Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Man in the Light of
Occultism, Theosophy and Philosophy
GA 137

9 June 1912, Oslo

Translate the original German text into any language:

Siebenter Vortrag

Lecture Seven

[ 1 ] Es war ein Teil des sogenannten Mysterium magnum, das wir berühren mußten am gestrigen Tage, und es wird sich vielleicht für manchen von Ihnen eine gewisse Schwierigkeit ergeben haben, es gerade von diesem Gesichtspunkte aus zu betrachten, den wir da ins Auge fassen mußten, um mit allen Einzelheiten gut zurechtzukommen. Aber die Welt ist einmal kompliziert, und es geht wirklich nicht anders, wenn man Verlangen trägt, zu gewissen höheren Erkenntnissen aufzusteigen, als daß man auch die Mühe nicht scheut, manche kleine Schwierigkeit mit in Kauf zu nehmen.

[ 1 ] Yesterday we touched upon one part or aspect of the Mysterium Magnum, and some of you will perhaps have felt a certain difficulty in approaching it from the standpoint that we were obliged to take in order to make the matter clear in detail. But the world is complicated,—let us admit that, once for all! And if we really have the desire to rise to the knowledge of higher truths, there is nothing for it but we must be ready to put up with some difficulties on the way.

[ 2 ] Wenn wir uns noch einmal vergegenwärtigen, übersichtlich und zusammenfassend, was wir unter diesem großen Mysterium zu verstehen haben, so ist es ja auf der einen Seite gewesen die Dreigliedrigkeit des Menschen, oder eigentlich, noch besser gesagt, die Zusammensetzung des Menschen aus drei Menschen von je sieben Gliedern, so daß wir unterscheiden können einen oberen Menschen, einen mittleren Menschen und einen unteren Menschen. Diese drei Menschen erscheinen uns, wenn wir durch die Welt wandern und unsere Erlebnisse haben, innig miteinander verbunden. Das gewöhnliche Bewußtsein unterscheidet diese drei Menschen nicht voneinander. Das war die eine Seite. Die andere Seite des großen Mysteriums ist die, daß in dem Augenblicke, wo der Mensch sich erhebt aus seinem gewöhnlichen Erdenbewußtsein heraus zu einem Bewußtsein höherer Art, er sofort vor der Tatsache steht, die ja auch ausgeführt wurde in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?»: daß er dann ein Zerreißen seines Bewußtseins in drei Teile, ein Auseinandergerissenwerden seines ganzen Menschen gewärtigen muß, nämlich in einen denkenden Menschen, in einen fühlenden Menschen und in einen wollenden Menschen. Aufgeteilt in diese drei inneren Seelenwesen fühlt sich der Mensch gleichsam, wenn er zu einem höheren Bewußtsein aufsteigen will. Auf der einen Seite haben wir also den dreimal siebengliedrigen Menschen, auf der anderen Seite haben wir bei einem Überschreiten des gewöhnlichen Bewußtseins sofort eine Dreiteilung dieses unseres Bewußtseins, so daß der Mensch, der als okkulter Aspirant zum Hellseher wird, wie Sie aus dem erwähnten Buche wissen, mit aller Gewalt sich anstrengen muß, daß er zusammenhält die drei Glieder seines Bewußtseins, damit er innerlich-seelisch nicht auseinanderfällt. Ein innerliches Verhängnis wäre es, wenn er auseinanderfiele. Während wir also im gewöhnlichen Leben fortwährend versucht sind, das, was dreifach ist, die menschliche Natur, in eine Einheit, in eine einzelne menschliche Gestalt zusammenzuschließen, ist es gegenüber unserem Inneren, gegenüber unserem Seelenleben so, daß wir in dem Augenblicke, wo wir nur irgendwie unser Bewußtsein überschreiten, ‘sogleich darauf hingewiesen werden, daß wir ein dreifaches Wesen sind, hingewiesen werden darauf, daß uns Gefahr droht, im innersten Seelenleben in drei Menschen auseinandergerissen zu werden.

[ 2 ] Let us once more gather up for our consideration what we have to understand by the Mysterium Magnum. We saw on the one hand how it reveals man in his three members—or rather, reveals him as composed of three men each having seven members—so that we can distinguish an upper man, a middle man and a lower man. As we go through the world and have our experiences, these three men seem to be closely and intimately united; everyday consciousness does not distinguish one from another. That was one aspect of the Mystery. The other consists in this,—that the moment man lifts himself out of his ordinary Earth consciousness and attains a consciousness of a higher kind, he is at once faced with the event that I have described in my book Knowledge of the Higher Worlds and its Attainment, where I said how man must then expect his consciousness to be torn into three, his whole being to be rent asunder, so that he is divided into a thinking man, a feeling man and a willing man. Split up, as it were, into these three soul beings,—that is how man feels when he sets out on the path to a higher consciousness. We have thus on the one hand the three times seven-membered man, and on the other hand, as soon as we take a step beyond ordinary consciousness, we have at once a division of this consciousness into three, which means that every aspirant after occultism who becomes clairvoyant must, as you will know from the book; already quoted, strive with all his might to hold together the three members of his consciousness, that he may not fall to pieces in his inner life of soul. It were indeed a tragic destiny for his inner being if that were to happen. Whilst in ordinary life we are continually tempted to bring together the whole nature of man—which is threefold—into a unity and see it as a single and whole human form, for our inner life of soul on the other hand, the moment we step beyond ordinary consciousness, we are immediately made aware that we are in reality a threefold being, and are in imminent danger of being torn into three in our inner life of soul.

[ 3 ] Verstehen, wie die Dinge sich eigentlich verhalten, werden wir am besten, wenn wir zunächst ganz elementar noch einmal unseren Ausgangspunkt nehmen von dem, was zwar das alltägliche Leben darbietet und dem okkulten Aspiranten deutlich gemacht wird, was sich aber die Menschen in diesem gewöhnlichen äußeren Leben eigentlich durchaus nicht klarmachen. Schon im gewöhnlichen Leben weisen die drei Seelenkräfte des Menschen, die man auch im gewöhnlichen Leben unterscheidet, oder besser gesagt, die einzelnen Eigenschaften des Bewußtseins selbst im Laufe des Lebens deutlich auf das hin, was wir gestern als den dreigliedrigen Menschen kennengelernt haben.

[ 3 ] We shall best understand how matters really are in this connection if we take our start once again in quite an elementary way from certain facts of everyday life which manifest themselves in full clarity to the occult pupil, but are not at all generally observed. For it is indeed so that already in ordinary life the three soul powers of man—or rather, the several qualities of consciousness that correspond to them and that we are quite accustomed to distinguish one from another—do themselves direct our attention to what we learned to understand yesterday as the three-membered human being.

[ 4 ] Schauen Sie sich einmal den Menschen an, wie er im alltäglichen Leben vor Ihnen steht. Was muß denn, damit das alltägliche Bewußtsein zustande kommt, eigentlich stattfinden? Damit das alltägliche Bewußtsein zustande kommt, das Bewußtsein, das Sie als denkende Erdenmenschen hauptsächlich mit sich herumtragen, dazu ist notwendig, daß die äußeren Eindrücke auf Ihre Sinne wirken können. Die Sinne sind hauptsächlich, insofern sie uns von dem Erdenleben unterrichten, im Kopfe fixiert, und der Inhalt des Bewußtseins, das, was in dem Bewußtsein drinnen ist, rührt zunächst hauptsächlich von diesen Sinnen her.

[ 4 ] Look at man as he stands before you in everyday life! What has to take place in him for everyday consciousness to come about? For everyday consciousness to be there—the consciousness that you carry round with you as thinking Earth man—impressions from without must work upon your senses. The senses, in so far as they give us information of Earth life, are principally situated in the head, and the content of consciousness is in the main derived from these senses.

[ 5 ] Wenn Sie von den drei Menschen, die wir gestern kennengelernt haben, den oberen Menschen nehmen, so werden Sie sich sagen: Die Eindrücke des Tages, des gewöhnlichen Bewußtseins, geschehen vorzugsweise auf den oberen Menschen, auf den Kopfmenschen. Die machen sich dadurch geltend, daß der Mensch imstande ist, diesen Eindrücken des äußeren Bewußtseins, wenn sie auf ihn wirken, das Instrument seines Gehirns, überhaupt seines ganzen Kopfes entgegenzustellen.

[ 5 ] Of the three men whom we learned to recognise yesterday in the human being, it is especially the head man, the upper man, that receives the daytime impressions,—the impressions of ordinary consciousness. They make themselves felt inasmuch as man is able to bring to meet them the instrument of his brain, indeed of his whole head.

[ 6 ] Nun wird Ihnen eine leichte Überlegung zeigen, daß der Mensch, so wie er als Erdenmensch ist, keineswegs bloß Kopfmensch sein kann. Für die okkulte Betrachtung haben wir gestern gesehen, wie der Mensch auseinanderfällt in die drei Teile. Aber so wie der Mensch vor uns steht als Erdenmensch, muß der Kopf, damit er lebensfähig ist, unterhalten werden von den Substanzen und Kräften, welche fortwährend aus dem zweiten, dem mittleren Menschen in den Kopf hineingeschickt werden. Die Nahrungsstoffe müssen durch die Blutzirkulation aus dem mittleren Menschen in den Kopf fließen, müssen unterhalten das Gehirn; dann kann das Gehirn sich als ein Werkzeug den äußeren Sinneseindrücken entgegenstellen, und dann können namentlich die Gedanken und Vorstellungen infolge der äußeren sinnlichen Eindrücke im Menschen entstehen.

[ 6 ] A little reflection will quickly show you that man as Earth man cannot possibly be a head man alone. We saw yesterday that for occult consideration man falls into three parts, quite distinct from one another; and for man to stand before us as Earth man, the head must obviously be maintained in life by substances and forces which are continually being sent up into it from the second (middle) man. By means of the circulation of the blood, nourishment must flow for the sustenance of the brain. Then the brain is able to meet the external sense impressions in such a way that by means of the instrument of the brain thoughts and ideas arise in man as a result of these sense impressions.

[ 7 ] Das, was da durch das Instrument des Gehirns entsteht, erlebt der Mensch in seinem gewöhnlichen Bewußtsein; und Sie wissen auch, daß dieses gewöhnliche Bewußtsein, wenn der Mensch schläft, aufhört, daß die äußeren Sinneseindrücke dann nicht mehr da sind, daß sie nicht mehr auf den Menschen wirken. Wenn der Mensch nun schläft und die äußeren Sinneseindrücke nicht mehr auf das von dem mittleren Menschen unterhaltene Gehirn wirken, dann geschehen natürlich noch immer Wirkungen von diesem mittleren Menschen auf den oberen, von dem zweiten Menschen auf den ersten, also auf dieses Gehirn. In diesem mittleren Menschen wird auch während des Schlafes die Atmung unterhalten; es werden ferner die anderen Tätigkeiten des mittleren Menschen unterhalten; das Blut wird ebenso, wenn der Mensch schläft, in sein Gehirn geleitet, wie wenn er wacht. Nur mit einem kleinen Unterschiede geschieht das im Grunde genommen.

[ 7 ] Man experiences in ordinary consciousness what arises in this way through the instrumentality of the brain. You know also that this ordinary consciousness ceases when man is asleep; the external sense impressions are not there any more, they have no longer any influence upon him. When man is asleep and the external sense impressions no longer work upon the brain that is sustained by the middle man, naturally the influences that work from the middle man upon the upper man, from the second man upon the first—influences, that is, upon the brain—still go on. For in this middle man breathing is maintained, even during sleep, and the other activities of the middle man continue. Blood is carried up into the brain when man is asleep as well as when he is awake,—though with a difference; for the way in which the instrument of everyday consciousness is sustained by the middle man is not quite the same in waking and in sleep.

[ 8 ] Ein Unterschied ist schon vorhanden in der Art und Weise, wie das Instrument des alltäglichen Bewußtseins durch den mittleren Menschen unterhalten wird im Wachen, und wie es unterhalten wird im Schlafen. Der Unterschied drückt sich zum Beispiel dadurch aus, daß während des Schlafes die Zahl unserer Atemzüge eine geringere, von etwa zwanzig auf fünfzehn heruntergesetzt ist, daß auch die Atmungsmenge der Kohlensäure ungefähr um ein Viertel geringer ist, und daß die ganze Art der Ernährungsweise sich während des Schlafes ändert. Wenn also unter Umständen die gewöhnliche Ernährungsweise des Menschen und ihre Wirkung im Schlafe fortdauern, so kann das sogar sehr schlimm sein. Das wissen die Menschen aus der Tatsache heraus, daß man nach einer reichlich genossenen Mahlzeit schlecht schläft, so daß also in der Tat das Gehirn durch eine unmittelbar vor dem Einschlafen reichlich genossene Mahlzeit in seiner Ruhe gestört wird. Es ist also schon ein Unterschied zwischen dem Schlafzustande und dem Wachzustande auch in der Art, wie der mittlere Mensch in den oberen Menschen hinaufwirkt.

[ 8 ] The difference finds expression in the fact that during sleep the number of breaths we take is considerably less in proportion than when we are awake, and the quantity of carbonic acid gas in our breath is reduced by about one fourth; the manner and method of nourishment also changes during sleep. When, under certain circumstances, the process of nourishment does continue to work in the same way during sleep, it can have very bad results. This is well known from the fact that after an excellent meal one does not generally sleep well; the brain is disturbed in its rest if a heavy meal is taken immediately before going to sleep. There is, therefore, a difference between the conditions of sleep and waking even in the way the middle man works up into the upper man.

[ 9 ] Nun fragen wir uns einmal: Was hat denn das zunächst zur Folge für den gewöhnlichen Erdenmenschen, daß dieser Unterschied eintritt?

[ 9 ] Can we see, in ordinary Earth man, any result of this difference?

[ 10 ] Daß der Mensch sich der äußeren Welt verschließt und nur in seinem leiblichen Inneren, in dem, was wir als die Gestalt des Menschen beschrieben haben, wirkt von dem mittleren Menschen nach dem oberen Menschen hin durch das, was an Kräften in dem mittleren Menschen vorhanden ist, das hat zur Folge, daß das gewöhnliche Alltagsbewußtsein ausgelöscht wird, daß der Mensch, obwohl er während des Schlafes sein Gehirn hat, die Wirkungen, die da geschehen von dem mittleren Menschen aus auf dieses Gehirn, eben nicht wahrnimmt, daß diese Wirkungen ausbleiben und eigentlich nur in dem vorhanden sind, was wir gewöhnlich das Traumbewußtsein nennen.

[ 10 ] The fact that man shuts himself off from the external world, and that only inside his body—wholly within what we have described as the form or figure of man—an influence is exerted by the forces of the middle man in the direction of the upper man, has the result that ordinary daytime consciousness is extinguished; so that, although during sleep man still has his brain, he does not perceive the influences that are at work from the middle man upon this brain. The influences go on just the same, but they are only present to what we generally term dream consciousness.

[ 11 ] Dieses Traumbewußstsein ist zwar sehr kompliziert, aber der Mensch kann sehr leicht, wenn er ein wenig nachdenkt, zu der Erkenntnis kommen, daß eine gewisse Klasse von Träumen durchaus mit dem zusammenhängt, was im mittleren Menschen vor sich geht, und davon herrührt, daß das Gehirn nicht bloß imstande ist, die äußere Welt wahrzunehmen, wenn die Sinneseindrücke auf das Gehirn wirken, sondern daß es auch in gewisser Weise imstande ist, das wahrzunehmen, was als Wirkungen aus dem mittleren Menschen in Form von Traumbildern, die allerlei Symbole annehmen, geschieht. Wenn im Herzen etwas in Unordnung ist, so kann das sehr leicht geträumt werden unter dem Symbole eines kochenden Ofens. Wenn in den Gedärmen etwas nicht in Ordnung ist, so wird häufig von Schlangen geträumt. Das Innere charakterisiert sich sehr oft so, daß der Traum auf das hinweist, was im Inneren des mittleren Menschen geschieht. Und wer mit der gewöhnlichen äußeren Wissenschaft auf diesen merkwürdigen Zusammenhang eingeht, der wird sich sagen können, daß Unregelmäßigkeiten, Irregularitäten des mittleren Menschen symbolisch in Traumbildern wahrgenommen werden.

[ 11 ] This dream consciousness is very complicated. You will, however, have no difficulty in recognising that a particular class of dreams is wholly connected with what takes place in the middle man, and owes its origin to the fact that the brain is able not only to perceive the external world when the sense impressions work upon it, but able also in some way to perceive influences proceeding from the middle man, beholding them in the form of dream pictures that make use of all kinds of symbols. If something is wrong with the heart, it can easily happen that one dreams of it in the symbol of a burning hot fire. If all is not in order in the intestines it may happen that one dreams of snakes. The character and condition of man's inside will often determine the dream, which can then be an indication of what is going on there. Whoever will take the trouble to observe this remarkable connection and study it with the help of external science, will come to the conclusion that irregularities in the middle man are perceived symbolically in dream pictures.

[ 12 ] Es gibt ja auch, wie Sie durchaus wissen, Menschen, die in bezug auf Träume dieser Klasse noch viel weitergehende Erfahrungen machen; Menschen, welche das Herankommen von gewissen Krankheiten in ganz bestimmten symbolischen 'Traumbildern wahrnehmen können, so daß man oftmals den deutlichen Zusammenhang finden kann zwischen ganz regelmäßig wiederkehrenden 'Traumbildern symbolischer Art und einer später eintretenden Lungen-, Herz- oder Magenkrankheit und dergleichen.

[ 12 ] There are also, as you will know, people who have much more far-reaching experiences with dreams of this kind, people who are able to perceive in definite symbolic pictures the oncoming of certain illnesses. A clear connection can frequently be traced in such cases between dream pictures of a symbolic character recurring with absolute regularity and a disease of the lungs or heart or stomach which makes its appearance later.

[ 13 ] Ebenso wie es möglich ist, durch ein genaues Aufmerken beim Aufwachen wahrzunehmen, daß, wenn man von einem kochenden Ofen geträumt hat, manchmal das Herz schneller schlägt, was sich eben in dem kochenden Ofen ausdrückt, so können die Lungenkrankheiten, innere Unregelmäßigkeiten des Magens, überhaupt alle Krankheiten, die sich noch nicht als Krankheiten äußern, symbolisch in Traumbildern sich ankündigen. Wir können also sagen: Das menschliche Gehirn, oder besser des Menschen Seele, ist nicht nur empfänglich für äußere Eindrücke, die durch die Sinne vermittelt werden, sondern auch für das leibliche Innere des Menschen, nur mit dem Unterschiede, daß es da keine wahren Vorstellungen aufnimmt, sondern sich phantastisch-symbolische Vorstellungen von dem bildet, was im mittleren Menschen vor sich geht.

[ 13 ] As it is possible very often to establish, by means of accurate examination on awaking, that when one has dreamed of a burning stove one's heart is beating more quickly than usual, similarly it is possible for diseases of the lung or disorders of the stomach—in fact, for all manner of illnesses that have not yet shown themselves outwardly—to announce their approach symbolically in dream pictures. The human brain, or rather the human soul, is not sensitive only to external impressions that are communicated through the senses but also to the bodily inside,—with this difference, that in the latter case it does not receive correct and true ideas but builds up for itself imaginary and symbolical ideas of what is going forward in the middle man.

[ 14 ] Da haben wir schon ganz deutlich, wenn wir diese Tatsache ins Auge fassen, das Faktum gegeben, daß der Mensch träumend sich selbst wahrnimmt, daß er von sich sagen kann: In meinen Träumen schaue ich mich selber an. — Aber im Wahrnehmen während des Traumes weiß er das nicht; er nimmt sein Herz im Traume wahr, aber er weiß nicht, daß es sein Herz ist, das er wahrnimmt. Er nimmt einen kochenden Ofen, einen Gegenstand außerhalb seiner selbst wahr, das heißt, das, was in ihm ist, ist nach außen projiziert und stellt sich außerhalb des Menschen hin. Sie sehen also da ganz deutlich, daß der Mensch es im Traumbewußtsein nur mit seinem leiblichen Inneren zu tun haben kann und daß er durch dieses Traumbewußtsein auseinandergezerrt, auseinandergerissen wird.

[ 14 ] The explanation that has been given enables us to recognise the fact that in dreaming man perceives himself. We can truly say: In my dreams I behold myself. We are not, however, aware of this during the dream. We perceive our heart, but we do not know that it is our heart we perceive. We perceive instead a burning hot fire,—that is to say, an object outside ourselves. Something that is inside us is projected outwards and stands there, outside, for our perception. In dream consciousness, therefore, man has to do with the interior of his own body; this means that in dream consciousness he is divided, he is rent asunder. As you know, in the ordinary run of everyday life, we concern ourselves as a rule only with waking and sleeping.

[ 15 ] Das gewöhnliche Leben verläuft ja so, daß wir es in der Regel nur zu tun haben mit Wachen und Schlafen. Nun wissen Sie aber auch gerade aus dem Traume, daß nicht nur die Zustände des mittleren Menschen, sondern auch die Zustände des oberen, des Kopfmenschen selber wahrgenommen werden im Traume. Sie brauchen nur achtzugeben auf jene Träume, welche hervorgerufen werden durch die Unregelmäßigkeiten im Kopfe selber. Durch das, was als Unregelmäßigkeit im Kopfe selber wahrgenommen wird, nimmt sich im Traume also das Gehirn, oder besser gesagt die Seele mittels des Werkzeuges des Gehirns wahr. Es nimmt der obere Mensch sich selber wahr. Diese Träume haben immer etwas außerordentlich Charakteristisches. Wenn Sie einen Traum haben und Sie wachen auf mit irgendeinem Schmerz im Kopfe, so ist das so, daß der Traum eine symbolische phantastischbildhafte Wiedergabe Ihrer Kopfschmerzen ist. In der Regel werden solche Träume immer so sein, daß sie sich beziehen auf Unregelmäßigkeiten des Gehirnes selber, auf Unregelmäßigkeiten im oberen Menschen, und sie werden sich immer so ausnehmen, daß Sie dabei ins Weite hinausgeführt werden, daß Sie in einem großen Gewölbe oder in einer Höhle darinnen sind. Namentlich das Gewölbe über dem Menschen ist das Typische, das Charakteristische der Kopfschmerzträume. Irgend etwas wird darinnen krabbeln, oder Spinnengewebe werden da sein, oder Unreinlichkeiten werden an der Decke der Höhle sich befinden. Es kann auch ein Palast sein, den Sie da über sich wahrnehmen.

[ 15 ] Now, it is not only conditions of the middle man that are perceived in dreams, but also conditions of the upper man, the head man. There are, to begin with, the dreams that owe their origin to some disorder in the head itself. Through what is perceived as a disorder in the head, the brain—or I, should rather say the soul—perceives itself by means of the instrument of the brain. The upper man perceives himself. Such dreams are always extraordinarily characteristic. You have a dream and wake up with a pain in your head; the dream is in this case a symbolical and fanciful reflection of the headache. As a rule such dreams will take the form that they lead you out into vast distances, or you find yourself in a great vault or cave. Especially characteristic of these headache dreams is the experience of an immense vault above one. Something is creeping or crawling in the roof of the cave, or perhaps spiders' webs or some dirt or dust is clinging to it. Or you may dream you are in a great arched palace! In such cases you perceive yourself as upper man,—but again you transpose what you perceive into the world outside you. You go out of yourself and place outside you what is in you, in your head. So here once more we have a kind of division of the human being; he is, as it were, split asunder, he loses himself, extinguishes himself.

[ 16 ] Also der Mensch nimmt als oberer Mensch sich selbst wahr, aber er versetzt das Wahrgenommene wieder nach außen. Es ist da gleichsam so, daß der Mensch aus sich selber herausgeht und das, was in ihm ist, was in seinem Kopfe ist, nach außen versetzt. Also wiederum eine Art von Spaltung des Menschen, eine Art von Auseinanderzerrung, von Selbstverlieren, von Selbstauslöschung.

[ 16 ] The conditions I have been describing are dream conditions, and they show us quite clearly that in dream consciousness man falls asunder; his ego consciousness, his unity of consciousness, does not remain intact, and his dream is in reality always a reflection, a symbolical reflection of what is going on inside his bodily nature.

[ 17 ] Die Zustände, die ich Ihnen jetzt geschildert habe, sind eben ’Iraumzustände. Sie sind Zustände, welche Ihnen deutlich zeigen, wie der Mensch schon im Traumbewußtsein auseinanderfällt, wie die Einheit seines Bewußtseins, wie sein Ich-Bewußtsein nicht aufrechterhalten bleibt, und wie im Grunde genommen das, was als Traum auftritt, immer ein Spiegel, ein symbolisches Spiegelbild dessen ist, was innerhalb der Leiblichkeit des Menschen selber vorgeht.

[ 17 ] For the disciple of occultism it is by no means merely a question of passing from ordinary waking consciousness to dream consciousness—there would be nothing unusual in that, No, he must make the transition to a totally different condition of consciousness. By practising the exercises outlined in earlier lectures of this course—through suppression, that is, of the intellect, the will and the memory—he has to get free of himself and attain to a completely new consciousness.

[ 18 ] Nun handelt es sich aber darum, daß der okkultistische Aspirant tatsächlich nicht bloß von dem gewöhnlichen Wachbewußtsein zu einem Traumbewußtsein übergeht, das wäre nichts Besonderes, sondern daß er zu einem ganz anderen Bewußtseinszustande übergeht; daß er durch diejenigen Übungen, die charakterisiert worden sind in den früheren Stunden, durch die Unterdrückung des Verstandes, des Willens, des Gedächtnisses, von sich loskommt und zu einem ganz anderen Bewußtsein gelangt.

[ 18 ] Although, as I have said, this new consciousness is not a dream consciousness, yet if one has no knowledge of clairvoyant consciousness, dream consciousness can help one to come to a fairly good understanding of it. For we can approach it in the following manner. Suppose we ask ourselves: What is it within him that man perceives in dream? then we must answer: Whatever is painful or out of order. A moment's reflection will show us that ordinary normal conditions are not perceived by dream consciousness.

[ 19 ] Zum Verständnis dieses anderen Bewußtseins, das kein Traumbewußtsein ist, kann doch das Traumbewußtsein demjenigen dienen, der das hellseherische Bewußtsein gar nicht kennt. Dieses Verständnis ergibt sich in folgender Art. Wenn wir uns fragen: Was ist es hauptsächlich, was der Mensch von seinem leiblichen Inneren in den Traumzuständen wahrnimmt, so müssen wir antworten: Es ist das Schmerzhafte, das Unordentliche, es ist das, was als eine Unregelmäßigkeit im leiblichen Inneren vorgeht. Eine leichte Überlegung zeigt Ihnen, daß die gewöhnlichen, normalen Zustände des Inneren nicht wahrgenommen werden vom Traumbewußtsein. Wenn der Mensch ganz gesund ist als oberer und als mittlerer Mensch, wenn alles im Kopf und im mittleren Menschen in Ordnung ist, dann schlafen die Menschen auch ordentlich, dann kann man unter gewöhnlichen Umständen — ich bitte dieses Wort wohl zu beachten — nicht sagen, daß den Menschen etwas drängt, seinen ruhigen Schlaf durch Träume zu unterbrechen.

[ 19 ] If a man is perfectly healthy in his upper and middle man, if everything is in order there, then he sleeps a normal healthy sleep; one cannot in ordinary circumstances—observe, I say advisedly, in ordinary circumstances—expect that his peaceful sleep will be forcibly interrupted with dreams. Now the path that has to be taken by clairvoyant consciousness is one that leads through stages and conditions that are similar to those of dream consciousness. Only, these stages are attained instead by occult training, and it is actually the case that in clairvoyance man does not merely come to a knowledge of the ordinary external painful conditions of his inside, but succeeds in perceiving also its normal conditions, which usually disappear from our consciousness in peaceful sleep.

[ 20 ] Nun aber ist der Weg, den das höhere, das hellseherische Bewußtsein nehmen muß, auch ein solcher, welcher durch ähnliche Verhältnisse hindurchgeht wie das Traumbewußtsein. Nur wird dieses Durchgehen durch ähnliche Verhältnisse eben durch okkultistische Schulung erreicht; und es ist nicht anders, als daß der Mensch im Hellsehen zunächst sich dazu bringt, nicht bloß die äußeren, gewöhnlichen schmerzhaften Zustände seines leiblichen Inneren zu erkennen, sondern daß er zunächst dazu gebracht wird, die normalen Zustände seines leiblichen Inneren wahrzunehmen, die sich also dem gewöhnlichen Menschen beim ruhigen Schlafe entziehen. Diese Zustände lernt der Mensch zunächst als hellseherischer Aspirant kennen. Mit anderen Worten: er wird kennenlernen sein Gehirn, seinen Kopfmenschen, und er wird den mittleren Menschen kennenlernen, indem er lernt, ihn innerlich wahrzunehmen. In ähnlicher Weise, wie in bestimmten Träumen der schlafende Mensch seinen mittleren und seinen Kopfmenschen wahrnimmt, so wird der hellseherische Aspirant dazu kommen müssen, seinen mittleren und oberen Menschen kennenzulernen.

[ 20 ] The pupil in clairvoyance comes to a knowledge of these conditions. In other words, he learns to know his brain, his head man, by learning to perceive it inwardly. Similarly, he comes to know his middle man. In the same way as in certain dreams man perceives when asleep his head and middle man, so has the pupil in clairvoyance to attain in the course of his training to a knowledge of his middle and upper man.

[ 21 ] Gehen wir einmal aus von dem mittleren Menschen. Wenn Sie den mittleren Menschen ins Auge fassen, so werden Sie sich gestehen müssen, daß in diesem mittleren Menschen eigentlich nichts da ist, was im besonderen unmittelbar an die Außenwelt weist. Im Kopfe sind es die Augen und die anderen Sinnesorgane, die unmittelbar an die Außenwelt weisen. Der mittlere Mensch hat zwar, weil der Tastsinn über . die ganze Haut ausgedehnt ist, auch die Möglichkeit, mit der äußeren Welt in Beziehung zu treten; aber diese Wahrnehmung der äußeren Welt durch den mittleren Menschen ist wirklich eine geringfügige gegenüber der Erkenntnis der äußeren Welt, die wir durch den Kopfmenschen gewinnen. Diese Wahrnehmung hat nicht viel Bedeutung, und selbst die Wärme, die auf den mittleren Menschen wirkt, hat eigentlich als Wahrnehmung die größte Bedeutung doch nur für das innere Erleben des Menschen, für sein inneres Befinden. So haben wir den mittleren Menschen als ein in sich geschlossenes Wesen, das innere Vorgänge hat, welche ihm das Allerwichtigste sind, die aber wenig Bedeutung haben für das Verhältnis des Menschen zur Außenwelt.

[ 21 ] Let us now give our special attention to this middle man. If you consider a little, you will have to acknowledge that you find nothing in the middle man that can be immediately and specifically referred to the external world. In the head we have the eyes and the other sense organs that are in direct connection with the external world. Through the sense of touch the middle man has of course the possibility of coming into connection with the external world, for the sense of touch is, as we know, extended over the whole skin. The perception of the external world by the middle man is nevertheless slight and insignificant in comparison with the knowledge of the external world that we acquire through the head man. Even the perception the middle man receives of warmth affects in the main only his own inner experience, his inner sense of well-being. The middle man seems therefore to be a self-enclosed entity, with inner processes that are of very great importance for himself but have little bearing on his relationship to the outside world.

[ 22 ] Aber wenn Sie sich fragen, ob denn dieser innere Mensch nicht vielleicht einen der Erkenntnis des gewöhnlichen Bewußtseins sich entziehenden Zusammenhang hat mit der äußeren Welt, da werden Sie gleich darauf kommen, daß dieser innere mittlere Mensch ebenfalls einen ganz beträchtlichen Zusammenhang hat mit der äußeren Welt. Es hängt alles davon ab, daß dieser mittlere Mensch angepaßt ist den Erdenverhältnissen. Er muß die Erdenluft atmen, er muß die Stoffe, welche auf der Erde gedeihen, zu seiner Ernährung haben. Der mittlere Mensch und die Erde gehören auf diese Weise zusammen. Wären nicht diejenigen Stoffe im Umkreise des Erdendaseins vorhanden, welche notwendig sind, das Leben des mittleren Menschen zu unterhalten, so könnte dieser mittlere Mensch so nicht sein, wie er ist. Wäre nicht die Atmungsluft ihm zur Verfügung, dieser mittlere Mensch könnte nicht so sein, wie er ist. Wir müssen also sagen: Dieser mittlere Mensch ist etwas, was wir notwendig rechnen müssen zu unserem Erdendasein, rechnen müssen ganz zu dem, was die Erde dem Menschen geben kann.

[ 22 ] If, however, we go on to enquire whether this inner man has not perhaps some connection with the outside world that is not so obvious to ordinary consciousness, we shall discover that this inner, middle man has, after all, a connection of no little importance with the outside world. Everything depends on the fact that the middle man is adapted to Earth conditions. He has to breathe the air of the Earth, he needs for his nourishment the substances that are produced on the Earth. From this point of view the middle man and the Earth belong together. Were the substances that are necessary to maintain his life not present in his Earthly surroundings, then this middle man could not be as he is. So you see, we are obliged to look upon the middle man as part and parcel of what Earth existence gives to us, we must reckon him as belonging definitely to our existence here on Earth.

[ 23 ] Aber nicht allein darum handelt es sich, was die Erde dem Menschen geben kann. Die Erde könnte nämlich lange da sein, und der mittlere Mensch könnte doch nicht bestehen. Wenn dieser Erde nicht zu Hilfe käme die Sonne und das, was der mittlere Mensch braucht, auf der Erde reifen und gedeihen ließe, dann könnte der mittlere Mensch nicht bestehen. Denken Sie sich doch nur einmal, daß dieser mittlere Mensch von der Erde seine Nahrungsstoffe nimmt, und daß diese Nahrungsstoffe neben der Luft das Wesentliche sind, von dem er unterhalten wird, daß aber alles, was eigentlich an Nahrungsstoffen vorhanden ist, von der Einwirkung der Sonne auf die Erde abhängt. Es wird also dasjenige, was da einzieht in den Menschen, von der Sonne im Erdenumkreis hervorgerufen. Kurz, wir haben es, wenn wir den mittleren Menschen betrachten, nicht etwa bloß unmittelbar mit einer Einwirkung der Erde auf den Menschen zu tun, sondern mittelbar mit einer Einwirkung der Sonne auf den Menschen. Ohne das die Erde umleuchtende physische Sonnenlicht würde der mittlere Mensch nicht bestehen können. Was in diesem mittleren Menschen ist, ist in ihn hineingekommen durch die Arbeit des Sonnenlichtes an der Erde.

[ 23 ] Nor is this all. For it is not a question only of what the Earth can give to man. The Earth could be there for a long time, and yet no middle man come into being! If the Sun did not come to the help of the Earth and cause to flourish and ripen upon it what the middle man needs, then the middle man could not exist. This middle man takes the substances he requires for nourishment, and these substances—apart from the air which is of course essential for his sustenance in life, all these substances that nourish him are dependent on the working of the Sun upon the Earth. Whatever man receives into himself as nourishment is produced by the Sun in man's Earthly environment. This means, in effect, that when we study the middle man we have to take account not only of a direct influence of the Earth upon man but also of an indirect influence of the Sun. Were it not for the physical sunlight that illumines the Earth, the middle man would not exist. All that is to be found in the middle man has come into him through the influence of the light of the Sun upon the Earth.

[ 24 ] Sehen Sie, diese bedeutungsvolle Tatsache, daß dieser mittlere Mensch eigentlich eine Wirkung des Sonnenlichtes ist, drückt sich darin aus, wenn der okkultistische Aspirant hellseherisch wird, das heißt, nicht bloß ein Traumbewußtsein, sondern ein hellseherisches Bewußtsein entwickelt, daß, während beim Träumen Bilder entstehen, die innere Unregelmäßigkeiten ausdrücken, beim hellseherischen Aspiranten die Bilder, die er empfängt, das ausdrücken, was die Sonne in dem mittleren Menschen tut; das ganz Ordentliche, Regelmäßige zunächst, was die Sonne an dem mittleren Menschen tut. Wenn der okkultistische Aspirant hellseherisch wird und in ihm auflebt die Wahrnehmung seines regelmäßigen eigenen Inneren, dann steht er vor dem flutenden Licht, dann hat er um sich das flutende Licht. Wie die Bilder von den inneren Unregelmäßigkeiten den Träumenden umgeben, so umgeben flutende Lichterscheinungen denjenigen, welcher okkultistischer Aspirant ist; es ist zunächst die Wahrnehmung der Sonnenwirkung in seinem eigenen Inneren, die bei ihm auftritt.

[ 24 ] This remarkable fact—that the middle man is a product of the light of the Sun—comes to expression in the following way. When the pupil in occultism becomes clairvoyant, when he develops, that is, a clairvoyant consciousness, then, whereas in dreams pictures arise which are the expression of some disorder in man's inner organs, in the case of clairvoyant consciousness the pictures the pupil receives express what the Sun is doing in the middle man, they show the regular normal activity of the Sun in the middle man. When the pupil becomes clairvoyant and a perception arises in him of his own inner being in its healthy normal state, then he has before him the flowing light; all around him he sees the flowing light. As the dreamer is surrounded by pictures of disorders in his inner man, so is the aspirant after occultism surrounded by phenomena of flowing light. He has, to begin with, this perception of the activity of the Sun in his own inner being.

[ 25 ] Jetzt vergleichen Sie das gewöhnliche äußere Bewußtsein mit diesem eigentümlichen Bewußtsein, das da in dem Hellseher entsteht. Wenn der Mensch als oberer Mensch hinschaut auf die Gegenstände der Erde, dann schaut er diese Gegenstände an — im wesentlichen ist ja wohl die Gesichtsvorstellung vorherrschend im Leben — durch das von den Gegenständen zurückgeworfene, ihm zurückflutende Sonnenlicht. Im äußeren Bewußtsein schaut der Mensch das äußere Sonnenlicht an, wie es ihm zurückgeworfen wird von der äußeren Erde. Was das äußere Sonnenlicht äußerlich an den Dingen der Erde tut, das nimmt das äußere, das alltägliche Bewußtsein des Erdenmenschen wahr. Was das Sonnenlicht an ihm selber tut, was es tut, indem es seinen mittleren Menschen möglich macht, was es tut, indem es hineindringt in den mittleren Menschen mit seiner Wirksamkeit, das erscheint als flutendes Licht vor dem Menschen, wenn er okkultistischer Aspirant wird. Er sieht die Sonne in sich selber in genau derselben Weise, wie er die Sonne äußerlich sieht, wenn der Tag beginnt und solange der Tag dauert. Und wie er die Gegenstände um sich herum sieht, indem das Sonnenlicht zurückgeschickt wird von den äußeren Gegenständen, so sieht der okkultistische Aspirant das Sonnenhafte, wie es ihm von seinem eigenen Inneren zurückgegeben wird, wenn er zu einer gewissen Stufe des Hellsehens gelangt ist. Es ist gleichsam die Gestalt seines mittleren Menschen, die sich in ihrer Durchleuchtetheit zeigt. Das ist das eine.

[ 25 ] Compare for a moment ordinary external consciousness with this special consciousness that arises in the clairvoyant. When man, as upper man, directs his gaze to some object of Earth, he looks at it—it is, as you know, generally speaking, the sense of sight that predominates in perception—by means of the sunlight that is thrown back from the external Earth. External, everyday consciousness perceives what the external sunlight does to the things of the Earth; But now it is what the sunlight does to him, what it does in making possible his own middle man, how it penetrates the middle man with its activity,—this it is that reveals itself to man as flowing light when he becomes a pupil of occultism. He beholds the Sun in himself, in the very same way that he sees the Sun outside him from the time when the day begins for as long as it lasts And as he sees objects around him through the fact that sunlight is thrown back from them, so now he sees, when he has reached a certain stage of clairvoyance, something that is of the nature of Sun reflected back from his own inner being. It is the form of the middle man that shows itself thus illuminated. That is, then, one experience.

[ 26 ] Wenn Sie zurückgehen würden in das Altertum und sich unterrichten ließen in den mancherlei alten Mysterienschulen über das, was die okkultistischen Aspiranten zunächst durchgemacht haben, so würden Sie erfahren, daß das, was eben charakterisiert worden ist, zu dem wesentlichen in diesen alten Mysterienschulen gehört hat. Sie würden erfahren, daß der okkultistische Aspirant gelernt hat, die Sonne auf dem Umwege durch den eigenen mittleren Menschen wahrzunehmen, gelernt hat, dasjenige wahrzunehmen, was von den Wirkungen der Sonne fortdauert, auch wenn der Mensch im Schlafe ist, was aber während des Wachbewußtseins sich ihm entzieht, weil seine Aufmerksamkeit ganz in Anspruch genommen wird durch das äußere Bewußtsein. Wie der Mensch ist als Sonnenwesen, das wurde dem okkultistischen Aspiranten klargemacht durch eine bestimmte Stufe der Mysterieneinweihung. So lernte er an seiner Selbsteigenheit das Sonnenwesen kennen, lernte kennen, wie die Sonne nicht bloß äußerlich in dem von den Gegenständen zurückgestrahlten Lichte wirkt, sondern wie sie wirkt in der menschlichen Leibesform selber.

[ 26 ] If you were to go back into olden times and study what was done and experienced in the ancient Mystery Schools, you would find that the aspirant after occultism learned to perceive the Sun in its reflection in his own middle man,—learned, that is, to perceive the workings of the Sun that continue even when man is asleep, and that escape him during waking consciousness because his attention is entirely claimed by the external consciousness. Man as a Sun being,—that was what the pupil came to perceive at a particular stage of initiation in the Mysteries. He learned to recognise the Sun being in himself, in his very own being, he learned how the Sun works not only outwardly in the objects, in the reflected light, but works also within the bodily form of man.

[ 27 ] Aber auch das andere muß der okkultistische Aspirant, der angehende Hellseher, finden lernen; nämlich dasjenige, was sich vergleichen läßt mit den Gehirnträumen, mit den Träumen, die unregelmäßige, unordentliche Gehirnzustände wiedergeben, wo der Mensch, wie ich Ihnen gesagt habe, charakteristisch, typisch immer Symbole wahrnimmt, wie zum Beispiel als wenn er in einer Höhle oder in einem Palaste wäre, kurz, wie wenn sich über ihm etwas wölbte, in das er hineinblicken kann. Wenn der okkultistische Aspirant dazu geleitet wird, nicht nur wahrzunehmen die Zustände seines mittleren Menschen, sondern die Zustände seines oberen Menschen, insofern er gestaltet ist, die Zustände im Inneren des Kopfmenschen, da tritt niemals dasselbe auf wie bei den Wahrnehmungen des mittleren Menschen. Da tritt vielmehr dasjenige auf — ich erzähle Ihnen hier einfach eine Tatsache —, was wie eine regelmäßige Erweiterung, wie eine ganz richtige Erweiterung des Gehirnreiztraumes erscheint, nur daß es vollbewußt erlebt wird. Was der Mensch wahrnimmt, wenn er alle Sinnesorgane geschlossen hat, wenn er nichts Äußerliches wahrnimmt und sich nur innerlich mit hellseherischem Bewußtsein auf sich selbst, auf den oberen, den Gehirnmenschen richtet, das ist tatsächlich der gestirnte Himmel, irgendein Anblick des gestirnten Himmelsgewölbes.

[ 27 ] But now the pupil, who is beginning to be clairvoyant, has to learn something else. He has to discover something that is comparable with the dreams of the brain, those dreams that reflect back disordered conditions of the brain, where, as I told you, in typical cases man always perceives symbols, imagining, for example, that he is in a cave or a palace, having over him a great vaulted roof into which he is gazing. When the pupil in occultism is led on to perceive not only the conditions of his middle man but also the conditions of his upper man (in so far as the latter has form and figure), the conditions of the interior of the head man, then he never has the same experience as he has in his perception of the middle man. Instead he has now before him—I am simply relating the facts—what appears like a perfectly well-ordered and regular extension of the dream that is connected with excitement or irritation of the brain. Only, it is experienced in full consciousness. What man perceives when he has closed all his sense organs and has no external perception, when he directs all his attention in clairvoyant consciousness upon himself inwardly—upon the upper man, the brain man—is in very fact the starry heavens. He beholds the great vault of heaven with the stars.

[ 28 ] Das war der große Moment im Leben der okkultistischen Aspiranten, namentlich in den alten Mysterien — inwieweit sich das änderte für das neue Mysterienwesen, werden wir noch erfahren —, daß er wahrnahm sein eigenes Inneres, insofern dieses Innere in der menschlichen Form zum Ausdruck kommt, beim oberen Menschen als Himmel mit leuchtenden Sternen; daß er so in die weite Welt hinaussah, obwohl er keinen Sinn offen hatte, und dennoch das Bild des Sternenhimmels da war. Und der allergrößte Moment war dieser, wenn der okkultistische Aspirant beobachtete, nicht was sozusagen an der oberen Oberfläche seines Kopfes ist, sondern wenn er von dem oberen Menschen, von dem Kopfmenschen aus nach dem mittleren Menschen hinunterschaute; wenn er zugleich wahrnahm, ohne irgendeinen seiner Sinne zu öffnen, dasjenige, was die untere Fläche des Gehirnes ist, und diese von dem mittleren Menschen durchstrahlt sah. Da nahm der Mensch in voller Dunkelheit, weil seine Sinne geschlossen waren, denn er war in bezug auf das Äußere wie ein schlafender Mensch, gleichsam innerlich nach unten schauend, die Sonne in der Nacht, inmitten der dunklen Fläche des Himmels wahr. Das ist das, was man in den antiken Mysterien nannte: Die Sonne um Mitternacht schauen —, das heißt, das flutende Sonnenlicht innerhalb der im Verhältnis zur Sonne in ihrer Wirkung viel kleiner sich ausnehmenden Sterne. Das waren bedeutungsvolle Marksteine im Leben des okkultistischen Aspiranten.

[ 28 ] It was a great moment in the life of the pupil, especially in the more ancient Mysteries—we shall hear later to what extent it underwent change in the later Mysteries—it was a great moment when the pupil perceived his own inner being, in so far as this inner being comes to expression in the human form. When he saw the upper man, it was as though he saw the heavens with all the shining stars; he looked out into the wide world—in spite of the fact that he had no physical senses open. The picture of the starry heavens stood before him. And then came the greatest moment of all when this pupil of occultism observed not what is, so to speak, on the upper surface of his head, but when he looked down from the upper man, from the head, to the middle man, when he perceived, without opening any of his senses, the lower surface of his brain and from it saw the middle man irradiated with light. Himself in total darkness (for his senses were closed, and to outward appearance he was like a man who is asleep), he perceived, looking downwards inwardly, the Sun in the night, in the midst of the dark surface of the heavens. This is what was called in the ancient Mysteries “Seeing the Sun at Midnight,”—seeing, that is, the flowing sunlight within the stars, whose influence in relation to the Sun seems so small. These experiences were important milestones in the life of every aspirant after occultism.

[ 29 ] Wenn nun der okkultistische Aspirant so weit war, dann konnte er sich etwas ganz Bestimmtes sagen. Er konnte sich sagen: Ja, so wie ich das flutende Sonnenlicht, also die Sonne durch mich selber wahrnehme, wenn ich auf meinen mittleren Menschen schaue, so kann ich ebenso, weil es die reale Sternenwirkung ist, durch den oberen Menschen den Himmelsraum mit seinen Sternen sehen. Daß ich die Sterne sehe und nicht etwa völlige Finsternis vorhanden ist, das rührt davon her, daß das Gehirn angepaßt ist an die Sterne, so wie mein mittlerer Mensch an die Sonne angepaßt ist. — So entstand die Erkenntnis für den Aspiranten, daß ebenso wie der mittlere Mensch von der Sonne unterhalten wird, wie sein ganzes mittleres Wesen mit der Sonne zusammenhängt, also zur Sonne gehört, der obere Mensch, der Gehirnmensch, zusammenhängt mit der ganzen Welt und ihren Sternen.

[ 29 ] Having come so far, the pupil was then able to apprehend a truth of great significance, He could say: “In the same way as I perceive through the medium of myself, by beholding my middle man, the flowing sunlight, the true and real working of the Sun, so now can I perceive through the medium of the upper man the heavenly spaces with their stars. That I can see the stars, that all is not wrapped in darkness, is due to the fact that the brain is adapted to the stars, as the middle man is adapted to the Sun.” Thus did the pupil come to the knowledge that even as the middle man is sustained by the Sun, even as its whole being depends on the Sun and belongs to the Sun, so does the upper man, the brain man, belong to the whole world and its stars.

[ 30 ] Wenn der okkultistische Aspirant dieses in sich erfahren hatte, dann konnte er hinausgehen zu denjenigen, die nur das Tagesbewußtsein besaßen, aber dennoch aus ihren inneren Bedürfnissen, aus der Sehnsucht der Seele heraus den Drang hatten, ein Verhältnis zu gewinnen zu einem über den Erdenmenschen Hinausreichenden. Mit anderen Worten: Es konnte der okkultistische Aspirant hinausgehen zu dem religiös gestimmten Menschen, der solche Zusammenhänge mit der Welt irgendwie empfinden konnte, und ihm sagen: Der Mensch ist nicht bloß, so wie er auf der Erde steht, ein Wesen, welches dieser Erde angehört, sondern ein Wesen, welches teilweise durch die Brust und den Unterleib zusammengehört mit der Sonne, und welches zusammengehört als Kopfmensch mit dem ganzen Weltenraum. — Und dann verwandelte sich dasjenige, was der okkultistische Aspirant dem religiös gestimmten Menschen verkündigen konnte, bei diesem in Andacht, in Gebet.

[ 30 ] When the pupil had had this experience, then he could go to those who possessed only a day consciousness but who, nevertheless, felt an impulse—springing from a deep inner need, from a longing of their soul—to find relationship with a consciousness that should reach out beyond Earth man. In other words, the pupil in occultism could go to men who were religiously inclined, who were able in some way to feel their connection with the great world, and say to them: “Man as he stands on Earth, is not merely a being belonging to this Earth, he is a being that belongs in part, namely in breast and trunk, to the Sun,—and belongs also, as head man, to the whole of cosmic space.” This was what the pupil could tell the religious man, imparting it to him as information; and in the religious man it turned into prayer, into worship.

[ 31 ] Je nachdem die Stellung bei dem einen oder anderen Teil der Menschen war, zu denen die okkultistischen Aspiranten als Religionsstifter kamen, konnten diese mehr von dem einen oder mehr von dem anderen sprechen. Zu denjenigen Menschen, die mehr veranlagt waren, ihr Wohlbefinden, das den inneren Menschen angeht, als ein gewisses irdisches Glück zu empfinden, zu den Menschen also, welche sozusagen vorzugsweise ihre Erdenstimmung abhängig machten von dem leiblichen Wohlbefinden des mittleren Menschen, konnten die okkultistischen Aspiranten als Religionsstifter sagen: Das, was da euer Wohlbefinden ausmacht, hängt ab von dem Sonnenwesen. — Diese Menschen wurden dann, durch den Einfluß der okkultistischen Aspiranten, die Anhänger einer Sonnenreligion. Sie können sich überzeugen: Überall über den Erdboden hin, wo Menschen von der eben charakterisierten Art vorhanden waren, bei denen es vorzugsweise darauf ankam, daß man sie aufmerksam machte auf dasjenige, was ihr inneres Wohlbefinden bedingte, entstanden Sonnenreligionen.

[ 31 ] The disciples of occultism came in this way among men as founders of religion, and according as was the relation of the people to whom they came to the one or other part of man's nature, so they were able to speak more of the one or the other. To people who were more particularly disposed to experience a certain happiness in the sense of well-being in the inner man—people, that is, who were inclined to make their whole mood in life depend on the bodily well-being of the middle man—to such the pupils in occultism could come as founders of religion and say: “Your sense of well-being depends on the Sun.” These people then became, through the influence of the pupils in occultism, followers of a Sun religion. You may be quite sure that all over the Earth, wherever lived people of the kind I have described, for whom it mattered above all that they should have their attention drawn to the source of their sense of well-being, there a Sun worship arose.

[ 32 ] Es ist eine leere Phantasterei einer verhängnisvollen phantastischmaterialistischen Wissenschaft, wenn man glaubt, daß die Menschen ohne weiteres darauf gekommen wären, die Sonne anzubeten. Die Art, wie die gewöhnliche äußere materialistische Wissenschaft davon spricht, daß dieser oder jener Teil der Menschen Sonnenanbeter geworden sind, gehört eben zu den Phantastereien der materialistischen Wissenschaft. Es ist durchaus zu Unrecht, wenn die heutigen materialistisch gesinnten Menschen den 'Theosophen einen gewissen Hang zur Phantasterei vorwerfen und sich selbst nur Realismus zuschreiben. Im großen und ganzen können wir sagen, daß es dem Materialismus durchaus nicht an phantastischen Anlagen fehlt, wenn er zum Beispiel erklären will, daß gewisse Menschen einmal Sonnenanbeter geworden sind. Da phantasiert er sich irgend etwas zusammen und denkt sich die Sache so, daß die Menschen durch diese oder jene Umstände, man weiß nicht aus welchem Drange heraus, darauf verfallen seien, die Sonne anzubeten. In Wahrheit verhält es sich so, daß die eingeweihten Menschen, die okkultistischen Aspiranten, bei gewissen Bevölkerungen gewußt haben: Wir haben es hier mit solchen Menschen zu tun, die vorzugsweise die Tugend des Starkmuts, des Mutes, der Tapferkeit, kurz, alles das ausbilden, was zusammenhängt mit dem mittleren Menschen; sie müssen wir lehren, daß tatsächlich im Übersinnlichen geschaut werden kann, daß dieser mittlere Mensch ein Ergebnis der Sonnenwirkung ist. — Und diese okkultistischen Eingeweihten haben dann die Menschen, in denen der mittlere Mensch vorherrschte, abgelenkt von dem bloßen Wohlbefinden, dem bloßen In-sich-Leben und haben ihn hingewiesen zur Andacht, die religiös hinaufschaut zu dem Ursprungswesen dieses mittleren Menschen. Sie haben diesen Menschen zur Sonnenanbetung hingewiesen.

[ 32 ] To think that men just happened to become Sun worshippers without any deeper reason for it is a mere flight of imagination on the part of all obstinately materialistic science. When the scholar:, of our time speak of how this or that section of mankind came to be Sun worshippers, they are really only demonstrating their own powers of imagination and fantasy. The materialists of today are quite mistaken when they accuse theosophists of an inclination to be fantastic, implying that they themselves are the true realists. Taken as a whole, materialism is certainly not lacking in a tendency to be fantastic, as we can see in this case when it sets out to explain how certain peoples became Sun worshippers. For it builds up an imaginary picture and comes to the conclusion that through the working of certain external conditions or circumstances the people, moved by some unaccountable impulse, hit upon the idea of worshipping the Sun; whereas the truth of the matter is that the initiates, the aspirants after occultism, knew in the case of certain peoples:—We have here a people who manifest especially the virtue of courage, a people in whom one can see a striking development of the middle man; we must teach this people how in the super-sensible one can behold the fact that this middle-man is a product of the working of the Sun. And the initiates in occultism then led such people, in whom the middle man was of greatest importance, away from the mere sense of well-being, the mere living within themselves, to prayer and worship, teaching them to look up in religious devotion to the Being who was the source of this middle man. Thus did they guide these people to a worship of the Sun.

[ 33 ] Wie der Materialismus zur Phantasterei veranlagt ist, das kann man an diesem Beispiel sehen. Man kann es aber auch an anderen Beispielen klar bemerken. Wir haben zum Beispiel mancherlei Beschreibungen gelesen über unseren Münchener Bau, die durch eine Indiskretion in die Zeitung gekommen sind, und der materialistische Mensch der Gegenwart hat sich nun Vorstellungen darüber gemacht, was und wozu das alles sein könnte. Da konnte man sich wahrhaft davon überzeugen, daß Phantasie durchaus eine Eigenschaft des heutigen Menschen ist: Wenn es darauf ankommt, über bestimmte Dinge, über die man nichts weiß, doch zu reden, dann ist der materialistische Mensch nicht verlegen, alle möglichen Phantastereien zur Erklärung herbeizurufen. So ist es im gewöhnlichen Leben, so ist es aber auch in der Wissenschaft. Die Mehrzahl der Erklärungen der materialistischen Wissenschaft sind leere Phantasien; namentlich aber ist es Phantasie, wenn durch die materialistische Wissenschaft versucht wird, etwas über die Sonnenanbetung auszusagen oder zu erklären.

[ 33 ] This one example can serve to show the tendency there is in materialism to build up fantastic theories. Other striking examples could be brought forward. We have, for instance, had perforce to read—for they have been thrust under our very eyes—all manner of descriptions of our Munich Building.1It was at first intended to erect a Building for Anthroposophy in Munich. The project had, however, to be abandoned in 1914. (Note by Translator.) Through an indiscretion it came about that the project found its way into the newspapers, and the materialistic man of today has formed his own idea of what the Building is and what its purpose. A profusion of fantastic information has been spread abroad, quite enough to demonstrate that fantasy is a quality of present-day thinking. When it is a matter of speaking or writing about things of which he knows absolutely nothing, the man of today does not hesitate to have recourse to the wildest fancies in order to construct an explanation. This is so in ordinary everyday life, and it is so too in the realm of science. The majority of the explanations put forward by the scholars of today are sheer fantasy; and the attempt to describe or account for Sun worship is certainly no exception.

[ 34 ] Wenn aber Menschen auf der Erde waren, die weniger Veranlagung hatten, den mittleren Menschen auszubilden, die also mehr zum Denken, zum Vorstellen, zum Leben des oberen Menschen veranlagt waren, da kam etwas anderes in Betracht. Da kam in Betracht, daß die Okkultisten, die als Religionsstifter hinausgingen in die Welt, die Menschen aufmerksam machten darauf, wo der Ursprung dessen liegt, was ihr Werkzeug ist, um Gedanken zu hegen, um in Gedanken, in Vorstellungen zu leben. Und sie sagten zu ihnen: Wenn ihr eine Vorstellung darüber haben wollt, da ihr nicht selber hineinschauen könnt in die übersinnlichen Himmelswelten — das wurde natürlich nicht so gesagt, aber ich füge es hier bei —, so habt ihr den äußeren Abglanz davon, wenn ihr während der Nacht wach bleibt und in Andacht hinaufblickt in den sternenbesäten Himmel.

[ 34 ] Other peoples on the Earth had less inclination to develop the middle man and were more disposed to think, to have ideas,—that is, to develop the upper man; and to them another kind of appeal had to be made. The occultists who went forth into the world as founders of religion turned the attention of these peoples to seek the source of the instrument whereby they were able to produce thoughts, to live in thoughts and in ideas. The occultists said to them: “If you want to have knowledge of the source of your life of thought, then—since you are not able to gaze into the super-sensible worlds of the heavens (of course the initiates did not say this, I am adding it)—you will have an external reflection of this source if you remain awake during the night and look up in prayer to the star-strewn heavens.”

[ 35 ] Die eigentliche Sternanbetung, die Anbetung der Nacht, wie man auch sagen kann, weil vielfach die Sache so eingekleidet wurde, daß man anstelle des Sternenhimmels die Nacht setzte, wurde herrschend bei denjenigen Völkern, die denkender Natur waren. Für die denkenden, für die grübelnden Völker des Altertums wurden solche Religionen begründet, durch die ihnen gezeigt worden ist, wo der Ursprung liegt des Instrumentes ihres Denkens, des oberen Menschen. Und viele von den Namen, welche die urältesten Götter gewisser Völker führen, müssen einfach übersetzt werden in die neueren Sprachen mit dem Worte: die Nacht. Die Nacht, wie sie geheimnisvoll als Mutter der Sterne erscheint, wie sie die Sterne aus sich hervorgehen läßt, die Nacht wurde angebetet, weil die okkultistischen Eingeweihten in der Tat wußten, daß das Instrument des Gehirns wirklich und wahrhaftig ein Ergebnis der sternenbesäten Nacht ist.

[ 35 ] A genuine Star worship—a worship, one can also say, of the Night, for the truth was often clothed in such a way that instead of speaking of the starry heavens the night was substituted—such a Star or Night Worship prevailed among peoples who were more given to thought. Peoples of ancient times who were fond of thinking and pondering and delving deep into things,—for them religions were founded that pointed them to the source of the instrument of their thinking, the source, that is, of their upper man. And many of the names borne by the most ancient Gods of certain peoples have to be rendered in modern languages by the word “Night.” The Night was the object of worship, the Night in all the mystery of her appearance as the Mother of the Stars, who brings them forth that they may shine in the heavens. For the initiates in occultism knew that the instrument of the brain is really and truly a product of the Star-strewn Night.

[ 36 ] So hat man auch vielfach für diejenigen Völker, welche Sonnenanbeter wurden, nicht nur auf die Sonne selbst hingewiesen, sondern wie man von den Sternen auf die Mutter Nacht hingewiesen hat und viele uralte Worte für uralte Götter eben mit «Nacht» übersetzt werden müssen, so hat man bei der Sonne auch vorzugsweise darauf aufmerksam gemacht, daß sie den Tag bewirkte, den Tag machte. Und die Folge davon ist, daß viele Worte bei denjenigen Völkern, die im wesentlichen die höchste göttliche Macht in der Sonne anbeten, für die Sonnenanbetung mit «Tag» zu übersetzen sind.

[ 36 ] Similarly, we will often find that the people who were Sun worshippers were not only guided to look to the Sun; but as man was led from the Stars to the Mother Night and many old-time words for the ancient Gods are to be interpreted as meaning Night, so in the case of the Sun man's attention was drawn to the fact that the Sun gave rise to the Day, that the Sun made Day. In consequence, many words used for Sun worship among peoples who specifically worshipped the Sun as the highest divine Power, are to be translated with the word “Day.”

[ 37 ] Wir können also mit einem gewissen Rechte sagen: Je nachdem sich die Menschen empfanden als starkmütige, mutige, kriegerische Völker, finden wir sie vorzugsweise als Sonnenanbeter oder Taganbeter, weil ihre Eingeweihten sie zum Zwecke der Andacht nach der Sonne, dem Tagwesen verwiesen. Die denkenden, die grübelnden Völker hingegen finden wir als Nacht- und Sternenanbeter, weil ihre Eingeweiihten sie dahin verwiesen haben.

[ 37 ] Speaking generally, we can say that where peoples felt themselves strong and courageous and ready for war, we find them to be in the main Sun worshippers or Day worshippers, because their initiates directed them to the Sun, to the Day, for their object of worship. The more thoughtful and enquiring peoples on the other hand are Night or Star worshippers, because they have been guided that way by their initiates.

[ 38 ] Aber es gibt auch noch andere Völker. Es gibt Völker, welche die Eigenschaft nicht hatten, daß bei ihnen so ganz auseinanderfielen Tagbewußtsein und Nachtbewußtsein, man kann auch sagen: Bewußtsein und Bewußtlosigkeit. Wenn wir in die alten Zeiten zurückgehen, so finden wir vielfach Völker — das wissen Sie aus den anderen theosophischen Vorträgen —, welche sich durchaus mittlere oder Zwischenzustände des Bewußtseins, also ein altes Hellsehen bewahrt hatten; Völker, welche nicht nur abwechselnd zwischen Tag und Nacht in Bewußtsein und Bewußtlosigkeit lebten, sondern welche Bewußtheit des "Tages und Bewußtlosigkeit der Nacht zusammen in einer Art Halbbewußtsein als altes hellseherisches Bewußtsein hatten.

[ 38 ] We come, finally, to still another kind of people. For there are peoples who do not experience in so characteristic a manner the sharp division between Day consciousness and Night consciousness. When we go back into olden times, we find many peoples who had preserved middle or in-between conditions of consciousness, who did not merely alternate in their life between Day and Night, between consciousness and unconsciousness, but who had an old clairvoyant consciousness which came about through the merging of Day with Night consciousness into a kind of semi-consciousness. We find therefore this third condition of consciousness.

[ 39 ] Für diese Völker war ein dritter Bewußtseinszustand vorhanden. Diese Völker hatten dadurch aber auch eine Ahnung, daß tatsächlich ein Zusammenhang besteht zwischen dem Menschen und etwas, was außerhalb des Irdischen ist. Aus welchem Grunde waren diese Völker nun so veranlagt? Diese Völker hatten auch in ihrer Gestalt, in dem äußeren Menschen, in ihrer äußeren Leiblichkeit eine ganz bestimmte Eigenschaft. Diese Menschen, welche mit dem alten Hellsehen behaftet waren — in alten Zeiten und in den uralten Zeiten waren es ja fast alle Menschen über die ganze Erde hin —, hatten die Eigentümlichkeit, daß sie in gewissen Bewußtseinszuständen wahrnehmen konnten ihren Symmetriemenschen, aber nicht als Symmetriemenschen selber, sondern so, daß dieser mittlere Mensch in seiner Wirksamkeit auf den oberen, auf den Gehirnmenschen erschien.

[ 39 ] These people also divined through their condition of consciousness a connection between man and something outside the Earth. How was it they came to have such a feeling? To answer this question we must realise that they were possessed of a peculiar faculty or quality in the very form of their bodily nature. They were, as we have said, endowed,—as in olden times almost all men were endowed, the world over—with an ancient clairvoyance, and they had the peculiar faculty of being able to perceive in certain conditions of consciousness their “symmetry” man,—not, however, as symmetry man, but they could perceive this middle man in its working upon the upper man.

[ 40 ] Wenn Sie sich nämlich ein Bild machen wollen von dem, was da stattgefunden hat bei einem solchen Hellsehen, dann stellen Sie es sich als Bild des mittleren Menschen im Gehirn vor. Beim gewöhnlichen, normalen Erdenleben ist es so, daß die äußeren Sinneseindrücke auf das Gehirn wirken und daß das Gehirn die Bilder zurückwirft, also seine eigene Wesenheit den äußeren Bildern entgegensetzt. Es entsteht also die Vorstellung der Außenwelt als zurückgeworfenes Bild des Gehirns. Das sind nämlich auch die Vorstellungen der Außenwelt: sie sind von dem Gehirn zurückgeworfene, reflektierte Bilder. Wenn Sie die Außenwelt sehen, so gehen die äußeren Eindrücke durch das Auge bis zu einer bestimmten Stelle des Gehirns und werden dort aufgefangen. Daß sie dort aufgefangen, wenigstens nicht in ihrer Ganzheit durchgelassen, sondern zurückgeworfen werden, das macht es, daß eine Vorstellung entsteht. Wenn nun der Mensch überhaupt hellseherisch wird, so werden ihm nicht nur von den äußeren Gegenständen Eindrücke auf das Gehirn gemacht, sondern es werden Eindrücke gemacht auch von dem mittleren Menschen, die dann von dem Gehirn zurückgeworfen werden können.

[ 40 ] If you want to form a picture of what took place in such a person, then you must imagine a picture of the middle man in the brain. In ordinary normal life on Earth, the sense impressions from without work upon the brain and the brain throws back pictures; it places, that is, its own being in the way and holds up the pictures that come from outside. Our idea of the world comes about in this way as a reflected picture thrown back by the brain. For that is what all ideas of the outside world really are,—pictures thrown back, reflected by the brain. When you look at the world, then the outer impressions pass through the eye up to a certain place in the brain and are there caught. That an idea can come into being is due to the fact that the impressions are caught up at a certain point, not allowed to pass through—not, at all events, in their entirety—but reflected back. And when a man becomes clairvoyant, it is no longer external objects alone that make impressions on the brain, impressions are made from the middle man, which can then be reflected back by the brain.

[ 41 ] Dieses, was ich jetzt angab: daß der mittlere Mensch Eindrücke macht auf das Gehirn und diese Eindrücke von dem Gehirn zurückgeworfen werden, ist durchaus nichts von dem, was ich als vorhanden beschrieben habe bei dem wirklichen okkultistischen Aspiranten. Der wirkliche okkultistische Aspirant nimmt direkt seinen mittleren Menschen wahr, nicht durch das Gehirn. Er sieht das Sonnenhafte in sich direkt, er sieht auch das Sternenhafte in sich, in seinem Gehirn direkt. Das aber, wovon jetzt die Rede ist, dieser hellseherische Zustand, bei dem die Vorgänge des Inneren, das Sonnenhafte im mittleren Menschen vom Gehirn zurückgeworfen wird, so wie die äußeren Eindrücke, die durch die Sinne kommen, vom Gehirn zurückgeworfen werden, das war dasjenige, worauf vielfach das uralte Hellsehen der antiken Menschen beruhte. Sie nahmen wahr auf dem Umwege durch ihren mittleren Menschen. Sie nahmen nichts Äußeres zunächst wahr. Sie nahmen nur dasjenige wahr, was in ihnen selber sonnenhaft vorhanden war und was ihnen zurückgeworfen wurde dadurch, daß das von dem Gehirn Aufgefangene als Vorstellung des Sonnenhaften im Inneren selber wahrgenommen wurde.

[ 41 ] What I have just now described—the impressions made by the middle man upon the brain and the reflection by the latter of these impressions—is still very far from the process I described as taking place in the true aspirant after occultism. The latter has direct and immediate perception of his middle man, he does not merely perceive it through the brain. He looks into himself and sees there what belongs to the Sun, sees too in his brain what belongs to the Stars. The clairvoyant state, on the other hand, of which we are now speaking, where the processes inside man, the Sun nature in the middle man, are reflected by the brain—even as the outer impressions that come through the senses are reflected by the brain,—is characteristic of the old clairvoyance of men in ancient time. For them, perception took place by way of the middle man. They did not, to begin with, perceive external things at all. They perceived only the Sun-like that was present in themselves and they perceived it in reflection, for it was held up by the brain and they perceived it as an idea of the Sun nature within them.

[ 42 ] Es gab eben einmal solche Völker, die so veranlagt waren, daß sie in gewissen natürlichen hellseherischen Zuständen mit ihrem Gehirn gleichsam auffingen und zur Vorstellung machten ihr Sonnenhaftes im eigenen Inneren. Und wie erschien dann das? Es wurde nach außen projiziert und nicht so wahrgenommen wie die gewöhnlichen Vorstellungen, die durch das Äußere bewirkt werden, sondern so, daß es wie das innere Sonnenlicht erschien, aber von außen kommend. Und wenn nachgeforscht worden ist, woher eine solche Erscheinung kam, wenn die okkultistischen Aspiranten erkennen wollten, woher es kommt, daß sie in solchen Zuständen sich befinden, dann wurde ihnen dasjenige klar, was im mittleren Menschen ist, dasjenige, was sein Sonnenhaftes ist.

[ 42 ] There have been peoples of this character, who in certain naturally clairvoyant states caught hold, as it were, with their brain of the Sun nature within them and made of the perception an idea. How did it then appear to them? It was projected outwards, but was not perceived like the ideas to which we are accustomed, and which have their source in the world outside; it appeared like inner Sunlight,—yet as coming from without. And when investigation was made into the source of the appearance, when the aspirants after occultism set out to learn how it was that they found themselves in such conditions, then they were made clearly aware of the Sun nature that is in the middle man.

[ 43 ] Dieses Sonnenhafte hat der Mensch dadurch, daß er ein Sonnenwesen ist. Das, was erscheint im Instrumente des Gehirns, hängt damit zusammen, daß der Mensch ein Sternenwesen ist, daß er in der Tat aus dem ganzen Weltenraum herausgebildet ist. Was er aber jetzt wahrnimmt, das hängt davon ab, daß mit starker Wirkung auf das menschliche Wesen die Erde umkreist wird von dem Monde.

[ 43 ] Man has this Sun-like element in him, because he is himself a Sun being. That which manifests in the instrument of the brain is connected with the fact that man is a Star being, that he is in very truth formed and shaped from out of the whole of Cosmic space. What he now perceives, however, has relation to the fact that the Earth has revolving around it the Moon, and that the Moon in her revolution round the Earth has a powerful influence on the being of man.

[ 44 ] In jenen alten Zeiten war nämlich der Mensch so organisiert, daß auf sein Gehirn im wesentlichen der Mond wirkte, daß der Mond starke Wirkungen ausgeübt hat auf sein Gehirn. Daher war es auch so, daß dieses alte Hellsehen vielfach von den Mondphasen abhing und daß es eintrat zumeist in solchen Zusammenhängen, welche ihren äußeren Ausdruck in den Mondphasen finden. Das alte Hellsehen war so, daß es durch vierzehn Tage hindurch zunahm und durch vierzehn Tage abnahm. In der Mitte eines solchen monatlichen Zeitraumes war die Wirkung ganz besonders stark. Dieses alte Hellsehen verlief also so, daß in der Tat diese Menschen Zeiten erlebten, in denen sie wußten: Wir sind Sonnenwesen. — Sie wußten dies dadurch, daß sie durch die innere Vorstellung des Gehirns die Sonne wahrnehmen konnten. Aber das geschah durch die Mondenwirkung. Ja, das alte Hellsehen trat vielfach so auf, daß der Mensch sich gleichsam fügte der achtundzwanzig Tage dauernden Aufundabflutung der Mondenwirkung, und daß er Tage hatte in den alten Zeiten, wo die Mondenwirkung besonders stark war, wo daher Hellsehen vorhanden war bei allen Menschen, wo sozusagen innerlich hellseherisches Bewußtsein sich bei allen Menschen geltend machte. Wenn die okkultistischen Eingeweihten zu solchen Menschen hinausgingen und sie religiös zu stimmen hatten, dann machten sie sie aus denselben Gründen, wie die anderen Menschen zu Sonnen- oder Tag-, zu Sternen- oder Nachtanbetern gemacht worden sind, zu Mondanbetern. Daher der Mondendienst bei vielen alten Völkern.

[ 44 ] In those olden times man was so constituted that the Moon had a particularly strong influence on his brain. The consequence was that the ancient clairvoyance was very dependent on the phases of the Moon, and showed itself for the most part in connections that found expression in the phases of the Moon. For a space of fourteen days clairvoyance increased, and then for fourteen days it decreased again. Its influence was thus greatest in the middle of such a Moon period. There were times when men knew: We are Sun beings. They knew it because they could perceive the Sun through the inner idea formed in the brain. But this came about through the influence of the Moon. The old clairvoyance often worked in the way I indicated. Man gave himself up throughout the whole twenty-eight days to the waxing and waning of the Moon. There were days when the influence of the Moon was particularly strong and when in consequence clairvoyance was present in everyone; inner clairvoyant consciousness made itself felt in all men. When initiates in occultism came to people of this kind with the mission of determining for them the character of their religion, then for the same reason that other peoples were made Sun (or Day) worshippers and Star (or Night) worshippers, the initiates made this third kind of people Moon worshippers. Hence the worship of the Moon, that is to be found among many ancient peoples.

[ 45 ] Diesen Mondendienst hat Moses kennengelernt in seinem eigentlichen Ursprunge bei den ägyptischen Eingeweihten; und er selbst war einer der größten und bedeutsamsten derselben, der in einer besonders vergeistigten Gestalt den Mondendienst zur Religion eines Volkes machte, nämlich des alten hebräischen Volkes. Es ist der Jahvedienst des alten hebräischen Volkes also ein vergeistigter Mondendienst. Daher konnte durch ihn bis in späte Zeiten hinein bei dem alten hebräischen Volke das Bewußtsein fortgesetzt werden, daß der Mensch mit Außerirdischem zusammenhängt, daß er nicht seine Wesenheit im Irdischen beschlossen hat.

[ 45 ] Moses learned to know this Moon worship in its original form from the Egyptian initiates, and was himself one of the greatest of those who made Moon worship into the religion of a people. For Moses made it the religion of the ancient Hebrew people. The Jahve worship of the ancient Hebrew people is a highly spiritualised Moon worship. And it enabled the Hebrew people to retain into later times the consciousness that man is connected with what is outside and beyond the Earth, that his being is not confined to the Earth.

[ 46 ] Aber wie bei den ältesten Mondenanbetern und auch bei den Sonnen- und Sternenanbetern von dem äußeren Volke wenig erkannt worden ist, daß Sterne, Sonne und Mond dem Hellseher vergeistigt erscheinen, daß sie nicht erscheinen wie die durch die äußeren Organe gesehenen Gegenstände; wie es auch wenig verstanden hätten die alten Völker, wenn ihnen gesagt worden wäre: Ja, betet an etwas, was der Ursprung ist eures mittleren Menschen, aber stellt es euch nicht vor unter dem Bilde der äußerlich sinnlich wahrgenommenen Sonne, sondern als etwas Übersinnliches, das der Sonne zugrunde liegt —, ebensowenig wäre es verstanden worden, wenn zu den Sternenanbetern gesagt worden wäre, daß das Organ ihres Grübelns und Denkens seinen Ursprung im weiten Weltenraume hat, daß sie sich aber diesen Ursprung nicht in dem Bilde des mit dem äußeren Auge wahrnehmbaren Sternenhimmels vorstellen sollten, sondern in dem Unsichtbaren, das dahinter ist, in den vielen geistigen Wesenheiten, die in den Sternen sind. Ebenso wie man den Sonnen- und Sternenanbetern nicht hat sagen können, was von den Eingeweihten gewußt war, so konnte man auch den Mondenvölkern nicht sagen: Stellt euch vor eine unsichtbare Wesenheit, die gleichsam den äußeren Leib im Monde hat. Aber man konnte etwas anderes sagen, und Moses hat es zu dem alten hebräischen Volke wirklich gesagt. Man konnte es noch nicht sagen zu den älteren Mondenanbetern, sondern erst zu dem alten hebräischen Volke. Daher hat Moses sein Volk nicht hingewiesen auf den sichtbaren Mond, sondern auf jenes Wesen, in dem der Ursprung lag des uralten Hellsehens aller Völker; desjenigen Hellsehens, das gleichsam als eine Abschlagszahlung den Menschen gegeben worden ist, als sie in den Zustand versetzt wurden, wechseln zu müssen mit ihrem Bewußtsein zwischen dem Tagbewußtsein und dem Nachtbewußtsein, und das eine Erkenntnis gebracht hat von der Welt ähnlich dem, was die vom Mond zurückgeworfenen Sonnenstrahlen zum Ausdruck bringen. Es wurde für dieses, was also nur Äußerliches bieten konnte, was nur ein Erdenbewußtsein, ein Tag- und Nachtbewußtsein höchstens in der äußerlich sichtbaren Sternenwelt darbieten konnte, es wurde dem Menschen der uralten Zeiten durch die Möglichkeit, zu wechseln in diesem Tag- und Nachtbewußtsein, etwas gegeben wie eine Abschlagszahlung, ein altes Hellsehen, das mit dem geistigen Wesen des Mondes zusammenhängt und das äußerlich, lokal mit dem Monde wieder in einem Verhältnis steht.

[ 46 ] Now it was so with the Moon worshippers of very olden times, as it was also with the Sun and Star worshippers, that there was very little knowledge among the people themselves of how Stars, Sun and Moon appeared to the clairvoyant—spiritualised, that is, and not at all as objects that are seen with external organs. The people of olden times would not have understood if they had been told: “Pray to what is the source and origin of your middle man, but do not imagine it like the picture of the Sun that can be perceived with the senses; think of it as something super-sensible that is behind the Sun.” Just as little would the Star worshippers have understood if they had been told that the organ of their thinking had its origin in the far Cosmic spaces, but that they were not to imagine that this meant, in the picture of the starry heavens as it can be perceived with the outer eye, they were to think rather of the invisible that is behind the starry heavens, the multitude of spiritual Beings that are in the Stars. This was known to the initiates, but it could not be said to the Sun and Star worshippers. Similarly it would have been of no use at all to say to the Moon peoples: “Imagine to yourselves an invisible Being who has as it were his outer body in the Moon.” It was, however, possible to say something else, and this is what Moses did say to the Hebrew people. It could not have been said to the more ancient Moon worshippers but only to the ancient Hebrew people. For Moses did not direct his people to the visible Moon, but to the Being in whom lay the origin of the ancient clairvoyance of all peoples. This clairvoyance had been given to man,—as a kind of compensation, when he was placed into the condition of having to alternate with his consciousness between day and night; and it brought him a knowledge of the world, that resembled what comes to expression in the reflected rays of the Sun. The reflection of the Sun could only be something external for man, could only give him an Earth consciousness—a day consciousness, and a night consciousness that at most was aware only of the external visible world of stars—and so a clairvoyance was given to the man of ancient times as a compensation; it was given him through the possibility of alternation in this day and night consciousness,—an old clairvoyance that is derived from the spiritual Being of the Moon and has also relation, locally, with the Moon.

[ 47 ] Und als im Verlaufe der Menschheitsentwickelung dieses hellseherische Bewußtsein auch allmählich verschwinden, verdämmern sollte, da wurde für das alte hebräische Volk ein geistigerer Ersatz geschaffen in dem unsichtbaren Mondenwesen, in dem Jahve oder Jehova, welchen Moses dem althebräischen Volke lehrte und demgegenüber er ausdrücklich darauf hinwies, daß er nicht verwechselt werden dürfe mit irgendeinem äußerlich Gesehenen oder mit einem Bilde, das von ihm, äußerlich gesehen, gemacht wird. Daher verbot er geradezu, irgendein Bild in der äußeren Welt als ein Bild des Jahve oder Jehova anzusehen. Er verbot, sich ein Bild des Gottes zu machen, das der Anschauung doch noch etwas hätte geben können, was nicht aus unserer äußeren Welt gemacht ist, und er verbot auch, sich ein Bild des unsichtbaren, übersinnlichen Gottes zu machen, das von der äußeren Welt genommen ist.

[ 47 ] When in the course of evolution the time came for this clairvoyant consciousness gradually to grow dim and fade away, a more spiritual substitute was created for the ancient Hebrew folk in the invisible Moon Being Jahve or Jehovah of whom Moses taught, and who, he said, must never be confused with anything that can be seen outwardly nor with any picture that is made of Him for outward vision. Therefore did Moses categorically forbid the Hebrew people to regard any picture in the outside world as a picture of Jahve; he forbade them any picture or image whatsoever that might represent something which is not a product of the outside world, forbade them also to make any picture taken from the outside world, of the invisible, super-sensible God.

[ 48 ] So sehen wir in einem merkwürdigen Zusammenhang stehen die Jahvereligion mit einer Mondenreligion, welche im Ursprunge der Menschheit durch das alte Hellsehen gegeben war. Für diejenigen, die sich für solche Dinge besonders interessieren, sei noch auf den besonderen Umstand hingewiesen, daß gerade Helena Petrowna Blavatsky es war, welche aus den allerrichtigsten Quellen heraus darauf aufmerksam gemacht hat, daß die Jahvereligion in einer gewissen Beziehung eine Art Erneuerung der alten Mondenreligion war. Nur war Helena Petrowna Blavatsky mit der Forschung noch nicht so weit, wie wir heute sein können, daß ihr dieser Zusammenhang, wie er hier dargelegt worden ist, vollständig klar gewesen wäre. Die richtige Erkenntnis, die Jahvereligion ist eine Mondenreligion, ließ in der Seele von Helena Petrowna Blavatsky ein wenig die Empfindung aufkommen, als ob damit irgend etwas Minderwertiges in dieser alten Jahvereligion gegeben wäre. Das ist aber nicht der Fall. Wenn man weiß, daß die Jahvereligion des alten hebräischen Volkes urständet, ihren Ursprung hat im alten Hellsehen und gleichsam nur das Gedächtnis an dieses alte Hellsehen bewahrt, dann wird man den heiligen Ernst dieser Jahvereligion sehr wohl durchschauen können.

[ 48 ] The Jahve religion is thus seen to stand in a remarkable relation to a Moon religion that was given by the old clairvoyance in the very earliest days of mankind. For the sake of those to whom it is of interest, we may here mention that it was H. P. Blavatsky who, on absolutely authentic grounds, pointed out that the Jahve religion was in a certain respect a kind of revival of the old Moon religion. H. P. Blavatsky, however, did not come so far in her research as we are able to do today, consequently the connection that has here been set forth was not fully clear to her. The knowledge that the Jahve religion is a Moon religion rather suggested to H. P. Blavatsky that this old Jahve religion was a little less worthy on that account. This is, however, not the case at all. When one knows that the Jahve religion of the ancient Hebrew people has its origin in the old clairvoyance and preserves, so to speak, the memory of the old clairvoyance, then one is able to perceive and appreciate the sacredness and depth of this Jahve religion.

[ 49 ] So sehen Sie, wie der Zusammenhang ist zwischen wichtigen Erlebnissen der okkultistischen Aspiranten, welche in einem höheren Bewußtsein den Zusammenhang des Menschen mit der ganzen Welt, die Zugehörigkeit des Menschen zur ganzen Welt erlebten, indem sie erkannten, daß der mittlere Mensch ein Sonnenmensch, der obere Mensch ein Sternenmensch ist. So sehen Sie auch den Zusammenhang dessen, was der Okkultismus erkennt in den äußeren Religionen, die eigentlich in vieler Beziehung als alte Religionen, wie sie den Menschen gegeben worden sind, auch alte Theosophien waren. Denn in dem Augenblicke, wo die alten Menschen andächtig geworden sind, regte sich in ihnen mehr oder weniger etwas von dem alten Hellsehen, und da brauchten sie nicht bloß zu glauben, sondern konnten begreifen und verstehen, was ihnen die alten Eingeweihten sagten, wenn sie es auch nicht schauen konnten. So sind die alten Religionen vielfach 'Theosophien. Sie sind theosophische Lehren, welche die Okkultisten den Menschen gaben, je nachdem die Menschen auf dem betreffenden Teil der Erde so oder so veranlagt waren.

[ 49 ] Our study has brought us to an understanding of certain important experiences of the aspirants after occultism, who in a higher consciousness are able to learn by real experience that man belongs in his being to the entire world, perceiving how the middle man is in reality a Sun man, and the upper man a Star man. And we have also seen what occultism is able to recognise in the external religions, namely, that they were in great measure given to mankind as very ancient religions and even as ancient theosophies. For when the man of olden times developed a need for worship and prayer, in that moment something of the old clairvoyance began to stir within him, so that he had no need merely to believe what the old initiates told him but was able to comprehend it even though he could not actually see it. The ancient religions are thus to a great extent theosophies. And the theosophical teachings that were given by the occultists were determined according to the section of the earth which that particular people was destined to inhabit.

[ 50 ] Wir haben, wie Sie gesehen haben, bei unserer Betrachtung vorläufig den unteren Menschen, als den dritten siebengliedrigen Menschen, auslassen müssen. Wir werden darauf zurückkommen und werden dann sehen, wie merkwürdig das große Mysterium vorgeführt wurde, und wie auch der okkultistische Aspirant sich weiterentwickelt durch die Einweihung, durch welche erst das wirkliche Wesen des Menschen begriffen werden kann.

[ 50 ] As you will have seen, we have for the moment had to leave out the lower man,—the third seven-membered man. We shall return to it, and we shall find in what a remarkable manner the “Great Mystery” was brought before the pupil, and how the pupil undergoes still further development by means of the initiation which alone can lead to an understanding of the true nature of man.