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True Aspects of Evolution
GA 132

7 November 1911, Berlin

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Aus unseren letzten Auseinandersetzungen werden Sie entnommen haben, daß die Beschreibung jener früheren Zustände unserer Entwickelung, die noch vor der Entstehung unserer Erde selbst liegen, außerordentlich schwierig ist. Denn wir haben gesehen, daß wir uns die Begriffe und Ideen erst heranbilden müssen, durch die wir zu solchen fremdartigen, fernen Zuständen unserer Weltentwickelung kommen können. Ich habe schon darauf aufmerksam gemacht, daß eine solche Beschreibung, wie sie in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» von der alten Saturnzeit und auch von den folgenden planetarischen Verkörperungen unserer Erde gegeben wird, nicht nur keine erschöpfende ist, sondern sich in gewissem Sinne damit begnügen muß — damit die Öffentlichkeit, der auch dieses Buch übergeben werden sollte, nicht zu stark schockiert wird -, dasjenige, worauf es eigentlich ankommt, in Bilder zu kleiden, die von Naheliegendem und auch von Gewohntem hergenommen sind. Man gibt damit natürlich nicht eine unrichtige Beschreibung, aber in gewissem Sinne doch eine solche, die sehr bildhaft in Maja, in Illusion getaucht ist, und man muß sich erst durch die Illusion hindurcharbeiten, um immer mehr und mehr in die Wahrheit der Sache eindringen zu können. So ist zum Beispiel die alte Saturnzeit so beschrieben — wie es innerhalb gewisser Grenzen durchaus richtig ist —, daß gesagt wird, der alte Saturn sei ein Himmelskörper gewesen, der im wesentlichen nicht aus den Bestandteilen bestanden hat, die wir alsErde, Wasser oder Luft kennen, sondern nur aus Wärme. Und wenn von «Raum» gesprochen wird, so ist das nur eine bildhafte Beschreibung, denn wir haben das letzte Mal gesehen, daß es auf dem alten Saturn nicht einmal eine «Zeit» gegeben hat. Wenn wir also von Raum sprechen, so ist das auch ein Bildhaftes. Raum gab es auf dem alten Saturn auch nicht in unserem Sinne; und die Zeit entsteht erst auf dem Saturn. Wir sind durchaus, wenn wir uns auf den alten Saturn zurückversetzen, in dem Bereich der raumlosen Ewigkeit. Wenn also doch etwas gesagt wird, was uns ein Bild geben kann, so müssen wir uns klar sein, daß es ein Bild ist.

[ 1 ] From our recent discussions, you will have gathered that describing those earlier stages of our evolution—which predate the very formation of our Earth—is an extraordinarily difficult task. For we have seen that we must first develop the concepts and ideas that will enable us to grasp such strange, distant states of our world’s evolution. I have already pointed out that a description such as the one given in my Outline of Esoteric Science of the ancient Saturn era and also of the subsequent planetary incarnations of our Earth is not only not exhaustive, but must, in a certain sense, be content — so that the general public, to whom this book is also intended, is not too deeply shocked — to clothe what is actually essential in images drawn from the familiar and the everyday. This does not, of course, provide an incorrect description, but in a certain sense it is one that is deeply immersed in Maya, in illusion, and one must first work through the illusion in order to penetrate ever more deeply into the truth of the matter. For example, the ancient Saturn era is described—as is, within certain limits, quite correct—by saying that ancient Saturn was a celestial body that essentially did not consist of the elements we know as earth, water, or air, but only of heat. And when we speak of “space,” this is merely a figurative description, for we saw last time that there was not even “time” on ancient Saturn. So when we speak of space, this too is figurative. Space did not exist on ancient Saturn in our sense either; and time only arises on Saturn. When we transport ourselves back to ancient Saturn, we are entirely within the realm of spaceless eternity. So if something is said that can give us a picture, we must be clear that it is a picture.

[ 2 ] Wenn wir den Raum des alten Saturn betreten hätten, so würden wir nicht einmal eine so feine Substanz gefunden haben, die wir als «Gas» hätten bezeichnen können, sondern nur Wärme und Kälte. In Wirklichkeit ist es so, daß man von dem Kommen aus einem Raumteil in einen anderen nicht sprechen kann, sondern daß nur die Empfindung von dem Ablauf von wärmeren und kälteren Zuständen waltete, so daß also auch der Hellseher, wenn er sich in die alte Saturnzeit zurückversetzt, den Eindruck empfängt von auf und ab flutenden raumlosen Wärmezuständen. Aber das ist nur der äußere Schleier des Saturnzustandes. Denn diese Wärme oder dieses Feuer, wie man im Okkultismus sagt, hat sich uns ja enthüllt in seinen geistigen Untergründen; und wir haben gesehen, daß geistige Taten, geistige Verrichtungen in Wahrheit das waren, was auf dem alten Saturn wirklich vorhanden war. Und wir haben uns ein Bild gemacht von dem, was da an geistigen Taten auf dem Saturn vorhanden war. Wir haben gesagt, daß die Geister des Willens oder die Throne Opfertaten verrichtet haben, so daß, wenn wir zurückschauen auf das, was konkret auf dem Saturn geschah, wir die Cherubim haben und die von den Thronen fließenden Opfer. Opfer fließen von den Thronen zu den Cherubim, und diese Taten des Opfers sind es, die, gleichsam von außen angeschaut, als Wärme erscheinen. Wärmezustände sind der äußere physische Ausdruck, überhaupt der äußere sinnliche Ausdruck für Opfer. Und in der ganzen Welt, wo wir Wärme wahrnehmen, ist Wärme der äußere Ausdruck für das, was hinter der Wärme ist. Wärme ist Illusion; dahinter sind die Opfertaten von Wesenheiten. Wenn wir daher die Wärme in Wahrheit charakterisieren wollen, werden wir sagen müssen: Die Weltenwärme ist die Offenbarung des Weltenopfers oder der Weltenopfertaten.

[ 2 ] If we had entered the space of ancient Saturn, we would not even have found a substance fine enough to be called “gas,” but only heat and cold. In reality, one cannot speak of moving from one part of space to another, but rather only the sensation of the succession of warmer and colder states prevailed, so that even the clairvoyant, when transported back to the ancient Saturn era, receives the impression of space-less states of heat ebbing and flowing. But this is only the outer veil of the Saturn state. For this warmth or this fire, as one says in occultism, has indeed revealed itself to us in its spiritual depths; and we have seen that spiritual deeds, spiritual acts, were in truth what actually existed on the ancient Saturn. And we have formed a picture of what existed there in terms of spiritual deeds on Saturn. We have said that the spirits of the will, or the Thrones, performed acts of sacrifice, so that when we look back at what actually happened on Saturn, we have the Cherubim and the sacrifices flowing from the Thrones. Sacrifices flow from the Thrones to the Cherubim, and it is these acts of sacrifice that, viewed from the outside, so to speak, appear as warmth. States of warmth are the outer physical expression, indeed the outer sensory expression, of sacrifice. And throughout the world, wherever we perceive warmth, warmth is the outer expression of what lies behind the warmth. Warmth is an illusion; behind it lie the acts of sacrifice performed by beings. If we therefore wish to characterize warmth in truth, we must say: The warmth of the world is the revelation of the world sacrifice or of the world’s acts of sacrifice.

[ 3 ] Dann haben wir gesehen, daß aus dieser Tat des Opfers, das die Throne gegenüber den Cherubim darbringen, gleichsam herausgeboren wird — aber ich habe schon darauf aufmerksam gemacht, daß es wieder ein modernes Wort ist, das nicht recht paßt -, das, was wir die «Zeit» nennen. Aber die Zeit ist damals noch nicht das «Früher oder Später», nicht jenes Abstraktum, als welches sie heute der Mensch wahrnimmt, sondern eine Summe von geistigen Wesenheiten: das sind die Geister der Persönlichkeit, die wir dann auch kennengelernt haben als die Zeitgeister. Die Zeitgeister sind die wirkliche alte Zeit, und sie sind die Kinder der Throne mit den Cherubim. Aber die Verhältnisse, durch welche die Wesen des Zeitlichen auf dem alten Saturn entstehen, sind Opfer. Wenn gesagt wird: Der alte Saturn besteht in Wärme -, so müssen wir uns, um ein eigentliches Verständnis dafür zu gewinnen, was dahinter liegt, nicht bloß äußere physische Begriffe aneignen — denn «Wärme» ist ein physischer Begriff —, sondern Begriffe, die wir nur aus dem Seelenleben selber gewinnen können, aus dem moralischen, weisheitsvollen Seelenleben. Niemand kann wissen, was Wärme ist, der nicht in der Lage ist, sich eine Vorstellung zu machen von dem, was heißt opferfähige Hingabe dessen, was man besitzt, was man hat, ja nicht nur opferfähige Hingabe dessen, was man hat, sondern dessen, was man selber ist. Die Hinopferung des eigenen Wesens, das SichEntäußern des eigenen Wesens seelisch gefaßt, so daß man es sich zugleich so denkt, daß man bereit ist, sein Bestes hinzugeben zum Heile der Welt; nicht für sich sein Bestes behalten, sondern es gern hinopfern zu wollen auf dem Altar des Weltalls: das als einen lebendigen Begriff gefaßt und mit einem Gefühl unsere Seele durchdringend, führt allmählich zum Verständnisse dessen, was hinter der Erscheinung der Wärme ist. Man vergegenwärtige sich einmal, was im modernen Leben auch heute mit dem Begriff des Opfers verknüpft ist: man kann sich nicht recht denken, daß der, welcher mit Verständnis opfert, dies jemals tut gegen seinen Willen. Wenn jemand opfert gegen seinen Willen, so müßte er dazu aus irgendeinem Grunde gezwungen sein; es müßte ein Zwang walten. Dann aber würden wir es beileibe nicht mit dem zu tun haben, was hier gemeint ist. Hier ist aber gemeint, was als Opfer selbstverständlich fließt aus dem Wesen, das opfert. Und wenn jemand etwas opfert, nicht weil er aus irgendeinem äußeren Grunde dazu gedrängt wird, auch nicht, weil er hofft, etwas zu erringen, sondern weil er sich aus seinem Inneren heraus gedrängt fühlt zu opfern, dann ist es undenkbar, daß er etwas anderes empfindet als innere Wärmeseligkeit. Fühlen wir uns durchglutet mit innerer Wärmeseligkeit, dann haben wir schon das ausgesprochen, was wir nicht anders bezeichnen können als: der Opfernde fühlt sich durchwärmt, durchglutet mit der Seligkeit. Da haben wir die Möglichkeit, selbst zu empfinden, wie die Opferglut uns in der Maja der äußeren Weltenwärme entgegentreten kann. Nur der versteht wirklich, was Wärme ist, der den Gedanken fassen kann: Wenn Wärme in der Welt auftritt, liegt zugrunde in irgendeiner Weise ein Seelisch-Geistiges, das hinter der Wärme ist und das die Wärme bewirkt durch die Seligkeit des Opfers. Wer so die Wärme empfinden kann, der kommt allmählich zu der Realität, welche sich hinter der \Wärmeerscheinung, hinter der Wärmeillusion verbirgt.

[ 3 ] Then we saw that from this act of sacrifice offered by the Thrones to the Cherubim is, as it were, born—though I have already pointed out that this is another modern term that does not quite fit—what we call “time.” But time back then was not yet the “sooner or later,” not that abstraction as which humanity perceives it today, but a sum of spiritual beings: these are the spirits of personality, whom we then also came to know as the spirits of the age. The spirits of the age are the true ancient time, and they are the children of the Thrones with the Cherubim. But the conditions through which the beings of the temporal realm arise on ancient Saturn are sacrifices. When it is said: “Ancient Saturn consists of warmth”—in order to gain a true understanding of what lies behind this, we must not merely appropriate external physical concepts—for “warmth” is a physical concept—but concepts that we can only derive from the life of the soul itself, from the moral, wisdom-filled life of the soul. No one can know what warmth is who is not able to form a conception of what it means to be capable of sacrificing what one possesses, what one has—indeed, not only to be capable of sacrificing what one has, but what one is oneself. The sacrifice of one’s own being, the self-renunciation of one’s own being grasped in the soul, so that one simultaneously conceives of it in such a way that one is ready to give one’s best for the good of the world; not to keep one’s best for oneself, but to willingly sacrifice it on the altar of the universe: grasping this as a living concept and allowing it to permeate our soul with feeling gradually leads to an understanding of what lies behind the phenomenon of warmth. Let us consider for a moment what, even today in modern life, is associated with the concept of sacrifice: one cannot quite imagine that the one who sacrifices with understanding ever does so against his will. If someone sacrifices against his will, he must be compelled to do so for some reason; there must be a compulsion at work. But then we would certainly not be dealing with what is meant here. Here, however, what is meant is that which flows naturally as a sacrifice from the being who sacrifices. And when someone sacrifices something, not because they are compelled to do so by some external reason, nor because they hope to gain something, but because they feel compelled from within to sacrifice, then it is inconceivable that they should feel anything other than inner warmth and bliss. If we feel thoroughly permeated with inner warmth and bliss, then we have already expressed what we can describe in no other way than: the one who sacrifices feels warmed through, thoroughly permeated with bliss. There we have the opportunity to feel for ourselves how the sacrificial fervor can meet us in the maya of the outer world’s warmth. Only the one who can grasp the thought truly understands what warmth is: When warmth appears in the world, there lies underlying it in some way a soul-spiritual element that is behind the warmth and that brings about the warmth through the bliss of the sacrifice. Whoever can perceive warmth in this way gradually comes to the reality that lies hidden behind the phenomenon of warmth, behind the illusion of warmth.

[ 4 ] Wenn wir nun weiterdringen wollen von dem alten Saturndasein zum alten Sonnendasein, so müssen wir uns erst wieder einen Begriff zurechtlegen, durch den wir von der Substanz der alten Sonne - nicht der jetzigen Sonne — eine Vorstellung bilden können. Denn, was wir in der «Geheimwissenschaft» lesen: Die alte Sonne hat die Wärme heraufgebildet, indem sie hinzugefügt hat zu der Wärme Luft und Licht, das ist wieder nur durch eine äußere Erscheinung dargestellt. Wie wir hinter der Wärme suchen müssen die Opferglut der Geister des Willens, so müssen wir hinter der Luft und dem Licht etwas Moralisches suchen, wenn wir Luft und Licht, die auf der Sonne zu der Wärme hinzukommen, verstehen wollen. Nun können wir nur eine Idee, eine Vorstellung, eine Empfindung davon bekommen, was Luft und Licht auf der alten Sonne waren, wenn wir uns an etwas halten, was wir in uns selbst geistig-seelisch erleben können.

[ 4 ] If we now wish to proceed from the old Saturn existence to the old Sun existence, we must first establish a concept through which we can form an idea of the substance of the old Sun—not the present Sun. For, as we read in Occult Science: The ancient Sun generated heat by adding air and light to the heat; this, too, is merely a representation of an external phenomenon. Just as we must seek the sacrificial fervor of the spirits of will behind the heat, so must we seek something moral behind the air and light if we wish to understand the air and light that are added to the heat on the Sun. Now we can only gain an idea, a conception, a sense of what air and light were on the ancient Sun if we hold fast to something we can experience spiritually and soulfully within ourselves.

[ 5 ] Da gibt es ein Erlebnis, das wir in folgender Weise als ein Seelenerlebnis beschreiben können. Denken wir uns, daß irgendein Mensch sehen würde eine richtige, echte Opfertat, oder daß er sich vorstellen würde, wie wir es das letzte Mal bei der Betrachtung des alten Saturndaseins als Opfertat der Throne geschildert haben, die Throne hinaufsendend ihre Opfer zu den Cherubim, so daß der Mensch angeregt würde durch das Bild des beseligenden Opfers, das er anschaut und das die Seele lebendig machen würde. Was würde unsere Seele fühlen entweder durch den Anblick des opfernden Wesens selbst oder durch das Bild, das wir in unserer Seele recht inbrünstig lebendig machen? Ein solcher Mensch würde, wenn er lebendige Gefühle hat, wenn er nicht mehr oder weniger gefühllos der Opferseligkeit gegenüberstehen würde, eine tiefgehende Anregung empfinden müssen beim Anblick des Opferbildes; er würde in seiner Seele empfinden müssen: das ist die schönste Tat, das schönste Erlebnis, das überhaupt aus unserer Seele hervorgerufen werden kann, Opferseligkeit anzuschauen! Das ist aber auch eine solche Empfindung: man müßte ein Stück Holz sein, wenn nicht da in der Seele der Trieb entstehen würde, mit höchster Ehrfurcht anzuschauen, was Opferseligkeit ist, wenn man nicht davon lernen könnte die Stimmung der völligen Hingabe. Hingabe! — Opfertat ist aktive, in Aktivität sich umsetzende Hingebung. Die Anschauung von dem aktiven, dem tätigen Hingeben kann die Stimmung des Hingegebenseins, des Sich-Verlierens, des Sich-Vergessens in der Anschauung hervorrufen. Denken wir uns diese Stimmung des selbstlosen SichVerlierens in der Anschauung ganz in der Seele ausgegossen, dann haben wir mit dieser Stimmung dasjenige, was insofern uns näher kommen soll für unser Verständnis, als wir ohne eine solche Stimmung, wenigstens ohne eine Ahnung und einen Anklang an eine solche Stimmung, in Wahrheit niemals zu dem kommen könnten, was die höhere Erkenntnis gibt.

[ 5 ] There is an experience that we can describe as a soul experience in the following way. Let us imagine that a person were to witness a true, genuine act of sacrifice, or that they were to envision, as we described last time when considering the ancient Saturn existence, the Thrones sending their sacrifices up to the Cherubim—so that the person would be inspired by the image of the blissful sacrifice they behold, which would bring the soul to life. What would our soul feel, either through the sight of the sacrificing being itself or through the image that we bring to life quite fervently within our soul? Such a person, if he has living feelings, if he were not more or less insensitive to the bliss of sacrifice, would have to feel a profound stirring at the sight of the image of sacrifice; he would have to feel in his soul: this is the most beautiful deed, the most beautiful experience that can be evoked from our soul at all—to behold the bliss of sacrifice! But this is also such a feeling: one would have to be a piece of wood if the impulse did not arise in the soul to gaze with the highest reverence upon what self-sacrifice is, if one could not learn from it the mood of complete devotion. Devotion! — An act of sacrifice is active devotion, devotion that is translated into action. The contemplation of active, practical self-surrender can evoke in the soul the mood of being surrendered, of losing oneself, of forgetting oneself. If we imagine this mood of selfless losing oneself in contemplation poured out entirely into the soul, then with this mood we have that which should come closer to our understanding insofar as, without such a mood—or at least without a hint or a resonance of such a mood—we could in truth never arrive at what higher knowledge provides.

[ 6 ] Wer niemals solche Stimmung des Hingegebenseins haben kann, der kann nicht zu höheren Erkenntnissen kommen. Denn, was wäre das Gegenteil dieser Stimmung? Es wäre der Eigenwille, Geltendmachen des Eigenwillens. Das sind überhaupt wie zwei Pole des Seelenlebens: hingegebene Verlorenheit an das, was man anschaut, und eigenwilliges Geltendmachen dessen, was in einem ist. Das sind zwei große Gegensätze. Für wirkliche Erkenntnis, für ein Sich-Durchdringen mit Weisheit ist Eigenwille tötend. Im gewöhnlichen Leben kennt man Eigenwillen nur als Vorurteil, und Vorurteile zerstören immer höhere Einsicht.

[ 6 ] Anyone who is incapable of ever experiencing such a mood of devotion cannot attain higher insights. For what would be the opposite of this mood? It would be self-will, the assertion of self-will. These are, in fact, like two poles of the soul’s life: a devoted absorption in what one beholds, and the self-willed assertion of what is within oneself. These are two great opposites. For true insight, for a permeation with wisdom, self-will is fatal. In ordinary life, one knows self-will only as prejudice, and prejudices always destroy higher insight.

[ 7 ] Was hier als Hingegebensein gemeint ist, muß man sich aber gesteigert denken, denn nur durch dies gesteigerte Hingegebensein kann der Mensch sich zu höheren Welten hinaufarbeiten. Da muß er jenes SichVerlieren wenigstens als Stimmung erleben können. Daher muß es immer wieder und wieder betont werden, daß wir nie zu einer höheren Erkenntnis kommen, wenn wir so arbeiten wie die gewöhnliche Wissenschaft oder das alltägliche Denken. Seien wir uns klar: wie die gewöhnliche Wissenschaft und das alltägliche Denken arbeiten, so arbeiten sie aus dem gewöhnlichen Willen des Menschen heraus, durch alles dasjenige, was den Eigenwillen geschaffen hat: durch die vererbten oder anerzogenen Empfindungen, Gefühle und Vorstellungen. Darüber kann man sich sehr täuschen; diese Täuschungen sind eine Alltäglichkeit. Es kommen zum Beispiel Leute und sagen: Da soll man aufnehmen irgendeine Wissenschaft, wie sie geboten wird in der Geisteswissenschaft, aber ich will nichts aufnehmen, als was dem entspricht, was ich mir schon denken kann, ich will nichts ungeprüft aufnehmen! -— Gewiß, ungeprüft soll man nichts aufnehmen. Aber wenn man allem nur sich selbst entgegenbringt, nur das, was man weiß, aufnimmt — damit kommt man auch keinen Schritt weiter! Und der, welcher Hellseher werden will, wird nie sagen, daß er nur das aufnehmen will, was er vorher geprüft hat, sondern er muß vollständig frei werden von allem Eigensüchtigen und muß alles erwarten von dem, was aus der Welt an ihn herantritt, und was man nicht anders bezeichnen kann als mit dem Worte «Gnade». Er erwartet alles von der Gnade, die erleuchtet. Denn wie erwirbt man hellseherische Erkenntnisse? Nur dadurch, daß man alles ausschalten kann, was man jemals gelernt hat. Gewöhnlich denkt der Mensch: Ich habe mein eigenes Urteil. Er müßte sich aber sagen: Das besteht nur daraus, daß du auffrischst, was deine Vorfahren gedacht haben, oder was deine Triebe anregen und so weiter. Denn davon ist nie die Rede, daß dies der Menschen eigene Urteile sind; und die ihre eigenen Urteile am meisten geltend machen, wissen gar nicht, wie sie am Gängelbande, sklavisch am Gängelbande ihrer Vorurteile geführt werden. Das muß alles fort, wenn man zu höheren Erkenntnissen kommen will. Leer muß die Seele werden und ruhig warten können auf das, was sich aus der raum- und zeitfreien, ding- und tatsachenfreien, verborgenen, geheimen Welt an die Seele heranbegeben kann. Und nie dürfen wir glauben, daß wir an uns heranreißen können, was hellseherische Erkenntnis ist, sondern nur, daß wir in uns eine Stimmung reifen lassen, durch die wir entgegennehmen, was sich uns darbietet als Offenbarung oder Erleuchtung. So daf3 wir nie anders als von der Gnade, die an uns herantritt und uns etwas gibt, das erwarten können, was an uns herantreten soll.

[ 7 ] What is meant here by “devotion,” however, must be understood in an intensified sense, for it is only through this heightened devotion that a person can work their way up to higher worlds. To do so, they must at least be able to experience that “losing oneself” as a mood. Therefore, it must be emphasized again and again that we will never attain higher knowledge if we work in the same way as conventional science or everyday thinking. Let us be clear: the way ordinary science and everyday thinking operate is based on the ordinary human will, through everything that has shaped the ego-will: through inherited or acquired sensations, feelings, and ideas. One can be very easily deceived by this; such deceptions are commonplace. For example, people come and say: One is supposed to take in some kind of science, as it is offered in spiritual science, but I want to take in nothing other than what corresponds to what I can already think of myself; I want to take in nothing unchecked! — Certainly, one should take in nothing unchecked. But if one brings only oneself to everything, taking in only what one already knows—that gets one no further at all! And the one who wants to become a clairvoyant will never say that he wants to accept only what he has previously examined; rather, he must become completely free from all selfishness and must expect everything from what approaches him from the world—and which can be described by no other word than “grace.” He expects everything from the grace that enlightens. For how does one acquire clairvoyant insights? Only by being able to set aside everything one has ever learned. Usually, people think: I have my own judgment. But they should say to themselves: This consists only of you repeating what your ancestors thought, or what your instincts prompt, and so on. For there is never any question of these being people’s own judgments; and those who assert their own judgments the most have no idea how they are led by the nose, slavishly led by the nose of their prejudices. All of this must be cast aside if one wishes to attain higher insights. The soul must become empty and be able to wait calmly for what may approach the soul from the hidden, secret world—a world free of space and time, free of things and facts. And we must never believe that we can draw to ourselves what is clairvoyant knowledge, but only that we can allow a mood to mature within us through which we receive what presents itself to us as revelation or enlightenment. Thus we can never expect anything other than from the grace that approaches us and gives us something that is meant to approach us.

[ 8 ] Wie also offenbart sich eine solche Erkenntnis? Wie offenbart sich das, was da herantritt, wenn wir uns genügend vorbereitet haben? Es offenbart sich als die Stimmung des Begnadetwerdens durch die uns entgegenkommende Gabe aus der geistigen Welt. Wenn wir das, was an uns herantritt — sei es als Wesen oder was immer —, um uns gnadenvoll entgegenzukommen und in uns die Erkenntnis einzugießen, bezeichnen wollten, so könnten wir nur den Ausdruck gebrauchen: es ist das, was uns da entgegentritt, ein Gnadewirkendes, ein Schenkendes, ein Gebendes. Fassen wir die Natur eines Wesens, dessen Hauptcharakterzug in dem bestehen würde, was ich jetzt eben mit diesen Worten bezeichnet habe: es ist ein Schenkendes, ein Gebendes, ein Darbietendes; ein solches Wesen, mit dem Hauptcharakterzug des Gnade-umsich-Streuens, des Gnade-von-sich-Ausgießens - fassen wir es so, daß es, um in diese Möglichkeit des Gnadegebens zu kommen, brauchte den Anblick des Opfers der Throne an die Cherubim! Denken wir uns einmal, es würde hinzutreten zu dem, was da geschieht, wenn die Throne den Cherubim opfern, ein Wesen, welches durch diesen Anblick veranlaßt würde zu einem Schenkenden, zu einem seine Gaben in Gnade um sich Ergießenden zu werden. Stellen wir uns das ganz genau vor. Denken wir uns, wir würden eine Rose anschauen und entzückt werden davon, also das Gefühl eines Beseligenden empfinden über das, was wir «schön» nennen. Denken wir, ein anderes Wesen würde durch den Anblick dessen, was beschrieben ist als das Opfer der Throne an die Cherubim, veranlaßt werden, alles, was es hat, um sich herum zu schenken, schenkend in die Welt zu ergießen: dann würden wir damit diejenigen Wesenheiten beschrieben haben, von denen in der «Geheimwissenschaft» die Rede ist als den «Geistern der Weisheit», die auf der Sonne hinzutreten zu denjenigen Wesenheiten, die wir schon auf dem Saturn kennengelernt haben. Würden wir also die Frage aufwerfen: Welches ist der Charakter der Geister der Weisheit, die auf der Sonne auftraten und zu den Saturngeistern hinzutraten? — so müßten wir antworten: Diese Geister haben als ihren Hauptcharakterzug die schenkende, gnadenwirkende, gebende Tugend. - Und wollten wir ein Beiwort haben, so müßten wir sagen: Sie sind die Geister der Weisheit, die großen Schenkenden, die großen Gebenden des Weltalls! - Wie wir von den Thronen gesagt haben: Die großen Opferer —, so müßten wir von den Geistern der Weisheit sagen: Die großen Gebenden, die ihre Gabe so Hingebenden, daß dieselbe von ihnen aus das Weltall durchwebt und durchlebt, indem sie einströmt in das Weltall und in dasselbe erst Ordnung hineinschafft.

[ 8 ] How, then, does such insight reveal itself? How does that which approaches us reveal itself once we have prepared ourselves sufficiently? It reveals itself as a sense of being blessed by the gift coming toward us from the spiritual world. If we were to describe what approaches us—be it a being or whatever—to meet us graciously and pour this insight into us, we could only use the expression: it is that which meets us, a grace-bestowing, a gift-giving, a giving presence. Let us grasp the nature of a being whose main characteristic would consist in what I have just described with these words: it is a bestower, a giver, a presenter; such a being, whose principal characteristic is the scattering of grace, the pouring out of grace—let us conceive of it in such a way that, in order to attain this capacity for bestowing grace, it required the sight of the Throne’s sacrifice to the Cherubim! Let us imagine for a moment that a being were to approach what is happening there, when the Thrones sacrifice to the Cherubim, a being which, through this sight, would be moved to become a bestower, one who pours out his gifts in grace. Let us picture this very clearly. Let us imagine we were looking at a rose and becoming enchanted by it, thus experiencing a feeling of bliss over what we call “beautiful.” Let us imagine that another being, through the sight of what is described as the sacrifice of the Thrones to the Cherubim, would be moved to bestow all that it has around itself, pouring it out into the world: then we would have described those beings of whom “Esoteric Science” speaks as the “Spirits of Wisdom,” who, on the Sun, join the beings we have already encountered on Saturn. If we were to ask: What is the character of the Spirits of Wisdom who appeared on the Sun and joined the Saturn spirits? — we would have to answer: The chief characteristic of these spirits is the virtue of bestowing, of working grace, of giving. — And if we were to choose an epithet, we would have to say: They are the spirits of wisdom, the great bestowers, the great givers of the universe! - Just as we have said of the Thrones: “The great sacrificers”—so we must say of the Spirits of Wisdom: “The great givers, who bestow their gift so selflessly that it weaves through and permeates the universe, flowing into it and thereby creating order within it.”

[ 9 ] Das ist die Tat auf der Sonne, die Wirkung der Geister der Weisheit auf der Sonne. Das tun sie: schenken ihr eigenes Wesen an ihre Umgebung. Und was ist das, was sich dem äußeren Anblick darbietet, wenn man so hinblickt und wie eine höhere Sinnesempfindung wahrnehmen will, was da auf der Sonne geschieht?

[ 9 ] This is the activity on the Sun, the effect of the spirits of wisdom on the Sun. This is what they do: they bestow their own essence upon their surroundings. And what is it that presents itself to the outer eye when one looks upon it in this way and seeks to perceive, as a higher sensory experience, what is happening there on the Sun?

[ 10 ] Wenn man es ansieht, ist es so, wie es beschrieben ist in der «Geheimwissenschaft»: Die Sonne besteht außer aus Wärme auch noch aus Luft und Licht. Aber wenn man das sagt: Die Sonne besteht außer aus Wärme auch noch aus Luft und Licht -, dann ist es so, wie wenn jemand sagte: In der Ferne sehe ich eine graue Wolke -, und würde er als Maler den Eindruck, den er hat, hinmalen, so würde er eine solche graue Wolke malen; wenn er aber näher hinzuginge, würde er vielleicht statt der grauen Wolke einen Mückenschwarm vor sich haben. In Wirklichkeit ist dann das, was er für eine graue Wolke hielt, eine Summe von lauter lebendigen Wesen. In ähnlicher Weise stehen wir von ferne dem alten Sonnendasein gegenüber: Indem wir es von ferne anschauen, erscheint es als die Illusion eines Luft- und Lichtkörpers; wenn wir es aber näher betrachten, haben wir nicht mehr einen Luft- und Lichtkörper, sondern da erscheint es als die große schenkende Tugend der Geister der Weisheit. Und niemand lernt die Luft richtig kennen, der sie nur ihren äußeren, physischen Eigenschaften nach beschreibt. Das ist nur Maja oder Illusion, das ist nur die äußere Offenbarung. Denn überall wo Luft ist in der Welt, sind die Taten der schenkenden Geister der Weisheit dahinter. Webende, wirkende Luft heißt Offenbarung der schenkenden Tugend der Geister des Makrokosmos. Und nur der sieht die Luft richtig an, der sich sagt: Ich nehme hier Luft wahr, in Wahrheit aber wird da geschenkt von den Geistern der Weisheit an die Umgebung, wird etwas ausgestrahlt an die Umgebung.

[ 10 ] When you look at it, it is just as described in Occult Science: The sun consists not only of heat, but also of air and light. But when you say, “The sun consists not only of heat, but also of air and light,” it is as if someone were to say: “In the distance I see a gray cloud”—and if, as a painter, he were to paint the impression he has, he would paint such a gray cloud; but if he were to go closer, he might find a swarm of mosquitoes before him instead of the gray cloud. In reality, then, what he took for a gray cloud is a multitude of living beings. In a similar way, we face the ancient solar existence from a distance: when we look at it from afar, it appears as the illusion of a body of air and light; but when we look at it more closely, we no longer have a body of air and light, but it appears as the great bestowing virtue of the spirits of wisdom. And no one truly comes to know the air who describes it only according to its external, physical properties. That is merely Maya or illusion; that is merely the outer manifestation. For wherever there is air in the world, the deeds of the bestowing spirits of wisdom lie behind it. Air that weaves and acts is the manifestation of the bestowing virtue of the spirits of the macrocosm. And only he perceives the air correctly who says to himself: I perceive air here, but in truth, the spirits of wisdom are bestowing upon the surroundings; something is being radiated out into the surroundings.

[ 11 ] Jetzt wissen wir, was es eigentlich ist, was wir von der alten Sonne beschrieben haben, indem wir sagten, sie besteht aus Luft. Wir wissen jetzt, daß es Schenken ist: daß die Geister der Weisheit ihr eigenes Wesen ausfließen lassen und daß es äußerlich als Luft erscheint. Aber eine merkwürdige Sache trat nun ein auf der alten Sonne, die sich dem Hellseher darbietet. Wir müssen uns klarmachen, wie wir von dieser schenkenden Tugend eine noch genauere Vorstellung bekommen können aus unserem Seelenleben heraus. Vergegenwärtigen wir uns dazu jenes Gefühl, das wir selbst haben können, wenn es uns gelingt, aus der eben geschilderten Stimmung von Hingabe uns zu durchdringen mit einer Erkenntnis, mit einer Idee. Von einer solchen Idee, die uns dann kommt, haben wir immer eine bestimmte Empfindung. Eine solche Idee ist keine wissenschaftliche; die beste Empfindung davon hat man noch, wenn man das Künstlerische ins Auge faßt, wo die Idee den Drang hat, zum Beispiel Farbe oder Form irgendwie zu bemeistern, also in der Welt auszuströmen, so daß sie ein selbständiges Dasein der Welt geschenkt hat. Das Wesen einer solchen schenkenden Fähigkeit ist damit zu charakterisieren, daß man sagt: Produktivität, Schöpferisches ist damit verbunden, denn dieses Schenken ist selbst schöpferisch. Wer eine Idee hat, von der er empfindet, daß sie der Welt zum Heile gereichen kann und die sich darstellt in Kunstwerken und so weiter, der hat von dieser Produktivität der schenkenden Tugend einen richtigen Begriff. Das ist es, was als Luft die Sonne durchwebt. Wenn wir uns denken die schaffende Idee im Kopfe des Künstlers, wie sie sich einfügt in den Stoff - von allem anderen abgesehen -, dann ist dies das geistige Wesen der Luft. Wo Luft ist, haben wir es mit so etwas zu tun. Aber dadurch, daß diese lebendige Produktivität auf der Sonne da war, stellte sich die folgende Tatsache heraus.

[ 11 ] Now we know what it actually is that we described about the ancient Sun when we said it consists of air. We now know that it is giving: that the spirits of wisdom let their own being flow out, and that it appears outwardly as air. But a strange thing now occurred on the ancient Sun, which presents itself to the clairvoyant. We must make it clear to ourselves how we can gain an even more precise conception of this bestowing virtue from within our own soul life. To this end, let us recall that feeling we ourselves can have when we succeed, from the mood of devotion just described, in permeating ourselves with a realization, with an idea. We always have a certain sensation regarding such an idea that then comes to us. Such an idea is not a scientific one; one has the best sense of it when one considers the artistic realm, where the idea has the urge, for example, to master color or form in some way—that is, to flow out into the world—so that it has bestowed an independent existence upon the world. The essence of such a bestowing capacity can thus be characterized by saying: productivity, for creativity is connected to it, since this bestowing is itself creative. Whoever has an idea that they feel can benefit the world and that manifests itself in works of art and so on has a true grasp of this productivity of the bestowing virtue. This is what weaves through the sun like air. When we imagine the creative idea in the artist’s mind, as it takes shape in the material—setting everything else aside—this is the spiritual essence of air. Where there is air, we are dealing with something of this nature. But because this living productivity was present in the sun, the following fact emerged.

[ 12 ] Halten wir fest, daß auf dem alten Saturn schon die Geister der Zeit geboren waren, daß also auf der Sonne «Zeit» schon sein konnte, denn diese ist herübergekommen von dem Saturn. Zeit ist da. Also es gibt jene Möglichkeit auf der alten Sonne, die es auf dem alten Saturn noch nicht gegeben hätte, daß ein solches Schenken eintrat. Denn denken Sie einmal, was es wäre mit einem Schenken, wenn es keine Zeit gäbe: da könnte man nicht schenken; denn Schenken besteht im Geben und im Entgegennehmen. Ohne das zweite ist das Schenken gar nicht zu denken. Also es muß das Schenken aus zwei Akten bestehen: aus Geben und Nehmen, sonst hat das Schenken keinen Zweck. Auf der Sonne stehen sich aber Geben und Nehmen ganz sonderbar gegenüber, so nämlich, daß, weil nun schon die Zeit da ist, die Gabe, die dargereicht wird auf der alten Sonne an die Umgebung, in der Zeit aufbewahrt wird, gleichsam bewahrt wird in der Zeit, so daß die Geister der Weisheit ihr Geschenktes ausgießen, dann bleibt es in der Zeit. Aber nun muß etwas eintreten, was das nimmt. Das arbeitet im Verhältnis zu den Geistern der Weisheit in einem späteren Augenblick. So daß die Geister der Weisheit im früheren Augenblicke geben, und das, was notwendig damit verbunden sein muß als Nehmen, tritt im späteren Augenblicke ein.

[ 12 ] Let us note that the spirits of time were already born on ancient Saturn, so that “time” could already exist on the Sun, for it has come over from Saturn. Time is there. So there is that possibility on the ancient Sun—which would not yet have existed on ancient Saturn—that such a gifting could take place. For just imagine what gifting would be like if there were no time: one could not give; for gifting consists of giving and receiving. Without the latter, gifting is inconceivable. So giving must consist of two acts: giving and receiving; otherwise, giving serves no purpose. On the Sun, however, giving and receiving stand in a very peculiar relationship to one another, namely in such a way that, since time now exists, the gift offered on the old Sun to its surroundings is preserved in time, so to speak, so that when the spirits of wisdom pour out their gifts, they remain in time. But now something must occur that takes it. This works in relation to the spirits of wisdom at a later moment. So that the spirits of wisdom give in the earlier moment, and what must necessarily be connected with this as taking occurs in the later moment.

[ 13 ] Davon können wir nur eine richtige Vorstellung bekommen, wenn wir wieder das eigene Seelenerleben zugrunde legen. Stellen Sie sich vor, Sie bemühen sich, irgend etwas zu verstehen, oder irgendeinen Gedanken zu bilden. Jetzt haben Sie diesen Gedanken gebildet. Morgen besinnen Sie sich, machen rein Ihren Geist, damit alles, was Sie gestern an Gedanken gebildet haben, zurückkommen kann in Ihren Geist. Dann ist das, was gestern gebildet worden ist, von Ihnen heute aufgenommen. So ist es auf der alten Sonne, indem das, was früher geschenkt ‚wird, bewahrt bleibt für einen späteren Augenblick und später entgegengenommen wird. Was ist denn dann dieses Entgegennehmen? Es ist auch auf der alten Sonne eine Tat, ein Geschehen, das sich nur dadurch von dem anderen Geschehen unterscheidet, daß es später ist. Das Geben kommt den Geistern der Weisheit zu. Wer nimmt denn nun? Damit jemand nehmen kann, muß erst jemand da sein. In derselben Art wie gleichsam durch einen Geburtsakt, nämlich aus den Opfern der Throne an die Cherubim, die Geister der Zeit auf dem Saturn entstehen, so entstehen durch Schenken an die Welt von seiten der Geister der Weisheit auf der Sonne diejenigen Geister, die wir die Erzengel nennen: Archangeloi. Und sie sind auf der alten Sonne die Nehmenden. Aber sie nehmen auf eine ganz besondere Weise, so nämlich, daß sie, was sie als Gabe erhalten von den Geistern der Weisheit, nicht für sich behalten, sondern es zurückstrahlen, wie der Spiegel Ihr Bild zurückstrahlt. So haben die Erzengel auf der Sonne die Aufgabe, dasjenige, was in einem früheren Zeitpunkt geschenkt worden ist, in einem späteren Zeitpunkte aufzufangen, so daß es in einem späteren Zeitpunkte noch da ist und widergestrahlt wird durch die Erzengel. Wir haben also auf der Sonne ein älteres Geben und ein späteres Nehmen, aber dieses Nehmen als Widerstrahlung dessen, was war in einer früheren Zeit.

[ 13 ] We can only truly grasp this if we once again take our own inner experience as our starting point. Imagine that you are trying to understand something or form a thought. Now you have formed that thought. Tomorrow you reflect, clearing your mind so that everything you formed in thought yesterday can return to your mind. Then what was formed yesterday is received by you today. So it is on the ancient Sun, in that what is given earlier is preserved for a later moment and received later. What, then, is this receiving? On the ancient Sun, too, it is an act, an event, which differs from other events only in that it occurs later. Giving belongs to the spirits of wisdom. Who, then, receives? For someone to receive, someone must first be there. In the same way that, as it were, through an act of birth—namely, from the sacrifices of the Thrones to the Cherubim—the spirits of time arise on Saturn, so too do those spirits whom we call the Archangels—Archangeloi—arise through the giving to the world by the spirits of wisdom on the Sun. And they are the receivers on the old Sun. But they receive in a very special way, namely, that what they receive as a gift from the spirits of wisdom, they do not keep for themselves, but reflect it back, just as a mirror reflects your image. Thus, the archangels on the Sun have the task of receiving what was given at an earlier time at a later time, so that it is still there at a later time and is reflected back by the archangels. So on the Sun we have an earlier giving and a later receiving, but this receiving is a reflection of what was in an earlier time.

[ 14 ] Denken Sie einmal, daß die Erde nicht so wäre, wie sie jetzt ist, sondern daß folgendes eintreten würde: daß in dem jetzigen Zeitpunkt widerstrahlen könnte, was in einem früheren Zeitpunkt geschehen ist. Nun wissen wir aber, daß so etwas wirklich geschieht. Wir leben jetzt im fünften nachatlantischen Kulturzeitraum; da strahlen wider die Ereignisse des dritten nachatlantischen Kulturzeitraumes, der alten ägyptisch-chaldäischen Zeit. Was früher da war, wird aufgefangen und strahlt jetzt zurück. Das ist eine Art Wiederholung des Gebens und Nehmens auf der alten Sonne. So haben wir uns gegenüber den Geistern der Weisheit, die in den älteren Sonnenzeiten die Gebenden, Schenkenden sind, in den Erzengeln die Aufnehmenden zu denken. Dadurch wird etwas ganz Besonderes hervorgerufen, was Sie sich nur richtig vorstellen können, wenn Sie sich denken das Bild einer innerlich geschlossenen Kugel, wo vom Mittelpunkte etwas ausgestrahlt wird, was geschenkt wird; das strahlt bis zur Peripherie hin und strahlt von dort zurück zum Mittelpunkte. An der Oberfläche, innen an der Kugel lagern die Erzengel, die strahlen es zurück. Außen brauchen Sie sich nichts vorzustellen. - Wir haben uns also von einem Zentrum ausgehend zu denken das, was von den Geistern der Weisheit kommt: das wird ausgestrahlt nach allen Seiten, wird aufgefangen von den Erzengeln und zurückgestrahlt. Was ist das, was da zurückstrahlt in den Raum hinein, dieses zurückgestrahlte Geschenk der Geister der Weisheit? Was ist die ausgestrahlte Weisheit in sich selbst zurückgeleitet? — Das ist das Licht. Und damit sind die Erzengel zugleich die Schöpfer des Lichtes. Licht ist ebensowenig das, als was es uns in der äußeren Illusion erscheint, sondern wo Licht auftritt, haben wir die zurückgestrahlten Gaben der Geister der Weisheit. Und die Wesen, die wir überall hinter dem Licht vermuten müssen, das sind die Erzengel. Daher müssen wir sagen: Hinter dem flutenden Lichtstrahl, der uns trifft, stecken die Archangeloi; daß sie uns aber Licht zuströmen können, das kommt nur davon her, daß sie zurückstrahlen, was ihnen entgegenstrahlt, nämlich die schenkende Tugend der Geister der Weisheit.

[ 14 ] Imagine for a moment that the Earth were not as it is now, but that the following were to occur: that what happened at an earlier point in time could be reflected back at the present moment. Yet we know that such a thing actually happens. We are now living in the fifth post-Atlantean cultural epoch; the events of the third post-Atlantean cultural epoch, the ancient Egyptian-Chaldean period, are now being reflected back. What was there in the past is being received and now radiates back. This is a kind of repetition of the giving and receiving that took place on the ancient Sun. Thus, we must conceive of the spirits of wisdom—who were the givers and bestowers in the earlier solar epochs—as the givers, and the archangels as the receivers. This brings about something very special, which you can only truly imagine if you picture an inwardly closed sphere, where something is radiated from the center—a gift; this radiates out to the periphery and from there back to the center. On the surface, inside the sphere, the archangels are positioned, radiating it back. You need not imagine anything on the outside. — We must therefore conceive, starting from a center, that which comes from the Spirits of Wisdom: this is radiated in all directions, is received by the archangels, and radiated back. What is it that radiates back into space, this returned gift of the Spirits of Wisdom? What is the radiated wisdom when it is directed back into itself? — That is the light. And thus the archangels are at the same time the creators of light. Light is just as little what it appears to us to be in the outer illusion; rather, where light appears, we have the reflected gifts of the spirits of wisdom. And the beings we must assume are everywhere behind the light—these are the archangels. Therefore, we must say: Behind the flooding beam of light that strikes us lie the Archangeloi; but that they can shower us with light comes only from the fact that they reflect back what shines toward them, namely, the bestowing virtue of the spirits of wisdom.

[ 15 ] So bekommen wir ein Bild der alten Sonne. Wir denken uns gleichsam einen Zentralsitz, wo vereinigt ist das, was vom alten Saturn herübergekommen ist: die Opfertaten der Throne gegenüber den Cherubim, im Anblick dieser Opfertaten versunken die Geister der Weisheit. Durch den Anblick dieser Opfertaten werden sie veranlaßt, von sich auszustrahlen, was ihr eigenes Wesen ist: strömende, flutende Weisheit als schenkende Tugend. Das aber wird, weil es zeitdurchstrahlt ist, ausgesandt und wieder zurückgesandt, so daß wir einen Globus, einen durch die zurückstrahlende Tugend innerlich erleuchteten Globus haben. Denn wir müssen uns die alte Sonne nicht nach außen, sondern nach innen leuchtend denken. Damit ist ein Neues geschaffen, das wir folgendermaßen beschreiben können. Denken wir uns diese Geister der Weisheit, sitzend im Mittelpunkte der Sonne, im Anblick der opfernden Throne versunken und ausstrahlend, was ihr eigenes Wesen ist, wegen des Anblickes der opfernden Throne, und zurück erhalten sie ihr ausstrahlendes Wesen, indem es ihnen von der Oberfläche zurückstrahlt, so daß sie es als Licht wieder zurückbekommen. Alles ist durchleuchtet. Aber was bekommen sie zurück von denen, die da im Nehmen zurückstrahlen? — Ihr eigenes Wesen wurde, indem sie es hingegeben haben, zum Geschenk an den Makrokosmos, da war es ihr Inneres. Jetzt strahlt es zurück: ihr eigenes Wesen tritt ihnen von außen entgegen. Sie sehen ihr eigenes Inneres in die ganze Welt verteilt und widergestrahlt von außen als Licht, als die Widerspiegelung ihres eigenen Wesens.

[ 15 ] This gives us a picture of the ancient Sun. We can imagine, as it were, a central seat where all that has come over from ancient Saturn is united: the sacrificial acts of the Thrones in relation to the Cherubim, and the Spirits of Wisdom absorbed in the sight of these sacrificial acts. Through the sight of these sacrificial acts, they are moved to radiate from themselves what their own essence is: flowing, surging wisdom as a bestowing virtue. But because it is permeated by time, this is sent out and sent back again, so that we have a globe, a globe internally illuminated by the virtue that radiates back. For we must imagine the ancient Sun not shining outward, but inward. Thus something new is created, which we can describe as follows. Let us imagine these spirits of wisdom, seated at the center of the sun, absorbed in the sight of the sacrificing thrones and radiating what their own essence is, because of the sight of the sacrificing thrones, and in return they receive their radiating essence as it reflects back to them from the surface, so that they receive it back as light. Everything is illuminated. But what do they receive in return from those who reflect it back in the act of receiving? — Their own being, by their having given it away, became a gift to the macrocosm; there it was their inner self. Now it reflects back: their own being meets them from without. They see their own inner self distributed throughout the whole world and reflected back from without as light, as the reflection of their own being.

[ 16 ] Inneres und Äußeres sind die zwei Gegensätze, die uns jetzt entgegentreten. Das Frühere und Spätere verwandelt sich und wird so, daß es sich verwandelt in Inneres und Äußeres. Der «Raum» ist geboren! Durch die schenkende Tugend der Geister der Weisheit entsteht der Raum auf der alten Sonne. Vorher kann «Raum» nur eine bildliche Bedeutung haben. Jetzt haben wir den Raum, aber zunächst nur in zwei Dimensionen: noch nicht oben und unten, noch nicht rechts und links, sondern nur Äußeres und Inneres. - In Wirklichkeit treten diese beiden Gegensätze schon gegen Ende des alten Saturn auf, aber sie wiederholen sich in ihrer eigentlichen Bedeutung, als raumschaffend auf der alten Sonne.

[ 16 ] The inner and the outer are the two opposites that now confront us. The earlier and the later transform and become such that they transform into the inner and the outer. “Space” is born! Through the bestowing virtue of the spirits of wisdom, space comes into being on the ancient sun. Previously, “space” could only have a figurative meaning. Now we have space, but initially only in two dimensions: not yet up and down, not yet right and left, but only exterior and interior. — In reality, these two opposites already appear toward the end of the old Saturn, but they are repeated in their true meaning, as space-creating, on the old Sun.

[ 17 ] Und wenn wir jetzt von all diesen Vorgängen wieder eine Vorstellung gewinnen wollen in der Weise, wie wir es das letzte Mal getan haben, wo das Bild der opfernden Throne vor unsere Seele trat, die Zeitgeister gebärend, so werden wir nicht hinmalen einen Körper, der aus Licht besteht, denn nach außen strahlt dieses Licht noch nicht, es ist nur im Widerstrahlen im Inneren vorhanden. Eine Kugel als inneren Raum haben wir uns zu denken, in dem Mittelpunkt zunächst sich wiederholend das Bild des Saturn: die Throne als Geister wie kniend vor den Cherubim, den geflügelten Wesen, opfernd ihr eigenes Wesen; und hinzukommend die Geister der Weisheit, in dem Anblick des Opfers versinkend. Und nun kann man als Anblick haben, daß die Glut, die im Opfer liegt, sich in der Hingabe der Geister der Weisheit verwandelt, so daß sie sinnenfällig vorzustellen ist als Opferrauch, als Luft, die aufsteigt von der Opfertat als Opferrauch. Und wir bekommen ein vollständiges Bild, wenn wir uns vorstellen: Die opfernden Throne kniend vor den Cherubim, und zu dem Opfer hinzukommend wie im Reigen die Geister der Weisheit, hingegeben in ihrer Stimmung dem, was sie erblicken im Mittelpunkte der Sonne an dem Opfer der Throne; dadurch in ihrer Stimmung erwachsend zu dem Bilde des Opferrauches, der sich verbreitet nach allen Seiten, der ausströmt, sich am Ende ballt und aus seinen Wolken herausschafft die Gestalten der Erzengel, die zurückstrahlen von der Peripherie das Geschenk des Opferrauches als Licht, das Innere der Sonne durchleuchtend, das Geschenk der Geister der Weisheit zurückgebend und die Sphäre der Sonne in dieser Weise schaffend. Sie besteht schenkend aus Glut und Opferrauch. An der äußeren Peripherie sitzen die Erzengel, die Schöpfer des Lichtes, die das, was zuerst auf der Sonne da ist, später abbilden; es braucht Zeit, dann aber kommt es zurück als Licht. Was bewahren also die Erzengel? Sie bewahren das Frühere; die Gaben der Geister der Weisheit, die sie nehmen, strahlen sie zurück; aber was in der Zeit war, geben sie zurück als Raum, und indem sie es als Raum zurückstrahlen, geben sie zurück das, was sie selbst durch die Archai, die Anfänge, erhalten haben. Dadurch sind sie die Engel des Anfanges, weil sie das in späteren Zeiten wirksam machen, was früher war. Archangeloi, Boten des Anfanges sind sie!

[ 17 ] And if we now wish to form a conception of all these processes again in the same way we did last time, when the image of the sacrificing thrones appeared before our soul, giving birth to the spirits of the age, we will not yet depict a body consisting of light, for this light does not yet radiate outward; it is present only as an inner reflection. We must imagine a sphere as an inner space, with the image of Saturn repeating itself at the center: the Thrones as spirits, as if kneeling before the Cherubim, the winged beings, sacrificing their own being; and joining them, the spirits of wisdom, sinking into the sight of the sacrifice. And now one can envision that the fervor lying within the sacrifice is transformed in the devotion of the spirits of wisdom, so that it can be sensed as sacrificial smoke, as air rising from the act of sacrifice as sacrificial smoke. And we obtain a complete picture when we imagine: the sacrificing thrones kneeling before the cherubim, and joining the sacrifice as in a dance, the spirits of wisdom, devoted in their mood to what they behold at the center of the sun in the sacrifice of the thrones; thereby growing in their mood into the image of the sacrificial smoke that spreads in all directions, which flows out, eventually condenses, and from its clouds brings forth the figures of the archangels, who reflect from the periphery the gift of the sacrificial smoke as light, illuminating the interior of the sun, returning the gift of the spirits of wisdom, and thus creating the sphere of the sun. It consists, as a gift, of fire and sacrificial smoke. At the outer periphery sit the archangels, the creators of light, who later reflect what is first present on the sun; it takes time, but then it returns as light. What, then, do the archangels preserve? They preserve what came before; the gifts of the Spirits of Wisdom that they receive, they radiate back; but what was in time, they return as space, and by radiating it back as space, they return what they themselves have received through the Archai, the beginnings. Thus they are the angels of the beginning, because they make effective in later times what was in the past. Archangeloi, messengers of the beginning, they are!

[ 18 ] Es ist ganz wunderbar, wenn aus der wirklichen okkulten Erkenntnis heraus ein solches Wort wieder auftaucht und wir uns dann überlegen, wie dieses Wort aus uralten Traditionen — auf dem Wege über die Schule Dionysius’ des Areopagiten, der ein Schüler des Paulus war - uns überkommt. Es ist wunderbar zu sehen, daß dieses Wort so geprägt ist, daß, wenn wir es unabhängig von dem, was da steht, wiederentwickeln, das entsteht, was da war. Das muß mit der größten Ehrfurcht erfüllen, und wir fühlen uns dann verbunden mit den alten heiligen Schulen der Weiheweisheit, der Weihewissenschaft, so daß wir gleichsam fühlen, wie wenn dieses Alte in uns einströmen würde, indem wir es verständnisvoll ergreifen, nachdem wir uns selbst die Möglichkeit geschaffen haben, es unabhängig von dem Alten aufzunehmen. Wer nur ein wenig fühlen kann das Stimmen der alten Ausdrücke, die uns überliefert sind, ohne daß wir auf diese Ausdrücke Rücksicht nehmen, der fühlt sich hineingestellt in das Walten der Zeitengeister durch den Menschengeist hindurch. Es ist eine wunderbare Art des Sich-verbunden-Fühlens mit der ganzen menschlichen Evolution, was da herauskommt; ein Sich-sicher-Fühlen bei diesen Dingen.

[ 18 ] It is truly wonderful when such a word reemerges from genuine occult knowledge, and we then reflect on how this word has come down to us from ancient traditions—through the school of Dionysius the Areopagite, who was a disciple of Paul. It is wonderful to see that this word is so deeply imprinted that, when we rediscover it independently of what is written there, what was there emerges once more. This must fill us with the greatest reverence, and we then feel connected to the ancient sacred schools of initiatory wisdom, of initiatory science, so that we feel, as it were, as if this ancient wisdom were flowing into us as we grasp it with understanding, after we have created for ourselves the possibility of receiving it independently of the ancient tradition. Anyone who can sense even a little the resonance of the ancient expressions handed down to us, without paying attention to these expressions themselves, feels placed within the workings of the spirits of the ages through the human spirit. What emerges is a wonderful sense of connection with the entire course of human evolution; a sense of security in these matters.

[ 19 ] Das Andenken an die Urbeginne bewahren die Erzengel. Was aber auf irgendeinem der Planeten vorhanden war, das wiederholt sich in einer späteren Zeit, nur daß das Spätere immer anderes noch hinzufügt, so daß uns das Wesen der Sonne in gewisser Weise wieder entgegentritt in dem, was uns auf unserer Erde entgegentritt.

[ 19 ] The archangels preserve the memory of the very beginnings. But whatever existed on any of the planets is repeated at a later time, except that the later period always adds something different, so that the essence of the Sun, in a certain sense, confronts us again in what confronts us on our Earth.

[ 20 ] Die ganze Vorstellung, die ganze Empfindung, die wir uns hier aneignen konnten, die uns ein Bild gibt von den opfernden Thronen, von den opferempfangenden Cherubim, von der Glut, die aus dem Opfer ausströmt, von dem Opferrauch, der sich luftartig verbreitet, von dem Licht, das zurückgestrahlt wird von den Erzengeln, die das bewahren, was in den Anfängen geschehen ist, für die späteren Zeiten: diese Empfindung ist etwas, was in uns hervorrufen kann ein richtiges Verständnis alles dessen, was zusammenhängt mit den Schöpfungen, die aus einer solchen Empfindung hervorgehen.

[ 20 ] The entire vision, the entire sensation that we have been able to grasp here, which gives us a picture of the thrones offering sacrifice, of the cherubim receiving the sacrifice, of the fiery glow emanating from the sacrifice, of the sacrificial smoke spreading like air, of the light reflected by the archangels who preserve for later times what took place in the beginning—this sensation is something that can evoke within us a true understanding of everything connected with the creations that arise from such a sensation.

[ 21 ] So haben wir an diesem Milieu, das ich eben als Seelenmilieu geschildert habe, mehr geistig aufgefaßt, was wir früher an einem mehr physischen Bilde gewonnen haben. Und wir werden nun sehen, daß aus diesem Milieu heraus geboren wird, was auf der Erde als ChristusWesenheit aufgetreten ist; und wir werden nur verstehen, was auf die Erde durch die Christus-Wesenheit gebracht wird, wenn wir uns aneignen den Begriff derschenkenden Tugend, der gnadewirkenden Tugend in ihrer Zurückstrahlung in dem Lichte des Weltenalls in der inneren Substanz des Sonnenmäßigen, die durchdrungen und durchleuchtet ist von diesem Licht. Wenn wir dies zum Bilde erheben, was wir eben beschrieben haben, und in eine Imagination umwandeln und uns denken, daß das alles von diesem Wesen mitgebracht wird auf die Erde, auf der Erde sich auslebt, dann werden wir das eigentliche geistige Wesen des Christus-Impulses wieder noch tiefer empfinden können. Wir werden dann verstehen, welche dunkle Ahnung in der Menschenseele leben kann, wenn diese Menschenseele gegenüber irgendeiner Darstellung empfindet, daß das, was eben beschrieben worden ist, in einer gewissen Weise wieder lebendig werden kann auf der Erde.

[ 21 ] Thus, in this milieu—which I have just described as a soul milieu—we have grasped more spiritually what we previously gained from a more physical image. And we shall now see that what appeared on Earth as the Christ Being was born out of this milieu; and we will only understand what is brought to Earth through the Christ Being if we take to heart the concept of the virtue of giving, the virtue that works through grace, as it radiates back in the light of the universe within the inner substance of the solar realm, which is permeated and illuminated by this light. If we elevate what we have just described to a picture, transform it into an imagination, and conceive that all this is brought to Earth by this Being and lives out its life on Earth, then we will be able to perceive the true spiritual essence of the Christ impulse even more deeply. We will then understand what a dark foreboding can dwell in the human soul when, in response to some depiction, that soul senses that what has just been described can, in a certain way, come alive again on Earth.

[ 22 ] Denken wir uns einmal, es könnte das, was eben von der Sonne beschrieben worden ist, in eines Wesens Seele ganz und gar sich konzentrieren, könnte sich zusammendrehen und mitgenommen werden, um später wieder zu erscheinen. Und es würde wieder erscheinen auf der Erde und so wirken, daß es aus dem, was aus der uralten Opfertat und dem Opferrauch, der lichtschaffenden Zeit und der schenkenden Tugend geschaffen ist, den Extrakt der Gnadewirkung überbringen und ihn widerspiegeln würde aus dem Weltall der Wärmeseligkeit, der Lichtesherrlichkeit. Denken wir das alles in einer Seele konzentriert, es gebend dem Erdendasein, um sich versammelt die, welche jetzt als Erdenwesen berufen sein sollen, dies wieder zurückzustrahlen, dies zu bewahren für den Rest des Erdendaseins: In der Mitte der aus dem Opfer heraus und durch das Opfer Schenkende, um ihn herum die, welche es empfangen sollen; damit verbunden zugleich das, was das Opfer ist, und alles, was damit zusammenhängt, gleichsam übersetzt in irdisches Dasein. Und andrerseits die Möglichkeit, dieses Opfer zu zerstören, so daß alles, was dem Menschenwesen gegeben werden kann als Gnadewirkung, ebensogut angenommen wie zurückgewiesen werden kann. Denken wir uns das alles in eine Intuition verkörpert, dann kann man eine solche Empfindung haben gegenüber dem «Abendmahl» des Leonardo da Vinci: die ganze Sonne mit den Opferwesen, mit den Wesen der schenkenden Tugend, mit den Wesen der Wärmeseligkeit, der Lichtesherrlichkeit seelisch gefaßt — zurückgestrahlt von denen, die erkoren sind, zu bewahren aus den früheren Zeiten in die späteren Zeiten; für die Erde hergerichtet dadurch, daß es auch zurückgewiesen werden kann in dem Verräter.

[ 22 ] Let us imagine for a moment that what has just been described regarding the sun could be concentrated entirely within the soul of a being, could be wound up and carried away, only to reappear later. And it would reappear on Earth and work in such a way that, from what has been created through the ancient act of sacrifice and the sacrificial smoke, the light-creating time, and the bestowing virtue, it would convey the essence of the grace-filled effect and reflect it from the universe of warm bliss and the splendor of light. Let us conceive all this concentrated in a soul, bestowing it upon earthly existence; gathered around it are those who are now to be called as earthly beings to reflect this back, to preserve it for the remainder of earthly existence: In the center, the One who bestows from the sacrifice and through the sacrifice; around Him, those who are to receive it; connected to this at the same time is what the sacrifice is, and everything associated with it, as it were, translated into earthly existence. And on the other hand, the possibility of destroying this sacrifice, so that everything that can be given to the human being as a grace-filled effect can just as easily be accepted as rejected. If we imagine all this embodied in an intuition, then one can have such a feeling toward Leonardo da Vinci’s “Last Supper”: the entire sun, with the sacrificial beings, with the beings of bestowing virtue, with the beings of warm bliss and radiant glory, spiritually captured—reflected back by those who are chosen to preserve it from earlier times into later times; prepared for the earth in such a way that it can also be rejected in the traitor.

[ 23 ] Das Wesen der Erde, insofern das Wesen der Sonne auf der Erde wiedererscheint, man kann es so empfinden, Und wenn dies nicht in äußerlicher, intellektueller Weise, sondern in wahrhaft künstlerischer Weise gefühlt wird, dann hat man etwas von dem empfunden, was die eigentlich treibende Kraft in einem so großen Kunstwerke ist, das gleichsam den Extrakt des Erdendaseins wiedergibt. Und wenn wir das nächste Mal sehen werden, wie herauswächst aus dem Sonnenmilieu der Christus, dann werden wir noch besser das verstehen, was schon öfter gesagt ist: Wenn ein Geist aus dem Mars herunterkäme auf die Erde und alles sehen würde, was er nicht verstehen würde, dann würde er vielleicht kein Stück der Erde begreifen, aber er würde die eigentliche Erdenmission verstehen, wenn er das «Abendmahl» von Leonardo da Vinci auf sich wirken lassen könnte. Da würde ein solcher Marsbewohner sehen können, wie das Sonnendasein hineingeheimnißt sein muß in das Erdendasein, und alles, wovon man ihm sagen würde, daß es die Erde bedeutet, würde ihm dadurch klar werden. Daß die Erde etwas bedeutet, das würde er verstehen, und er würde wissen, um was es sich auf der Erde handelt: Er würde sich sagen: Da mag sonst auf der Erde vorgehen, was nur für irgendeinen Winkel des Erdendaseins Bedeutung hat. Aber konnte diese Tat wirklich dargestellt werden - die Tat, die mir hier entgegenstrahlt aus den Farben, wenn ich die Mittelgestalt mit den umgebenden zusammenhalte —, dann fühle ich, was die Geister der Weisheit empfunden haben auf der Sonne, was uns hier wieder entgegentönt in dem Wort: «Dies tut zu meinem Angedenken!» Die Bewahrung des Früheren in dem Späteren: dieses Wort wird uns erst verständlich, wenn wir es begreifen aus dem ganzen Weltenzusammenhange heraus, den wir jetzt kennengelernt haben. — Ich wollte nur andeuten, wie so etwas wie eine künstlerische Tat allerersten Ranges zusammenhängt mit dem ganzen Weltenwerden.

[ 23 ] The essence of the Earth, insofar as the essence of the Sun reappears on Earth—one can perceive it in this way. And if this is felt not in an external, intellectual manner, but in a truly artistic way, then one has sensed something of what is actually the driving force in such a great work of art, which, as it were, reflects the essence of earthly existence. And when we next see how Christ emerges from the solar milieu, we will understand even better what has often been said: If a spirit were to descend from Mars to Earth and see everything it could not understand, it might not grasp a single aspect of Earth, but it would understand the true mission of Earth if it could allow Leonardo da Vinci’s “Last Supper” to take effect upon it. There, such a Martian would be able to see how the solar existence must be mysteriously woven into earthly existence, and everything that one might tell him about what the Earth signifies would thereby become clear to him. That the Earth signifies something, he would understand, and he would know what the Earth is all about: He would say to himself: Whatever else may be happening on Earth that has significance only for some corner of earthly existence. But if this act could truly be depicted—the act that shines out at me here from the colors when I hold the central figure together with the surrounding ones—then I feel what the spirits of wisdom felt on the Sun, what resounds to us here again in the words: ‘Do this in remembrance of me!’ The preservation of the earlier in the later: this word only becomes understandable to us when we grasp it out of the whole context of the world that we have now come to know. — I merely wanted to suggest how something like an artistic act of the very highest order is connected with the entire becoming of the world.

[ 24 ] Das nächste Mal wird es unsere Aufgabe sein, das Christus-Wesen aus dem geistigen Wesen der Sonne heraus zu begreifen, um dann überzugehen zu dem geistigen Wesen des Mondes.

[ 24 ] Next time, our task will be to understand the Christ-being within the spiritual essence of the sun, and then to move on to the spiritual essence of the moon.