True Aspects of Evolution
GA 132
5 December 1911, Berlin
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True Aspects of Evolution, tr. SOL
Fünfter Vortrag
Fifth Lecture
[ 1 ] So haben wir uns denn in einer Reihe von Betrachtungen vor die Seele geführt, wie hinter alledem, was wir die Maja oder die große Illusion nennen, das Geistige steht. Wir wollen noch einmal uns die Frage stellen: In welcher Art hat sich uns denn gezeigt, daß hinter allem, was wir zunächst für unsere Sinne und für unsere sonstige an unseren Leib gebundene Weltenauffassung um uns herum haben, das Geistige zunächst von uns erkannt worden ist?
[ 1 ] Thus, through a series of reflections, we have come to realize how the spiritual lies behind all that we call Maya, or the great illusion. Let us ask ourselves once more: In what way has it become apparent to us that, behind everything we initially perceive through our senses and through our otherwise physically bound conception of the world around us, the spiritual has first been recognized by us?
[ 2 ] Wir haben es dadurch charakterisiert, dieses Geistige, daß wir im Laufe der letzten Betrachtungen genötigt waren, gleichsam vor unserem Blick hinwegzuschaffen die nächsten äußeren Welterscheinungen und durchzudringen bis zu solchen Eigenschaften des Wirklichen, wie die waren, die wir bezeichneten als Opferwilligkeit, schenkende Tugend, Resignation oder Verzicht, also lauter Eigenschaften, die wir nur kennenlernen können, wenn wir in unsere eigene Seele blicken, die wir sinnvoll zunächst nur unserer eigenen Seele beilegen können. Wenn wir nun demjenigen, was wir als das Wirkliche, wir könnten auch sagen, als das Wahrhaftige hinter der Welt der Illusion zu denken haben, in seiner Wahrheit solche Eigenschaften beilegen müssen, wie die eben genannten, so müssen wir sagen: In dieser Welt des wahrhaftigen Daseins, in dieser Welt des Wirklichen lebt dasjenige, was wir seinen Eigenschaften nach im Grunde genommen nur vergleichen können mit Eigenschaften, die wir zunächst in unserer eigenen Seele wahrnehmen. Wenn wir zum Beispiel das, was sich äußerlich ausdrückt im Scheine der Wärme, zu charakterisieren haben in bezug auf seine Wahrheit als Opferdienst, als strömendes Opfer in der Welt, so heißt das eben, daß wir das Element der Wärme zurückgeführt haben auf ein Spirituelles, auf ein Geistiges, gleichsam also hinweggeschafft haben, was der äußere Schleier des Daseins ist, und das aufgezeigt haben, was in der Außenwelt gleich ist demjenigen, was wir als unser eigenes Spirituelles erkennen.
[ 2 ] We have characterized this spiritual aspect by the fact that, in the course of our recent reflections, we were compelled, as it were, to set aside the immediate external phenomena of the world and to penetrate to those qualities of reality which we have described as a willingness to sacrifice, the virtue of giving, resignation, or renunciation—in short, qualities that we can only come to know by looking into our own souls, qualities that we can meaningfully ascribe, at first, only to our own souls. If we must now ascribe to that which we conceive of as the real—or, we might also say, as the true—behind the world of illusion, qualities such as those just mentioned, then we must say: In this world of true existence, in this world of the real, there lives that which, in terms of its qualities, we can essentially compare only to qualities that we first perceive in our own soul. If, for example, we are to characterize that which expresses itself outwardly in the form of warmth, in terms of its truth as a sacrificial service, as a flowing sacrifice in the world, this means precisely that we have traced the element of warmth back to something spiritual, to something of the spirit; we have, as it were, removed the outer veil of existence and revealed what in the external world corresponds to that which we recognize as our own spiritual nature.
[ 3 ] Bevor wir nun in den Betrachtungen weitergehen, ist uns eine andere Idee notwendig. Das ist die: Verfliegt denn nun wirklich alles, was wir innerhalb der Welt der Maja oder der großen Illusion haben, in eine Art von Nichtigkeit? Ist wirklich in all dieser uns umgebenden Sinnenwelt und der Welt unserer äußeren Auffassung gar nichts, was sich sozusagen darstellt als das Wahrhaftige oder als ein Wahrhaftiges?
[ 3 ] Before we proceed with our reflections, we need to consider another idea. Namely: Does everything we have within the world of Maya, or the great illusion, truly vanish into a kind of nothingness? Is there truly nothing in this entire sensory world surrounding us and in the world of our external perception that presents itself, so to speak, as the true or as something true?
[ 4 ] Es wäre ja gewiß ein guter Vergleich, wenn man sagen würde: die Welt der Wahrheit, die Welt der Wirklichkeit sei zunächst verborgen, wie die inneren Kräfte eines Teiches oder selbst des Ozeans in der Wassermasse verborgen sind; und die Welt der Maja könnten wir vergleichen mit dem Wellenkräuselspiel, das sich an der Oberfläche abspielt. Der Vergleich wäre gut, aber er zeigt uns gerade, daß doch etwas herauffließt von dem, was unten im Ozean ist und was das Wellenkräuselspiel oben bewirkt, das Substantielle des Wassers und auch eine gewisse Konfiguration der Kräfte. So ist es gleichgültig, ob wir diesen oder einen anderen Vergleich wählen. Wir können wohl die Frage aufwerfen: Gibt es nicht auch im weiten Reiche unserer Maja oder Illusion etwas, was «wirklich» ist?
[ 4 ] It would certainly be a good comparison to say that the world of truth, the world of reality, is initially hidden, just as the inner forces of a pond or even the ocean are hidden within the mass of water; and we could compare the world of Maya to the play of ripples that takes place on the surface. The comparison would be apt, but it shows us precisely that something does rise up from what lies below in the ocean and causes the play of ripples above—the substance of the water and also a certain configuration of forces. Thus, it makes no difference whether we choose this or another comparison. We may well raise the question: Is there not also, within the vast realm of our Maya or illusion, something that is “real”?
[ 5 ] Wir wollen es heute ebenso machen, wie wir es bei den letzten Betrachtungen gemacht haben. Wir werden uns dem, was wir uns vor die Seele führen wollen, langsam nähern, indem wir ausgehen von inneren Erlebnissen unserer Seele. Und zwar, weil wir uns durch das Saturn-, Sonnen- und Mondendasein spirituell vorwärtsbewegt haben und jetzt zum Erdendasein heranrücken, wollen wir von noch naheliegenderen, man möchte sagen, gewöhnlicheren Seelenerlebnissen ausgehen, als wir es das letzte Mal taten. Das letzte Mal gingen wir aus von den verborgenen Tiefen des Seelenlebens, von dem, was heraufragt aus dem, was wir in der Geisteswissenschaft kennengelernt haben als unseren astralischen Leib. Da haben wir heraufragen gefühlt die Sehnsucht, und wir haben gesehen, wie die Sehnsucht arbeitet in den Wesen — zunächst für uns also in dem Menschen -, und wie sie es ist, die eigentlich das Seelenleben dahin führt, Befriedigung nur in dem Entgegenkommen jener Bilderwelt zu finden, die wir als die innere Bewegung dieses Seelenlebens haben auffassen können. Und dadurch haben wir den Weg gefunden von der mikrokosmischen einzelnen Seele bis zu jenem makrokosmischen Weltenschaffen, das wir zugeschrieben haben den Geistern der Bewegung.
[ 5 ] Today we will proceed in the same way as we did in our previous reflections. We will slowly approach what we wish to bring before our souls by starting from inner experiences of our soul. And because we have moved forward spiritually through the Saturn, Sun, and Moon phases of existence and are now approaching the Earth phase, we want to start from even more immediate—one might say, more ordinary—soul experiences than we did last time. Last time we started from the hidden depths of the soul life, from what rises up from what we have come to know in spiritual science as our astral body. There we sensed the longing rising up, and we saw how longing works within beings—for us, initially, in the human being—and how it is this very longing that actually leads the soul life to find satisfaction only in the response of that world of images which we have been able to perceive as the inner movement of this soul life. And through this we have found the path from the microcosmic individual soul to that macrocosmic world-creation which we have attributed to the spirits of movement.
[ 6 ] Heute wollen wir von einem noch näherliegenden Erlebnis der Seele ausgehen, und zwar von einem Erlebnis, auf das schon aufmerksam gemacht worden ist im alten Griechenland, das aber in seiner Wahrheit noch heute ein tief bedeutsames ist, und das angedeutet wird durch die Worte: Alle Philosophie, also alles Streben nach einem gewissen menschlichen Wissen gehe aus von dem Staunen. — Das ist in der Tat richtig. Wer nur ein wenig reflektiert und achtgibt auf den ganzen Vorgang im Erleben seiner Seele, wie er sich nähert irgendeinem Wissen, der wird schon an sich selbst erfahren können, daß ein gesunder Weg zum Wissen immer seinen Ausgangspunkt findet von dem Staunen, von der Verwunderung über irgend etwas. Dieses Staunen, diese Verwunderung, von der jeder Wissensprozeß auszugehen hat, gehört geradezu zu jenen seelischen Erlebnissen, die wir bezeichnen müssen als diejenigen, welche in alles Nüchterne Hoheit und Leben hineinbringen. Denn, was wäre irgendein Wissen, das in unserer Seele Platz greift, das nicht ausginge von dem Staunen? Es wäre wahrhaftig ein Wissen, das ganz eingetaucht sein müßte in Nüchternheit, in Pedanterie. Allein jener Prozeß, der sich abspielt in der Seele, der von der Verwunderung hinführt zu der Beseligung, die wir empfangen von den gelösten Rätseln, und der sich zuerst über der Verwunderung erhoben hat, macht das Hoheitsvolle und das innerlich Lebendige des Wissensprozesses aus. Man sollte eigentlich fühlen das Trockene und Vertrocknende eines Wissens, das nicht von diesen beiden Gemütsbewegungen sozusagen eingesäumt ist. Eingerahmt von Staunen und von Beseligung über das gelöste Rätsel ist das wahre, das gesunde Wissen. Alles andere Wissen kann von außen angeeignet sein, kann von dem Menschen aus diesem oder jenem Grund herangebracht sein. Aber ein Wissen, das nicht eingerahmt ist von diesen beiden Gemütsbewegungen, ist nicht wirklich im Ernste aus der Menschenseele entsprungen. Alles Aroma des Wissens, das die Atmosphäre des Lebendigen im Wissen bildet, geht aus von diesen zwei Dingen, von Staunen und Beseligung über das erfüllte Staunen.
[ 6 ] Today we wish to begin with an even more immediate experience of the soul—an experience that was already noted in ancient Greece, but which remains profoundly significant in its truth even today, and which is suggested by the words: “All philosophy, that is, every striving for a certain kind of human knowledge, begins with wonder.” — That is indeed true. Anyone who reflects even a little and pays attention to the entire process in the experience of their soul as it approaches any kind of knowledge will be able to experience for themselves that a healthy path to knowledge always finds its starting point in wonder, in amazement at something. This wonder, this amazement, from which every process of knowledge must proceed, belongs precisely to those soul experiences that we must describe as those which bring majesty and life into everything sober. For what would any knowledge be that takes root in our soul if it did not spring from wonder? It would truly be a form of knowledge that would have to be entirely steeped in sobriety, in pedantry. It is precisely that process taking place in the soul—which leads from wonder to the delight we derive from solved riddles, and which first rose above wonder—that constitutes the majesty and inner vitality of the process of knowledge. One should actually sense the dryness and withering quality of a knowledge that is not, so to speak, bordered by these two emotions. Framed by wonder and by the joy of the solved riddle is true, healthy knowledge. All other knowledge may be acquired from the outside, may be brought to the person for this or that reason. But knowledge that is not framed by these two emotions has not truly sprung from the human soul in earnest. All the flavor of knowledge, which creates the atmosphere of life within knowledge, emanates from these two things: wonder and the joy of having the wonder fulfilled.
[ 7 ] Was für einen Ursprung hat aber das Staunen selbst? Warum tritt Staunen — also Verwunderung über irgendein Äußeres — in unserer Seele auf? Es tritt Staunen, Verwunderung aus dem Grunde auf, weil wir uns zunächst irgendeinem Wesen oder einem Ding oder einer Tatsache gegenüber, die vor uns auftritt, fremd angemutet fühlen. Die Fremdheit ist das erste Element, das zur Verwunderung, zum Staunen führt. Aber nicht allem Fremden gegenüber empfinden wir das Staunen, die Verwunderung, sondern nur einem solchen Fremden gegenüber, mit dem wir uns doch in einer gewissen Weise verwandt fühlen, so verwandt fühlen, daß wir uns sagen: Es ist etwas in dem Ding oder Wesen, das jetzt noch nicht in mir ist, das aber in mich übergehen kann. — Also zugleich verwandt und fremd fühlen wir uns einer Sache gegenüber, die wir durch Verwunderung, durch ein Staunen zunächst erfassen.
[ 7 ] But what is the origin of wonder itself? Why does wonder—that is, amazement at some external phenomenon—arise in our soul? Wonder arises because we initially feel that some being, thing, or fact that appears before us is foreign to us. This strangeness is the first element that leads to wonder, to amazement. But we do not feel wonder or amazement in the face of everything that is strange, but only in the face of that which is strange yet with which we feel a certain kinship—so much so that we say to ourselves: There is something in this thing or being that is not yet within me, but which can pass into me. — Thus, we feel both a kinship with and a sense of strangeness toward a thing that we initially grasp through wonder and amazement.
[ 8 ] Mit dem Worte «Verwunderung» hängt dann auch das Wort «Wunder» zusammen, das wir einem Ereignis beilegen, zu dem der Mensch zunächst in seiner Erkenntnis keine verwandtschaftliche Beziehung finden kann. Aber das kann ja nur an ihm liegen, oder braucht wenigstens nur an ihm zu liegen. Und er würde sich gar nicht selbst in ablehnender Weise zu dem verhalten, was er als «Wunder» bezeichnet, wenn er nicht in einer gewissen Weise doch Anspruch darauf machen würde, daß es sich ihm erschließt, also in einer gewissen Weise doch verwandt mit ihm sein sollte. Denn warum leugnen die Menschen, die von materlalistischen oder rein verstandesmäßigen Begriffen ausgehen, zum Beispiel dasjenige, was andere anerkennen als Wunder, wenn sie nicht direkte Beweise dafür haben, daß eine Lüge, eine Unwahrheit vorliegt? Das müssen heute selbst schon Philosophen zugeben, daß man aus den Erscheinungen der Welt, welche dem Menschen vorliegen, niemals beweisen könne, daß zum Beispiel der in dem Jesus von Nazareth inkarnierte Christus nicht auferstanden sei. Man kann Gründe dagegen anführen. Aber wie sind diese Gründe? Sie sind logisch nicht haltbar! Das geben heute schon aufgeklärte Philosophen zu. Denn die Gründe, welche von materialistischer Seite beigebracht werden, zum Beispiel daß alle Menschen, welche diese Leute bisher gesehen haben, zunächst nicht so auferstehen wie der Christus, diese Gründe stehen logisch auf derselben Höhe wie der, daß jemand, der bisher nur Fische gesehen hat, aus der Beschaffenheit der Fische nun nachweisen wollte, daß es keine Vögel gibt. Man kann nie aus der einen Klasse von Wesenheiten in logisch berechtigter Weise ableiten, daß andere Wesen nicht existieren. Ebensowenig kann man aus den Erfahrungen, welche man über die Menschen des physischen Planes machen kann, etwas ableiten — was als Wunder zunächst bezeichnet wird — über die Ereignisse von Golgatha. Wenn Sie aber einem Menschen etwas mitteilen, was er als Wunder bezeichnen müßte, wenn die Sache auch wahr wäre, und er sagt: Ich kann sie nicht verstehen - so widerspricht er damit nicht dem, was wir über den Begriff der Verwunderung gesagt haben; denn er zeigt in seinem Verhalten ganz klar, daß dieser Ausgangspunkt alles Wissens für ihn auch begründet ist. Er verlangt nämlich, daß das, was ihm mitgeteilt wird, ein ihm Verwandtes habe. Er will, daß es in einer gewissen Weise sein Eigentum werden kann im Geistigen, und da er glaubt, daß er das nicht haben könne, daß es nicht mit ihm verwandt ist, so lehnt er es ab. Selbst wenn wir bis an die Grenze, bis zum Wunderbegriff selbst herangehen, würden wir sehen, daß Verwundern oder Erstaunen, von dem schon im Sinne des alten Griechentums alle Philosophie ausgegangen ist, darauf beruht, daß sich der Mensch gegenüber befindet einem Fremden, es aber doch als ein Verwandtes anerkennen muß. Versuchen wir nun eine Verbindungsbrücke zu schaffen zwischen diesen Begriffen und dem, was wir das letzte Mal vor unsere Seele geführt haben.
[ 8 ] The word “wonder” is also connected to the word “miracle,” which we apply to an event to which human understanding initially finds no apparent connection. But that can only be his own fault, or at least need only be his own fault. And he would not react with rejection toward what he calls a “miracle” if he did not, in a certain sense, still claim that it should reveal itself to him—that is, that it should, in a certain sense, be related to him. For why do people who proceed from materialistic or purely rational concepts deny, for example, what others recognize as a miracle, if they have no direct proof that a lie or untruth exists? Even philosophers today must admit that one can never prove, from the phenomena of the world that are before human beings, that, for example, the Christ incarnated in Jesus of Nazareth did not rise from the dead. One can cite reasons against it. But what are these reasons? They are logically untenable! Even enlightened philosophers admit this today. For the reasons put forward by the materialist side—for example, that all the people these people have seen so far do not initially rise from the dead like Christ—these reasons stand on the same logical level as someone who, having seen only fish so far, now wants to prove from the nature of fish that there are no birds. One can never logically deduce from one class of beings that other beings do not exist. Nor can one deduce anything—from the experiences one can have with human beings on the physical plane—regarding the events of Golgotha, which are initially described as miracles. But if you tell a person something that they would have to call a miracle, even if the matter were true, and they say, “I cannot understand it”—they are not thereby contradicting what we have said about the concept of wonder; for they clearly show in their behavior that this starting point of all knowledge is also well-founded for them. For he demands that what is communicated to him have something familiar to him. He wants it to be able to become, in a certain way, his own in the spiritual realm, and since he believes that he cannot have it, that it is not related to him, he rejects it. Even if we were to approach the very limit, the concept of wonder itself, we would see that wonder or astonishment—from which all philosophy has already proceeded in the sense of ancient Greek thought—is based on the fact that the human being finds himself facing something foreign, yet must recognize it as something akin to himself. Let us now attempt to build a bridge between these concepts and what we brought before our souls last time.
[ 9 ] Wir haben das letzte Mal gezeigt, wie ein gewisser Fortschritt in der Evolution dadurch herbeigeführt wird, daß Wesen bereit sind zu opfern, Opfer darzubringen, daß aber diese Opfer verweigert, zurückgewiesen werden, und wir haben in den zurückgewiesenen Opfern eine der Haupttatsachen erkannt, welche während der alten Mondenentwickelung gespielt haben. Es gehört zu dem Wesentlichsten der alten Mondenentwickelung, daß damals von gewissen Wesen an höhere Wesenheiten Opfer dargebracht werden sollten, auf welche diese höheren Wesenheiten verzichteten, so daß also gleichsam der Opferrauch der alten Mondwesen hinaufdrang zu den höheren Wesenheiten, aber von ihnen nicht angenommen wurde und zurückgeleitet wurde als Substanz in die Wesenheiten, welche das Opfer darbringen wollten. Und wir haben gesehen, daß ein großer Teil der Eigentümlichkeit der Wesen des alten Mondes darin bestand, daß sie dasjenige in sich zurückgestoßen fühlen, was sie von sich selbst hinaufsenden wollten zu höheren Wesenheiten als Opfersubstanz. Ja, wir haben gesehen, daß das, was da hinauf wollte zu den höheren Wesenheiten und nicht konnte, eben zurückblieb in den betreffenden Wesenheiten, und sich dadurch in diesen Wesenheiten des zurückgewiesenen Opfers als die Kraft der Sehnsucht herausgebildet hatte. Und wir haben noch immer in alledem, was wir in unserer eigenen Seele als Sehnsucht empfinden, eine Erbschaft jener alten Mondenvorgänge, die darin bestehen, daß Wesen damals ihr Opfer nicht angenommen fanden. Der ganze Charakter der alten Mondenentwickelung, spirituell erfaßt, die ganze geistige Atmosphäre des alten Mondes läßt sich in vieler Beziehung so charakterisieren, daß Wesen auf dem alten Monde sind, die ihre Opfer darbringen wollen, aber finden, daß diese Opfer, weil die höheren Wesenheiten in bezug auf sie resignieren, nicht angenommen werden. Das ist der eigenartige melancholische Grundzug in der alten Mondenatmosphäre: das zurückgewiesene Opfer. Und das zurückgewiesene Opfer des Kain, in dem symbolisch einer der Ausgangspunkte unserer Erdenmenschheitsevolution angedeutet ist, erscheint uns wie eine Art Wiederholung des Grundzuges der alten Mondenentwickelung, der sich da abspielt in der Seele des Kain, der sein Opfer nicht angenommen sieht. Das ist etwas, was uns wie versinnbildlichen kann ein Leid, einen Schmerz, welche die Sehnsucht gebären, wie es bei den Wesen des alten Mondendaseins der Fall war.
[ 9 ] Last time we showed how a certain progress in evolution is brought about by beings being willing to make sacrifices, but that these sacrifices are refused or rejected; and we recognized in these rejected sacrifices one of the key factors that played a role during the ancient lunar evolution. One of the most essential aspects of the ancient lunar evolution is that at that time, certain beings were to offer sacrifices to higher beings, which these higher beings declined, so that, as it were, the sacrificial smoke of the ancient lunar beings rose up to the higher beings but was not accepted by them and was returned as substance to the beings who had intended to make the sacrifice. And we have seen that a large part of the peculiarity of the beings of the ancient Moon consisted in their feeling that which they had sought to send upward from themselves to higher beings as sacrificial substance being repelled within them. Indeed, we have seen that what sought to ascend to the higher beings but could not did in fact remain within the beings in question, and thereby took shape within these beings of the rejected sacrifice as the power of longing. And we still find in all that we experience in our own souls as longing a legacy of those ancient lunar processes, which consist in the fact that beings at that time found their offerings rejected. The entire character of the ancient lunar development, understood spiritually, the entire spiritual atmosphere of the ancient Moon, can in many respects be characterized by the fact that there are beings on the ancient Moon who wish to offer their sacrifices but find that these sacrifices are not accepted because the higher beings have resigned themselves to them. This is the peculiar melancholic underlying feature of the ancient lunar atmosphere: the rejected sacrifice. And the rejected sacrifice of Cain, in which one of the starting points of our earthly human evolution is symbolically indicated, appears to us as a kind of repetition of the fundamental trait of the ancient lunar development, which is playing out there in the soul of Cain, who sees his sacrifice not accepted. This is something that can symbolize for us a suffering, a pain, which gives birth to longing, as was the case with the beings of the ancient lunar existence.
[ 10 ] Wir haben nun das letzte Mal schon gesehen, daß zwischen diesen nicht angenommenen Opfern und zwischen der Sehnsucht, die dadurch in den Wesenheiten entstanden ist, daß das Opfer nicht angenommen worden ist, gewissermaßen ein Ausgleich geschaffen wurde, indem auf dem alten Monde die Geister der Bewegung auftraten. Dadurch wurde wenigstens die Möglichkeit geschaffen, daß die Sehnsucht, die entstanden war bei den Wesen des zurückgewiesenen Opfers, in einer gewissen Art befriedigt werden konnte. Stellen Sie sich das recht lebendig vor: Sie haben höhere Wesenheiten, denen geopfert werden soll, aber die Opfersubstanzen werden zurückgewiesen. Sehnsucht entsteht dadurch in diesen Wesen, welche opfern wollten, und die nun fühlen: Hätte ich mein Opfer jenen höheren Wesen darbringen können, so würde das Beste meines eigenen Wesens bei diesen Wesen leben, ich selber würde in diesen höheren Wesenheiten leben, so aber bin ich ausgeschlossen von diesen Wesenheiten, so stehe ich hier, und diese höheren Wesenheiten stehen dort! — Die Geister der Bewegung aber — wir können das fast wörtlich verstehen - bringen diese Wesenheiten, in denen durch das zurückgewiesene Opfer aufglimmt die Sehnsucht nach den höheren Wesenheiten, in solche Lagen, daß sie sich von den verschiedensten Seiten nähern können den höheren Wesenheiten. So daß das, was in ihnen ruht als nicht darzubringendes Opfer, wenigstens durch die Fülle der Eindrücke, die empfangen werden von den höheren Wesen, welche gleichsam umkreist werden von den Wesen des zurückgewiesenen Opfers, ausgeglichen werden kann; ausgeglichen werden kann dasjenige, was durch das Zurückweisen des Opfers nicht befriedigt wird, indem in den Positionen dieser Wesen zu den höheren Wesenheiten eine Beziehung entsteht, wie sie durch ein dargebrachtes Opfer eingetreten wäre.
[ 10 ] We saw last time that a kind of balance was established between these rejected sacrifices and the longing that arose in the beings as a result of the sacrifice not being accepted, through the appearance of the spirits of movement on the ancient moon. This at least created the possibility that the longing that had arisen in the beings of the rejected sacrifice could be satisfied in a certain way. Imagine this quite vividly: you have higher beings to whom sacrifices are to be made, but the sacrificial substances are rejected. This gives rise to a longing in these beings who wanted to make the sacrifice, and who now feel: If I could have offered my sacrifice to those higher beings, the best of my own being would live within them, I myself would live within these higher beings; but as it is, I am excluded from these beings—I stand here, and these higher beings stand there! — But the spirits of movement—we can understand this almost literally—bring these beings, in whom the longing for the higher beings is kindled by the rejected offering, into such situations that they can approach the higher beings from the most diverse sides. So that what lies dormant within them as an offering that cannot be made may at least be balanced by the abundance of impressions received from the higher beings, who are, as it were, surrounded by the beings of the rejected offering; that which is not satisfied by the rejection of the sacrifice can be balanced by the fact that, in the positions of these beings, a relationship to the higher beings arises, as would have occurred through an offered sacrifice.
[ 11 ] Wir machen uns völlig verständlich, was damit gemeint ist, wenn wir uns denken, symbolisch zusammengefaßt, die höheren Wesenheiten als Sonne, und dann in einer einzigen Position, als einen Planeten, niedrigere Wesenheiten zusammengefaßt. Nehmen wir nun an, die Wesen des niederen Planeten wollten dem höheren Planeten, also der Sonne; ihre Opfer darbringen. Aber die Sonne weist sie zurück, und die Opfersubstanzen müssen bleiben bei den Wesenheiten des nicht angenommenen Opfers, dabei fühlen sich diese Wesen voll von Sehnsucht in ihrer Einsamkeit, in ihrer Abgeschlossenheit. Nun bringen die Geister der Bewegung sie in den Umkreis der höheren Wesenheiten; dadurch ist es ihnen erst möglich, an die Stelle des unmittelbaren Hinauffließens ihrer Opfersubstanz, diese Opfersubstanz selbst in Bewegung zu bringen und sie dadurch in eine Beziehung zu bringen zu den Wesen höherer Art. Es ist das geradezu so, als wenn ein Mensch nicht in der Lage ist, durch eine einmalige große Befriedigung mit seiner Sehnsucht zurechtzukommen und dann eine Reihe Teilbefriedigungen erlebt: so daß also sein ganzes Gemüt in Bewegung kommt, wenn er so eine Reihe Teilbefriedigungen erlebt. Das haben wir das letzte Mal genauer beschrieben. Wir haben gesehen, wie durch die Eindrücke, die nun von außen kommen, weil sich das Wesen nicht innerlich in der Opferung mit den höheren Wesenheiten vereinigt fühlt, ein Ersatz entsteht; das konnte uns zeigen, wie solche Wesen dennoch zu einer gewissen Befriedigung kommen.
[ 11 ] We can fully understand what is meant by this if we think of the higher beings, symbolically speaking, as the sun, and then, in a single position, of the lower beings as a planet. Now let us suppose that the beings of the lower planet wish to offer their sacrifices to the higher planet, that is, the Sun. But the Sun rejects them, and the sacrificial substances must remain with the beings of the rejected sacrifice; in doing so, these beings feel filled with longing in their loneliness, in their isolation. Now the spirits of movement bring them into the sphere of the higher beings; only then is it possible for them, instead of the immediate upward flow of their sacrificial substance, to set this sacrificial substance itself in motion and thereby bring it into a relationship with the beings of a higher order. It is just as if a person is unable to cope with their longing through a single great satisfaction and then experiences a series of partial satisfactions: so that their whole mind is set in motion when they experience such a series of partial satisfactions. We described this in more detail last time. We have seen how, through the impressions now coming from the outside—because the being does not feel inwardly united with the higher beings in the act of sacrifice—a substitute arises; this has shown us how such beings nevertheless attain a certain satisfaction.
[ 12 ] Nun aber kann doch nicht geleugnet werden, daß das, was hätte geopfert werden sollen, in anderer Weise bei den höheren Wesen fortbestehen würde als bei den niederen Wesen. Denn die eigentlichen Daseinsbedingungen dessen, was hätte geopfert werden sollen, liegen bei den höheren Wesen. Bei den niederen Wesen müssen also andere Daseinsbedingungen dafür eintreten. - Wiederum können wir uns dazu bildlich vorstellen: Wenn von einem Planeten die ganze Substanz, die er enthält, in die Sonne fließen könnte und die Sonne sie nicht zurückweisen würde, so würden die Wesen dieses Planeten in der Sonne andere Daseinsbedingungen finden als sonst, wenn die Sonne sie zurückweist, außerhalb der Sonne, in dem Planeten. Kurz: Eine Entfremdung dessen, was wir den «Inhalt des Opfers» nennen müssen, tritt ein, eine Entfremdung dieser Opfersubstanz von ihrem Ursprung.
[ 12 ] Yet it cannot be denied that what should have been sacrificed would continue to exist in a different way among the higher beings than among the lower beings. For the actual conditions of existence of what should have been sacrificed lie with the higher beings. In the case of the lower beings, therefore, different conditions of existence must come into play. — Again, we can visualize this as follows: If the entire substance contained within a planet could flow into the sun and the sun did not repel it, then the beings of that planet would find different conditions of existence within the sun than they would otherwise, when the sun repels them, outside the sun, within the planet. In short: An alienation of what we must call the “content of the sacrifice” occurs, an alienation of this sacrificial substance from its origin.
[ 13 ] Fassen Sie nun diesen Gedanken, daß Wesenheiten etwas in sich behalten müssen, was sie gern als Opfer darbringen würden, und wovon sie das Gefühl und die Empfindung haben, daß es erst dann seinen rechten Sinn fände, wenn es als Opfer dargebracht werden könnte. Vergegenwärtigen Sie sich die Empfindungen solcher Wesenheiten, dann werden Sie das haben, was man nennen kann: Abgeschlossenheit eines gewissen Teiles der Weltenwesenheit gegenüber seinem eigentlichen Sinn und gegenüber seinem eigentlichen großen Weltenzweck. Es haben Wesen etwas in sich, was eigentlich — wenn wir bildlich sprechen dürften — an einem anderen Orte als bei ihnen selber seinen Sinn hätte. Die Folge davon ist, daß diese Deplacierung - wenn wir wieder bildlich sprechen — des zurückgewiesenen Opferrauches, der zurückgewiesenen Opfersubstanz, ein Ausgestoßenwerden zunächst dieser Opfersubstanz von dem übrigen Weltenprozeß bewirkt.
[ 13 ] Now consider this idea: that beings must retain within themselves something they would gladly offer as a sacrifice, and regarding which they feel and sense that it would only find its true meaning if it could be offered as a sacrifice. If you bring to mind the feelings of such beings, you will perceive what might be called: the isolation of a certain part of the world-being from its true purpose and from its true, great world-purpose. Beings have something within them that—if we may speak figuratively—would actually find its purpose in a place other than within themselves. The consequence of this is that this displacement—if we may again speak figuratively—of the rejected sacrificial smoke, of the rejected sacrificial substance, causes this sacrificial substance to be cast out, initially, from the rest of the world process.
[ 14 ] Wenn Sie diesen Gedanken nicht mit Ihrem Verstande — denn der geht nicht auf solche Dinge -, sondern wenn Sie mit ihrem Gefühl das fassen, was damit ausgesprochen ist, so werden Sie die Empfindung haben: Es ist etwas wie herausgerissen aus dem allgemeinen Weltenprozeß. Für die Wesen, die das Opfer zurückgewiesen haben, ist es nur etwas, was sie von sich abgestoßen haben. Für die anderen Wesen, in denen die Opfersubstanz geblieben ist, ist es etwas, dem der Charakter der Fremdheit seines eigenen Ursprunges aufgedrückt wird. Wir haben also dadurch Wesen, denen in ihrer Substantialität die Fremdheit von seinem Ursprunge aufgedrückt ist. Das aber ist, wenn man das gefühlsmäßig versteht, wenn man diese Idee sich gefühlsmäßig vor die Seele malt = wenn man sich vor die Seele malt etwas, dem die Fremdheit seines Ursprunges innewohnt -, das ist der Tod. Und nichts anderes ist der Tod im Weltenall als das, was notwendig eintritt mit der zurückgewiesenen Opfersubstanz bei den Wesen, die eben diese Opfersubstanz behalten müssen. So kommen wir von der Resignation, von dem Verzicht, den wir gefunden haben auf der dritten Stufe der Evolution, gegenüber dem, worauf von den höheren Wesen verzichtet worden ist, zum Tod. Und der Tod in seiner wahren Bedeutung ist nichts anderes als die Eigenschaft von Wesensinhalten, die nicht an ihrem wahren Orte sind, die ausgeschlossen von ihrem wahren Orte sind.
[ 14 ] If you grasp what is being expressed here not with your intellect—for it cannot comprehend such things—but with your feelings, you will have the sense that it is something torn away from the general process of the world. For the beings who have rejected the sacrifice, it is merely something they have cast aside. For the other beings, in whom the sacrificial substance has remained, it is something upon which the character of the strangeness of its own origin is imprinted. We thus have beings upon whose substance the strangeness of its origin is imprinted. But this—if one understands it intuitively, if one pictures this idea intuitively before one’s soul—if one pictures before one’s soul something in which the strangeness of its origin is inherent—that is death. And death in the universe is nothing other than what necessarily occurs with the rejected sacrificial substance in the beings who must retain precisely this sacrificial substance. Thus we come from resignation, from the renunciation we found on the third stage of evolution, regarding that which has been renounced by the higher beings, to death. And death, in its true meaning, is nothing other than the quality of being-contents that are not in their true place, that are excluded from their true place.
[ 15 ] Auch wenn der Tod im konkreten Leben beim Menschen eintritt, liegt dasselbe zugrunde. Denn wenn wir uns den Leichnam besehen, der in der Welt der Maja zurückbleibt, so ist in ihm nichts anderes enthalten als eine Substantialität, die mit dem Moment des Todes ausgeschlossen ist von Ich, Astralleib und Ätherleib, die entfremdet ist demjenigen, innerhalb dessen sie nur einen eigentlichen Sinn hat. Denn des Menschen physischer Leib hat keinen Sinn ohne Ätherleib, Astralleib und Ich, ist sinnlos, ist in diesem Moment von seinem Sinn ausgeschlossen. Was wir nicht mehr durchschauen können, wenn ein Mensch stirbt, das stellt sich uns eben dar im Makrokosmos. Dadurch, daß die Weltenwesen höherer Sphären zurückweisen, was ihnen als Opfer dargebracht werden soll, verfällt diese zurückgewiesene Opfersubstanz in den Wesenheiten, denen sie zurückgewiesen worden ist, dem Tode, denn der Tod ist Ausgeschlossenwerden irgendeiner Weltensubstanz, irgendeiner Weltenwesenheit von ihrem eigentlichen Sinn.
[ 15 ] Even when death occurs in a person’s actual life, the same principle underlies it. For when we look at the corpse that remains in the world of Maya, it contains nothing other than a substance that, at the moment of death, is separated from the I, the astral body, and the etheric body—a substance that is alienated from the being within which it has its true meaning. For the human physical body has no meaning without the etheric body, astral body, and I; it is meaningless, excluded from its meaning at that moment. What we can no longer comprehend when a human being dies is precisely what presents itself to us in the macrocosm. Because the beings of the higher spheres reject what is to be offered to them as a sacrifice, this rejected sacrificial substance falls into death within the beings to whom it has been rejected, for death is the exclusion of any worldly substance, any worldly being, from its true meaning.
[ 16 ] Damit aber sind wir eingetreten in eine spirituelle Charakteristik desjenigen, was wir das vierte Element im Weltall nennen. Wenn uns das Feuer reinster Opfersinn war — und überall, wo uns Feuer oder Wärme entgegentritt, liegt spirituell dahinter Opferung -, wenn wir hinter allem, was als Luft ausgebreitet ist um unsere Erde herum, schenkende oder spendende Tugend, hinströmende Tugend in Wahrheit fanden, wenn wir charakterisieren konnten das fließende Wasser, also Flüssigkeit als Element, als spirituelle Resignation oder Verzicht, so müssen wir das Element der Erde, das allein der Träger des Todes werden kann - denn der Tod würde nicht da sein, wenn das Element der Erde nicht da wäre -, als dasjenige charakterisieren, was abgespalten worden ist von seinem Sinn durch den Verzicht. Jetzt haben Sie förmlich konkret irgend etwas, wo sich aus Flüssigem Festes bildet. Denn das spiegelt in einer gewissen Weise auch einen spirituellen Prozeß. Stellen wir uns vor, es gliedert sich ein in die Wassermasse eines Teiches Eis, das Wasser also wird fest. In Wahrheit liegt da nichts anderes zugrunde, als daß dasjenige, was das Wasser zu Eis werden läßt, es abschnürt von dem Sinn des Wassers. Da haben Sie das Spirituelle des Festwerdens, das Spirituelle des Erdewerdens. Denn in bezug auf die Charakteristik der vier Elemente ist das Eis ebenfalls «Erde» und nur das Flüssige «Wasser». — Eine Abschnürung von seinem Sinn ist das, was wir Tod nennen können, und das, worin der Tod sich darstellt, sich auslebt, das ist das Element der Erde.
[ 16 ] With this, however, we have entered into a spiritual characterization of what we call the fourth element in the universe. If fire was for us the purest sense of sacrifice—and wherever fire or heat meets us, sacrifice lies spiritually behind it—if we found, behind all that is spread out as air around our Earth, a giving or bestowing virtue, a virtue flowing forth in truth; if we could characterize flowing water that is, liquid as an element, as spiritual resignation or renunciation, then we must characterize the element of earth, which alone can become the bearer of death—for death would not exist if the element of earth did not exist—as that which has been severed from its meaning through renunciation. Now you have something concrete where the solid forms from the liquid. For this also reflects, in a certain way, a spiritual process. Let us imagine that ice forms within the mass of water in a pond; the water thus becomes solid. In truth, there is nothing underlying this other than that which causes the water to become ice cuts it off from the essence of water. Therein lies the spiritual aspect of becoming solid, the spiritual aspect of becoming earth. For in terms of the characteristics of the four elements, ice is also “earth” and only the liquid is “water.” — A severing from its essence is what we can call death, and that in which death manifests itself, plays out, is the element of earth.
[ 17 ] Wir sind ausgegangen davon, daß wir die Frage aufgeworfen haben, ob es innerhalb unserer Welt der Illusion, der Maja, gar nichts Wahrhaftiges gibt, ob es dort gar nichts von dem gibt, was sozusagen einer Wirklichkeit entspricht. Nehmen Sie einmal jetzt recht genau den Begriff, den wir eben vor unsere Seele hingestellt haben. Ich habe Ihnen von Anfang an gesagt: die Begriffe dieser unserer Betrachtungen sind einigermaßen kompliziert. Es wird also notwendig sein, daß wir sie nicht nur verstandesmäßig aufnehmen, sondern darüber meditieren, dann werden sie uns erst ganz klar werden. Aber nehmen wir jetzt diesen Begriff vom Tode, beziehungsweise den vom Erdigen; er zeigt uns ein ganz merkwürdiges Gesicht. Während wir bei allen anderen Begriffen uns sagen konnten: In bezug auf das, was da in der Welt der Maja um uns herum ist, liegt eigentlich gar nichts Wahrhaftiges vor, sondern das Wahrhaftige ist ein ihm zugrunde liegendes Spirituelles -, haben wir jetzt etwas herausbekommen, wo dasjenige, was wir innerhalb der Maja haben, eigentlich gerade deshalb, weil es getrennt ist von seinem Sinn, weil es im Spirituellen sein sollte, sich als das Tote charakterisiert. Es ist damit in die Maja hinein etwas abgeschnürt, was eigentlich nicht in der Maja sein sollte. Überall im ganzen weiten Reiche der Maja oder der großen Illusion haben wir eben lauter Täuschungen, lauter Illusionen vor uns. Aber wir bekommen etwas in die Maja hinein, was dadurch einem Wahrhaftigen entspricht, daß es abgeschnürt wird von seinem eigentlichen Sinn im Spirituellen, und in dem Augenblick, wo es hereinkommt, tritt an es die Vernichtung, der Tod heran. Das sagt uns aber nichts Geringeres als die große okkulte Wahrheit: Innerhalb der Welt der Maja ist das einzige, das sich in seiner Wirklichkeit zeigt, der Tod! Alle anderen Erscheinungen müssen wir zurückverfolgen auf ihr Wirkliches, alle anderen Erscheinungen, die in der Maja auftreten, haben hinter sich das Wahrhaftige: Nur der Tod ist innerhalb der Maja das Wahrhaftige, denn er besteht darin, daß von dem Wahrhaftigen etwas abgeschnürt und hereingenommen ist in die Maja. Daher ist der Tod innerhalb der Maja das einzig Wahrhaftige.
[ 17 ] We began by raising the question of whether there is anything at all that is true within our world of illusion, of Maya, whether there is anything there that corresponds, so to speak, to reality. Let us now examine quite closely the concept we have just set before our minds. I told you from the very beginning: the concepts in our reflections are somewhat complicated. It will therefore be necessary for us not only to grasp them intellectually but also to meditate on them; only then will they become fully clear to us. But let us now take this concept of death, or rather that of the earthly; it reveals a very peculiar aspect to us. Whereas with all other concepts we could say to ourselves: “With regard to what is there in the world of Maya around us, there is actually nothing true at all; rather, the true lies in a spiritual reality underlying it”—we have now discovered something where that which we have within Maya is characterized as dead precisely because it is separated from its meaning, because it ought to be in the spiritual. Thus, something has been cut off and brought into Maya that should not actually be there. Throughout the entire vast realm of Maya, or the great illusion, we are faced with nothing but deceptions, nothing but illusions. But we bring something into Maya that corresponds to the true precisely because it is cut off from its true meaning in the spiritual, and the moment it enters, destruction, death, approaches it. This tells us nothing less than the great occult truth: within the world of Maya, the only thing that reveals itself in its reality is death! We must trace all other phenomena back to their reality; all other phenomena that occur within Maya have the true behind them: Only death is the true within Maya, for it consists in something being severed from the true and taken into Maya. Therefore, death is the only true thing within Maya.
[ 18 ] Und wenn wir jetzt von dem, man möchte sagen, in der allgemeinen Maja sich Ausbreitenden übergehen zu den großen Prinzipien der Welt, dann stellt sich für die okkulte Wissenschaft eine sehr wichtige und wesentliche Konsequenz dieses Satzes dar, daß innerhalb unserer Welt der Maja nur der Tod eigentlich das Wahrhaftige ist. Wir können uns dem, was ich hier sagen will, noch von einer anderen Seite nähern, Wir können zunächst die Wesenheiten der anderen Reiche betrachten, die um uns herum sind.
[ 18 ] And when we now move from what one might call the general Maya that pervades everything to the great principles of the world, a very important and essential consequence of this statement arises for occult science: that within our world of Maya, only death is truly real. We can approach what I wish to say here from another angle as well. We can first consider the beings of the other realms that surround us.
[ 19 ] Wir können fragen: Sterben zum Beispiel Mineralien? — Für den Okkultisten hat es keinen Sinn zu sagen: Mineralien sterben. — Das wäre ungefähr ebensoviel, als wenn man sagen würde, der Fingernagel, den wir uns abschneiden, sei gestorben. Der Fingernagel ist eben nicht irgend etwas, was als Totalität Anspruch hat auf Dasein, sondern er ist nur etwas an uns, und wenn wir ihn abschneiden, so haben wir ihn von uns getrennt und ihm das mit uns zusammenhängende Leben entrissen. Er stirbt im Grunde genommen erst dann, wenn wir selber sterben. Also in demselben Sinne, sagt die okkulte Wissenschaft, sterben die Mineralien nicht. Denn die Mineralien sind nur Glieder an einem großen Organismus, wie der Fingernagel an unserem Organismus ein Glied ist; und wenn ein Mineral scheinbar zugrunde geht, so ist es nur losgerissen von diesem großen Organismus, wie das Stück Fingernagel losgerissen ist von unserem Organismus, wenn wir es.abschneiden. Die Zerstörung des Minerals ist kein Tod, denn das Mineral lebt nicht in sich selber, sondern in dem großen Organismus, von dem es ein Glied ist.
[ 19 ] We might ask: Do minerals, for example, die? — For the occultist, it makes no sense to say that minerals die. — That would be about as meaningful as saying that the fingernail we cut off has died. The fingernail is not something that, as a totality, has a claim to existence; rather, it is merely a part of us, and when we cut it off, we have separated it from ourselves and torn away the life connected to us. It does not truly die until we ourselves die. So in the same sense, says occult science, minerals do not die. For minerals are merely members of a great organism, just as the fingernail is a member of our organism; and when a mineral appears to perish, it is merely torn away from this great organism, just as the piece of fingernail is torn away from our organism when we cut it off. The destruction of the mineral is not death, for the mineral does not live in itself, but in the great organism of which it is a part.
[ 20 ] Wenn Sie sich erinnern an den Vortrag über das Wesen der Pflanzen, so werden Sie wissen, daß gesagt worden ist: Die Pflanze ist als solche auch nicht selbständig, sondern sie ist ein Glied, nun nicht wie das Mineral an einem großen Organismus, sondern an dem ganzen Erdenorganismüs; und es hat für eine okkulte Betrachtung keinen Sinn, vom Leben einer einzelnen Pflanze zu sprechen, sondern man muß sprechen von dem Erdenorgänismus, an dem die Pflanzen überall Teile sind. Und wenn wir sie zu ihrem «Tode» bringen, dann ist es so, wie wenn wir uns einen Fingernagel abschneiden: Wir können nicht sagen, der Fingernagel ist gestorben. Ebensowenig können wir dies von den Pflanzen sagen, denn sie gehören einem großen Organismus an, der identisch ist mit der ganzen Erde und der ein Organismus ist, der im Frühling einschläft, die Pflanzen als seine Organe der Sonne entgegensendet und im Herbst aufwacht und das Geistige der Pflanzen wieder in sich aufnimmt, wenn er die Samen der Pflanzen in sich aufnimmt. Es hat keinen Sinn, die Pflanzen für sich allein zu betrachten, denn der Erdenorganismus stirbt nicht ab, wenn die einzelnen Pflanzen an ihm verwelken, ebenso wie wir, wenn wir graue Haare bekommen, auch nicht sterben, wenn wir die grauen Haare nicht wieder auf naturgemäße Weise in schwarze färben können. Nur sind wir da in einer anderen Lage als die Pflanzen. Aber die Erde ist da in einer solchen Lage, die sich vergleichen ließe mit dem Menschen, wenn er graue Haare wieder in schwarze zurückverwandeln könnte. Also die Erde stirbt nicht, sondern was sich da zeigt im Welken der Pflanzen, ist ein Prozeß, der sich an der Oberfläche abspielt. So können wir niemals sagen, daß die Pflanzen in Wahrheit sterben.
[ 20 ] If you recall the lecture on the nature of plants, you will know that it was said: The plant, as such, is not independent either, but is a member—not, like the mineral, of a large organism, but of the entire Earth organism; and from an occult perspective, it makes no sense to speak of the life of a single plant; rather, one must speak of the Earth organism, of which plants are parts everywhere. And when we bring them to their “death,” it is like cutting off a fingernail: we cannot say that the fingernail has died. Nor can we say this of the plants, for they belong to a great organism that is identical with the whole Earth and is an organism that falls asleep in spring, sends the plants as its organs toward the sun, and awakens in autumn, taking the spiritual essence of the plants back into itself when it takes in the seeds of the plants. It makes no sense to consider plants in isolation, for the Earth organism does not die when individual plants wither on it, just as we, when we get gray hair, do not die either if we cannot naturally turn the gray hair black again. Only we are in a different situation than the plants. But the Earth is in a situation that could be compared to a human being who could transform gray hair back into black. So the Earth does not die; rather, what is revealed in the withering of the plants is a process that takes place on the surface. Thus, we can never say that the plants are truly dying.
[ 21 ] Aber auch von den Tieren können wir zunächst nicht sagen, daß sie wie wir sterben. Denn das einzelne Tier ist in Wahrheit auch nicht vorhanden, es ist nur die Gruppenseele vorhanden, die im Übersinnlichen ist. Was das Tier im Wahrhaftigen ist, das ist nur auf dem Astralplan vorhanden als die Gruppenseele, und das einzelne Tier ist aus der Gruppenseele heraus verdichtet. Und wenn es stirbt, so ist es ein abgelegtes Glied der Gruppenseele, und diese ersetzt es durch ein anderes.
[ 21 ] But even regarding animals, we cannot initially say that they die as we do. For the individual animal does not truly exist; only the group soul exists, which is in the supersensible realm. What the animal truly is exists only on the astral plane as the group soul, and the individual animal is condensed from the group soul. And when it dies, it is a limb cast off by the group soul, and the group soul replaces it with another.
[ 22 ] Was wir also als den Tod im Mineral-, Pflanzen- und Tierreich antreffen, das ist nur scheinbar, ist nur innerhalb der Maja Tod. In Wahrheit stirbt wirklich nur der Mensch, der es mit seiner Individualität so weit bringt, daß er hinunterkommt zu seinem physischen Leibe, in dem er während des Erdendaseins real sein muß. In Wahrheit hat von «Tod» zu sprechen nur einen Sinn für das Erdendasein des Menschen.
[ 22 ] What we therefore encounter as death in the mineral, plant, and animal kingdoms is only apparent; it is death only within Maya. In truth, the only one who truly dies is the human being who, through the development of his individuality, descends into his physical body, in which he must exist in reality during his earthly life. In truth, speaking of “death” makes sense only in relation to the human being’s earthly existence.
[ 23 ] Wenn wir dies ins Auge fassen, müssen wir sagen: Nur der Mensch kann eigentlich den Tod wirklich erleben. — Beim Menschen ist also das, was wir durch die okkulte Forschung kennenlernen, ein wirkliches Überwinden des Todes, ein wirkliches Besiegen des Todes. Denn bei anderen Wesen ist der Tod nur scheinbar, ist er nicht in Realität vorhanden. Wenn wir höher hinaufkommen würden, von dem Menschen wieder zu den Wesenheiten der höheren Hierarchien, so würden wir ebenso finden, daß diese den Tod nach Menschenart nicht kennen; so daß es im Grunde genommen nur bei jenen Wesenheiten einen realen Tod, das heißt, einen Tod auf dem physischen Plan gibt, die sich auch etwas zu holen haben auf dem physischen Plan. Der Mensch aber hat sich auf dem physischen Plan sein Ich-Bewußtsein zu holen. Das könnte er ohne den Tod nicht finden. Weder bei den Wesenheiten, die unter dem Menschen stehen, noch bei den Wesenheiten, die höher stehen als der Mensch, hat es einen Sinn, von wahrhaftem Tod zu sprechen. Dann aber wird es begreiflich erscheinen, daß wir für jene Wesenheit, die wir die Christus-Wesenheit nennen, gar keine Möglichkeit haben, ihre bedeutendste Erdentat auszulöschen. Denn wir haben ja gesehen, daß bei dieser Christus-Wesenheit das Mysterium von Golgatha als das Wesentlichste in Betracht kommt: die Besiegung des Todes durch das Leben. Wo aber kann diese Besiegung des Todes nur vor sich gehen? Kann sie vor sich gehen in den höheren Welten? Nein! Denn schon bei den niederen Wesen, die wir angeführt haben, im Mineral-, Pflanzen- und Tierreich, kann von Tod nicht gesprochen werden, weil sie eigentlich ihr wahres Wesen in den höheren, übersinnlichen Welten haben. Und wir werden im Laufe der Winterbetrachtungen noch weiter ausführen, daß auch bei den höheren Wesenheiten nicht von Tod gesprochen werden kann, sondern nur von Verwandlungen, von Metamorphosen, von Umgestaltung. Von einem Einschnitt in das Leben, den wir als «Tod» bezeichnen, kann nur beim Menschen gesprochen werden. Und der Mensch kann diesen Tod nur erleben auf dem physischen Plan. Wäre der Mensch niemals auf den physischen Plan gekommen, so würde er nichts wissen vom Tod, denn kein Wesen, das den physischen Plan nicht betreten hat, weiß etwas vom Tod. Es gibt in den anderen Welten nicht das, was man «Tod» nennen kann, sondern nur Verwandlungen, Metamorphosen. Sollte der Christus durch den Tod gehen, so mußte er auf den physischen Plan heruntersteigen! Denn nur dort konnte er den Tod erleben.
[ 23 ] When we consider this, we must say: Only human beings can truly experience death. — For human beings, therefore, what we learn through occult research is a true overcoming of death, a true victory over death. For in other beings, death is only apparent; it does not actually exist. If we were to ascend further, from human beings back to the beings of the higher hierarchies, we would likewise find that they do not know death in the human sense; so that, strictly speaking, there is a real death—that is, a death on the physical plane—only for those beings who also have something to gain on the physical plane. Human beings, however, must gain their sense of self on the physical plane. He could not find this without death. It makes no sense to speak of true death either in the case of the beings who stand below human beings or in the case of the beings who stand higher than human beings. Then, however, it will seem understandable that we have no possibility whatsoever of erasing the most significant earthly deed of that being we call the Christ Being. For we have seen that for this Christ-being, the Mystery of Golgotha is the most essential: the victory of life over death. But where can this victory over death take place? Can it take place in the higher worlds? No! For even in the case of the lower beings we have mentioned—in the mineral, plant, and animal kingdoms—one cannot speak of death, because their true essence actually lies in the higher, supersensible worlds. And we will elaborate further in the course of the Winter Lectures that even in the case of the higher beings, one cannot speak of death, but only of transformations, of metamorphoses, of reconstitution. We can speak of a break in life that we call “death” only in the case of human beings. And human beings can experience this death only on the physical plane. If human beings had never come to the physical plane, they would know nothing of death, for no being that has not entered the physical plane knows anything of death. In the other worlds, there is no such thing as “death,” but only transformations, metamorphoses. If Christ were to pass through death, he would have to descend to the physical plane! For only there could he experience death.
[ 24 ] So sehen wir, daß auch im geschichtlichen Werden des Menschen in einer merkwürdigen Weise das Wahrhaftige der höheren Welten hereinspielt in die Maja. Während wir für alle anderen geschichtlichen Ereignisse mit unserem Denken nur dann zurechtkommen, wenn wir sagen: Hier auf dem physischen Plan ist das geschichtliche Ereignis, aber die Ursache dafür liegt oben in der geistigen Welt, zu der müssen wir gehen —, können wir von dem Ereignis von Golgatha nicht sagen: Dieses Ereignis ist hier unten auf dem physischen Plan, und etwas Entsprechendes liegt in der höheren Welt. - Gewiß, der Christus selbst gehört den höheren Welten an und stieg herunter auf den physischen Plan. Aber ein Urbild, wie wir es für alle anderen geschichtlichen Ereignisse suchen müssen, gibt es nicht für das, was sich auf Golgatha vollzogen hat. Das hat sich nur auf dem physischen Plan abgespielt.
[ 24 ] Thus we see that, in a remarkable way, the truth of the higher worlds also plays a role in the historical development of humanity within Maya. While for all other historical events we can only make sense of them with our thinking by saying: Here on the physical plane is the historical event, but the cause for it lies above in the spiritual world, to which we must go—we cannot say of the event of Golgotha: This event is down here on the physical plane, and something corresponding to it lies in the higher world. - Certainly, Christ himself belongs to the higher worlds and descended to the physical plane. But there is no archetype, such as we must seek for all other historical events, for what took place on Golgotha. That took place solely on the physical plane.
[ 25 ] Unter den vielen Beweisen, die aus der okkulten Wissenschaft für diese Tatsache gegeben werden könnten, ist zum Beispiel dieses, daß das Ereignis von Damaskus sich, wie wir dies schon öfter dargestellt haben, im Laufe der nächsten drei Jahrtausende für eine genügend große Anzahl von Menschen erneuern wird. Das heißt, es werden sich bei den Menschen solche Fähigkeiten entwickeln, daß sie den Christus auf dem astralischen Plan als Äthergestalt wahrnehmen werden, wie es bei Paulus vor Damaskus der Fall war. Dieses Ereignis des Wahrnehmens des Christus durch nach und nach bei den Menschen im Laufe der nächsten drei Jahrtausende sich entwickelnde höhere Fähigkeiten macht seinen Anfang in unserem 20. Jahrhundert. Von da ab kommen diese Fähigkeiten allmählich heraus und werden in den nächsten drei Jahrtausenden bei einer genügend großen Anzahl von Menschen sich ausbilden. Das heißt, eine genügend große Anzahl von Menschen wird wissen durch den Hineinblick in die höheren Welten, daß der Christus eine Realität ist, daß er lebt, sie werden ihn kennenlernen, wie er jetzt lebt. Und sie werden nicht nur die Art kennenlernen, wie er jetzt lebt, sondern sie werden sich genau wie Paulus die Überzeugung verschaffen, daß er gestorben und auferstanden ist. Aber die Grundlage dazu kann nicht gelegt werden in den höheren Welten, die muß auf dem physischen Plan gelegt werden.
[ 25 ] Among the many pieces of evidence that could be cited from occult science to support this fact is, for example, that the event at Damascus—as we have already described on several occasions—will be repeated over the course of the next three millennia for a sufficiently large number of people. That is to say, people will develop such abilities that they will perceive the Christ on the astral plane as an etheric form, as was the case with Paul on the road to Damascus. This event—the perception of the Christ through higher abilities gradually developing in people over the course of the next three millennia—begins in our 20th century. From that point on, these abilities will gradually emerge and will develop in a sufficiently large number of people over the next three millennia. This means that a sufficiently large number of people will know, through insight into the higher worlds, that Christ is a reality, that he lives; they will come to know him as he lives now. And they will not only come to know the way he lives now, but, just like Paul, they will gain the conviction that he died and rose again. But the foundation for this cannot be laid in the higher worlds; it must be laid on the physical plane.
[ 26 ] Wenn also heute schon jemand dazu kommt, diese Dinge zu verstehen und zu begreifen, wie die Entwickelung des Christus selber vorwärtsgeht und damit die Entwickelung gewisser menschlicher Fähigkeiten, wenn es jemand begreift, dadurch begreift, daß er die Geisteswissenschaft heute versteht, so hindert nichts daran, daß er, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, an diesem Ereignis teilnimmt, wenn es wirklich als ein erstes Hereinleuchten des Christus in die Welt des Menschen eintritt. Derjenige also, der heute im physischen Leibe sich auf dieses Ereignis vorbereitet, kann es auch erleben in dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Diejenigen Menschen aber, die sich nicht darauf vorbereiten, die sich in dieser Inkarnation kein Verständnis dafür erwerben, sie können in dem Leben, das sich an dieses anschließt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, nichts wissen von dem, was in bezug auf den Christus von unserem Jahrhunderte ab durch die nächsten drei Jahrtausende geschieht. Sie müssen warten, bis sie wieder inkarniert sind und weiter sich die Vorbereitung dazu auf der Erde schaffen. Das also, was als die Ursache aller folgenden Christus-Entwickelung auf der Erde sich abspielen mußte, der Tod auf Golgatha und das dadurch Geschaffene, das kann auch nur innerhalb des physischen Leibes begriffen werden. Das ist unter allen Tatsachen, die uns wichtig sind für das höhere Leben, das einzige, was nur innerhalb des physischen Leibes begriffen werden kann. Dann wird es weiter verarbeitet, wird es weiter ausgebildet in den höheren Welten. Aber begriffen müssen wir es zunächst haben innerhalb des physischen Leibes. Gerade wie das Mysterium von Golgatha niemals sich hätte in den höheren Welten abspielen können, wie es auch kein Urbild hat in den höheren Welten, sondern ein Ereignis ist, das, weil es den Tod in sich schließt, abgeschlossen ist innerhalb des physischen Planes, so muß auch das Verständnis dafür auf dem physischen Plan erworben werden. Ja, es gehört sogar geradezu zu den Aufgaben des Menschen auf der Erde, in irgendeiner seiner Inkarnationen sich dieses Verständnis zu erwerben.
[ 26 ] So if anyone today is already able to understand and grasp these things—how the development of Christ himself is progressing, and with it the development of certain human abilities—if anyone realizes thereby comes to understand that he understands spiritual science today, then nothing prevents him, once he has passed through the gate of death, from participating in this event when it truly enters the human world as the first shining of the Christ. Thus, the one who prepares for this event today in the physical body can also experience it in the life between death and a new birth. But those people who do not prepare themselves for this, who do not acquire an understanding of it in this incarnation, will know nothing in the life that follows—between death and a new birth—of what will happen in relation to the Christ from our century onward through the next three millennia. They must wait until they are incarnated again and continue to prepare themselves for it on Earth. Thus, what had to take place as the cause of all subsequent Christ development on Earth—the death on Golgotha and what was thereby created—can only be comprehended within the physical body. Among all the facts that are important to us for the higher life, this is the only one that can be comprehended only within the physical body. Then it is further processed, further developed in the higher worlds. But we must first grasp it within the physical body. Just as the Mystery of Golgotha could never have taken place in the higher worlds—just as it has no archetype in the higher worlds, but is an event that, because it encompasses death, is concluded within the physical plane—so too must the understanding of it be acquired on the physical plane. Indeed, it is even one of the very tasks of human beings on Earth to acquire this understanding in one of their incarnations.
[ 27 ] Wir müssen also sagen, damit haben wir auch im Großen etwas gefunden, was sozusagen auf dem physischen Plan uns ein unmittelbar Reales, ein unmittelbar Wahrhaftiges zeigt. Was also ist denn real auf dem physischen Plan? Real auf dem physischen Plan so, daß wir dabei stehenbleiben können und sagen: Hier haben wir etwas Wahres! - ist der Tod in der Menschenwelt, nicht in den anderen Reichen der Natur. Und bei den geschichtlichen Ereignissen, die im Laufe der Erdenentwickelung geschehen, müssen wir, wenn wir diese geschichtlichen Ereignisse kennenlernen wollen, von jedem solchen geschichtlichen Ereignis zu einem geistigen Urbild gehen —- nur nicht bei dem Mysterium von Golgatha. In diesem haben wir etwas, was so, wie es ist, unmittelbar in die Welt des Wahrhaftigen hineingehört.
[ 27 ] We must therefore say that, on a larger scale, we have found something that, so to speak, reveals to us on the physical plane something immediately real, something immediately true. So what, then, is real on the physical plane? Real on the physical plane in such a way that we can pause and say: Here we have something true! — is death in the human world, not in the other realms of nature. And with regard to the historical events that occur in the course of Earth’s development, if we wish to understand these historical events, we must proceed from each such historical event to a spiritual archetype—except in the case of the Mystery of Golgotha. In this, we have something that, just as it is, belongs directly to the world of truth.
[ 28 ] Nun ist es außerordentlich interessant, daß sich gewissermaßen auch die andere Seite des eben Auseinandergesetzten zeigt. Es ist wirklich außerordentlich bedeutsam, zu sehen, wie dieses Ereignis von Golgatha heute als ein reales Ereignis überhaupt abgeleugnet wird, wie die Leute, wenn wir von äußerer Historie reden, sagen, es läßt sich im Zusammenhange der historischen Tatsachen nicht beweisen. Es gibt nun unter den historischen Tatsachen, die wesentlich sind, auch kaum eine, die sich so schlecht durch äußere, historisch-realistische Gründe beweisen läßt wie das Mysterium von Golgatha. Denken Sie, wie leicht es im Verhältnis dazu ist, in bezug auf die Existenz eines Sokrates oder Plato oder irgendeines griechischen Helden, insofern sie bedeutend sind für den Fortschritt der Menschheit in der äußeren Welt, mit historischen Gründen zu arbeiten; und wie die Menschen bis zu einem gewissen Grade mit vollem Recht kommen und sagen: Keine Historie darf behaupten, daß ein Jesus von Nazareth gelebt habe! - Äußere historische Widergründe gibt es da nicht. Wie man andere historische Tatsachen behandelt, so läßt sich diese nicht behandeln.
[ 28 ] Now, it is extremely interesting that, in a sense, the other side of what has just been discussed also comes into view. It is truly extraordinarily significant to see how this event of Golgotha is today denied as a real event altogether, how people, when we speak of external history, say that it cannot be proven in the context of historical facts. Now, among the historical facts that are essential, there is hardly one that can be so poorly proven by external, historically realistic evidence as the Mystery of Golgotha. Consider how much easier it is, by comparison, to work with historical evidence regarding the existence of Socrates or Plato or any Greek hero, insofar as they are significant for the progress of humanity in the external world; and how people can, to a certain extent, quite rightly come and say: No history may claim that a Jesus of Nazareth ever lived! - There are no external historical counterarguments here. This cannot be treated in the same way as other historical facts.
[ 29 ] Es ist höchst merkwürdig: diese auf dem äußeren physischen Plan geschehene Tatsache hat dies eine gemeinschaftlich mit allen übersinnlichen Tatsachen, die lassen sich auch nicht äußerlich beweisen. Und es sind so ziemlich dieselben Leute, welche die übersinnliche Welt leugnen und denen die Möglichkeit fehlt, dieses Ereignis, das gar kein übersinnliches ist, zu erfassen. Man kann es in bezug auf seine Wirkungen darstellen. Aber da machen sich die Leute den Gedanken, daß solche Wirkungen auch eintreten könnten, ohne daß das reale Ereignis in der Geschichte aufgetreten wäre, und erklären sie dann als Folge soziologischer Verhältnisse. Für den jedoch, der den inneren Gang des Weltenwerdens kennt, ist die Idee, daß Wirkungen wie die des Christentums ohne eine dahinterstehende Macht geschehen könnten, ebenso gescheit, wie wenn man sagte, daß auf einem Felde Kohlköpfe wachsen können, ohne daß vorher Samen ausgestreut wird. Ja, wir können noch weitergehen und sagen, daß für die, welche an der letzten Ausgestaltung der Evangelien beteiligt waren, keine Möglichkeit vorhanden war, das historische Ereignis des Mysteriums von Golgatha als historisches Ereignis mit historischen Gründen nachzuweisen, denn es ging wirklich ziemlich spurlos für alle äußere Beobachtung vorüber. Wissen Sie, wie die, welche an der späteren Ausgestaltung der Evangelien beteiligt waren, sich selber von diesen Ereignissen überzeugt haben — mit Ausnahme des Schreibers des Johannes-Evangeliums, der ja der unmittelbare Zeitgenosse dieser Ereignisse war? Sie haben sich überzeugt, zunächst nicht aus historischen Urkunden, denn sie haben ja auch nichts anderes gehabt als mündliche Mitteilungen und die Mysterienbücher — wie diese Verhältnisse dargestellt sind in dem «Christentum als mystische Tatsache» -, aber von dem wirklichen Dasein des Christus Jesus haben sie sich überzeugt aus der Sternkonstellation, indem sie noch große Kenner waren des Zusammenhanges des Makrokosmos mit dem Mikrokosmos. Sie haben eine Kenntnis davon gehabt, die man sich heute auch schon beschaffen kann, indem man die Sternkonstellation für den betreffenden Punkt der Weltgeschichte berechnet und sagt: Wenn die Sternkonstellation so und so ist, so muß Der auf der Erde gelebt haben, welcher als der Christus bezeichnet wird. -— So haben sich die Schreiber des Matthäus-, Markus- und Lukas-Evangeliums von dem geschichtlichen Geschehen überzeugt. Denn den Inhalt haben sie auf hellseherischem Wege gewonnen, aber die Überzeugung haben sie sich verschafft auf eine Weise, wie man sich durch die Konstellationen des Makrokosmos eine Überzeugung davon verschafft, daß auf der Erde dieses oder jenes vor sich gehen kann. Daher kann ihnen auch nur Glauben beibringen der, welcher so etwas weiß. Beweisen die Unrichtigkeit dessen, was da vorgebracht wird gegen die Historizität der Evangelien, ist eine vergebliche Aufgabe. Wir müssen uns vielmehr als Anthroposophen klar sein, daß wir uns auf einen ganz anderen Boden stellen müssen: auf den Boden desjenigen, was wir uns nur durch eine Einsicht in die okkulte Wissenschaft verschaffen können.
[ 29 ] It is most curious: this event, which occurred on the outer physical plane, has something in common with all supernatural phenomena, which likewise cannot be proven externally. And it is pretty much the same people who deny the supersensible world and who lack the capacity to grasp this event, which is not at all supersensible. One can describe it in terms of its effects. But then people entertain the idea that such effects could also occur without the actual event having taken place in history, and they then explain them as a consequence of sociological conditions. For those, however, who know the inner course of world-becoming, the idea that effects such as those of Christianity could occur without a power behind them is just as sensible as saying that cabbages can grow in a field without seeds having been sown beforehand. Indeed, we can go even further and say that for those involved in the final shaping of the Gospels, there was no way to prove the historical event of the Mystery of Golgotha as a historical event with historical grounds, for it truly passed by almost without a trace to all external observation. Do you know how those involved in the later composition of the Gospels convinced themselves of these events—with the exception of the writer of the Gospel of John, who was, after all, a direct contemporary of these events? They convinced themselves, initially not from historical documents, for they had nothing else but oral accounts and the mystery texts—as these circumstances are described in *Christianity as a Mystical Fact* —but they convinced themselves of the real existence of Christ Jesus through the constellations, as they were still great experts on the connection between the macrocosm and the microcosm. They possessed a knowledge of this that one can already acquire today by calculating the constellation of the stars for the relevant point in world history and saying: If the constellation of the stars is such and such, then He who is called the Christ must have lived on Earth. — This is how the writers of the Gospels of Matthew, Mark, and Luke became convinced of the historical events. For they obtained the content through clairvoyance, but they gained their conviction in the same way that one gains conviction through the constellations of the macrocosm that this or that can be taking place on Earth. Therefore, only one who knows such things can instill faith in them. Attempting to prove the inaccuracy of what is presented here against the historicity of the Gospels is a futile task. Rather, as anthroposophists, we must be clear that we must stand on an entirely different ground: on the ground of that which we can only attain through an insight into occult science.
[ 30 ] Ich möchte gerade auch hier dieser Anschauung gegenüber auf etwas hinweisen, wodurch ich schon in diesen Tagen an einem anderen Orte zu begründen versuchte, wie man mit richtigen Einwänden, das heißt mit Einwänden, die an sich richtig sind, die Wirklichkeiten nicht treffen kann, von denen die Geisteswissenschaft redet, so daß die Menschen noch so viel Richtiges sagen können, was nach ihrem Wissen richtig ist es widerlegt die Geisteswissenschaft nicht. Ich habe in dem Vortrag: «Wie begründet man Theosophie?» ein Gleichnis gebraucht und habe gesagt: Ein kleiner Junge mußte in einem Dorfe immer die Semmeln holen zum Frühstück seiner Familie. Man bekam nun in jenem Orte für zwei Kreuzer eine Semmel, und er bekam immer zehn Kreuzer mit. Nun brachte er — und es sei hierbei bemerkt, daß er kein großer Arithmetikus war — die Anzahl der Semmeln vom Greisler — so nannte man dort den Bäcker - nach Hause und kümmerte sich nicht weiter darum. Nun wurde aber in die Familie ein Pflegesohn aufgenommen, der jetzt anstelle des anderen zum Greisler nach Semmeln geschickt wurde. Da der nun ein guter Arithmetikus war, so sagte er sich: Du gehst Semmeln holen, zehn Kreuzer hast du mitbekommen, für zwei Kreuzer gibt es eine Semmel, zehn durch zwei geteilt gibt fünf: also wirst du fünf Semmeln nach Hause bringen. Er ging fort, aber er brachte sechs Semmeln nach Hause. Da sagte er sich: Das ist falsch, so viel kannst du nicht be- kommen, und da deine Rechnung richtig ist, so wirst du morgen schon fünf Semmeln nach Hause bringen. - Am nächsten Tage bekam er wieder zehn Kreuzer mit und brachte wieder sechs Semmeln nach Hause. Die Rechnung war richtig, nur stimmte sie nicht mit der Wirklichkeit, denn in der Wirklichkeit war es anders. In der Wirklichkeit war es nämlich an jenem Orte üblich, daß jemand, der für zehn Kreuzer Semmeln kaufte, auf fünf eine drauf bekam, also statt fünf sechs. Der Einwand des Knaben war also richtig — nur stimmte er nicht mit der Wirklichkeit.
[ 30 ] I would like to point out something here regarding this view, which I have already attempted to explain in recent days at another location: how one cannot, with valid objections—that is, with objections that are correct in themselves—touch upon the realities of which spiritual science speaks, so that no matter how much correct information people may offer, which is correct according to their knowledge, it does not refute spiritual science. In the lecture “How Does One Justify Theosophy?”, I used a parable and said: A little boy in a village always had to go get the rolls for his family’s breakfast. In that place, a roll cost two kreuzers, and he was always given ten kreuzers to take with him. Now he would bring home—and it should be noted here that he was no great mathematician—the number of rolls from the Greisler—as the baker was called there—and paid no further attention to it. But then a foster son was taken into the family, and he was sent to the baker’s to get rolls instead of the other boy. Since he was good at math, he thought to himself: You’re going to get rolls; you’ve been given ten kreuzers; one roll costs two kreuzers; ten divided by two is five; so you’ll bring home five rolls. He went off, but he brought six rolls home. Then he said to himself: “That’s wrong; you can’t get that many, and since your math is correct, you’ll bring five rolls home tomorrow.” The next day he was given ten kreuzers again and brought six rolls home once more. The calculation was correct, but it didn’t match reality, because in reality things were different. In reality, it was customary in that place that someone who bought rolls for ten kreuzers would get one extra for free, so six instead of five. The boy’s objection was therefore correct—it just didn’t match reality.
[ 31 ] So können die scharfsinnigst ausgedachten Einwände gegen die Geisteswissenschaft alle stimmen, brauchen aber nichts zu tun zu haben mit der Realität, denn die Realität kann auf ganz anderen Untergründen fußen. Es ist dieses angeführte Beispiel ganz prächtig, um sich klarzumachen, auch erkenntnistheoretisch, die Beziehung zwischen dem, was in der Berechnung richtig ist, und dem, was in dem Wahrhaftigen wahr ist.
[ 31 ] Thus, even the most ingeniously conceived objections to the spiritual sciences may all be valid, yet they need not have anything to do with reality, for reality may be based on entirely different foundations. This example is excellent for clarifying, even from an epistemological perspective, the relationship between what is correct in calculation and what is true in reality.
[ 32 ] Damit haben wir in unseren Bemühungen, die Welt der Maja zurückzuführen auf das Wahrhaftige — wobei sich uns gezeigt hat, daß alles Feuer Opfer ist, alles Luftartige strömende, spendende oder schenkende Tugend, und alles Flüssige Verzichtleistung, Resignation -, heute zu diesen drei Wahrheiten diejenige hinzugefügt, daß das wahre Wesen der Erde oder des Festen der Tod ist, das Abgeschnürtsein von seinem Weltensinn bei irgendeiner Substantialität. Dadurch aber, daß diese Abgeschnürtheit eintritt, tritt der Tod selber als ein Wahrhaftiges herein in die Welt der Maja oder der Illusion. Die Götter selbst könnten den Tod nicht einmal kennenlernen, wenn sie nicht in irgendeiner Weise herunterstiegen in die physische Welt, um den Tod in der physischen Welt, in der Welt der Maja oder der Illusion, in seiner Wahrheit zu begreifen,
[ 32 ] Thus, in our efforts to reduce the world of Maya to the true—whereby it has become clear to us that all fire is sacrifice, all that is air-like is a flowing, bestowing, or giving virtue, and all that is liquid is renunciation, resignation— today we have added to these three truths the one that the true essence of the earth or the solid is death, the severance from its worldly meaning in any form of substance. But through the fact that this severance occurs, death itself enters the world of Maya or illusion as a reality. The gods themselves could not even come to know death if they did not in some way descend into the physical world to comprehend death in the physical world, in the world of Maya or illusion, in its truth,
[ 33 ] Das ist es, was wir heute hinzufügen wollen zu den Begriffen, die wir schon aufgenommen haben. Noch einmal sei es bemerkt, daß wir zur Klarheit über diese Begriffe, die uns aber notwendig sein werden zu einem gründlichen Eingehen auf so mancherlei im Markus-Evangelium, nur kommen können durch sorgfältige Meditation, und indem wir es öfter und öfter vor die Seele ziehen lassen. Denn das MarkusEvangelium ist nur zu begreifen, wenn man die allerbedeutsamsten Weltbegriffe dem zugrunde legt.
[ 33 ] This is what we wish to add today to the concepts we have already covered. Let it be noted once again that clarity regarding these concepts—which will be necessary for us to thoroughly explore many aspects of the Gospel of Mark—can only be attained through careful meditation and by allowing it to sink into our souls again and again. For the Gospel of Mark can only be understood if one bases it on the most fundamental concepts of the world.
