Earthly and Cosmic Man
GA 133
26 March 1912, Berlin
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Earthly and Cosmic Man, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Anknüpfen möchte ich den Ausgangspunkt unserer heutigen Betrachtung an das Wort Zufall. Wir sprechen in der mannigfaltigsten Weise davon, daß gewisse Ereignisse in der Außenwelt uns dadurch erklärlich sind, daß sie gesetzmäßig verlaufen, daß wir in ihnen gewisse Gesetze, daß wir Naturgesetze erkennen, während von andern Ereignissen so gesprochen wird, daß der Mensch eigentlich sagt: Er erkenne kein Gesetz, warum dieses oder jenes in einem bestimmten Zeitpunkt gerade eingetroffen ist, er könne in einem solchen Tatsachenverlauf, wie er ihm vor Augen steht, nur den Zufall anerkennen. Insbesondere wird unsere gegenwärtige Wissenschaft geneigt sein, überall da, wo sie mit den ja durchaus abstrakten und rein verstandesmäßigen Gesetzen, die sie allein anerkennt und die sie Naturgesetze nennt, nicht ausreicht, von einem bloßen Zufall, das heißt, von etwas zu reden, demgegenüber es überhaupt verboten ist, irgendeine Gesetzmäßigkeit anzunehmen. Die gegenwärtige Wissenschaft verbietet ja geradezu da, wo sie vom Zufall spricht, wo sie mit ihren Gesetzen nicht heran will, noch von irgendwelcher Gesetzmäßigkeit zu sprechen. Denn im Grunde genommen ist eigentlich, wie sich im ganzen und im einzelnen zeigt, kaum irgend etwas intoleranter im ganzen menschlichen Zeitverlauf, als gerade — nicht die Tatsachen der Wissenschaft, die können nicht intolerant sein, und in bezug auf Darstellung der Tatsachen schreiben wir auch der gegenwärtigen Wissenschaft das größte Verdienst zu — was sich aufbaut dagegen auf den Tatsachen als wissenschaftliche Gesinnung. Die materialistische Gesinnung in unserer Zeit ist etwas, was zu dem Allerintolerantesten gehört, das im Zeitenverlaufe überhaupt den Menschen hat treffen können.
[ 1 ] I would like to begin today’s discussion with the concept of chance. We speak in the most varied ways about how certain events in the external world can be explained by the fact that they proceed according to laws, that we recognize certain laws—natural laws—in them, while regarding other events, people actually say: He recognizes no law as to why this or that happened at a particular moment; he can only acknowledge chance in a sequence of events such as the one before his eyes. In particular, our current science tends, wherever the thoroughly abstract and purely rational laws—which it alone recognizes and calls natural laws—are insufficient, to speak of mere chance, that is, of something in relation to which it is absolutely forbidden to assume any regularity whatsoever. Contemporary science, in fact, expressly forbids speaking of any regularity whatsoever precisely where it speaks of chance, where its laws do not apply. For, as is evident both in general and in particular, there is hardly anything in the entire course of human history more intolerant than precisely—not the facts of science, which cannot be intolerant, and in regard to the presentation of facts we also attribute the greatest merit to contemporary science—but rather that which is built upon the facts as a scientific mindset. The materialistic mindset of our time is among the most intolerant things that have ever befallen humanity in the course of history.
[ 2 ] Wenn wir nun einmal gefühlsmäßig den Zufall im Sinne unserer Geisteswissenschaft ansehen, so fragen wir uns zunächst: Wie tritt der Zufall an den Menschen heran? Wie stellt sich das, was man zufällig nennt, dem Menschen dar? — Es stellt sich so dar, wenn es eintritt, als ob der Mensch aus seinen Gedanken heraus, aus seinen irgendwie gearteten Ideen nicht voraussetzen könnte, diesem Zufall einen Sinn, eine innere Gesetzmäßigkeit zuzuschreiben. Es stellt sich so dar, als ob die menschliche Vernunft sozusagen den Zufall einfach gehen lassen müsse, wie er sich darbietet, und sich nicht darum bekümmern könnte, ob in diesem Zufall etwas von einer Gesetzmäßigkeit stecken würde. Insbesondere ist es ja mit jenen Zufälligkeiten, die als solche scheinbar unerklärlich in das menschliche Leben hereinfallen, zumeist so, daß die Menschen mit ihrer Vernunft, mit ihrem Verstande nicht recht heran wollen, diese Zufälligkeiten zu bemeistern. Mit dem Gefühl verhält sich der Mensch merkwürdigerweise anders, und das ist etwas, was man zwar in der Gegenwart nicht berücksichtigt, was aber doch tief lehrreich ist: das Gefühl läßt sich nicht immer in der Art und Weise, wie es wirkt, bemeistern von den Vorurteilen des Verstandes und der Vernunft, sondern es wirkt herauf — wie Sie aus zahlreichen öffentlichen und Zweigvorträgen erkennen können — aus verborgenen Untergründen der Seele, die noch gescheiter sind als der Mensch in seinem Verstande und seiner Vernunft. So kommt es vor, daß den Menschen das trifft, was Verstand und Vernunft eine Zufälligkeit nennen, wodurch sich aber doch der Mensch in seinen Gefühlen angezogen oder abgestoßen findet, worüber er sich angenehm oder unangenehm berührt fühlt. Nehmen wir nur einen ganz bestimmten Fall, von dem Sie nicht leugnen werden, daß er Ihnen sehr häufig in ähnlicher Weise in Ihrem Leben immer wieder und wieder begegnen kann. Nehmen wir den Fall: ein Schüler sitze und schwitze über irgendeiner Rechenaufgabe; furchtbar sitze er und schwitze er, weil er die Lösung dieser Rechenaufgabe nicht treffen kann. Aber er hat sie nun nach langem Sitzen und Schwitzen doch gelöst und ist nun froh, daß er ein Resultat herausbekommen hat. Aber er sagt sich: Wenn ich ganz sicher sein soll, daß ich nicht sitzenbleibe und eine schlechte Zensur bekomme, so muß ich diese Aufgabe noch einmal durchrechnen! — und er macht sich darauf gefaßt, daß er sie, nachdem er sein Abendbrot gegessen hat, noch einmal durchrechnet. Da kommt ganz zufällig, durch etwas, das gar nicht damit zusammenhängt, ein Kollege des Schülers herein und fragt: Was hast du herausbekommen? — Beide vergleichen ihr Ergebnis und es stimmt zusammen, und dem Schüler ist auf diese Weise erspart, was ihm sonst geblüht hätte. Er ist nun befreit davon, braucht nicht noch einmal eine Stunde sitzen und schwitzen und kann sich gleich schlafen legen. Wenn nun der Vater ein «aufgeklärter» Mann ist, so wird er sagen: Der andere Schüler ist nicht darum hereingestürzt, um meinem Sohne eine Stunde abzunehmen, die ihm doch vielleicht in seiner Gesundheit hätte schaden können, sondern er ist abgeschickt von seiner Mutter, um mir dies oder jenes zu bringen, was ich vergessen habe. Der Vater also nennt es einen Zufall. — Aber können Sie ableugnen, was Sie ja nicht ableugnen werden, daß der Schüler ein recht angenehmes Gefühl hat, wenn er auch nicht glauben wird, daß ihm ein Engel diesen Kollegen zugeführt hat? Er wird recht angenehm davon berührt sein in seinem Gefühl, ganz anders, als vielleicht Verstand und Vernunft sprechen. Der Vater wird ganz sicher nicht geneigt sein, anzunehmen, daß ein Engel vom Himmel diesen Kollegen seinem Sohne zugeschickt habe, er wird aber doch sympathisch davon berührt sein.
[ 2 ] If we now consider chance from an emotional perspective, in the sense of our Spiritual Science, we first ask ourselves: How does chance present itself to human beings? How does what we call chance present itself to human beings? — When it occurs, it presents itself as if human beings, based on their thoughts and ideas of whatever kind, could not presuppose that this chance possesses a meaning or an inner lawfulness. It appears as though human reason must, so to speak, simply let chance be as it presents itself, and cannot concern itself with whether there might be some regularity inherent in this chance. In particular, this is usually the case with those coincidences that, as such, seem to fall into human life inexplicably, so that people do not really want to approach these coincidences with their reason, with their intellect, in order to master them. Strangely enough, people behave differently with regard to feeling, and this is something that, although not taken into account in the present, is nevertheless deeply instructive: feeling cannot always be mastered in the way it acts by the prejudices of the intellect and reason, but rather it arises—as you can see from numerous public and specialized lectures—from hidden depths of the soul that are even wiser than human beings in their intellect and reason. Thus it happens that people are struck by what intellect and reason call a coincidence, yet through which a person finds themselves drawn to or repelled by something, feeling pleasantly or unpleasantly affected by it. Let us take just one very specific case, which you will not deny can occur very frequently in a similar way in your life, time and again. Let us take the case: a student sits sweating over some arithmetic problem; he sits there sweating terribly because he cannot find the solution to this problem. But after sitting and sweating for a long time, he has finally solved it and is now glad that he has arrived at an answer. But he tells himself: If I’m to be absolutely sure that I won’t fail the class and get a bad grade, I have to work through this problem one more time! — and he prepares himself to work through it again after he’s had his dinner. Then, quite by chance, through something completely unrelated, a classmate of the student walks in and asks: “What did you come up with?” — Both compare their results and they match, and in this way the student is spared what would otherwise have been in store for him. He is now free of it, doesn’t need to sit and sweat for another hour, and can go straight to bed. Now, if the father is an “enlightened” man, he will say: The other student didn’t rush in to spare my son an hour that might have been harmful to his health, but was sent by his mother to bring me this or that which I had forgotten. The father, then, calls it a coincidence. — But can you deny—and you certainly won’t deny—that the student feels quite a pleasant sensation, even if he doesn’t believe that an angel sent this classmate to him? He will be quite pleasantly moved by it in his heart, quite differently from what his intellect and reason might suggest. The father will certainly not be inclined to assume that an angel from heaven sent this classmate to his son, but he will nevertheless be touched by it in a sympathetic way.
[ 3 ] Das meine ich, wenn ich sage, das Gefühl kann gescheiter sein, wenn es aus verborgenen Seelentiefen heraufwirkt, als Verstand und Vernunft, die sich im Verlaufe der Erdenmission erst selbständig ausbilden sollen, so ausbilden sollen, daß sie gerade wie gottverlassen auf sich selber angewiesen sind und daher auch leicht in den Irrtum verfallen können, daß in dem, was sich ihnen darbietet, nicht irgendeine göttlich-geistige Gesetzmäßigkeit lebe, sondern daß eigentlich gar nichts darinnen lebe. So dürfen wir sagen: Was sich aus den Tiefen unserer Seele heraufholt, wodurch wir, wie in diesem Fall, im Gefühl gescheiter sind als in Verstand und Vernunft, das weist uns darauf hin, ganz deutlich, daß die Behauptung der Geisteswissenschaft richtig ist, daß dasjenige, was in den verborgenen Seelentiefen unten ist und wie im Gefühl sich heraufholt aus diesen verborgenen Seelentiefen, eben aus jener Epoche herstammt, in welcher sich der Mensch noch nicht selbst überlassen war, und daß das, was in unsern Gefühlen spricht als Sympathie und Antipathie, noch aus dem alten Mondenzeitalter herrührt. So daß der Mensch in seinem Verstande und seiner Vernunft erst im Laufe der Erdenentwickelung so gescheit zu werden braucht, als er in seinen Gefühlen geworden ist durch die alte Mondenentwikkelung. Nun kann jemand sagen: Ich habe wohlweislich bemerkt, daß das Gefühl auch nicht immer ganz gescheit ist, daß es auch sehr dumm sein kann. — Das rührt davon her, daß unsere Gefühle als Erdenmenschen schon beeinflußt sind von unserem Verstande und unserer Vernunft, daß diese schon hinunterwirken in das Gefühl, so daß dieses, wenn es dumm wird, nur dadurch dumm wird, daß es beeinflußt wird von Verstand und Vernunft. Würde es nicht schon durch die allgemeinen Inkarnationsverhältnisse und durch die allgemeine Entwickelung der Menschheit sich von Verstand und Vernunft beeinflußt erzeigen, so wäre es im Menschen tatsächlich der Gescheitere gegenüber der Vernunft und dem Verstande, welche die Dümmeren sind.
[ 3 ] This is what I mean when I say that feeling can be wiser, when it arises from the hidden depths of the soul, than intellect and reason, which are only meant to develop independently over the course of our earthly mission, in such a way that they are left to their own devices, as if forsaken by God, and can therefore easily fall into the error of believing that what presents itself to them is not governed by any divine-spiritual law, but that in fact nothing at all lives within it. Thus we may say: What rises up from the depths of our soul, whereby we, as in this case, are wiser in feeling than in intellect and reason, points out to us quite clearly that the assertion of Spiritual Science is correct, namely that that which lies in the hidden depths of the soul below and rises up, as in feeling, from these hidden depths of the soul, originates precisely from that epoch in which human beings were not yet left to their own devices, and that what speaks within our feelings as sympathy and antipathy still stems from the ancient Lunar Age. So that in the course of Earth’s evolution, human beings need only become as intelligent in their intellect and reason as they have become in their feelings through the ancient lunar evolution. Now someone might say: I have wisely observed that feeling is not always entirely intelligent, that it can also be very foolish. — This stems from the fact that, as Earth beings, our feelings are already influenced by our intellect and reason, that these already work their way down into the feelings, so that when the feelings become foolish, they do so only because they are influenced by intellect and reason. If it were not already influenced by intellect and reason through the general conditions of incarnation and the general development of humanity, it would in fact be the wiser aspect within the human being compared to reason and intellect, which are the more foolish ones.
[ 4 ] Wenn wir die Sache so betrachten, stellt sich uns etwas ganz Eigentümliches für den Zufall heraus, was außerordentlich lehrreich ist. Wir könnten sogar die Frage aufwerfen: Ist es nicht sinnvoll, daß der Mensch gewisse Dinge so ansehen kann, wenn er sie so ansehen will, daß er sie zufällig nennt? Ist das nicht vielleicht sinnvoll? — Die Frage könnte sehr wohl aufgeworfen werden, und sie erweist sich nicht als sinnlos, wenn wir bedenken, daß der Mensch in der Erdenentwickelung Verstand und Vernunft, was wir unser normales Bewußtsein nennen, gerade entwickeln soll. Er soll am Ende der Erdenentwickelung so weit sein, daß er die Gesetzmäßigkeit in denjenigen Tatsachen einsieht, die er heute noch als zufällig ansieht. So treten sie ihm heute noch als zufällig entgegen. Er kann ihnen noch nicht, wie in notwendigen Naturereignissen, das Gesetz unmittelbar ablesen, sie verhüllen ihm noch ihre Gesetzmäßigkeit. Aber der Mensch wird lernen gerade in dem, was während der Erdenentwickelung die Gesetzmäßigkeit verhüllt und sich dadurch als Zufall erweist, eine tiefere Gesetzmäßigkeit zu erkennen, eine solche Gesetzmäßigkeit, welche dann, wenn die Erdenentwickelung abgelaufen sein wird, sich tatsächlich mit derselben Notwendigkeit wird aufdrängen, wie sich jetzt die Naturgesetze aufdrängen, aber erst, wenn die Erdenentwickelung abgelaufen sein wird. Wenn ihm jetzt schon das, was wir Zufälligkeiten nennen, so entgegentreten würde wie die Naturgesetze, so würde der Mensch nichts daran lernen können. Er würde sich nicht dazu entschließen können, sich zu sagen: Du kannst es als sinnvoll ansehen und auch als Zufall ansehen! — Also, weil es in des Menschen Hand und in des Menschen Willkür gegeben ist, Verstand und Vernunft auf das anzuwenden, was sich als zufällig darbietet, dadurch lernt er sich hineinfinden in die Erdeninkarnationen, lernt das, was der Zufall scheinbar regellos darbietet, mit Verstand und Vernunft zu durchdringen, so daß also das, was ihm scheinbar nicht als so starre, abstrakte Gesetzmäßigkeiten erscheinen kann, als geistige Gesetzmäßigkeiten erscheinen muß.
[ 4 ] When we look at the matter this way, something quite peculiar about chance emerges, which is extraordinarily instructive. We might even ask: Isn’t it reasonable that a person can view certain things in this way—if they so choose—and call them “chance”? Isn’t that perhaps reasonable? — The question could very well be raised, and it is not without merit when we consider that, in the course of Earth’s evolution, human beings are meant to develop intellect and reason—what we call our normal consciousness. By the end of Earth’s evolution, they are to have reached a stage where they recognize the laws governing those facts that they still regard as random today. Thus, they still appear to him today as random. He cannot yet read the law directly from them, as he can in necessary natural phenomena; they still conceal their regularity from him. But humanity will learn to recognize a deeper lawfulness precisely in that which, during the course of Earth’s development, conceals the lawfulness and thereby appears as chance—a lawfulness that, once Earth’s development has run its course, will indeed impose itself with the same necessity as the laws of nature do now, but only when the development of the Earth has run its course. If what we call chance events were to confront him now just as the laws of nature do, humanity would be unable to learn anything from them. He would be unable to resolve to say to himself: You can regard it as meaningful and also as chance! — So, because it is within the human being’s power and at the human being’s discretion to apply intellect and reason to what presents itself as chance, thereby he learns to find his way into earthly incarnations, learns to penetrate with intellect and reason what chance seemingly presents in a lawless manner, so that what cannot appear to him as such rigid, abstract laws must appear as spiritual laws.
[ 5 ] Da blicken wir in einen sehr weisen Zusammenhang des Weltenwerdens hinein, der, wenn wir ihn sinnvoll erfassen, uns sagt: Es ist außerordentlich geistvoll im Weltendasein eingerichtet, daß uns gewisse Dinge als Zufall entgegentreten; daher müssen wir sie selbst erst aufwinden auf Fäden einer Gesetzmäßigkeit, die wir in ihnen selbst erst entdecken müssen. Und damit wir uns dabei selbst ergreifen, uns selbst in die Waagschale werfen, um in unserer Entwickelung weiterzukommen, wurde es in unsern Willen gestellt, entweder weise zu sein oder töricht, entweder anzuerkennen eine Gesetzmäßigkeit auch in den Zufälligkeiten oder nur die starren Naturgesetze gelten zu lassen. So wird es sich nach und nach heranbilden, daß im Laufe der Zeit diejenigen Wissenszweige dasein werden, die sich nur der äußeren, abstrakten, verstandesmäßigen Naturgesetze bedienen wollen und alles andere als Zufall abweisen werden. Diese äußeren Wissenszweige werden wie Betätigungen des Seelenlebens erscheinen, die aber wenn der Mensch mit seinem Seelenwesen aufgeblickt hätte im Sinne des Schlusses des Goetheschen «Faust» in eine höhere Welt und in die Nähe dessen gekommen wäre, was man in aller Mystik als «Ewig Weibliches » bezeichnet, wo die ewigen Naturgesetze und die wissenschaftlichen Zweige symbolisch-mystisch als Weibliches dargestellt werden — am Ende des Erdendaseins als «törichte Jungfrauen » sich erweisen würden. Dagegen wird sich in dem, was sich heute als Geisteswissenschaft geltend macht, etwas heranbilden, das dort, worin die törichten Jungfrauen, die äußeren Wissenschaften, keine Gesetzmäßigkeit hereinbringen können, Gesetzmäßigkeit und Weisheit hereinbringen wird. Das wird ausbilden eine Anzahl von Wissenszweigen, und diese werden am Ende der Erdenentwickelung die «weisen Jungfrauen » sein. Und es zeigt schon die schöne Parabel im Evangelium, wie es, wenn die Zeiten erfüllt sein werden, ergehen wird den törichten und den weisen Jungfrauen.
[ 5 ] Here we glimpse a profoundly wise aspect of the world’s becoming, which, if we grasp it meaningfully, tells us: It is arranged with extraordinary ingenuity in the existence of the world that certain things appear to us as mere chance; therefore, we must first unravel them along the threads of a lawfulness that we must first discover within them. And so that we may engage ourselves in this process, throw ourselves into the balance, in order to advance in our development, it has been placed within our will to be either wise or foolish, either to recognize a regularity even in the coincidences or to accept only the rigid laws of nature. Thus, little by little, it will come to pass that, over time, those branches of knowledge will come into being that wish to make use only of the external, abstract, rational laws of nature and will dismiss everything else as chance. These external branches of knowledge will appear as activities of the soul life; yet if man, with his soul being, had looked up—in the sense of the conclusion of Goethe’s *Faust*—into a higher world and had come close to what is designated in all mysticism as “Eternal Feminine”—where the eternal laws of nature and the scientific disciplines are symbolically and mystically represented as feminine—would prove to be “foolish virgins” at the end of earthly existence. In contrast, within what today asserts itself as Spiritual Science, something will take shape that will bring lawfulness and wisdom to those areas where the foolish virgins—the external sciences—cannot introduce any lawfulness. This will give rise to a number of branches of knowledge, and these will be the “wise virgins” at the end of Earth’s evolution. And the beautiful parable in the Gospel already shows what will become of the foolish and the wise virgins when the times are fulfilled.
[ 6 ] Diese Dinge sind immer geeignet, uns in die Geheimnisse der Weltenentwickelung wirklich etwas hineinzuführen. Wenn wir aber das, was wir so aus der Beobachtung der äußeren Welt unmittelbar auf uns haben wirken lassen, verbinden mit mancherlei von dem, was wir dutch die Geisteswissenschaft erfahren haben, so stellt sich uns doch ein sehr merkwürdiger Zusammenhang heraus, und ich bitte Sie, diesen Zusammenhang mit mir in Gedanken zu verfolgen.
[ 6 ] These things are always well-suited to truly introduce us to the mysteries of the world’s evolution. But when we combine what we have directly absorbed from observing the external world with various insights we have gained through Spiritual Science, a very remarkable connection emerges, and I ask you to follow this connection with me in thought.
[ 7 ] Sie wissen, daß sich der Mensch den Inhalt, die Erkenntnisse, die Errungenschaften, die Erlebnisse des normalen Bewußtseins während der Erdenzeit immer mehr und mehr aneignen wird. Aber es geht alle Entwickelung langsam und allmählich vor sich. Und daher wird hereinragen — und ragt schon jetzt herein — in unsere rein abstrakte Vernunft- und Verstandesentwickelung, in die bloßen Naturwissenschaften das, was in der Zukunft erst für den Menschen normal sein wird: es ragt herein, was nicht bloß aus dem normalen Bewußtsein stammt, sondern was zu tun hat mit höheren Bewußtseinsformen. Das ist natürlich etwas, das dem normalen Bewußtsein verschleiert sein muß, das aber auf die tieferen Hintergründe des Daseins hinweist. Daher ist es natürlich, daß überall da, wo irgend etwas hereinragt, was das normale Bewußtsein überschreitet, auch in einer merkwürdigen Weise mehr zutage treten wird, als man leichten Herzens mit Zufall wird bezeichnen können. Oder mit andern Worten: So lange der Mensch bloß mit dem normalen Bewußtsein in dem Zusammenleben wirkt, wird man auch leichten Herzens von Zufall sprechen können. Betrachten Sie nur einmal das Leben. Wenn Sie in der Weise als Menschen miteinander verkehren, daß Sie nicht den geringsten Anspruch darauf machen, daß irgend etwas anderes in den Verkehr der Menschen hereinspiele als das, was Verstand und Vernunft im Sprechen und Handeln der Menschen hereinbringen könnten, so lange werden Sie leichten Herzens viel von Zufall sprechen können. Denn dann wird alles, was in dem Zusammensein der Menschen und in den äußeren Tatsachen sich nicht durchdringbar für eine gewisse Gesetzmäßigkeit darstellt, als Zufall sich so darstellen, daß man schwer dahinterkommen wird, wie auch in dem scheinbar Zufälligen ein wirklicher gesetzmäßiger Zusammenhang ist. Aber nehmen wir an, es tritt irgend etwas in unser Erdenleben herein, was den ganz gewöhnlichen, bloß auf Verstand und Vernunft begründeten Menschenverkehr durchbricht, was mehr ist im menschlichen Zusammenleben als bloß Verstand und Vernunft. Und damit Sie sehen, was ich meine, möchte ich einen bestimmten Fall anführen, den ich Sie bitte, eben als einen Fall anzusehen, der sich im Leben so zugetragen hat und an dem wir mit den Mitteln der Geisteswissenschaft mancherlei lernen können. Es sei ein recht schroffer, wenig schöner, eigentlich häßlicher Fall angeführt, an dem wir aber wie an einem Experiment kennenlernen können, was wirklich geschieht.
[ 7 ] You know that, during their time on Earth, human beings will increasingly assimilate the content, insights, achievements, and experiences of normal consciousness. But all development proceeds slowly and gradually. And therefore, what will in the future be normal for human beings will begin to permeate—and is already permeating—our purely abstract development of reason and intellect, as well as the natural sciences: what is permeating is not merely derived from normal consciousness, but has to do with higher forms of consciousness. This is, of course, something that must remain veiled from normal consciousness, but which points to the deeper backgrounds of existence. Therefore, it is natural that wherever anything intrudes that transcends normal consciousness, more will also come to light in a remarkable way than one can lightly call coincidence. Or, in other words: As long as people interact with one another solely through normal consciousness, one can easily speak of coincidence. Just consider life for a moment. If you interact with one another as human beings in such a way that you make not the slightest claim that anything other than what intellect and reason might bring into human speech and action plays a role in human interaction, then you will be able to speak lightly of chance. For then everything in human interaction and in external facts that does not present itself as subject to a certain lawfulness will appear as chance in such a way that it will be difficult to discern how there is a real, lawful connection even in what seems random. But let us suppose that something enters our earthly life that breaks through the entirely ordinary human interaction based solely on intellect and reason—something that is more in human coexistence than mere intellect and reason. And so that you may see what I mean, I would like to cite a specific case, which I ask you to regard simply as a case that actually occurred in life and from which we can learn many things through the means of Spiritual Science. Let us take a rather harsh, not very pleasant, indeed ugly case, from which we can, however, learn—as if through an experiment—what really happens.
[ 8 ] An einem Orte hatte es sich zugetragen, daß ein Pfarrer einem Ehemann seine Frau abspenstig gemacht hat. Der Pfarrer hatte eine Art Liebesverhältnis mit dieser Frau entwickelt und dem Ehemann war dies außerordentlich leid. An demselben Orte fanden sich nun zwei Menschen, die miteinander befreundet waren und die dem Pfarrer nicht bloß durch ihren Verstand und ihre Vernunft, sondern auch durch ihre Gefühle zugetan waren. Sie standen in seinem Bannkreis, weil dieser nicht nur durch Verstand und Vernunft wirkte, sondern auch durch den religiösen Kultus, durch das, was an spirituellem Leben in der Religion ist. Daß dieser Kultus in diesem Falle nicht besonders gut gewirkt hat, darauf kommt es hier nicht an, sondern darauf, zu welchen Mitteln die beiden griffen und daß der Pfarrer eben der Seelsorger dieser beiden war. Und das kam so weit, daß die beiden Freunde dem Pfarrer etwas Gutes tun wollten und sie besprachen sich darüber, mit allen Mitteln den Ehemann aus dem Wege zu schaffen. Insofern ist der Fall häßlich, weil sich das spirituelle Element vermischt mit dem egoistisch menschlichen; er wird also in gewisser Weise zu einer Art schwarzer Magie. Es besprachen sich also die beiden Freunde, den Ehemann zu ermorden, und sie taten es auch. Die beiden hatten so eine schwere Schuld auf sich geladen, nicht bloß durch den Vernunftbeschluß, sondern auch durch das Vorhandensein eines psychischen Elementes, das durch die Gemeinde hindurchwirkte. Wir haben also den merkwürdigen Fall, daß wir in einem menschlichen Zusammenhang nicht bloß das drinnen haben, was Verstand und Vernunft ist, sondern auch das, was hinter Verstand und Vernunft ist; wir haben es wirksam, weil eben der Pfarrer ein Pfarrer war und mit den Mitteln des spirituellen Lebens wirkte. Was können wir nun nach den uns jetzt schon angeeigneten geisteswissenschaftlichen Voraussetzungen erwarten? Weil ja Ereignisse Ursachen sind und als solche Folgen haben, so können wir erwarten, daß sich an das, was geschehen ist, auch noch etwas anderes anschließt. Sie werden nun in den meisten Fällen, wo nur etwas geschieht, was bloß mit Verstand und Vernunft zu tun hat, viele sogenannte Zufälligkeiten finden. Diese Zufälligkeiten werden so sprechen im Leben, daß Sie leichten Herzens dieselben als Zufälligkeiten ansprechen werden, wenn Sie noch nicht von Geisteswissenschaft berührt sind. Aber nicht so leichten Herzens werden die Menschen solche Wirkungen im Leben als Zufälligkeiten ansprechen können, die aus Ursachen folgen, bei denen Spirituelles, Psychisches mitgewirkt hat. Zwei Freunde waren es, die miteinander den Mord bewirkt hatten. Wir haben also zu erwarten, daß in diesem Falle das Karma besonders wirkte und zwingen würde, durch die Art wie es eintritt, doch nicht bloß an Zufall zu denken. So daß also doch etwas Besonderes geschehen müßte, wenn, wie in diesem Fall, so etwas die Ursache ist: ein Einfluß sozusagen, den man mit den Worten wie graue oder schwarze Magie bezeichnen könnte. Und siehe da, was geschah wirklich? Die beiden Mörder wurden kurioserweise krank, und zwar an zwei verschiedenen Krankheiten, und starben beide in derselben Stunde! Wer nun durchaus von Zufall sprechen will, der wird natürlich auch hier wieder von Zufall reden wollen. Der Mensch aber, der nun nicht durchaus nur von Zufall sprechen will, wird da doch versucht sein, etwas tiefer nachzudenken. Und was für dieses eklatante Beispiel angeführt worden ist, das werden Sie vielfach bestätigt finden, wo Sie nur wirklich prüfen wollen, wo Sie vermuten können im Leben, daß etwas anderes hereinspielt als das, was nur ausschließlich zur Erdenmission und zum Erdenbewußtsein gehört, wo also etwas hereinspielt, das hinter der Sphäre des Daseins seine Urstände hat, das mehr oder weniger durch den sonderbaren äußeren Verlauf schon auf etwas Abnormes, wie der gewöhnliche Mensch sagen würde, hinweist. Wer aber vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus beobachtet, würde sagen: Es ist so, wie wenn mit Fingern darauf hingewiesen würde, daß, weil in den Ursachen ein anderer Sinn liegt, sich auch die Wirkungen in ihrem karmischen Verlauf ganz besonders sinnvoll zeigen.
[ 8 ] In a certain place, a pastor had seduced a husband’s wife. The pastor had developed a romantic relationship with this woman, and the husband was deeply distressed by this. In the same town there were two people who were friends and who were devoted to the pastor not only through their intellect and reason, but also through their feelings. They were under his spell because he exerted his influence not only through intellect and reason, but also through religious worship, through the spiritual aspect of religion. That this worship did not work particularly well in this case is not the point here; rather, the point is what means the two resorted to and that the pastor was precisely the spiritual guide of these two. And it came to the point where the two friends wanted to do the pastor a favor and discussed how to get the husband out of the way by any means necessary. In this respect, the case is ugly because the spiritual element is mixed with the selfish human one; it thus becomes, in a certain sense, a kind of black magic. So the two friends discussed murdering the husband, and they did so. The two had thus taken on such a heavy burden of guilt, not merely through a rational decision, but also through the presence of a psychic element that worked through the congregation. We thus have the curious case that in a human context we have not merely what is intellect and reason, but also what lies beyond intellect and reason; it is effective precisely because the pastor was a pastor and worked through the means of spiritual life. What can we now expect, given the premises of Spiritual Science we have already adopted? Since events are causes and, as such, have consequences, we can expect that something else will follow what has happened. In most cases where something happens that has to do solely with intellect and reason, you will find many so-called coincidences. These coincidences will manifest in life in such a way that, if you have not yet been touched by Spiritual Science, you will readily dismiss them as mere coincidences. But people will not be able to so readily dismiss as coincidences those effects in life that result from causes in which the spiritual and the psychic have played a part. It was two friends who, together, had brought about the murder. We must therefore expect that in this case karma was particularly at work and, given the manner in which it occurs, would compel us not to think merely of coincidence. So that something special must indeed have happened if, as in this case, such a thing is the cause: an influence, so to speak, that one might describe with terms like gray or black magic. And lo and behold, what actually happened? Curiously, the two murderers fell ill—with two different illnesses—and both died at the very same hour! Anyone who insists on speaking of coincidence will, of course, want to speak of coincidence here as well. But the person who does not wish to speak solely of coincidence will be tempted to think a little more deeply. And what has been cited for this striking example, you will find confirmed in many instances, wherever you are truly willing to examine, wherever you can suspect in life that something other than what belongs exclusively to the earthly mission and earthly consciousness is at play—where, in other words, something is at play that has its origins beyond the sphere of existence, that more or less, through its peculiar external course, already points to something abnormal, as the ordinary person would say. But anyone observing from the standpoint of Spiritual Science would say: It is as if one were pointing out with one’s fingers that, because there is a different meaning in the causes, the effects also reveal themselves in a particularly meaningful way in their karmic course.
[ 9 ] Da sehen wir also, daß wir in der Tat, wenn wir das Walten des Übersinnlichen hinter dem Sinnlichen ins Auge fassen, schon durch die Art und Weise, wie uns die Erscheinungen, die äußeren Tatsachen entgegentreten, darauf hingewiesen werden: Es ist etwas anderes mit diesen äußeren Tatsachen als mit denjenigen, die nicht so verlaufen, daß Übersinnliches in ihnen mitspielt. — Es wäre ja außerordentlich wünschenswert, wenn einmal auch in der äußeren Wissenschaft etwas anderes untersucht würde zu allen möglichen unnötigen Dingen, die heute in der Wissenschaft so zahlreich zutage gefördert werden, und die der in gewisser Beziehung geistvolle Ästhetiker Friedrich Theodor Vischer einmal damit gegeißelt hat, daß er sagte: Es fand sich einmal ein Gelehrter, der wühlte sich ein in das Goethe-Haus und untersuchte dort allen möglichen Staub, der seit Jahren abgelagert war, und alle Papiere, die noch in den Papierkörben seit langen Zeiten sich fanden, ging dann in allerlei abgelegene Räume, stieß übelriechende Kehrichtfässer um und brachte dann eine Abhandlung zustande über den «Zusammenhang der Frostbeulen der Frau Geheimrat von Goethe mit den symbolisch allegorischen Figuren im zweiten Teile des Faust». — Das ist etwas radikal. Aber in den Bücherkatalogen, die über die allergelehrtesten Abhandlungen herausgegeben werden, ist schon so etwas zu finden. Es wäre nützlich für die äußere Wissenschaft, wenn sie statt dessen, was der V-Vischer charakterisieren wollte, einmal solche Dinge verwenden würde, an denen sich eklatant zeigt, daß in den Geschehnissen, die man geneigt ist für Zufall zu halten, doch etwas waltet, was uns schon in der Art, wie es uns entgegentritt, zeigt, daß bei solchen Ereignissen, wo der Mensch untertaucht in das Psychische, auch der Sinn eklatant hervortritt. Natürlich tritt er in dem, was man so leichten Herzens mit Zufall benennt, auch hervor; nur ist es da nicht so genau zu sehen, da muß schon eine geistige Beobachtung hinzukommen, wenn darin das Walten des ja überall vorhandenen Gesetzes gesehen werden soll. Und wir sehen dann in dem, was uns gerade wie das Gegenteil der Gesetzmäßigkeit entgegentritt, was uns als Zufall entgegentritt, auch wenn wir unser Leben nur betrachten, das Zusammenstoßen von zwei Welten, richtig das Zusammenstoßen zweier Welten. — Was ist das eigentlich?
[ 9 ] So we see that, in fact, when we consider the workings of the supersensible behind the sensible, we are already pointed to this by the very way in which phenomena and external facts present themselves to us: there is something different about these external facts than about those that do not proceed in such a way that the supersensible plays a part in them. — It would indeed be highly desirable if, for once, external science were to investigate something other than all manner of unnecessary things that are so frequently brought to light in science today, and which the in some respects witty aesthetician Friedrich Theodor Vischer once lambasted by saying: There was once a scholar who burrowed his way into Goethe’s house and examined all manner of dust that had settled there for years, and all the papers that had been sitting in the wastebaskets for ages, then went into all sorts of remote rooms, knocked over foul-smelling trash barrels, and then produced a treatise on the ‘connection between Mrs. Privy Councilor von Goethe’s chilblains and the symbolic allegorical figures in the second part of Faust.’ — That is a bit radical. But in the book catalogs published on the most erudite treatises, one can already find such things. It would be useful for the external sciences if, instead of what V-Vischer sought to characterize, they would once employ such things that strikingly demonstrate that in events one is inclined to regard as coincidence, there is indeed something at work which, in the very way it presents itself to us, shows that in such events, where the human being is immersed in the psychic, meaning also stands out strikingly. Of course, it also emerges in what is so lightly called chance; only it is not so clearly visible there, so spiritual observation must be added if one is to see the operation of the law that is, after all, present everywhere. And we then see in what confronts us as the very opposite of lawfulness—what confronts us as chance—even when we merely observe our own lives, the collision of two worlds, truly the collision of two worlds. — What is this, actually?
[ 10 ] Der Mensch hat seine Erdenmission zu vollbringen, das heißt, er hat das, was wir jetzt das normale Bewußtsein nennen, auszubilden. Er hat also durch die weise Welteneinrichtung die Möglichkeit vor sich, eine ganz große Sphäre von Ereignissen als Zufall zu betrachten. Es unterliegt also gewissermaßen seiner Willkür, dort Gesetzmäßigkeit hineinzubringen. Aber niemals verläuft nur eine Strömung, sondern es verlaufen immer mehrere Strömungen. Wir sehen, wie ja überall Spirituelles hineinspielt, das heißt solches Spirituelles, an dem auch der Mensch teilnimmt. Es wäre auch Spirituelles in einem äußeren Ereignis von der geschilderten Art, wenn der Betreffende, von dem gesprochen worden ist, kein Pfarrer gewesen wäre; aber dann wäre er nicht in diesen Tatsachenzusammenhang hineingestellt. Ich meine es also so, daß der Mensch mit seiner Seelenentwickelung an dem Spirituellen selber beteiligt ist. Das ist das, was sich neben der verstandes- und vernunftmäßigen Strömung in der Welt auch klar darstellt. Immer spielen beide Strömungen in unser Leben herein. Sie dürfen nicht etwa glauben, daß zum Beispiel diejenigen, welche als Monisten auftreten, das heißt als Materialisten, immer ganz unabhängig sind vom Spirituellen oder gar nichts glauben, wie sie annehmen. Der ganze Monismus ist nichts anderes als ein Glaube; es handelt sich nur darum, daß er ein Glaube ist, der dem Wesentlichen des Menschen gegenüber das Spirituelle verdunkelt. So daß es sich eigentlich darum handelt, daß man bei solchen Dingen Maja wirklich durchschaut. Schwer ist es ja allerdings, bei dem menschlichen Vorurteil immer die Maja zu durchschauen. Wenn man in der Maja tief drinnensteckt, durchschaut man sie nicht so leicht. Wer heute auf einem geschichtlich materialistischen Standpunkt steht, der wird vielleicht sagen: Die Entwickelung der Menschheit verläuft so, daß aus gewissen rein materialistischen Gegensätzen im menschlichen Zusammenleben sich irgendeine Art von Zusammenbruch entwickeln wird, und aus diesem Zusammenbruch wird dann eine neue Gesellschaftsordnung erwachsen. — Wir wissen, daß eine solche Voraussetzung gemacht wird bei der Strömung des geschichtlichen Materialismus. Man hat prophezeit, daß die Entwickelung so vor sich geht, daß durch den Gegensatz der Klassen und Stände ein Zusammenbruch der Geselischaftsordnung zustande kommt, und daraus würde sich dann herausentwickeln eine Art Neubegründung der Gesellschaft. Ein solcher geschichtlicher Materialist wird ganz gewiß zugeben, daß er an nichts glaubt, sondern nur auf geschichtliche Tatsachen sich stützt, und er wird aus einer gewissen inneren Befriedigung, ja Beseligung heraus sagen: Was waren das doch für sonderbare Kerle, die von der Apokalypse gesprochen haben, von einem tausendjährigen Reich und so weiter, die von einer andern Gestaltung der Zukunft aus der geistigen Welt heraus gesprochen haben! — Er wird sie als zurückgebliebene Propheten über die Achsel ansehen. Daß er aber doch nur den andern Glauben übernimmt, daß er an Stelle des spiritualistischen Glaubens den materialistischen Glauben setzt, davon hat er keine Ahnung. Nur muß so etwas von dem Wahrheitsuchenden durchschaut werden; er muß immer mehr und mehr über die Maja hinauskommen.
[ 10 ] Human beings have a mission to fulfill on Earth, which means they must develop what we now call normal consciousness. Through the wise order of the universe, they thus have the opportunity to view a very broad range of events as mere chance. It is thus, in a sense, up to their discretion to introduce regularity into these events. But there is never just one current at work; rather, there are always several currents. We see how spiritual forces are at play everywhere—that is, spiritual forces in which human beings also participate. There would also be a spiritual element in an external event of the kind described if the person in question had not been a pastor; but then he would not have been placed within this factual context. What I mean, then, is that human beings, through the development of their souls, participate in the spiritual realm themselves. This is what also clearly presents itself alongside the intellectual and rational currents in the world. Both currents always play a role in our lives. You must not believe, for example, that those who present themselves as monists—that is, as materialists—are always completely independent of the spiritual or believe in nothing at all, as they assume. Monism as a whole is nothing other than a belief; the point is simply that it is a belief that obscures the spiritual in relation to the essence of the human being. So that what is really at stake is seeing through maya in such matters. It is, of course, difficult to always see through maya in the face of human prejudice. When one is deeply entrenched in maya, one does not see through it so easily. Anyone today who takes a historical-materialist standpoint might say: The development of humanity proceeds in such a way that certain purely materialistic contradictions in human coexistence will lead to some kind of collapse, and from this collapse a new social order will then emerge. — We know that such an assumption is made within the current of historical materialism. It has been prophesied that development proceeds in such a way that the conflict between classes and social strata will bring about a collapse of the social order, and from this a kind of refoundation of society would then emerge. Such a historical materialist will certainly admit that he believes in nothing, but relies solely on historical facts, and out of a certain inner satisfaction, even bliss, he will say: What strange fellows they were, those who spoke of the Apocalypse, of a millennial kingdom and so on, who spoke of a different shape of the future emerging from the spiritual world! — He will dismiss them as backward prophets. But he has no idea that he is merely adopting a different belief, that he is substituting materialistic belief for spiritualistic belief. Yet such a thing must be seen through by the seeker of truth; he must increasingly transcend maya.
[ 11 ] So stoßen in der angedeuteten Art in uns zwei Welten zusammen, eine, welche bloß zusammenhängt mit Verstand und Vernunft, wie sie sich aus der Erdenmission ergeben, und die andere, welche zusammenhängt mit spirituellen Ereignissen, die sich so gruppieren, daß sie auch in ihrer Zufälligkeit eklatant für sich selber sprechen, wie es in dem angedeuteten Falle war, den wir durch unzählige andere Fälle vermehren könnten.
[ 11 ] span>Thus, in the manner indicated, two worlds collide within us: one that is connected solely with intellect and reason, as they arise from our earthly mission, and the other that is connected with spiritual events, which cluster in such a way that, even in their randomness, they speak strikingly for themselves, as was the case in the example given, which we could multiply with countless other instances.
[ 12 ] Was ist es denn, was uns dazu bringen kann, daß wir zwar stehenbleiben bei dem, was ja durchaus im Sinne der Erdenmission liegt: in den Zufall durch unsere eigene Willkür erst die Gesetzmäßigkeit hineinzubringen, so daß wir wirklich an das anknüpfen, was uns eine weise Weltenentwickelung gegeben hat, daß wir gewisse Dinge als zufällig anschauen können, und dann aber, wenn wir gescheiter sind, erst die Gesetzmäßigkeit hineinprägen wollen? Was ist es, daß wir so die Gesetzmäßigkeit hineinbringen? Fassen wir sozusagen ohne Schonung gegenüber den gegenwärtigen Schwächen das ins Auge, was da vorliegt.
[ 12 ] What, then, is it that can lead us to stop short of what is, after all, entirely in keeping with the purpose of our mission on Earth: introducing regularity into chance through our own arbitrariness, so that we truly build upon what a wise evolution of the world has given us—that we can view certain things as random, and then, when we become wiser, seek to impose regularity upon them? What is it that causes us to introduce regularity in this way? Let us, so to speak, take a hard look at what is before us, without sparing the present weaknesses.
[ 13 ] Die Menschen der Gegenwart werden sich mit kühnem, wissenschaftlichem Wagemut auf die Naturgesetze stürzen und die Naturtatsachen in solche Gesetze einfassen. Da sind die Menschen kühn. Warum sind sie da kühn? Es ist vielleicht schonungslos, aber es ist doch in einer gewissen Weise wahr: die Menschen sind kühn, weil dazu nichts weiter gehört! Daß man Naturgesetze anerkennt, daß man dort Gesetze voraussetzt, wo die äußeren Tatsachen so stramm sprechen, dazu gehört kein besonderer Mut. Wir würden heute sogar geneigt sein, dem Leugner von Naturgesetzen einen stärkeren Respekt zuzusprechen als dem Anerkenner derselben. Wenn jemand sagen würde: Da sagen die Leute, es gibt Naturgesetze, aber das kann auch nur Zufall sein, — so würden wir diesem vielleicht mehr Respekt entgegenbringen, weil es ein radikal kühner Entschluß wäre, in der Sphäre der Gesetzmäßigkeit auch einen bloßen Zufall anzunehmen. Nietzsche war nahe daran, alles als einen Zufall zu betrachten. So könnte also jemand sagen: Wenn die Sonne bisher alle Tage aufgegangen ist, so könnte das ebenfalls auf einem Zufall beruhen, und die Menschen hätten nicht weniger Recht, dieses tägliche Aufgehen der Sonne als einen Zufall anzusehen wie andere Ereignisse. — Das könnte stark, könnte mutig sein, nur wäre es natürlich falsch. Aber Naturgesetze anerkennen, die in den chemischen, in den physikalischen Vorgängen wirken, das ist ein Mut, der ja da ist, den die Menschen haben, und er soll ihnen nicht abgesprochen werden; aber er ist billig. Denn die Welt läßt sich nicht leicht als eine bloße Zufälligkeit betrachten, insofern man es mit Naturtatsachen zu tun hat. Aber der Mut verdunstet gegenüber den Dingen, die man gewöhnlich als zufällig bezeichnet, wo der Mensch gerade stark sein sollte — nämlich dem Zufall gegenüber — und sich sagen sollte: Da treten mir in einer gewissen Sphäre Ereignisse gegenüber, welche sich scheinbar sinnlos zusammenschließen; ich werde einen tieferen Sinn darin suchen. — Hineintragen den Sinn in die äußere Zufälligkeit, das hieße, sich mit starker Seele den äußeren Zeichen entgegenwerfen, so daß der Mut auch andauerte gegenüber den scheinbar zufälligen Ereignissen. So daß also das heutige Phantasieren gegenüber dem Zufall aus einer inneren Schwäche stammt, weil sich der Mensch nicht getraut gegenüber den Dingen, die er heute Zufall nennt, ein Gesetz anzuerkennen. Das ist etwas, was man bezeichnen darf als wissenschaftliche Feigheit, als Feigheit der Wissenschaft gegenüber dem Zufall: stehenzubleiben und nicht den Mut zu haben, in das, was sich als ein bloßes wirres Chaos darbietet, die Gesetze hineinzutragen, weil das Gesetz sich nicht selbst anbietet und dazu zwingt, es aus innerem Mut hineinzutragen. Daher muß entgegentreten der mutlosen Wissenschaft, die sich heute bloß auf Naturgesetze ausdehnen will, die mutvolle, starke, kühne Wissenschaft des Geistes, welche die innere Seele so belebt, daß in das scheinbare Chaos der Zufälligkeiten Gesetz und Ordnung hineingebracht wird. Und das ist diejenige Seite der Geisteswissenschaft, von der man sagen muß: Der Mensch soll durch sie stark werden, um nicht bloß dort Gesetzmäßigkeiten anzuerkennen, wo die äußeren Verhältnisse zu Stärke und Mut zwingen, sondern auch dort, wo er sein Inneres aufrufen muß, um so zu sprechen, wie sonst nur die Naturereignisse mit ihrem Zwange zu ihm sprechen. Die Natur ist fertig, ist da. Der Mensch tritt ihr gegenüber. Neben die Natur und überall in die Natur hinein stellt sich die Zufälligkeit. Der Mensch ist selbst in diese Zufälligkeit hineinverwoben, und ein großer Teil dessen, was er sein Schicksal nennt, liegt in den Gesetzen dieser Zufälligkeit. Was muß geschehen? Was geschehen muß, das sei heute noch beantwortet.
[ 13 ] People today will throw themselves at the laws of nature with bold, scientific daring and enshrine natural facts in such laws. In this, people are bold. Why are they bold in this regard? It may be harsh, but it is true in a certain sense: people are bold because nothing else is required! Recognizing the laws of nature, assuming laws where external facts speak so clearly—this requires no particular courage. Today we would even be inclined to accord greater respect to those who deny the laws of nature than to those who acknowledge them. If someone were to say: People say there are laws of nature, but that could just as well be a coincidence—we might show this person more respect, because it would be a radically bold decision to assume mere coincidence even in the realm of regularity. Nietzsche came close to viewing everything as a coincidence. So someone might say: If the sun has risen every day so far, that too could be based on chance, and people would be no less justified in viewing this daily rising of the sun as a coincidence than other events. — That could be bold, could be courageous, only it would of course be wrong. But to acknowledge the laws of nature that operate in chemical and physical processes—that is a courage that does exist, that people possess, and it should not be denied them; but it is cheap. For the world cannot easily be regarded as mere chance, insofar as one is dealing with facts of nature. But courage evaporates in the face of things that are usually called random, where a person ought to be strong—namely, in the face of chance—and ought to say to themselves: In a certain sphere, I am confronted with events that seem to come together without meaning; I will seek a deeper meaning in them. — To bring meaning into external chance would mean to confront the external signs with a strong soul, so that courage would also endure in the face of seemingly random events. Thus, today’s fantasizing about chance stems from an inner weakness, because people do not dare to recognize a law in the things they today call chance. This is something that may be described as scientific cowardice, as the cowardice of science in the face of chance: to stand still and lack the courage to bring laws into what presents itself as mere chaotic confusion, because the law does not present itself and compel us to bring it in through inner courage. Therefore, the timid science that today seeks merely to extend itself to the laws of nature must be countered by the courageous, strong, bold science of the spirit, which so enlivens the inner soul that law and order are brought into the apparent chaos of chance. And this is the aspect of Spiritual Science of which one must say: Through it, human beings are to become strong, so as to recognize laws not merely where external circumstances compel strength and courage, but also where they must summon their inner being to speak, so to speak, as otherwise only natural phenomena speak to them through their compulsion. Nature is complete, it is there. Humanity stands before it. Alongside nature and everywhere within nature stands chance. Humanity is itself woven into this chance, and a large part of what it calls its fate lies in the laws of this chance. What must happen? What must happen—let that be answered today.
[ 14 ] Geschehen muß etwas, was man in der Tat vielfach heute in der äußeren exoterischen Welt nicht einmal ahnt, wovon man sich gar keine Vorstellung macht. Es braucht, damit das geschehen soll, was geschehen könnte, eine Anfeuerung des Impulses, der zur äußeren Wissenschaftlichkeit treibt, eine Anfeuerung, die nicht von dieser äußeren Wissenschaftlichkeit allein kommen kann, ganz unmöglich von ihr kommen kann. Es braucht einen Einfluß auf diese äußere Wissenschaft von der geistigen, von der spirituellen Forschung her. Denn die äußere Wissenschaft wird, weil sie sich zwingen läßt zu ihren Gesetzmäßigkeiten, sich nicht aufraffen können zu dem Mut, der notwendig ist, um in das Reich der scheinbaren Zufälligkeiten spirituelle Gesetzmäßigkeit hineinzuschauen. Es hängt das mit dem zusammen, das oft hier berührt worden ist, daß Geisteswissenschaft, wenn sie ernst genommen sein soll, auf einen neuen Impuls hören muß, der zugleich hinweist auf eine Befeuerung des menschlichen Seelenmutes, der dazu führen muß, daß etwas durchaus Neues in die Welt hineintreten muß: wenn dieses Neue auch nichts anderes ist als die Neuerfassung desselben Impulses, welcher der Menschheit zwar gegeben worden ist, aber mehr oder weniger unbewußt gegeben worden ist und zur Bewußtheit von unserem Zeitalter an aufgerufen werden muß. Man sieht es überall, wie ein neuer Impuls kommen muß. Aber die anderen merken es auch, welche diesen neuen Impuls nicht wollen. Sie merken es ganz klar; aber sie geben sich manchmal in einer recht merkwürdigen Weise darüber Rechenschaft. Sie sagen es zwar nicht direkt. Aber das Merkwürdige ist doch, daß alle die, welche den Mut nicht haben zu dem, was jetzt gekennzeichnet worden ist, sich zwar noch in einer merkwürdigen Weise abzufinden vermögen mit allen möglichen philosophischen und sonstigen Auseinandersetzungen über die geistige Welt, die noch so ein bißchen Kompromisse schließen mit dem, was als natürliche Gesinnung herrscht. Sie werden da und dort eine anerkennenswerte Nachsicht finden mit alledem, was in eine geistige Welt hineinweist, was sich aber doch in einer gewissen Art noch gefallen läßt, zusammengeworfen zu werden mit alledem, das man sonst gern hat und das sich noch zeigen kann unter anständigen, naturwissenschaftlich gesinnten Leuten: aber irgendwo wird da eine Ausnahme gemacht. Diejenigen, die so recht glauben, daß sie das Recht dazu haben «unbedingt» zu urteilen, sie werden sagen: Ja, mit denen, die eine idealistische Philosophie vertreten, welche eine allgemeine, auf Vernunft begründete Annahme einer geistigen Welt macht, mit denen läßt sich ja reden, mit denen kann man sich auseinandersetzen. — Aber in merkwürdige Töne, in merkwürdige Taten verfallen die Menschen, wenn sie etwas hören von Geisteswissenschaft oder Anthroposophie. Da wird ihnen unbehaglich. Sie geben sich darüber nicht so ganz Rechenschaft, aber das eine ist ihnen klar: damit wollen sie nichts zu tun haben. Da werden sie auch unerbittlich, und da sind sie nicht so ganz nachsichtig, da wird geschimpft und die Geisteswissenschaft hingestellt als etwas Phantastisches, Erträumtes und Willkürliches. Und selbst die, welche noch von oben herunter zuweilen eine Nachsicht haben mit andern idealistischen Richtungen, der Geisteswissenschaft gegenüber verhalten sie sich doch so, daß fast der Goethesche Ausspruch zuschanden wird: «Den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte! », weil sie da die Anthroposophie so empfinden, als wenn es schon der leibhaftige Teufel wäre. Sie sagen es oft nicht, aber es ist so, ist ganz merkwürdig so.
[ 14 ] Something must happen that, in fact, many people in today’s outer, exoteric world do not even suspect, and of which they have absolutely no mental image. For what could happen to actually happen, there needs to be a stimulation of the impulse that drives outward scientific inquiry—a stimulation that cannot come from this outward scientific inquiry alone, that is quite impossible for it to come from. What is needed is an influence on this external science from the realm of spiritual research. For external science, because it allows itself to be constrained by its own laws, will not be able to summon the courage necessary to look into the realm of apparent chance and discern spiritual law. This is connected to what has often been touched upon here: that Spiritual Science, if it is to be taken seriously, must heed a new impulse that simultaneously points to a kindling of the human soul’s courage, which must lead to something entirely new entering the world: even if this new thing is nothing other than a renewed grasp of the very same impulse that has indeed been given to humanity, but was given more or less unconsciously and must be brought to consciousness from our age onward. One sees everywhere how a new impulse must come. But the others notice it too, those who do not want this new impulse. They notice it quite clearly; but they sometimes account for it in a rather peculiar way. They do not say so directly. But the strange thing is that all those who lack the courage for what has now been described are still able, in a peculiar way, to come to terms with all manner of philosophical and other debates about the spiritual world—debates that still compromise a little with what prevails as a natural mindset. Here and there they will find a commendable tolerance for everything that points toward a spiritual world, yet which, in a certain sense, still allows itself to be lumped together with everything else that is otherwise popular and that can still be found among decent, scientifically minded people: but somewhere an exception is made. Those who truly believe they have the right to judge “absolutely” will say: Yes, with those who advocate an idealistic philosophy that makes a general, reason-based assumption of a spiritual world—with them one can talk, with them one can engage. — But people resort to strange tones and strange actions when they hear anything about Spiritual Science or anthroposophy. It makes them uncomfortable. They don’t fully realize it, but one thing is clear to them: they want nothing to do with it. They become unyielding, and they are not very forgiving; they rant and dismiss Spiritual Science as something fantastical, dreamt up, and arbitrary. And even those who, from a higher vantage point, occasionally show leniency toward other idealistic movements, behave toward Spiritual Science in such a way that Goethe’s saying is almost put to shame: “The little people never sense the devil, even if he had them by the collar!” because they perceive anthroposophy as if it were the devil incarnate. They often do not say so, but it is so; it is quite remarkable.
[ 15 ] Man kann heute hinweisen auf einen Fall, der sich in unsern Reihen selber zugetragen hat, kann deshalb darauf hinweisen, weil er jetzt schon durch deutsche Zeitungen geht. Da hatte einer der Unsrigen an einer nordischen Universität eine Abhandlung als Doktotschrift eingereicht über das «Verhältnis des Ich zum Denken». Wäre er in der glücklichen Lage gewesen, in der ich selber war, bevor ich unter dem Namen «Theosophie» die Weltanschauung vertreten habe, die ich jetzt vertrete, als ich meine «Philosophie der Freiheit» schrieb, so würden die Menschen ja keine Ahnung, ich sage, keine «falsche » Ahnung haben, daß in dieser Abhandlung das Verhältnis des Ich zum Denken eine Beziehung zur Theosophie habe. Denn gar nichts kommt darin über Theosophie vor, so wenig wie in meiner «Wahrheit und Wissenschaft » und in der «Philosophie der Freiheit » etwas von Theosophie vorkommt. In diesen beiden Schriften haben die Menschen gar nicht geahnt, was dahintersteckt, haben auch nichts geredet, und die Dinge haben zuweilen einemerkwürdig günstige Beurteilung erfahren. Ich konnte das so recht prüfen. Eines Tages wurde ich auf Grund meiner Goethe-Schriften aufgefordert, das Kapitel über Goethes Verhältnis zur Naturwissenschaft zu schreiben. Das Werk erschien lange Zeit nicht, das Manuskript lag lange beim Herausgeber. Es war dazumal fast eine Selbstverständlichkeit, daß mir dieses Kapitel übertragen war, und es zweifelte auch keiner der in Betracht kommenden Menschen daran, daß dieses Kapitel gerade von mir geschrieben werden sollte. Aber da geschah etwas Merkwürdiges: Ich hatte angefangen, das Wort Theosophie auszusprechen, ja, ich war sogar offiziell innerhalb der theosophischen Bewegung aufgetreten — und die Abhandlung wurde mir als «unbrauchbar» zurückgeschickt!
[ 15 ] One can point today to a case that occurred within our own ranks; one can point to it because it is already making the rounds in German newspapers. One of our own had submitted a dissertation at a Nordic university on “The Relationship of the Self to Thought.” Had he been in the fortunate position I myself was in before I began to advocate the worldview I now hold under the name “Theosophy”—when I wrote my *Philosophy of Freedom*—people would have no inkling, I say, no “false” inkling, that in this dissertation the relationship of the ego to thought bears any relation to Theosophy. For there is absolutely nothing in it about Theosophy, just as there is nothing about Theosophy in my *Truth and Science* or in *The Philosophy of Freedom*. In these two works, people had no inkling of what lay behind them, said nothing about it, and the works were at times met with a surprisingly favorable reception. I was able to verify this quite clearly. One day, on the basis of my writings on Goethe, I was asked to write the chapter on Goethe’s relationship to the natural sciences. The work did not appear for a long time; the manuscript lay with the editor for a long time. At the time, it was almost a matter of course that this chapter had been entrusted to me, and none of the people in question doubted that this chapter should be written by me specifically. But then something strange happened: I had begun to speak the word “Theosophy”—indeed, I had even officially appeared within the Theosophical Movement—and the essay was sent back to me as “unusable”!
[ 16 ] Sie sehen, welche inneren Gründe da spielen. Da kann man die Dinge abfangen, welche da mitspielen: wäre unser Freund nicht Theosoph, so würden die Menschen nicht verkannt haben, daß da eine logisch dialektische Abhandlung vorliegt über das Verhältnis des Ich zum Denken. Aber nun ist jene Universitätsstadt, wo sich das zugetragen hat, nicht so groß, man wußte, daß der Betreffende ein Theosoph ist, und nun war seine Arbeit unbrauchbar für die Gelehrten, die noch dazu Experimentalpsychologen sind, die da sagen: Gesetze erkennen wir nur da an, wo der äußere Zwang herrscht. — Wenn jemand aber Gesetze anerkennt, wo kein äußerer Zwang herrscht, wie ja bei dem Verhältnis des Ich zum Denken kein äußerer Zwang herrschen kann, so ist der Betreffende von vornherein zurückgewiesen. Kurz, die Abhandlung unseres Freundes wurde zurückgewiesen. Es wurde aber noch etwas anderes gemacht. Diese Abhandlung ist ja in einer nordischen Sprache geschrieben, die nur sehr wenige kennen, und da schickte man sie nun an einen alten deutschen Gelehrten, der «zufällig» diese nordische Sprache kennt — ich sage dies absichtlich. Dem alten Herrn mutete man ja viel Philosophie zu; aber man konnte nicht das voraussetzen, was in diesem Falle günstig war: daß der Betreffende nicht Theosoph war!
[ 16 ] You can see what underlying reasons are at play here. One can identify the factors involved: if our friend were not a Theosophist, people would not have failed to recognize that this is a logical-dialectical treatise on the relationship between the self and thought. But now, the university town where this took place is not very large; people knew that the person in question was a Theosophist, and so his work was of no use to the scholars—who, moreover, are experimental psychologists—who say: We recognize laws only where external compulsion prevails. — But if someone recognizes laws where no external compulsion prevails—as indeed no external compulsion can prevail in the relationship of the self to thought—then the person in question is rejected from the outset. In short, our friend’s treatise was rejected. But something else was done as well. This treatise is, after all, written in a Nordic language that very few people know, and so they sent it to an elderly German scholar who “happens” to know this Nordic language—I say this deliberately. The old gentleman was, of course, expected to be well-versed in philosophy; but they could not assume what was advantageous in this case: that the person in question was not a Theosophist!
[ 17 ] So hat er also sein Urteil abgegeben, hat es objektiv abgegeben, und siehe da: es wurde ein außerordentlich günstiges Urteil.
[ 17 ] So he delivered his verdict, delivered it objectively, and lo and behold: it was an exceptionally favorable verdict.
[ 18 ] Solcher Geschichten reihte sich an diese Abhandlung noch eine an, und worauf es dabei ankommt, werden Sie gleich sehen. In diesen Tagen wurde mir ein Ausschnitt aus der «Frankfurter Zeitung» geschickt, wo in einer unglaublichen Weise über diese Sache berichtet wird, so daß man absolut nicht mehr erkennt, worum es sich handelt; denn es wird die Sache geradezu — obwohl sie selbst mit der Theosophie nichts zu tun hat — so dargestellt, als ob nun an einer nordischen Universität über Theosophie gestritten wird! Nicht über Theosophie, sondern über einen ganz anderen Punkt! Und das dürfte nicht verschleiert werden. Darüber nämlich: ob es noch möglich ist, irgendwo eine Bresche zu schießen gegen die Intoleranz, von der wir gesprochen haben. Über das, worauf es eigentlich ankommt, darüber wird nicht gesprochen. Da spielen eben andere Gründe mit, und so werden Sie die kuriosesten Entstellungen über solche Vorgänge finden.
[ 18 ] Another such story was added to this treatise, and you will soon see what the point of it is. Recently, I was sent a clipping from the *Frankfurter Zeitung* in which this matter is reported in such an unbelievable way that one can no longer make out what it is actually about; for the matter—even though it has nothing to do with theosophy itself—is presented as if there were now a dispute over theosophy at a Nordic university! Not about theosophy, but about an entirely different matter! And that should not be obscured. Namely, whether it is still possible to make a breach somewhere against the intolerance we have spoken of. What really matters is not being discussed. Other motives are at play here, and so you will find the most curious distortions of such events.
[ 19 ] Ich erwähne es, damit Sie die Sache wissen und beurteilen können, und weil so etwas immer wieder und wieder vorkommt und sich selbst unter den Theosophen Leute finden, die es ernst nehmen und sagen: Da oder dort ist etwas Spirituelles —, während Sie darüber belehrt sein sollten, daß sie das, was als ein wirklich neuer Impuls kommen soll, nicht zu suchen haben da oder dort, sondern in derGeisteswissenschaft selber. Denn nur dadurch gedeiht, was die Welt vorwättsbringen soll, wenn es sich in seiner eigenen Kraft erfaßt. Und so muß sich der Mensch erfassen in seiner eigenen Kraft, um dennoch die Welt in ihrer scheinbaren Zufälligkeit als sinnvoll und gottdurchdrungen zu durchschauen. Dieser Impuls muß aus der Geisteswissenschaft heraus gegeben werden. Wie muß er gegeben werden? So, daß die Menschen erkennen werden, daß einmal im Laufe der Menschheitsentwickelung der Zeitpunkt da war, der jetzt eben neu erkannt werden soll, auf den uns unter anderem so bedeutungsvoll im Markus-Evangelium hingedeutet wird, der damals eingetreten ist, jetzt aber für das menschliche Bewußtsein erobert werden soll, auf den im Markus-Evangelium im ersten Kapitel mit den Worten hingedeutet wird: «Es ist erfüllt der Inhalt der alten Zeit, und herbeigekommen ist das Reich der Himmel; erkennt euch und schauet hin auf dasjenige, was aus der neuen Botschaft fließt!» Und dann wird, wenige Stellen weiter, merkwürdig gesprochen von dem Christus Jesus. Es handelt sich wahrhaftig in unserer Gemeinschaft nicht darum, ein orthodoxes Dogma zu vertreten, sondern darauf hinzuweisen, wie an einer Stelle der Menschheitsentwickelung der Impuls eingetreten ist, der jetzt zur Stärkung der inneren Kräfte führen muß, durch den das menschliche Ich sich erkennt, aber auch in der Welt sich selbst schauen lernt und in sich selbst hineintragen lernt, was sonst nur als blinder Zufall erscheint. Warum spricht zu dem Menschen aus den Naturerscheinungen heraus kein Zufall? Warum spricht er da von Gesetzmäßigkeit? Das ist aus dem Grunde, weil nach dem Ablauf der Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung eingegriffen haben die Geister der Form, die Exusiai. Und wenn Naturgesetze sich offenbaren, so sind das keine abstrakten Gesetze, sondern es sind im spirituellen Sinne die Taten der Exusiai, der Geister der Form. Und indem der Mensch hineinschaut in den Ablauf der Naturereignisse, schaut er in den Naturgesetzen die Taten der Exusiai. Aber zusammengesunken ist der Mensch in seinem Mut. Und da, wo die Exusiai nicht sprechen, wo sie nicht handgreiflich hinweisen auf das, was sie in die Naturtatsachen hineingelegt haben, da ahnt der Mensch nichts mehr davon, daß dort auch Geistiges als die Gesetzmäßigkeit spricht. Dahin aber muß es kommen, daß der Mensch von den Ereignissen, die er heute noch in das Reich des Zufalls wirft, so sprechen lernt, wie in den Naturtatsachen die Exusiai sprechen. Zusammengeklappt in seinem Mut ist der Mensch. Wie lernt er nur sprechen über das, was als Menschenschicksal durch die Menschheit zieht? Nur wie die «Grammatiker», die nur die Worte aufzählen und keinen Zusammenhang suchen, und gar oft glauben, daß keine wirkende und lebendige Kraft darinnen wäre. Der Mensch aber muß lernen nicht nur in den Naturtatsachen, in den Taten der Exusiai einen Zusammenhang zu sehen, sondern er muß auch durch einen inneren Impuls so sprechen lernen über die Ereignisse in der Menschheit, wie wenn die Exusiai auch sprechen würden in dem, was ihm heute als Zufälligkeit erscheint. Damit aber das geschehen kann, mußte Einer kommen, der nicht spricht wie die, welche nichts wissen von den scheinbaren Zufälligkeiten. Der da kommen mußte, der mußte sprechen nicht wie die Grammatiker, sondern wie die Exusiai aus den Naturtatsachen sprechen. So sprach der Christus aus dem Jesus. Und das zeigt uns das Evangelium in einer wunderbaren Weise an, indem es uns nicht bloß in abstrakter Weise sagt: «Und sie entsetzten sich über seiner Lehre», sondern indem es gleich hinzufügt: «...denn er lehrte, wie die Exusiai lehren», ἦν γὰρ διδάσκων αὐτοὺς ὡς ἐξουσίαν ἔχων, (ēn gar didaskōn autous hōs exousian echōn). Wo lehren die Exusiai? In den Naturtatsachen! So, mit derselben Naturnotwendigkeit sprach der Christus aus dem Jesus über das, was er zu sagen hatte über die scheinbar nicht durch Naturgesetze beherrschten Reiche.
[ 19 ] I mention this so that you may be aware of the matter and judge for yourselves, and because such things happen time and again, and even among theosophists there are people who take it seriously and say: “There is something spiritual here or there”—whereas you should be aware that what is to come as a truly new impulse is not to be sought here or there, but in spiritual science itself. For only through this does that which is to bring the world forward flourish when it grasps itself in its own power. And so the human being must grasp itself in its own power in order to nevertheless perceive the world, in its apparent randomness, as meaningful and permeated by God. This impulse must be given forth from Spiritual Science. How must it be given? In such a way that people will recognize that there was once, in the course of human development, a moment that is now to be recognized anew—the moment to which we are pointed so significantly, among other things, in the Gospel of Mark; the moment that occurred then but must now be conquered for human consciousness; the moment to which the Gospel of Mark alludes in the first chapter with the words: “The content of the old age is fulfilled, and the Kingdom of Heaven has come; recognize yourselves and look to that which flows from the new message!” And then, a few verses later, there is a remarkable passage about Christ Jesus. It is truly not a matter in our community of upholding an orthodox dogma, but of pointing out how, at a certain point in human development, the impulse has arisen that must now lead to the strengthening of inner forces—through which the human ego comes to know itself, but also learns to see itself in the world and to carry within itself what otherwise appears only as blind chance. Why does no coincidence speak to the human being from within natural phenomena? Why does he speak of regularity there? This is because, following the course of the Saturn, Sun, and Moon evolutions, the spirits of form, the Exusiai, have intervened. And when natural laws reveal themselves, these are not abstract laws, but in a spiritual sense they are the deeds of the Exusiai, the spirits of form. And as human beings look into the course of natural events, they see in the laws of nature the deeds of the Exusiai. But human courage has collapsed. And where the Exusiai do not speak, where they do not point tangibly to what they have placed within the facts of nature, there human beings no longer sense that the spiritual also speaks there as lawfulness. But it must come to pass that humanity learns to speak of the events it still casts into the realm of chance today in the same way that the Exusiai speak in the facts of nature. Humanity is cowering in its courage. How does he learn to speak of what passes through humanity as human destiny? Only like the “grammarians” who merely list the words and seek no connection, and often believe that there is no active and living force within them. But human beings must learn not only to see a connection in the facts of nature, in the deeds of the Exusiai, but they must also, through an inner impulse, learn to speak of the events in humanity as if the Exusiai were also speaking in what appears to them today as chance. But for this to happen, One had to come who does not speak like those who know nothing of the apparent coincidences. The One who had to come had to speak not like the grammarians, but as the Exusiai speak from the facts of nature. Thus did the Christ speak from Jesus. And the Gospel shows us this in a wonderful way, not merely by telling us in an abstract manner: “And they were astonished at his teaching,” but by immediately adding: “... for he taught as those who have authority teach,” ἦν γὰρ διδάσκων αὐτοὺς ὡς ἐξουσίαν ἔχων, (ēn gar didaskōn autous hōs exousian echōn). Where do the Exusiai teach? In the facts of nature! Thus, with the same natural necessity, the Christ within Jesus spoke of what he had to say about the realms seemingly not governed by the laws of nature.
[ 20 ] Das ist der Impuls, der hineinkommen muß in die Menschen. Dann werden sie den Mut finden, in den heutigen Zufälligkeiten das Reich der spirituellen Gesetzmäßigkeit kennenzulernen und nach und nach darüber so sprechen zu lernen, wie die Exusiai, wie die Geister der Form in den Naturtatsachen sprechen. Das war der große Osterimpuls der Menschheit, daß in dem Jesus von Nazareth etwas lebte, was da sprach mit derjenigen inneren Notwendigkeit, mit der sonst die Naturgesetze in den Naturtatsachen sprechen, von dem irdischen Mineralreich bis oben hinauf über das Reich der Wolken in das Reich der Sterne hinein. So sprach der Christus in dem Jesus von Nazareth! Und wenn der Mensch die Möglichkeit findet, seinen Mut anzufeuern durch diesen Impuls, dann wird er die einheitliche Gesetzmäßigkeit in allen Tatsachen des Weltgeschehens erkennen, in den Naturtatsachen und auch in den Geistestatsachen, von denen man glaubt, daß dort der Zufall spielt. Das ist das Neue, daß die Menschen, abgesehen von allen Vorurteilen, verstehen lernen müssen, worin das Gewaltige des Christus-Impulses besteht und worüber hinaus sie der ChristusImpuls heben kann. Mit solchen Gedanken schreiten wir entgegen demjenigen Fest, das man als Erinnerungsfest an jene Tatsache bezeichnet, durch welche erkannt wurde im Laufe der Menschheitsentwickelung, daß ein solcher Impuls der Menschheit zuteil geworden ist. Es wird mancherlei von dem, was gerade im heutigen Vortrage gesagt worden ist, ganz gut verwertet werden können als eine Art Ostermeditation, und Sie werden dann verspüren, daß das, was aus einer solchen Betrachtung wie der heutigen hineinfließt in die Seele, nützlich sein kann für die Stimmung, die den Menschen dem Osterfeste entgegenbringen kann, wie das auch in unserem Seelenkalender charakterisiert worden ist.
[ 20 ] This is the impulse that must take hold in people. Then they will find the courage to recognize the realm of spiritual law within today’s seemingly random events and, little by little, learn to speak of it in the same way that the Exusiai—the spirits of form—speak through the facts of nature. That was the great Easter impulse for humanity: that within Jesus of Nazareth lived something that spoke with the same inner necessity with which the laws of nature otherwise speak in the facts of nature, from the earthly mineral kingdom all the way up through the realm of the clouds into the realm of the stars. Thus did the Christ speak in Jesus of Nazareth! And when human beings find the means to stir their courage through this impulse, they will recognize the unified lawfulness in all facts of world events, in the facts of nature and also in the spiritual facts, where one believes chance plays a role. This is the new thing: that people, setting aside all prejudices, must learn to understand what constitutes the power of the Christ impulse and to what heights the Christ impulse can lift them. With such thoughts we move toward the festival that is designated as a commemoration of that event through which it was recognized in the course of human development that such an impulse has been bestowed upon humanity. Much of what has just been said in today’s lecture can be put to good use as a kind of Easter meditation, and you will then feel that what flows into the soul from a contemplation such as today’s can be useful for the mood with which people can approach the Easter festival, as has also been characterized in our Spiritual Calendar.
