Human and Cosmic Thought
GA 151
21 January 1914, Berlin
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Human and Cosmic Thought, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Im Grunde genommen macht die Beschäftigung mit der Geisteswissenschaft ein nebenhergehendes, fortwährendes praktisches Leben in den geistigen Verrichtungen notwendig. Es ist eigentlich unmöglich, über die mancherlei Dinge, die gestern besprochen worden sind, zur völligen Klarheit zu kommen, wenn man nicht versucht, durch eine Art lebendigen Erfassens der Verrichtungen des geistigen Lebens, namentlich des denkerischen Lebens auch, mit den Dingen zurechtzukommen. Denn warum ist es im Geistesleben so, daß zum Beispiel Unklarheit herrscht über die Beziehungen der allgemeinen Begriffe, des Dreiecks im allgemeinen, zu den besonderen Vorstellungen der einzelnen Dreiecke bei Leuten, die sich gerade berufsmäßig denkerisch mit den Dingen beschäftigen? Woher kommen denn solche ganze Jahrhunderte beschäftigenden Dinge, wie das gestern angeführte Beispiel mit den hundert möglichen und den hundert wirklichen kantischen Talern? Woher kommt es denn, daß man die einfachsten Überlegungen nicht anstellt, die notwendig wären, um einzusehen, daß es so etwas wie eine pragmatische Geschichtsschreibung, wonach immer das Folgende aus dem Vorhergehenden sich herleitet, nicht geben kann? Woher kommt es, daß eine solche Überlegung nicht angestellt wird, die einen stutzig machen würde in bezug auf das, was in den weitesten Kreisen als eine eben unmögliche Art der Auffassung menschlicher Geschichte sich verbreitet hat? Woher kommen alle diese Dinge?
[ 1 ] Essentially, engaging with spiritual science requires a parallel, ongoing practical life of spiritual activity. It is actually impossible to achieve complete clarity regarding the various matters discussed yesterday unless one attempts to come to terms with them through a kind of living grasp of the activities of spiritual life, particularly intellectual life as well. For why is it the case in intellectual life that, for example, there is a lack of clarity regarding the relationship between general concepts—the triangle in general—and the specific conceptions of individual triangles among people who, by profession, engage with these matters intellectually? Where, then, do such things come from that have occupied entire centuries, such as the example cited yesterday regarding the hundred possible and the hundred actual Kantian talers? Why is it that one does not engage in the simplest of reflections, which would be necessary to realize that there cannot be such a thing as a pragmatic historiography, according to which the subsequent always derives from the preceding? Why is it that such a consideration is not made, one that would make one suspicious regarding what has spread in the widest circles as an impossible way of conceiving human history? Where do all these things come from?
[ 2 ] Sie kommen davon her, daß man sich wirklich auch dort, wo es sein sollte, viel zuwenig Mühe gibt, in einer präzisen Art die Verrichtungen des geistigen Lebens handhaben zu lernen. In unserer Zeit will ja jeder wenigstens das Folgende berechtigterweise beanspruchen können, er will sagen können: Denken, nun selbstverständlich, das kann man doch. Also fängt man an zu denken. Da gibt es Weltanschauungen in der Welt. Viele, viele Philosophen haben existiert. Man merkt, der eine hat dies, der andere jenes gesagt. Nun, daß das auch so halbwegs gescheite Leute waren, die auf vieles hätten aufmerksam werden können, was man selber als Widerspruch bei ihnen findet, darüber reflektiert man nicht, darüber denkt man nicht weiter nach. Aber man tut sich um so mehr darauf zugute, daß man doch «denken» kann. Also man kann nachdenken, was die Leute da gedacht haben, und ist überzeugt davon, daß man schon selber das Rechte finden werde. Denn man darf heute nicht auf Autorität etwas geben! Das widerspricht der Würde der Menschennatur. Man muß selber denken. Auf dem Gebiete des Denkens hält man das durchaus so.
[ 2 ] They stem from the fact that, even where it should be done, far too little effort is made to learn how to handle the tasks of intellectual life in a precise manner. In our time, everyone wants to be able to claim at least the following with good reason; they want to be able to say: Thinking—well, of course, anyone can do that. So one begins to think. There are worldviews in the world. Many, many philosophers have existed. One notices that one said this, another that. Now, the fact that these were also reasonably intelligent people who could have been aware of many things—which one oneself finds contradictory in them—is something one does not reflect upon, something one does not think about further. But one takes all the more credit for the fact that one can “think” after all. So one can ponder what those people thought, and is convinced that one will find the right answer oneself. For today one must not place any value on authority! That contradicts the dignity of human nature. One must think for oneself. In the realm of thought, one holds firmly to this view.
[ 3 ] Ich weiß nicht, ob die Leute sich überlegt haben, daß sie es auf allen anderen Gebieten des Lebens nicht so halten. So fühlt sich zum Beispiel keiner dem Autoritätsglauben oder der Autoritätssucht hingegeben, wenn er sich seinen Rock beim Schneider oder seine Schuhe beim Schuhmacher machen läßt. Er sagt nicht: Das ist unter der Würde des Menschen, daß man sich die Dinge von Menschen machen läßt, von denen man wissen kann, daß sie die entsprechenden Dinge handhaben können. Ja, man gibt vielleicht sogar zu, daß man diese Dinge lernen müsse. Bezüglich des Denkens gibt man das im praktischen Leben nicht zu, daß man Weltanschauungen auch haben müsse von dorther, wo man Denken und noch manches andere gelernt hat. Das wird man heute wirklich nur in den wenigsten Fällen zugeben.
[ 3 ] I don’t know if people have considered that they don’t act this way in any other area of life. For example, no one feels that they are succumbing to a belief in authority or a craving for authority when they have their coat made by a tailor or their shoes by a shoemaker. They don’t say: It is beneath human dignity to have things made by people whom one knows are capable of handling those particular tasks. Indeed, one might even admit that one must learn these things. When it comes to thinking, however, one does not admit in practical life that one must also derive one’s worldviews from the very places where one has learned to think and many other things. Today, one will truly admit this only in the rarest of cases.
[ 4 ] Das ist eines, was unser Leben in den weitesten Kreisen beherrscht, was geradezu dazu beiträgt, daß der menschliche Gedanke in unserer Zeit kein sehr verbreitetes Produkt ist. Ich denke, man könnte das ja auch begreiflich finden. Denn nehmen wir an, es würden einmal alle Menschen sagen: Stiefel machen lernen, das ist eine längst nicht mehr menschenwürdige Sache; wir machen einmal alle Stiefel - so weiß ich nicht, ob dabei lauter gute Stiefel herauskommen würden. Aber jedenfalls gehen in bezug auf das Prägen richtiger Gedanken in der Weltanschauung die Menschen in der Gegenwart meistens von dieser Ansicht aus. Das ist das eine, was dazu beiträgt, daß der Satz, den ich gestern gesprochen habe, schon seine tiefere Bedeutung hat: daß der Gedanke zwar dasjenige ist, in dem der Mensch sozusagen völlig drinnen ist und den er daher in seinem Innensein überschauen kann, daß aber der Gedanke nicht so verbreitet ist, als man denken möchte. Dazu kommt allerdings in unserer Zeit noch eine ganz besondere Prätention, die allmählich darauf hinauslaufen könnte, jede Klarheit über den Gedanken überhaupt zu trüben. Auch damit muß man sich beschäftigen. Man muß wenigstens einmal den Blick darauf wenden.
[ 4 ] This is something that dominates our lives in the broadest sense, something that actually contributes to the fact that human thought is not a very common phenomenon in our time. I think one could well find that understandable. For suppose everyone were to say one day: Learning to make boots is no longer a dignified pursuit; let’s all just make boots—I don’t know if that would result in nothing but good boots. But in any case, when it comes to shaping correct thoughts in one’s worldview, people today mostly proceed from this perspective. That is one factor contributing to the fact that the statement I made yesterday already has a deeper meaning: that while thought is indeed that in which the human being is, so to speak, completely immersed and which he can therefore survey within his inner being, thought is not as widespread as one might think. Added to this, however, is a very particular pretension in our time that could gradually lead to obscuring any clarity regarding thought altogether. This, too, must be addressed. One must at least turn one’s gaze toward it.
[ 5 ] Nehmen wir einmal folgendes an: Es hätte in Görlitz einen Schuhmacher namens Jakob Böhme gegeben. Und jener Schuhmacher namens Jakob Böhme hätte das Schuhmacherhandwerk gelernt, hätte gut gelernt, wie man Sohlen zuschneidet, wie man den Schuh über den Leisten formt, wie man Nägel in Sohlen und Leder hineintreibt und so weiter. Das hätte er alles aus dem Fundament heraus klar gewußt und gekonnt. Nun wäre dieser Schuhmacher namens Jakob Böhme hergegangen und hätte gesagt: Jetzt will ich einmal sehen, wie die Welt konstruiert ist. Nun, ich nehme einmal an, der Welt liegt zugrunde ein großer Leisten. Über diesen Leisten sei einmal das Weltenleder darübergezogen worden. Dann wären die Weltennägel genommen worden, und man hätte die Weltensohle durch Weltennägel in Verbindung gebracht mit dem Weltenlederüberzug. Dann hätte man die Weltenschuhwichse genommen und den ganzen Weltenschuh gewichst. So kann ich mir erklären, daß es am Morgen hell wird. Da glänzt eben die Schuhwichse der Welt. Und wenn diese Schuhwichse der Welt am Abend übertüncht ist von allem möglichen, so glänzt sie dann nicht mehr. Daher stelle ich mir vor, daß irgend jemand in der Nacht zu tun hat, um den Weltenstiefel neu zu wichsen. Und so entsteht der Unterschied zwischen Tag und Nacht. :
[ 5 ] Let’s assume the following: There was a shoemaker in Görlitz named Jakob Böhme. And this shoemaker named Jakob Böhme would have learned the shoemaking trade, would have learned well how to cut soles, how to shape the shoe over the last, how to drive nails into soles and leather, and so on. He would have known and mastered all of this from the ground up. Now this shoemaker named Jakob Böhme would have come along and said: Now I want to see how the world is constructed. Well, I suppose the world is based on a large last. The world’s leather was pulled over this last. Then the world’s nails were taken, and the world’s sole was fastened to the world’s leather covering with world’s nails. Then the world’s shoe polish was taken and the whole world’s shoe was polished. That is how I can explain why it gets light in the morning. That is simply the world’s shoe polish shining. And when this world’s shoe polish is smothered in the evening by all sorts of things, it no longer shines. Therefore, I imagine that someone is busy at night re-polishing the world’s boot. And that is how the difference between day and night arises. :
[ 6 ] Nehmen wir an, Jakob Böhme hätte dies gesagt. Ja, sie lachen, weil Jakob Böhme dies allerdings nicht gesagt hat, sondern er hat für die Görlitzer Bürgerschaft anständige Schuhe gemacht, hat dazu seine Schuhmacherkunst benutzt. Er hat aber auch seine grandiosen Gedanken entfaltet, durch die er eine Weltanschauung aufbauen wollte. Da hat er zu anderem gegriffen. Er hat sich gesagt: Da würden meine Gedanken des Schuhmachens nicht ausreichen; denn will ich Weltgedanken haben, so darf ich nicht Gedanken, durch die ich Schuhe mache für die Leute, auf das Weltgebäude anwenden. Und er ist zu seinen erhabenen Gedanken über die Welt gekommen. Also jenen Jakob Böhme, den ich zuerst in der Hypothese konstruiert habe, hat es in Görlitz nicht gegeben, sondern jenen anderen, der gewußt hat, wie man es macht.
[ 6 ] Let’s suppose Jakob Böhme had said this. Yes, you’re laughing because Jakob Böhme certainly didn’t say this; instead, he made decent shoes for the citizens of Görlitz, using his skill as a shoemaker. But he also developed his magnificent ideas, through which he sought to build a worldview. So he turned to something else. He told himself: My thoughts on shoemaking would not suffice here; for if I am to have thoughts about the world, I must not apply the thoughts through which I make shoes for people to the structure of the world. And he arrived at his sublime thoughts about the world. So that Jakob Böhme whom I first constructed in the hypothesis did not exist in Görlitz, but rather that other one who knew how to do it.
[ 7 ] Aber jene hypothetischen Jakob Böhmes, die so sind wie jener, über den Sie gelacht haben, die existieren heute überall. Da finden wir zum Beispiel Physiker, Chemiker. Sie haben die Gesetze gelernt, nach denen man Stoffe in der Welt verbindet und trennt. Da gibt es Zoologen, die haben gelernt, wie man Tiere untersucht und beschreibt. Da gibt es Mediziner, die haben gelernt, wie man den physischen Menschenleib und das, was sie die Seele nennen, zu behandeln hat. Was tun diese? Sie sagen: Wenn man eine Weltanschauung sich suchen will, so nimmt man die Gesetze, die man in der Chemie, in der Physik oder in der Physiologie gelernt hat - andere daß es nicht geben -, und daraus konstruiert man sich eine Weltanschauung. Genauso machen es diese Menschen, wie es der eben hypothetisch konstruierte Schuhmacher gemacht hätte, wenn er den Weltenstiefel konstruiert hätte. Nur merkt man heute nicht, daß methodisch die Weltanschauungen genau ebenso zustande kommen wie jener hypothetische Weltenstiefel. Es sieht allerdings etwas grotesk aus, wenn man sich den Unterschied von Tag und Nacht durch Abnutzen des Schuhleders und durch Wichsen in der Nacht vorstellt. Aber vor einer wahren Logik ist es im Prinzip genau dasselbe, als wenn man mit den Gesetzen der Chemie, der Physik, der Biologie und Physiologie ein Weltgebäude zustande bringen will. Ganz genau dasselbe Prinzip! Es ist die ungeheure Überhebung des Physikers, des Chemikers, des Physiologen, ‚des Biologen, die nichts anderes sein wollen als Physiker, Chemiker, Physiologen, Biologen und dennoch über die ganze Welt ein Urteil haben wollen.
[ 7 ] But those hypothetical Jakob Böhmes—people like the one you laughed at—are everywhere today. For example, there are physicists and chemists. They have learned the laws governing how substances in the world are combined and separated. There are zoologists who have learned how to study and describe animals. There are physicians who have learned how to treat the physical human body and what they call the soul. What do they do? They say: If one wants to seek a worldview, one takes the laws one has learned in chemistry, physics, or physiology—as if there were no others—and from these one constructs a worldview. These people do exactly the same thing as the hypothetically constructed shoemaker would have done if he had constructed the world boot. Only today one does not realize that, methodologically, worldviews come about in exactly the same way as that hypothetical world boot. It does look somewhat grotesque, however, when one imagines the difference between day and night through the wear and tear of the shoe leather and through masturbation at night. But in principle, from a true logical standpoint, it is exactly the same as when one attempts to construct a worldview using the laws of chemistry, physics, biology, and physiology. Exactly the same principle! It is the immense arrogance of the physicist, the chemist, the physiologist, and the biologist—who want to be nothing other than physicists, chemists, physiologists, and biologists, and yet still wish to pass judgment on the entire world.
[ 8 ] Es handelt sich eben überall darum, daß man den Dingen auf den Grund geht und daß man es auch nicht vermeidet, durch Zurückführung desjenigen, was nicht so durchsichtig ist, auf seine wahre Formel, ein wenig hineinzuleuchten in die Dinge. Wenn man also methodisch-logisch das alles ins Auge faßt, dann braucht man sich nicht zu verwundern, daß bei so vielen Weltanschauungsversuchen der Gegenwart eben nichts anderes herauskommt als der «Weltenstiefel». Und das ist so etwas, was hinweisen kann auf die Beschäftigung mit der Geisteswissenschaft und auf die Beschäftigung mit praktischen Denkverrichtungen, was einen geneigt machen kann, sich damit zu beschäftigen, wie man denken muß, damit man durchschauen kann, wo Unzulänglichkeiten in der Welt vorhanden sind.
[ 8 ] The point is simply that one must get to the bottom of things and not shy away from shedding a little light on them by reducing what is not so transparent to its true form. So if one considers all this methodically and logically, it is no surprise that so many contemporary attempts at a worldview yield nothing other than the “world boot.” And this is something that can point to engagement with spiritual science and with practical acts of thinking—which can incline one to consider how one must think in order to see through where inadequacies exist in the world.
[ 9 ] Ein anderes möchte ich anführen, um zu zeigen, wo die Wurzel unzähliger Mißverständnisse gegenüber den Weltauffassungen liegt. Macht man denn nicht, wenn man sich mit Weltanschauungen beschäftigt, immer wieder und wieder die Erfahrung: da glaubt der eine dieses, der andere jenes; der eine verteidigt mit manchmal guten Gründen - denn gute Gründe kann man für alles finden - das eine, der andere mit ebenso guten Gründen das andere; und der eine widerlegt das eine ebenso gut, wie der andere mit guten Gründen widerlegt? Anhängerschaften entstehen ja in der Welt zunächst nicht dadurch, daß der eine oder der andere auf gerechtem Wege überzeugt wird von dem, was da oder dort gelehrt wird. Nehmen Sie nur einmal die Wege, die die Schüler großer Männer wandeln müssen, um zu dem oder jenem großen Manne hinzukommen, dann werden Sie sehen, daß darin für uns zwar etwas Gewichtiges in bezug auf das Karma liegt, aber hinsichtlich der Anschauungen, die heute in der äußeren Welt existieren, muß man sagen: Ob der eine nun ein Bergsonianer oder ein Haeckelianer oder dies oder jenes wird, das ist — wie gesagt, Karma erkennt ja die heutige äußere Weltanschauung nicht an -, das ist schließlich wirklich von anderen Dingen abhängig als davon, daß man durchaus nur auf dem Wege der tiefsten Überzeugung dem anhängt, zu dem man gerade geführt worden ist. Gekämpft wird hinüber und herüber. Und ich habe gestern gesagt: Es gab einmal Nominalisten, solche Menschen, welche behaupteten, die allgemeinen Begriffe hätten überhaupt keine Realität, wären bloße Namen. Sie haben Gegner gehabt, diese Nominalisten. Man nannte in der damaligen Zeit - das Wort hatte damals eine andere Bedeutung als heute — die Gegner der Nominalisten Realisten. Diese behaupteten: Die allgemeinen Begriffe sind nicht bloß Worte, sondern sie beziehen sich auf eine ganz bestimmte Realität.
[ 9 ] I would like to cite another example to show where the root of countless misunderstandings regarding worldviews lies. When one engages with worldviews, does one not repeatedly find that one person believes this, another that; one defends one thing—sometimes with good reasons, for good reasons can be found for everything—while another defends the other with equally good reasons; and one refutes one thing just as well as the other refutes it with good reasons? After all, allegiances in the world do not initially arise because one or the other is justly convinced by what is taught here or there. Just consider the paths that the disciples of great men must walk in order to reach this or that great man, and you will see that while there is certainly something significant for us in this with regard to karma, as far as the views existing in the outer world today are concerned, one must say: Whether one becomes a Bergsonian or a Haeckelian or this or that—as I said, karma does not recognize today’s external worldview—ultimately depends on factors other than the fact that one adheres, through the deepest conviction, to the one to whom one has just been led. There is a struggle back and forth. And I said yesterday: There were once nominalists, people who claimed that general concepts had no reality at all, that they were mere names. These nominalists had opponents. At that time—the word had a different meaning then than it does today—the opponents of the nominalists were called realists. They claimed: General concepts are not merely words, but they refer to a very specific reality.
[ 10 ] Im Mittelalter wurde ja die Frage «Realismus oder Nominalismus» ganz besonders für die Theologie eine brennende auf einem Gebiete, das heute die Denker nur noch wenig beschäftigt. Denn in der Zeit, als die Frage «Nominalismus oder Realismus» auftauchte, im 11. bis 13. Jahrhundert, da war etwas, was zu dem wichtigsten menschlichen Bekenntnisse gehörte, die Frage nach den drei «göttlichen Personen», Vater, Sohn und Heiliger Geist, die ein göttliches Wesen bilden, die aber doch drei wahre Personen sein sollten. Und die Nominalisten behaupteten: Diese drei göttlichen Personen existieren nur im einzelnen, «Vater» für sich, «Sohn» für sich, «Geist» für sich; und wenn man von einem gemeinsamen Gotte spricht, der diese drei umfaßt, so ist das nur ein Name für die drei. - So schaffte der Nominalismus die Einheit in der Trinität hinweg, und die Nominalisten erklärten gegenüber den Realisten die Einheit nicht nur für logisch absurd, sondern sie hielten sogar für ketzerisch, was die Realisten behaupteten, daß die drei Personen nicht bloß eine gedachte, sondern eine reale Einheit bilden sollten.
[ 10 ] In the Middle Ages, the question of “realism or nominalism” was a particularly pressing one, especially in theology, in a field that today occupies thinkers only to a limited extent. For at the time when the question of “nominalism or realism” arose, in the 11th to 13th centuries, one of the most important tenets of the Christian faith was the question of the three “divine persons”—Father, Son, and Holy Spirit—who constitute a single divine being, yet are said to be three distinct persons. And the nominalists claimed: These three divine persons exist only individually, “Father” on his own, “Son” on his own, “Spirit” on his own; and when one speaks of a common God who encompasses these three, that is merely a name for the three. - Thus, nominalism abolished unity within the Trinity, and the nominalists declared to the realists that unity was not only logically absurd, but they even considered heretical the realists’ claim that the three Persons should form not merely a conceptual but a real unity.
[ 11 ] Nominalismus und Realismus waren also Gegensätze. Und wahrhaftig, wer sich in die Literatur vertieft, die aus dem Nominalismus und Realismus hervorgegangen ist in den gekennzeichneten Jahrhunderten, der bekommt einen tiefen Einblick in das, was menschlicher Scharfsinn aufbringen kann, denn sowohl für den Nominalismus wie für den Realismus sind die scharfsinnigsten Gründe aufgebracht worden. Es war ja damals schwieriger, ein solches Denken sich anzueignen, weil es damals noch keine Buchdruckerkunst gab und man durchaus nicht so leicht dazu kam, sich an solchen Streitigkeiten zu beteiligen, wie es zum Beispiel die zwischen Nominalisten und Realisten waren; so daß der, welcher sich an solchen Streiten beteiligte, im Sinne der damaligen Zeit viel besser vorbereitet sein mußte, als heute Menschen vorbereitet sind, die sich an den Streiten beteiligen. Eine Unsumme von Scharfsinn ist aufgeboten worden, um den Realismus zu verteidigen, eine andere Unsumme von Scharfsinn ist aufgeboten worden, um den Nominalismus zu verteidigen. Woher kommt so etwas? Es ist doch betrüblich, daß es so etwas gibt. Wenn man tiefer nachdenkt, muß man sagen, daß es betrüblich ist, daß es so etwas gibt. Denn man kann sich, wenn man tiefer nachdenkt, doch sagen: Was nützt es dir denn, daß du gescheit bist? Du kannst gescheit sein und den Nominalismus verteidigen, und du kannst ebenso gescheit sein und den Nominalismus widerlegen. Man kann irre werden an der ganzen menschlichen Gescheitheit! Es ist betrüblich, auch nur einmal hinzuhotchen auf das, was mit solchen Charakteristiken gemeint ist.
[ 11 ] Nominalism and realism were thus opposites. And truly, anyone who delves into the literature that emerged from nominalism and realism during the centuries in question gains a deep insight into what human acumen is capable of, for the most astute arguments have been advanced for both nominalism and realism. It was, after all, more difficult back then to acquire such a way of thinking, because the art of printing did not yet exist at that time, and it was by no means easy to become involved in such disputes as those between nominalists and realists; so that anyone who took part in such disputes had to be much better prepared, in the sense of that era, than people today who participate in such disputes. A vast amount of ingenuity has been mobilized to defend realism; another vast amount of ingenuity has been mobilized to defend nominalism. Where does such a thing come from? It is indeed sad that such a thing exists. If one thinks more deeply, one must say that it is sad that such a thing exists. For if one thinks more deeply, one can say to oneself: What good does it do you to be clever? You can be clever and defend nominalism, and you can be just as clever and refute nominalism. One can go mad over all this human cleverness! It is sad to even briefly consider what is meant by such characterizations.
[ 12 ] Nun wollen wir einmal dem eben Gesagten etwas gegenüberstellen, was vielleicht gar nicht einmal so scharfsinnig ist wie vieles, was für den Nominalismus oder für den Realismus aufgebracht worden ist, was aber vielleicht gegenüber dem vielen einen Vorzug hat: daß es geradenwegs auf das Ziel losgeht, das heißt, daß es die Richtung findet, in der man zu denken hart.
[ 12 ] Now let us contrast what has just been said with something that is perhaps not even as subtle as much of what has been advanced in favor of nominalism or realism, but which perhaps has one advantage over the rest: that it goes straight for the target, that is, it finds the direction in which one must think.
[ 13 ] Nehmen Sie einmal an, Sie versetzten sich in die Art, wie man allgemeine Begriffe bildet, wie man also eine Menge von Einzelheiten zusammenfaßt. Auf zweifache Weise kann man - zunächst an einem Beispiele - Einzelheiten zusammenfassen. Man kann da so, wie das der Mensch in seinem Leben tut, durch die Welt schlendern und eine Reihe gewisser Tiere sehen, welche seidig oder wollig, verschieden gefärbt sind, Schnauzhaare haben und die zu gewissen Zeiten eine eigentümliche, an das menschliche Waschen erinnernde Tätigkeit verrichten, die Mäuse fressen und so weiter. Man kann solche Wesen, die man so beobachtet hat, Katzen nennen. Dann hat man einen allgemeinen Begriff, Katze, gebildet. Alle diese Wesen, die man so gesehen hat, haben etwas zu tun mit dem, was man die Katzen nennt.
[ 13 ] Suppose you were to consider the way in which general concepts are formed—that is, the way in which a multitude of particulars is summarized. There are two ways—let’s start with an example—to summarize particulars. One can, just as people do in their lives, stroll through the world and see a series of certain animals that are silky or woolly, come in various colors, have whiskers, and at certain times perform a peculiar activity reminiscent of human washing, eat mice, and so on. One can call such creatures, which one has observed in this way, cats. Then one has formed a general concept, cat. All these creatures that one has seen in this way have something to do with what one calls cats.
[ 14 ] Aber nehmen wir an, man machte das Folgende. Man habe ein reiches Leben durchgemacht, und zwar ein solches Leben, das einen zusammengebracht hat mit recht vielen Katzenbesitzern oder -besitzerinnen, und dabei habe man gefunden, daß eine große Anzahl von Katzenbesitzern ihre Katze «Mufti» genannt haben. Da man das in sehr vielen Fällen gefunden hat, so faßt man alle die Wesen, die man mit dem Namen Mufti belegt gefunden hat, zusammen unter dem Namen «die Mufti». Äußerlich angesehen, haben wir den allgemeinen Begriff Katze und den allgemeinen Begriff Mufti. Dasselbe Faktum liegt vor, der allgemeine Begriff; und zahlreiche Einzelwesen gehöten beide Male unter den allgemeinen Begriff. Dennoch wird niemand behaupten, daß der allgemeine Begriff Mufti eine gleiche Bedeutung habe mit dem allgemeinen Begriffe Katze. Hier haben Sie in der Realität den Unterschied wirklich gegeben. Das heißt, bei dem, was man verübt hat, indem man den allgemeinen Begriff Mufti gebildet hat, der nur eine Zusammenfassung von Namen ist, die als Eigennamen gelten müssen, dabei hat man sich nach dem Nominalismus gerichtet und mit Recht; und indem man den allgemeinen Begriff Katze gebildet hat, hat man sich nach dem Realismus gerichtet und mit Recht. Für den einen Fall ist der Nominalismus richtig, für den anderen der Realismus. Beide sind richtig. Man muß nur diese Dinge in ihren richtigen Gebieten anwenden. Und wenn die beiden richtig sind, dann ist es nicht zu verwundern, wenn man gute Gründe für das eine oder das andere aufbringen kann. Ich habe nur ein etwas groteskes Beispiel mit dem Namen Mufti gebraucht. Aber ich könnte ein viel bedeutsameres Beispiel Ihnen anführen und will dieses Beispiel gerade einmal vor Ihnen ins Auge fassen.
[ 14 ] But let’s suppose the following scenario. Suppose one has lived a rich life—a life that has brought one into contact with quite a few cat owners—and in the course of that, one has found that a large number of cat owners have named their cat “Mufti.” Since this has been observed in so many cases, one groups together all the beings found to bear the name Mufti under the name “the Muftis.” Viewed from the outside, we have the general term “cat” and the general term “Mufti.” The same fact is present—the general term—and numerous individual beings belong to the general term in both cases. Nevertheless, no one would claim that the general term “Mufti” has the same meaning as the general term “cat.” Here, in reality, the difference truly exists. That is to say, in what one has done by forming the general concept “Mufti”—which is merely a collection of names that must be regarded as proper names—one has followed nominalism, and rightly so; and in forming the general concept “cat,” one has followed realism, and rightly so. In one case, nominalism is correct; in the other, realism. Both are correct. One must simply apply these things in their proper domains. And if both are correct, then it is not surprising that one can provide good reasons for one or the other. I have only used a somewhat grotesque example with the name “mufti.” But I could cite a much more significant example for you, and I would like to consider this example right here before you.
[ 15 ] Es gibt ein ganzes Gebiet im Umkreis unserer äußeren Erfahrung, für welches der Nominalismus, das heißt die Vorstellung, daß das Zusammenfassende nur ein Name ist, seine volle Berechtigung hat. Es gibt «eins», es gibt «zwei», es gibt «dei», «vier», «fünf» und so weiter. Aber unmöglich kann jemand, der die Sachlage überschaut, in dem Ausdruck «Zahl» etwas finden, was wirklich eine Existenz hat. Die Zahl hat keine Existenz. «Eins», «zwei», «drei», «fünf», «sechs» und so weiter, das hat Existenz. Das aber, was ich gestern gesagt habe, daß man, um den allgemeinen Begriff zu finden, das Entsprechende in Bewegung übergehen lassen soll, kann man bei dem Begriffe Zahl nicht machen. Denn die Eins geht nie in die Zwei über; man muß immer eins dazugeben. Auch nicht im Gedanken geht die Eins in die Zwei über, die Zwei in die Drei auch nicht. Es existieren nur einzelne Zahlen, nicht die Zahl im allgemeinen. Für das, was in den Zahlen vorhanden ist, ist der Nominalismus absolut richtig; für das, was so vorhanden ist wie das einzelne Tier gegenüber seiner Gattung, ist der Realismus absolut richtig. Denn unmöglich kann ein Hirsch und wieder ein Hirsch und wieder ein Hirsch existieren, ohne daß die Gattung Hirsch existiert. «Zwei» kann für sich existieren, «eins», «sieben» und so weiter kann für sich existieren. Insofern aber das Wirkliche in der Zahl auftritt, ist das, was Zahl ist, ein Einzelnes, und der Ausdruck Zahl hat keine irgendwie geartete Existenz. Ein Unterschied ist eben zwischen den äußeren Dingen und ihrer Beziehung zu den allgemeinen Begriffen, und das eine muß im Stile des Nominalismus, das andere im Stile des Realismus behandelt werden.
[ 15 ] There is an entire realm within the scope of our external experience for which nominalism—that is, the idea that the general concept is merely a name—is fully justified. There is “one,” there is “two,” there is “three,” “four,” “five,” and so on. But it is impossible for anyone who surveys the situation to find anything in the term “number” that truly has existence. The number has no existence. “One,” “two,” “three,” “five,” “six,” and so on—these have existence. But what I said yesterday—that to find the general concept, one must allow the corresponding element to pass into motion—cannot be done with the concept of number. For one never passes into two; one must always add one. Nor does one pass into two in thought, nor does two pass into three. Only individual numbers exist, not the number in general. For what is present in numbers, nominalism is absolutely correct; for what is present in the same way as the individual animal in relation to its genus, realism is absolutely correct. For it is impossible for a deer, and again a deer, and again a deer to exist without the genus “deer” existing. “Two” can exist in and of itself; “one,” “seven,” and so on can exist in and of themselves. But insofar as the real appears in the number, what is a number is an individual, and the term “number” has no existence of any kind. There is, in fact, a distinction between external things and their relation to general concepts, and the one must be treated in the style of nominalism, the other in the style of realism.
[ 16 ] Auf diese Weise kommen wir, indem wir den Gedanken einfach die richtige Richtung geben, zu etwas ganz anderem. Jetzt beginnen wir zu verstehen, warum so viele Weltanschauungsstreitigkeiten in der Welt existieren. Die Menschen sind im allgemeinen nicht geneigt, wenn sie eines begriffen haben, auch noch das andere zu begreifen. Wenn einer einmal auf einem Gebiete begriffen hat: Allgemeine Begriffe haben keine Existenz —, so verallgemeinert er das, was er erkannt hat, auf die ganze Welt und ihre Einrichtung. Dieser Satz: Allgemeine Begriffe haben keine Existenz - ist nicht falsch; denn er ist für das Gebiet, das der Betreffende angeschaut hat, richtig. Falsch ist nur die Verallgemeinerung. Es ist so wesentlich, wenn man überhaupt über das Denken sich eine Vorstellung machen will, daß man sich darüber klar wird, daß die Wahrheit eines Gedankens auf seinem Gebiete noch nichts aussagt über die allgemeine Gültigkeit eines Gedankens. Ein Gedanke kann durchaus auf seinem Gebiete richtig sein; aber nichts wird dadurch ausgemacht über die allgemeine Gültigkeit des Gedankens. Beweist man mir daher dieses oder jenes, und beweist man es mir noch so richtig, unmöglich kann es sein, dieses also Bewiesene auf ein Gebiet anzuwenden, auf das es nicht hingehört. Es ist daher notwendig, daß sich der, welcher sich ernsthaft mit den Wegen beschäftigen will, die zu einer Weltanschauung führen, vor allen Dingen damit bekannt macht, daß Einseitigkeit der größte Feind aller Weltanschauungen ist und daß es vor allen Dingen nötig ist, die Einseitigkeit zu meiden. Einseitigkeit müssen wir meiden. Das ist das, worauf ich insbesondere heute hindeuten will, wie wir nötig haben, Einseitigkeiten zu meiden.
[ 16 ] In this way, simply by steering our thoughts in the right direction, we arrive at something entirely different. Now we begin to understand why there are so many ideological disputes in the world. People are generally not inclined, once they have grasped one thing, to grasp the other as well. Once someone has grasped in one area that “general concepts have no existence,” they generalize what they have recognized to the entire world and its structure. This statement—“general concepts have no existence”—is not false; for it is true within the realm that the person in question has examined. Only the generalization is false. It is so essential, if one wishes to form any conception of thought at all, to realize that the truth of a thought within its own domain says nothing about the general validity of that thought. A thought may well be correct within its own domain; but this says nothing about the general validity of the thought. Therefore, even if one proves this or that to me—and proves it as correctly as possible—it is impossible to apply what has been proven to a domain to which it does not belong. It is therefore necessary that anyone who wishes to seriously engage with the paths leading to a worldview first and foremost familiarize themselves with the fact that one-sidedness is the greatest enemy of all worldviews and that, above all, it is necessary to avoid one-sidedness. We must avoid one-sidedness. That is what I wish to emphasize in particular today: how necessary it is for us to avoid one-sidedness.
[ 17 ] Fassen wir zunächst heute das, was in den nächsten Vorträgen im einzelnen seine Erklärung finden soll, so ins Auge, daß wir uns zunächst einen Überblick darüber verschaffen.
[ 17 ] Let us first take a look at what will be explained in detail in the following lectures, so that we can get an overview of it.
[ 18 ] Es kann Menschen geben, welche einmal so veranlagt sind, daß es ihnen unmöglich ist, den Weg zum Geiste zu finden. Es wird schwer werden, solchen Menschen das Geistige jemals zu beweisen. Sie bleiben bei dem stehen, wovon sie etwas wissen, wovon etwas zu wissen sie veranlagt sind. Sie bleiben, sagen wir, bei dem stehen, was den grobklotzigsten Eindruck auf sie macht, beim Materiellen. Ein solcher Mensch ist ein Materialist, und seine Weltanschauung ist Materialismus. Man hat nicht nötig, das, was von den Materialisten zur Verteidigung, zum Beweise des Materialismus aufgebracht worden ist, immer töricht zu finden, denn es ist ungeheuer viel Scharfsinniges auf diesem Gebiete geschrieben worden. Was geschrieben worden ist, das gilt zunächst für das materielle Gebiet des Lebens, gilt für die Welt des Materiellen und ihre Gesetze.
[ 18 ] There may be people who are so predisposed that it is impossible for them to find the path to the spiritual. It will be difficult to ever prove the spiritual to such people. They stick to what they know something about, to what they are predisposed to know something about. They stick, so to speak, to what makes the crudest impression on them: the material. Such a person is a materialist, and their worldview is materialism. One need not always regard as foolish what materialists have put forward in defense of, or as proof of, materialism, for an immense amount of astute writing has been produced in this field. What has been written applies first and foremost to the material realm of life, to the world of the material and its laws.
[ 19 ] Andere Menschen kann es geben, die sind durch eine gewisse Innerlichkeit von vornherein dazu veranlagt, in allem Materiellen nur die Offenbarung des Geistigen zu sehen. Sie wissen natürlich so gut wie die Materialisten, daß äußerlich Materielles vorhanden ist; aber sie sagen: Das Materielle ist nur die Offenbarung, die Manifestation des zugrunde liegenden Geistigen. Solche Menschen interessieren sich vielleicht gar nicht besonders für die materielle Welt und ihre Gesetze. Sie gehen vielleicht, indem sie in sich alles bewegen, was ihnen Vorstellungen vom Geistigen geben kann, mit dem Bewußtsein durch die Welt: Das Wahre, das Hohe, das, womit man sich beschäftigen soll, was wirklich Realität hat, ist doch nur der Geist; die Materie ist doch nur Täuschung, ist nur eine äußere Phantasmagorie. Es wäre das ein extremer Standpunkt, aber es kann ihn geben, und er kann bis zu einer völligen Leugnung des materiellen Lebens führen. Wir würden von solchen Menschen sagen müssen: Sie erkennen voll an, was allerdings das Realste ist, den Geist; aber sie sind einseitig, sie leugnen die Bedeutung des Materiellen und seiner Gesetze. Viel Scharfsinn wird sich aufbringen lassen, um die Weltanschauung solcher Menschen zu vertreten. Nennen wir die Weltanschauung solcher Menschen Spiritualismus. Kann man sagen, daß die Spiritualisten recht haben? Für den Geist werden ihre Behauptungen außerordentlich Richtiges zutage fördern können, doch über das Materielle und seine Gesetze werden sie vielleicht wenig Bedeutsames zutage fördern können. Kann man sagen, daß die Materialisten mit ihren Behauptungen recht haben? Ja, über die Materie und ihre Gesetze werden sie vielleicht außerordentlich Nützliches und Wertvolles zutage fördern können; wenn sie aber über den Geist sprechen, dann werden sie vielleicht nur Torheiten herausbringen. Wir müssen also sagen: Für ihre Gebiete haben die Bekenner dieser Weltanschauungen recht.
[ 19 ] There may be other people who, due to a certain inner disposition, are predisposed from the outset to see in all material things only the manifestation of the spiritual. Of course, they know just as well as materialists that material things exist externally; but they say: The material is merely the revelation, the manifestation of the underlying spiritual. Such people may not be particularly interested in the material world and its laws. They may go through the world, stirring within themselves everything that can give them ideas of the spiritual, with the awareness: The true, the high, that which one should concern oneself with, that which truly has reality, is after all only the spirit; matter is after all only an illusion, is only an external phantasmagoria. That would be an extreme standpoint, but it can exist, and it can lead to a complete denial of material life. We would have to say of such people: They fully recognize what is indeed the most real, the spirit; but they are one-sided; they deny the significance of the material and its laws. Much ingenuity can be mustered to defend the worldview of such people. Let us call the worldview of such people Spiritualism. Can one say that the Spiritualists are right? Regarding the spirit, their assertions may bring to light extraordinarily true insights; yet regarding the material and its laws, they may be able to bring to light little of significance. Can one say that the materialists are right in their assertions? Yes, regarding matter and its laws, they may be able to bring to light things that are extraordinarily useful and valuable; but when they speak of the spirit, they may produce nothing but nonsense. We must therefore say: within their respective domains, the adherents of these worldviews are right.
[ 20 ] Es kann Menschen geben, die sagen: Ja, ob es nun in der Welt der Wahrheit nur Materie oder nur Geist gibt, darüber kann ich nichts Besonderes wissen; darauf kann sich das menschliche Erkenntnisvermögen überhaupt nicht beziehen. Klar ist nur das eine, daß eine Welt um uns ist, die sich ausbreitet. Ob ihr das zugrunde liegt, was die Chemiker, die Physiker, wenn sie Materialisten werden, die Atome der Materie nennen, das weiß ich nicht. Ich erkenne aber die Welt an, die um mich herum ausgebreitet ist; die sehe ich, über die kann ich denken. Ob ihr noch ein Geist zugrunde liegt oder nicht, darüber etwas anzunehmen, habe ich keine besondere Veranlassung. Ich halte mich an das, was um mich herum ausgebreitet ist. — Solche Menschen kann man mit etwas anderer Wortbedeutung, als ich das Wort vorher brauchte, Realisten nennen und ihre Weltanschauung Realismus. Genau ebenso, wie man unendlichen Scharfsinn aufbringen kann für den Materialismus wie für den Spiritualismus und wie man daneben auch sehr Scharfsinniges über den Spiritualismus und die größten Torheiten über das Materielle sagen kann, wie man sehr scharfsinnig über die Materie und sehr töricht über das Spirituelle sprechen kann, so kann man die scharfsinnigsten Gründe für den Realismus aufbringen, der weder Spiritualismus noch Materialismus ist, sondern das, was ich eben jetzt charakterisiert habe.
[ 20 ] There may be people who say: Yes, whether there is only matter or only spirit in the world of truth, I cannot know anything specific about that; human cognitive faculties cannot address this at all. The only thing that is clear is that there is a world around us that extends outwards. Whether it is based on what chemists and physicists—when they become materialists—call the atoms of matter, I do not know. But I acknowledge the world that is spread out around me; I see it, and I can think about it. Whether or not a spirit underlies it, I have no particular reason to assume anything about that. I stick to what is spread out around me. — Such people can be called realists, using the word in a slightly different sense than I used it before, and their worldview can be called realism. Just as one can muster infinite acumen for materialism as well as for spiritualism, and just as one can also say very astute things about spiritualism and the greatest follies about the material, just as one can speak very astutely about matter and very foolishly about the spiritual, so one can bring forth the most astute arguments for realism, which is neither spiritualism nor materialism, but rather what I have just characterized.
[ 21 ] Es kann aber noch andere Menschen geben, die etwa folgendes sagen. Um uns herum ist die Materie und die Welt der materiellen Erscheinungen. Aber die Welt der materiellen Erscheinungen ist eigentlich in sich sinnleer. Sie hat keinen rechten Sinn, wenn nicht in ihr jene Tendenz liegt, die sich eben bewegt nach vorwärts, wenn nicht aus dieser Welt, die da um uns herum ausgebreitet ist, das geboren werden kann, wonach die Menschenseele sich richten kann als nicht in der Welt enthalten, die um uns herum ausgebreitet ist. Es muß nach der Anschauung solcher Menschen das Ideelle und das Ideale im Weltprozesse drinnen sein. Solche Menschen geben den realen Weltprozessen ihr Recht. Sie sind nicht Realisten, trotzdem sie dem realen Leben recht geben, sondern sie sind der Anschauung, das reale Leben muß durchtränkt werden von dem Ideellen, nur dann bekommt es einen Sinn. - In einem Anfluge von solcher Stimmung hat Fichte einmal gesagt: Alle Welt, die sich um uns herum ausbreitet, ist das versinnlichte Material für die Pflichterfüllung. Die Vertreter solcher Weltanschauung, die alles nur Mittel sein läßt für Ideen, die den Weltprozeß durchdringen, kann man Idealisten nennen und ihre Weltanschauung Idealismus. Schönes und Großes und Herrliches ist für diesen Idealismus vorgebracht worden. Und auf dem Gebiete, das ich eben charakterisiert habe, wo es darauf ankommt, zu zeigen, wie die Welt zweck- und sinnlos wäre, wenn die Ideen nur menschliche Phantasiegebilde wären und nicht im Weltprozesse drinnen wirklich begründet wären, auf diesem Gebiete hat der Idealismus seine volle Bedeutung. Aber mit diesem Idealismus kann man zum Beispiel die äußere Wirklichkeit, die äußere Realität des Realisten nicht erklären. Daher hat man zu unterscheiden von den anderen eine Weltanschauung, die Idealismus genannt werden kann,
[ 21 ] However, there may be others who say something like this: All around us is matter and the world of material phenomena. But the world of material phenomena is actually devoid of meaning in and of itself. It has no true meaning unless it contains that tendency which moves forward; unless from this world spread out around us can be born that which the human soul can orient itself toward—something not contained within the world spread out around us. According to the view of such people, the ideal and the ideal must be present within the world process. Such people acknowledge the validity of real world processes. They are not realists, even though they acknowledge the validity of real life; rather, they hold the view that real life must be permeated by the ideal—only then does it acquire meaning. - In a moment of such sentiment, Fichte once said: The entire world that spreads out around us is the sensuous material for the fulfillment of duty. The proponents of such a worldview, which regards everything merely as a means for ideas that permeate the world process, can be called idealists, and their worldview idealism. Much that is beautiful, great, and magnificent has been advanced in the name of this idealism. And in the realm I have just characterized—where it matters to show how the world would be purposeless and meaningless if ideas were merely figments of human imagination and not truly grounded within the world process—in this realm, idealism has its full significance. But with this idealism, one cannot, for example, explain the external reality, the external reality of the realist. Therefore, one must distinguish from the others a worldview that can be called idealism,


[ 22 ] Wir haben jetzt schon vier nebeneinander berechtigte Weltanschauungen, von denen jede ihre Bedeutung hat für ihr besonderes Gebiet. Zwischen dem Materialismus und dem Idealismus ist ein gewisser Übergang. Der ganz grobe Materialismus — man kann ihn ja besonders in unserer Zeit, obwohl er heute schon im Abfluten ist, gut beobachten - wird darin bestehen, daß man bis zum Extrem ausbildet das Kantische Diktum - Kant selber hat es nicht getan! -, daß in den einzelnen Wissenschaften nur so viel wirkliche Wissenschaft ist, als darin Mathematik ist. Das heißt, man kann vom Materialisten zum Rechenknecht des Universums werden, indem man nichts anderes gelten läßt als die Welt, angefüllt mit materiellen Atomen. Sie stoßen sich, wirbeln durcheinander, und man rechnet dann aus, wie die Atome durcheinanderwirbeln. Da bekommt man sehr schöne Resultate heraus, was bezeugen mag, daß diese Weltanschauung ihre volle Berechtigung hat. So bekommt man zum Beispiel die Schwingungszahlen für Blau, für Rot und so weiter; man bekommt die ganze Welt wie eine Art von mechanischem Apparat und kann diesen fein berechnen. Man kann aber etwas irre werden an dieser Sache. Man kann sich zum Beispiel sagen: Ja, aber wenn man eine noch so komplizierte Maschine hat, so kann doch aus dieser Maschine niemals, selbst wenn sie noch so kompliziert sich bewegt, hervorgehen, wie man etwa Blau, Rot und so weiter empfindet. Wenn also das Gehirn nur eine komplizierte Maschine ist, so kann doch aus dem Gehirn nicht das hervorgehen, was man als Seelenerlebnisse hat. Aber man kann dann sagen, wie einstmals Du Bors-Reymond gesagt hat: Man wird, wenn man die Welt nur mathematisch erklären will, zwar die einfachste Empfindung nicht erklären können; will man aber bei der mathematischen Erklärung nicht stehenbleiben, so wird man unwissenschaftlich. -— Der grobe Materialist würde sagen: Nein, ich rechne auch nicht; denn das setzt schon einen Aberglauben voraus, den Aberglauben, daß ich annehme, daß die Dinge nach Maß und Zahl geordnet sind. Und wer nun über diesen groben Materialismus sich erhebt, wird ein mathematischer Kopf und läßt nur das als wirklich gelten, was eben in Rechenformeln gebracht werden kann. Das ergibt eine Weltanschauung, die eigentlich nichts gelten läßt als die mathematische Formel. Man kann sie Mathematizismus nennen.
[ 22 ] We now have four worldviews that are all equally valid, each of which has its own significance in its particular domain. There is a certain transition between materialism and idealism. The most crude form of materialism—which can be clearly observed especially in our time, even though it is already on the wane—consists in taking Kant’s dictum to its extreme—Kant himself did not do this!—namely, that in the individual sciences there is only as much real science as there is mathematics. That is to say, one can go from being a materialist to becoming the universe’s calculating servant by accepting nothing other than a world filled with material atoms. They collide, swirl about, and one then calculates how the atoms swirl about. One obtains very beautiful results from this, which may serve as evidence that this worldview is fully justified. For example, one obtains the vibration frequencies for blue, for red, and so on; one views the entire world as a kind of mechanical apparatus and can calculate it precisely. But one can become somewhat confused by this matter. One might say to oneself, for example: Yes, but no matter how complicated a machine one has, nothing can ever emerge from this machine—even if it moves in the most intricate ways—that explains how one perceives blue, red, and so on. So if the brain is merely a complicated machine, then what we experience as soul-life cannot possibly emerge from the brain. But one can then say, as Du Bors-Reymond once said: If one seeks to explain the world solely through mathematics, one will indeed be unable to explain even the simplest sensation; but if one does not stop at the mathematical explanation, one becomes unscientific. — The crude materialist would say: No, I do not calculate either; for that already presupposes a superstition—the superstition that I assume things are ordered according to measure and number. And whoever now rises above this crude materialism becomes a mathematical mind and accepts as real only that which can be expressed in mathematical formulas. This results in a worldview that accepts nothing other than the mathematical formula. One might call it mathematicism.
[ 23 ] Es kann sich aber einer nun überlegen und dann, nachdem er Mathematizist gewesen ist, sich sagen: Das kann kein Aberglaube sein, daß die blaue Farbe soundso viele Schwingungen hat. Mathematisch ist nun einmal doch die Welt angeordnet. Warum sollten, wenn mathematische Ideen in der Welt verwirklicht sind, nicht auch andere Ideen in der Welt verwirklicht sein? Ein solcher nimmt an: Es leben doch Ideen in der Welt. Aber er läßt nur diejenigen Ideen gelten, die er findet, nicht solche Ideen, die er von innen heraus etwa durch irgendeine Intuition oder Inspiration erfassen würde, sondern nur die, welche er von den äußerlich sinnlich-realen Dingen abliest. Ein solcher Mensch wird Rationalist, und seine Weltanschauung ist Rationalismus. — Läßt man zu den Ideen, die man findet, auch noch diejenigen gelten, die man aus dem Moralischen, aus dem Intellektuellen heraus gewinnt, dann ist man schon Idealist. So geht ein Weg von dem grobklotzigen Materialismus über den Mathematismus und Rationalismus zum Idealismus.
[ 23 ] But one might reflect on this and then, having been a mathematician, say to oneself: It cannot be superstition that the color blue has so many vibrations. After all, the world is mathematically ordered. If mathematical ideas are realized in the world, why shouldn’t other ideas also be realized in the world? Such a person assumes: Ideas do indeed exist in the world. But he accepts only those ideas that he finds, not those he might grasp from within through some intuition or inspiration, but only those he derives from externally sensory-real things. Such a person becomes a rationalist, and his worldview is rationalism. — If, in addition to the ideas one finds, one also accepts those derived from the moral and the intellectual, then one is already an idealist. Thus a path leads from crude materialism through mathematism and rationalism to idealism.


[ 24 ] Der Idealismus kann aber nun gesteigert werden. In unserer Zeit finden sich einige Menschen, welche den Idealismus zu steigern versuchen. Sie finden ja Ideen in der Welt. Wenn man Ideen findet, dann muß auch solche Wesensart in der Welt vorhanden sein, in der Ideen leben könnten. In irgendeinem äußeren Dinge könnten doch nicht so ohne weiteres Ideen leben. Ideen können auch nicht gleichsam in der Luft hängen. Es hat zwar im 19. Jahrhundert den Glauben gegeben, daß Ideen die Geschichte beherrschen. Es war dies aber nur eine Unklarheit; denn Ideen als solche haben keine Kraft zum Wirken. Daher kann man von Ideen in der Geschichte nicht sprechen. Wer da einsieht, daß Ideen, wenn sie überhaupt da sein sollen, an ein Wesen gebunden sind, das Ideen eben haben kann, der wird nicht mehr bloßer Idealist sein, sondern er schreitet vor zu der Annahme, daß die Ideen an Wesen gebunden sind. Er wird Psychist, und seine Weltanschauung ist Psychismus. Der Psychist, der wieder ungeheuer viel Scharfsinn für seine Weltanschauung aufbringen kann, kommt zu dieser Weltanschauung auch nur durch eine Einseitigkeit, die er eventuell bemerken kann.
[ 24 ] But idealism can be taken a step further. In our time, there are some people who try to take idealism to the next level. After all, they find ideas in the world. If one finds ideas, then there must also be a kind of reality in the world in which ideas could exist. Ideas cannot simply live in some external thing. Nor can ideas, so to speak, hang in the air. It is true that in the 19th century there was a belief that ideas govern history. But this was merely a misunderstanding; for ideas as such have no power to act. Therefore, one cannot speak of ideas in history. Whoever realizes that ideas, if they are to exist at all, are bound to a being that can indeed possess ideas, will no longer be a mere idealist, but will proceed to the assumption that ideas are bound to beings. He becomes a psychist, and his worldview is psychism. The psychist, who can again muster an immense amount of acumen for his worldview, arrives at this worldview only through a one-sidedness that he may eventually notice.
[ 25 ] Ich muß hier gleich einfügen: Für alle die Weltanschauungen, die ich über den horizontalen Strich schreiben werde, gibt es Anhänger, und diese Anhänger sind zumeist Starrköpfe, die diese oder jene Weltanschauung durch irgendwelche Grundbedingungen, die sie in sich haben, nehmen und dabei stehenbleiben. Alles, was unter diesem Strich liegt (siehe Skizze), hat Bekenner, die leichter zugänglich sind der Erkenntnis, daß die einzelnen Weltanschauungen immer nur von einem bestimmten Gesichtspunkte aus die Dinge anschen, und die daher leichter dazu kommen, von der einen in die andere Weltanschauung überzugehen.
[ 25 ] I must add here right away: All the worldviews I will discuss below the horizontal line have their adherents, and these adherents are mostly stubborn individuals who adopt this or that worldview based on certain fundamental conditions they hold within themselves and remain fixed in that position. Everything below this line (see sketch) has adherents who are more open to the realization that individual worldviews always view things from only a specific perspective, and who therefore find it easier to transition from one worldview to another.
[ 26 ] Wenn jemand Psychist ist und geneigt, weil er Erkenntnismensch ist, die Welt kontemplativ zu betrachten, so kommt er dazu, sich zu sagen, er muß in der Welt Psychisches voraussetzen. In dem Augenblicke aber, wo er nicht nur Erkenntnismensch ist, sondern wo er in ebensolcher Weise eine Sympathie für das Aktive, für das Tätige, für das Willensartige in der Menschennatur hat, da sagt er sich: Es genügt nicht, daß Wesen da sind, die nur Ideen haben können; diese Wesen müssen auch etwas Aktives haben, müssen auch handeln können. Das ist aber nicht zu denken, ohne daß diese Wesen individuelle Wesen sind. Das heißt, ein solcher steigt auf von der Annahme der Beseeltheit der Welt zu der Annahme des Geistes oder der Geister in der Welt. Es ist sich noch nicht klar, ob er einen oder mehrere Geistwesen annehmen soll, aber er steigt auf vom Psychismus zum Pneumatismus, zur Geistlehre.
[ 26 ] If someone is a psychic and, because they are a person of knowledge, inclined to view the world contemplatively, they come to tell themselves that they must presuppose the psychic in the world. But the moment they are not merely a person of knowledge, but also have a similar sympathy for the active, for the energetic, for the volitional in human nature, they say to themselves: It is not enough that there are beings who can only have ideas; these beings must also have something active, must also be able to act. But this is inconceivable unless these beings are individual beings. That is to say, such a person ascends from the assumption of the animacy of the world to the assumption of the spirit or spirits in the world. It is not yet clear to him whether he should assume one or more spiritual beings, but he ascends from psychism to pneumatism, to the doctrine of the spirit.
[ 27 ] Ist einer in Wirklichkeit Pneumatist geworden, so kann es durchaus vorkommen, daß er das einsieht, was ich heute über die Zahl gesagt habe, daß es in bezug auf die Zahlen in der Tat etwas Bedenkliches hat, von einer Einheit zu sprechen. Dann kommt er dazu, sich zu sagen: Dann wird es also eine Verwortrenheit sein, von einem einheitlichen Geist, von einem einheitlichen Pneuma zu reden. Und er kommt dann allmählich dazu, von den Geistern der verschiedenen Hierarchien sich eine Vorstellung bilden zu können. Er wird dann im echten Sinne Spiritualist, so daß also auf dieser Seite ein unmittelbarer Übergang vom Pneumatismus zum Spiritualismus ist.
[ 27 ] If one has truly become a Pneumatist, it may well happen that one comes to see what I have said today about numbers—that, when it comes to numbers, there is indeed something problematic about speaking of a “unity.” Then they come to say to themselves: So it must be a confusion to speak of a unified spirit, of a unified Pneuma. And they then gradually come to be able to form a conception of the spirits of the various hierarchies. They then become spiritualists in the true sense, so that on this point there is a direct transition from Pneumatism to Spiritualism.
[ 28 ] Alles, was ich auf die Tafel geschrieben habe, sind Weltanschauungen, die für ihre Gebiete ihre Berechtigung haben. Denn es gibt Gebiete, für die der Psychismus erklärend wirkt, es gibt Gebiete, für die der Pneumatismus erklärend wirkt. Will man allerdings so gründlich mit der Welterklärung zu Rate gehen, wie wir es versucht haben, dann muß man zum Spiritualismus kommen, zu der Annahme der Geister der Hierarchien. Dann kann man nicht beim Pneumatismus stehenbleiben; denn beim Pneumatismus stehenbleiben würde in diesem Falle das Folgende heißen. Wenn wir Spiritualisten sind, kann es uns begegnen, daß die Menschen sagen: Warum da so viele Geister? Warum da die Zahl anwenden? Es gibt einen einheitlichen Allgeist! - Wer sich tiefer auf die Sache einläßt, der weiß, daß es mit diesem Einwande ebenso ist, wie wenn jemand sagt: Da sagst du mir, dort wären zweihundert Mücken. Ich sehe aber keine zweihundert Mücken, ich sehe nur einen einzigen Mückenschwarm. — Genau so würde sich der Anhänger des Pneumatismus, des Pantheismus und so weiter gegenüber dem Spiritualisten verhalten. Der Spiritualist sieht die Welt erfüllt mit den Geistern der Hierarchien; der Pantheist sieht nur den einen Schwarm, sieht nur den einheitlichen Allgeist. Aber das beruht nur auf einer Ungenauigkeit des Anschauens. Materialismus
[ 28 ] Everything I have written on the blackboard are worldviews that are valid within their respective fields. For there are fields in which psychism serves as an explanation, and there are fields in which pneumatism serves as an explanation. However, if one wishes to engage with the explanation of the world as thoroughly as we have attempted, then one must arrive at Spiritualism, at the acceptance of the spirits of the hierarchies. Then one cannot stop at Pneumatism; for to stop at Pneumatism in this case would mean the following. If we are Spiritualists, we may encounter people saying: Why are there so many spirits? Why use the number? There is a single universal spirit!”—Anyone who delves deeper into the matter knows that this objection is just like when someone says: “You tell me there are two hundred mosquitoes there. But I don’t see two hundred mosquitoes; I see only a single swarm of mosquitoes.” — This is exactly how a follower of Pneumatism, Pantheism, and so on would behave toward the Spiritualist. The Spiritualist sees the world filled with the spirits of the hierarchies; the Pantheist sees only the one swarm, sees only the single Universal Spirit. But this is based solely on an imprecision of perception. Materialism


[ 29 ] Nun gibt es noch eine andere Möglichkeit: die, daß jemand nicht auf den Wegen, die wir zu gehen versucht haben, zu dem Wirken geistiger Wesenheiten kommt, daß er aber doch zu der Annahme gewisser geistiger Grundwesen der Welt kommt. Ein solcher Mensch war zum Beispiel Leibniz, der berühmte deutsche Philosoph. Leibniz war hinaus über das Vorurteil, daß irgend etwas bloß materiell in der Welt existieren könne. Er fand das Reale, suchte das Reale. Das Genauere habe ich in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» dargestellt. Er war der Anschauung, daß es ein Wesen gibt, das in sich die Existenz erbilden kann, wie zum Beispiel die Menschenseele. Aber er machte sich nicht weitere Begriffe darüber. Er sagte sich nur, daß es ein solches Wesen gibt, das in sich die Existenz erbilden kann, das Vorstellungen aus sich heraustreibt. Das ist für Leibniz eine Monade. Und er sagte sich: Es muß viele Monaden geben und Monaden von der verschiedensten Klarheit. Wenn ich hier eine Glocke habe, so sind dort viele Monaden drinnen - wie in einem Mückenschwarm -, aber Monaden, die nicht einmal bis zum Schlafbewußtsein kommen, Monaden, die fast unbewußt sind, die aber doch dunkelste Vorstellungen in sich entwickeln. Es gibt Monaden, die träumen, es gibt Monaden, die wache Vorstellungen in sich entwickeln, kurz, Monaden der verschiedensten Grade. — Ein solcher. Mensch kommt nicht dazu, sich das Konkrete der einzelnen geistigen Wesenheiten so vorzustellen wie der Spiritualist; aber er reflektiert in der Welt auf das Geistige, das er nur unbestimmt sein läßt. Er nennt es Monade, das heißt, er kümmert sich nur um den Vorstellungscharakter, als wenn man sagen würde: Ja, Geist, Geister sind in der Welt; aber ich beschreibe sie nur so, daß ich sage, sie sind verschiedenartig vorstellende Wesen. Eine abstrakte Eigenschaft nehme ich aus ihnen heraus. Da bilde ich mir diese einseitige Weltanschauung aus, für die vor allem so viel vorgebracht werden kann, als der geistvolle Leibniz für sie vorgebracht hat. So bilde ich den Monadismus aus. - Der Monadismus ist ein abstrakter Spiritualismus.
[ 29 ] Now there is another possibility: that someone does not arrive at the activity of spiritual beings through the paths we have attempted to follow, but nevertheless comes to accept the existence of certain fundamental spiritual entities in the world. One such person was, for example, Leibniz, the famous German philosopher. Leibniz transcended the prejudice that anything in the world could exist merely in a material sense. He found the real, sought the real. I have described this in more detail in my book The Riddles of Philosophy. He held the view that there is a being capable of generating existence within itself, such as the human soul. But he did not form any further concepts about it. He merely told himself that there is such a being capable of generating existence within itself, which drives forth ideas from within itself. For Leibniz, this is a monad. And he told himself: There must be many monads, and monads of the most varied degrees of clarity. If I have a bell here, there are many monads inside it—like in a swarm of mosquitoes—but monads that do not even reach the level of sleep-consciousness, monads that are almost unconscious, yet which develop the darkest ideas within themselves. There are monads that dream, there are monads that develop waking ideas within themselves; in short, monads of the most varied degrees. — Such a person does not go so far as to imagine the concrete nature of individual spiritual entities in the way a spiritualist does; but he reflects in the world upon the spiritual, which he leaves only as an indeterminate concept. He calls it a monad, that is, he concerns himself only with the nature of the concept, as if one were to say: Yes, spirit, spirits are in the world; but I describe them only in such a way that I say they are beings capable of diverse forms of perception. I extract an abstract quality from them. Thus I form this one-sided worldview, for which, above all, as much can be advanced as the brilliant Leibniz advanced for it. Thus I develop monadism. — Monadism is an abstract spiritualism.
[ 30 ] Es kann aber Menschen geben, die sich nicht bis zur Monade erheben, die nicht zugeben können, daß dasjenige, was existiert, Wesen sind von verschiedenem Grade des Vorstellungsvermögens, die aber auch nicht etwa damit zufrieden sind, daß sie nur zugeben, was sich in der äußeren Realität ausbreitet, sondern sie lassen das, was sich in der äußeren Realität ausbreitet, überall von Kräften beherrscht sein. Wenn zum Beispiel ein Stein zur Erde fällt, so sagen sie: Da ist die Schwerkraft. Wenn ein Magnet Eisenspäne anzieht, so sagen sie: Da ist die magnetische Kraft. Sie begnügen sich nicht bloß damit zu sagen: Da ist der Magnet - sondern sie sagen: Der Magnet setzt voraus, daß übersinnlich, unsichtbar die magnetische Kraft vorhanden ist, die sich überall ausbreitet. Man kann eine solche Weltanschauung bilden, die überall die Kräfte zu dem sucht, was in der Welt vorgeht, und kann sie Dynamismus nennen.
[ 30 ] However, there may be people who do not rise to the level of the monad, who cannot admit that what exists are beings of varying degrees of conceptual capacity, but who are also not content merely to acknowledge what extends in external reality; rather, they allow what extends in external reality to be governed everywhere by forces. For example, when a stone falls to the ground, they say: There is gravity. When a magnet attracts iron filings, they say: There is magnetic force. They are not content merely to say: There is the magnet—but they say: The magnet presupposes that the magnetic force exists supersensibly, invisibly, and extends everywhere. One can form such a worldview that seeks forces everywhere to explain what is happening in the world, and one can call it dynamism.
[ 31 ] Dann kann man auch sagen: Nein, an Kräfte zu glauben, das ist Aberglaube! Ein Beispiel dafür, wie einer ausführlicher darstellt, wie an Kräfte zu glauben Aberglaube ist, haben Sie in Fritz Mauthners «Kritik der Sprache». In diesem Falle bleibt man bei dem stehen, was sich real um uns herum ausbreitet. Wir kommen also auf diesem Wege vom Spiritualismus über den Monadismus und Dynamismus wiederum zum Realismus.
[ 31 ] Then one might also say: No, believing in forces is superstition! An example of how someone explains in detail why believing in forces is superstition can be found in Fritz Mauthner’s Critique of Language. In this case, one sticks to what actually exists around us. In this way, we move from spiritualism through monadism and dynamism back to realism.


[ 32 ] Nun kann man aber auch noch etwas anderes machen. Man kann sagen: Gewiß, ich halte mich an die Welt, die mich ringsherum umgibt. Aber ich behaupte nicht, daß ich ein Recht habe zu sagen, diese Materialismus Welt sei die wirkliche. Ich weiß nur von ihr zu sagen, daß sie mir erscheint. Und zu mehr habe ich überhaupt nicht Recht, als zu sagen: Diese Welt erscheint mir. Ich habe kein Recht, von ihr mehr zu sagen. — Das ist also ein Unterschied. Man kann von dieser Welt, die sich um uns herum ausbreitet, sagen, sie ist die reale Welt. Aber man kann auch sagen: Von einer anderen Welt kann ich nicht reden; aber ich bin mir klar, daß es die Welt ist, die mir erscheint. Ich rede nicht davon, daß diese Welt von Farben und Tönen, die doch nur dadurch entsteht, daß sich in meinem Auge gewisse Prozesse abspielen, die sich mir als Farben zeigen, daß sich in meinem Ohr Prozesse abspielen, die sich mir als Töne zeigen und so weiter, daß diese Welt die wahre ist. Sie ist die Welt der Phänomene. - Phänomenalismus ist die Weltanschauung, um die es sich hier handeln würde.
[ 32 ] But there is something else one can do as well. One can say: Certainly, I adhere to the world that surrounds me. But I do not claim that I have the right to say that this materialistic world is the real one. All I can say about it is that it appears to me. And I have no right whatsoever to say anything more than: This world appears to me. I have no right to say anything more about it. — So that is a difference. One can say of this world that spreads out around us that it is the real world. But one can also say: I cannot speak of another world; but I am clear that it is the world that appears to me. I am not saying that this world of colors and sounds—which arises only because certain processes take place in my eye that appear to me as colors, because processes take place in my ear that appear to me as sounds, and so on—that this world is the true one. It is the world of phenomena. - Phenomenalism is the worldview that would be at issue here.
[ 33 ] Man kann aber weiter gehen und kann sagen: Die Welt der Phänomene haben wir zwar um uns herum. Aber alles, was wir in diesen Phänomenen zu haben glauben so, daß wir es selber hinzugegeben haben, daß wir es selber hinzugedacht haben - das haben wir eben hinzugedacht zu den Phänomenen. Berechtigt ist aber nur das, was uns die Sinne sagen. — Merken Sie wohl, ein solcher Mensch, der dieses sagt, ist nicht ein Anhänger des Phänomenalismus, sondern er schält von dem Phänomen das los, wovon er glaubt, daß es nur aus dem Verstande und aus der Vernunft kommt, und er läßt gelten, als irgendwie von der Realität angekündigt, was die Sinne als Eindrücke geben. Diese Weltanschauung kann man Sensualismus nennen.
[ 33 ] But we can go further and say: We do indeed have the world of phenomena around us. But everything we believe we have in these phenomena—in the sense that we ourselves have added it, that we ourselves have thought it in—we have simply thought it in to the phenomena. Yet only what our senses tell us is valid. — Note well that a person who says this is not a follower of phenomenalism, but rather separates from the phenomenon whatever he believes to be derived solely from the intellect and reason, and accepts as somehow indicated by reality whatever the senses present as impressions. This worldview can be called sensualism.


[ 34 ] Greift man dazu, zu sagen: Mögt ihr nachdenken darüber, daß das die Sinne sagen, und mögt ihr noch so scharfsinnige Gründe dafür anführen - man kann scharfsinnige Gründe dafür anführen -, ich stelle mich auf den Standpunkt, es gibt nur das, was so aussieht wie das, was die Sinne sagen; das lasse ich als Materielles gelten - wie etwa der Atomist, der da sagt: Ich nehme an, es existieren nur Atome, und wenn sie noch so klein sind, sie haben die Eigenschaften, die man in der physischen Welt kennt -, dann ist man wieder Matertalist. Wir sind also auf dem anderen Wege wieder beim Materialismus angekommen.
[ 34 ] Even if one were to say: “Consider that this is what the senses tell us, and no matter how astute the reasons you may cite for it—and one can indeed cite astute reasons for it”—I take the position that there is only that which looks like what the senses tell us; I accept that as material—just as the atomist who says: I assume that only atoms exist, and no matter how small they are, they possess the properties known in the physical world—then one is once again a materialist. So we have arrived back at materialism by a different route.
[ 35 ] Was ich Ihnen hier als Weltanschauungen aufgeschrieben und charakterisiert habe, das gibt es, das kann verteidigt werden. Und es ist möglich, für jede einzelne der Weltanschauungen die scharfsinnigsten Gründe vorzubringen, es ist möglich, sich auf den Standpunkt jeder dieser Weltanschauungen zu stellen und mit scharfsinnigen Gründen die anderen Weltanschauungen zu widerlegen. Man kann zwischen diesen Weltanschauungen noch andere ausdenken; die sind aber nur gradweise von den angeführten verschieden und lassen sich auf die Haupttypen zurückführen. Will man das Gewebe der Welt kennenlernen, dann muß man wissen, daß man es durch diese zwölf Eingangstore kennenlernt. Es gibt nicht eine Weltanschauung, die sich verteidigen läßt, die berechtigt ist, sondern es gibt zwölf Weltanschauungen. Und man muß zugeben: Gerade so viele gute Gründe wie für die eine Weltanschauung, so viele gute Gründe lassen sich für jede andere der zwölf Weltanschauungen vorbringen. Die Welt läßt sich nicht von dem einseitigen Standpunkte einer Weltanschauung, eines Gedankens aus betrachten, sondern die Welt enthüllt sich nur dem, der weiß, daß man um sie herumgehen muß. Genau ebenso, wie die Sonne, auch wenn wir die kopernikanische Weltanschauung zugrunde legen, durch die Tierkreiszeichen geht, um von zwölf verschiedenen Punkten aus die Erde zu beleuchten, ebenso muß man nicht auf eine Standpunkt - auf den Standpunkt des Idealismus, des Sensualismus, des Phänomenalismus oder irgendeiner Weltanschauung, die einen solchen Namen tragen kann - sich stellen, sondern man muß in der Lage sein, um die Welt herumgehen zu können und sich einleben zu können in die zwölf verschiedenen Standpunkte, von denen aus man die Welt betrachten kann. Denkerisch sind alle zwölf verschiedenen Standpunkte voll berechtigt. Nicht eine Weltanschauung gibt es für den Denker, der in die Natur des Denkens eindringen kann, sondern zwölf gleichberechtigte, insofern gleichberechtigte, als sich gleich gute Gründe vom Denken aus für jede vorbringen lassen. Zwölf solche gleichberechtigte Weltanschauungen gibt es. Von diesem dadurch gewonnenen Gesichtspunkte aus wollen wir morgen weiter reden, damit wir uns von der denkerischen Betrachtung des Menschen zu der Betrachtung des Kosmischen hinaufschwingen.
[ 35 ] What I have described and characterized here as worldviews actually exists and can be defended. And it is possible to present the most astute arguments for each of these worldviews; it is possible to adopt the standpoint of each of these worldviews and to refute the other worldviews with astute arguments. One can conceive of other worldviews between these; however, they differ only gradually from those listed and can be traced back to the main types. If one wishes to understand the fabric of the world, one must know that one comes to know it through these twelve gateways. There is not a single worldview that can be defended, that is justified; rather, there are twelve worldviews. And one must admit: just as many good reasons can be put forward for one worldview as for any other of the twelve. The world cannot be viewed from the one-sided standpoint of a single worldview or a single idea; rather, the world reveals itself only to those who know that one must walk around it. Just as the sun, even if we take the Copernican worldview as our basis, moves through the signs of the zodiac to illuminate the Earth from twelve different points, so too must one not take a single standpoint—the standpoint of idealism, sensualism, phenomenalism, or any worldview that might bear such a name—but one must be able to walk around the world and familiarize oneself with the twelve different viewpoints from which the world can be viewed. Intellectually, all twelve different points of view are fully justified. There is not one worldview for the thinker who can penetrate the nature of thought, but twelve equally valid ones—equally valid insofar as equally good reasons can be advanced for each from the perspective of thought. There are twelve such equally valid worldviews. From this perspective thus gained, let us continue our discussion tomorrow, so that we may rise from the intellectual contemplation of humanity to the contemplation of the cosmic.
