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Man in the Light of
Occultism, Theosophy and Philosophy
GA 137

10 June 1912, Oslo

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Achter Vortrag

Lecture Eight

[ 1 ] Die okkulten Erkenntnisse sind — verzeihen Sie diesen Satz, er muß aber einmal ausgesprochen werden — wahrhaft kein Kinderspiel; und wer an sie mit der Meinung herangeht, in ihnen so etwas wie gleichgültige Theorien zu bekommen, wenn auch nicht für das Leben gleichgültig, aber doch solche Theorien, gegenüber denen man nur den Verstand engagiert, der wird sich in den meisten Fällen in einem erheblichen Irrtum befinden. Wir haben scheinbar etwas recht Äußerliches betrachtet: die menschliche Gestalt; aber ich habe Ihnen schon gesagt, daß von dieser Gestalt, so wie wir sie als dreigliedrigen Menschen vor uns hingestellt haben, doch der okkultistische Aspirant ausgehen muß. Er muß in den meisten Fällen von den Empfindungen und Gefühlen, von den Seelenimpressionen ausgehen, die sich ihm ergeben aus der Betrachtung der menschlichen Gestalt, weil er dadurch seinen Ausgangspunkt nehmen kann von etwas, was gewissermaßen am unabhängigsten von dem inneren Leben ist.

[ 1 ] The attainment of occult knowledge—it is necessary we should remind ourselves of the fact now and again—is no child's play; and if anyone approaches it with the idea that it will offer him theories to which he can either remain indifferent or, if they are not so remote as all that, still theories that require no more than the intellect to grasp them, he will find he is very much mistaken. We have been considering the human form—to all appearances something quite external. And yet I have told you that it is this human form, as we have described it in its three members, which the student in occultism must take for his starting-point. He must—in most cases—begin with the feelings and impressions that come to him from a study of the human form, because in so doing he takes his start from something that is as independent as possible of the inner life.

[ 2 ] Sehen Sie, möglich ist es durchaus und auch sogar in gewissen Fällen wünschenswert, daß nicht nur die 'Theosophen, sondern auch die Okkultisten mehr von dem inneren Seelenerleben ausgehen. Dann aber liegt immer eine Art von Hindernis vor, welches einen sozusagen nicht zurechtkommen läßt. Sie wissen ja aus anderen Vorträgen, daß an dem Aufbau unseres inneren Menschen nicht nur durch alles dasjenige, was dem Menschen schon gegeben war, als die Erde ihre Entwickelung begann, sondern auch in vielen Inkarnationen auf der Erde geistige Wesen und Kräfte mitgearbeitet haben. An dem Aufbau dieses inneren Menschen haben seit Ururzeiten in der Erde mitgearbeitet die luziferischen und die ahrimanischen Kräfte. Wenn Sie das in Erwägung ziehen, dann werden Sie sich leicht sagen können — was auch durchaus wahr ist —, daß es etwas Unsicheres ist, wenn man von dem inneren Menschen ausgeht, so ohne weiteres freizukommen von den Iuziferischen und ahrimanischen Kräften, nicht verstrickt zu werden in das, was man in seine okkulten Anschauungen hineinbekommen kann. Da kann sich vieles, vieles, ohne daß man es merkt, von luziferischen und ahrimanischen Kräften eindrängen, in die Seele hineinmischen. Denn man glaubt von vielen Dingen, sie seien außerordentlich gute Seeleninhalte, und sie sind es nicht, weil sie in irgendeiner Weise vermischt sind mit Kräften, die Ahriman und Luzifer auf den Menschen ausgeübt haben. Am sichersten bleibt deshalb für den okkultistischen Aspiranten, von der menschlichen Gestalt auszugehen. Auf diese menschliche Gestalt hat am allerwenigsten dasjenige Einfluß genommen, was man luziferische und ahrimanische Kräfte nennen kann. «Am allerwenigsten», ich bitte dieses wohl ins Auge zu fassen, denn es hat auch Einfluß gewonnen, aber eben am wenigsten. Auf das innere Seelenleben wurde ein viel größerer Einfluß ausgeübt, so daß in der Tat die menschliche Gestalt immer noch der gesündeste Ausgangspunkt bleibt für den okkultistischen Aspiranten, wenn er sich dabei an den uralten okkultistischen Satz hält, daß der Mensch in bezug auf seine Gestalt ein Bild der Gottheit ist. Der Aspirant tut gut, von diesem Punkt auszugehen, denn er knüpft an Göttliches an; er wählt von dem Ebenbilde der Gottheit seinen Ausgangspunkt, und das ist außerordentlich gut, außerordentlich wichtig.

[ 2 ] There is as a matter of fact another possibility, and it is sometimes even desirable, not only for the theosophist, but also for the occultist,—namely, to start from the inner life of soul. We are, however, then brought face to face with an almost insurmountable obstacle. As you know, we have in our inner man not only what was already present there when Earth evolution began, but throughout our incarnations upon Earth spiritual beings and forces have contributed all the time to its upbuilding and development. Ever since primeval times, Luciferic and Ahrimanic forces have had their part in all the work that has been done upon our inner man. If you take this into consideration—and you must do so, for it is true—then you will see that were we to take our start from the inner man, there would be some uncertainty as to whether we should get free of the Luciferic and Ahrimanic forces, or whether we should not rather remain entangled in their influences and these then find their way into our occult vision. Luciferic and Ahrimanic forces can easily penetrate into the soul without man's being aware of it. Many things that go to make up the content of our life of soul,—we may think them to be exceedingly good, and yet they may not be so at all, so mixed up are they with the influences exerted upon us by Lucifer and Ahriman. The surest and safest way for the pupil is therefore to take his start from the human form or figure. Upon the human form Luciferic and Ahrimanic forces have had least influence. Please note, I say “least” influence. They have had influence on the human form, but there least of all; a far greater influence has been exerted on the inner life of soul. The human form always remains, therefore, the most healthy starting-point if the pupil will hold firmly to the ancient occult saying that man in respect of his form is an image of the Godhead. The pupil does well to follow this course; for he links himself on to the Divine, choosing for his point of departure the picture or image of the Godhead,—and that is good and important.

[ 3 ] Aber auf der anderen Seite hat das wieder eine Schwierigkeit. Wenn man von inneren Seelenerlebnissen ausgeht und durch seine okkulte Entwickelung dahin gelangt, von diesen inneren Seelenerlebnissen aus hineinzuschauen in die geistige Welt, dann dauern die Eindrücke der geistigen Welt verhältnismäßig sehr lange. Mit anderen Worten: Wenn jemand rein durch innere Seelenerlebnisse es dahin bringt, über die Schwelle zu kommen und einzutreten in die geistige Welt, dann erlebt er geistiges Schauen, und er kann sich gewissermaßen Zeit lassen, die Dinge anzuschauen, weil sie eine verhältnismäßig lange Zeit hindurch dauern. Das ist also, man möchte sagen, das Nützlichere, das Bequemere, wenn man von den inneren Seelenerlebnissen ausgeht. Aber es hat eben die vorhin charakterisierten Nachteile. Es bewahrt einen nicht davor, luziferische und ahrimanische Einflüsse als solche nicht richtig einzuschätzen, nicht richtig zu erkennen. Tatsächlich darf gesagt werden, meine lieben Freunde, den Luzifer und den Teufel merken die Leute am allerwenigsten, wenn sie von dem inneren Seelenleben ausgehen.

[ 3 ] Nevertheless this path has its difficulties. If you start from inner soul experiences and by means of occult development succeed in looking out from these inner soul experiences into the spiritual world, then the impressions of the spiritual world last for a comparatively long time. The consequence is that when by means of inner soul experiences alone someone succeeds in crossing the Threshold and entering the spiritual world, then he experiences spiritual vision and can as it were take time to look at the things before him; they do not pass quickly, they continue for a considerable length of time. Herein lies, we might say, the advantage, the convenience of starting from inner soul experiences. It has, however, the drawback already indicated, that one is quite unprotected and cannot recognise or estimate rightly Luciferic and Ahrimanic influences. It is, in fact, true to say that at no time are people less aware of Lucifer and the devil than when they set out on the occult path from the inner life of soul.

[ 4 ] Das Ausgehen von der menschlichen Gestalt dagegen hat eben den Nachteil, daß das Schauen, zu dem man gelangt, die Imaginationen, außerordentlich kurze Zeit dauern, daß sie nicht lange anhalten, so daß man schon notwendig hat, eine gewisse Geistesgegenwart zu entwickeln, wenn man sie festhalten will.

[ 4 ] The other starting-point has the drawback that the vision to which we attain, the Imaginations that present themselves, last only a very little while, they do not stay; so that we require to develop a certain presence of mind, if we want to catch them.

[ 5 ] Ich möchte Ihnen nun schildern, wie es zugeht, wenn jemand als okkultistischer Aspirant ausgeht von der menschlichen Gestalt und in die übersinnliche Welt eindringt. Ich weiß nicht, ob jeder von Ihnen schon diese merkwürdige Erfahrung gemacht hat, die ja alltäglich ist, aber die man eben doch machen muß, wenn man etwas wissen will von ihr, daß, wenn man sein Auge besonders auf einen hellen Gegenstand gerichtet hat, dann der Eindruck im Auge länger haftet, als das Auge auf den Gegenstand gerichtet ist. Es hat sich insbesondere Goethe, wie er wiederholt in seiner Farbenlehre erzählt, mit diesen Nachbildern, die zurückbleiben im Organismus, das heißt innerhalb der menschlichen Gestalt, viel beschäftigt. Wenn Sie sich zum Beispiel des Abends ins Bett legen, die Flamme des Lichtes auslöschen und die Augen dann schließen, so können Sie ein Bild der Flamme noch längere Zeit, gleichsam nachklingend, vor sich haben. Für die meisten Menschen, welche ein solches Nachklingen wahrgenommen haben, ist ein äußerer Eindruck erschöpft, wenn sie dieses Nachklingen gehabt haben. Dann haben sie sozusagen jene Bewegungen, jene Vibrationen ausgelebt, welche hervorgerufen worden sind durch den äußeren Eindruck. Dann ist aber auch für die meisten Menschen dieser äußere Eindruck vergangen.

[ 5 ] Let me now give you a picture of what happens when a pupil in occultism, taking his start from the human form, penetrates into the super-sensible world. I do not know whether any of you will have observed in himself a remarkable experience that happens every day but has to be quite consciously observed if one wants to gain knowledge from it. I mean the experience that when you have directed your gaze upon a bright object, the impression remains in the eye long after the eye has ceased to gaze upon the object. Goethe made a very special study, as he tells us repeatedly in his Theory of Colours, of these after-images that remain behind in the organism,—that is, inside the human form. When, for example, you lie down in bed and put out the light and shut your eyes, then you can have before you for a long time a picture or image of the light—as it were, echoing on. As a rule, the impression from without is exhausted when we have had this “echoing” experience. The vibration, the movement caused by the external impression has finished, and for most persons that is the end of the matter.

[ 6 ] Der okkultistische Aspirant muß nun auch da von der menschlichen Gestalt ausgehen, das heißt von dem, was im gewöhnlichen Leben auf dem physischen Plane die menschliche Gestalt ausmacht. Solange er nur die Nachbilder bemerkt, ist die Sache nicht wichtig. Wichtig wird sie erst dann, wenn nach dem Nachbilde noch etwas übrigbleibt. Denn das, was nach dem Nachbilde übrigbleibt, rührt nicht mehr von dem Auge her, sondern ist ein Vorgang, ein Erlebnis, welches wir durch den ätherischen Leib haben. Wer dieses Experiment selbst gemacht hat, wird nicht den billigen Einwand mehr machen, daß auch dieses nur ein Nachbild des physischen Leibes sein könnte. Das sagt man nämlich nur so lange, als man die Sache nicht selbst erfahren hat. Wenn man sie erfahren hat, dann sagt man nicht mehr so. Denn das, was dann übrigbleibt, ist eben etwas ganz anderes, als was in irgendeiner äußeren physisch-sinnlichen Beziehung steht zu dem äußeren Eindruck.

[ 6 ] This is, however, where the pupil must take his start, proceeding, as we said, from the human form,—that is to say, from what we know the human form to be on the physical plane in ordinary life. So long as he continues to observe only the after-images, nothing of any importance will happen. The interest begins when something is still left after the image of the object has disappeared. For what then remains does not come from the eye at all, it is a process, an experience that is given us by the ether body. Anyone who has himself carried out this experiment will not bring forward the otherwise perfectly reasonable suggestion that what we have here can still only be an after-image of the physical body. People say this who have not had the experience. Once they have had the experience, they say it no more. For what remains afterwards is something totally different from anything that has relation to an external impression.

[ 7 ] In den meisten Fällen zum Beispiel ist dasjenige, was übrigbleibt nach einem Farben- oder Lichteindruck, eben nicht eine Licht- oder Farbentäuschung. Wenn es Licht oder Farbe ist, dann ist es Täuschung; aber es ist ein Ton, von dem man genau weiß, er ist nicht mit dem Ohre oder vermittels des Ohres hervorgerufen worden. Es kann auch ein anderer Eindruck sein, aber es ist immer ein von der äußeren Impression verschiedener Eindruck. Die äußere Impression zu überbrükken, zu überwinden, muß der Okkultist sich überhaupt angewöhnen, denn der Okkultismus ist zum Beispiel auch da für die Blinden, die niemals im Leben einen äußeren Gegenstand gesehen, niemals irgendeinen äußeren Lichteindruck durch ihr sinnliches Auge gehabt haben. Die meisten gespenstischen Gestalten, die die Leute sehen, sind dagegen nur Erinnerungsbilder an sinnliche Eindrücke, die phantastisch verändert wurden. Das okkultistische Erleben hängt nicht davon ab, ob man ein Sinnesorgan gebrauchen kann oder nicht, denn es tritt unabhängig von den Sinnesorganen auf.

[ 7 ] Generally speaking, what remains, for example, after an impression of colour or of light is by no means an appearance of colour or light. Indeed, we can say that if it is colour or light, then it is illusion! It is a tone, of which one is quite certain that it has not been heard with the ear, that the ear has had no part in its reaching us. What remains can also be some other impression, but it is always different from the external impression. The occultist has to learn completely to overcome external impressions, for occultism is there for the blind, for example, who have never in their life seen an external object, never once had any external impression of light by means of the eye. Most of the ghostlike figures that people see are merely memory pictures of sense impressions that have been changed by the play of fancy. Occult experience is not dependent on whether a person can use some particular sense organ or not, it occurs quite independently of the sense organs.

[ 8 ] Der okkultistische Aspirant muß nun die ganze menschliche Gestalt, nachdem er sich von ihr ein ordentliches Bild gemacht hat, fixieren, so daß er sie lebend als Imagination vor sich hat. Mit welchem Sinne oder wie er diese menschliche Gestalt fixiert, ist ganz gleichgültig. Es handelt sich darum, daß er die menschliche Gestalt überhaupt fixiert, das heißt, daß mit aller Lebendigkeit eine Imagination, ein Bild in ihm hervorgerufen ist durch die menschliche Gestalt. Das kann so sein, daß der okkultistische Aspirant das äußere Bild der menschlichen Gestalt zum Ausgangspunkte nimmt. Es kann aber auch so sein, daß er das innere Körpergefühl, das Sich-Fühlen in der Gestalt zum Ausgangspunkte nimmt. Wenn es nun dem Okkultisten gelingt, dieser menschlichen Gestalt gegenüber zuletzt etwas Ähnliches zu empfinden wie eine Art von Nachbild — also wenn der Mensch, nachdem er zuerst die in der physischen Welt erfahrene menschliche Gestalt aufgefaßt hat und dann sie so verklingen läßt in sich, wie ein Nachbild verklingt, wie in dem Falle, von dem ich vorhin gesprochen habe —, und zu warten, bis dieses Nachbild der menschlichen Gestalt vorüber ist, dann bekommt der Okkultist dasjenige Bild der menschlichen Gestalt, das jetzt kein Nachbild der physischen Gestalt mehr ist, sondern im ätherischen Leibe erlebt wird. Dieses Nachbild wird also im ätherischen Leibe erlebt. Sie sehen, es handelt sich für den okkultistischen Aspiranten darum, sich selber zu erleben im ätherischen Leibe. Wenn es nun der okkultistische Aspirant dahin gebracht hat, sich so im ätherischen Leibe zu erleben, dann ist dieses Erleben kein Kinderspiel, denn es zerfällt sofort in zwei Erlebnisse. Es bleibt nicht einheitlich. Und diese zwei Erlebnisse müssen ausgesprochen werden durch zwei Worte: Man erlebt erstens den Tod und zweitens Luzifer.

[ 8 ] Having now made himself an accurate picture of the complete human figure, the pupil must hold it firmly before him. It must live before him as an Imagination. With which of the senses or in what manner he fixes the human form is of no account. What is important is that in some way or other he fixes this human form—that is to say, through the human form a picture, an Imagination, is evoked in him, a living picture. The pupil may now take for his starting-point the external picture of the human form. It is, however, also possible for him to start from the inner feeling of the body, the feeling he has of being within the form. When the occultist succeeds in experiencing in this way something like an after-image in respect of the human form—when, that is to say, having first comprehended this human form as he finds it in the physical world, he allows it then to “echo on” in him in the way that an after-image echoes on—when he is able to have this experience and afterwards to wait until the image of the human form is past and gone, he will obtain a picture of the human form which is no longer an image of the physical form but is experienced in the ether body. You see, for the pupil in occultism it is a question of experiencing himself in the ether body. And when the pupil has come to the point of experiencing himself in this way in the ether body, then this experience is indeed a profound one! It falls at once into two distinct experiences. It does not remain whole and single. And these two experiences have to be expressed by two words. We have to say that the pupil experiences first, death and second, Lucifer.

[ 9 ] Da es sich nicht um Sinneserlebnisse handelt, sondern um wesentlich höhere Erlebnisse, so ist es natürlich nicht ganz leicht — gerade weil die Worte zumeist aus der sinnlichen Welt genommen sind und deshalb auch die Wortbedeutung an die Sinneswelt erinnert —, diese Erlebnisse zu beschreiben; denn es wird in der Tat als inneres Erlebnis mehr erlebt denn als äußeres, und wenn man Worte gebraucht, so ist das mehr dazu bestimmt, eine Vorstellung, ein Bild hervorzurufen von dem, was man da eigentlich erlebt.

[ 9 ] Since the experiences of which we are now speaking are not of the senses, but are in their very essence and nature higher experiences, it is naturally not altogether easy to describe them. Words are for the most part taken from the world of the senses and they remind us always, in their application, of the world of the senses. But these are experiences that we feel to be inward rather than outward; and if we make use of words to describe them, it is rather for the purpose of evoking some conception, some picture only of what is in very truth experienced.

[ 10 ] Den Tod zu erleben, ist ungefähr so, daß man weiß: Die menschliche Gestalt, die man eben ins Auge gefaßt hat und von der man ausgegangen ist, hat keinen Bestand außerhalb des Erdendaseins. Die ist gebunden an das Erdendasein. Wer hinauskommen will über das Erdendasein, wer überhaupt rechnen will mit einem übersinnlichen Leben, der muß sich darüber klar sein, daß diese menschliche Gestalt nur auf der Erde als solcher erlebt werden kann, daß sie zerbrechen muß mit dem Tod, zerbrechen muß in dem Augenblicke, wo der Mensch über das Erdendasein hinauskommt. Im Ätherleibe kann sich die menschliche Gestalt nicht anders zeigen denn als todbegabt.

[ 10 ] The experience of death is somewhat as follows. The pupil knows that the human form, which he has first perceived and then taken as his starting-point, has no continuance outside Earth existence. It is bound up with Earth existence. Whoever wants to go beyond Earth existence, whoever wants to reckon at all with a super-sensible life, must realise that this human figure can be experienced as such only on Earth; it must go to pieces—it does so before his eyes—the moment he passes beyond Earth existence, and show itself as death. In the ether body the human form can show itself in no other way than as given over to death.

[ 11 ] Das muß der erste Eindruck sein, und es ist hier schon eine Klippe für den okkultistischen Aspiranten; denn der Eindruck, den die zerbrochene menschliche Gestalt macht, ist ein außerordentlich tiefgehender. Es ist für viele, die okkultistisch aspiriert haben, tatsächlich so gewesen, daß sie den Eindruck nicht haben überwinden können und sich gesagt haben: Weiter zu gehen, hindert mich meine Furcht vor dem, was da noch nachkommen mag. — Notwendig ist es, daß man den Tod sieht, aus dem ganz einfachen Grunde, weil man erst dann die volle Gewißheit hat: Im Erdenleib drinnen ist es unmöglich, die höhere Welt zu erleben. Man muß aus ihm heraus, man muß ihn verlassen.

[ 11 ] This, then, must be the first impression, and here the pupil may easily founder; for the impression made by the shattered and destroyed human form is one that sinks very deeply into the soul. It is a fact that many who have aspired to be occultists have not been able to surmount this first impression and have said to themselves: “Fear of what may be still to come stops me from going any further.” It is necessary for the pupil to behold death, for the simple reason that only so can he know in all certainty that in the Earth body it is impossible to experience the higher world; one must come right out of the body, one must leave it.

[ 12 ] Das ist wiederum der nächste Eindruck. Es ist damit nicht gesagt, daß absolut im Erdenleibe die höhere Welt nicht erlebt werden könne. Aber zunächst ist gar nichts anderes möglich für den okkultistischen Aspiranten als das, was eben jetzt beschrieben worden ist. Das wäre das, was man bezeichnet mit den Worten: Man erfährt den Luzifer. Luzifer ist eigentlich zunächst da, um einen auf etwas aufmerksam zu machen, was außerordentlich verführerisch ist. Wenn man in Worte kleiden soll, was man erfährt dadurch, daß man die Bekanntschaft macht mit Luzifer, so kann das in der folgenden Weise geschehen. Luzifer macht einen auf die Zerbrechlichkeit der menschlichen Gestalt aufmerksam, indem er gleichsam sagt: Sieh dir nur einmal diese menschliche Gestalt an, zerbrochen ist sie; eine zerbrechliche Gestalt haben dir die Götter gegeben, die meine Feinde sind. — Das ist es ungefähr, was Luzifer einem mitteilt, und damit macht er einen darauf aufmerksam, daß die höheren Götter in die Notwendigkeit versetzt waren, den Menschen in dieser Gestalt zerbrechlich zu machen; daß sie gar nicht anders konnten, durch Verhältnisse, die wir noch besprechen werden, als die menschliche Gestalt zerbrechlich zu machen. Und dann zeigt Luzifer auch das, was er aus dem Menschen hat machen wollen, was geworden wäre aus dem Menschen, wenn er allein, unbeeinflußt durch seine Gegner, mit dem Menschen hätte hantieren können.

[ 12 ] That is actually the next impression the pupil receives. I do not mean to imply that the higher world can never be experienced while in the Earth body. But the pupil in occultism must inevitably come at this point to the experience and knowledge that I have described. It may be expressed in the words: He experiences Lucifer. Lucifer is there before him, and directs his attention to a fact which carries with it for the pupil a very great temptation, If we had to put into words what is experienced in making the acquaintance of Lucifer, we might express it in the following way. Lucifer makes the pupil attentive to the frailty and destructibility of the human form He says: “Look at this human form. See how destructible it is; a destructible form have the Gods given you—the Gods who are my enemies.” That is what Lucifer tells him, and he points out to him that the Higher Gods were placed under the necessity of making man destructible in his form; he shows the pupil that They could not do otherwise, owing to certain conditions of which we shall speak later. And then he shows him what he, Lucifer, wanted to make of man, what man would have become if he had been given the handling of him,—alone, unhindered by his opponents.

[ 13 ] Das, wodurch Luzifer dem Menschen zeigt, was der Mensch geworden wäre, wenn er, Luzifer, allein hätte hantieren können, hat zunächst wiederum etwas außerordentlich Verführerisches, denn der Mensch wird von Luzifer etwa so darauf hingewiesen, daß ihm Luzifer sagt: Nun sieh dich einmal um, sieh einmal zu, was von dir zurückgeblieben ist, nachdem die menschliche Gestalt zerbrochen ist. — Wenn die menschliche Gestalt zerbrochen ist, wenn sich der Mensch dann sozusagen geistig umdreht und sich sozusagen geistig gehäutet sieht, wenn die Gestalt von ihm weggenommen ist, dann sieht der Mensch zweierlei. Erstens, daß das, was zurückgeblieben ist, in der Tat taugt für die übersinnliche Welt, daß es in gewisser Beziehung geistig verwandt ist mit dem Übersinnlichen, daß es in gewisser Beziehung unsterblich ist, während der Leib sterblich ist. Das ist ein starkes Argument, ein starker Verführungsgrund, den Luzifer in der Hand hat. Zunächst wird der Mensch hingewiesen auf das Ebenbild Gottes, das er hat, das aber zerbrechlich und an die Erde gebunden ist. Durch Luzifer wird ihm dasjenige gewiesen, was in ihm unsterblich ist. Dies ist die Versuchung, der verführerische Eindruck. Aber wenn sich der Mensch das betrachtet, was unsterblich ist, wenn der Mensch das ins Auge faßt, was die äußere Gestalt wegschafft, nachdem sie in ihre drei Teile zerbrochen ist, aus welchen wir sie zusammengesetzt gefunden haben, da sieht der Mensch sich selbst, sieht, auf wessen Kosten Luzifer den Menschen unsterblich gemacht hat. Da ist der Mensch kein Mensch mehr, wenn er auf sich selbst zurückblickt, da ist der Mensch wirklich kein Mensch mehr. Was der Mensch ist als oberer Mensch, wie wir ihn vom dreigliedrigen Menschen aus charakterisiert haben, das hat die okkultistische Symbolik immer in gewisse Bilder gebracht. Diese Bilder haben durch die Zeiten hindurch den Menschen etwas sagen sollen. Die wenigsten Menschen haben diese bedeutungsvollen Imaginationen und Bilder verstanden. Der obere Mensch, zu dem der Mensch blicken kann, wenn er sich selber besieht, ist verschieden, nicht für alle Menschen gleich. Es ist auch nur ein mehr oder weniger wandelbares Bild, was ihn da anspricht. Aber es gibt das Bild eine ungefähre Vorstellung von dem, was der Mensch als Impression erlebt. Der Mensch hat kein menschliches Antlitz mehr, er ist mehr stier- oder löwenähnlich. Es stellt sich so heraus, obzwar es nicht durchaus zutrifft — es sieht sich manchmal grotesk an, was in der übersinnlichen Welt erlebt wird —, daß die Frau, wenn sie so zurückblickt, mehr als Löwe, der Mann mehr als Stier sich empfindet. Das muß eben überstanden werden, denn es ist einmal so. In Verbindung mit diesen beiden Bildern, die ineinandergehen, da der Mann nicht ganz löwenentblößt, die Frau nicht ganz stierentblößt ist, denn sie verschwimmen ineinander, ist gleichsam ineinanderfließend das Bild eines Vogels, das man immer «Adler» genannt hat und das dazugehört.

[ 13 ] There is something extraordinarily seductive in the picture Lucifer gives of what man would have become if he, Lucifer, alone had had the making of him. For Lucifer says, “Look around you and see what remains of you when your human form has gone to pieces.” When the human form has been destroyed, when man turns round, as it were, and sees himself flayed—spiritually speaking—, when his form has been taken from him, then he beholds two things. In the first place, he sees that what remains is in fact conformable to the super-sensible world, is in a certain respect immortal, whilst the body is mortal. This fact puts a powerful argument in the hands of Lucifer, wherewith he may tempt man. Man's attention has first been directed to the image of God which he has, which, however, is destructible and bound to the Earth. Then Lucifer directs him to something else in him that is immortal, not subject to death. Therein lies the temptation. But when man comes to consider and observe that which is immortal in him, when he contemplates that which shakes off the external form after it has broken up into the three parts of which we have discovered it to be composed, then man sees himself and sees at what cost Lucifer has made him immortal. For man, when he looks back upon himself, discovers he is no longer man. Threefold man, as we have described him, has always been expressed in occult symbolism in certain pictures. These pictures, these Imaginations, have throughout the ages had something to say to man. Very few, however, have understood their wonderful significance. The upper man, as man sees him when he turns back to look upon himself, is different in different people. The picture that presents itself here is also more or less transient. It gives nevertheless an approximate idea of the impression man experiences. There is no longer a human countenance; the countenance is suggestive of a bull, or else of a lion. Experiences in the super-sensible world have often a quite grotesque appearance; and it transpires that, although not always, yet generally speaking, a woman who looks back in this way perceives herself more like a lion, a man more like a bull. There is no getting away from it, it is really so! And connected with these two pictures—which are intermingled, for the man is not entirely devoid of lion, nor the woman entirely devoid of bull, the two merge into one another—blended in at the same time with these is the picture of a bird, which has always been called the eagle and which belongs in the whole picture.

[ 14 ] Das alles wäre noch nicht das Schlimmste. Mancher könnte sich noch entschließen, zugunsten der Unsterblichkeit ein Stier, ein Löwe oder ein Adler zu sein. Das ist aber nur der obere Mensch. Die weitere Fortsetzung nach unten ist ein wilder Drache, ein wilder Wurm. Das ist dasjenige, was zu den Drachensagen immer die Veranlassung gegeben hat. Die religiöse Symbolik hat den Menschen zwar immer überliefert die vier Bilder, das, was man nur zerbrochen noch findet in der übersinnlichen Welt, nämlich den Menschen, den Löwen, den Stier und den Adler, und sie hat nur angedeutet in der Weise, wie Sie diese Andeutungen im Sündenfalle finden, daß zu dem Menschen noch ein wilder Wurm gehört. Er gehört aber durchaus zu der Gesamtheit des Menschen, wie er sich da findet.

[ 14 ] Nor has the worst yet been told! Many a man might be ready to make up his mind to be a bull, a lion or an eagle as a price for immortality. That is, however, only the upper man. The continuation down below is a wild, savage dragon. Here you have the source of all the numerous sagas and stories of the dragon. Traditional religious symbolism has always given man the four pictures,—Man, Lion, Bull, Eagle; but it has given no more than indications, as, e.g., in the account of the Fall, that a wild Dragon also belongs to man. The dragon, however, has its place in the totality of man, it is to be found there.

[ 15 ] Und jetzt ist es, wo der Mensch sich sagen muß: Zwar kann dir Luzifer die Unsterblichkeit versprechen — das ist voll begründet —, aber nur auf Kosten der Form, der Gestalt, so daß du in der Form, wie du da geworden bist unter seinem Einflusse, unsterblich fortlebst. — Jetzt merkt man, daß man gerade im Laufe der Erdenentwickelung erst zu einer solchen innerlichen Gestalt geworden ist, deshalb so geworden ist, weil Luzifer gewirkt hat im Laufe der Erdenentwickelung. Jetzt merkt man, daß diese Erdenentwickelung unter dem Einflusse von Luzifer Übersinnliches über Übersinnliches dem Menschen gegeben hat. Denn Weisheit und alles Mögliche, was an die Weisheit sich anschließt, stammt vielfach von Luzifer; und Luzifer kann bei der Begegnung mit ihm darauf hinweisen, wieviel man eigentlich ihm verdankt. Aber alles das, was jetzt charakterisiert worden ist, steht denn doch damit in Verbindung.

[ 15 ] And man has to say to himself: Lucifer is indeed able to promise you immortality—it is a sure and well-founded promise—but only at the cost of your form and figure, so that you go on living in the form you have become under the influence of Lucifer. And now we can see how it has come about that we have received such an inner form; it is because of the influence of Lucifer in Earth evolution. We perceive also that this Earth evolution has under the influence of Lucifer given to man super-sensible gifts one after another. Wisdom and everything connected with wisdom comes to man by many and manifold paths from Lucifer. Lucifer can show man, when he meets him, how much man really owes to him. But what I described just now has also to be reckoned among the things man owes to Lucifer.

[ 16 ] Es muß daher die Frage entstehen: Gibt es denn gar nichts Tröstliches innerhalb dieser Selbsterkenntnis? — Denn schließlich ist diese Selbsterkenntnis wirklich nicht tröstlich, wenn sich durch diesen Anblick nur charakterisieren läßt, daß der Mensch zum Tiere erniedrigt ist. Dieses Tier ist verdreifacht und gehört nicht zu den höheren Tieren, sondern ist bis in jene Tierheit erniedrigt, die sich auf der Erde im Bilde eines Amphibiums befindet. Tröstlich ist dieser Anblick wahrhaftig nicht.

[ 16 ] The question is bound to arise: “Is there then no ray of comfort in this self-knowledge?” For, when all is said, it is not exactly comforting if this new insight only leads to a description of how man is degraded to the rank of an animal. The animal is, moreover, tripartite and does not belong to the “higher” animals; rather is man debased to the animal stage that exists on the Earth in the picture of an amphibian. No, such a conception can hardly be called comforting!

[ 17 ] Das alles, was ich Ihnen jetzt erzählt habe, ist es, wovon ich gesagt habe, daß es ein außerordentlich rasch vorüberhuschender Eindruck ist. Man muß viel Geistesgegenwart haben, um den Eindruck überhaupt aufzufassen, um ihn sozusagen zu schauen. Er geht sehr rasch vorbei. Das ist das Nachteilige, wenn man von der menschlichen Gestalt ausgeht, daß die Menschen nicht so viel Geistesgegenwart haben, um zu erfassen den Tod und Luzifer, und dann sich noch selbst beschauen, indem sie sich umdrehen — das Umdrehen meine ich natürlich geistig. Tröstlich ist nichts an dem, was man da sieht, denn schließlich hat man nur eine zweifache Wahl. Man hat die Wahl, sich an das Sterbliche, Zerbrechliche, das von den Göttern, von den Gegnern Luzifers herrührt, zu halten, oder man hat die Wahl zur Unsterblichkeit, und dann ist die Beigabe zu dieser Unsterblichkeit eine Herabwürdigung der menschlichen Gestalt.

[ 17 ] This is the experience which I described to you before as being so extraordinarily fleeting and transient. One needs great presence of mind to grasp the impression at all, to get a view of it, as it were. It goes past one so swiftly. That is the disadvantage of starting from the human form. People do not as a rule have sufficient presence of mind to grasp death and Lucifer and then turn round, spiritually, and survey themselves. Nothing we see brings any comfort, for ultimately we have only two courses to choose from. We can hold to what is mortal and destructible in us and comes from the Gods, the opponents of Lucifer; or we can choose immortality and along with it the degradation of the human form.

[ 18 ] Die Gegenwart all dieser Dinge, der Eindruck derselben, ist wahrhaft kein tröstlicher; er ist zunächst ein ungeheuer herabstimmender, ein ungeheuer fataler und furchtbarer Eindruck. Daher kommt es, daß ein großer Teil der Aufgabe des okkultistischen Lehrers darin besteht, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, daß sie nun, wenn sie einen solchen Eindruck haben, ja, wenn sie überhaupt die ersten übersinnlichen Eindrücke haben, nicht allzuviel darauf geben sollen, aus dem einfachen Grunde, weil diese ersten Eindrücke, gleichgültig ob sie freudevoller oder leidvoller Art sind, niemals als maßgebend betrachtet werden dürfen. Das Richtige ist, recht geduldig abzuwarten. Man wird vielleicht, wenn man das beschriebene Seelenexperiment ausführt, mehrmals einen recht hoffnungslosen Eindruck haben, und man braucht dann Mut, um ihn immer wieder und wieder hervorzurufen. Wenn man aber im Okkultismus praktisch vorwärtsschreiten will, dann muß man das, und es kommt dann schon einmal der Augenblick, wo man sich an etwas halten kann.

[ 18 ] The presence of all these things, the impression made by them, is in the first moment terrible and paralysing. For this reason a great part of the task of the occult teacher consists in warning people not to pay too much heed to such impressions, or indeed to any first super-sensible impressions, because these impressions, whether they are of a kind to occasion joy or pain, can never be trusted as guides. The right course is to wait patiently, very patiently. It may well be that when one has carried out the experiment described, a feeling of absolute hopelessness comes over one; to persevere then in calling forth the impression again and again requires courage. But this is what we must do if we would make practical progress in occultism, and a time will come when we find, as it were, ground for our feet.

[ 19 ] An das, was die Gegenwart darbietet, kann man sich nicht halten, denn alles, was man im Leben gewonnen hat, zeigt sich, weil dieser Leib selber zerbrechlich ist, als ein Zerbrechliches, als ein Vergängliches. Das Ewige verspricht einem Luzifer. Daran kann man sich auch nicht halten. Aber es kommt der Moment, wo man sich an eines halten kann, wenn auch nicht an das Gegenwärtige: an eine Erinnerung, die einem bleiben kann aus dem gewöhnlichen Erdenleben. Diese Erinnerung muß einem wie ein Gedanke aus dem Erdenleben bleiben und muß sich hinüberergießen in diese Begegnung mit dem Tode und Luzifer. Sie ergießt sich hinüber, sie kommt einmal, sie tritt einmal ein, diese Erinnerung, dieser Gedanke, welcher einem der einzige Halt sein kann. Aber dieser Gedanke ist ein außerordentlich, man möchte sagen, schwacher Gedanke. Deshalb ist auch eine starke Energie notwendig, um diese Erinnerung, diesen Gedanken zu haben. Das einzige, woran man sich als an ein Sicheres erinneren kann, ist der Ich-Gedanke, der Gedanke: Du bist ein Selbst gewesen da drüben. — Aber dieser Gedanke ist außerordentlich schwierig zu halten. Es werden manche Menschen wissen, daß es schon außerordentlich schwierig ist, einen Traum aus dem anderen Bewußtseinszustand in den gegenwärtigen hereinzubringen. Den Ich-Gedanken herüberzutragen aus der Erdenwelt in das Bewußtsein, in das man eingetreten ist, ist ungeheuer schwer, und es geschieht doch nur zu leicht, daß dieser Ich-Gedanke, wenn man die übersinnliche Welt betreten hat, wie ein Traum ist, den man gehabt hat in der Erdenwelt und an den man sich nicht erinnert. Wie ein vergessener Traum ist dieser Ich-Gedanke, wenn man in das andere Bewußtsein eintritt.

[ 19 ] What the present moment affords—on that can man most assuredly not rely. Everything he achieves in life is seen now to be destructible, impermanent. Lucifer promises something eternal. But not to that either can man hold. A moment comes, however, when there is one thing of which he can take firm hold; it is not anything of the present, but a memory that can remain with him from ordinary life on Earth. This memory must stay with him like a thought out of Earth life, and intermingle in the meeting with death and Lucifer It streams over from Earth life, and is suddenly there, this memory, this thought, which alone can give man support and stay. But it is singularly feeble, and great energy is required to hold it. This one and only thing in life which man can recall as something sure and certain is the thought of Self, of “ I.” It is the thought: Over there I have been a Self. There is, as we said, extreme difficulty in holding this thought. Many of you will know how difficult it is to bring over a dream from the other state of consciousness into the present moment. And it can happen all too easily that when man has entered the super-sensible world, this “ I” thought is like a dream that he has had in the Earth world and does not remember. Like a forgotten dream is this “ I ” thought, when he has come into the other consciousness; and the difficulty of holding it has even increased for man in the course of evolution.

[ 20 ] Und in dieser Beziehung ist es mit der Menschheit auf der Erde im Laufe der Erdenentwickelung schlechter geworden. Während es in den uralten Zeiten, in sehr weit zurückliegenden Zeiten, verhältnismäßig leicht war, das Ich-Bild vom Diesseits in das Jenseits hinüberzutragen, ist es im Laufe der Menschheitsentwickelung immer schwieriger und schwieriger geworden.

[ 20 ] In ancient times, in times that lie far back in the remote past, it was comparatively easy to carry over the “ I ” picture from here on Earth to the Beyond, but in the course of the evolution of mankind it has become more and more difficult.

[ 21 ] Wenn ich sage, der Ich-Gedanke kommt, so müssen Sie damit in Verbindung denken, daß für den heutigen okkultistischen Aspiranten er allerdings kommt, daß dieser Gedanke aber durchaus so ist, daß das Ich nicht bloß als ein bloßes Traumbild bleibt, sondern daß es als Erinnerung drüben aufblitzen kann. Dazu ist aber Hilfe notwendig. Ohne Hilfe geht es nicht. Eintreten kann also dieses Ereignis; aber ohne Hilfe geht es nicht. Das ist das Wichtige. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen der Erdenentwickelung bliebe also in den allermeisten Fällen bei dem okkultistischen Aspiranten, wenn er die übersinnliche Welt betritt, der Ich-Gedanke etwa wie ein vergessener "Traum zurück, wenn er nicht Hilfe hätte.

[ 21 ] When I say, “The thought of the I comes,” you must think of it in the following way. For the present-day pupil in occultism, the thought often does indeed come. It does not merely remain with man as a dream picture,—no, it can flash up in him beyond as a sudden memory. For this to happen, however, help is needed. It can happen, but not without help,—an important point. When the pupil enters the super-sensible world, then under present day conditions of evolution the I would almost certainly remain behind like a forgotten dream, if help were not forthcoming.

[ 22 ] Wenn ich Ihnen die Hilfe nennen soll, welche der okkultistische Aspirant heute braucht, um den Ich-Gedanken nicht zu vergessen, wenn er in die übersinnliche Welt hinaufgeht, so gibt es dafür nur einen einzigen Ausdruck, und das ist das Zusammenleben auf der Erde mit dem Christus-Impulse. Das ist die Hilfe. Wie der Mensch sich während seines Erdenlebens zu dem Christus-Impulse verhalten hat, wie er diesen Christus-Impuls in sich hat lebendig werden lassen, davon hängt es in den heutigen Zuständen der Erdenentwickelung ab, ob der Ich-Gedanke in Vergessenheit gerät beim Hinaufsteigen in die übersinnliche Welt, oder ob der Ich-Gedanke dem Menschen verbleibt als der einzige feste Stützpunkt, den der Mensch von der Erde in sich hinübertragen kann in die übersinnliche Welt.

[ 22 ] If I am to give a name to the help that the pupil in occultism needs today in order that he may not forget the thought of the I when he ascends into the super-sensible world, there is but one expression I can use, and that is being together with the Christ Impulse on Earth. That is what helps! In present-day conditions of Earth evolution everything depends at this point on what sort of a relation man has had with the Christ Impulse during his life on Earth, and in what measure he has let It become alive in him. On this depends whether the thought of the I is lost in forgetfulness when man ascends into the super-sensible world, or whether it remains with him as the one and only sure support that he can take over with him from Earth into the super-sensible world.

[ 23 ] Sehen Sie, der heutige Christ wird mancherlei Bedeutungsvolles und Schönes zu sagen haben über den Christus-Impuls. Derjenige aber, der sich als ein im christlichen Sinne die höheren Welten Betretender fühlt, weiß von diesem Christus-Impulse noch mehr. Etwas außerordentlich Wichtiges und Bedeutungsvolles weiß er. Er weiß, daß. dieser Christus-Impuls heute eigentlich schon die einzige Hilfe ist, die uns nicht vergessen läßt den Ich-Gedanken der Erdenentwickelung. Daß der Christus eine Hilfe werden konnte auch in dieser Beziehung, neben all dem,was der Christus-Impuls den Menschen schon auf dieser Erde werden konnte, neben dem Unzähligen, was die Kultur der Menschen für ihren Trost, für ihr Gutsein durch den Christus-Impuls erhalten hat und noch erhält; daß der Christus-Impuls eine Hilfe werden konnte, insofern er bewirkt, daß der Ich-Gedanke von der Erde nicht vergessen zu werden braucht — womit hängt denn das zusammen, woran liegt das? Das muß für uns die große Frage werden.

[ 23 ] The Christian of today has many remarkable and beautiful things to say about the Christ Impulse. But one who consciously in the Christian sense enters the higher worlds knows still more of the Christ Impulse. And this more that he knows is exceedingly important and significant. He knows that the Christ Impulse is the one and only thing that can come to our help when we are in danger of forgetting the I of Earth evolution. How is it that in addition to all that the Christ Impulse has already been able to be for man on Earth, in addition to the untold blessings that man has received and is still receiving from It, for his comfort, for his goodness of heart and mind, for his education and culture, there is also this,—that the Christ Impulse in the measure in which It works in man, can bring it about that the I of Earth does not need to be forgotten? Where can we look for the explanation of this?

[ 24 ] Wenn ich Ihnen die Antwort geben soll auf die Frage, womit dieses zusammenhängt, dann muß ich Sie auf Dinge aufmerksam machen, die Sie, auch wenn Sie sie nicht aus dem Okkultismus wissen, durch eine vernünftige Betrachtung über die Evangelien gewinnen können. Zwei Dinge gibt es, um mit den Gründen bekanntzuwerden, warum der Christus-Impuls eine solche Hilfe ist: Erstens einen wahrhaft auf der Höhe unserer Zeit stehenden Okkultismus, und zweitens ein wirklich vernünftiges Eindringen in die Evangelien. Diese Evangelien haben etwas höchst Eigentümliches, wenn wir sie als religiöse Urkunden vergleichen mit anderen religiösen Urkunden. Sie haben etwas auf das allerdings nicht immer hingewiesen wird. Ich bitte Sie nur, mit alle dem, was Ihnen die äußere Religionsgeschichte bieten kann, mit alledem, was Ihnen bieten kann selbst noch in der nachchristlichen Zeit der Inhalt der nachchristlichen Religionsstiftungen, einmal zu vergleichen, was in den christlichen Urkunden, den Evangelien steht. Wenn Sie hinblicken auf die Geschichte irgendeines Religionsstifters und sich bemühen, denselben zu verstehen, so können Sie dies nicht anders als dadurch, daß Sie kennenlernen, verstehen lernen die übersinnlichen Eingebungen, Inspirationen oder Intuitionen, die dieser Religionsstifter gehabt hat. Fragen Sie bei den vorchristlichen Religionsstiftern, woher ihre Weisheit stammt, so werden Sie zum Beispiel bei dem Buddha darauf hingewiesen, daß er jene hohe Erleuchtung, durch die er hat verkündigen können, was er die heilige Lehre nennt, unter dem Bodhibaume gewonnen hat. Auf eine übersinnliche Erleuchtung werden Sie also hingewiesen, wenn Sie den Grund der Lehre des Buddha haben wollen. Selbst für die nachchristliche Zeit gilt das vielfach. Nehmen Sie Mohammed, so werden Sie zu den Gesichten, zu dem, was Mohammed aus den übersinnlichen Welten heraus geoffenbart wurde, gehen müssen, um erklären zu können, warum er dieses oder jenes so oder so gesagt hat. So ist es bei allen Religionsstiftern, ja nicht einmal bloß bei allen Religionsstiftern, sondern auch bei allen bedeutenden Offenbarern. Es wird hingewiesen auf ihre göttliche Inspiration, hingewiesen auf das Übersinnliche, das in sie hineingeleuchtet hat.

[ 24 ] If I am to give you an answer to this question, I must draw your attention to facts which, although you may not know them from occultism, you can yet acquaint yourselves with by an intelligent study of the Gospels. For there are two ways of coming to a knowledge of the reasons why the Christ Impulse can give this help. The first is the path of occultism,—an occultism such as rightly belongs to the stage of evolution reached by man in our times. And the second is the path of a thoroughly intelligent and deep study of the Gospels. The Gospels have one remarkable and unique feature, as compared with other religious records. People do not always notice it, but it is there, none the less. Take all that you can find in the external history of religions, take the whole content of the religions founded even in Post-Christian times, and compare with this what you read in the Christian records, the Gospels. If you look into the history of the founder of any religion and take pains to understand him, you will find you can only do so by learning to know and understand the super-sensible inspirations or intuitions which he received. Enquire of the Pre-Christian founders of religion whence came their wisdom and you will be told,—in the case of Buddha, for example, how he acquired under the Bodhi tree that great and high enlightenment which enabled him to proclaim what he called the “holy doctrine.” You are directed, that is to say, if you want to know the ground and source of Buddha's teaching, to a super-sensible enlightenment. Nor is it any different in Post-Christian times. Take Mohammed. You must look to the visions, the revelations Mohammed received from super-sensible worlds, in order to explain why this or that was spoken in such and such a way. It is the same with all founders of religions; and not only with founders of religions, but with all who have given authentic revelations. We are directed to their divine inspiration, to the super-sensible that shone into them.

[ 25 ] Bei Pythagoras wissen Sie es ganz genau. Bei Platon ist es überall angedeutet, daß er nicht alles gegeben hat, was er wußte, daß er aber jedenfalls zu dem, was er mitgeteilt hat, inspiriert war durch die Mysterien, das heißt, daß er hineinentwickelt war in die höheren Welten. Selbst bei Sokrates wird Ihnen von einem Daimonion gesprochen, und es wäre einfach ein Unsinn, das Daimonion wegzulassen. Das, was er durchaus auf Grundlage bloßer Vernunft für die Menschen entwickelt hat, hat er durch sein Daimonion erhalten. So ist es überall, wo Sie sich in der Welt umschauen.

[ 25 ] We have quite exact knowledge of this in the case of Pythagoras. And in Plato's writings we can find everywhere indications that while he did not give all he knew, for what he did communicate he received inspiration through the Mysteries,—that is to say, he underwent evolution into higher worlds. Even in the case of Socrates we read of a “Daimon,” and indeed it would be absurd to leave out the Daimon in speaking of Socrates. What Socrates developed for man on the foundation of pure intelligence, he received through his Daimon. Look where you will, everywhere you will find the same.

[ 26 ] Und jetzt bitte ich Sie, damit die Evangelien zu vergleichen. Wenn Sie vernünftig die Evangelien durchsehen, so finden Sie innerhalb derselben nur ein einziges Mal einen wirklichen Hinweis darauf, daß im Sinne dessen, was man bei irgendeiner Einweihung erlebt, der Christus Jesus in den drei Jahren seines Erdenwandels hineingeschaut hat oder hineinschauen mußte in die übersinnliche Welt. Das einzige Mal, wo Sie so etwas finden, ist in der Versuchungsgeschichte dargestellt, und da wird Ihnen auch nicht erzählt, daß der Christus hat lernen müssen, festzuhalten an einem übersinnlichen guten Gotte, sondern es wird nur gesagt, daß er eine Begegnung hatte mit dem, was für ihn das Böse war, mit dem Satan, mit Luzifer.

[ 26 ] Now let me ask; you to turn from these examples to the Gospels. Go through them carefully and you will find but one single occasion in the whole three years of His sojourn on Earth when, in the sense of initiation-experience, Christ Jesus looked into, or had to look into, the super-sensible world. The only time that you will find anything of this kind is in the scene of the Temptation, and even there you are not told that Christ had to learn to hold fast to a super-sensible good God, but only that He had a meeting with that which was for Him the “evil,”—with Satan, with Lucifer.

[ 27 ] Es wird Ihnen erzählt, daß diese Versuchung von Anfang an für ihn keine Versuchung mehr war. Lesen Sie selbst die Stellen durch und Sie werden sehen, wie einzigartig es in den Evangelien vorgeführt ist, daß der Christus so etwas durchgemacht hat, wie die Initiatoren es immer haben durchmachen müssen; wie er von Anfang an festhält an seinem Gotte, wie er widersteht den Anfechtungen und das Wort prägt: «Hebe dich weg von mir, Satan! Denn es steht geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, anbeten und ihm allein dienen»; wie Luzifer keine Versuchung mehr auf ihn ausüben kann und ihn verläßt. Alle anderen Szenen, die nun folgen, alles, was die Evangelien sonst noch sagen, sie bieten nichts mehr, was verglichen werden kann mit dem, was man erzählen muß über den Lebensgang von Eingeweihten, insofern man schildert, daß und wie sie gelernt haben im Laufe des Lebens hinaufzudringen in die geistigen Welten.

[ 27 ] We are told that this Temptation was for Him from its very beginning no temptation. Read the passages through for yourselves and you will see how unique is the picture given us in the Gospels. Christ passed through what the initiators have always had to pass through, but from the beginning He holds steadfastly to His God, withstands the attacks and utters the word: “Get thee hence, Satan! For it is written, Thou shalt worship God, thy Lord, and Him only shalt thou serve.” Lucifer cannot tempt Him any further and leaves Him. In all the other scenes and events that follow the Temptation, in everything else the Gospels have to tell, we can discover nothing at all to be compared with the accounts that have to be given of the life of initiates, where we read a description of how and in what manner they learned in the course of their life to penetrate into the spiritual worlds.

[ 28 ] Man kann, wie ich es getan habe in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» und wie ich es später immer wieder geran habe in den Vorträgen, von dem Christus von vornherein als von einem Eingeweihten sprechen, von einem solchen, der die unmittelbare Verbindung mit der übersinnlichen Welt hat; aber man kann bei ihm nicht von seiner Einweihung sprechen, nicht von einem Gange durch die Initiation. Man kann sprechen davon, daß er ein Initiierter ist, aber man kann nichts darüber sagen, wie er ein Initiierter geworden ist. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

[ 28 ] We can speak of the Christ, right from the very beginning, as of an “initiate”—that is, one who has direct and immediate connection with the super-sensible world. I have done this in my book Christianity as Mystical Fact and continually in lectures. But one cannot in the case of the Christ speak of His “initiation,” one cannot speak in His case of progress through initiations. We can say that He is an “initiated” one, but we can say nothing at all about how He became “initiated.” That is a profound distinction.

[ 29 ] Vergleichen Sie alles, was Ihnen erzählt wird über das Leben von Initiierten mit dem, was in den Evangelien erzählt wird, dann werden Sie, wie ich es dargestellt habe in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache», vielleicht finden, daß die Evangelienschreiber einfach die alten Ritualien zu nehmen brauchten, nach denen man eingeweiht hat, um das Christus-Leben zu schildern. Damit erzählten sie dann auch das äußere Leben des Christus Jesus. Aber sie konnten niemals sagen, daß er das wirklich durchgemacht hat. Nehmen Sie eine prägnante Szene wie die Verklärung oder auch das Gebet am Olberg, das sind alles Dinge, die, wenn man sie von einem anderen Initiierten erzählen wollte, in anderer Darstellung gegeben werden müßten. Man müßte dann nicht nur sagen, er ging hin nach dem Olberge, wo ihm die blutigen Schweißtropfen kamen, sondern man müßte auch erzählen, was er dort erfahren hat, wie er verwandelt worden ist am Olberge. Der Christus wurde aber nicht eigentlich verwandelt. Er tritt vielmehr seinem Gotte am Olberge als ein solcher entgegen, von dem man nicht behaupten kann, daß er noch etwas zu lernen hat. Und für ihn selbst war es auch keine Erleuchtung, was er bei der Verklärung durchgemacht hat. Für die anderen, für die Begleiter war es eine Erleuchtung gewesen, für ihn nicht. Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit. Er konnte dabei nichts mehr lernen.

[ 29 ] Compare all that is told of the life of the “initiated” with the account you have in the Gospels. Perhaps you will observe—I have shown it in my book Christianity as Mystical Fact—that the writers of the Gospels needed only to take the ancient ritual in accordance with which initiation was carried out, in order to describe the life of Christ. In relating the ritual they were relating the events of the life of Christ Jesus. But they could never say that He actually underwent what they were describing. Take such a scene—pregnant with deep meaning—as the Transfiguration, or the Prayer on the Mount of Olives. These are events which if you had set out to relate them of some other initiated person you would have had to describe in quite a different way. You could not merely say that he went up to the Mount of Olives and that there drops of sweat fell from him like blood; in the case of another initiated person you would have to tell what he experienced there, how he was changed on the Mount of Olives. Christ was not changed. The meeting with His God on the Mount of Olives was not of such a character that we can feel He has anything to learn there. Similarly, what He passed through at the Transfiguration was not for Himself an enlightenment. For the others, for His companions, it was an enlightenment, but not for Him. For Him it was perfectly natural and comprehensible; He could not learn anything new from it.

[ 30 ] Was hat dagegen bei einem anderen Initiierten zu geschehen? Da muß uns gezeigt werden, wie er stufenweise den Pfad der Erkenntnis hinaufgeschritten ist. Bei höheren Initiierten kann erzählt werden, daß sie viele Vorbedingungen aus ihren früheren Inkarnationen mitgebracht und nur die letzte Stufe noch durchzumachen hatten. Nichts von alledem finden wir bei Christus. Die Versuchungsgeschichte, wie schon angedeutet, das ist alles. Was bei ihm vorliegt, ist ein höchstes Durchdrungensein mit dem göttlichen Selbstbewußtsein. Das bildet den Eingang des Christus-Lebens der drei Jahre. Dann haben wir vor uns in diesem Christus Jesus ein merkwürdiges Bild: Wir haben vor uns etwas, was sozusagen aus dem unmittelbaren Erdenmenschen heraus die höchste göttliche Offenbarung tut. Bei einem anderen Initiierten müssen wir erzählen: Diese oder jene Stufe hatte er überschritten, dann konnte er diese oder jene Offenbarung tun. — Bei dem Christus Jesus aber sprudelt das alles von Anfang an heraus, und es wird uns nicht erzählt für die drei Jahre des Christus Jesus-Lebens, er hätte diese oder jene Stufe überschritten. Und wenn man etwa gar die Beschreibung des Todes und der Auferstehung des Christus Jesus als solche Stufen betrachten wollte, so würde man damit zeigen, daß man sich nicht klar darüber ist, daß durch die Kraft, welche schon in dem lebenden Christus war, die Auferstehung geschehen ist; daß das nicht ein Initiationsakt ist, daß der Christus Jesus nicht auferweckt worden ist durch einen anderen Initiierten, sondern durch die göttliche Kraft, welche von außerhalb der Erde herstammt, durch die Kraft, die ihm mitgeteilt worden ist durch die Johannes-Taufe. Damit war schon die Auferstehung gegeben bei dem Christus, wogegen der Akt, den man bei anderen Initiierten Auferstehung nennen kann, durch die Taten und Aufschlüsse eines älteren Initiierten geschehen mußte.

[ 30 ] What on the other hand should we expect to be told concerning any other initiated person? We must be shown how he advanced step by step on the path of knowledge. In the case of higher initiates we may expect to be told of how they brought a great deal with them from earlier incarnations and perhaps only needed still to pass through the very last stage. We find nothing of all this with the Christ. We have the story of the Temptation, and that is all. What we find in the Christ is that He was permeated through and through in the very highest degree with Divine Self-consciousness. This marks the opening scene of the three-year life of Christ. And then we have before us this wonderful picture,—the picture of highly exalted divine revelations proceeding directly and immediately from One who is Earth Man. In the case of any other initiated person we have to tell how he first attained to this or that stage of initiation and was then able to make this or that revelation. With Christ Jesus on the other hand it all wells up freely in Him from the very beginning, and we are not told that in the course of the three years of His life this or that stage of initiation was passed. If anyone were to treat the description of the Death and Resurrection of Christ Jesus as though they were such stages, it would only demonstrate his failure to perceive the fact that the Resurrection took place by virtue of the power that was already there in the living Christ. The Resurrection is not an act of initiation. Christ Jesus was not awakened to life by some other initiate but by the Divine Power that comes from beyond the Earth, the Power that was communicated to Him through the Baptism. The Resurrection was given at the time of the Baptism, it was already there in that moment; whereas the act which in the case of other initiated persons is called “Resurrection” has to be brought about by the deeds and instructions of an elder initiate.

[ 31 ] Darin liegt der Grund, warum ich Ihnen in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache», das vor mehr als zehn Jahren geschrieben worden und bald darauf erschienen ist, die Sache so darstellen mußte, daß man es ungefähr wie folgt zusammenfassen kann: Da lebte der Christus auf der Erde. In diesem Christus-Leben haben verschiedene Vorgänge stattgefunden. Wie beschreibt man nun diese Vorgänge? Man beschreibt sie am besten so, daß man erzählt dasjenige, was ein alter Initiierter durchgemacht hat. Das, was die alten Initiierten durchgemacht haben in ihren Mysterienschulen, hat sich bei dem Christus als historische Tatsache von selber entwickelt. Daher konnten die Evangelisten die alten Einweihungsbücher benützen, nicht aber um eine Initiation des Christus zu beschreiben, sondern um eine Biographie desselben zu schreiben. — Das ist der Nerv der Beweisführung in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache».

[ 31 ] This is the reason why I had to describe the Christ Event as I did in my book Christianity as Mystical Fact,—which was written more than ten years ago and appeared shortly after. We have to see it somewhat in the following way Christ lived His life on Earth. In this life many events and processes took place. How do we describe these events and processes? We describe them best by relating what an initiated one of olden time had to pass through. What the initiated in olden time passed through in his Mystery School, that unfolded itself in the case of Christ as historical fact. Therefore, the Evangelists could use the ancient books of initiation, not in order to describe an initiation of Christ but to write a biography of Him. That is the gist of the argument in my book Christianity as Mystical Fact.

[ 32 ] Am meisten mißverstehen kann man das Christus-Leben, wenn man von dem Christus nicht als von einem Initiierten spricht, sondern die Vorgänge der Initiation auf das Christus-Leben so anwendet, als wenn das Christus-Leben während der Erdenentwickelung eine Initiation durchgemacht hätte. Das wäre der größte Fehler, den man begehen könnte. Wer davon spricht, daß das Christus-Leben irgendwie als Initiation zu erklären ist, der begeht den größten Fehler gegen den Geist des Christentums. Ein solcher würde das Christentum so auffassen, wie wenn sein Stifter nicht ein Initiierter schon gewesen, sondern erst geworden wäre, wie wenn man Initiationsvorgänge für das Christus-Leben zu beschreiben hätte.

[ 32 ] It is evidence of the very deepest misunderstanding of the life of Christ if we speak of Him not as one already initiated but as one who had during Earth evolution to undergo initiation. Anyone who wants to explain the life of Christ as an initiation is making a very great mistake in regard to the Spirit of Christianity. He would understand Christianity as though its Founder were not already an Initiated One, but had first to be initiated, as though in describing the life of Christ one were describing processes of His initiation.

[ 33 ] Daher ist es notwendig, daß, wenn man von dem Christus-Leben spricht, man immer sehr deutlich macht, daß die Ausdrücke, die gebraucht werden, niemals in demselben Sinne verwendet werden dürfen wie bei der alten oder irgendeiner anderen Initiation, sondern in absolut physisch-irdischem Sinne, als sich auf eine Historie außerhalb der Initiation beziehend.

[ 33 ] It is accordingly necessary, in speaking of the life of Christ, to make it perfectly clear that the expressions which are used cannot be applied in the same sense as they are applied to the ancient—or any other—initiation, but that they are used in an absolutely physical earthly sense, that they refer to a history, to an event in history that lies outside initiation.

[ 34 ] Das ist außerordentlich wichtig, und es kann nicht genug betont werden, daß dieses so außerordentlich wichtig ist; denn der größte Fehler, den man in der Tat machen kann, ist der, wenn man übersieht, was jetzt ausgesprochen worden ist, und wenn man von einer Christus-Initiation nicht in dem Sinne spricht, wie es in dem Zyklus «Vor dem Tore der Theosophie» oder in den Vorträgen über das Johannes-Evangelium dargestellt wurde, sondern so, daß man das Christus-Leben in die Form einer Initiationserzählung kleidet. Dadurch würde man jeder vernünftigen Interpretation der Evangelien von vornherein widersprechen. Der Nerv der Evangelien würde damit ganz und gar nicht getroffen sein, und es würde auch nicht getroffen sein das, was der Okkultismus über dieses Christus-Leben zu sagen hat. Halten wir uns das nur ja recht vor Augen, daß wenn wir von anderen Religionsstiftern sprechen, wir so sprechen müssen, daß sie Initiierte geworden sind und daß wir Gründe haben, ihr Leben so zu fassen, daß wir die Initiation zu ihrem Leben hinzurechnen; daß wir aber das Christus-Leben so darzustellen haben, daß in dieses Christus-Leben, während es auf der Erde verläuft, trotzdem es die göttlichen Offenbarungen zu machen hat, nicht hereinleuchtet irgend etwas, was selber ein Initiationsvorgang wäre.

[ 34 ] The importance of this cannot be over-emphasised. No graver mistake could be made than to overlook what has just been explained and speak of an “initiation of Christ,”—not in the sense that it is spoken of in my lectures “At the Gates of Theosophy” or in those on “The St. John Gospel,” but clothing the life of Christ in the garb of an account of an initiation. In doing so, one would from the very outset be placing oneself in contradiction to every reasonable interpretation of the Gospels. It would be impossible to find the way to the heart and kernel of these, or to understand what occultism has to say concerning Christ Jesus. Let us never forget that when we speak of other founders of religion, we have to speak of them as men who have become initiated and we are justified and right in understanding their life as comprising within it an initiation, but that the life of Christ has to be described differently. Although this life of Christ, as it takes its course on Earth, had indeed to make divine revelations, we are not to conceive of any process of initiation shining as it were into this life of Christ and enlightening it.

[ 35 ] Christus war Initiator. Sie brauchen nur in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» den Abschnitt zu lesen über die wahre Bedeutung des Lazarus-Wunders. Da werden Sie finden, daß es eine Initiation ist, die Christus da vollführt hat. Er selber konnte initiieren; aber man kann in demselben Sinne, wie man davon sprechen muß, daß Lazarus von dem Christus initiiert wurde, nicht sagen, daß der Christus auf der Erde initiiert worden ist. In demselben Sinne kann man das nicht sagen. Anstelle der Initiation steht die JohannesTaufe im Jordan. Wenn die Johannes-Taufe aber der entsprechende Initiationsakt wäre, dann würde sie anders geschildert werden; dann würde sie so geschildert werden, daß der Christus als der zu Initiierende vor uns stünde und ein weit erhabenerer Initiator die Initiation ausführte. Das Werkzeug ist aber kein höherer Initiator, sondern Johannes der Täufer, der nach den Tatsachen nicht höher gestellt werden darf als der Christus Jesus gestellt wird. Es ist oftmals geschehen, daß man gerade diesen Fehler gemacht hat. Für das Verhältnis des Menschen zum Christentum aber, für das richtige Verständnis des Christentums, wird dieser Fehler immer außerordentlich verhängnisvoll werden. Man sollte es deshalb auch vermeiden, davon so zu sprechen, als wenn der Christus durchgegangen wäre etwa durch eine Stufe der Geburt, der Kindheit oder der Taufe oder der Verklärung oder der Erweckung in demselben Sinne, wie ein anderer Initiierter durch solche Stufen durchgegangen ist. Denn in dem Augenblicke, wo man in derselben Weise auf den Christus die Ausdrücke Geburt, Taufe, Verklärung, Himmelfahrt anwendet, hat man das Christentum total mißverstanden.

[ 35 ] No, Christ was Himself an initiator. Read in my book Christianity as Mystical Fact the passage concerning the true meaning of the miracle of the Raising of Lazarus. You will find it was an initiation that Christ then performed. He Himself was able to initiate; but we can by no means say that Christ was initiated on Earth in the same sense as we have to say Lazarus was initiated by Christ. In the place of initiation we have the Baptism by John in Jordan. If, however, the Baptism had been the corresponding act of initiation, it would have been described differently. We would have been told how Christ stood there as one awaiting initiation while a far more exalted initiator performed the act of initiation. The other, however, who stands at His side as the instrument for the act is no higher initiator, but is John the Baptist who cannot, in accordance with the facts, be placed higher than Christ Jesus Himself. It has frequently happened that men have made this mistake. But for a right relation to Christianity, for a true understanding of Christianity, such a mistake is always fatal. We must, therefore, beware of speaking as though Christ had passed through various stages—Birth, Childhood, or again, Baptism or Transfiguration or Resurrection—in the sense in which some initiated person may be said to pass through such stages. The moment we apply to the Christ in the same manner the expressions: Birth, Baptism, Transfiguration, Ascension, we show a complete misunderstanding of Christianity.

[ 36 ] Dies alles zu verstehen ist notwendig, wenn Sie sich die Frage beantworten wollen, wie gerade der Christus-Impuls dazu kam, den Menschen die Ich-Erinnerung aus dem gewöhnlichen Erdenleben hineintragen zu lassen in das Leben der übersinnlichen Welten.

[ 36 ] All this needs to be clearly understood if we would answer the question: How has it come about that the Christ Impulse is what enables man to carry the memory of his I from ordinary life on Earth into the life of the super-sensible worlds?

[ 37 ] Ich bitte Sie jetzt, ins Auge zu fassen, klar ins Auge zu fassen, daß ich heute versuchte Ihnen zu zeigen, wie die Begegnung geschieht mit dem Tode und mit Luzifer, wie dadurch der okkultistische Aspirant in eine trostlose Situation gebracht wird, wie er aus dieser trostlosen Situation sich nur herausbringen kann, wenn er die Erinnerung an den Ich-Gedanken zu behalten vermag. Und auch den Hinweis halten Sie fest, daß die größte Hilfe für die Gegenwart zur Behaltung des Ich-Gedankens darin besteht, daß der Mensch sich während des Erdenlebens in ein Verhältnis gesetzt hat zu dem Christus-Impulse.

[ 37 ] Let me ask you to call up a picture before you of what I have tried to show you today, how man meets with death and with Lucifer and how the pupil in occultism comes into a hopeless and desolate situation from which he can only be released if he is able to retain a memory of the thought of the I. And remember then what I said further that the greatest help for the retention of the I thought consists, for a man of the present day, in having placed himself during life on Earth in a relation to the Christ Impulse.

[ 38 ] Halten Sie auch fest, daß ich angefangen habe, zur Begründung dieser Tatsache zu erklären, daß das Christus-Leben anders ist als das Leben eines anderen Initiierten, daß Christus gleich von vornherein als ein solcher auftrat, daß wir zwar seine irdischen Taten geschildert erhalten, daß uns aber nicht mitgeteilt wird, er wäre beeinflußt gewesen von einem Daimonion wie Sokrates, oder er hätte unter dem Bodhibaum gesessen wie Buddha, oder Gesichte gehabt wie Mohammed. Das alles würde unmöglich machen, den Christus zu verstehen.

[ 38 ] Recall too, how in order to establish this fact I set out to explain wherein the life of Christ is different from the life of any other initiated person. Christ comes before us from the outset as One of Whom we are certainly told that He performed deeds on Earth, but of Whom we are not told that He was influenced by a Daimon—like Socrates, or that He sat under a Bodhi tree—like Buddha, or that He had visions—like Mohammed. To imagine any of these would make it impossible to understand the Christ.

[ 39 ] Wie gerade der Christus-Impuls das Mittel wird für den okkultistischen Aspiranten, mit dem Ich-Gedanken hinüberzuleben in die geistige Welt und nicht erstorbene Gedanken zu haben, und wie die übersinnliche Welt sich ausnimmt, sobald man sie mit diesem Ich-Gedanken betritt, davon werden wir dann morgen sprechen.

[ 39 ] How the Christ Impulse becomes the means for the pupil to let the I thought live on over into the spiritual world, so that he does not instead have only thoughts that have died, and how the super-sensible world then appears to him,—of this we will speak tomorrow.