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True Aspects of Evolution
GA 132

14 November 1911, Berlin

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] In unseren beiden letzten Betrachtungen hier haben wir versucht, den Hinweis darauf zu erbringen, wie hinter allem Materiell-Stofflichen unserer Welterscheinungen Geistiges zu suchen ist. Wir haben versucht, zunächst das Geistige, das sich hinter den Wärmeerscheinungen, dann hinter den Erscheinungen der strömenden Luft findet, zu charakterisieren. Wir mußten, da wir ja, um solche Charakteristiken geben zu können, in sehr frühe, urferne Vergangenheiten unserer Entwickelung zurückzugreifen hatten, wir mußten bei unserer Schilderung jener geistigen Verhältnisse, die dem Materiellen zugrunde liegen, in unser eigenes Seelenleben blicken. Denn es ist selbstverständlich notwendig, daß man irgendwoher die Vorstellungen nimmt, mit denen man etwas charakterisiert. Worte allein tun es nicht, sondern wir müssen ganz bestimmte Vorstellungen haben. Wir haben gesehen, daß die geistigen Verhältnisse, auf die wir uns dabei beziehen müssen, zum Teil so ferne liegend alledem sind, was der Mensch gegenwärtig erlebt, wovon der Mensch gegenwärtig wissen kann, daß wir selbst in unserem Seelenleben, in unserem eigenen Geistesleben an seltene Zustände, an gar nicht allgemeine Verhältnisse appellieren mußten. Wir haben gesehen, daß wir das tiefste Wesen aller Wärme- und Feuerverhältnisse ganz weit abseits von dem suchen mußten, was äußerlich physikalisch Feuer oder Wärme ist. Gewiß muß es dem Menschen der Gegenwart recht grotesk erscheinen, wenn als das Wesen aller Feuer- und Wärmeverhältnisse der Welt das Opfer erkannt worden ist, das Opfer ganz bestimmter Wesenheiten, die wir auf dem alten Saturnzustand der Erde in einem gewissen Entwickelungszustand angetroffen haben, der Throne, die ihr Opfer den Cherubim damals darbrachten. Und in Wahrheit, mußten wir sagen, besteht ein solches Opfer, wie es damals seinen Ausgangspunkt. genommen hat in der Weltentwickelung, in allem, was uns äußerlich, in Maja oder Illusion, in den Wärme- oder Feuerverhältnissen erscheint.

[ 1 ] In our last two reflections here, we have attempted to point out how the spiritual must be sought behind all the material and physical aspects of our worldly phenomena. We have sought first to characterize the spiritual that lies behind the phenomena of heat, and then behind the phenomena of flowing air. Since, in order to provide such characterizations, we had to go back to very early, primeval stages of our evolution, we had to look into our own inner lives when describing those spiritual conditions that underlie the material. For it is, of course, necessary to draw from somewhere the concepts with which one characterizes something. Words alone are not enough; rather, we must have very specific concepts. We have seen that the spiritual conditions to which we must refer in this context are, in part, so far removed from everything that human beings currently experience—from everything human beings can currently know—that we ourselves had to appeal to rare states and conditions that are by no means common, even within our own inner lives and spiritual existence. We have seen that we had to seek the deepest essence of all conditions of heat and fire far removed from what is outwardly, physically, fire or heat. Certainly it must seem quite grotesque to people of the present day when the sacrifice has been recognized as the essence of all the fire and heat conditions of the world—the sacrifice of very specific beings whom we encountered on the ancient Saturn state of the Earth at a certain stage of development, the Thrones who offered their sacrifice to the Cherubim at that time. And in truth, we must say, such a sacrifice, as it took its starting point in the world’s development back then, exists in everything that appears to us outwardly, in Maya or illusion, in the conditions of heat or fire.

[ 2 ] Ebenso haben wir das letzte Mal erkannt, daß hinter allem, was wir nennen können strömende Luft oder strömende Gase, wiederum etwas sehr, sehr Fernes liegt, dasjenige, was wir «schenkende Tugend» genannt haben, das hingebungsvolle Ausgießen des eigenen Wesens geistiger Wesenheiten. Das liegt in jedem Windhauch, in aller strömenden Luft. Was also äußerlich physisch wahrgenommen wird, ist wirklich nur eine Illusion, eine Maja; und wir haben erst die richtige Vorstellung, wenn wir von der Maja vorschreiten zu dem Geistigen, zu dem Spirituellen. Im Wahrhaftigen der Welt ist Feuer oder Wärme oder Luft ebensowenig vorhanden, wie im Spiegelbild der Mensch, der sich im Spiegel sieht, vorhanden ist. Denn wie ein Spiegelbild im Grunde genommen eine Illusion im Verhältnis zum Menschen ist, so sind Feuer oder Wärme oder Luft Illusionen, und die Wahrheiten dahinter verhalten sich in Wirklichkeit so wie der wahrhaftige Mensch zu seinem Spiegelbilde. Nicht Feuer oder Luft haben wir zu suchen in der Welt des Wahrhaftigen, sondern Opfer und schenkende Tugend.

[ 2 ] Likewise, we recognized last time that behind everything we can call flowing air or flowing gases lies, in turn, something very, very distant—that which we have called “giving virtue,” the selfless outpouring of the very essence of spiritual beings. This lies in every breath of wind, in all flowing air. What is thus perceived physically on the outside is really only an illusion, a Maya; and we have the correct conception only when we move beyond Maya to the spiritual. In the reality of the world, fire or heat or air is just as little present as the human being who sees himself in the mirror is present in the mirror image. For just as a mirror image is, in essence, an illusion in relation to the human being, so too are fire, heat, or air illusions, and the truths behind them are in reality to them as the true human being is to his mirror image. It is not fire or air that we must seek in the world of the true, but sacrifice and the virtue of giving.

[ 3 ] Dabei sind wir aufgestiegen, indem wir zu dem Opfer sozusagen hinzutreten sahen die schenkende Tugend, von dem alten Saturnleben zu dem alten Sonnenleben. Innerhalb des letzteren, das heißt der zweiten kosmischen Verkörperung unserer Erde, finden wir etwas, was uns wieder einen Schritt näher führen wird den wahrhaftigen Verhältnissen unserer Entwickelung. Und wir müssen heute wieder einen Begriff einführen, der der Welt des Wahrhaftigen angehört gegenüber der Welt der Illusion. Bevor wir also zu den eigentlichen Verhältnissen der Entwickelung übergehen, wollen wir uns einen bestimmten Begriff aneignen. Wir gehen dabei von folgendem aus.

[ 3 ] In this process, we have ascended by, so to speak, approaching the sacrifice—the virtue of giving—from the old Saturn life to the old Sun life. Within the latter—that is, the second cosmic incarnation of our Earth—we find something that will bring us one step closer to the true conditions of our development. And today we must once again introduce a concept that belongs to the world of truth as opposed to the world of illusion. So before we move on to the actual conditions of development, let us familiarize ourselves with a specific concept. We proceed from the following:

[ 4 ] Wenn der Mensch im äußeren Leben irgend etwas tut, irgend etwas vollzieht, so liegt dem in der Regel sein Willensimpuls zugrunde. Was der Mensch tut, sei es nun eine Handbewegung oder sei es die größte Tat, überall liegt ein Willensimpuls zugrunde. Von diesem geht dann alles übrige aus, was zu einer Tat, zu einer Verrichtung des Menschen führt. Der Mensch wird nun zunächst sagen: zu einer starken, kräftigen Tat, die, sagen wir, viel Heil und Segen bringen soll, gehöre ein starker Willensimpuls, und zu einer weniger bedeutsamen Tat gehöre ein schwacher Willensimpuls. Und im allgemeinen wird der Mensch zu der Annahme geneigt sein, daß von der Stärke des Willensimpulses die Größe der Tat abhängt.

[ 4 ] When a person does anything in their external life, when they carry out any action, it is generally based on an impulse of the will. Whatever a person does—whether it be a movement of the hand or the greatest of deeds—is always based on an impulse of the will. Everything else that leads to an action, to a human endeavor, then flows from this. One might initially say: a strong, powerful deed—one that is intended, let us say, to bring much healing and blessing—requires a strong impulse of will, while a less significant deed requires a weak impulse of will. And in general, one will be inclined to assume that the magnitude of the deed depends on the strength of the impulse of will.

[ 5 ] Nun ist das aber nur bis zu einem gewissen Grade richtig, daß wir, wenn wir unseren Willen verstärken, Großes in der Welt erreichen. Von einem gewissen Punkt an ist das nämlich nicht mehr der Fall. Gewisse Taten, die der Mensch tun kann, Taten, die sich vor allen Dingen auf die geistige Welt beziehen, hängen nun nicht ab von der Verstärkung unserer Willensimpulse, sonderbarerweise. Gewiß, in der physischen Welt, in der wir zunächst leben, wird die Größe der Tat abhängen von der Größe des Willensimpulses, denn wir müssen uns stärker anstrengen, wenn wir mehr erreichen wollen. Aber in der geistigen Welt ist das gar nicht so, sondern da tritt das Gegenteil von dem ein. Da ist es so, daß zu den größten Taten, zu den größten Wirkungen, können wir besser noch sagen, nicht eine Verstärkung des positiven Willensimpulses notwendig ist, sondern vielmehr eine gewisse Resignation, ein Verzicht. Wir können da schon von den kleinsten, rein geistigen Tatsachen ausgehen. Wir erreichen eine gewisse geistige Wirkung nicht dadurch, daß wir möglichst unsere Begehrlichkeit in Szene setzen, oder möglichst geschäftig sind, sondern in der geistigen Welt erreichen wir gewisse Wirkungen dadurch, daß wir unsere Wünsche und Begierden bezähmen und auf deren Befriedigung verzichten.

[ 5 ] However, it is only true to a certain extent that we can achieve great things in the world by strengthening our will. From a certain point on, this is no longer the case. Certain deeds that a person can perform—deeds that relate above all to the spiritual world—do not, strangely enough, depend on the strengthening of our will impulses. Certainly, in the physical world, where we primarily live, the magnitude of the deed will depend on the magnitude of the will impulse, for we must exert ourselves more if we wish to achieve more. But in the spiritual world, this is not the case at all; rather, the opposite occurs. There, it is the case that for the greatest deeds, for the greatest effects—we might even say—it is not a strengthening of the positive impulse of will that is necessary, but rather a certain resignation, a renunciation. We can start from the smallest, purely spiritual facts. We do not achieve a certain spiritual effect by displaying our desires as much as possible or by being as active as possible; rather, in the spiritual world, we achieve certain effects by taming our wishes and desires and renouncing their satisfaction.

[ 6 ] Nehmen wir einmal an, ein Mensch habe es darauf abgesehen, durch innere geistige Wirkungen etwas in der Welt zu erreichen. Dann muß er sich dazu dadurch vorbereiten, daß er vor allen Dingen seine Wünsche, seine Begierden unterdrücken lernt. Und während man in der Welt des Physischen kräftiger wird, sagen wir, wenn man gut ißt, wenn man sich gut ernährt und dadurch mehr Kräfte hat, wird man - es ist das jetzt nur eine Schilderung, kein Rat! - in der geistigen Welt Bedeutsames in einer gewissen Weise gerade dann erreichen, wenn man fastet oder in einer anderen Weise etwas tut, um die Wünsche und Begierden zu unterdrücken, zu bezähmen. Und zu den größten geistigen Wirkungen, sagen wir zu magischen Wirkungen, gehört immer eine solche Vorbereitung, die zusammenhängt mit Verzicht auf Wünsche, Begierden, Willensimpulse, die in uns auftreten. Je weniger wir «wollen», je mehr wir uns sagen: Wir lassen das Leben an uns vorüberströmen und begehren nicht dies und begehren nicht jenes, sondern nehmen die Dinge, wie sie uns Karma zuwirft —, je mehr wir so Karma und seine Wirkungen hinnehmen und ruhig uns verhalten in einem Verzicht in bezug auf alles, was wir sonst im Leben erreichen wollen für dieses Leben, desto kräftiger werden wir zum Beispiel in bezug auf Gedankenwirkungen.

[ 6 ] Let us suppose that a person is determined to achieve something in the world through inner spiritual forces. To do so, they must prepare themselves by, above all, learning to suppress their desires and cravings. And while one becomes stronger in the physical world—let’s say, by eating well, by nourishing oneself properly and thereby gaining more strength—one will—this is merely a description, not advice!—achieve something significant in the spiritual world in a certain way precisely when one fasts or does something else to suppress and subdue one’s desires and cravings. And among the greatest spiritual effects—let us say, magical effects—there is always such a preparation that is connected with renouncing the desires, cravings, and impulses of the will that arise within us. The less we “want,” the more we say to ourselves: We let life flow past us and do not desire this or that, but take things as karma throws them at us—the more we thus accept karma and its effects and remain calm in a state of renunciation regarding everything we would otherwise seek to achieve in this life, the more powerful we become, for example, in terms of the effects of thought.

[ 7 ] Bei einem Menschen, der ein sehr begierdenvoller Mensch ist, der es vor allen Dingen liebt, recht gut zu essen und zu trinken und auch sonst begierdenvoll ist, bei dem wird sich herausstellen, wenn er zum Beispiel Lehrer oder Erzieher ist, daß seine Worte, die er an seine Zöglinge richtet, nicht viel erreichen; das geht bei den Zöglingen zum einen Ohr hinein, zum anderen heraus. Er wird dann der Meinung sein, daß dies die Schuld der Zöglinge wäre. Das ist aber nicht immer der Fall. Der Mensch, der eine höhere Lebensauffassung hat, der mäßig lebt, der nur so viel ißt, als nötig ist, um das Leben zu unterhalten, der vorzugsweise darauf bedacht ist, die Dinge, die das Schicksal gibt, hinzunehmen, der wird allmählich merken, daß seine Worte eine größere Kraft haben; ja, sein Blick kann dann schon eine große Kraft haben, und es braucht nicht einmal zum Blick zu kommen, er braucht nur neben dem Zögling zu sein, braucht nur einen aufmunternden Gedanken zu haben, den er gar nicht äußert: das wird auf den Zögling übergehen. Das alles hängt ab von dem Grade des Verzichtes, der Resignation gegenüber dem, was der Mensch sonst verlangt.

[ 7 ] In the case of a person who is very lustful, who above all loves to eat and drink well and is lustful in other ways as well, it will become apparent—if, for example, he is a teacher or educator—that the words he directs at his pupils do not achieve much; they go in one ear and out the other. He will then believe that this is the pupils’ fault. But that is not always the case. The person who has a higher outlook on life, who lives moderately, who eats only as much as is necessary to sustain life, who is primarily concerned with accepting the things that fate provides—such a person will gradually realize that his words have greater power; indeed, even his gaze can possess great power, and it need not even come to a gaze; he need only be beside the student, need only have an encouraging thought that he does not even express: this will pass over to the student. All of this depends on the degree of renunciation, of resignation toward what man otherwise demands.

[ 8 ] Nun ist für geistige Betätigungen, um geistige Wirkungen in den höheren Welten zu erzielen, der richtige Weg der, welcher durch den Verzicht geht. In dieser Beziehung bestehen viele Täuschungen; und Täuschungen führen nicht - deshalb, weil sie auch im Äußeren so ähnlich aussehen - zu den richtigen Wirkungen. Sie alle kennen das, was man im gewöhnlichen Leben die Askese, die Selbstpeinigung nennt. Diese Selbstpeinigung kann in vielen Fällen geradezu eine Wollust sein, die der Betreffende aus der Begierde heraus wählt, zum Beispiel, um viel zu erreichen, oder sei es auch aus einem anderen Begierdequell, um der Wollust willen. Dann wirkt die Askese nichts; denn sie hat nur dann eine Bedeutung, wenn sie als Begleiterscheinung des schon im Geistigen wurzelnden Verzichts auftritt. Diesen Begriff wollen wir uns eben aneignen: den Begriff des schöpferischen Verzichtes, der schöpferischen Resignation. Es ist ungeheuer wichtig, daß wir diesen Verzicht, diese schöpferische Resignation, die wir ja in der Seele erleben können, wieder als eine dem alltäglichen Leben fernliegende Vorstellung aufnehmen: dann werden wir einen Schritt tiefer in die Menschheitsevolution hineingeführt werden können. Denn so etwas geschieht im Verlaufe der Evolution, zum Beispiel beim Herübergang der Entwickelung von den Sonnenverhältnissen zu den Mondverhältnissen. So etwas wie Resignieren geschieht im Bereiche der Wesenheiten der höheren Welten, von denen wir ja wissen, daß sie mit dem Fortgang der Erdentwickelung zusammenhängen. Und zwar wollen wir da noch einmal die alte Sonnenentwickelung ins Auge fassen. Aber machen wir zunächst noch auf etwas aufmerksam, was wir schon wissen, was uns aber bis jetzt noch in mancher Hinsicht rätselhaft erscheinen kann.

[ 8 ] Now, for spiritual activities aimed at achieving spiritual effects in the higher worlds, the correct path is the one that involves renunciation. In this regard, there are many deceptions; and deceptions do not lead to the correct effects—precisely because they appear so similar on the surface. You are all familiar with what is commonly called asceticism or self-mortification. In many cases, this self-mortification can be nothing short of a form of sensual pleasure that the individual chooses out of desire—for example, to achieve great things, or even from some other source of desire, for the sake of sensual pleasure itself. Then asceticism has no effect; for it has meaning only when it occurs as a concomitant of renunciation already rooted in the spiritual. Let us now take up this concept: the concept of creative renunciation, of creative resignation. It is immensely important that we once again embrace this renunciation, this creative resignation—which we can indeed experience in the soul—as a concept far removed from everyday life: then we will be able to be led a step deeper into human evolution. For such things occur in the course of evolution, for example during the transition of development from solar conditions to lunar conditions. Something like resignation occurs in the realm of the beings of the higher worlds, of whom we know that they are connected with the progress of Earth’s development. And here we wish to consider once more the ancient solar development. But let us first draw attention to something we already know, yet which may still seem enigmatic to us in many respects.

[ 9 ] Wir haben wiederholt aufmerksam gemacht auf solche Vorgänge in der Entwickelung, die wir zurückzuführen haben auf Wesenheiten, die im Laufe der Entwickelung zurückgeblieben sind. So wissen wir, daß eingreifen in unsere Erdenmenschheit die luziferischen Wesenheiten. Wir haben wiederholt darauf aufmerksam machen müssen, daß diese luziferischen Wesenheiten deshalb in unseren astralischen Leib während der Erdentwickelung eingreifen, weil sie die Entwickelungsstufe, die sie während der alten Mondenentwickelung hätten erreichen können, nicht erreicht haben. Wir haben oftmals den trivialen Vergleich gebraucht, daß nicht nur in unseren Schulen die Schüler sitzenbleiben, sondern daß auch die Weltenwesen in der großen kosmischen Evolution sitzenbleiben auf ihren Entwickelungsstufen und später eingreifen in die Entwickelungsstufen von Wesenheiten und dann ähnliches bewirken wie die luziferischen Wesenheiten, die auf dem alten Monde zurückgeblieben sind, an dem Menschen auf der Erde.

[ 9 ] We have repeatedly drawn attention to such processes in evolution that we must attribute to beings who have fallen behind in the course of evolution. Thus, we know that the Luciferic beings intervene in the human race on Earth. We have repeatedly had to point out that these Luciferic beings intervene in our astral body during Earth’s evolution because they did not reach the stage of development they could have attained during the ancient Moon evolution. We have often used the trivial comparison that just as students repeat a grade in our schools, so too do world beings in the great cosmic evolution remain stuck at their stages of development and later intervene in the developmental stages of other beings, thereby causing effects similar to those of the Luciferic beings who remained behind on the ancient Moon, as they do with human beings on Earth.

[ 10 ] Demgegenüber könnte man nun sehr leicht den Gedanken aufwerfen: Eigentlich sind diese Wesenheiten fehlerhafte Wesenheiten, Schwächlinge der Weltentwickelung; denn warum sind sie sitzengeblieben? Das ist der eine Gedanke, der uns kommen kann. Aber der andere Gedanke, den wir auch fassen können, ist der: daß der Mensch nie zu seiner Freiheit, zur selbsteigenen Entschließungsfähigkeit gekommen wäre, wenn die luziferischen Wesenheiten nicht auf dem Monde zurückgeblieben wären. So daß der Mensch den luziferischen Wesenheiten auf der einen Seite im Üblen das verdankt, daß er Begierden, Triebe, Leidenschaften in seinem Astralleib hat, die ihn fortwährend in der Entwickelung von einer gewissen Höhe herabdrängen, ihn nach niederen Regionen seines Seins hinziehen. Andererseits aber, wenn dies nicht der Fall wäre, daß der Mensch böse werden kann, daß er abirren kann von dem Guten durch die Kraft der luziferischen Wesenheiten in seinem Astralleib, könnte er auch nicht frei handeln, könnte er nicht das haben, was wir Freiheit des Willens, Willkür nennen. Wir müssen also sagen, auch unsere Freiheit verdanken wir den luziferischen Wesen. Daraus geht also schon hervor, daß die einseitige Auffassung, als ob die luziferischen Wesenheiten nur den Menschen herabbrächten, nicht zutrifft, sondern daß der Mensch ihr Zurückbleiben als etwas Gutes ansehen muß, als etwas, ohne das er gar nicht hätte seine Menschenwürde im wahren Sinne des Wortes erringen können.

[ 10 ] In contrast, one might very easily raise the following thought: Actually, these beings are flawed beings, the weaklings of world evolution; for why have they been left behind? That is one thought that may occur to us. But the other thought we might also entertain is this: that human beings would never have attained their freedom, their capacity for independent decision-making, if the Luciferic beings had not remained on the Moon. So that, on the one hand, humanity owes it to the Luciferic beings—in a negative sense—that it possesses desires, drives, and passions in its astral body which continually push it down from a certain height in its development, drawing it toward the lower regions of its being. On the other hand, however, if this were not the case—that human beings can become evil, that they can stray from the good through the power of the Luciferic beings in their astral bodies—they could not act freely, they could not possess what we call freedom of will, arbitrariness. We must therefore say that we also owe our freedom to the Luciferic beings. It follows from this that the one-sided view, as if the Luciferic beings only dragged humanity down, is not correct; rather, humanity must regard their remaining behind as something good, as something without which it could not have attained its human dignity in the true sense of the word.

[ 11 ] Nun liegt alledem, was wir für die luziferischen und ahrimanischen Wesenheiten ein solches Zurückbleiben nennen, etwas viel Tieferes zugrunde, was uns zwar schon auf dem alten Saturn entgegentritt, aber dort so schwer erkennbar, daß wir kaum in irgendeiner Sprache Worte finden könnten, um das, was da zugrunde liegt auf dem alten Saturn, zu charakterisieren. Wenn wir dagegen zum alten Sonnendasein vorschreiten, können wir es ganz deutlich charakterisieren, wenn wir den heute zuerst beschriebenen Begriff der Resignation, des Verzichts ins Auge fassen. Denn allem solchen Zurückbleiben von Wesenheiten, allem solchen Hereinwirken durch das Zurückbleiben liegt zugrunde Resignation oder Verzicht höherer Wesenheiten. So können wir sehen, daß folgendes auf der Sonne auftritt. Wir haben gesagt, daß die Throne, die Geister des Willens, Opfer darbringen den Cherubim. Diese Opfer bringen sie — wie wir das letzte Mal gesehen haben - nicht nur während der Saturnzeit dar, sondern sie setzen sie fort während der Sonnenzeit. So daß wir auch da im Bilde bekommen haben: die Throne, die Geister des Willens, opfernd den Cherubim. Und in der Opferung liegt das eigentliche Wesen aller in der Welt existierenden Wärme- oder Feuerverhältnisse.. Während der Sonnenzeit können wir nun deutlich das folgende bemerken, wenn wir in der Akasha-Chronik zurückschauen: die Throne opfern, verbleiben bei ihrer Opfertätigkeit; so daß wir die opfernden Throne haben, haben auch eine Anzahl von Cherubim, zu denen wir das Opfer aufsteigen sehen, indem sie das, was aus dem Opfer fließt, die Wärme, in sich aufnehmen. Aber eine Anzahl von Cherubim vollzieht etwas anderes: sie verzichten auf das Opfer, nehmen nicht an die Opferung. Daher müssen wir das Bild, das wir das letzte Mal vor unsere Seele treten ließen, noch etwas ergänzen.

[ 11 ] Now, underlying all that we call such a lagging behind in the case of the Luciferic and Ahrimanic beings is something much deeper, which we already encounter on ancient Saturn, but which is so difficult to discern there that we could hardly find words in any language to characterize what underlies it on ancient Saturn. When we proceed, however, to the ancient Sun existence, we can characterize it quite clearly by considering the concept of resignation or renunciation described earlier today. For underlying all such lagging behind of beings, all such working-in through this lagging behind, is the resignation or renunciation of higher beings. Thus we can see that the following occurs on the Sun. We have said that the Thrones, the Spirits of Will, offer sacrifices to the Cherubim. They offer these sacrifices—as we saw last time—not only during the Saturn period, but they continue to do so during the Sun period. So that here, too, we have gained a picture: the Thrones, the Spirits of Will, offering sacrifices to the Cherubim. And in the act of sacrifice lies the very essence of all heat or fire conditions existing in the world. During the Sun period, we can now clearly observe the following when we look back into the Akashic Records: the Thrones sacrifice and continue their sacrificial activity; so that we have the sacrificing Thrones, and we also have a number of Cherubim to whom we see the sacrifice ascending, as they take into themselves what flows from the sacrifice—the warmth. But a number of Cherubim perform something else: they renounce the sacrifice, do not participate in the act of sacrifice. Therefore, we must supplement the image we brought before our soul last time.

[ 12 ] Wir haben in diesem Bilde die opfernden Throne und die das Opfer annehmenden Cherubim; wir haben aber auch solche Cherubim, die das Opfer nicht annehmen, sondern wieder zurückgeben, was als Opfer zu ihnen dringt. Das ist außerordentlich interessant in der AkashaChronik zu verfolgen. Denn dadurch, daß nun sozusagen die schenkende Tugend der Geister der Weisheit einfließt in die Opferwärme, dadurch sehen wir wie aufsteigend den Opferrauch während der alten Sonne, von dem wir gesagt haben, daß er dann durch die Erzengel in Form von Licht zurückgeworfen wird von dem äußersten Umfange der Sonne. Aber nun sehen wir etwas anderes noch, wie wenn innerhalb des alten Sonnenraumes noch etwas ganz anderes vorhanden wäre: Opferrauch, der aber jetzt nicht bloß durch die Erzengel im Licht zurückgeworfen wird, sondern der von den Cherubim nicht angenommen wird, so daß er wie zurückfließt, sich zurückstaut, so daß wir sich stauende Opferwolken im Sonnenraume haben: Opfer, das aufsteigt, Opfer, das absteigt; Opfer, das angenommen wird, Opfer, auf das verzichtet wird, das in sich zurückkehrt. Dieses Sich-Begegnen der eigentlichen spirituellen Wolkengebilde im alten Sonnenraum finden wir gleichsam zwischen dem, was wir das letzte Mal das Äußere und das Innere, diese beiden Dimensionen auf der Sonne, genannt haben, wie eine Trennungsschicht; so daß wir in der Mitte haben die opfernden Throne, dann die Cherubim in der Höhe, die das Opfer annehmen, dann solche Cherubim, die das Opfer nicht annehmen, sondern es zurückstauen. Durch dieses Zurückstauen entsteht gleichsam eine Ringwolke; und ganz außen haben wir die zurückgeworfenen Lichtmassen.

[ 12 ] In this image, we see the sacrificing thrones and the cherubim who accept the sacrifice; but we also see cherubim who do not accept the sacrifice, but instead return what is offered to them. This is extraordinarily interesting to trace in the Akashic Records. For because the bestowing virtue of the spirits of wisdom now flows, so to speak, into the warmth of the sacrifice, we see the sacrificial smoke rising during the time of the ancient Sun—smoke which, as we have said, is then reflected back by the archangels in the form of light from the outermost circumference of the Sun. But now we see something else as well, as if something quite different were present within the space of the ancient Sun: sacrificial smoke, which is now not merely reflected back as light by the archangels, but which is not accepted by the cherubim, so that it flows back, accumulates, resulting in accumulating clouds of sacrifice within the solar space: sacrifice that ascends, sacrifice that descends; sacrifices that are accepted, sacrifices that are rejected, that return upon themselves. We find this encounter of the actual spiritual cloud formations in the old solar space, as it were, between what we last time called the outer and the inner, these two dimensions on the Sun, like a separating layer; so that in the middle we have the sacrificing thrones, then the cherubim on high who accept the sacrifice, then those cherubim who do not accept the sacrifice but hold it back. Through this holding back, a ring-shaped cloud arises, as it were; and on the very outside we have the reflected masses of light.

[ 13 ] Stellen Sie sich dieses Bild ganz lebendig vor: daß wir also diesen alten Sonnenraum haben, diese alte Sonnenmasse, gleichsam eine kosmische Kugel, außerhalb welcher nichts vorzustellen ist, so daß wir nur den Raum uns zu denken haben bis zu den Erzengeln hin. Stellen wir uns weiter vor, daß wir in der Mitte diese Ringbildung aus den sich begegnenden angenommenen und zurückgewiesenen Opfern haben. Aus diesen angenommenen und zurückgewiesenen Opfern entsteht innerhalb der alten Sonne etwas, was wir nennen können eine Verdoppelung der ganzen Sonnensubstanz, ein Auseinandergehen. Mit einer äußeren Figur zu vergleichen ist die Sonne in dieser alten Zeit nur, wenn wir sie vergleichen mit unserer jetzigen Saturngestalt: der Kugel, die von einem Ring umgeben ist, indem diese sich stauenden Opfermassen nach einwärts werfen, was in der Mitte ist, und das, was außen ist, wird wie eine Ringmasse außen angeordnet. So haben wir die Sonnensubstanz eigentlich in zwei Teile getrennt durch die Kraft der sich stauenden Opfergewalten.

[ 13 ] Imagine this picture vividly: that we have this ancient solar space, this ancient solar mass—a cosmic sphere, as it were—beyond which nothing can be conceived, so that we need only conceive of the space extending up to the archangels. Let us further imagine that in the center we have this ring formation arising from the meeting of accepted and rejected sacrifices. From these accepted and rejected sacrifices, something arises within the ancient Sun that we can call a doubling of the entire solar substance, a splitting apart. The sun in this ancient time can be compared to an external figure only if we compare it to our present-day image of Saturn: the sphere surrounded by a ring, in which these accumulating masses of sacrifice throw inward what is in the center, and what is on the outside is arranged like a ring-mass on the outside. Thus we have the substance of the sun actually divided into two parts by the force of the accumulating sacrificial powers.

[ 14 ] Was wird nun dadurch bewirkt, daß auf der Seite gewisser Cherubim ein solcher Verzicht auf das Opfer eintritt? - Es ist ein außerordentlich schwieriges Kapitel, dem wir uns da nähern, und Sie werden nur in langsamem Meditieren erfassen können, was in den Begriffen liegt, die jetzt auseinandergesetzt werden. Nur wenn man lange über die Begriffe, die gegeben werden, nachdenkt, wird man herausfinden, welche Realitäten diesen Begriffen zugrunde liegen. Die Resignation, von der wir gesprochen haben, müssen wir in Verbindung bringen mit etwas, dessen Entstehung wir auf dem alten Saturn kennengelernt haben: mit der Entstehung der Zeit. Wir haben gesehen, daß mit den Geistern der Zeit, den Archai, die Zeit eigentlich erst auf dem alten Saturn entsteht, und daß es keinen Sinn hat, vor dem alten Saturn von einer «Zeit» zu sprechen. Nun liegt zwar eine Wiederholung darin, aber wir können doch sagen: die Zeit dauert fort. «Dauern» ist schon ein Begriff, der die Zeit in sich enthält. Wenn also gesagt wird, «die Zeit dauert fort», so bedeutet das: Wenn wir in der Akasha-Chronik Saturn und Sonne betrachten, so finden wir auf dem Saturn die Entstehung der Zeit, und auf der Sonne, daß die Zeit auch vorhanden ist. Wenn nun alle Verhältnisse so fortgingen, wie wir sie in den beiden letzten Betrachtungen charakterisiert haben in bezug auf Saturn und Sonne, so würde die Zeit ein Element bilden für alles Geschehen in der Evolution. Wir könnten uns die Zeit von keinem Geschehen in der Evolution wegdenken. Wir haben ja gesehen, daß die Geister der Zeit entstanden sind auf dem alten Saturn, und daß die Zeit allem eingepflanzt ist. Und alles, was wir in Bildern, in Imaginationen bisher über die Evolution gedacht haben, müssen wir uns mit der Zeit in Verbindung denken. Wäre also nur geschehen, was wir angeführt haben: Opferung und schenkende Tugend, so wäre alles der Zeit unterworfen gewesen. Nichts wäre nicht der Zeit unterworfen gewesen. Das heißt, es würde alles dem Entstehen und Vergehen, was ja der Zeit angehört, unterworfen sein.

[ 14 ] What, then, is the effect of such a renunciation of sacrifice on the part of certain cherubim?—This is an extraordinarily difficult subject we are approaching, and you will only be able to grasp, through slow meditation, the meaning of the concepts that are now being explained. Only by reflecting at length on the concepts presented will one discover the realities underlying them. The resignation we have spoken of must be linked to something whose origin we learned about on ancient Saturn: the origin of time. We have seen that with the spirits of time, the Archai, time actually first arises on ancient Saturn, and that it makes no sense to speak of “time” prior to ancient Saturn. Now, although there is a repetition in this, we can still say: time continues. “Continuation” is already a concept that contains time within itself. So when it is said, “time continues,” this means: When we look at Saturn and the Sun in the Akashic Records, we find the emergence of time on Saturn, and on the Sun, that time is also present. If all conditions were to continue as we have characterized them in the last two considerations regarding Saturn and the Sun, then time would form an element for all events in evolution. We could not conceive of any event in evolution without time. We have seen, after all, that the spirits of time arose on the ancient Saturn, and that time is implanted in everything. And everything we have hitherto conceived of evolution in images and imaginations, we must conceive in connection with time. If, then, only what we have mentioned had taken place—sacrifice and the virtue of giving—everything would have been subject to time. Nothing would have been exempt from time. That is to say, everything would be subject to coming into being and passing away, which indeed belongs to time.

[ 15 ] Diejenigen Cherubim nun, welche verzichtet haben auf das Opfer, auf das, was gleichsam im Opferrauch liegt, sie haben darauf verzichtet aus dem Grunde, weil sie sich damit den Eigenschaften dieses Opferrauches entziehen. Und zu diesen Eigenschaften gehört vor allem die Zeit und damit Entstehen und Vergehen. In dem ganzen Verzicht der Cherubim auf das Opfer liegt daher ein den Zeitverhältnissen Entwachsen der Cherubim. Sie gehen über die Zeit hinaus, entziehen sich dem Unterworfensein unter die Zeit. Damit trennen sich gleichsam die Verhältnisse während der alten Sonnenentwickelung so, daß gewisse Verhältnisse, die in der geraden Linie vom Saturn aus weiter fortgehen, als Opferung und schenkende Tugend der Zeit unterworfen bleiben, während die anderen Verhältnisse, die von den Cherubim dadurch eingeleitet wurden, daß diese Cherubim auf das Opfer verzichteten, sich der Zeit entreißen und damit sich die Ewigkeit, die Dauer, das Nichtunterworfensein dem Entstehen und Vergehen einverleiben. Das ist etwas höchst Merkwürdiges: wir kommen da während der alten Sonnenentwickelung zu einer Trennung in Zeit und Ewigkeit. Es ist durch die Resignation der Cherubim während der Sonnenentwickelung die Ewigkeit errungen worden als eine Eigenschaft gewisser Verhältnisse, die während der Sonnenentwickelung eintraten.

[ 15 ] Those cherubim, then, who have renounced the sacrifice—that is, what lies, as it were, in the smoke of the sacrifice—have done so because they thereby withdraw from the properties of this sacrificial smoke. And among these properties, time stands foremost, and with it, coming into being and passing away. In the cherubim’s complete renunciation of the sacrifice lies, therefore, their transcendence of temporal conditions. They go beyond time, freeing themselves from subjection to time. Thus, the conditions of the old solar evolution are, as it were, divided in such a way that certain conditions, which continue in a straight line from Saturn, remain subject to time as sacrifice and the giving virtue of time, while the other conditions, which were initiated by the cherubim through their renunciation of sacrifice, break free from time and thereby incorporate eternity, duration, and freedom from subjection to becoming and passing away. This is something most remarkable: during the old solar evolution, we arrive at a separation into time and eternity. It is through the resignation of the cherubim during the solar evolution that eternity has been attained as a property of certain conditions that arose during the solar evolution.

[ 16 ] Sahen wir also, indem wir in unsere eigene Seele blickten, gewisse Wirkungen aus dieser Seele dadurch erwachsen, daß der Mensch Verzicht und Resignation in der Seele sich aneignet, so sehen wir, wenn wir zunächst nur von der alten Sonne sprechen, daß von gewissen göttlich-geistigen Wesenheiten Unsterblichkeit, Ewigkeit dadurch errungen ist, daß sie resignierten auf das Opfer und auf das, was aus den sich verbreitenden Gaben der schenkenden Tugend kommen konnte. Sahen wir auf dem Saturn die Zeit entstehen, so sehen wir gewisse Verhältnisse sich der Zeit entreißen während der Sonnenentwickelung. Ich habe allerdings gesagt — ich bitte, das wohl zu beachten -, es bereitet sich dies schon vor während der Saturnzeit, so daß die Ewigkeit nicht erst beginnt während der Sonnenzeit. Aber klar und deutlich zu sehen, so daß man es aussprechen kann in Begriffen, ist es erst während der Sonnenzeit. Es ist auf dem Saturn so schwach erkennbar, dieses Abtrennen der Ewigkeit von der Zeit, daß unsere Begriffe und Worte sich nicht als scharf genug erweisen, um.so etwas schon für den alten Saturn und seine Entwickelung zu charakterisieren.

[ 16 ] Just as we saw, by looking into our own soul, certain effects arising from that soul as a result of the human being acquiring self-denial and resignation within the soul, so we see—if we speak for the moment only of the old Sun—that certain divine-spiritual beings have attained immortality, eternity were attained through their resignation to sacrifice and to what could arise from the spreading gifts of the virtue of giving. Just as we saw time emerge on Saturn, so we see certain conditions breaking free from time during the development of the Sun. I have, however, said—and I ask you to take this to heart—that this is already being prepared during the Saturn era, so that eternity does not begin only during the Sun era. But it is only during the Sun era that it becomes clear and distinct enough to be expressed in concepts. On Saturn, this separation of eternity from time is so faintly discernible that our concepts and words prove insufficiently precise to characterize such a phenomenon even for the ancient Saturn and its evolution.

[ 17 ] So haben wir die Bedeutung der Resignation kennengelernt, den Verzicht der Götter während der alten Sonnenzeit und die Erringung der Unsterblichkeit. Was war nun die weitere Folge davon?

[ 17 ] Thus we have learned about the meaning of resignation, the renunciation of the gods during the ancient Sun Age, and the attainment of immortality. What, then, was the next consequence of this?

[ 18 ] Aus der «Geheimwissenschaft im Umriß», die in gewisser Beziehung noch im Bereich der Maja bleiben mußte, wissen wir, daß auf die Sonnenentwickelung die Mondentwickelung folgte, daß am Ende der Sonnenzeit alle Verhältnisse in eine gewisse Dämmerung, in ein kosmisches Chaos eintauchten und wieder als Mond auftauchten. So haben wir denn wieder auftauchen zu sehen die Opferung als Wärme. Also, was auch auf der Sonne blieb als Wärme, das sehen wir auch auf dem Monde als Wärmeverhältnisse auftauchen. Was schenkende Tugend ist, sehen wir als Gas, als Luft auftauchen. Aber auch die Resignation dauert fort, der Verzicht auf die Opferung. Was wir «Resignation» nannten, ist in all diesem drinnen, was auf dem alten Monde vorgeht. Es ist wirklich so: was wir als Resignation erleben können, müssen wir uns ebenso als Kraft in allem auf dem alten Monde denken, von der Sonne herübergekommen, wie wir uns etwas anderes denken, was in der äußeren Welt vorhanden ist. Was Opfer war, erscheint als Wärme in der Maja; was schenkende Tugend war, erscheint in der Maja als Gas oder Luft. Was nun Resignation ist, das erscheint in der äußeren Maja als Flüssigkeit, als Wasser. Wasser ist Maja, und es wäre nicht da in der Welt, wenn nicht geistig zugrunde läge Verzicht oder Resignation. Überall, wo Wasser ist in der Welt, ist Götterverzicht! Ebenso wahr wie Wärme eine Illusion ist, und wie dahinter das Opfer ist, wie Gas oder Luft eine Illusion ist, und dahinter die schenkende Tugend ist, so ist das Wasser als Substanz, als äußere Wirklichkeit nur eine sinnliche Illusion, ein Spiegelbild, und was im Wahrhaftigen davon existiert, ist Resignation irgendwelcher Wesenheiten auf das, was sie von anderen Wesenheiten erhalten. Man möchte sagen, es kann nur Wasser in der Welt rieseln, wenn zugrunde liegt Resignation. Nun wissen wir, daß, während die Sonne zum Monde fortschritt, die Luftverhältnisse sich verdichteten zu den Wasserverhältnissen, Wasser entsteht erst auf dem Monde, auf der Sonne gab es noch kein Wasser. Was wir während der alten Sonnenentwickelung als sich ballende Wolkenmassen sehen, das gerinnt, indem es sich ineinanderdrängt zu einem Dichteren, zum Wasser, das auf dem Monde auftritt, zum Mondenmeere.

[ 18 ] From *Outlines of Esoteric Science*, which in a certain sense still had to remain within the realm of Maya, we know that the development of the Sun was followed by the development of the Moon, that at the end of the Solar Age all conditions plunged into a kind of twilight, into a cosmic chaos, and reemerged as the Moon. Thus we see sacrifice re-emerge as warmth. So whatever remained on the Sun as warmth, we also see it emerge on the Moon as conditions of warmth. What is a giving virtue, we see emerge as gas, as air. But resignation also continues, the renunciation of sacrifice. What we called “resignation” is contained in all that is taking place on the old moon. It is truly so: what we can experience as resignation, we must also conceive of as a force in everything on the old moon, having come over from the sun, just as we conceive of something else that exists in the outer world. What was sacrifice appears as warmth in Maya; what was the virtue of giving appears in Maya as gas or air. What is now resignation appears in the outer Maya as a liquid, as water. Water is Maya, and it would not exist in the world if renunciation or resignation were not its spiritual foundation. Wherever there is water in the world, there is the renunciation of the gods! Just as surely as warmth is an illusion, and sacrifice lies behind it, just as gas or air is an illusion, and the virtue of giving lies behind it, so water as a substance, as an external reality, is merely a sensory illusion, a reflection; and what truly exists in it is the resignation of certain entities to what they receive from other entities. One might say that water can only trickle in the world if resignation lies at its foundation. Now we know that, as the Sun progressed toward the Moon, the atmospheric conditions condensed into aquatic conditions; water first arises on the Moon; on the Sun there was no water yet. What we see during the early development of the Sun as gathering cloud masses coagulates as it presses together into a denser form, into the water that appears on the Moon, into the lunar seas.

[ 19 ] Wenn wir dies ins Auge fassen, wird es uns immerhin möglich sein, eine Frage, die aufgeworfen werden kann, zu begreifen. Aus der Resignation wird Wasser; Wasser ist eigentlich in Wahrheit Resignation. Wir bekommen also einen geistigen Begriff ganz sonderbarer Art für das, was das Wasser eigentlich ist. Aber wir können die Frage aufwerfen: Es ist doch ein gewisser Unterschied zwischen dem Zustande, der eingetreten wäre, wenn die Cherubim nicht resigniert hätten, und zwischen dem Zustande, der nun dadurch eingetreten ist, daß sie resigniert haben? Drückt sich dieser Unterschied in irgendeiner Weise aus? — Ja, das tut er. Er drückt sich nämlich dadurch aus, daß nunmehr während der Mondenverhältnisse deutlich die Folgen jener Resignation auftreten. Wenn nämlich diese Resignation nicht eingetreten wäre, wenn die betreffenden verzichtenden Cherubim das ihnen gebrachte Opfer angenommen hätten, so hätten sie — jetzt bildlich gesprochen — den Opferrauch in ihrer eigenen Substanz drinnen gehabt; was sie selber getan hätten, das hätte sich in dem Opferrauch zum Ausdruck gebracht. Nehmen wir an, diese Cherubim hätten dieses oder jenes vollzogen. Dann wäre es erschienen, äußerlich ausgedrückt, durch die sich verändernden Wolken der Luft, das heißt, in der äußeren Gestalt der Luft würde sich ausgedrückt haben, was die nicht resignierenden Cherubim mit der Opfersubstanz gemacht hätten. Nun aber haben sie dieselbe zurückgewiesen und sind dadurch allerdings aus der Sterblichkeit in die Unsterblichkeit, aus der Vergänglichkeit in die Dauer übergegangen. Aber die Opfersubstanz ist zunächst da, sie ist sozusagen entlassen aus den Kräften, die sie sonst aufgenommen hätten, und braucht jetzt nicht zu folgen den Antrieben, den Impulsen der Cherubim, denn diese haben sie entlassen, haben sie zurückgewiesen. Was geschieht nun mit dieser Opfersubstanz? — Es geschieht das, daß andere Wesen sich ihrer bemächtigen, die dadurch, daß sie jetzt diese Opfersubstanz nicht in den Cherubim haben, von den Cherubim unabhängig werden, selbständige Wesen werden, die neben den Cherubim da sind, während sie sonst dirigiert würden von den Cherubim, wenn diese die Opfersubstanz aufgenommen hätten. Darauf beruht die Möglichkeit, daß das Gegenteil von Resignation eintritt: daß Wesenheiten die ausgeflossene Opfersubstanz an sich heranziehen und in ihr handeln. Und das sind die Wesenheiten, die zurückbleiben, so daß das Zurückbleiben eine Folge der Resignation der Cherubim ist. Die Cherubim liefern durch das, worauf sie resignieren, den zurückbleibenden Wesenheiten selbst erst die Möglichkeit zum Zurückbleiben. Dadurch, daß ein Opfer abgewiesen wird, können andere Wesenheiten, die nicht resignieren, die den Wünschen und Begierden sich hingeben und ihre Wünsche zum Ausdruck bringen, sich des Gegenstandes des Opfers, der Opfersubstanz, _ bemächtigen und sind damit in der Möglichkeit, als selbständige Wesenheiten neben die anderen Wesen hinzutreten.

[ 19 ] If we consider this, we will at least be able to grasp a question that may be raised. Resignation becomes water; water is, in truth, resignation. We thus arrive at a spiritual concept of a very peculiar kind for what water actually is. But we can raise the question: Is there not a certain difference between the state that would have arisen if the cherubim had not resigned themselves, and the state that has now arisen because they have resigned themselves? Does this difference express itself in any way? — Yes, it does. It is expressed, namely, in the fact that the consequences of that resignation now clearly manifest during the lunar phases. For if this resignation had not occurred—if the renouncing cherubim in question had accepted the sacrifice offered to them—they would have had, so to speak, the sacrificial smoke within their own substance; what they themselves had done would have been expressed in the sacrificial smoke. Let us suppose these cherubim had carried out this or that. Then it would have appeared, expressed outwardly, through the changing clouds in the air; that is, what the non-resigned cherubim would have done with the sacrificial substance would have been expressed in the outer form of the air. Now, however, they have rejected it and have thereby indeed passed from mortality into immortality, from transience into permanence. But the sacrificial substance is there for the time being; it has, so to speak, been released from the forces that would otherwise have absorbed it, and now need not follow the drives, the impulses of the cherubim, for they have released it, have rejected it. What happens now to this sacrificial substance? — What happens is that other beings take possession of it; by no longer having this sacrificial substance within the cherubim, they become independent of the cherubim, becoming autonomous beings that exist alongside the cherubim, whereas otherwise they would be directed by the cherubim if the latter had absorbed the sacrificial substance. This is the basis for the possibility that the opposite of resignation occurs: that beings draw the outflowing sacrificial substance to themselves and act within it. And these are the beings that remain behind, so that remaining behind is a consequence of the cherubim’s resignation. Through what they resign themselves to, the cherubim themselves provide the remaining beings with the very possibility of remaining behind. By rejecting a sacrifice, other entities that do not resign themselves—those who indulge in their desires and express their wishes—can seize the object of the sacrifice, the sacrificial substance, and are thus able to step forward as independent entities alongside the other beings.

[ 20 ] So ist mit dem Hinübergehen der Entwickelung von der Sonne zum Mond, mit dem Unsterblichwerden der Cherubim die Möglichkeit gegeben, daß andere Wesenheiten sich abtrennen in eigener Substantialität von der fortlaufenden Entwickelung der Cherubim, überhaupt von den unsterblichen Wesenheiten. Wir sehen also, indem wir Jetzt den tieferen Grund des Zurückbleibens kennenlernen, daß eigentlich die Urschuld, wenn wir von einer solchen Urschuld sprechen wollen, an diesem Zurückbleiben gar nicht diejenigen haben, welche zurückgeblieben sind. Das ist das Wichtige, daß wir das auffassen. Hätten die Cherubim die Opfer angenommen, so hätten die luziferischen Wesenheiten nicht zurückbleiben können, denn sie hätten keine Gelegenheit gehabt, sich in dieser Substanz zu verkörpern. Damit die Möglichkeit vorhanden war, daß Wesenheiten in dieser Weise selbständig werden, trat vorher der Verzicht ein. Es ist also von der weisen Weltenlenkung so eingerichtet, daß die Götter sich ihre Gegner selbst hervorgerufen haben. Hätten Götter nicht verzichtet, so hätten sich Wesenheiten nicht widersetzen können. Oder wenn wir trivial sprechen wollen, können wir sagen, die Götter hätten gleichsam vorausgesehen: Wenn wir nur so fortschaffen, wie wir es getan haben vom Saturn zur Sonne herüber, so werden niemals freie, aus ihrer Willkür heraus handelnde Wesenheiten entstehen. Es muß, damit solche Wesenheiten entstehen können, die Möglichkeit gegeben sein, daß uns Gegner im Weltenall erstehen, daß wir Widerstände finden in dem, was der Zeit unterworfen ist. Würden wir nur selbst alles anordnen, so würden wir einen solchen Widerstand nicht finden können. Wir könnten es uns sehr leicht machen, dadurch daß wir alles Opfer annähmen, dann würde alleEvolution uns unterworfen sein. Das werden wir aber nicht machen; wir wollen Wesenheiten, die frei von uns sind, die sich widersetzen können. Daher nehmen wir das Opfer nicht an, so daß jene Wesenheiten durch unsere Resignation und dadurch, daß sie das Opfer nehmen, unsere Gegner werden!

[ 20 ] Thus, with the transition of development from the Sun to the Moon, and with the cherubim becoming immortal, the possibility arises for other beings to separate themselves, in their own substantiality, from the ongoing development of the cherubim—and indeed from the immortal beings in general. We see, then, as we now come to understand the deeper reason for this lagging behind, that the original guilt—if we are to speak of such a thing—for this lagging behind does not actually lie with those who have remained behind. It is important that we grasp this. Had the Cherubim accepted the sacrifices, the Luciferic beings could not have remained behind, for they would have had no opportunity to incarnate in this substance. In order for the possibility to exist that beings might become independent in this way, the renunciation took place beforehand. It is thus arranged by the wise guidance of the worlds that the gods have brought forth their opponents themselves. Had the gods not renounced, beings could not have opposed them. Or, to put it simply, we might say that the gods foresaw, as it were: If we continue on just as we have done, from Saturn to the Sun, free beings acting out of their own will will never arise. For such beings to arise, there must be the possibility that opponents will arise for us in the universe, that we will encounter resistance in that which is subject to time. If we were to arrange everything ourselves, we would not be able to find such resistance. We could make things very easy for ourselves by accepting every sacrifice; then all evolution would be subject to us. But we will not do that; we want beings who are free from us, who can resist us. Therefore, we do not accept the sacrifice, so that those beings, through our resignation and by accepting the sacrifice themselves, become our adversaries!

[ 21 ] So sehen wir, daß wir nicht bei den sogenannten bösen Wesenheiten den Grund des Bösen zu suchen haben, sondern bei den sogenannten guten Wesenheiten, die erst durch ihre Resignation bewirkt haben, daß durch die Wesenheiten, welche das Böse in die Welt bringen konnten, das Böse entstanden ist. Nun könnte jemand sehr leicht einwenden - und ich bitte, diesen Gedanken recht genau auf Ihre Seele wirken zu lassen -: Ich habe bisher eine bessere Meinung von den Göttern gehabt! Ich habe bisher die Meinung von den Göttern gehabt, daß sie das, was menschliche Freiheit in Szene setzen sollte, auch bewirken könnten, ohne die Möglichkeit des Bösen zu schaffen. Wie kommt es, daß alle diese guten Götter so etwas wie die menschliche Freiheit nicht ohne das Böse in die Welt bringen konnten? — Ich möchte dabei erinnern an jenen spanischen König, der die Welt so furchtbar kompliziert gefunden hat und der deshalb einmal gesagt hat: wenn Gott es ihm überlassen hätte, die Welt zu schaffen, so würde er sie einfacher gemacht haben. — Der Mensch mag in seiner Schwäche denken, daß die Welt einfacher gemacht werden könnte; aber die Götter wissen es besser, und sie haben es daher dem Menschen nicht überlassen, die Welt zu schaffen.

[ 21 ] Thus we see that we must not seek the root of evil in the so-called evil beings, but rather in the so-called good beings, whose resignation was what ultimately allowed evil to arise through the beings capable of bringing evil into the world. Now someone might very easily object—and I ask you to let this thought sink in deeply—: I used to have a better opinion of the gods! Until now, I have held the view of the gods that they could bring about what human freedom was meant to bring about without creating the possibility of evil. How is it that all these good gods could not bring something like human freedom into the world without evil? — I would like to recall here that Spanish king who found the world so terribly complicated and who therefore once said: if God had left it to him to create the world, he would have made it simpler. — Man, in his weakness, may think that the world could be made simpler; but the gods know better, and they have therefore not left it to man to create the world.

[ 22 ] Wir könnten vom Gesichtspunkt der Erkenntniswissenschaft aus diese Verhältnisse auch noch genauer charakterisieren. Nehmen wir an, es sollte irgend etwas gestützt werden, und man sagt jemandem, das könnte man so stützen, daß man eine Säule aufrichtet und die Sache daraufrichtet. Da könnte der Betreffende dann sagen: Eigentlich müßte es auch anders zu machen sein! — Ja, warum sollte es nicht auch anders zu machen sein? Oder es könnte jemand sagen, wenn man bei einem Bau ein Dreieck braucht: Warum sollte dieses Dreieck nur drei Ecken haben? Ein Gott könnte vielleicht ein Dreieck so machen, daß es nicht drei Ecken habe! - Aber so viel Sinn es hat, daß ein Dreieck nicht drei Ecken haben soll, so viel Sinn hätte es, daß die Götter die Freiheit hätten schaffen sollen ohne die Möglichkeit des Bösen und des Leides. Wie zum Dreieck drei Ecken gehören, so gehört zur Freiheit die Möglichkeit des Bösen durch die Resignation geistiger Wesenheiten. Das alles gehört zur Resignation der Götter, die dadurch die Evolution geschaffen haben aus dem Unsterblichen heraus, nachdem sie durch den Verzicht auf das Opfer den Grad der Unsterblichkeit genommen hatten, um das Böse wieder zurückzuführen zum Guten. Die Götter haben nicht vermieden das Böse, was allein die Möglichkeit der Freiheit geben konnte. Hätten die Götter das Böse vermieden, so wäre die Welt arm, wäre nicht mannigfaltig. Die Götter mußten das Böse um der Freiheit willen in die Welt kommen lassen, und sie mußten dafür für sich die Macht erringen, das Böse wieder in das Gute zurückzuführen. Diese Macht ist etwas, was als Wirkung nur aus dem Verzicht, aus der Resignation kommen kann.

[ 22 ] From the perspective of the science of knowledge, we could characterize these relationships even more precisely. Let us suppose that something needs to be supported, and someone is told that it could be supported by erecting a pillar and placing the object on top of it. The person in question might then say: Actually, there must be another way to do it! — Yes, why shouldn’t there be another way to do it? Or someone might say, if a triangle is needed in a construction: Why should this triangle have only three corners? A god might perhaps make a triangle so that it does not have three corners! — But just as much sense as it makes that a triangle should not have three corners, just as much sense would it make that the gods should have created freedom without the possibility of evil and suffering. Just as three corners belong to a triangle, so the possibility of evil belongs to freedom through the resignation of spiritual beings. All of this belongs to the resignation of the gods, who thereby created evolution out of the immortal, after they had, by renouncing the sacrifice, relinquished the degree of immortality in order to lead evil back to good. The gods did not avoid evil, which alone could provide the possibility of freedom. Had the gods avoided evil, the world would be poor, it would not be manifold. The gods had to allow evil to enter the world for the sake of freedom, and to do so, they had to secure for themselves the power to lead evil back to good. This power is something that, as an effect, can arise only from renunciation, from resignation.

[ 23 ] Religionen sind immer dazu da, um sozusagen in Bildern, in Imaginationen auf die großen Weltengeheimnisse hinzuweisen. Wir haben heute auf uralte Entwickelungsphasen hingewiesen, und indem wir dem Begriff des Opfers und der schenkenden Tugend hinzufügten den Begriff der Resignation, haben wir dadurch wieder einen Schritt in das Wahrhaftige gegenüber der Maja und Illusion hinein gemacht. Solche Bilder und Begriffe wurden den Menschen auch in den Religionen gegeben. Und es gibt etwas innerhalb der biblischen Religion, wodurch sich der Mensch aneignen kann den Begriff des Opfers und der Resignation, des Zurückweisens des Opfers. Das ist die Erzählung von dem opfernden Abraham, der seinen eigenen Sohn dem Gotte darbringen soll, und von dem Verzicht dieses Gottes auf das Opfer des Patriarchen. Wenn wir diesen Begriff des Verzichtes in unsere Seele aufnehmen, dann können solche Anschauungen in uns hineinkommen, wie wir sie schon geäußert haben. Einmal habe ich gesagt: Nehmen wir an, das Opfer des Abraham wäre angenommen und Isaak geopfert worden. Da von ihm das ganze althebräische Volk abstammt, so hätte der Gott durch die Annahme des Opfers dieses ganze Volk von der Erde genommen. Alles, was von Abraham abstammte, schenkte der Gott durch den Verzicht einer Sphäre, die außerhalb seiner ist, entzog es damit seinem Wirkungskreise. Hätte er das Opfer angenommen, so hätte er damit die ganze Sphäre, die sich innerhalb des althebräischen Volkes abspielte, in sich aufgenommen, denn der geopferte Isaak wäre dann bei Gott gewesen. So aber hat er darauf verzichtet und damit diese ganze Evolutionslinie der Erde überlassen. — Alle Begriffe der Resignation, des Opfers, können uns aufgehen bei dem bedeutungsvollen Bilde der Opferung des alten Patriarchen.

[ 23 ] Religions are always there to point, so to speak, through images and imaginings, to the great mysteries of the world. Today we have referred to ancient phases of development, and by adding the concept of resignation to the concepts of sacrifice and the virtue of giving, we have thereby taken another step toward truth in the face of Maya and illusion. Such images and concepts were also given to humanity through religions. And there is something within the biblical religion through which human beings can appropriate the concept of sacrifice and resignation, of the rejection of the sacrifice. This is the story of Abraham offering his own son to God, and of God’s renunciation of the patriarch’s sacrifice. If we take this concept of renunciation into our souls, then such views can enter into us, as we have already expressed them. Once I said: Let us suppose that Abraham’s sacrifice had been accepted and Isaac sacrificed. Since the entire ancient Hebrew people descends from him, God would have removed this entire people from the earth by accepting the sacrifice. Everything that descended from Abraham, God, through the renunciation of a sphere outside of Himself, thereby withdrew it from His sphere of influence. Had He accepted the sacrifice, He would thereby have taken into Himself the entire sphere that unfolded within the ancient Hebrew people, for the sacrificed Isaac would then have been with God. But instead, He renounced it and thereby left this entire line of evolution to the Earth. — All concepts of resignation and sacrifice can be understood through the meaningful image of the ancient patriarch’s sacrifice.

[ 24 ] Aber noch an einer anderen Stelle unserer irdischen Geschichte können wir dieses Resignieren höherer Wesenheiten finden, und auch da dürfen wir wieder hinweisen auf etwas, worauf wir schon das letzte Mal hingewiesen haben: auf das Bild von Leonardo da Vinci, auf das «Abendmahl». Stellt es doch die Szene vor, wo wir gleichsam den Sinn der Erde vor uns haben, den Christus. Erinnern wir uns, indem wir den ganzen Sinn des Bildes durchdringen wollen, an jene Worte, die wir auch im Evangelium finden: «Könnte ich nicht ein ganzes Heer von Engeln herbeirufen, wenn ich entgehen wollte dem Opfertode?» Was in diesem Moment der Christus annehmen könnte, was ihm selbstverständlich eine leichte Möglichkeit wäre, das wird in Resignation, in Verzicht zurückgewiesen. Und der größte Verzicht des Christus Jesus tritt uns da entgegen, wo er durch seinen Verzicht den Gegner selber in seine Sphäre kommen läßt: den Judas. Wenn wir in dem Christus Jesus dasjenige sehen, was wir in ihm sehen können, so müssen wir in ihm ein Abbild derjenigen Wesenheiten sehen, die wir jetzt eben auf einer gewissen Entwickelungsstufe kennengelernt haben, derjenigen, die auf das Opfer verzichten mußten, derjenigen, deren Natur Resignation ist. Der Christus resigniert auf das, was geschehen würde, wenn er nicht den Judas als seinen Gegner auftreten lassen würde, wie die Götter einst während der Sonnenzeit selber durch Resignation ihre Gegner hervorgerufen haben. So sehen wir diesen Vorgang wiederholt im Bilde auf der Erde: der Christus in der Mitte unter den Zwölfen, mit Judas, der dasteht als der Verräter so, wie die Gegner der kosmischen Mächte auftraten. Damit das in die Entwickelung eintreten kann, was der Menschheit unendlich wert ist, muß sich der Christus selbst seinem Gegner entgegenstellen. Weil wir an einen so gewaltigen kosmischen Augenblick erinnert werden beim Anblick des Abendmahles, wenn wir uns die Worte vorhalten: «Wer mit mir den Bissen in die Schüssel tauchen wird, der wird mich verraten», weil wir da im irdischen Abbilde sehen den Gegner. der Götter selbst den Göttern gegenübergestellt, deshalb macht dieses Bild einen so gewaltigen Eindruck. Deshalb durfte ich oft sagen: Alles, was ein Marsbewohner sehen würde, wenn er heruntersteigen könnte auf die Erde, würde er vielleicht mehr oder weniger interessant finden, wenn er es auch nicht recht verstehen würde. Beim Anblick aber jenes Bildes von Leonardo da Vinci würde er aus einer Stelle des Kosmischen, die mit dem Mars ebenso zusammenhängt wie mit der Erde, mit der das ganze Sonnensystem zusammenhängt, etwas kennenlernen, woraus er den Sinn der Erde erkennen würde. Was da im irdischen Bilde abgebildet ist, das hat für den ganzen Kosmos eine Bedeutung: das Sich-Entgegenstellen gewisser Mächte den unsterblichen göttlichen Mächten. Und indem inmitten seiner Apostel der Christus erscheint, der auf der Erde den Tod überwindet, also den Triumph der Unsterblichkeit zeigt, muß auf jenen bedeutungsvollen universellen Moment hingewiesen werden, der da eintrat, als sich überhaupt Götter absonderten vom zeitlichen Sein und den Sieg über die Zeit errangen, das heißt, unsterblich wurden. Das kann unser Herz fühlen, wenn wir das «Abendmahl» von Leonardo da Vinci anschauen.

[ 24 ] But there is another point in our earthly history where we can find this resignation on the part of higher beings, and here too we may again point to something we already mentioned last time: Leonardo da Vinci’s painting, *The Last Supper*. For it depicts the scene where we have, as it were, the very meaning of the Earth before us: Christ. As we seek to penetrate the full meaning of the painting, let us recall those words we also find in the Gospel: “Could I not call upon a whole host of angels if I wished to escape this sacrificial death?” What Christ could accept at that moment—what would naturally be an easy option for him—is rejected in resignation, in renunciation. And the greatest renunciation of Christ Jesus confronts us there where, through his renunciation, he allows the adversary himself to enter his sphere: Judas. If we see in Christ Jesus what we can see in him, then we must see in him a reflection of those beings we have just come to know at a certain stage of development—those who had to renounce sacrifice, those whose nature is resignation. Christ resigns himself to what would happen if he did not allow Judas to appear as his adversary, just as the gods themselves once, during the Sun Age, brought forth their adversaries through resignation. Thus we see this process repeated in the image on Earth: Christ in the midst of the Twelve, with Judas standing there as the betrayer, just as the adversaries of the cosmic powers appeared. In order for that which is of infinite value to humanity to enter into evolution, Christ himself must confront his adversary. For we are reminded of such a momentous cosmic moment at the sight of the Last Supper, when we recall the words: “He who dips his hand with me into the dish will betray me,” because we see in the earthly image the adversary of the gods himself set against the gods, this is why this image makes such a powerful impression. That is why I have often said: Everything a Martian would see if he could descend to Earth, he might find more or less interesting, even if he did not quite understand it. But upon seeing that painting by Leonardo da Vinci, he would come to know, from a point in the cosmos that is connected to Mars just as much as to Earth—and to which the entire solar system is connected—something from which he would recognize the meaning of Earth. What is depicted in that earthly image has significance for the entire cosmos: the opposition of certain powers to the immortal divine powers. And as Christ appears amidst his apostles, overcoming death on Earth—thus demonstrating the triumph of immortality—we must point to that momentous universal moment that occurred when the gods separated themselves from temporal existence and achieved victory over time, that is, became immortal. Our hearts can feel this when we look at Leonardo da Vinci’s “The Last Supper.”

[ 25 ] Sagen Sie nicht, daß der, welcher mit einem naiven Gemüte das «Abendmahl» anschaut, dies alles doch nicht weiß, was wir heute gesagt haben. Er braucht es nicht zu wissen. Denn darin besteht das geheimnisvoll Tiefe der Menschenseele, daß man gar nicht mit dem Verstande zu wissen braucht, was die Menschenseele fühlt. Weiß die Blume die Gesetze, nach denen sie wächst? Nein, aber sie wächst darum doch. Was braucht die Blume die Gesetze, was die Menschenseele einen Verstand, um zu fühlen das ganz unermeßlich Große, das vorhanden ist, wenn vor dem Auge sich ausbreitet ein Gott und sein Gegner, wenn das Höchste, das ausgedrückt werden kann, der Gegensatz von Unsterblichem und Vergänglichem, vor uns steht? Das braucht man nicht zu wissen, das geht mit magischer Kraft in die Seele über, wenn der Mensch vor diesem Bilde steht, das als Spiegel des Weltensinnes uns da hingemalt ist. Und der Künstler brauchte auch nicht in demselben Sinne ein Okkultist zu sein, um es hinzumalen. Aber in der Seele des Leonardo da Vinci waren die Kräfte, die gerade dieses Höchste, Bedeutungsvollste zum Ausdruck bringen konnten. Deshalb wirken die großen Kunstwerke so ungeheuer, weil sie tief verbunden sind mit dem Sinn der Weltenordnung. In früheren Zeiten waren die Künstler verbunden mit dem Sinn der Weltenordnung in dumpfem Bewußtsein, ohne daß sie es wußten. Aber die Kunst würde ersterben, würde keine Fortsetzung erhalten, wenn nicht in Zukunft die Geisteswissenschaft als Wissen von diesen Dingen der Kunst eine neue Grundlage gäbe.

[ 25 ] Do not say that the person who views the “Eucharist” with a naive heart does not know all that we have said today. He does not need to know it. For the mysterious depth of the human soul lies in the fact that one need not know with the intellect what the human soul feels. Does the flower know the laws by which it grows? No, but it grows nonetheless. What need has the flower for laws, what need has the human soul for reason, to feel the utterly immeasurable greatness that exists when a God and his adversary spread out before the eye, when the highest that can be expressed—the contrast between the immortal and the transitory—stands before us? One need not know this; it passes into the soul with magical power when a person stands before this image, which is painted there for us as a mirror of the meaning of the world. And the artist did not need to be an occultist in the same sense to paint it. But in the soul of Leonardo da Vinci were the powers that could express precisely this highest, most significant reality. That is why great works of art have such a tremendous effect: because they are deeply connected to the meaning of the world order. In earlier times, artists were connected to the meaning of the world order in a dim consciousness, without their knowing it. But art would die out, would find no continuation, if spiritual science did not provide a new foundation for these matters of art in the future.

[ 26 ] Die unterbewußte Kunst hat ihre Vergangenheit und mit ihrer Vergangenheit ein Ende erreicht. Die Kunst, welche sich von der Geisteswissenschaft inspirieren läßt, steht im Beginn, im Anfang der Entwicke lung. Das ist die Kunst der Zukunft. So wahr es ist, daß der alte “ Künstler nicht zu wissen brauchte, was den Kunstwerken zugrunde liegt, so wahr ist es, daß es der zukünftige Künstler wissen muß, aber mit jenen Kräften, die wieder eine Art des Unendlichen darstellen, die wieder etwas aus dem Vollinhaltlichen der Seele darstellen. Denn der hat nicht die Geisteswissenschaft, der sie wieder zu einer Verstandeswissenschaft macht, der sie in Schemen und Paradigmen ausdrückt, sondern der hat sie, der bei jedem Begriff, den wir entwickeln - Opfer, schenkende Tugend, Resignation —, der bei jedem Worte etwas empfinden kann, was das Wort, was die Idee selbst zersprengen will, was höchstens in die Vieldeutigkeit der Bilder ausfließen kann.

[ 26 ] Subconscious art has its past, and with its past it has reached an end. Art that draws inspiration from spiritual science is in its infancy, at the very beginning of its development. This is the art of the future. Just as it is true that the old “artist” did not need to know what underlies works of art, so it is true that the artist of the future must know, but with those forces that once again represent a kind of the infinite, that once again represent something from the full content of the soul. For spiritual science does not belong to the one who turns it back into a science of the intellect, who expresses it in schemes and paradigms, but rather to the one who, with every concept we develop —sacrifice, the virtue of giving, resignation—who, with every word, can sense something that seeks to shatter the word, the idea itself, something that can at most flow into the ambiguity of images.

[ 27 ] Schemen wird man hinstellen können, wenn man glaubt, die Entwickelung der Welt vollziehe sich in abstrakten Begriffen. Es geht schon nicht mehr gut mit Schemen, wenn man lebendige Begriffe, wie Opferung, schenkende Tugend und Resignation hinstellen will. Die drei Logoi lassen sich in Schemen noch hinstellen, wo man sich unter Logoi nicht viel mehr denkt als die fünf Buchstaben. Wenn wir die Begriffe Opfer, schenkende Tugend, Resignation vor uns hinstellen wollen, da müssen wir schon solche Bilder vor uns hinmalen, wie wir sie die letzten Male beschrieben haben: die opfernden Throne, die ihr Opfer hinaufsenden zu den Cherubim, der sich verbreitende Opferrauch, die das Licht zurückwerfenden Erzengel und so weiter. Und wenn wir das nächste Mal zum Mondendasein übergehen, werden wir sehen, wie das Bild reicher wird, wie tatsächlich etwas wird hinzutreten müssen wie die Verflüssigung der sich stauenden Wolkenmassen, die rieseln als Mondenmassen, und das Dazutreten der zuckenden Blitze der Seraphim. Da müssen wir zu reicheren Vorstellungen übergehen, gegenüber denen man sagen wird: Die Zukunft der Menschheit wird schon die Möglichkeit finden, auch das künstlerische Material, die künstlerischen Mittel herbeizuschaffen, um für die äußere Welt zum Ausdruck zu bringen, was sonst nur in der Akasha-Chronik zu lesen sein kann.

[ 27 ] One can construct schemes if one believes that the development of the world takes place in abstract terms. Schemes no longer work when one wants to introduce living concepts such as sacrifice, the virtue of giving, and resignation. The three Logoi can still be represented by schemes where one thinks of the Logoi as little more than the five letters. If we wish to set before us the concepts of sacrifice, the virtue of giving, and resignation, we must paint before us images such as those we have described in recent sessions: the sacrificing thrones sending their offerings up to the cherubim, the spreading sacrificial smoke, the archangels reflecting the light, and so on. And when we move on to the lunar existence next time, we will see how the image becomes richer, how something will indeed have to be added—such as the liquefaction of the accumulating cloud masses, trickling down as lunar masses, and the addition of the flickering flashes of the Seraphim. There we must move on to richer conceptions, in response to which one will say: The future of humanity will surely find the means to procure the artistic material and artistic resources necessary to express to the outer world what can otherwise only be read in the Akashic Records.