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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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Experiences of the Supernatural
The Three Paths of the Soul to Christ
GA 143

7 May 1912, Cologne

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9. Die Geheimnisse der Reiche der Himmel in Gleichnissen und in wirklicher Gestalt

9. The Secrets of the Kingdom of Heaven in Parables and in Reality

[ 1 ] Welche Bedeutung Theosophie für die Menschen der Gegenwart und Zukunft immer mehr gewinnen muß, das wird man erst langsam und allmählich einsehen. Man wird es einsehen, wenn man sich hineinleben wird in das Verständnis gewisser Dinge, die ja angedeutet sind in religiösen und okkulten Schriften, die aber gewöhnlich nicht tief genug genommen werden. Da könnte man auf tausend und aber tausend Stellen hinweisen in solchen religiösen und okkulten Schriften, deren Tiefe gar nicht erkannt wird, weil die Menschen nur oberflächlich darauf hinschauen. Heute will ich nur hinweisen auf eine tief, tief bedeutsame Stelle in den Evangelien: «Denjenigen, die draußen stehen, ihnen werden die Geheimnisse offenbart in Gleichnissen, so daß sie sehen und doch nicht sehen, daß sie hören und doch nicht hören, daß sie verstehen und doch nicht begreifen. Euch aber sollen die Geheimnisse der Reiche der Himmel ohne Gleichnis in ihrer wahren Gestalt offenbar werden.» 1Mark. 4, 11f; Matthew 13, 11.

[ 1 ] People will only slowly and gradually come to realize the significance that Theosophy must increasingly assume for people of the present and the future. People will come to realize this as they immerse themselves in the understanding of certain things that are indeed hinted at in religious and occult writings, but which are usually not taken deeply enough. One could point to thousands upon thousands of passages in such religious and occult writings whose depth is not recognized at all because people only glance at them superficially. Today I wish only to point to a deeply, deeply significant passage in the Gospels: “To those who stand outside, the mysteries are revealed in parables, so that they see and yet do not see, that they hear and yet do not hear, that they understand and yet do not comprehend. But to you the mysteries of the kingdoms of heaven shall be revealed without parables, in their true form.” 1Mark 4:11ff; Matthew 13:11.

[ 2 ] Man denkt gewöhnlich gar nicht daran, welche unendlich tiefe Bedeutung solch eine Stelle hat. Was heißt denn dies, und wo sind diese wichtigsten Gleichnisse, von denen der Christus zu seinen Jüngern spricht? Die wichtigsten Gleichnisse sind diejenigen, die man gewöhnlich gar nicht als Gleichnis auffaßt.

[ 2 ] People usually don’t even think about the infinitely profound meaning of such a passage. What does this mean, and where are these most important parables that Christ speaks of to his disciples? The most important parables are those that people usually don’t even recognize as parables.

[ 3 ] Der Mensch nimmt dasjenige, was er sieht im mineralischen, im pflanzlichen, im tierischen Reich neben sich auf dem physischen Plan, an als eine Wirklichkeit, als etwas, was da ist. Er sieht dieses Tier, jene Pflanze und stellt sich vor, das seien Dinge, die wirklich da sind. Er sieht Vorgänge in Luft und Wasser und stellt sich vor, das seien Vorgänge, die wirklich da wären. Sie sind es nicht. Denn alle diese Vorgänge in den Naturreichen um uns herum, alles, was sich abspielt in Luft und Wasser, ist nichts anderes als Vorgänge in der geistigen Welt, die sich offenbaren durch das, was im Physischen geschieht. Sie sind Offenbarungen geistiger Vorgänge. Diese sind die wahre Wirklichkeit, die Realität. Nichts ist real als die geistige Welt, und erst wenn wir in allen Dingen und Vorgängen das Geistige erkennen können, dann haben wir in Wahrheit die Realität erkannt. Alles in der physischen Welt hat nur den Wert eines Gleichnisses für dasjenige, was dahintersteht, die geistige Welt. Alle Vorgänge in der Tier- und Pflanzenwelt müssen wir so betrachten lernen und auch alles, was wir im Menschenreich sehen, was Eindruck macht auf den Verstand, den Intellekt. Alles das sind nichts als Gleichnisse, und erst derjenige, der sie deuten lernt, kommt zu der Wirklichkeit, der Realität.

[ 3 ] Human beings perceive what they see in the mineral, plant, and animal kingdoms around them on the physical plane as reality, as something that actually exists. They see this animal, that plant, and form a mental image of these as things that are truly there. They see processes in the air and water and imagine these to be processes that truly exist. They do not. For all these processes in the natural kingdoms around us, everything that takes place in the air and water, is nothing other than processes in the spiritual world that reveal themselves through what happens in the physical realm. They are manifestations of spiritual processes. These are the true reality, the reality. Nothing is real except the spiritual world, and only when we can recognize the spiritual in all things and processes have we truly recognized reality. Everything in the physical world has only the value of a parable for what lies behind it, the spiritual world. We must learn to view all processes in the animal and plant kingdoms in this way, as well as everything we see in the human realm that makes an impression on the mind and the intellect. All of these are nothing but parables, and only those who learn to interpret them arrive at reality.

[ 4 ] So gehen die Menschen durch die Welt, schauen sich die Vorgänge an und wissen nicht, daß diese nur Gleichnisse sind. Durch Gleichnisse wird durch die Natur selbst zum Menschen gesprochen; erst dann wird von der Wirklichkeit gesprochen, wenn vom Geiste die Rede ist. — In Bildern, die der Natur entnommen sind, erklärt der Christus Jesus seinen Jüngern Vorgänge, die dem Geiste angehören. Da spricht er vom Samenkorn, das ausgestreut wird und die verschiedensten Schicksale erlebt. Das kann nur Gleichnis sein, weil die Dinge in der Natur ja selber Gleichnisse sind. Dann aber, wenn er seinen Jüngern klarmacht, daß er eins ist mit der geistigen Natur alles Daseins, daß er durchgehen müsse durch den Tod, daß dasjenige, was in ihm lebt und was hineingesenkt werden muß in den Tod, um dann aufzugehen als eine Kraft der Menschenseelen und Menschenherzen, die er allen Menschen geben soll durch diesen Tod, da spricht er von der Wirklichkeit, denn da spricht er vom Geiste und davon, was durch diesen Geist geschieht. Daher ist es auch nur dann eine wahre Erkenntnis, wenn der Mensch nach und nach hinter die Geheimnisse der Welt so kommt, daß er dasjenige, was ihm draußen entgegentritt, kennenlernt als Gleichnis für geistige Vorgänge. In der Tat bereichert sich die Seele des Menschen erst dann fruchtbringend, wenn er diesen Standpunkt finden kann gegenüber der Außenwelt.

[ 4 ] Thus people go through the world, observing what happens around them, yet unaware that these are merely parables. Through parables, nature itself speaks to humanity; reality is only spoken of when the spirit is the subject. — Using images drawn from nature, Christ Jesus explains to his disciples events that pertain to the spirit. He speaks of the seed that is sown and experiences the most varied fates. This can only be a parable, because the things in nature are themselves parables. But then, when he makes it clear to his disciples that he is one with the spiritual nature of all existence, that he must pass through death, that that which lives within him and must be cast into death in order to then rise as a power for human souls and hearts—which he is to give to all people through this death— then he speaks of reality, for then he speaks of the Spirit and of what happens through this Spirit. Therefore, it is only true knowledge when a person gradually comes to understand the mysteries of the world in such a way that he comes to know what confronts him in the external world as a parable for spiritual processes. Indeed, the human soul is enriched fruitfully only when one can find this perspective toward the external world.

[ 5 ] Wenn sich ihm diese Außenwelt nach und nach vom Geiste durchleuchtet zeigt, da lebt sich der Mensch anders in sie hinein als vorher, da findet er überall die Spuren des Geistes in ihren Rhythmen. Wir sehen an uns selber ein immer wiederkehrendes rhythmisches Ereignis: das Einschlafen und Aufwachen. Wir wissen, daß der Mensch innerhalb vierundzwanzig Stunden wiederholen muß dieses Aufglänzen des normalen Tagesbewußtseins und wiederum das Herabdunkeln in den Schlafzustand. Wenn wir uns nun fragen, was sich denn draußen in der großen Welt vergleichen läßt mit diesem rhythmischen Wechsel von Schlafen und Wachen beim Menschen, so würde ja vielleicht vielen einfallen der rhythmische Wechsel im Pflanzenreich, das Wachsen der Pflanzen im Frühling und ihr Verwelken im Herbst. Der Mensch sieht im Frühling die Pflanzen sprossen und sprießen bis in den Sommer hinein, er sieht im Herbst die Früchte reifen durch die Kraft der Sonne, die im Frühling und Sommer in die Erde hineinströmt. Scheinbar ausgelöscht ist dann alles im Winter, um dann wiederum im Frühling aufzusprießen. Da könnte der Mensch wohl vergleichen sein eigenes Aufwachen am Morgen mit dem Aufwachen der physischen Natur, und sein Einschlafen mit dem Verwelken im Herbst. Aber das wäre ein schwerer Irrtum, dem wir uns nicht hingeben dürfen, wenn wir auf die Wahrheit sehen.

[ 5 ] When this external world gradually reveals itself to him as illuminated by the spirit, he begins to experience it differently than before; he finds traces of the spirit everywhere in its rhythms. We observe in ourselves a recurring rhythmic event: falling asleep and waking up. We know that within twenty-four hours, a person must repeat this brightening of normal daytime consciousness and then the descent into the state of sleep. If we now ask ourselves what in the wider world can be compared to this rhythmic alternation of sleeping and waking in human beings, many might think of the rhythmic alternation in the plant kingdom: the growth of plants in spring and their withering in autumn. In spring, humans see plants sprout and grow into summer; in autumn, they see the fruits ripen through the power of the sun, which streams into the earth in spring and summer. Everything then seems to be extinguished in winter, only to sprout again in spring. One might well compare one’s own waking in the morning to the awakening of physical nature, and one’s falling asleep to the withering in autumn. But that would be a grave error, one to which we must not succumb if we are to see the truth.

[ 6 ] Was erleben wir denn, wenn wir einschlafen? Da gehen hinaus Astralleib und Ich. Sie verlassen den physischen und den Ätherleib. Wenn wir nun sehen würden, was physischer und ätherischer Leib in der Nacht tun, da würden wir beobachten können, daß sie in ganz anderer Tätigkeit sind als in einer solchen, die man mit dem Verwelken im Herbst vergleichen könnte. Das kann man aber nur sehen, wenn man von der geistigen Welt aus hinabschaut auf den physischen und ätherischen Leib. Da sieht man sie sich anders verhalten als am Tage. Denn am Tage sieht man, daß sie sich abnutzen, und wenn wir abends ermüdet sind, so ist das nur ein Zeichen dafür, daß wir unseren physischen und ätherischen Leib abgenützt haben. Das Leben im vollen Tagesbewußtsein ist ein Ruinieren, ein Zum-Absterben-Bringen unseres physischen und ätherischen Leibes. Abends sind sie am meisten abgenutzt; dann schlafen wir ein. Und wenn wir dann geistig hinschauen auf sie, da sehen wir, wie im physischen und Ätherleibe eine rein vegetative Tätigkeit beginnt, die wir vergleichen können mit dem, was im Frühling geschieht. Es beginnt da wie zu blühen, zu sprossen, zu grünen im physischen und Ätherleibe, als ob im Inneren des Menschen sich etwas vollzöge, was sich vergleichen läßt mit dem, was im Frühling draußen in der Natur geschieht. Den Moment des Einschlafens müssen wir also vergleichen mit dem Frühling, und je tiefer wir in die Nacht hineinschlafen, desto mehr ist es so, daß wir das, was im Inneren des Menschen sich vollzieht, vergleichen können mit dem, was im Sommer draußen geschieht. Denn immer intensiver wird diese vegetative Tätigkeit in unserem Leibe. Dann aber beim Aufwachen ist es wie der Herbstzustand draußen in der Natur. Da tritt mit dem aufwachenden Bewußtsein das ein, was den Sommerzustand zum Welken bringt, und im Laufe des Tages tritt eine solche Öde des physischen und ätherischen Leibes ein, daß dasselbe verursacht wird wie der Winterzustand draußen, wenn die Pflanzen verwelkt sind und die vegetative Tätigkeit erstorben ist. — So müssen wir im geisteswissenschaftlichen Sinne das Einschlafen mit dem Frühling und das Aufwachen mit dem Herbst vergleichen.

[ 6 ] What do we experience when we fall asleep? The astral body and the I go out. They leave the physical and etheric bodies. If we could now see what the physical and etheric bodies do at night, we would observe that they are engaged in an activity quite different from one that could be compared to withering in autumn. But one can only see this if one looks down from the spiritual world upon the physical and etheric bodies. There one sees them behaving differently than during the day. For during the day one sees that they wear themselves out, and when we are tired in the evening, this is merely a sign that we have worn out our physical and etheric bodies. Life in full daytime consciousness is a process of ruining, of causing our physical and etheric bodies to wither away. In the evening they are most worn out; then we fall asleep. And when we then look at them spiritually, we see how a purely vegetative activity begins in the physical and etheric bodies, which we can compare to what happens in spring. It begins there as if to bloom, to sprout, to turn green in the physical and etheric bodies, as if something were taking place within the human being that can be compared to what happens in nature outside in the spring. We must therefore compare the moment of falling asleep to spring, and the deeper we sleep into the night, the more we can compare what takes place within the human being to what happens outside in summer. For this vegetative activity in our body becomes ever more intense. But then, upon waking, it is like the autumn state outside in nature. With the awakening of consciousness comes that which causes the summer state to wither, and in the course of the day such a desolation of the physical and etheric bodies sets in that it is caused by the same process as the winter state outside, when the plants have withered and vegetative activity has died away. — Thus, in the Spiritual Science sense, we must compare falling asleep with spring and waking up with autumn.

[ 7 ] Beim Einschlafen, also im Frühlingszustande, verlassen nun der astralische Leib und das Ich den physischen und den ätherischen Leib. Draußen in der Natur ist es in der Tat auch so, daß die Geister der Erde, die verbunden sind mit dem Pflanzenreich, sich im Frühling sozusagen freimachen von dem Physischen der Pflanzenwelt und daß diese dann erst eigentlich so recht in wirkenden Tätigkeitszustand kommt. Es schlafen im Sommer diese geistigen Wesenheiten, die mit dem Pflanzenreich verbunden sind, und im Winter wachen sie auf und durchziehen die Planetenmasse. Man könnte fragen: ja, während es Winter ist auf der einen Hälfte der Erde, ist es ja Sommer auf der anderen? — Nun, das rhythmische Spiel ist so, daß die Geister der Erde, wenn sie im Sommer die Nordhälfte der Erde verlassen, nach der Südhälfte hinziehen. Sie durchziehen und umkreisen rhythmisch die Erde. Im Menschen geschieht dasselbe. Er glaubt zwar, sein Denken, sein Bewußtsein sei nur im Kopfe, und wenn er nachts heraußen sei, glaubt er, in ihm sei nichts mehr, was da denkt. Aber in Wahrheit ist es so, daß dann die untere Hälfte seines Leibes tätig ist, daß da ein Denken und Bewußtsein anderer Art als das menschliche sich abspielt, so daß da auch ein rhythmisches Umkreisen im Leibe des Menschen stattfindet. Im Frühling können wir sagen: Nun beginnen die Erdgeister zu schlafen; sie haben sich zurückgezogen von dem Teil der Erde, wo Sommer ist. Da ist dann vegetatives Leben wie beim Menschen, wenn er einschläft und in seinem Leibe das vegetative Leben beginnt. Im Winter aber wachen die Erdgeister. Da sind sie mit der Erde vereinigt, wie im Menschen im Tagesleben sein waches Bewußtsein in ihm ist. Wenn wir im Sommer auf der Erde stehen, haben wir die physische Natur um uns, die aufjubelt in ihrem Physischen. Da sprießt und sproßt alles in der Pflanzenwelt, und auch alle niederen geistigen Wesenheiten, die die Baumeister sind am Pflanzenwuchs, sind da in Tätigkeit. Im Winter aber, wenn die Schneedecke sich über die Erde breitet, wenn die vegetative Tätigkeit schlummert, da wissen wir, daß die höchsten göttlichen Wesenheiten, die da schaffend, wirkend, webend sind im kosmischen All, daß diese um uns sind, daß das höchste göttliche Leben, göttliches Bewußtsein in der Erde wirkt. So ist es, wenn es Winter ist, nicht, wenn es Sommer ist. — Das lehrt uns erkennen eine wahre Geisteswissenschaft.

[ 7 ] When falling asleep—that is, in the state of spring—the astral body and the ego now leave the physical and etheric bodies. Out in nature, it is indeed the case that the spirits of the earth, who are connected to the plant kingdom, free themselves, so to speak, from the physical aspect of the plant world in spring, and that it is only then that the plant world truly enters a state of active operation. In summer, these spiritual beings connected to the plant kingdom sleep, and in winter they awaken and permeate the planetary mass. One might ask: yes, while it is winter on one half of the Earth, it is summer on the other? — Well, the rhythmic interplay is such that when the spirits of the Earth leave the northern half of the Earth in summer, they move toward the southern half. They permeate and circle the Earth rhythmically. The same thing happens in human beings. He believes, of course, that his thinking, his consciousness, is only in his head, and when he is out at night, he believes there is nothing left within him that thinks. But in truth, it is so that the lower half of his body is active then, that a kind of thinking and consciousness different from the human one takes place there, so that a rhythmic circling also occurs within the human body. In spring we can say: Now the earth spirits begin to sleep; they have withdrawn from the part of the earth where it is summer. There is then a vegetative life, as in a human being when he falls asleep and the vegetative life begins in his body. In winter, however, the earth spirits are awake. There they are united with the earth, just as in a human being, in daily life, his waking consciousness is within him. When we stand on the earth in summer, we have physical nature around us, rejoicing in its physicality. There everything in the plant world sprouts and grows, and all the lower spiritual beings who are the architects of plant growth are also active there. In winter, however, when the blanket of snow spreads over the earth, when vegetative activity slumbers, we know that the highest divine beings, who are creating, working, and weaving in the cosmic universe, are around us; that the highest divine life, divine consciousness, is at work in the earth. This is how it is in winter, not as it is in summer. — This is what true Spiritual Science teaches us to recognize.

[ 8 ] Die Geisteswissenschaft, die mit vollem, klarem Bewußtsein in diese Dinge einzudringen vermag, weiß, daß der Mensch, wenn er dies alles nicht nur theoretisch im Kopfe hat, sondern es auch mit dem Herzen fühlen kann, sagen kann: O du heraufkommende Frühlings- und Sommerkraft, du bringst alles in der physischen Natur zum Sprießen und Blühen, du rufst die Elementarwesen heraus aus der Erde an ihre Arbeit. — Und während des Sommers, in der Soemmermitte, da feiern diese niederen Elementarwesen etwas wie eine Ekstase, wie einen Paroxysmus. Das ist dann, wenn die Sonnenwende, das Johannifest gefeiert wird. Dann kommt der Herbst und die Winterzeit, und da soll der Mensch in tiefster Seele fühlen: Mit dem Nachlassen der äußeren physischen Sonnenkräfte, mit dem Heraufkommen der Winterzeit, wenn alles draußen abstirbt, wenn es dunkler und immer dunkler wird, dann vereinigen sich die höchsten göttlich-geistigen Kräfte mit dem Erdenstück, auf dem wir leben, da fühlen wir uns wie eingehüllt in diese höchsten geistigen Wesenheiten, fühlen uns ihnen in tiefster Seele zugehörig. So fühlen wir tiefste Andacht, wenn wir das wissen, daß wir beim Heraufkommen des Winters zuschauen dürfen den dem Menschen urverwandten geistigen Kräften, wie sie sich unmittelbar in unserer Umgebung offenbaren. Sie kennenzulernen, dazu ist Theosophie berufen. Sie wird über dieses alles den Menschen Klarheit bringen.

[ 8 ] Spiritual Science, which is able to penetrate these matters with full, clear consciousness, knows that when a person holds all this not only theoretically in their mind but can also feel it with their heart, they can say: O you rising power of spring and summer, you bring everything in physical nature to sprout and bloom; you call the elemental beings out of the earth to their work. — And during the summer, in midsummer, these lower elemental beings celebrate something like an ecstasy, like a paroxysm. That is when the summer solstice, the festival of St. John, is celebrated. Then comes autumn and winter, and there the human being should feel in the depths of their soul: With the waning of the outer physical forces of the sun, with the onset of winter, when everything outside dies away, when it grows darker and darker, then the highest divine-spiritual forces unite with the piece of earth on which we live; there we feel as if enveloped by these highest spiritual beings, feel that we belong to them in the depths of our soul. Thus we feel the deepest reverence when we know that, with the onset of winter, we may observe the spiritual forces so intimately related to humanity as they reveal themselves directly in our surroundings. Theosophy is called upon to help us come to know them. It will bring clarity to humanity regarding all of this.

[ 9 ] Wir wissen, daß Theosophie uns wiederzubringen hat dasjenige, was die Menschen einst in traumhaft-dumpfem Hellsehen besessen haben. Wir erobern uns wieder eine uralte Erbschaft der Menschen. Eine traumhafte hellseherische Uroffenbarung war das für die Menschen, und es gibt Zeugnisse dafür, daß dem so war. Denn deshalb ist das Johannifest in die Mitte des Sommers verlegt, weil es die Menschen hinführen soll zu dem Bewußtsein: Jetzt ist das Physische am meisten entfaltet, jetzt feiern die niederen Elementarwesen etwas wie eine Ekstase in der Entfaltung ihrer stärksten Kräfte. Die Zeit des Johannifestes ist festgelegt aus einem uralten Bewußtsein der Menschen heraus. In dieser Ekstase des Physischen vergißt der Mensch sein Geistiges, da gibt er sich hin an die unmittelbare Pracht der physischen Natur. Aber ebensogut haben diese alten Hellseher gewußt, daß im Winter sich die höchsten geistigen Kräfte mit unserem Erdenleibe vereinigen. Daher hat jenes alte Bewußtsein überall, wo es tätig sein konnte, jenes Fest, das andeuten soll, daß der Mensch sich vereinigt fühlt mit dem Geistigen der Erde, das Weihnachtsfest, in die Mitte des Winters gelegt. Das Fest des göttlichen Wesens, des Erdgeistes, konnte eine hellsichtig wissende Menschheit niemals in die Sommerzeit legen, sondern es mußte in der Winterzeit gefeiert werden. In der Weihezeit, da fühlte sich die Seele vereinigt mit den göttlich-geistigen Kräften, die dann die Erde durchdringen. Das Weihnachtsfest gehört in den Winter, wie das Johannifest in den Sommer gehört.

[ 9 ] We know that Theosophy is meant to restore to us what people once possessed in a dreamlike, dim form of clairvoyance. We are reclaiming an ancient heritage of humanity. This was a dreamlike, clairvoyant revelation to humanity, and there is evidence that this was indeed the case. For this is why the Feast of St. John has been moved to the middle of summer: to lead people to the awareness that now the physical realm is at its fullest expansion, and now the lower elemental beings celebrate something like an ecstasy in the unfolding of their strongest powers. The time of the Feast of St. John is fixed based on an ancient human consciousness. In this ecstasy of the physical, human beings forget their spiritual nature; they surrender themselves to the immediate splendor of physical nature. But these ancient clairvoyants knew just as well that in winter the highest spiritual forces unite with our earthly body. Therefore, wherever that ancient consciousness could be active, it placed that festival—which is meant to signify that human beings feel united with the spiritual essence of the Earth—Christmas, in the middle of winter. A clairvoyant and knowledgeable humanity could never have placed the festival of the divine being, the Earth Spirit, in the summer season; rather, it had to be celebrated in the winter season. During this sacred time, the soul felt united with the divine-spiritual forces that then permeate the Earth. Christmas belongs in winter, just as the festival of St. John belongs in summer.

[ 10 ] Wenn man dies gewahr wird, wie die Feste lebendig zu uns sprechen in dem Sinne, wie das alte Menschheitsbewußtsein sie festgesetzt hat, da fühlt man sich geistig vereinigt mit dem Sinn dieser Feste. Man erkennt, was durch eine solche Erkenntnis in der Menschenseele angeregt werden soll.

[ 10 ] When one becomes aware of how these festivals speak to us in the way that the ancient consciousness of humanity established them, one feels spiritually united with the meaning of these festivals. One recognizes what such an understanding is meant to awaken in the human soul.

[ 11 ] Das Herabkommen des äußeren physischen Sonnenlichtes, der physischen Himmelskräfte auf die Erde im Frühling und das sich Zurückziehen des Geistes in die heiligen Sphären — wie sich in der Nacht zurückzieht der Geist des Menschen in die geistige Welt —, das ist wunderbar ausgedrückt im Osterfest, das festgelegt ist so, daß die Konstellation von Sonne und Mond und der Gestirne zur Festsetzung dieses Festes benutzt sind. Wie sichtbarlich einschlafen die geistigen Kräfte im Frühling, das wird durch diese Konstellation ausgedrückt. Es ist charakteristisch für unsere materialistische Zeit, daß man daran denkt, weil es der Materialismus so braucht, das Osterfest festzulegen, es zu fixieren, das also, was ihm seinen Sinn gibt, aufzugeben um industrieller und kommerzieller Erleichterungen willen. Ein rechter Ausdruck des materialistischen Sinnes unserer Zeit! Für den Abschluß gewisser Rechnungen mag es ja bequem sein, daß das Osterfest nicht einmal im April und im nächsten Jahre im März gefeiert wird, aber gerade dieses Bestimmen des Osterfestes nach der Konstellation am Himmel drückt aus, wie Irdisches und Himmlisches zusammenwirken. In dieser Festsetzung der Feste ruht eine große Weisheit der Urmenschheit. Allerdings siegen werden wohl die kommerziellen Interessen, und man wird wohl das Osterfest auf eine äußere Zeit fixieren, aber es würde schlimm stehen um dasjenige, was die Menschheit sich bewahren soll, wenn man den Sinn eines solchen Festes vergessen würde. Daher wird die Theosophie berufen sein, wenn auch das Osterfest nach äußeren Interessen festgelegt wird, es fortzuzählen als ein bewegliches Fest, das allein fixiert werden kann durch die Konstellation von Sonne, Mond und Gestirnen.

[ 11 ] The descent of the outer physical sunlight, of the physical forces of the heavens, to Earth in spring, and the retreat of the spirit into the sacred spheres—just as the spirit of the human being retreats into the spiritual world at night —is wonderfully expressed in the Easter festival, which is set so that the constellation of the sun, moon, and stars is used to determine the date of this festival. How visibly the spiritual forces fall asleep in spring is expressed by this constellation. It is characteristic of our materialistic age that people think, because materialism demands it, of fixing the date of Easter, of setting it in stone—thus abandoning what gives it its meaning for the sake of industrial and commercial convenience. A true expression of the materialistic spirit of our time! It may indeed be convenient for settling certain accounts that Easter is not celebrated in April one year and in March the next, but it is precisely this determination of Easter according to the constellation in the sky that expresses how the earthly and the heavenly interact. In this determination of the festivals lies a great wisdom of primeval humanity. Admittedly, commercial interests will likely prevail, and Easter will likely be fixed to a specific date, but it would be a sorry state of affairs for that which humanity is meant to preserve if the meaning of such a festival were forgotten. Therefore, even if Easter is set according to external interests, Theosophy will be called upon to continue to regard it as a movable feast that can be fixed solely by the constellation of the Sun, Moon, and stars.

[ 12 ] Neben dem materialistischen Osterfest wird es daher ein spirituelles Osterfest geben, das wir in unseren Herzen weiter feiern, so daß wir uns des Zusammenhangs mit der geistigen Welt bewußt sind. Dieses spirituelle Osterfest wird sein ein Gleichnis für den geistigen Vorgang: Im Frühling schlafen ein die Bewußtseine der höheren geistigen Wesenheiten, es kommen hervor die Bewußtseine niederer Wesenheiten. Im Herbste aber erwachen die hohen göttlichen Kräfte, die in ihrem Bewußtsein verbunden bleiben mit der Erde. — Wenn man das recht fühlt, dann wird man auch nach und nach erkennen, daß der Mensch überhaupt zum Geiste gehört und daß die äußere physische Natur nur ein Gleichnis ist. Und immer mehr wird der Mensch erfahren wollen, wie er zum Geiste, nicht aber, wie er zur äußeren Natur, dem Gleichnis, steht.

[ 12 ] Alongside the materialistic celebration of Easter, there will therefore be a spiritual Easter that we continue to celebrate in our hearts, so that we remain aware of our connection to the spiritual world. This spiritual Easter will be a parable for the spiritual process: In spring, the consciousnesses of the higher spiritual beings fall asleep, and the consciousnesses of lower beings emerge. In autumn, however, the high divine forces awaken, which remain connected in their consciousness to the Earth. — If one truly feels this, then one will also gradually recognize that human beings belong to the spirit in the first place and that external physical nature is only a parable. And human beings will increasingly want to know how they relate to the spirit, but not how they relate to external nature, the parable.

[ 13 ] Wir leben im fünften nachatlantischen Zeitraum, und öfter ist darauf aufmerksam gemacht worden, daß dieser Zeitraum eine Wiederholung des dritten, des ägyptischen Zeitraums ist.2siehe u.a.«Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» (1911), GA 15, und «Welt, Erde und Mensch, deren Wesen und Entwickelung sowie ihre Spiegelung in dem Zusammenhang zwischen ägyptischem Mythos und gegenwärtiger Kultur», GA 105. Wir leben so, daß in unserem Denken, Fühlen und Wollen dasjenige wieder herauskommt, was im alten Ägyptertum lebte. Nun sollten im ägyptisch-chaldäischen Zeitraum die Menschen hauptsächlich ihren Zusammenhang mit der Sternenwelt entwickeln. Die Astrologie wurde in diesem Zeitraum gefunden und besonders gepflegt. Da wußten die Menschen unmittelbar hellsichtig, wie die Sternkonstellation zusammenhängt mit dem Leben und Schicksal des Menschen. Man sah tief hinein in die geheimnisvollen Zusammenhänge zwischen dem Sternenraum und dem menschlichen Schicksal. Es hat außerordentliche, große Geister gegeben in der Neuzeit, in denen das gleichsam weiterwirkte. Sie waren ja auch im ägyptisch-chaldäischen Zeitraum inkarniert, und in den darauffolgenden Inkarnationen leuchtete ihnen wie unmittelbar aus einer inneren Seelenkraft auf ein tiefes, intuitives astrologisches Wissen. So war es bei dem wiedergeborenen Julian Apostata, bei Tycho Brahe.3vgl. dazu die eingehenden Ausführungen Rudolf Steiners in den Vorträgen vom 30. Dezember 1910 in «Okkulte Geschichte», GA 126, und vom 16. September 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge. Vierter Band», GA 238.
Tycho Brahe, 1546–1601, dänischer Astronom, wirkte in Prag unter Rudolf II.; auf der Basis seiner zahlreichen Beobachtungen konnte sein Schüler Kepler seine berühmten Gesetze aufstellen. Er selbst entwickelte das Tychonische Weltsystem, das eine Art Kompromiß zwischen dem kopernikanischen und dem ptolemäischen Weltsystem darstellt.
Julian Apostata, 331–363, eigentlich Julian Flavius Claudius, römischer Kaiser. Obwohl christlich erzogen, wandte sich Julian den alten Mysterienkulten zu, deshalb wird er auch Julian Apostata (der Abtrünnige) genannt. 31jährig wurde er auf einem Feldzug in Asien ermordet.
Er hat viel auf jenen geheimnisvollen Zusammenhang gegeben, wie man das menschliche Schicksal verknüpft denken kann mit dem, was als geheimnisvolle Formen in den Sternkonstellationen sich bildet. Das gilt heute der Wissenschaft als unumstößlich, daß Tycho Brahe ein großer Astronom war, der eine Anzahl neuer Sterne am Himmel entdeckt, eine Sternkarte gezeichnet hat. Da ist es verzeihlich, so sagen die Wissenschafter, daß er auch ein Astrolog war, der aus den Sternen heraus den Leuten allerlei prophezeite. Sie verzeihen es dem Tycho Brahe, daß er durch seine tiefen astrologischen Erkenntnisse den Tod des Sultans Soliman 4Soliman II. (Suleiman), 1495–1566, türkischer Sultan, Belagerer von Wien 1529, starb am 5. September 1566 auf einem Heereszug gegen Ungarn. voraussagte,5Anläßlich einer Mondfinsternis am 28. Oktober 1566 trug Brahe auf der Universität Rostock einige lateinische Verse vor, in denen er den Tod des Sultans voraussagte. Nach einigen Wochen traf tatsächlich die Nachricht vom Tode Solimans ein. Allerdings war er schon am 5. September, also vor der Mondfinsternis verstorben, was einige zum Anlaß nahmen, über Tycho Brahes «Voraussage» zu spotten. Er jedoch verteidigte sich, indem er eingehend auf Solimans Horoskop einging, aus der er die Todeskonstellation gelesen hatte. Siehe «Tycho Brahe. Ein Bild wissenschaftlichen Lebens und Arbeitens im 16. Jahrhundert» von J. L. E. Dreyer (dt. von M. Bruhns, Karlsruhe 1894), II. Kapitel. als er an der Universität Rostock lehrte. Sie verzeihen es ihm, daß er durch eine solche Voraussage die Welt in Erstaunen setzte und sagen: das war nur eine Schwäche dieses sonst großen Mannes, über die man hinwegsehen muß. Und sie verzeihen es ihm sogar, daß der Tod des Sultans genau nach der Prophezeiung wirklich eingetroffen ist! — In Tycho Brahe aber sehen wir die alte ägyptische Weisheit wiederum aufleuchten. Sie muß hineinleuchten in unsere Zeit, die eine Wiederholung der ägyptischen Zeit ist. Heute müssen wir auch den Zusammenhang des Irdischen mit dem Göttlichen aufsuchen. Da müssen wir aber nicht nur in den Himmelsraum hinausschauen, sondern wir müssen studieren die Gleichnisse für die göttlichen Welten, die wir in der physischen Welt finden. Im Kleinsten und im Größten können wir die finden. Wenn wir zum Beispiel studieren, wie an jeder Pflanze die Blattansätze sind, da werden wir finden, wenn wir die Linie verfolgen, wie um den Stengel herum sich Blatt an Blatt ansetzt, daß wir da eine Spirallinie bekommen. Wir sehen, daß die Blätter in Spiralenrhythmisch um den Stengel wachsen da, wo der Stengel steif ist. Bei anderen Pflanzen, zum Beispiel bei der Ackerwinde, da sehen wir den Stengel selber diese Spirallinie beschreiben. Die Menschen beachten solche Dinge nicht. Wenn sie so etwas studieren würden, da würden sie eine neue Entdeckung machen. Sie würden sehen, daß diese Spiralbewegung abhängt von Kräften, die gar nicht auf der Erde sind, die von den Planeten herabwirken. Diese Planeten machen eine spiralige Bewegung im Himmelsraum und wirken so herab, daß sie die Pflanzen veranlassen, dieselbe spiralige Bewegung um ihren Stengel zu machen. Der Stengel wächst aber von unten nach oben. Durch diese Bewegung wird durchschnitten diese Spiralbewegung. Das ist die Kraft, die den Abschluß macht nach oben, die die Blüte zum Ansatz bringt. Diese Kraft geht von der Erde aus zur Sonne und umgekehrt. Eine Pflanzenart ist dem einen, eine andere dem anderen Planeten mit ihrer Bewegung zugeteilt. Es wird eine Zeit kommen, wo man wissen wird, wie sich die Venus oder ein anderer Planet bewegt. Nicht aus einer äußeren astronomischen Berechnung heraus wird man das wissen, sondern man wird studieren die Pflanzen, die Venuswesen sind und die in ihrer Spiralbewegung ein Spiegelbild sind im Kleinen zu der absoluten Venusbewegung. Droben zieht die Venus die große Spirale im kosmischen Raum, und die Pflanzen ahmen sie nach in ihrer Bewegung in ihren kleinen Spiralen. Ihre Schriftzüge prägen in die Erde die Gestirne ein im Pflanzenwachstum, und die Sonne macht den Abschluß. Sie ergießt sich über alles und regiert dasjenige, was die Planeten tun. In dem spiraligen Wachstum der Pflanzen wird man studieren das Zusammenwirken der irdischen Reiche mit den himmlischen Reichen. Das Pflanzenwachstum ist Gleichnis für Tatsachen geistiger Wesen im Weltenraum.

[ 13 ] We are living in the fifth post-Atlantean epoch, and it has often been pointed out that this epoch is a repetition of the third, the Egyptian epoch.2See, among others, « The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity” (1911), GA 15, and “World, Earth, and Humanity: Their Nature and Development, and Their Reflection in the Connection Between Egyptian Myth and Contemporary Culture,” GA 105. We live in such a way that what lived in ancient Egypt reemerges in our thinking, feeling, and willing. Now, during the Egyptian-Chaldean period, human beings were to develop primarily their connection with the world of the stars. Astrology was discovered and particularly cultivated during this period. At that time, people possessed direct clairvoyance regarding how the constellations are connected to human life and destiny. One looked deeply into the mysterious connections between the starry heavens and human destiny. There have been extraordinary, great spirits in modern times in whom this continued to work, as it were. They had, after all, also been incarnated during the Egyptian-Chaldean period, and in their subsequent incarnations, a deep, intuitive astrological knowledge shone upon them as if directly from an inner soul power. This was the case with the reincarnated Julian the Apostate and with Tycho Brahe. 3See Rudolf Steiner’s detailed remarks in the lectures of December 30, 1910, in “Occult History,” GA 126, and of September 16, 1924, in “Esoteric Considerations of Karmic Connections. Volume Four,” GA 238.
Tycho Brahe, 1546–1601, Danish astronomer, worked in Prague under Rudolf II; based on his numerous observations, his student Kepler was able to formulate his famous laws. He himself developed the Tychonic system of the world, which represents a kind of compromise between the Copernican and Ptolemaic systems of the world.
Julian the Apostate, 331–363, born Julian Flavius Claudius, Roman emperor. Although raised as a Christian, Julian turned to the ancient mystery cults, which is why he is also called Julian the Apostate (the Renegade). He was assassinated at the age of 31 during a military campaign in Asia.
He placed great importance on that mysterious connection between human destiny and the mysterious patterns formed in the constellations. It is now considered an irrefutable fact by science that Tycho Brahe was a great astronomer who discovered a number of new stars in the sky and drew a star map. Therefore, scientists say, it is forgivable that he was also an astrologer who used the stars to prophesy all manner of things to people. They forgive Tycho Brahe for having, through his profound astrological insights, predicted the death of Sultan Suleiman 4Suleiman II (Suleiman), 1495–1566, Turkish sultan, besieged Vienna in 1529, died on September 5, 1566, during a military campaign against Hungary. 5On the occasion of a lunar eclipse on October 28, 1566, Brahe recited several Latin verses at the University of Rostock in which he predicted the sultan’s death. A few weeks later, news of Suleiman’s death did indeed arrive. However, he had already died on September 5, that is, before the lunar eclipse, which some took as an opportunity to mock Tycho Brahe’s “prediction.” He, however, defended himself by going into detail about Suleiman’s horoscope, from which he had read the constellation of death. See “Tycho Brahe. A Portrait of Scientific Life and Work in the 16th Century” by J. L. E. Dreyer (German translation by M. Bruhns, Karlsruhe 1894), Chapter II. when he was teaching at the University of Rostock. They forgive him for having astonished the world with such a prediction and say: that was merely a weakness of this otherwise great man, which must be overlooked. And they even forgive him that the sultan’s death actually occurred exactly as prophesied! — In Tycho Brahe, however, we see the ancient Egyptian wisdom shine forth once more. It must shine into our time, which is a repetition of the Egyptian era. Today, too, we must seek the connection between the earthly and the divine. But we must not only look out into the heavens; we must also study the parables of the divine worlds that we find in the physical world. We can find them in the smallest and the largest. If, for example, we study how the leaf bases are arranged on every plant, we will find, as we trace the line of how leaf after leaf attaches itself around the stem, that we obtain a spiral line. We see that the leaves grow in a spiral rhythm around the stem where the stem is stiff. In other plants, for example in field bindweed, we see the stem itself tracing this spiral line. People do not pay attention to such things. If they were to study such things, they would make a new discovery. They would see that this spiral movement depends on forces that are not at all on Earth, but that act down from the planets. These planets make a spiral movement in the heavens and act down in such a way that they cause the plants to make the same spiral movement around their stems. But the stem grows from the bottom up. This upward movement cuts through the spiral motion. This is the force that completes the upward movement, bringing the flower to bloom. This force flows from the Earth to the Sun and vice versa. One plant species is assigned to one planet, another to the other, based on its movement. A time will come when people will know how Venus or another planet moves. They will not know this from an external astronomical calculation, but rather by studying the plants, which are Venusian beings and whose spiral movement is a miniature reflection of the absolute movement of Venus. Up above, Venus traces the great spiral in cosmic space, and the plants imitate it in their movement through their small spirals. Their patterns imprint the celestial bodies into the earth through plant growth, and the Sun brings it to a close. It pours itself over everything and governs what the planets do. In the spiral growth of plants, one will study the interaction of the earthly realms with the heavenly realms. Plant growth is a parable for the realities of spiritual beings in the cosmos.

[ 14 ] So wird man für die einzelnen physischen Wesen ihre Zugehörigkeit finden zum Weltenraum. Man wird sie anknüpfen an die Taten im Weltenraum, und so wird man sich nach und nach erobern die Zugehörigkeit von Mineralien, Pflanzen, Tieren und auch des Menschen in seinen Taten und Schicksalen zum Weltenraum. Im Kleinen beginnen wir solche Dinge zu studieren in der Art, wie wir es geisteswissenschaftlich heute hier getan haben. Nur wird man lange brauchen, um in der Wissenschaft diese Wege zu gehen und bis man aus okkulten Quellen heraus diese Dinge in ihrem wahren Zusammenhang studieren wird. Aber geschehen muß es.

[ 14 ] In this way, we will discover the connection of individual physical beings to the cosmos. We will link them to the events in the cosmos, and thus we will gradually come to understand the connection of minerals, plants, animals, and even human beings—through their actions and destinies—to the cosmos. On a small scale, we are beginning to study such things in the manner we have done here today in the context of Spiritual Science. It will, however, take a long time to pursue these paths in science and to study these things in their true context based on occult sources. But it must happen.

[ 15 ] Wenn man im Sinne der heutigen okkulten Entwickelung sich wiederum der Welt gegenüberstellt und alles Äußere als Zeichen und Gleichnis nimmt, wird man in unserem «Seelenkalender» 5Ostern 1912 war der «Anthroposophische Seelenkalender» erstmals erschienen. In der Gestalt, die ihm Imme von Eckardtstein gegeben hart, ist der Kalender nicht wieder aufgelegt worden. Bei der Neuauflage im Jahre 1925 erhielt er durch Rudolf Steiner die seither beibehaltene Form; siehe «Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe», Heft 37/38, 1972. Der Seelenkalender ist enthalten in «Wahrspruchworte», GA 40, und auch als Einzelausgabe erhältlich. einen Leitfaden haben. Aber man darf nicht glauben, daß die Zeichen für die Tierkreisbilder diese selbst bedeuten. Das Zeichen des Widders bedeutet nicht das Sternbild des Widders, sondern daß sich die Sonne oder der Mond in einem bestimmten Verhältnis zu diesem Sternbild befinden und daß da besondere Kräfte wirken. Nicht ein in den Raum Gestelltes bedeuten diese Zeichen, sondern daß Kräfte so oder so wirksam sind. Das, was man Raum nennt, ist eine Phantasterei. Geistige Kräfte wirken von überall her, und wie sie wirken, das drücken diese Zeichen aus. Wenn die Sonne zum Beispiel morgens, wenn sie aufgeht, über dem Sternbild der Fische steht, so ist diese Konstellation der Ausdruck für eine ganz bestimmte Art des Wirkens von geistigen Kräften hinab auf die Erde.

[ 15 ] If one once again confronts the world in the spirit of today’s occult development and regards everything external as a sign and a parable, one will find in our “Soul Calendar” 5The “Anthroposophical Soul Calendar” was first published at Easter 1912. In the form given to it by Imme von Eckardtstein, the calendar has not been reprinted. In the new edition of 1925, Rudolf Steiner gave it the form that has been retained ever since; see “Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe,” issue 37/38, 1972. The Soul Calendar is included in “Wahrspruchworte,” GA 40, and is also available as a separate edition. a guide. But one must not believe that the symbols for the zodiac signs represent the signs themselves. The sign of Aries does not signify the constellation of Aries, but rather that the Sun or the Moon is in a specific relationship to this constellation and that special forces are at work there. These signs do not signify something placed in space, but rather that forces are active in one way or another. What we call space is a figment of the imagination. Spiritual forces act from everywhere, and these signs express how they act. For example, when the Sun stands above the constellation of Pisces in the morning as it rises, this constellation is the expression of a very specific way in which spiritual forces act down upon the Earth.

[ 16 ] Das alles können wir fühlen und umsetzen in imaginative Erkenntnis. Was aus unserer Seele heraussprießen kann, wenn wir wirklich das fühlen, was uns aus der geistigen Welt entgegenstrahlt, das haben wir versucht, in dem Kalender, der für dieses Jahr innerhalb der theosophischen Bewegung erschienen ist, zum Ausdruck zu bringen. Andere Zeichen finden wir da als die traditionellen alten Kalenderzeichen, als neuen Ausdruck dessen, was die Seelen in diesem Zeitraum neu zu lernen haben. Sie sind so entstanden, daß verfolgt wurde mit dem Gefühl, nicht mit dem Verstand, das, was wir als den rhythmischen Wechsel auf unserer Erde eben betrachtet haben: das Einschlafen der geistigen Wesenheiten, die mit unserer Erde in Verbindung stehen, im Frühling, ihr Aufwachen im Herbst. Eine Erneuerung dieser Dinge, die in unsere Feste aus uralter hellsichtiger Weisheit hineingegossen sind, ist notwendig. Sie müssen erneuert werden, weil im fünften Zeitraum wiederum aufersteht dasjenige, was Weisheitsgut des dritten Zeitraums war.

[ 16 ] We can sense all of this and translate it into imaginative insight. We have attempted to express in the calendar published this year by the Theosophical Society what can spring forth from our souls when we truly feel what radiates toward us from the spiritual world. There we find symbols other than the traditional ancient calendar symbols, as a new expression of what souls have to learn anew during this period. They came into being by following—with feeling, not with the intellect—what we have just considered as the rhythmic change on our Earth: the falling asleep of the spiritual beings connected to our Earth in spring, their awakening in autumn. A renewal of these things, which have been infused into our festivals from ancient clairvoyant wisdom, is necessary. They must be renewed because in the fifth epoch, that which was the wisdom heritage of the third epoch rises again.

[ 17 ] Allerdings muß es Außenstehenden als äußerste Verdrehtheit erscheinen, daß wir das Jahr 1879 an den Anfang unseres Kalenders setzten. Da wollten wir aufmerksam machen darauf, daß es außerordentlich wichtig ist, das Jahr des Mysteriums von Golgatha als Anfang unserer Zeitrechnung zu nehmen, und nicht das Jahr der Geburt des Jesus. An einem Freitag, am 3. April des Jahres 33, drei Uhr am Nachmittag fand das Mysterium von Golgatha statt. Und da fand auch statt die Geburt des Ich in dem Sinne, wie wir es oftmals charakterisiert haben. Und es ist ganz gleichgültig, auf welchem Erdenpunkte der Mensch lebt, oder welchem Religionsbekenntnis er angehört, das, was durch das Mysterium von Golgatha in die Welt kam, gilt für alle Menschen. So wie es für alle Welt gilt, daß Cäsar an einem bestimmten Tage gestorben ist, und nicht für die Chinesen ein anderer und für die Inder wieder ein anderer Tag dafür gilt, ebenso ist es eine einfache Tatsache des okkulten Lebens, daß das Mysterium von Golgatha sich an diesem Tage zugetragen hat und daß man es da zu tun hat mit der Geburt des Ich. Das ist eine Tatsache ganz internationaler Art. Und man muß sich wundern, daß von einer gewissen Seite her behauptet wird, das, was hier getrieben werde, diese unsere rosenkreuzerische Theosophie, die das Mysterium von Golgatha als den Mittelpunkt von allem betrachtet, sei eine Theosophie, die nur auf das Deutschtum zugeschnitten und für die anderen Völker nicht geeignet sei.

[ 17 ] However, it must seem like the height of absurdity to outsiders that we placed the year 1879 at the beginning of our calendar. We wanted to draw attention to the fact that it is of the utmost importance to take the year of the Mystery of Golgotha as the beginning of our calendar, and not the year of Jesus’ birth. On a Friday, April 3, in the year 33, at three o’clock in the afternoon, the Mystery of Golgotha took place. And there also took place the birth of the I in the sense in which we have often characterized it. And it makes no difference whatsoever where on Earth a person lives, or to which religious denomination they belong; what came into the world through the Mystery of Golgotha applies to all people. Just as it is a fact for the whole world that Caesar died on a certain day—and not a different day for the Chinese or yet another for the Indians—so it is a simple fact of occult life that the Mystery of Golgotha took place on that day and that it concerns the birth of the I. This is a fact of a wholly international nature. And one must wonder why certain quarters claim that what is being pursued here—our Rosicrucian theosophy, which regards the Mystery of Golgotha as the center of everything—is a theosophy tailored solely to German culture and unsuitable for other peoples.

[ 18 ] Wo solche Dinge behauptet werden, da hat man allerdings nicht die Neigung, sich mit solchen Dingen, wie wir sie hier treiben, zu beschäftigen. Da versteht man eben einfach nichts vom Christus und vom Mysterium von Golgatha. Da setzt man Entstellungen in die Welt, und leider werden solche Entstellungen auch geglaubt. Es ist aber heilige Pflicht, die Menschen vor Irrtum zu bewahren. Es ist zwar keine angenehme Aufgabe, ihnen solche Wahrheiten zu sagen, aber es muß geschehen. — Da sagt man an anderer Stelle, gleiches Recht gelte für alle, aber man bricht selber das Recht. Nicht darum handelt es sich, daß man diese oder jene Dinge sagt und drucken läßt, sondern darum, daß Wahrheit herrsche unter uns und daß Wahrheit unser heiliges Gesetz sei.

[ 18 ] Where such claims are made, people are certainly not inclined to concern themselves with matters such as those we are engaged in here. They simply do not understand Christ or the Mystery of Golgotha. They spread distortions, and unfortunately, such distortions are also believed. But it is a sacred duty to protect people from error. It is certainly no pleasant task to tell them such truths, but it must be done. — Elsewhere, people say that the same law applies to everyone, yet they themselves break the law. The point is not that one says or publishes this or that, but that truth reigns among us and that truth is our sacred law.

[ 19 ] Wir wollen die Geburt des Ich in unserem Kalender zum Ausdruck bringen. Damit ist aber verbunden, daß wir den Zeitpunkt dieser Geburt als Ausgangspunkt nehmen mußten. Also mußten wir von Ostern bis Ostern zählen, und nicht von Neujahr bis Neujahr. Wenn dadurch vielleicht auch neues Ärgernis gegeben wird und neuer Spott und Hohn hervorgerufen wird, so darf uns das wenig kümmern, denn wir wissen, wollten wir nur immer ein Altes, schon Dagewesenes in gleicher Weise wiederholen, so würde kein neues Leben entstehen. Das Gleiche, immer wiederholt, ist das Tote; das Ungleiche, in das Gleiche eingerückt, ist das Leben. Eine Lebensaufgabe aber ist unser Kalender. Und haben wir ihn Jetzt sehr schlecht gemacht, so werden wir ihn im nächsten Jahre besser machen.

[ 19 ] We want to reflect the birth of the “I” in our calendar. However, this means that we had to take the moment of this birth as our starting point. So we had to count from Easter to Easter, and not from New Year’s Day to New Year’s Day. If this perhaps causes new annoyance and provokes new mockery and scorn, we need not worry about it, for we know that if we were to merely repeat the old, the already existing, in the same way, no new life would arise. The same, repeated over and over, is death; the different, incorporated into the same, is life. But our calendar is a life’s work. And if we have made it very poorly this year, we will make it better next year.

[ 20 ] Wichtig vor allem ist der zweite Teil, der «Seelenkalender». Da suchte ich zusammenzustellen Woche für Woche solche Meditationsformeln, wie sie die Seele innerlich meditativ durchleben kann, und die so wirken in der Seele, daß diese den Zusammenhang finder zwischen ihrem eigenen innerlichen Erleben und dem, was durch göttlichgeistige Wesenheiten im Zeitenlauf dirigiert wird. Wahrhaft zum Erleben dieser Wesenheiten führen diese Meditationen, wenn sie ernst und hingebungsvoll gemacht werden. Lange okkulte Erfahrung und Forschung ist in diese zweiundfünfzig Formeln zusammengedrängt, die die Zeitformeln sein können für ein inneres Seelenerleben, das dadurch angeschlossen sein kann an die Vorgänge des göttlich-geistigen Erlebens. Sie sind etwas Zeitloses, das die Beziehung zwischen dem Spirituellen und dem sinnlich Angeschauten darstellt. Jeder wird nach und nach den Wert dieses «Seelenkalenders» einsehen, der seine Bedeutung behalten wird für alle Jahre, und wird nach und nach den Weg finden aus der menschlichen Seele heraus in den Geist, der das ganze Weltenall durchlebt und durchwebt. Aber es ist nicht so leicht, diese Meditationsformeln ganz in ihrem tiefen Sinn sich zu eigen zu machen. Dazu braucht die Menschenseele Jahre und Jahre. So dokumentiert sich in diesem Kalender nicht ein bloßer Einfall, der plötzlich gekommen ist, sondern eine Tat, die in organischem Zusammenhang steht mit unserer ganzen Bewegung, und nach und nach wird schon erkannt werden, warum in ihm dieses so und jenes anders gemacht ist.

[ 20 ] The second part, the “Soul Calendar,” is particularly important. There I sought to compile, week by week, such meditative formulas as the soul can experience inwardly through meditation, and which work in the soul in such a way that it finds the connection between its own inner experience and that which is directed by divine-spiritual beings in the course of time. These meditations truly lead to an experience of these beings when they are performed earnestly and devotedly. Long occult experience and research are condensed into these fifty-two formulas, which can serve as temporal formulas for an inner soul experience that can thereby be connected to the processes of divine-spiritual experience. They are something timeless that represents the relationship between the spiritual and the sensually perceived. Everyone will gradually come to appreciate the value of this “Soul Calendar,” which will retain its significance for years to come, and will gradually find the path from the human soul into the Spirit that permeates and weaves through the entire universe. But it is not so easy to fully make these meditative formulas one’s own in their deepest sense. This requires years and years of the human soul. Thus, this calendar documents not a mere whim that came suddenly, but an act that stands in an organic connection with our entire movement, and little by little it will be recognized why this or that is done differently within it.