is thereby visible as the bearer of the Christ. Since the baptism by John in the Jordan, we thus have before us a physical body that would not be visible as such on the physical plane, an etheric body that would not be perceptible as such, the remnants of the astral body that makes the other two bodies visible, that makes the body of Jesus of Nazareth a visible body from the baptism by John in the Jordan until the Mystery of Golgotha — and the Christ-being within. Let us engrave this fourfold being of Christ Jesus quite deeply into our souls, let us say to ourselves: Every human being standing before us on the physical plane consists of a physical body, an etheric body, an astral body, and an I; but this I is such that it always works into the astral body right up to “death.” The Christ-Jesus Being, however, stands before us as such; it too has a physical body, an etheric body, and an astral body—but now no human ego, so that during the three years leading up to death, what is worked into it is not the same as what is otherwise worked into the human being, but rather the Christ-Being.

[ 30 ] Das wollen wir uns klar vor die Seele schreiben und morgen von diesem Ausgangspunkte an die Sache weiter betrachten.

[ 30 ] Let us keep this clearly in mind and continue our examination of the matter tomorrow, starting from this point.