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The Rudolf Steiner Archive

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Experiences of the Supernatural
The Three Paths of the Soul to Christ
GA 143

24 December 1912, Berlin

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13. Die Geburt des Erdenlichtes aus der Finsternis der Weihenacht

13. The Birth of the Light of the Earth from the Darkness of Christmas Eve

[ 1 ] Schön ist es, meine lieben Freunde, daß die Verhältnisse es gestatten, daß wir uns heute abend an diesem Festtage hier vereinigen können. Es gibt ja unter uns viele Freunde, welche an diesem Tage in einer gewissen Beziehung allein stehen, während selbstverständlich die weitaus größte Zahl das Fest der Liebe und des Friedens draußen im Kreise derjenigen zu feiern hat, mit denen sie sonst in der Welt verbunden sind. Doch ist es ja so selbstverständlich, daß auch wir anderen, die wir in einer solchen Weise nicht da oder dorthin gebunden sind, gerade durch die Geistesströmung, innerhalb welcher wir stehen, am allerwenigsten ausgeschlossen sind von der Teilnahme an dem Fest der Liebe und des Friedens. Was sollte denn auch in einem schöneren Sinne geeignet sein, uns am heutigen Abend zu vereinigen in der Atmosphäre, in der geistigen Luft von gegenseitiger Liebe und von unsere Herzen durchziehendem Frieden, als eine der Erforschung des Geistigen dienende Bewegung? Und auch insofern dürfen wir es als ein gutes Geschick bezeichnen, daß wir gerade in diesem Jahre an diesem Abend vereinigt sein können und dieses Fest durch eine kleine Betrachtung unseren Herzen naheführen können, aus dem Grunde dürfen wir es noch, da wir in diesem Jahre selber vor der Geburt desjenigen stehen, das uns, wenn wir es in der richtigen Weise verstehen, gar sehr am Herzen liegen muß: vor der Geburt unserer Anthroposophischen Gesellschaft. Wenn wir das große Ideal, das wir durch die Anthroposophische Gesellschaft zum Ausdruck bringen wollen, in der richtigen Weise gelebt haben, und wenn wir geneigt sind, unsere Kräfte in der entsprechenden Weise für dieses große Ideal der Menschheit einzusetzen, so muß es uns nahe liegen, von diesem unserem geistigen Lichte oder Lichtesmittel die Gedanken schweifen zu lassen zu dem Aufgange des großen Lichtes der Menschheitsevolution auf der Erde, der durch diese Nacht der Liebe und des Friedens gefeiert wird, in welcher wir ja wirklich dasjenige, geistig oder seelisch, vor uns haben, was man nennen kann die Geburt des Erdenlichtes, des Lichtes, das aus der Finsternis der Weihenacht herausgeboren werden soll, das aber leuchten soll den Menschenseelen und den Menschenherzen für alles, was diese Menschenseelen und Menschenherzen nötig haben, um den Weg zu den geistigen Höhen hinauf zu finden, die durch die Erdenmission erstiegen werden sollen.

[ 1 ] It is wonderful, my dear friends, that circumstances have allowed us to gather here this evening on this festive day. There are, of course, many friends among us who are, in a certain sense, on their own on this day, while the vast majority, naturally, must celebrate the festival of love and peace out there among those with whom they are otherwise connected in the world. Yet it is so self-evident that we others, who are not bound in such a way to this or that place, are least of all excluded from participating in the festival of love and peace, precisely because of the spiritual current within which we stand. What, after all, could be more fitting in a beautiful sense to unite us this evening in the atmosphere, in the spiritual air of mutual love and peace permeating our hearts, than a movement dedicated to the exploration of the spiritual? And in this respect, too, we may call it good fortune that we are able to be united on this very evening in this very year and bring this festival close to our hearts through a brief reflection; for this reason, we may do so all the more, since this year we ourselves stand before the birth of that which, if we understand it correctly, must be very dear to our hearts: the birth of our Anthroposophical Society. If we have lived the great ideal that we wish to express through the Anthroposophical Society in the right way, and if we are inclined to devote our energies in the appropriate manner to this great ideal of humanity, then it must be natural for us to let our thoughts wander from this spiritual light of ours—or means of light—to the dawn of the great light of human evolution on Earth, which is celebrated through this night of love and peace, in which we truly have before us, spiritually or soulfully, before us, what one might call the birth of the Earth’s light—the light that is to be born from the darkness of the Holy Night, yet which is to shine upon human souls and hearts, providing everything these souls and hearts need to find the path upward to the spiritual heights to be ascended through the Earth’s mission.

[ 2 ] Wenn wir uns ins Herz hineinschreiben wollen, was wir in dieser Weihenacht empfinden können, was ist es denn eigentlich?

[ 2 ] If we want to take to heart what we might feel on this Christmas Eve, what exactly is it?

[ 3 ] Es sollte sich in dieser Weihenacht in unsere Seele gießen die menschliche Grundempfindung von Liebe, die Grundempfindung davon, daß gegenüber allen anderen Kräften und Mächten und Gütern der Welt das Gut und die Kraft und die Macht der Liebe das Größte, das Intensivste, das Wirksamste ist. Ins Herz, in die Seele sollte sich die Empfindung davon ergießen, daß Weisheit etwas Großes ist — etwas Größeres noch die Liebe; daß Macht etwas Großes ist — etwas Größeres noch die Liebe. Aber so stark sollte sich die Empfindung von der Macht und der Kraft und der Stärke der Liebe in unsere Herzen gießen, daß von dieser Weihenacht etwas überströmen könnte in alle unsere Empfindungen des übrigen Jahres, so etwas überströmen, von dem wir sagen können, daß es etwa das ausdrückte, was wir immer fühlen: Wir müssen uns eigentlich schämen, wenn wir in irgendeiner Stunde des Jahres etwas tun, was nicht bestehen kann vor dem geistigen Hinblicke zu jener Nacht, in welcher wir die Allkraft der Liebe in unsere Herzen gießen wollen. Möchten die Tage, möchten die Stunden des Jahres so verlaufen können, daß wir uns nicht zu schämen brauchen vor der Empfindung, die wir in der Weihenacht in unsere Seelen hineingießen wollen!

[ 3 ] On this Christmas Eve, the fundamental human feeling of love should pour into our souls—the fundamental realization that, compared to all other forces, powers, and goods in the world, the good, the strength, and the power of love are the greatest, the most intense, and the most effective. The feeling that wisdom is something great—and that love is even greater; that power is something great—and that love is even greater—should pour into our hearts and souls. But the feeling of the power and strength of love should pour into our hearts so strongly that something from this holy night might overflow into all our feelings throughout the rest of the year—something that overflows, of which we can say that it expresses, as it were, what we always feel: We should actually be ashamed if, at any hour of the year, we do something that cannot stand up to the spiritual gaze of that night in which we wish to pour the all-power of love into our hearts. May the days, may the hours of the year unfold in such a way that we need not be ashamed before the feeling we wish to pour into our souls on Christmas Eve!

[ 4 ] Wenn wir so empfinden und fühlen können, dann fühlen wir mit allen den Wesen, welche der Menschheit die Bedeutung der Weihenacht nahebringen wollten, die Bedeutung der Beziehung der Weihenacht zu dem ganzen Christus-Impuls innerhalb der Erdenevolution.

[ 4 ] If we are able to perceive and feel this way, then we share in the feelings of all those beings who sought to convey to humanity the significance of Christmas Eve—the significance of the connection between Christmas Eve and the entire Christ impulse within the evolution of the Earth.

[ 5 ] Vor uns steht ja dieser Christus-Impuls, man kann sagen, in dreifacher Gestalt. Und bedeutungsvoll kann an dem Fest des Christus heute in dreifacher Gestalt der Christus-Impuls vor uns stehen. Die eine Gestalt gibt uns der Hinblick auf das Marthäus-Evangelium. Die Wesenheit, die geboren wird, oder deren Geburt wir in dieser Weihenacht feiern, sie tritt in die Menschheitsentwickelung so hinein, daß drei Spitzen der Menschheit, drei Vertreter der hohen Magie herbeikommen, um dem königlichen Wesen zu huldigen, das in die Menschheitsentwickelung eintritt. «Könige» im geistigen Sinne des Wortes, magische Könige kommen, dem großen Geistkönige zu huldigen, der da erscheint in der Gestalt, die er erlangen konnte dadurch, daß ein so hohes Wesen, wie es einst der Zarathustra war, seine Entwickelungsstadien durchmachte, um zu der Höhe jenes Geisteskönigs zu gelangen, dem die magischen Könige huldigen wollten. Und so steht der Geistkönig des Matthäus-Evangeliums vor unserem geistigen Blicke, daß er in die Menschheitsentwickelung hereinbringt einen unendlichen Quell der Güte und einen unendlichen Quell mächtiger Liebe, jener Güte und jener Liebe, vor der menschliche Bosheit sich zum Kampfe aufgerufen fühlt. Daher sehen wir in zweiter Weise den Geistkönig so in die Menschheitsentwickelung hereintreten, daß dasjenige, was die Feindschaft gegenüber dem Geisteskönig sein muß, sich aufgerufen fühlt in der Gestalt des Herodes, und daß der Geistkönig fliehen muß vor dem, was Feind ist der Geisteskönigschaft. So steht er vor unserem geistigen Blicke in majestätischer, magischer Glorie. Und vor unserer Seele taucht das wunderbare Bild des Geisteskönigs auf, des wiederverkörperten Zarathustra, der edelsten Blüte der Menschheitsentwickelung — wie sie durchgegangen ist von Inkarnation zu Inkarnation auf dem physischen Plan und die Weisheit eine Vollendung hat erreichen lassen —, umgeben von den drei magischen Geistkönigen, selber Blüten und Spitzen der Menschheitsentwickelung. Noch in anderer Gestalt kann der Christus-Impuls vor unsere Seele treten: wie er uns im Markus-Evangelium, im Johannes-Evangelium erscheint, wo wir gleichsam hingeführt werden zu dem kosmischen Christus-Impuls, der ausdrückt, wie der Mensch seinen ewigen Zusammenhang mit den großen kosmischen Kräften dadurch hat, daß wir durch das Verständnis des kosmischen Christus gewahr werden, wie in die Erdenentwickelung selber ein kosmischer Impuls durch das Mysterium von Golgatha hereingenommen wird. Noch als etwas unendlich Größeres und Gewaltigeres als der Geistkönig, der von den Magiern umgeben vor unserem geistigen Auge steht, tritt vor uns hin die mächtige kosmische Wesenheit, welche Besitz ergreifen will von dem Träger jenes Menschen, der da ist der Geisteskönig, die Blüte und Spitze der Erdentwickelung selber. Es ist im Grunde genommen nur der heutigen Menschen Kurzsichtigkeit, wenn nicht die ganze Größe und Macht des Einschnittes gefühlt wird, der in der Menschheitsentwickelung dadurch gegeben war, daß der Zarathustra zum Träger des kosmischen Christus-Geistes wurde, wenn nicht gefühlt wird die ganze Bedeutung desjenigen, was als «Christus-Träger» in jenem Momente der Menschheitsentwickelung vorbereitet wurde, den wir durch die christliche Weihenacht feiern. Ein etwas tieferes Hineingehen in die Menschheitsentwickelung zeigt uns überall, wie tief einschneidend in die ganze Erdevolution das Christus-Ereignis ist. Fühlen wir es durch eine einschlägige Betrachtung an diesem Abend, damit von dieser Betrachtung etwas ausstrahlen kann in unsere übrige anthroposophische Vertiefung und Versenkung.

[ 5 ] Before us stands this Christ impulse, so to speak, in threefold form. And it is significant that on the Feast of Christ today, the Christ impulse stands before us in threefold form. One form is given to us by the Gospel of Matthew. The being who is born—or whose birth we celebrate on this holy night—enters into human evolution in such a way that three leaders of humanity, three representatives of high magic, come to pay homage to the royal being who is entering into human evolution. “Kings” in the spiritual sense of the word, magical kings, come to pay homage to the great Spirit King who appears there in the form he was able to attain by passing through the stages of development that a being as exalted as Zarathustra once did, in order to reach the heights of that Spirit King to whom the magical kings wished to pay homage. And so the Spirit King of the Gospel of Matthew stands before our spiritual gaze, bringing into human evolution an infinite source of goodness and an infinite source of powerful love—that goodness and that love before which human malice feels called to battle. Thus we see, in a second sense, the Spirit King entering human evolution in such a way that that which must be enmity toward the Spirit King feels called to battle in the form of Herod, and that the Spirit King must flee from that which is the enemy of the Spirit Kingdom. Thus he stands before our spiritual gaze in majestic, magical glory. And before our soul appears the wondrous image of the Spirit King, the reincarnated Zarathustra, the noblest flower of human development—as it has passed from incarnation to incarnation on the physical plane and has allowed wisdom to reach perfection—surrounded by the three magical Spirit Kings, themselves flowers and pinnacles of human development. The Christ impulse can also appear before our soul in another form: as it appears to us in the Gospel of Mark and the Gospel of John, where we are led, as it were, to the cosmic Christ impulse, which expresses how humanity maintains its eternal connection with the great cosmic forces through our understanding of the cosmic Christ, as we become aware of how a cosmic impulse is incorporated into the very development of the Earth through the Mystery of Golgotha. Even as something infinitely greater and more powerful than the Spirit King, who stands before our spiritual eye surrounded by the Magi, the mighty cosmic being steps before us, seeking to take possession of the bearer of that human being who is the Spirit King, the flower and pinnacle of Earth’s development itself. It is, in essence, merely the short-sightedness of modern humanity that prevents us from sensing the full magnitude and power of the turning point in human development brought about by Zarathustra becoming the bearer of the cosmic Christ Spirit, and from grasping the full significance of what was prepared as the “Christ-bearer” was prepared at that moment in human development which we celebrate through the Christian Christmas season. A somewhat deeper exploration of human development shows us everywhere how profoundly the Christ event has impacted the entire evolution of the Earth. Let us sense this through a relevant meditation this evening, so that something of this meditation may radiate into our remaining anthroposophical deepening and contemplation.

[ 6 ] Vieles könnte dazu angeführt werden. Es könnte gezeigt werden, wie vor die Menschheit hintrat in Zeiten, die dem Spirituellen noch näherstanden, ein ganz neuer Geist gegenüber dem, der in der vorchristlichen Zeit in der Erdenentwickelung gewaltet und gewirkt hat. Eine Gestalt wurde zum Beispiel geschaffen, eine Gestalt, die aber gelebt hat, und die uns ausdrückt, wie es auf eine Seele der ersten christlichen Jahrhunderte gewirkt hat, wenn diese Seele sich erst noch ganz hineingestellt empfand in die alten heidnischen Geisteserkenntnisse, und dann empfand, wie sich alles in der Seele änderte, wenn sie mit den alten heidnischen Geisteserkenntnissen unbefangen und vorurteilsfrei sich dem Christus-Impuls entgegenstellte. — Wir verstehen heute immer mehr und mehr eine solche Gestalt wie die des Faust. Wir fühlen in dieser Gestalt, die ein neuerer Dichter, Goethe, sozusagen wiedererweckt hat, das Höchste von menschlichem Streben ausgedrückt, empfinden aber auch, wie die Möglichkeit tiefster Schuld in ihr ausgedrückt werden soll. Aber wenn man von allem absieht, was neuere dichterische Kraft an Künstlerischem geben kann, so kann man sagen: Tiefes und Bedeutungsvolles, das in einer Seele lebte, kann man fühlen, wenn man zum Beispiel sich vertieft in die Dichtung der griechischen Kaiserin Eudokia, die eine Wiederbelebung der alten Legende von Cyprianus geschaffen hat, welche einen Menschen schildert, der ganz in der alten heidnischen Götterwelt lebte und in sie verstrickt werden konnte, einen Menschen, der noch nach dem Mysterium von Golgatha ganz den alten heidnischen Geheimnissen, Kräften und Mächten hingegeben war. Schön ist jene Szene, in der geschildert wird, wie Cyprianus die Justina kennenlernt, die schon von dem Christus-Impuls berührt ist, die hingegeben ist jenen Mächten, die durch das Christentum dargestellt werden. Die Versuchung tritt an ihn heran, sie von ihrem Wege abzubringen, die Versuchung, sich zu diesem Zwecke der alten heidnischen Zaubermittel zu bedienen. Alles, was zwischen Faust und Gretchen spielt, spielt in dieser Atmosphäre des Kampfes alter heidnischer Impulse gegen den Christus-Impuls. Es nimmt sich, wenn wir von dem Spirituellen absehen, grandios noch aus in der Erzählung von dem alten Cyprianus und in der Versuchung, der er ausgesetzt war gegenüber der Christin Justina. Und wenn die Dichtung der Eudokia auch nicht besonders gut ist, so muß man doch sagen: Da steht das Erschütternde des Zusammenpralles der alten vorchristlichen Welt mit der christlichen Welt; da steht in Cyprianus ein Mensch, der sich noch fernstehend dem Christentum fühlt, der sich noch ganz hingegeben fühlt den alten heidnischen Götterkräften: es ist eine gewisse Gewalt in der Schilderung. Einige Stellen nur seien heute vorgeführt, wie Cyprianus sich fühlt gegenüber den Zauberkräften der vorchristlichen Geistesmächte. So hören wir von ihm in der Dichtung der Eudoksa:

[ 6 ] Much could be said on this subject. It could be shown how, in times when humanity was still closer to the spiritual, a spirit entirely new to that which had prevailed and worked in the pre-Christian era of Earth’s development came to the fore. For example, a figure was created—a figure who actually lived—who expresses to us how it affected a soul in the early Christian centuries when that soul first felt fully immersed in the ancient pagan spiritual insights, and then felt how everything in the soul changed when it confronted the Christ impulse with an open mind and without prejudice toward the ancient pagan spiritual insights. — Today we understand more and more a figure such as Faust. In this figure, whom a more recent poet, Goethe, has so to speak revived, we sense the highest expression of human striving, yet we also perceive how the possibility of the deepest guilt is to be expressed within it. But if one sets aside everything that modern poetic power can offer artistically, one can say: One can sense the profound and significant things that lived in a soul when, for example, one immerses oneself in the poetry of the Greek Empress Eudokia, who created a revival of the ancient legend of Cyprian, which depicts a person who lived entirely within the old pagan world of gods and could become entangled in it, a human being who, even after the Mystery of Golgotha, was still wholly devoted to the old pagan mysteries, forces, and powers. Beautiful is that scene in which it is described how Cyprian meets Justina, who has already been touched by the Christ impulse, who is devoted to those powers represented by Christianity. The temptation arises for him to lead her astray from her path, the temptation to make use of the old pagan magical means for this purpose. Everything that takes place between Faust and Gretchen unfolds in this atmosphere of the struggle between ancient pagan impulses and the Christ impulse. Setting aside the spiritual aspect, it still appears magnificent in the tale of the old Cyprianus and in the temptation to which he was exposed in the presence of the Christian Justina. And even if Eudokia’s poetry is not particularly good, one must still say: there lies the poignancy of the clash between the ancient pre-Christian world and the Christian world; there stands Cyprian, a man who still feels distant from Christianity, who still feels wholly devoted to the ancient pagan divine powers: there is a certain power in the depiction. Let us present just a few passages today to illustrate how Cyprian feels regarding the magical powers of the pre-Christian spiritual forces. Thus we hear from him in the poem of Eudoxia:

Bekenner Christi, die ihr treu und warm
Im Herzen hegt den viel gepries’nen Heiland,
Seht meiner Tränen frischen Strom, und dann
Vernehmet, aus welchem Quell mein Kummer stammt.
Und ihr, die noch der finstre Wahn umstrickt
Der Götzenbilder, merkt auf das, was ich
Von ihrem Lug und Trug erzählen werde.
Denn nimmer hat ein Mensch gelebt, der so wie
Ich den falschen Göttern war ergeben
Und der Dämonen Art so gründlich kannte.
Ja, Cyprianus bin ich, den als Kind
Die Eltern dem Apollo dargebracht.
Es war des zarten Säuglings Wiegenlied
Gelärm der Orgien, wenn man das Fest
Des grausen Drachen feiert’. Siebenjährig
Ward ich geweiht dem Sonnengotte Mithras.
Ich wohnt’ in der erhab’nen Stadt Athen
Und ward ihr Bürger auch. Denn so gefiel’s
Den Eltern. Als ich zehn der Jahre zählte,
Hab ich Demeters Fackeln angezündet
Und mich versenkt in Koras Trauerklage.
Ich hegt’ der Pallas Schlange auf der Burg
Als Tempelknabe.

Dann zum Waldgebirg Olympos stieg ich auf, wo Toren sich
Den lichten Wohnsitz sel’ger Götter denken.
Die Horen sah ich und den Schwarm der Winde,
Der Tage Chor, die phantasiebeflügelt
Mit Gaukelbildern durch das Leben ziehn.
Ich sah Gewühl von Geistern kampfentbrannt,
Und Hinterhalte voller List; von Spott
Und Lachen berstend die, und jene ganz
Von Schreck erstarrt. Die Reihen sah ich all’?
Der Göttinnen und Götter. Denn wohl vierzig
Und noch mehr Tage hab ich dort verweilt.
Es war mein Mahl, wenn Helios niedersank,
Der dichtbelaubten Wipfel Frucht. Wie
Als wären sie aus hoher Königsburg
Entsandt, durchziehn die Luft die Geisterboten,
Um dann zur Welt hinab zu steigen, wo
Die Menschheit sie mit tausend Übeln plagen.
Ich zählte fünfzehn Jahr’ und kannte schon
Die Wirkenskraft der Götter und der Geister,
Denn mich belehrten sieben Oberpriester.
Der Eltern Wille war’s, daß ich gewönne
Vor allem Wissenschaft, was ist auf Erden,
Im Reich der Lüfte und im tiefen Meer.
Ich hab’ durchforscht, was in der Menschenbrust
Verderben brütet, was im Kraute gärt,
Im Saft der Blume, was um müde Leiber
Als Siechtum schleicht, und was die bunte Schlange,
Der Fürst der Welt voll arger List erschafft,
Um Gottes ew’gen Ratschluß zu bestreiten.

Ins schöne Land von Argos zog ich hin,
Das rossenährende. Das Fest der Eos,
Der weißgewand’gen Gattin des Tithonos,
Beging man grad, und dort ward ich ihr Priester.
Ich lernte kennen, was geschwisterlich
Die Luft und dieses Poles Rund durchzieht,
Was Wasser macht der Ackerflur verwandt,
Und was den Himmel trübt als Regenschauer.

Confessors of Christ, who faithfully and warmly
Cherish the much-praised Savior in your hearts,
Behold the fresh stream of my tears, and then
Hear from what source my sorrow springs.
And you, who are still ensnared by the dark delusion
Of idols, take heed to what I
Shall tell of their lies and deceit.
For never has a man lived who, like
I, was devoted to the false gods
And knew the nature of demons so thoroughly.
Yes, I am Cyprian, whom as a child
My parents offered to Apollo.
The lullaby of the tender infant
Was the clamor of orgies, when one celebrated the festival
Of the hideous dragon. At the age of seven
I was consecrated to the sun god Mithras.
I dwelt in the sublime city of Athens
And became its citizen as well. For so it pleased
to the parents. When I was ten years old,
I lit Demeter’s torches
And immersed myself in Kora’s lament.
I tended Pallas’s serpent in the citadel
As a temple boy.

Then I ascended to the wooded mountain Olympus, where fools
Imagine the bright abode of the blessed gods.
I saw the Horae and the swarm of winds,
The choir of days, which, winged by fantasy,
Pass through life with illusory images.
I saw a throng of spirits inflamed with battle,
And ambushes full of guile; some bursting with mockery
And bursting with laughter, and those entirely
Frozen in terror. Did I see all the ranks?
Of goddesses and gods. For surely forty
And more days did I linger there.
It was my meal, when Helios sank,
The fruit of the densely leafy treetops. As
As if sent from a lofty royal castle
The spirit messengers traverse the air,
To then descend to the world, where
Mankind plagues them with a thousand evils.
I was fifteen years old and already knew
The power of the gods and spirits,
For seven high priests instructed me.
It was my parents’ will that I should acquire
Above all knowledge of what is on earth,
In the realm of the skies and in the deep sea.
I have investigated what in the human breast
Breeds corruption, what ferments in the herb,
In the sap of the flower, what creeps around weary bodies
As infirmity, and what the colorful serpent,
The prince of the world, full of wicked cunning, creates,
To contend against God’s eternal counsel.

I journeyed to the beautiful land of Argos,
The horse-nurturing one. The festival of Eos,
The white-robed wife of Tithonus,
Was just being celebrated, and there I became her priest.
I came to know what, like siblings,
Pervades the air and the circle of this pole,
What makes water akin to the fields,
And what clouds the sky as a rain shower.

[ 7 ] So hatte Cyprianus alles kennengelernt, was man kennenlernen konnte, wenn man sozusagen eingeweiht wurde in die vorchristlichen Mysterien. Oh, er schildert sie genau, diese Mächte, zu denen diejenigen aufblicken konnten, die mit den alten Einweihungsurkunden nur betraut waren in der Zeit, als diese alten Urkunden nicht mehr galten; er schildert sie hinreißend in ihrer nicht mehr in die Zeit hineingehörenden Furchtbarkeit.

[ 7 ] Thus Cyprian had come to know everything that could be known by one who was, so to speak, initiated into the pre-Christian mysteries. Oh, he describes them in detail, these powers to which those could look up who were entrusted with the ancient initiation documents only at a time when these ancient documents were no longer valid; he describes them captivatingly in their awesomeness, which no longer belongs to our time.

Ich sah den Dämon selbst von Angesicht,
Nachdem ich ihn mit Opfern mir gewonnen;
Ich sprach zu ihm, und er erwidert’ mir
Mit Schmeichelworten. Meine Jugendschöne
Und mein Geschick zu seinen Werken rühmend,
Verhieß er mir die Herrschaft dieser Welt
Und gab mir Macht, den Geistern zu gebieten.
Er grüßte mich mit meinem Namen, als
Ich schied, und staunend sahn es seine Großen.
Sein Antlitz gleicht der Blume reinen Goldes;
Er trägt ein Diadem von Funkelsteinen
Und flammendes Gewand. Die Erde bebt,
Wenn er sich rührt. In dichten Reih’n umstehn
Speerträger seinen Thron, den Blick gesenkt.
So dünkt er sich ein Gott, so äfft er nach
Des Ew’gen Werke, den er frech bestreitet.
Doch machtlos schafft er nicht’'ge Schemen nur;
Denn der Dämonen Wesenheit ist Schein.

I saw the demon face to face,
After winning him over with sacrifices;
I spoke to him, and he answered me
With flattering words. Praising my youthful beauty
And my talent for his works,
He promised me dominion over this world
And gave me power to command the spirits.
He greeted me by name as
I took my leave, and his nobles watched in wonder.
His face resembles a flower of pure gold;
He wears a diadem of sparkling stones
And a flaming robe. The earth trembles,
When he moves. In dense ranks stand
Spear-bearers around his throne, their gaze lowered.
Thus he imagines himself a god, thus he mimics
The Eternal One’s work, which he brazenly denies.
Yet powerless, he creates but empty phantoms;
For the essence of the demon is illusion.

[ 8 ] Und wie die Versuchung ihm naht, wie das alles auf ihn wirkt, bevor er kennenlernt den Christus-Impuls, auch das wird uns geschildert.

[ 8 ] And how temptation approaches him, how all of this affects him before he comes to know the Christ impulse—this, too, is described to us.

Ich zog vom Land der Perser fort und kam
Nach Antiochia, der großen Stadt
Der Syrer; hier verübt’ ich Wunders viel
Von Zauberei und höllischer Magie.
Ein Jüngling sucht mich auf, Aglaidas,
Von Lieb’ entbrannt, und mit ihm viel Gefährten.
Ein Mädchen war’s, Justina ist ihr Name,
Für das er glüht’, und meine Knie umschlingend
Beschwor er mich, in seine Arme sie
Durch Zauberkunst zu ziehn. Und da zuerst
Ward mir des Däimons Ohnmacht offenbar.
Denn so viel Geisterscharen er beherrscht,
So viel entsandt er wider jene Jungfrau,
Und alle kehrten sie beschämt zurück.
Auch mich, Aglaidas’ Beförd’rer, machte
Justinas fromme Glaubenskraft zu Schanden;
Sie zeigte mir, wie eitel meine Kunst.
Manch schlummerlose Nacht durchwacht’ ich da
Und quälte mich mit Zaubereien ab.
Zehn Wochen lang bestürmt’ der Fürst der Geister
Das Herz der Jungfrau. Eros hatte, ach!
Nicht den Aglaidas allein verwundet,
Auch mich ergriff der Liebe Raserei.

I left the land of the Persians and came
To Antioch, the great city
Of the Syrians; here I performed many wonders
Of sorcery and hellish magic.
A young man sought me out, Aglaidas,
Burning with love, and with him many companions.
It was a girl, Justina is her name,
For whom he burned, and clasping my knees
He implored me to draw her into his arms
Through the art of sorcery. And there, for the first time
The demon’s powerlessness became clear to me.
For as many hosts of spirits as he commands,
So many did he send against that maiden,
And all returned in shame.
Even I, Aglaidas’s helper, was put to shame
By Justina’s pious faith;
She showed me how vain my art was.
Many a sleepless night I spent there
And tormented myself with sorcery.
For ten weeks the prince of spirits
Besieged the maiden’s heart. Eros had, alas!
Wounded not Aglaidas alone,
But love’s frenzy seized me too.

[ 9 ] Und aus dieser Verwirrung, in die ihn die alte Welt gebracht hatte, wird Cyprianus geheilt durch den Christus-Impuls — es ist etwas wie eine Abschattung, nur in eine größere dichterische Gewalt getaucht, was wir dann in der Faust-Dichtung vor uns haben —, indem er den alten Zauber von sich wirft, um den Christus-Impuls in seiner ganzen Größe zu verstehen. — An einer solchen Gestalt zeigt sich uns so recht, wie in den ersten christlichen Jahrhunderten gefühlt wurde, was wir uns in zweifacher Gestalt, manches wiederholend, jetzt vor die Seele geführt haben.

[ 9 ] And from this confusion into which the old world had led him, Cyprian is healed by the Christ impulse—it is something like a shadow, only steeped in a greater poetic power, which we then have before us in the Faust poem—by casting off the old magic in order to understand the Christ impulse in all its greatness. — In such a figure we truly see how things were felt in the early Christian centuries, which we have now brought before our souls in a twofold form, repeating many things.

[ 10 ] Eine dritte Gestalt, gleichsam ein dritter Aspekt des ChristusImpulses ist der, welcher uns so recht zeigen kann, wie wir durch das, was wir im ganzen Sinne des Wortes «Theosophie» nennen können, uns verbunden fühlen können mit allem, was menschlich ist. Das ist jener Aspekt, den einzig das Lukas-Evangelium schildert und der fortgewirkt hat in der Darstellung des Christus-Impulses, wie er vorbereitet wird durch das «Kind». In jener Liebe und Einfalt und zugleich Ohnmacht, wie uns das Kind Jesus im Lukas-Evangelium entgegentritt, war der Christus-Impuls geeignet, hingestellt zu werden vor alle Herzen. Alle konnten sich verwandt fühlen mit dem, was so einfach, so eben als Kind kindlich und doch so groß und gewaltig zu den Menschen sprach aus dem Kinde des Lukas-Evangeliums, das nicht dargestellt wird den magischen Königen, das dargestellt wird den armen Hirten des Feldes. Jenes Wesen des Matthäus-Evangeliums steht an der Spitze des Menschheitswerdens, und huldigend kommen geistige Könige, magische Könige. Das Kind des Lukas-Evangeliums steht in Einfachheit da, ausgeschlossen von der Menschheitsentwickelung, als Kind zunächst, von keinen Großen empfangen, aber empfangen von den Hirten des Feldes. Nicht so steht es drinnen im Menschheitswerden, das Kind des Lukas-Evangeliums, daß wir etwa im Lukas-Evangelium gleichsam selber darauf aufmerksam gemacht würden, wie die Bosheit der Welt sich aufgerufen fühlt gegen seine königliche Geistesmacht. Nein. Das aber tritt uns klar entgegen wenn auch nicht gleich des Herodes Gewalt und Bosheit uns entgegentritt —, daß das, was in diesem Kinde gegeben ist, so groß, so edel, so bedeutend ist, daß die Menschheit selber es nicht in ihre Reihen aufnehmen kann, daß es arm und verlassen von der Menschheitsentwickelung, wie in die Ecke geworfen erscheint und dadurch auf eine merkwürdige Weise seinen außermenschlichen, seinen göttlichen oder, was dasselbe ist, seinen kosmischen Ursprung uns zeigt. Und wie war dann dieses Lukas-Evangelium inspirierend für alle die, welche in zahlreichen künstlerischen und anderen Darstellungen Szenen, die eben durch das Lukas-Evangelium angeregt waren, immer wieder und wieder gegeben haben! Fühlen wir nicht gegenüber den anderen künstlerischen Darstellungen, daß jene künstlerischen Darstellungen, die Jahrhunderte hindurch durch das Lukas-Evangelium angeregt waren, uns den Jesus darstellen als ein Wesen, mit dem jeder Mensch, selbst der einfachste, sich verwandt fühlen könnte? Der einfachste Mensch lernte durch das, was durch den Lukas-Jesus-Knaben fortwirkte, das ganze Ereignis von Palästina wie ein Familienereignis fühlen, das ihn selber anging wie das Ereignis eines unmittelbar nahen Verwandten. Kein Evangelium hat so fortgewirkt wie das LukasEvangelium in seiner holdseligen Stimmung und Strömung, indem es der Menschenseele die Jesus-Wesenheit intim gemacht hat. Und doch, alles ist drinnen in dieser kindlichen Darstellung, alles, was drinnen sein soll in einem gewissen Aspekt des Christus-Impulses: daß das Höchste in der Welt, in der ganzen Welt, die Liebe ist; daß die Weisheit Großes ist, erstrebenswert ist, daß ohne Weisheit die Wesen nicht bestehen können, daß die Liebe aber etwas Größeres ist; daß die Macht und die Kraft, durch welche die Welt gezimmert ist, etwas Großes ist, ohne das die Welt nicht bestehen kann, daß die Liebe aber etwas Größeres ist. Derjenige fühlt nur den Christus-Impuls richtig, der auch das Höhere der Liebe gegenüber der Macht und der Stärke und der Weisheit fühlen kann. Weisheit müssen wir erstreben, vor allem als menschliche Geistindividualitäten, denn Weisheit gehört zu den göttlichen Impulsen der Welt. Und daß wir Weisheit erstreben müssen, daß Weisheit das heilige Gut sein muß, das uns vorwärtsbringt, das sollte ja gerade in der ersten Szene der «Prüfung der Seele» dargestellt werden, daß wir die Weisheit nicht versiegen lassen dürfen, daß wir sie pflegen müssen, um auf der Leiter der Menschheitsentwikkelung durch die Weisheit aufzusteigen. Aber überall, wo Weisheit ist, da ist ein Zweifaches: Weisheit der Götter, Weisheit der luziferischen Gewalten. Nahe kommt das Wesen, das nach Weisheit strebt, unter allen Bedingungen auch den Gegnern der Götter, der Schar des Lichtträgers, der Schar des Luzifer. Daher gibt es keine göttliche Allweisheit, weil der Weisheit immer gegenübersteht ein Opponent: der Luzifer.

[ 10 ] A third figure—a third aspect, as it were, of the Christ impulse—is the one who can truly show us how, through what we might call “theosophy” in the fullest sense of the word, we can feel connected to all that is human. This is the aspect that is described solely in the Gospel of Luke and that has continued to influence the portrayal of the Christ impulse as it is prepared by the “Child.” In that love and simplicity, and at the same time powerlessness, with which the child Jesus appears to us in the Gospel of Luke, the Christ impulse was able to be presented before all hearts. Everyone could feel a kinship with what spoke to people so simply, so childlike, and yet so great and powerful from the child of the Gospel of Luke—a child who is not presented to the Magi, but to the poor shepherds in the fields. That being of the Gospel of Matthew stands at the pinnacle of humanity’s development, and spiritual kings, magical kings, come to pay homage. The child of the Gospel of Luke stands there in simplicity, excluded from humanity’s development, as a child at first, not received by any of the great ones, but received by the shepherds of the field. The child of the Gospel of Luke does not stand in this way within the process of human evolution, such that we might, as it were, be made aware in the Gospel of Luke itself of how the wickedness of the world feels compelled to rise up against his royal spiritual power. No. But this does become clear to us—even if Herod’s violence and wickedness do not immediately confront us—that what is given in this child is so great, so noble, so significant that humanity itself cannot accept it into its ranks, that it appears poor and abandoned by human development, as if cast into a corner, and thereby reveals to us in a remarkable way its extra-human, its divine, or, which is the same thing, its cosmic origin. And how inspiring, then, was this Gospel of Luke for all those who, in numerous artistic and other depictions, have time and again rendered scenes inspired precisely by the Gospel of Luke! Do we not feel, when comparing it to other artistic representations, that those artistic depictions inspired by the Gospel of Luke over the centuries portray Jesus as a being with whom every human being, even the simplest, could feel a kinship? Through what continued to work through the boy Jesus of Luke, even the simplest person learned to feel the entire event in Palestine as a family event that concerned him personally, like the event of a very close relative. No Gospel has had such a lasting effect as the Gospel of Luke, with its gentle mood and spirit, in making the essence of Jesus intimate to the human soul. And yet, everything is contained in this childlike depiction, everything that ought to be contained in a certain aspect of the Christ impulse: that the highest thing in the world, in the whole world, is love; that wisdom is great, is something to be striven for, that without wisdom beings cannot exist, but that love is something greater; that the power and strength through which the world is built is something great, without which the world cannot exist, but that love is something greater. Only those who can also feel the higher nature of love in relation to power, strength, and wisdom truly grasp the Christ impulse. We must strive for wisdom, above all as human spiritual individuals, for wisdom belongs to the divine impulses of the world. And that we must strive for wisdom, that wisdom must be the sacred good that propels us forward—this is precisely what was meant to be depicted in the very first scene of *The Trial of the Soul*: that we must not allow wisdom to dry up, that we must nurture it in order to ascend the ladder of human development through wisdom. But wherever there is wisdom, there is a duality: the wisdom of the gods, the wisdom of the Luciferic powers. The being that strives for wisdom comes close, under all conditions, even to the opponents of the gods—the host of the Light-bearer, the host of Lucifer. Therefore, there is no divine omniscience, because wisdom is always opposed by an adversary: Lucifer.

[ 11 ] Und die Macht und die Kraft! Durch die Weisheit wird die Welt begriffen, durch die Weisheit wird sie erschaut, wird sie erleuchtet; durch die Macht und die Kraft wird die Welt gezimmert. Alles, was zustande kommt, es kommt zustande durch die Macht und die Kraft, welche in den Wesen ist, und wir würden uns ausschließen von der Welt, wenn wir nicht unseren Anteil suchten an der Macht und der Kraft der Welt. Wir sehen diese Macht und Kraft der Welt, wenn der Blitz durch die Wolken zuckt, wir nehmen sie wahr, wenn der Donner rollt, wenn der Regen sich aus den Himmelsräumen herunterergießt auf die Erde, um sie zu befruchten, oder wenn die Sonnenstrahlen niederschießen, um die in der Erde schlummernden Pflanzenkeime hervorzuzaubern. In den Naturkräften, die auf die Erde niederwirken, sehen wir diese Macht und Kraft heilbringend als Sonnenschein, als Regen- und Wolkenkräfte; aber auf der anderen Seite sehen wir diese Macht und Kraft zum Beispiel in den Vulkanen, wie gegen die Erde selbst sich erhebend: Himmelskraft gegen Himmelskraft. Und wir schauen hinein in diese Welt, und wir wissen: Wenn wir selber Wesen des Weltalls sein wollen, so muß etwas von ihnen auch in uns wirken, wir müssen unseren Anteil an der Macht und der Kraft haben. Dadurch stehen wir in der Welt drinnen: die göttlichen und die ahrimanischen Gewalten durchleben und durchzucken uns. Die Allmacht ist nicht allmächtig, denn immer hat sie ihren Gegner Ahriman gegen sich.

[ 11 ] And power and strength! Through wisdom the world is understood; through wisdom it is perceived and illuminated; through power and strength the world is built. Everything that comes into being comes into being through the power and strength that is within beings, and we would exclude ourselves from the world if we did not seek our share in the power and strength of the world. We see this power and strength of the world when lightning flashes through the clouds; we perceive it when thunder rolls, when rain pours down from the heavens onto the earth to fertilize it, or when the sun’s rays shoot down to conjure forth the plant seeds slumbering in the earth. In the forces of nature that act upon the earth, we see this power and strength as life-giving—as sunshine, as the forces of rain and clouds; but on the other hand, we see this power and strength, for example, in volcanoes, as rising up against the earth itself: celestial power against celestial power. And we look into this world, and we know: if we ourselves wish to be beings of the universe, then something of them must also work within us; we must have our share of the power and force. Through this we stand within the world: the divine and the Ahrimanic forces live through us and flash through us. The omnipotence is not omnipotent, for it always has its adversary, Ahriman, against it.

[ 12 ] Zwischen ihnen — zwischen der Macht und der Weisheit — steht die Liebe, und wir fühlen, wenn sie richtige Liebe ist, daß sie einzig und allein göttlich ist. Von Allmacht, Allstärke können wir reden wie von einem Ideal; aber ihr steht gegenüber Ahriman. Von Allweisheit kann man sprechen wie von einem Ideal; aber ihr gegenüber steht die Kraft des Luzifer. «All-Liebe» zu sagen, erscheint absurd, denn sie ist keiner Steigerung fähig, wenn wir sie richtig üben. Weisheit kann klein sein sie kann vergrößert werden; Macht kann klein sein — sie kann vergrößert werden. Daher kann als Ideal gelten Allweisheit und Allmacht. Weltenliebe — wir fühlen, daß der Begriff der All-Liebe von ihr ausgeschlossen sein muß; denn Liebe ist etwas Einziges.

[ 12 ] Between them—between power and wisdom—stands love, and we feel, when it is true love, that it is divine and divine alone. We can speak of omnipotence and omnipotence as an ideal; but Ahriman stands opposed to them. One can speak of omniscience as an ideal; but the power of Lucifer stands opposed to it. To speak of “omni-love” seems absurd, for it is incapable of increase if we practice it correctly. Wisdom can be small—it can be increased; power can be small—it can be increased. Therefore, omniscience and omnipotence can be regarded as ideals. Love of the world—we feel that the concept of universal love must be excluded from it; for love is something unique.

[ 13 ] Gerade so wie im Lukas-Evangelium das Jesus-Kind vor uns hingestellt wird, so erscheint es uns als die Personifikation der Liebe; aber es erscheint uns als Personifikation der Liebe zwischen der Weisheit oder Allweisheit und Allmacht. Und im Grunde genommen erscheint es uns so, weil es eben Kind ist. Die Steigerung liegt nur darin, daß das Kind zu allem, was das Kind sonst hat, noch die Eigenschaft der Verlassenheit, des Hinausgeworfenseins in eine Menschheitsecke hat. Den Wunderbau des Menschen, wir sehen ihn schon im kindlichen Organismus veranlagt. Wo wir im weiten Weltenall das Auge hinwenden, es gibt nichts, das so sehr nur durch Weisheit zustande kommt wie dieser Wunderbau, der uns, noch dazu unverdorben, im kindlichen Organismus vor Augen tritt. Und so, wie im Kinde erscheint, was Aliweisheit im physischen Leibe ist, so erscheint sie dann auch an seinem Ätherleibe, wo die Weisheit von kosmischen Mächten sich ausdrückt, so im Astralleibe, und so im Ich. Wie ein Extrakt der Weisheit, so liegt das Kind da. Und wenn es gleichsam in eine Ecke geworfen ist, wie das Kind Jesus, dann fühlen wir: Abgesondert liegt ein Bild von Vollkommenheit da: die konzentrierte Weltenweisheit.

[ 13 ] Just as the Gospel of Luke presents the infant Jesus to us, so he appears to us as the personification of love; but he appears to us as the personification of the love between wisdom—or omniscience—and omnipotence. And, fundamentally, he appears to us this way precisely because he is a child. The intensification lies solely in the fact that, in addition to everything else a child possesses, the child also possesses the quality of abandonment, of having been cast out into a corner of humanity. The miraculous structure of the human being—we already see it predisposed in the child’s organism. Wherever we turn our gaze in the vast universe, there is nothing that comes about so much through wisdom alone as this marvelous structure, which appears before our eyes, unspoiled, in the child’s organism. And just as what is universal wisdom in the physical body appears in the child, so it also appears in its etheric body, where the wisdom of cosmic powers expresses itself, and likewise in the astral body, and in the I. Like an extract of wisdom, the child lies there. And when it is, as it were, cast into a corner, like the child Jesus, then we feel: there lies, set apart, an image of perfection: the concentrated wisdom of the worlds.

[ 14 ] Aber auch die Allmacht erscheint uns personifiziert, wenn das Kind so daliegt, wie es uns im Lukas-Evangelium geschildert wird. Wie es mit der Allmacht im Verhältnisse zu dem Kindesleib und dem Kindeswesen beschaffen ist, das fühlt der, der die ganze Kraft dessen in seiner Seele sich vergegenwärtigt, was göttliche Mächte und Naturkräfte vollbringen können. Man vergegenwärtige sich die Gewalt der Naturmächte und -kräfte nahe der Erde, wenn die Wetter walten; man vergegenwärtige sich die Naturmächte, die drunten in der Erde walten, stürmisch und bewegt; man denke sich das ganze Brodeln der Weltenmächte und Weltenkräfte, alles dessen, was von den guten Mächten und den ahrimanischen Mächten zusammenstürmt; man denke sich, wie es wütet und wühlt. Und nun denke man sich, daß alles, was so durcheinanderstürmt, von einem kleinen Plätzchen der Welt hinweggeschoben wird, damit an diesem kleinen Plätzchen der Wunderbau des Kinderkörpers liegen kann, um einen kleinen Körper auszusondern: denn geschützt muß der Kindeskörper sein; wäre er nur einen Augenblick der Gewalt der Naturmächte ausgesetzt, er würde hinweggefegt! Da fühlt man das Hineingestelltsein in die Allmacht. Und man fühlt jetzt, wie die Menschenseele empfinden kann, wenn sie unbefangen auf das hinschaut, was das Lukas-Evangelium also ausdrückt: Man gehe mit Weisheit heran an diese konzentrierte Weisheit des Kindes, man gehe mit der größten Menschenweisheit an sie heran: Spott und Torheit ist diese Weisheit! Denn so groß kann sie doch nie sein, wie die aufgewendete Weisheit war, damit der Kindesleib vor uns liegen kann. Die höchste Weisheit bleibt Torheit und muß scheu stehen vor diesem Kindesleib und verehren himmlische Weisheit, aber sie weiß, daß sie an jene nicht herankommen kann: Spott nur ist diese Weisheit, zurückgestoßen muß sie sich fühlen in ihrer eigenen Torheit.

[ 14 ] But omnipotence, too, appears to us as a person when the child lies there as described in the Gospel of Luke. The nature of omnipotence in relation to the child’s body and being is felt by those who bring to mind in their souls the full power of what divine and natural forces are capable of accomplishing. Let one imagine the might of the natural forces and powers close to the earth when the elements rage; let us picture the natural forces that rage and surge deep within the earth; let us imagine the entire seething of the world’s powers and forces, all that is surging together from the good powers and the Ahrimanic powers; let us imagine how it rages and churns. And now imagine that everything that is rushing about in such chaos is pushed aside from a tiny spot on the world so that the miraculous structure of the child’s body can lie in this tiny spot to form a small body: for the child’s body must be protected; were it exposed to the violence of the forces of nature for even a moment, it would be swept away! There one feels one’s placement within the omnipotence. And one now feels how the human soul can perceive when it looks impartially upon what the Gospel of Luke thus expresses: Let one approach this concentrated wisdom of the child with wisdom, let one approach it with the greatest human wisdom: This wisdom is mockery and folly! For it can never be as great as the wisdom expended so that the child’s body might lie before us. The highest wisdom remains folly and must stand in awe before this child’s body and revere heavenly wisdom, yet it knows that it cannot approach it: this wisdom is but mockery; it must feel repelled in its own folly.

[ 15 ] Nein, mit Weisheit kommen wir nicht an das heran, was uns als das Jesus-Wesen im Lukas-Evangelium hingestellt wird. Kommen wir mit Macht heran?

[ 15 ] No, wisdom alone cannot bring us close to what is presented to us as the essence of Jesus in the Gospel of Luke. Can power bring us close?

[ 16 ] Wir kommen nicht mit Macht heran. Denn Macht anzuwenden, hat nur einen Sinn, wo Gegenmacht sich geltend macht. Das Kind aber begegnet uns — ob wir viel, ob wir wenig Macht anwenden wollen — mit seiner Ohnmacht und spottet in seiner Ohnmacht unserer Macht! Denn es hätte keine Bedeutung, mit der Macht an das Kind heranzukommen, da es uns nichts als Ohnmacht entgegenstellt.

[ 16 ] We cannot approach the child with power. For the use of power makes sense only where a countervailing power asserts itself. But the child confronts us—whether we wish to use much or little power—with its powerlessness and, in its powerlessness, mocks our power! For it would be meaningless to approach the child with power, since it opposes us with nothing but powerlessness.

[ 17 ] Das ist das Wunderbare, daß uns der Christus-Impuls, indem er uns in seiner Vorbereitung in dem Kind Jesus hingestellt wird, gerade in dieser Weise im Lukas-Evangelium entgegentritt, daß wir, und wären wir noch so weise, mit unserer Weisheit nicht herankommen können, mit unserer Macht ebensowenig herankommen können. Alles, was uns sonst mit der Welt verbindet, es kann nicht herankommen an das Kind Jesus, wie es im Lukas-Evangelium geschildert wird. Eines kann nur herankommen — nicht Weisheit, nicht Macht: Liebe. Und diese in unbegrenzter Art dem kindlichen Wesen entgegenzubringen, das ist das einzig mögliche. Die Macht der Liebe, und die alleinige Rechtfertigung und die alleinige Bedeutung der Liebe, das ist es, was wir so tief fühlen können, wenn wir das Lukas-Evangelium auf unsere Seele wirken lassen.

[ 17 ] The marvelous thing is that the Christ impulse, by being presented to us in the child Jesus as part of its preparation, confronts us in the Gospel of Luke in precisely this way: that we, no matter how wise we may be, cannot approach it with our wisdom, nor can we approach it with our power. Everything else that connects us to the world cannot come close to the child Jesus as he is portrayed in the Gospel of Luke. Only one thing can come close—not wisdom, not power: love. And to offer this love in an unlimited way to the childlike being—that is the only thing possible. The power of love, and the sole justification and sole meaning of love—that is what we can feel so deeply when we allow the Gospel of Luke to take effect upon our souls.

[ 18 ] Wir leben in der Welt, und keiner darf der Impulse der Welt spotten. Es hieße seine Menschheit verleugnen und die Götter betrügen, wollte man nicht nach Weisheit streben. Jeder Tag und jede Stunde des Jahres ist gut angewendet, wo wir uns klar werden, daß es unsere Menschheitspflicht ist, nach Weisheit zu streben. Jeder Tag und jede Stunde des Jahres zwingen uns aber auch, daß wir gewahr werden, wie wir in die Welt hineingestellt sind und ein Spiel der Kräfte und Mächte der Welt sind, der die Welt durchpulsenden Allmacht. Aber einen Augenblick gibt es, wo wir es vergessen dürfen und uns dessen erinnern, was das Lukas-Evangelium vor uns hinstellt: wo wir des Kindes gedenken, das noch ohnmächtiger ist und noch weisheitsvoller als andere Menschenkinder, und dem gegenüber die höchste Liebe in ihrer Berechtigung sich darstellt, dem gegenüber die Weisheit stillestehen muß, dem gegenüber die Macht stillestehen muß.

[ 18 ] We live in the world, and no one should scoff at the world’s impulses. To refrain from striving for wisdom would be to deny one’s humanity and to deceive the gods. Every day and every hour of the year is well spent when we realize that it is our human duty to strive for wisdom. But every day and every hour of the year also compels us to become aware of how we are placed within the world and are a plaything of the world’s forces and powers, of the omnipotence that pulses through the world. But there is a moment when we may forget this and remember what the Gospel of Luke sets before us: when we remember the child who is even more powerless and yet wiser than other human children, before whom the highest love reveals its justification, before whom wisdom must stand still, before whom power must stand still.

[ 19 ] So können wir so recht fühlen, welche Bedeutung es hat, daß gerade dieses von den einfachen Hirten empfangene Christus-Kind als der dritte Aspekt des Christus-Impulses vor uns hingestellt wird: neben dem großen kosmischen Aspekt, neben dem geistköniglichen Aspekt der kindliche Aspekt. Der geistkönigliche Aspekt tritt an uns so heran, daß wir an die höchste Weisheit erinnert werden, und daß das Ideal höchster Weisheit vor uns hingestellt wird. Der kosmische Aspekt tritt so vor uns hin, daß wir wissen, daß durch ihn die ganze Richtung der Erdenentwickelung neu gestaltet wird. Höchste Macht durch den kosmischen Impuls zeigt sich vor uns, höchste Macht so groß, daß sie selbst den Tod besiegt. Was als Drittes hinzukommen muß zu Weisheit und Macht und sich in unsere Seele senken muß als das über die beiden Hinausgehende, es wird uns als das dargestellt, von dem die Menschheitsentwickelung auf der Erde, auf dem physischen Plane ausgeht. Und das hat genügt, um der Menschheit durch die immer wiederkehrende Darstellung der Jesus-Geburt in der Weihenacht die ganze Bedeutung der Liebe in der Welt- und MenschheitsentwickeJung nahezubringen. So ist es in der Weihenacht, daß vor uns hingestellt wird die Geburt des Jesus-Kindes, daß aber geboren werden kann in jeder Weihenacht durch den Anblick dieser Geburt des Jesus-Kindes in unserer Seele das Verständnis echter, wahrer, alles übertönender Liebe. Und wenn in der rechten Weise in der Weihenacht Verständnis der Empfindung der Liebe in unserer Seele erwacht, wenn wir diese Christus-Geburt feiern: das Erwachen der Liebe —, dann kann von jenem Augenblicke, den wir erleben, das ausstrahlen, was wir für die übrigen Tage und Stunden des Jahres brauchen, auf daß gesegnet und damit durchtränkt werde das, was wir an jedem Tage und in jeder Stunde des Jahres an Weisheit anstreben können.

[ 19 ] In this way, we can truly appreciate the significance of the fact that it is precisely this Christ Child, received by the simple shepherds, that is presented to us as the third aspect of the Christ impulse: alongside the great cosmic aspect and the spiritual-royal aspect, the childlike aspect. The spiritual-royal aspect approaches us in such a way that we are reminded of the highest wisdom, and that the ideal of highest wisdom is set before us. The cosmic aspect stands before us in such a way that we know that through it the entire direction of Earth’s development is being reshaped. Supreme power through the cosmic impulse is revealed to us, supreme power so great that it even conquers death. What must be added as a third element to wisdom and power, and must sink into our soul as that which transcends both, is presented to us as the source from which human development on Earth, on the physical plane, proceeds. And this has been enough to convey to humanity, through the ever-recurring depiction of the birth of Jesus on Christmas Eve, the full significance of love in the development of the world and humanity. Thus, on Christmas Eve, the birth of the Christ Child is set before us; yet through the sight of this birth of the Christ Child in our soul, an understanding of genuine, true, all-encompassing love can be born in us every Christmas Eve. And if, in the right way, an understanding of the feeling of love awakens in our soul on Christmas Eve, as we celebrate this birth of Christ— the awakening of love—then from that moment we experience, what we need for the remaining days and hours of the year may radiate forth, so that what we can strive for in wisdom on every day and in every hour of the year may be blessed and thus imbued with it.

[ 20 ] In einer merkwürdigen Weise hat gerade durch diese Betonung des Liebe-Impulses das Christentum sich schon in der Römerzeit in die Menschheitsentwickelung hineingestellt: daß etwas gefunden werden kann in den Menschenseelen, wo sich die Seelen einander nahekommen, indem sie nicht berühren, was die Welt den Menschen gibt, sondern was die Menschenseelen durch sich selber haben. Man hatte immer das Bedürfnis, ein solches Nahekommen der Menschheit in Liebe zu haben. Aber als das Mysterium von Golgatha herankam, wozu war es da in der römischen Welt geworden? Zu den Saturnalien war es geworden. In den Dezembertagen, vom siebzehnten ab, begannen die Saturnalien, wo die Rang- und Ständeunterschiede aufgehoben waren. Da stand nur der Mensch dem Menschen gegenüber, hoch und niedrig hörte auf, alles redete sich mit Du an. Was von der äußeren Welt kam, das war hinweggefegt. Aber zum Scherz und Spaß schenkte man dann auch den Kindern die «Saturnaliengeschenke», die dann später zu unseren Weihnachtsgeschenken wurden. Daß man zum Scherz, zum Spaß, seine Zuflucht nehmen muß, wenn man über die sonst herrschenden Unterscheidungen hinauskommen will, dazu war das alte Römertum gekommen.

[ 20 ] In a remarkable way, it was precisely through this emphasis on the impulse of love that Christianity had already inserted itself into the development of humanity during the Roman era: that something can be found in human souls where souls draw close to one another, not by touching what the world gives to people, but by what human souls possess through themselves. There had always been a need for such a coming together of humanity in love. But as the Mystery of Golgotha approached, what had it become in the Roman world? It had become the Saturnalia. In the days of December, beginning on the seventeenth, the Saturnalia began, when distinctions of rank and class were set aside. There, only human being stood before human being; high and low ceased to exist; everyone addressed one another informally. Whatever came from the outer world was swept away. But as a jest and for fun, people would also give the children “Saturnalia gifts,” which later became our Christmas gifts. Ancient Rome had come to the point where one had to take refuge in jest and fun if one wanted to transcend the distinctions that otherwise prevailed.

[ 21 ] Mitten hinein stellte sich um diese Zeit das Neue, wo die Menschen nicht den Scherz und den Spaß, sondern das Höchste in ihrer Seele, das Geistige aufrufen. So stellte sich das Gleichfühlen von Mensch zu Mensch in das Christentum hinein zu jener Zeit, in welcher es in Rom die ausgelassene Gestalt der Saturnalien angenommen hat. Das aber bezeugt uns auch den Aspekt der Liebe, der allgemeinen Menschenliebe, die von Mensch zu Mensch walten kann, wenn wir den Menschen in seinem Tiefsten erfassen. Wir erfassen ihn zum Beispiel in seinem Tiefsten, wenn das Kind am Weihnachtsabend wartet des Kommens des Weihnachtskindes oder des Weihnachtsengels. Wie wartet denn das Kind dann? Es wartet so auf das Kommen des Weihnachtskindes oder des Weihnachtsengels, daß es weiß: Der kommt nicht aus Menschenlanden her; der kommt aus der geistigen Welt her! Es ist eine Art von Verständnis der geistigen Welt, in dem sich das Kind ähnlich erweist mit den Erwachsenen. Denn auch die wissen dasselbe, was das Kind weiß: daß der Christus-Impuls aus höheren Welten in die Erdenentwickelung hineingekommen ist! Und so tritt nicht nur das Kind des Lukas-Evangeliums vor unsere Seele geistig in der Weihenacht, sondern es tritt das, was die Weihenacht an das menschliche Herz heranbringen soll, in schönster Weise auch vor jede Kindesseele — und vereinigt Kindesverständnis mit Erwachsenenverständnis. Alles, was das Kind fühlen kann, wenn es nur anfängt, überhaupt etwas denken zu können, das ist der eine Pol. Und der andere Pol ist das, was wir fühlen können in unseren höchsten geistigen Angelegenheiten, was wir fühlen können, wenn wir treu hingegeben sind jenem Impuls, der im Ausgangspunkte unserer heutigen Betrachtung erwähnt worden ist, wo wir den Willen entwickeln zu dem, was wir in der nun zu schaffenden Anthroposophischen Gesellschaft als ein geistiges Licht erstreben. Denn auch da wollen wir, daß dasjenige, was in die Menschheitsentwickelung hereinkommen soll, von etwas getragen werde, was aus geistigen Reichen als ein Impuls zu uns hereinkommt. Und ebenso wie das Kind fühlt gegenüber dem Weihnachtsengel, der ihm seine Weihnachtsgeschenke bringt — es fühlt sich verbunden mit dem Spirituellen, in seiner naiven Art —, so dürfen wir uns verbinden mit dem Spirituellen, das wir in der Weihenacht ersehnen als den Impuls, der das bringen kann, was wir als ein so hohes Ideal erstreben. Und finden wir uns in diesem Kreise in solcher Liebe vereinigt, wie sie hereinströmen kann aus dem richtigen Verständnis der Weihenacht, dann werden wir erreichen können, was erreicht werden sollte durch unsere Anthroposophische Gesellschaft, durch unser anthroposophisches Ideal. Wir werden das, was erreicht werden soll, in vereinigter Arbeit erreichen, wenn ein Strahl jener Liebe von Mensch zu Mensch uns erfassen kann, über den wir belehrt werden können, wenn wir uns in richtiger Weise dem Verständnis der Werhenacht hingeben.

[ 21 ] Around this time, something new emerged: people were no longer seeking jest and merriment, but rather the highest aspect of their souls—the spiritual. Thus, a sense of empathy between human beings took root in Christianity at a time when it had taken on the exuberant form of the Saturnalia in Rome. But this also testifies to the aspect of love, of universal human love, that can prevail from person to person when we grasp the human being in their deepest essence. We grasp them in their deepest essence, for example, when a child waits on Christmas Eve for the coming of the Christ Child or the Christmas angel. How, then, does the child wait? It waits for the coming of the Christ Child or the Christmas angel in such a way that it knows: He does not come from the realm of human beings; he comes from the spiritual world! It is a kind of understanding of the spiritual world in which the child proves to be similar to the adults. For they, too, know the same thing that the child knows: that the Christ impulse has entered into the development of the Earth from higher worlds! And so it is not only the child of the Gospel of Luke who appears spiritually before our soul on Christmas Eve, but what Christmas Eve is meant to bring to the human heart also appears in the most beautiful way before every child’s soul—uniting a child’s understanding with an adult’s understanding. Everything a child can feel, as soon as it begins to be able to think at all, is one pole. And the other pole is what we can feel in our highest spiritual matters, what we can feel when we are faithfully devoted to that impulse mentioned at the outset of our present reflection, where we develop the will toward what we strive for as a spiritual light in the Anthroposophical Society now to be established. For here, too, we want that which is to enter into human development to be carried by something that comes to us as an impulse from the spiritual realms. And just as a child feels toward the Christmas angel who brings him his Christmas gifts—he feels connected to the spiritual, in his naive way—so may we connect with the spiritual that we long for on Christmas Eve as the impulse that can bring what we strive for as such a high ideal. And if we find ourselves united in this circle in such love as can flow in from the right understanding of the Holy Night, then we will be able to achieve what should be achieved through our Anthroposophical Society, through our anthroposophical ideal. We will achieve what is to be achieved through united effort if a ray of that love from human to human can touch us—a love about which we can be taught when we devote ourselves in the right way to the understanding of Christmas Night.

[ 22 ] So ist es für diejenigen der lieben Freunde, die heute abend mit uns vereinigt sind, gewissermaßen ein Vorzug des Gefühles, den sie haben dürfen. Wenn sie auch nicht da oder dort, verbunden mit dem oder jenem, in der im gegenwärtigen Zeitenzyklus üblichen Weise unter dem Weihnachtsbaume sitzen, so sitzen diese unsere lieben Freunde doch unter dem Weihnachtsbaume. Und Sie alle, meine lieben Freunde, die Sie heute hier mit uns unter dem Weihnachtsbaume die Weihenacht begehen, versuchen Sie in Ihren Seelen etwas von der Empfindung wachzurufen, die uns beschleichen kann, wenn wir fühlen, wie wir gerade aus dem Grunde hier versammelt sind, damit wir jetzt schon lernen jene Impulse der Liebe in unserer Seele zu verwirklichen, die einst in fernerer und immer fernerer Zukunft immer mehr kommen müssen, wenn der Christus-Impuls, an den uns so schön die Weihenacht gemahnt, mit immer größerer und größerer Stärke, mit immer größerer und größerer Macht und mit immer tieferem und tieferem Verständnis in die Menschheitsentwickelung eingreift. Er wird ja nur eingreifen, wenn sich Seelen finden, die ihn in seiner ganzen Bedeutung verstehen. Zum Verständnis gehört auf diesem Gebiete aber die Liebe, die wir als das Schönste in der Menschheitsentwickelung gerade dann in unseren Seelen ausgebären können, wenn wir an diesem Abend oder in dieser Nacht unsere Herzen durchdringen mit dem geistigen Hinblick auf das Jesus-Kind, das von der übrigen Menschheit ausgestoßen und in die Ecke geworfen, geboren in einem Stalle, uns bildlich vorgeführt wird: so gleichsam «von außen» zu der Menschheitsentwickelung hinzukommend, aufgenommen von den Einfachsten an Geistigkeit, von den armen Hirten. Wenn wir das, was von diesem Bilde an Liebesimpuls in unsere Seele sich ergießen kann, heute versuchen in unseren Seelen auszugebären, dann wird es die Kraft haben bei dem, was wir vollbringen wollen und was wir vollbringen sollen, beizutragen zu der Förderung der Aufgaben, die wir uns auf theosophischem Felde gesteckt haben, und die uns auf anthroposophischem Felde das Karma als tiefe und berechtigte Aufgaben gezeitigt hat.

[ 22 ] So, for those dear friends who are united with us this evening, it is, in a sense, a special privilege they are able to experience. Even if they are not sitting here or there, connected to this or that person, under the Christmas tree in the manner customary in the present cycle of time, these dear friends of ours are nevertheless sitting under the Christmas tree. And all of you, my dear friends, who are celebrating Christmas Eve here with us tonight under the Christmas tree, try to awaken in your souls something of the feeling that can come over us when we realize that we are gathered here precisely so that we may already begin to learn to actualize in our souls those impulses of love that must come ever more abundantly in a distant and ever more distant future, when the Christ impulse, of which Christmas Eve so beautifully reminds us, intervenes in human development with ever greater and greater strength, with ever greater and greater power, and with ever deeper and deeper understanding. For it will intervene only when souls are found who understand it in all its significance. But understanding in this realm requires love, which we can give birth to in our souls as the most beautiful aspect of human development precisely when, on this evening or this night, we fill our hearts with the spiritual vision of the Child Jesus, who is presented to us figuratively as having been cast out by the rest of humanity and thrown into a corner, born in a stable: coming, as it were, “from outside” to human development, received by those simplest in spirituality, by the poor shepherds. If we try to nurture in our souls today the impulse of love that can pour into us from this image, then it will have the power to contribute, in what we wish to accomplish and what we are called to accomplish, to the advancement of the tasks we have set for ourselves in the theosophical field, and which karma has bestowed upon us in the anthroposophical field as profound and rightful tasks.

[ 23 ] Nehmen wir es aus der heutigen Betrachtung der Weihenacht mit, daß wir uns sagen: wir seien versammelt gewesen, um diesen Impuls der Liebe mit hinauszunehmen nicht nur für kurze Zeit, sondern für all unser Streben, das wir uns vorgesetzt haben, so wie wir es verstehen können aus dem Geiste unserer Weltanschauung heraus.

[ 23 ] Let us take away from today’s reflection on Christmas Eve the realization that we have gathered here to carry this impulse of love with us—not just for a short time, but for all the endeavors we have set before us, as we understand them through the spirit of our worldview.