Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Human Soul-Life and Spiritual Striving
GA 212

6 May 1922, Dornach

Translate the original German text into any language:

Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Es war mir gestern namentlich darum zu tun, zu zeigen, wie die menschliche Seele ein tätiges Wesen ist, wie sie als tätiges Wesen den menschlichen Organismus schöpferisch-tätig durchdringt. Man muß in jedem Augenblicke, in dem man sich über die menschliche Seele Gedanken hingibt, sich auch klar darüber sein, daß man das, was die Seele ist, zu Gesichte bekommt, wenn man den menschlichen Organismus, wie er sich äußerlich darbietet, auffaßt in seiner Gesamtheit als einen Ausdruck, und insofern er ein beweglicher Organismus ist, insofern er innerliche Veränderungen durchmacht, auch als eine Schöpfung der menschlichen Seele. Aber das ist ja nur die eine Seite des Seelenlebens. Auf die andere Seite wollen wir heute beginnen zu deuten.

[ 1 ] Yesterday, I was particularly concerned with showing how the human soul is an active being, how, as an active being, it creatively permeates the human organism. At every moment when we think about the human soul, we must also be clear that we see what the soul is when we perceive the human organism as it appears externally, in its entirety as an expression, and insofar as it is a moving organism, insofar as it undergoes internal changes, also as a creation of the human soul. But that is only one side of the soul life. Today we will begin to interpret the other side.

[ 2 ] Betrachten Sie zunächst einmal, anknüpfend an das, was ich schon in den ersten Stunden dieses Zyklus entwickelt habe, den Menschen in bezug auf seine Umgebung. Sie werden sich dann sagen müssen: Der Mensch ist gegenüber den Wesenheiten, den Gegenständen, die um ihn herum sind, mit seinem Seelischen außerhalb. Wir können nicht sagen, daß wir in dem Stuhl drinnen sind, der uns trägt, oder daß wir in dem Tisch drinnen sind, der vor uns steht. Wir betrachten die Außenseite dieser Gegenstände; aber wir sind auch eben mit unserem seelischen Leben außerhalb dieser Gegenstände, und im Grunde genommen sind wir ebenso außerhalb eines Teiles unseres eigenen Organismus.

[ 2 ] First of all, following on from what I have already developed in the first lessons of this cycle, consider the human being in relation to his environment. You will then have to say to yourselves: the human being, with his soul, is outside the beings and objects that surround him. We cannot say that we are inside the chair that supports us, or that we are inside the table that stands before us. We see the outside of these objects; but we are also outside these objects with our soul life, and in essence we are just as much outside a part of our own organism.

[ 3 ] Sie brauchen nur einmal ganz intensiv und klar durchzudenken, was wir öfter gehört haben über die Impulse unseres Willens. Wir haben, so sagte ich, zunächst den Gedanken, die Vorstellung: Ich werde einen Arm heben. Dann haben wir, nachdem dieser Gedanke irgendwie verschwunden ist in unserem Organismus, die Erscheinung des gehobenen Armes. Aber was da im Organismus vor sich geht, nachdem der Gedanke da ist - ich kann nicht einmal sagen, nachdem der Gedanke gewirkt hat, denn dieses Wirken ist ja schon nicht im gewöhnlichen Bewußtsein — bis zu dem Momente, wo die Bewegung des Armes betrachtet werden kann, das liegt zunächst außerhalb der menschlichen Seele, liegt so außerhalb der menschlichen Seele, wie der Tisch oder der Stuhl außerhalb der menschlichen Seele liegen. Ich dringe nicht in den Tisch ein; ich dringe nicht ein in dasjenige, was geschieht, indem ein Wollen sich vollzieht.

[ 3 ] You need only think through very intensely and clearly what we have often heard about the impulses of our will. I said that we first have the thought, the idea: I will raise my arm. Then, after this thought has somehow disappeared in our organism, we have the phenomenon of the raised arm. But what happens in the organism after the thought is there—I cannot even say after the thought has taken effect, because this effect is already beyond ordinary consciousness—until the moment when the movement of the arm can be observed, lies initially outside the human soul, lies as far outside the human soul as the table or the chair lie outside the human soul. I do not penetrate into the table; I do not penetrate into what happens when a will is carried out.

[ 4 ] Nun aber, sobald im Menschen eine höhere, eine übersinnliche Erkenntnis eintritt, kommt man dahinter, was da eigentlich vorliegt. Für das gewöhnliche Bewußtsein liegt die Sache so, daß der Mensch die Außenseite der Dinge mit seinen Sinnen wahrnimmt, die Farben, die Töne, Wärmekräfte und so weiter; die setzen sich dann fort in den Vorstellungen, die sich der Mensch von diesen Dingen macht. Das ist so, wenn der Mensch nach außen blickt.

[ 4 ] But now, as soon as a higher, supersensible knowledge enters into the human being, one discovers what is actually present. For ordinary consciousness, the situation is such that the human being perceives the outer side of things with his senses, the colors, the sounds, the forces of warmth, and so on; which are then continued in the ideas that humans form of these things. This is what happens when humans look outward.

[ 5 ] Wenn der Mensch in sich selbst hineinblickt, dann wird er zunächst gewahr, wie er Vorstellungen behalten hat von den Dingen, die er betrachtet hat, Vorstellungen, die auch wieder auftauchen; wenigstens scheint es so. Wir haben gesehen, daß es anders ist, aber für das gewöhnliche Bewußtsein kann man es so charakterisieren. Diese Vorstellungen sind durchtränkt von Gefühlen, die wie traumhaft heraufwellen aus unserem menschlichen Wesen. Kurz, wir erblicken da auch eine Welt, wenn wir in uns hineinschauen, eine Welt, die uns ebenso von innen entgegendringt wie die Farben und Töne von der äußeren Welt. Dann stehen wir gewissermaßen ebenso vor irgend etwas, wo wir draußen sind, wie wir vor den äußeren Dingen stehen so, daß wir draußen sind.

[ 5 ] When a person looks within themselves, they first become aware of how they have retained ideas about the things they have observed, ideas that reappear; at least, that is how it seems. We have seen that it is different, but for ordinary consciousness it can be characterized in this way. These ideas are saturated with feelings that rise up like dreams from our human being. In short, when we look within ourselves, we also see a world, a world that presses upon us from within just as the colors and sounds of the outer world press upon us from without. Then we stand, as it were, before something outside ourselves, just as we stand before external things, in such a way that we are outside them.

[ 6 ] Das aber wird nach innen hin anders und auch nach außen hin anders, wenn wir aufsteigen zu einer höheren Erkenntnis. Wenn wir aufsteigen zu einer höheren Erkenntnis in der Art, wie ich das oftmals beschrieben habe in Vorträgen und auch in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», dann kommt zuerst die imaginative Erkenntnis, dann die inspirierte Erkenntnis. Das alles kann Ihnen ja bekannt sein. Wenn nun der Mensch zuerst zu der imaginativen Erkenntnis aufsteigt, dann die inspirierte Erkenntnis eingreift, dann wird das, was man das Außer-denDingen-Stehen nennen kann, anders sowohl in bezug auf die Außenwelt als auch in bezug auf das Innere des Menschen.

[ 6 ] But this changes inwardly and also outwardly when we ascend to a higher level of knowledge. When we ascend to a higher level of knowledge in the way I have often described in lectures and also in my book How to Know Higher Worlds, then first comes imaginative knowledge, then inspired knowledge. You may already be familiar with all this. When a person first ascends to imaginative knowledge, then inspired knowledge intervenes, then what can be called standing outside of things becomes different both in relation to the external world and in relation to the inner world of the human being.

[ 7 ] In bezug auf die Außenwelt kommen wir zunächst durch die imaginative Erkenntnis zu Bildern. Wenn wir dann diese Bilder entsprechend behandeln, so werden sie zu Bildern desjenigen, was uns als geistige Außenwelt umgibt. Da muß nun schon die inspirierte Erkenntnis eben eingreifen. Durch Inspiration erlangen wir Erkenntnis einer geistigen Außenwelt, die uns ebenso umgibt, wie uns die sinnliche Außenwelt in Farben, Tönen, Wärmeimpulsen und so weiter umgibt. Wenn wir dieser ganzen Welt gegenüberstehen, die jetzt eine geistige Außenwelt ist, so müssen wir uns immer sagen: Das ist etwas anderes als wir selbst. Wir kommen dazu, elementare Wesenheiten, die Wesenheiten der höheren Hierarchien in dieser geistigen Umwelt zu entdecken. Es ist etwas anderes, als wir selber sind. Wir lernen uns dabei selber wohl immer mehr als geistiges Wesen kennen, aber wir lernen uns auch unterscheiden von all dem, was eben andere Wesen sind, als wir selbst sind.

[ 7 ] In relation to the external world, we first arrive at images through imaginative knowledge. When we then treat these images appropriately, they become images of what surrounds us as the spiritual external world. This is where inspired knowledge must now intervene. Through inspiration, we gain knowledge of a spiritual external world that surrounds us just as the sensory external world surrounds us in colors, sounds, heat impulses, and so on. When we face this whole world, which is now a spiritual external world, we must always say to ourselves: This is something different from ourselves. We come to discover elementary beings, the beings of the higher hierarchies in this spiritual environment. It is something different from what we ourselves are. In the process, we learn more and more about ourselves as spiritual beings, but we also learn to distinguish ourselves from all that is other than ourselves.

[ 8 ] Aber indem wir die Übungen machen, die uns so auf der einen Seite dahin führen, die geistige Außenwelt zu erkennen, kommen wir auch nach innen vorwärts, wir kommen nach innen weiter. Und diejenige Entdeckung, die wir da zuerst nach innen machen, ist diese, daß wir gewissermaßen lernen, unseren Kopf mit seinen Erkenntnissen seelisch etwas gering zu schätzen. Immer mehr wert wird uns dagegen diejenige Erkenntnis, die sich mehr im Herzen konzentriert, wenn ich mich jetzt auf den Organismus des Menschen beziehe, und zwar nicht, daß wir gerade das physische Herz dabei so stark zu beachten hätten, sondern das Ätherische und das Astralische des Herzens; die werden wir sehr stark gewahr. Und jetzt wird uns etwas zu einer ganz hellen, lichten Erkenntnis, was außerordentlich bedeutsam ist.

[ 8 ] But by doing the exercises that lead us to recognize the spiritual world outside, we also make progress inward, we go further inward. And the first discovery we make inwardly is that we learn, in a sense, to value our head and its knowledge a little less. On the other hand, the knowledge that is more concentrated in the heart becomes increasingly valuable to us, if I now refer to the human organism, and not that we should pay so much attention to the physical heart, but rather to the etheric and astral aspects of the heart; we become very aware of these. And now something becomes a very clear, bright realization, which is extremely significant.

[ 9 ] Sehen Sie, das, was da der Mensch erkennen kann, ich kann es in folgender Weise etwa aufzeichnen (siehe Zeichnung). Nehmen wir einmal an, wir hätten hier das menschliche Herz (rot) und über dem menschlichen Herzen alles dasjenige, was der Mensch so schätzt, indem er auf dem physischen Plane sein Gedankenleben erkennt (hell). Das fühlt der Mensch auch im Kopfe, dieses Gedankenweben. Aber indem der Mensch nun, ohne daß er zu einer höheren Erkenntnis kommt, sich hingibt seinem ganzen Wesen, so fühlt er die Gedanken allerdings als außerordentlich, ich möchte sagen, vornehmen Teil der menschlichen Wesenheit. Diese Gedanken, sie kümmern sich nicht sehr stark um das eigentlich persönliche Wesen. Nehmen wir einmal an, wir haben den Gedanken eines Dreiecks. Wir müssen uns ihm hingeben, ohne daß dieser Herr Gedanke sich darum kümmert, ob ich gerade Kopfschmerzen oder Magenschmerzen habe. Es ist ihm außerordentlich gleichgültig, wie ich persönlich gestimmt bin. Es ist ihm sogar gleichgültig, ob ich irgendwie anders verstimmt bin, traurig oder heiter bin, ob mir etwas weh tut oder wohl tut - der Gedanke des Dreieckes herrscht mit einer gewissen vornehmen Nonchalance in meinem Kopfbewußtsein und kümmert sich nicht um mein subjektives Befinden. Daher Menschen, welche sich bloß um ihr subjektives Befinden kümmern wollen, ja auch sogleich, wenn man von solchen Gedanken spricht, die sich nicht um dieses subjektive Befinden kümmern, einschlafen.

[ 9 ] You see, what human beings can recognize, I can record in the following way (see drawing). Let us assume that we have here the human heart (red) and above the human heart everything that human beings value so highly by recognizing their thought life on the physical plane (light). Human beings also feel this web of thoughts in their heads. But when humans, without attaining higher knowledge, devote themselves to their entire being, they feel these thoughts as something extraordinary, I would say, a noble part of human existence. These thoughts do not concern themselves very much with the actual personal being. Let us suppose we have the thought of a triangle. We must devote ourselves to it without this thought caring whether I have a headache or stomach ache. It is extremely indifferent to it how I personally feel. It is even indifferent to it whether I am in a different mood, sad or cheerful, whether something hurts or feels good—the thought of the triangle reigns with a certain noble nonchalance in my conscious mind and does not concern itself with my subjective state of being. Therefore, people who only want to concern themselves with their subjective state of mind immediately fall asleep when someone mentions thoughts that do not concern this subjective state of mind.

[ 10 ] Nun ja, da ist also in gewissem Sinne eine vornehme Welt, die sich um das subjektive Befinden nicht kümmert. Aber wenn der Mensch dann in diese vornehme Welt sein Subjektives hineinmischt, und er fühlt sich nahe dem eigenen Wesen, dann geht dieses Fühlen schon durch das Herz, es strahlt gewissermaßen vom Kopf nach dem anderen Menschen hinunter, und da kommt es dann aus dem anderen Menschen herauf (Pfeile). Was kommt da herauf?

[ 10 ] Well, in a certain sense, there is a distinguished world that does not concern itself with the subjective state of mind. But when people mix their subjective feelings into this refined world and feel close to their own nature, then these feelings pass through the heart and, in a sense, radiate from the head down to other people, and then they rise up from the other people (arrows). What rises up?

[ 11 ] Ja, da kommen herauf eben die Gefühle, die Instinkte, Triebe, Leidenschaften; da wüstet, möchte ich sagen, alles dasjenige herauf, was da im Menschen wirkt an Trieben, Instinkten, Leidenschaften (rote Pfeile); das wüstet da herauf. Da hat sich der Mensch in diesem so recht Subjektiven. Aber in dem, was da heraufwüstet, ist enthalten auch alles Kochen des Organismus selber. Was im Magen, was in den Gedärmen, was sonst ausgekocht wird in dem Menschen, das wüstet mit diesen Trieben und Instinkten herauf, das kommt dem Menschen entgegen. So daß man sagen kann: Da oben ist gewissermaßen eine vornehme Welt; sie ist sehr vornehm, aber sie wird im Menschen gar nicht seelisch, weil sie sich nicht kümmert um das Subjektive. Es ist schließlich ganz gleichgültig, ob der Müller den Gedanken eines Dreiecks, eines Löwen hat, oder ob ihn der Schulze hat. Die Gedanken kümmern sich nicht um das Subjektive. Das Seelische kommt erst zustande, wenn aus dem Inneren des Menschen heraus dasjenige quillt, was diese Gedanken gefühlsmäßig oder instinktmäßig durchsetzt. Wenn zum Beispiel der Müller ein Held ist und er den Gedanken des Löwen hat, dann pulsen von unten solche Gefühle herauf, daß er sich vor dem Löwen nicht fürchtet; wenn der Schulze ein Hasenfuß ist, so daß er schon davonläuft, wenn er an einen Löwen denken soll, dann ist das das Subjektive, das hineinkommt. Das ist das Seelische, das hineinkommt. Der Gedanke des Löwen hat ein Allgemeines, das nicht seelisch ist, das ein Geistiges ist. Dadurch, daß ihm entgegenkommt aus dem Menschen dieses Triebmäßige, wird der Gedanke zum Seelischen. Und das macht auch den Gedanken des Löwen zum Seelischen, ob er nun etwa den Müller dazu verleitet, immer an das Instrument denken zu müssen, wenn er an einen Löwen denkt, mit dem er den Löwen attackiert, sich gegen ihn zur Wehr stellt meinetwillen, oder ob der Schulze immer denken muß beim Gedanken des Löwen, wie er nur am schnellsten davonlaufen kann und so weiter. Dadurch wird das Ganze ja nun im gewöhnlichen Leben seelisch. Und das Seelische ist immer in gewisser Weise hineinstrahlend, möchte ich sagen, in das Geistige.

[ 11 ] Yes, what comes up there are the feelings, the instincts, the drives, the passions; everything that works in the human being in the form of drives, instincts, and passions (red arrows) rages there, I would say; it rages there. There, the human being is in this very subjective realm. But what is raging there also contains all the ferment of the organism itself. What is boiling in the stomach, in the intestines, what else is boiling in the human being, rises up with these drives and instincts and comes to meet the human being. So that one can say: Up there is, in a sense, a noble world; it is very noble, but it does not become soulful in the human being because it does not concern itself with the subjective. Ultimately, it is completely irrelevant whether the miller has the idea of a triangle or a lion, or whether the schoolmaster has it. Thoughts do not concern themselves with the subjective. The soul only comes into being when that which permeates these thoughts emotionally or instinctively wells up from within the human being. If, for example, the miller is a hero and has the idea of a lion, then feelings rise up from within him such that he is not afraid of the lion; if the farmer is a coward, so that he runs away when he thinks of a lion, then it is the subjective that comes into play. That is the soul that comes into play. The lion's thoughts have something general about them that is not soul-like, but spiritual. Because this instinctive impulse comes from the human being, the thought becomes soul-like. And that also makes the idea of the lion spiritual, whether it causes the miller to always think of the instrument when he thinks of a lion, with which he attacks the lion, defends himself against it for my sake, or whether the Schulze always has to think, when he thinks of the lion, how he can run away as quickly as possible, and so on. This is what makes the whole thing spiritual in ordinary life. And the spiritual always radiates, in a certain sense, into the mental, I would say.

[ 12 ] Ja, aber wenn Sie jetzt aufrücken zur imaginativen Erkenntnis und von da zur inspirierten Erkenntnis, dann wird die Sache anders. Dann haben Sie allerdings zunächst die große Mühe, dasjenige, was viel deutlicher, weil ungeschminkt heraufkommt, die Triebe und Instinkte, zurückzuschlagen, diese sich nicht aussprechen zu lassen; die müssen nun zurück, die dürfen sich nicht aussprechen. Aber es kommt etwas anderes herauf. Da kommt diesen Gedanken, die ja angeregt sind von der Außenwelt und die so vornehm im Kopfe ihre Behausung aufgeschlagen haben, entgegen durch das Herz, das in gewissem Sinne jetzt ein wunderbares Sinnesorgan wird — das Herz wird so groß wie der ganze Blutorganismus, und es wird ein großes ätherisches Sinnesorgan -, da kommt herauf jetzt nicht dasjenige, was in den Trieben und Instinkten lebt, sondern da kommt jetzt herauf eine Summe von Gedanken (helle Pfeile), die den oberen Gedanken entgegenkommen. Aber diese Gedanken, sie sind mächtige Bilder, und sie sprechen gar nicht dasjenige aus, was sonst heraufkommt aus dem Organismus; sie sprechen jetzt das aus, was der Mensch vor der Geburt war.

[ 12 ] Yes, but if you now move on to imaginative knowledge and from there to inspired knowledge, then things become different. Then, however, you first have the great difficulty of repressing what comes up much more clearly because it is unvarnished, the drives and instincts, of not allowing them to express themselves; they must now go back, they must not be allowed to express themselves. But something else comes up. These thoughts, which are stimulated by the outside world and have taken up residence in the head in such a distinguished manner, are met by the heart, which in a certain sense now becomes a wonderful sense organ — the heart becomes as large as the entire blood organism, and it becomes a large etheric sense organ — Now it is not what lives in the drives and instincts that comes up, but a sum of thoughts (bright arrows) that meet the higher thoughts. But these thoughts are powerful images, and they do not express what otherwise comes up from the organism; they now express what the human being was before birth.

[ 13 ] Der Mensch lernt sich erkennen in der geistigen Welt, bevor er hier auf der Erde geboren, beziehungsweise konzipiert worden ist. Das kommt dem Menschen entgegen. Der Mensch wird versetzt dadurch, daß ihm das entgegenkommt, jetzt nicht in seine Triebe, Begierden, sondern er wird versetzt, wenn er imaginative und inspirierte Erkenntnis hat, in sein Dasein in der geistigen Welt, bevor er heruntergestiegen ist zu einer physischen Verkörperung. Und indem sich der Mensch da drinnen erkennen lernt, lernt er auch zugleich etwas kennen, was also anders ist vor der imaginativen und inspirierten Erkenntnis als die Außenwelt, die uns sonst umgibt; wo wir Elementarwesen, Engel, Erzengel und so weiter kennenlernen. Wir lernen uns aus der Weisheit selbst kennen in unserer erweiterten Wesenheit über das Erdendasein hinaus.

[ 13 ] Human beings learn to recognize themselves in the spiritual world before they are born or conceived here on earth. This comes to meet them. Through this accommodation, the human being is not transported into his instincts and desires, but, when he has imaginative and inspired knowledge, he is transported into his existence in the spiritual world before he descended into a physical embodiment. And as human beings learn to recognize themselves there, they also learn something that is different from the outer world that otherwise surrounds us, where we encounter elemental beings, angels, archangels, and so on. We get to know ourselves from wisdom itself in our expanded being beyond earthly existence.

[ 14 ] Das aber gibt einen sehr bedeutsamen Aufschluß über das seelische Erleben. Wir sagen uns nach und nach: Dieses seelische Erleben, im Kopfe ist es ganz ausgeflossen; da steckt es ganz darinnen im Kopfe, hat den Kopf gebildet als sein Abbild (siehe Zeichnung, blau). Das bietet sich nur der Außenwelt dar, so daß diese die Bilder einmalen kann, die wir dann bekommen und die wir im Gedächtnisse festhalten. Aber hier unten, da ist dieses Leben darinnen, ohne daß es sich - ich habe das schon gestern angedeutet - so intensiv verbindet mit dem Physischen; da ist es mehr getrennt. So daß wir da hinunterblicken in uns selber, wenn das Herz das Auge wird für dieses Hinunterblicken auf diesen Teil, in die flammenden, sengenden, brennenden Emotionen, Begierden, Leidenschaften, Triebe auf der einen Seite; auf der anderen Seite aber ist das, was sich nicht mit dem verbinden mag, was unser ewiges Wesen ist, was nebenher lebt.

[ 14 ] But this provides very significant insight into the soul experience. We gradually say to ourselves: This soul experience has completely flowed out into the head; it is completely contained there in the head, has formed the head as its image (see drawing, blue). This is only presented to the outside world, so that it can paint the pictures that we then receive and hold in our memory. But down here, there is this life within, without being so intensely connected to the physical—I already hinted at this yesterday—there it is more separate. So that we look down into ourselves when the heart becomes the eye for this downward gaze onto this part, into the flaming, scorching, burning emotions, desires, passions, drives on the one hand; but on the other hand, there is that which cannot connect with what is our eternal being, what lives alongside it.

[ 15 ] Und jetzt wird uns klar: Für unseren Kopf ist unser Seelisches so, daß es darinnen begraben ist; es ruht da drinnen. Der Kopf ist eigentlich nur ein äußeres Reflexionsorgan für die physische Umgebung. Da fassen wir nur die Außenwelt. Uns selbst fassen wir, wenn wir durch das Herz tiefer in uns hineinschauen. Das gewöhnliche Leben schlägt uns bloß die Emotionswogen herauf. Lernen wir aber durch höhere Erkenntnis mehr davon kennen, so schlägt uns da unser ewiges Dasein herauf. Jetzt lernt die Seele verbunden sein mit dem Geiste, der wir selbst sind. Die äußere Welt, die wir betrachten als geistige Umgebung, die sind wir nicht. Das, was wir da drinnen durch unser Herz, das Sinnesorgan wird, erblicken, das sind wir selbst. Der Weg, der sonst nur in das Seelische führt, indem das Seelische seine Außenseite, die Triebe, die Begierden, zeigt, dieser selbe Weg führt uns hinein in das ewige Seelische, das in uns ist und das vom Geistigen durchdrungen ist, das ebenso geistig ist wie die geistige Umwelt. Jetzt kommen wir hinein in das Gebiet, wo die Seele mit dem Geiste eins ist.

[ 15 ] And now it becomes clear to us: for our head, our soul is such that it is buried within it; it rests there. The head is actually only an external organ of reflection for the physical environment. There we only grasp the external world. We grasp ourselves when we look deeper into ourselves through the heart. Ordinary life merely throws up waves of emotion. But when we learn more about it through higher knowledge, our eternal existence comes to the surface. Now the soul learns to be connected with the spirit that we ourselves are. The external world, which we regard as our spiritual environment, is not what we are. What we see there through our heart, the organ of the senses, is what we ourselves are. The path that otherwise leads only into the soul, in that the soul shows its outer side, the instincts, the desires, this same path leads us into the eternal soul that is within us and that is permeated by the spirit, which is just as spiritual as the spiritual environment. Now we enter the realm where the soul is one with the spirit.

[ 16 ] Sie können noch so sehr zu Ihrem Gehirn zurückblicken - das ist physisch; da sind Sie selber physisch. Aber es ist das Gehirn auch die Hauptdomäne der gegenwärtigen materialistischen Seelenbetrachter. Sie sagen, sie betrachten die Seele, betrachten aber nur das Gehirn. Das können sie auch, weil das Gehirn ein Ausdruck ist für das Seelische. Da ist das Seelische drinnen begraben, da ist es untergetaucht, da ruht der Leichnam des Seelischen drinnen. Dieser Leichnam des Seelischen ist die Domäne der gegenwärtigen Seelenforschung. Aber an sich ist das Seelische so, wie es als Seelisches ist, und mit dem Geiste verbunden, unterhalb des Herzens, und da verbindet es sich nicht innig mit demjenigen, was Triebe, Begierden sind, sondern eben nur äußerlich.

[ 16 ] You can look back at your brain as much as you like—it is physical; you yourself are physical there. But the brain is also the main domain of present-day materialistic observers of the soul. They say they are observing the soul, but they are only observing the brain. They can do that because the brain is an expression of the soul. The soul is buried inside it, submerged, and the corpse of the soul rests there. This corpse of the soul is the domain of contemporary soul research. But in itself, the soul is as it is as soul, and connected with the spirit, below the heart, and there it does not connect intimately with what are drives and desires, but only externally.

[ 17 ] Nun macht man aber noch eine andere Entdeckung. Sehen Sie, wenn Sie irgendeinen Sinn, zum Beispiel das Auge nehmen: Sie schauen zunächst physisch um sich herum. Sehen wir ab davon, daß wir ja meistens hier bei künstlichem Licht sind; wir würden sehr leicht nachweisen können, daß das, nur auf einem Umweg, doch auch mit dem Sonnenlicht etwas zu tun hat, aber darauf wollen wir jetzt nicht sehen. Wir wollen uns nur vorstellen einen schönen Vormittagsvortrag auf freiem Felde und würden statt dieser schrecklichen Beleuchtung das Sonnenlicht draußen haben. Wir wollen uns das vorstellen; das ist etwas, was dem Menschen auch manchmal passiert. Ja, aber da sehen wir überall die Sonne, denn die Sonne ist nicht bloß diese Scheibe da oder diese Kugel, sondern sie strahlt; wenn sie auf eine Blume strahlt, gehen die Strahlen zu uns zurück. Die Sonne ist es, die da in unser Auge eindringt und durch die wir die Blume gewahr werden, durch die wir uns auch die Vorstellung bilden von der Blume. Überall, an allen Gegenständen, ist es die Sonne. Aber das begreift ja der Mensch leicht, daß, insofern er die Gegenstände um sich herum beleuchtet sieht, es die Sonne ist, die auf dem Umwege durch seinen Kopf, durch sein Auge alles, was er von diesen Gegenständen äußerlich physisch weiß, vermittelt. Aber es ist nicht nur das die Sonne, was das Auge wahrnimmt. Es hat schon einen tieferen Wahrheitsgehalt, wenn wir im «Faust» hören: «Die Sonne tönt nach alter Weise in Brudersphären Wettgesang.» Es ist solch eine Weltharmonie vorhanden, und dasjenige, was sich von dieser Weltharmonie in unserem Luftkreis geltend macht, ist schließlich auch ein Sonnenreflex, so daß schon auch das Tönende auf einem gewissen Umweg von dem Sonnenhaften kommt. Alles Wahrnehmbare in der äußeren physischen Welt kommt schon von dem Sonnenhaften. Wärme, Ton, alles kommt, nur nicht so direkt wie das Licht, von dem Sonnenhaften.

[ 17 ] Now, however, we make another discovery. Take any sense, for example, the eye: you first look around you physically. Let us disregard the fact that we are mostly here in artificial light; we could very easily prove that this has something to do with sunlight, albeit indirectly, but we do not want to go into that now. Let us just imagine a beautiful morning lecture in an open field, where instead of this terrible lighting we have sunlight outside. Let us imagine that; this is something that sometimes happens to people. Yes, but there we see the sun everywhere, because the sun is not just this disc or this sphere, but it shines; when it shines on a flower, the rays come back to us. It is the sun that enters our eyes and through which we perceive the flower, through which we also form the idea of the flower. Everywhere, on all objects, it is the sun. But it is easy for humans to understand that, insofar as they see the objects around them illuminated, it is the sun that, via a detour through their heads and eyes, conveys to them everything they know about these objects externally and physically. But it is not only the sun that the eye perceives. There is a deeper truth in the words of Faust: “The sun sings in ancient fashion in brotherly spheres.” Such a world harmony exists, and what makes itself felt in our atmosphere is ultimately also a reflection of the sun, so that even sound comes, in a certain roundabout way, from the sun. Everything perceptible in the outer physical world comes from the sun. Heat, sound, everything comes from the sun, only not as directly as light.

[ 18 ] Und jetzt muß ich etwas sagen, was natürlich für das erste Hören etwas Überraschendes hat, etwas hat, was einem so erscheint, als ob man es nicht gleich verstehen könnte. Aber man kann schon eindringen, wenn man nur die Dinge verfolgt, so wie wir gewöhnt sind, die Dinge durch Anthroposophie zu verfolgen. In dem, was wir da so äußerlich sehen durch das Vorhandensein der Sonne und unser sinngemäßes Verbundensein mit dem, was die Sonne uns sehen läßt an der äußeren Welt, sind wir eigentlich da in dem Sonnenhaften drinnen. In dem äußerlich physisch-ätherisch Sonnenhaften sind wir drinnen.

[ 18 ] And now I must say something that is naturally surprising at first hearing, something that seems as if it cannot be understood immediately. But one can penetrate it if one follows things as we are accustomed to following things through anthroposophy. In what we see externally through the presence of the sun and our sense connection with what the sun allows us to see in the external world, we are actually inside the solar sphere. We are inside the external physical-etheric solar sphere.

[ 19 ] Wenn wir jetzt zu der imaginativen Erkenntnis kommen, zu der inspirierten Erkenntnis — wenn ich mich so ausdrücken darf, aber nur in dem Sinne ist das aufzufassen, wie ich es eben gesagt habe -, wenn wir nun durch unser Herz weiter in unserem eigenen Wesen vordringen, so wird es mit diesem Sonnenhaften etwas anderes. Wir bekommen in einem bestimmten Punkt, wo die inspirierte Erkenntnis auftritt, wo wir so weben mit der inspirierten Erkenntnis in einer realen Bilderwelt, nun das Bewußtsein, wie wenn wir plötzlich wie durch einen inneren seelisch-geistigen Ruck in die Sonne selber eingelaufen wären.

[ 19 ] When we now come to imaginative knowledge, to inspired knowledge — if I may express myself in this way, but only in the sense I have just explained — when we now penetrate further into our own being through our heart, something different happens with this solar element. At a certain point, where inspired knowledge arises, where we weave with inspired knowledge in a real world of images, we become conscious, as if we had suddenly entered the sun itself through an inner soul-spiritual jolt.

[ 20 ] Das ist ein Erlebnis, das Sie sich nur seiner Bedeutung nach vor die Seele stellen sollen. Diese Sonne scheint uns auf die Erde. Wir nehmen als Menschen wahr, was um uns herum ist als Rückstrahlung des Sonnenhaften. In dem Momente aber, wo wir zur inspirierten Erkenntnis kommen, wo das Herz Sinneswahrnehmungsorgan wird, wie ich es geschildert habe, für uns selbst, da fühlen wir uns plötzlich in der Sonne drinnen. Wir fühlen uns nicht mehr so, wie wenn wir hinaufschauen würden und die Sonne da so gehen sehen würden ich nehme jetzt nur die scheinbare Bewegung an -, sondern wir fühlen uns wie mit unserem Herzen in der Sonne drinnen und mit der Sonne selber gehend, indem das Herz unser Sinnesorgan wird. Für uns selbst wird das Herz zu gleicher Zeit wie hinausgerückt in die Sonne, und die Sonne wird unser Auge, mit dem wir jetzt dasjenige, was anfängt, um uns herum zu sein, anschauen. Die Sonne wird jetzt zu unserem Auge, auch zu unserem Ohr, auch zu unserem Wärmeorgan. Wir haben nun nicht mehr das Gefühl, daß wir außerhalb des Sonnenhaften sind, sondern wir haben das Gefühl: Wir sind in das Sonnenhafte hineingerückt, wir stehen innerhalb des Lichtes. Wir sind sonst immer außerhalb des Lichtes. Jetzt, wenn wir mit unserem eigenen Wesen in unser Herz eingetaucht sind, haben wir der Welt gegenüber das Gefühl: Wir stehen innerhalb des Lichtes, und unser eigenes Wesen ist Licht. Wir berühren mit unseren Lichtorganen, die wir jetzt in dem wallenden, webenden Lichte haben, die geistigen Wesenheiten. Wir werden mit unserem Seelischen jetzt verwandt der Welt, die nicht außerhalb der Sonne ist, sondern die innerhalb der Sonne ist, und zwar, ich bemerke ausdrücklich: linienhaft werden wir das, wir fühlen uns wie auf dem Weg der Sonne, linienhaft auf dem Weg der Sonne. Und geht jetzt die höhere Erkenntnis nur um ein kleines Stück weiter, dann fühlen wir uns nicht nur in der Sonne drinnen, sondern dann fühlen wir uns gewissermaßen da jenseits der Sonne (siehe Zeichnung). Früher waren wir da unten so ein kleiner Mensch und sahen zur Sonne hinauf. Jetzt sind wir in die Sonne hineingekommen, fühlen uns mit unserem seelischen Wesen innerhalb der Sonne, und die Welt ist in uns, die bisher um uns herum war (grün).

[ 20 ] This is an experience that you should only imagine in your soul in terms of its meaning. This sun shines upon us on earth. As human beings, we perceive what is around us as a reflection of the sun. But at the moment when we attain inspired knowledge, when the heart becomes an organ of sensory perception, as I have described, we suddenly feel ourselves inside the sun. We no longer feel as if we were looking up and seeing the sun moving there—I am now assuming only the apparent movement—but we feel as if our heart were inside the sun and we were walking with the sun itself, because the heart becomes our sense organ. For us, the heart is simultaneously moved out into the sun, and the sun becomes our eye, with which we now see what is beginning to be around us. The sun now becomes our eye, our ear, and our organ of warmth. We no longer have the feeling that we are outside the sun, but rather that we have moved into the sun, that we are standing within the light. We are otherwise always outside the light. Now, when we are immersed in our own being in our heart, we have the feeling toward the world that we are standing within the light, and our own being is light. With our light organs, which we now have in the flowing, weaving light, we touch the spiritual beings. With our soul, we now become related to the world that is not outside the sun, but within the sun, and I note expressly: we become linear, we feel as if we are on the path of the sun, linear on the path of the sun. And if our higher knowledge now goes just a little further, then we feel not only inside the sun, but then we feel, as it were, beyond the sun (see drawing). Before, we were down there as little human beings looking up at the sun. Now we have entered the sun, we feel ourselves with our soul being within the sun, and the world that was previously around us (green) is within us.

[ 21 ] Aber erst wenn wir dies errungen haben, beginnen wir zu verstehen, daß wir, wenn wir im gewöhnlichen Erdenleben schlafen, mit unserer Seele da hinausgehen. Da sind wir, wo wir so eingerichtet sind, daß wir eigentlich nur durch die Sonne wahrnehmen sollen. Jetzt gehen wir mit unserem Seelischen da hinaus in die Welt, die uns nur durch die Sonnenreflexion klar werden kann; daher nehmen wir da nichts wahr. Wir müßten hinausrücken über das Gebiet der Sonnensphäre. Das geschieht aber erst durch die Inspiration, später durch die Intuition; da nehmen wir erst etwas wahr, weil wir uns gewissermaßen als menschliche Erdenwesen, wenn wir aus unserem physischen Leib und aus unserem Ätherleib herausgehen, da durch alle die Erdengegenstände durchquetschen; vom Einschlafen bis zum Aufwachen quetschen wir uns durch alle möglichen Erdengegenstände durch. Da ist zunächst von uns selbst nicht viel wahrzunehmen. Andere Wesen nehmen wir wahr, aber erst, wenn wir uns darauf eingerichtet haben; uns selbst aber können wir erst wahrnehmen, wenn wir durch Schulung da hinauskommen in das Gebiet, in dem wir waren zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.

[ 21 ] But only when we have achieved this do we begin to understand that when we sleep in ordinary earthly life, we go out there with our soul. There we are, where we are so arranged that we are actually only supposed to perceive through the sun. Now we go out with our soul into the world, which can only become clear to us through the reflection of the sun; therefore, we perceive nothing there. We would have to move beyond the realm of the sun sphere. But this happens only through inspiration, later through intuition; only then do we perceive something, because when we leave our physical body and our etheric body, we squeeze through all the objects of the earth as, in a sense, human beings on earth; from the moment we fall asleep until we wake up, we squeeze through all kinds of objects on earth. At first, there is not much to perceive of ourselves. We perceive other beings, but only when we have adjusted ourselves to them; but we can only perceive ourselves when, through training, we emerge into the realm where we were between death and a new birth.

[ 22 ] Was ist es denn eigentlich, was uns abtrennt von diesem Gebiet, in dem wir leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt? Ja, man kann nichts anderes sagen als: Die Sonne ist das. Wir werden als Menschen in die physische Welt hineingeboren. Vor der Konzeption, bevor wir heruntergestiegen sind, haben wir mit der äußeren physischen Sonne nichts zu tun, nur mit dem, was hinter der Sonne als Geistiges steht, mit dem haben wir zu tun. Jetzt steigen wir in die physische Welt herunter. Da strahlt überall die Sonne hin. Was sie uns sichtbar macht auf physische Weise, das nehmen wir in unsere Gedanken, in unsere Vorstellungen auf. Diese physische Sonne verhindert uns, das Geistige zu sehen. Und wenn wir nach dem Einschlafen da draußen sind unter den Gegenständen, die sie uns sonst sichtbar macht, sind wir eben, weil wir während des Erdenlebens mit unserem physischen Leib an das Erdenleben gewöhnt sind, zu schwach, um hinauszusehen außerhalb des Sonnengebietes, und im Sonnengebiet können wir nichts sehen, denn da würden wir die anderen Wesen sehen müssen, die uns entweder als elementarische Geister oder als Geister der höheren Hierarchien in der äußeren Welt umgeben.

[ 22 ] What is it that separates us from this realm in which we live between death and a new birth? Yes, one can say nothing other than: it is the sun. We are born into the physical world as human beings. Before conception, before we descended, we had nothing to do with the external physical sun; we only had to do with what stands behind the sun as spirit. Now we descend into the physical world. The sun shines everywhere. What it makes visible to us in a physical way, we take into our thoughts, into our imaginations. This physical sun prevents us from seeing the spiritual. And when we are out there after falling asleep, among the objects that it otherwise makes visible to us, we are too weak to see outside the sun's realm, precisely because we are accustomed to earthly life with our physical bodies during our earthly life. and in the sun's sphere we cannot see anything, because there we would have to see the other beings that surround us in the outer world, either as elemental spirits or as spirits of the higher hierarchies.

[ 23 ] Sie sehen also, das, um was es sich handelt, ist auch von diesem Gesichtspunkte aus gesehen, daß das Seelische erstens als solches erkannt werden kann durch eine höhere Erkenntnis, als es die des gewöhnlichen Bewußtseins ist, zweitens aber, daß dieses Seelische innig verwandt ist mit demjenigen, was Welt ist. Die Seele hängt mit der ganzen Weltentwickelung zusammen, und wenn wir in unserem Leibe sind, dann ist es die Sonne, die uns alles Äußerliche sichtbar macht, auch hörbar macht und so weiter, die uns aber hindert, in die geistige Welt hineinzuschauen. Wir kommen gewissermaßen, wenn wir zur geistigen Welt aufsteigen, auf die andere Seite der Sonne. Wir sind hier diesseits des Sonnenwesens; wir kommen auf die andere Seite der Sonne, wenn wir zur geistigen Welt vorschreiten. Und bei dem Übergang von der einen Seite des Sonnenlebens zu der anderen Seite des Sonnenlebens haben wir das Bewußtsein, von dem ich eben gesprochen habe, daß wir uns wie in der Sonne, mit der Sonne fühlen, mit der Sonne die Weltenwege machen und so weiter. So daß wir unser Seelisches gar nicht kennenlernen können, ohne daß wir dieses Seelische in innigem Zusammenhange betrachten mit der ganzen Weltentwickelung, mit dem ganzen Weltenwesen.

[ 23 ] You see, then, that what is at issue here, from this point of view, is that the soul can be recognized as such, first, through a higher knowledge than that of ordinary consciousness, and second, that this soul is intimately related to what the world is. The soul is connected with the entire development of the world, and when we are in our bodies, it is the sun that makes everything external visible to us, audible, and so on, but it also prevents us from seeing into the spiritual world. When we ascend to the spiritual world, we come, so to speak, to the other side of the sun. We are here on this side of the sun; we come to the other side of the sun when we advance into the spiritual world. And in the transition from one side of solar life to the other, we have the consciousness I just spoke of, that we feel as if we were in the sun, with the sun, traveling the paths of the worlds with the sun, and so on. So we cannot get to know our soul at all without considering this soul in intimate connection with the whole development of the world, with the whole world being.

[ 24 ] Was uns, ich möchte sagen, einsam an einen bestimmten Ort der Erde stellt, das ist unser physischer Leib, der auf das äußere Sonnenhafte eingestellt ist und der uns hindert, unser Seelisches zu verbinden mit dem All, der uns isoliert. Das Isolierende ist ja unser Organismus. So lebt denn der Mensch eigentlich im Sonnenhaften. Und Sie wissen, in dieses Sonnenhafte mischt sich - wollen wir jetzt rein den äußeren Tatbestand betrachten - das Mondenhafte herein, äußerlich so: die Sonne bescheint den Mond. In mondhellen Nächten wirft der Mond das Sonnenlicht zurück. Wir haben das Sonnenlicht vom Monde. Das heißt, wir haben eine Art von Abschattung, oder Abhellung könnte man sagen, der Welt in alledem, was nun unter dem Einfluß des Mondenhaften in die Welt kommt.

[ 24 ] What places us, I would say, in a certain location on Earth is our physical body, which is attuned to the external sun and prevents us from connecting our soul with the universe, which isolates us. The isolating factor is our organism. Thus, human beings actually live in the sun. And you know that the moon mixes into this sun—let us now consider purely the external facts—externally in this way: the sun shines on the moon. On moonlit nights, the moon reflects the sunlight. We have the sunlight from the moon. This means that we have a kind of shadowing, or lightening, one might say, of the world in everything that now comes into the world under the influence of the moon.

[ 25 ] Nun kommt in die Welt herein nicht nur das silberglänzende Mondenlicht, das uns bei scheinendem Monde die Gegenstände so im Nebelhaften bespiegelt, wie uns sonst klar und hell und begrenzt in Konturen das Sonnenlicht bei Tag die Gegenstände spiegelt. Nicht nur dieser Abglanz des Sonnenlichtes von den Gegenständen kommt uns zu, sondern in den Wesen der Erde lebt das Mondenhafte auch dadurch, daß diese Wesen der Erde fortpflanzungsfähig sind. In allem Fortpflanzungsfähigen, was dann mit den Vererbungskräften verbunden ist, lebt das Mondenhafte.

[ 25 ] Now, it is not only the silvery moonlight that enters the world, reflecting objects in a misty way when the moon is shining, just as sunlight reflects objects clearly, brightly, and with defined contours during the day. Not only does this reflection of sunlight from objects reach us, but the lunar aspect also lives in the beings of the earth through their ability to reproduce. The lunar aspect lives in everything that is capable of reproduction and is therefore connected with the forces of heredity.

[ 26 ] Wenn der Mensch nur unter dem Einfluß des Sonnenhaften wäre, so würde er ja schon Mensch sein können auf der Erde, aber er würde nicht einen anderen Menschen hervorbringen können. Wenn bloß das Sonnenlicht immer vorhanden wäre, so würde die Erde gewissermaßen einen Dauerzustand darstellen. Es würde kein Wesen vergehen und kein neues entstehen. Alles Vererbbare, alles Fortpflanzungsmäßige wäre nicht da. So daß? man sagen kann: Das Sonnenhafte ist auf der Erde das zunächst physisch Urkräftige. Es vertreibt unser Seelisches an der Kopfseite des Menschen; es macht da alles zum Bilde auf der Kopfseite. Real werden wir im gewöhnlichen Seelenleben erst durch unsere Triebe, durch unsere Emotionen; im höheren Seelenleben, wenn wir durch das Herz den Geist durchschauen, aber auch wenn wir außerhalb des Sonnenhaften kommen. Also das Sonnenhafte ist das in der Sinneswelt Urkräftige, möchte man sagen. Damit es nicht ganz allein mächtig ist, damit dieses Sonnenhafte nicht dauernd werde, damit nicht alle Pflanzen dauernd werden, sondern absterben und neue hervorbringen, nicht alle Tiere dauernd werden, sondern absterben und vorher neue hervorgebracht haben, ebenso beim Menschen, ist beigemischt in der Entwickelung der Welt dem Sonnenhaften das Mondenhafte. Und so ist auch dem Menschen das Mondenhafte eingegliedert.

[ 26 ] If human beings were only under the influence of the sun, they would indeed be able to exist on earth, but they would not be able to produce other human beings. If only sunlight were always present, the earth would, in a sense, be in a permanent state. No being would pass away and no new being would come into existence. Everything hereditary, everything reproductive would not exist. So that one can say: The sun-element is the primary physical force on earth. It drives our soul at the head of the human being; it makes everything into images at the head. We only become real in ordinary soul life through our instincts, through our emotions; in higher soul life, when we see through the spirit with our heart, but also when we come outside the solar element. So the solar element is the primal force in the sensory world, one might say. So that it is not powerful all by itself, so that this solar element does not become permanent, so that not all plants become permanent but die and produce new ones, so that not all animals become permanent but die and have produced new ones before, and so that the same happens with human beings, the lunar element is mixed in with the solar element in the development of the world. And so the lunar element is also incorporated into human beings.

[ 27 ] Das Mondenhafte ist immer tätig, wenn ein neues Menschenwesen in die Welt eintritt. Da geht gewissermaßen das Sonnenhafte nicht bloß bis an die Oberfläche, sondern bis ins Innere des Menschen und schließt den Menschen aus einer gewissen Sphäre aus. Beachten Sie dieses auf der einen Seite. Wir haben also gewissermaßen die mächtige Sonnengewalt; aus der mächtigen Sonnengewalt herausgeworfen einen gewissen Teil unserer äußeren Weltentwickelung, indem das Mondenhafte da hineinkommt.

[ 27 ] The lunar element is always active when a new human being enters the world. In a sense, the solar element does not merely reach the surface, but penetrates into the innermost being of the human being and excludes the human being from a certain sphere. Keep this in mind on the one hand. So we have, in a sense, the powerful force of the sun; and thrown out of the powerful force of the sun is a certain part of our outer world development, as the lunar element enters there.

[ 28 ] Wenn ich schematisch das beim Menschen zeichnen soll (Zeichnung S. 82), so müßte ich sagen: Wenn das ein Menschen-Schema ist, würde das Mondenhafte sich eben eingliedern (orange). Da wird aus dem ganzen menschlichen Wesen, insofern dieses Sonnenhafte daran beteiligt ist, dieses Sonnenhafte herausgeworfen, und das Mondenhafte macht sich geltend. Sie sehen also, es ist dem urkräftigen Sonnenhaften in der äußeren physischen Welt etwas genommen. Daher kann sich auch das, was da mondenhaft sich abspielt, in der Fortpflanzung nicht äußerlich in der Welt abspielen — nur bei den allerniedersten Tieren ein Teil davon, indem die Eier ausgelegt werden und von der Sonne dann ausgebrütet werden -, das entzieht sich der äußeren Welt da, wo gerade dieses Mondenhafte recht stark wird.

[ 28 ] If I were to draw this schematically in relation to the human being (drawing $. 82), I would have to say: If this is a diagram of the human being, the lunar element would be integrated (orange). The whole human being, insofar as the solar element is involved, is thrown out, and the lunar element asserts itself. You see, therefore, that something is taken away from the primal solar element in the outer physical world. That is why what takes place in the lunar sphere cannot manifest itself externally in the world in the process of reproduction — only in the lowest animals does part of it manifest itself, in that the eggs are laid and then hatched by the sun — it withdraws from the external world where the lunar element becomes particularly strong.

[ 29 ] Aber das hat einen Gegenpol. Das, was der Sonne auf der einen Seite genommen wird und wodurch ermöglicht wird durch das Mondenhafte, daß auf der Erde irdische Fortpflanzung ist und irdische Vererbung, das wird ihr auf der anderen Seite wieder gegeben. Und indem ihr dies gegeben wird, ist die Sonne nicht bloß jenes physische Wesen, von dem Ihnen erzählt wird in der äußeren Wissenschaft, sondern die Sonne hat ein Geistiges, eine Art Übersonne, was zu ihr gehört (Zeichnung $. 83, orange). Diese Übersonne gehört dazu zu der Sonne, aber diese Übersonne wirkt geradeso auf den Menschen wie der Mond, der eine Art Untersonne ist. Und in unserem Zeitalter wissen die Menschen nichts Vernünftiges über die Art, wie der Mond sich hineinstellt in die Erdenentwickelung; aber sie wissen erst recht nichts von dieser Übersonne, und daß so, wie der Mond seinen mächtigen Einfluß auf das Physische des Menschen hat, diese Übersonne den mächtigen Einfluß hat auf das Seelische des Menschen.

[ 29 ] But this has a counterpole. What is taken from the sun on the one hand, and which is made possible by the lunar aspect, namely earthly reproduction and earthly inheritance on earth, is given back to it on the other hand. And in that it is given back, the sun is not merely the physical being described to you in outer science, but the sun has a spiritual aspect, a kind of super-sun that belongs to it (drawing, orange). This super-sun belongs to the sun, but this super-sun acts on human beings in exactly the same way as the moon, which is a kind of sub-sun. And in our age, people know nothing reasonable about the way the moon fits into the development of the earth; but they know even less about this super-sun, and that just as the moon has its powerful influence on the physical aspect of human beings, this super-sun has a powerful influence on the soul aspect of human beings.

[ 30 ] Sehen Sie, das haben ältere Menschen aus einem instinktiven Hellsehen heraus gewußt und daher, wenn sie das andeuten wollten bei besonders für das Geistige begabten Menschen, für das wirklich Geistige, für das Spirituelle begabten Menschen, angedeutet, daß die Übersonne auf sie wirkt, kurz, daß sie nicht bloß sind, was sie sind durch Sonne und Mond, sondern daß sie auch das sind, was sie durch die Übersonne sind, daß sie mehr sind als dieser physische Leib. So wie der Mensch physisch mehr ist als sein äußerer physischer Leib in seiner Begrenzung, indem er einen Menschen aus sich hervorbringen kann, indem er also hinausgeht nach der physischen Seite, so ist der Mensch auch mehr nach einer geistigen Seite. Man hat das in einer Zeit instinktiven Hellsehens gewußt und hat deshalb dem Menschen den Heiligenschein gegeben. Geradeso wie der Mensch in der physischen Welt hinausgeht über sein eigenes Wesen, indem er ein fortpflanzungsfähiges Wesen ist, geht er durch die Übersonne aus dem gewöhnlichen Seelischen, das an den Körper gebunden ist, hinaus, ragt ins Geistige hinein und trägt nach der Ansicht der Älteren den Heiligenschein. Wenn Neuere den Heiligenschein machen, so ist er immer wie eine aufgesetzte Kappe, weil sie keine Ahnung haben, wie das mit dem Menschenwesen wirklich zusammenhängt. Das ist keine Kappe, sondern das ist etwas, was der Mensch durch die Übersonne hat; das ist eine Erweiterung seines Seelischen in das Geistige hinein bis zu dem Grade, daß diese Erweiterung im Ätherischen sichtbar werden kann.

[ 30 ] You see, older people knew this from an instinctive clairvoyance, and therefore, when they wanted to hint at this to people who were particularly gifted for the spiritual, for the truly spiritual, they hinted that the super-sun was working on them, in short, that they are not merely what they are through the sun and moon, but that they are also what they are through the super-sun, that they are more than this physical body. Just as the human being is physically more than his outer physical body in its limitations, in that he can bring forth a human being from himself, in that he thus goes out beyond the physical side, so the human being is also more on a spiritual side. This was known in a time of instinctive clairvoyance, and that is why people were given halos. Just as man in the physical world goes beyond his own being by being a reproductive being, he goes beyond the ordinary soul, which is bound to the body, through the super-sun, protrudes into the spiritual, and, according to the view of the ancients, bears the halo. When modern people create halos, they are always like caps placed on the head, because they have no idea how this really relates to the human being. It is not a cap, but something that human beings have through the super-sun; it is an extension of their soul into the spiritual realm to such an extent that this extension can become visible in the ether.

[ 31 ] Da werden wir, indem wir durch Anthroposophie wiederum verstehen lernen, warum aus einer älteren atavistischen Anschauung der Heiligenschein gemacht worden ist, tief hineingeführt in das Seelisch-Geistige auf der einen Seite, und auf der anderen Seite werden wir hineingeführt in dasjenige, was ältere, wenn auch traumhaft-atavistische Hellsehererkenntnisse erschauen konnten von der Welt. Wahrheiten konnten sie erschauen. Und die neuere Menschheit ist ungemein töricht, wenn sie meint, daß aus irgendeiner Phantasie heraus die Menschen in älteren Zeiten gewissen Persönlichkeiten den Heiligenschein gegeben haben. Sie haben es nicht aus der Phantasie heraus getan, sondem sie haben damit andeuten wollen, daß solche Menschen vorzugsweise von der Übersonne beeinflußt sind, von demjenigen, was geistig-seelisch in der Sonne ist. Sie sehen also, daß der Mensch, wenn man ihn betrachtet seinem seelischen Wesen nach, wirklich seinen Organismus erfüllt; aber indem das Mondenhafte in ihn eindringt und das Mondenhafte da nur in seinem Abglanz erscheinen kann, wird der Mensch fremd seinem eigenen physischen Wesen. Das geht in Vererbungsverhältnisse hinein. Auf der anderen Seite nimmt der Mensch, indem die Sonne wiederum, ich möchte sagen, das, was sie durch den Mond für die Erde verliert, durch die Übersonne bekommt, teil an dem und rankt sich mit seinem Seelischen schon in seinem ätherischen Leib ins Geistige hinauf.

[ 31 ] Through anthroposophy, we learn to understand why the halo was created from an older, atavistic view, and we are led deep into the soul-spiritual realm on the one hand, and on the other hand, we are led into what older, albeit dreamlike, atavistic clairvoyants were able to perceive of the world. They were able to see truths. And modern humanity is extremely foolish if it thinks that people in earlier times gave certain personalities halos out of some fantasy. They did not do this out of fantasy, but wanted to indicate that such people were particularly influenced by the super-sun, by what is spiritually and soulfully present in the sun. You see, then, that when you consider the human being in terms of his soul nature, he truly fills his organism; but as the lunar element penetrates him, and the lunar element can only appear there in its reflection, the human being becomes alien to his own physical nature. This goes into hereditary relationships. On the other hand, because the sun, I would say, receives through the super-sun what it loses to the earth through the moon, the human being participates in this and, with his soul, already ascends into the spiritual realm in his etheric body.

[ 32 ] Diese Dinge muß man schon anführen, wenn man darauf hinweisen will, wie innig das Seelische des Menschen mit der Weltenentwikkelung zusammenhängt. Man kann einfach nicht über das Seelische des Menschen reden, wenn man nicht von der Weltentwickelung redet. Denn in dem Augenblicke, wo man zum wirklichen Seelischen vordringt, dringt man auch zu dem Sonnenhaften vor. Und wie der Mensch mit der Materie gerade dadurch intensiv verbunden ist, daß er die Vererbungsmerkmale an sich trägt, daß er also die Impulse der physischen Entwickelung an sich trägt, so ist er mit der geistigen Welt dadurch verbunden, daß er das, was bloße Kopfgeistigkeit ist, die eigentlich etwas Leichnamhaftes, Totes hat, mit dem Übersonnlichen durchdringt und dadurch diese Kopfgeistigkeit durchseelt wird. Und so ist es beim Menschen so, daß in sein Vorstellungswesen das Seelische hereinragt. Wie beim Müller, wenn er ein tapferer Kerl ist, bei dem Gedanken des Löwen, der Bild im Geistigen ist, die mutvollen Gefühle hereinragen, beim Hasenfuß Schulze die Fluchtgefühle hereinragen, wie da der Gedanke seelisch wird, seelisch aus dem menschlichen Organismus - denn das, was da hineinflutet in das Vorstellen, in das Denken, das sind schließlich doch die Kochprodukte des Organismus -, so strömt von der anderen Seite nun nicht Trieb, Begierde, Leidenschaft herein, sondern es strömt Weltenseele herein vom Übersonnlichen.

[ 32 ] These things must be mentioned if one wants to point out how intimately the soul of the human being is connected with the development of the world. One cannot simply talk about the soul of the human being without talking about the development of the world. For at the moment when one penetrates to the real soul, one also penetrates to the solar. And just as the human being is intensely connected with matter precisely because he carries the characteristics of heredity within himself, that is, because he carries within himself the impulses of physical development, so he is connected with the spiritual world in that he permeates what is mere intellectuality, which actually has something corpse-like, dead, with the super-solar, and thereby this intellectuality is animated. And so it is with human beings that the soul protrudes into their realm of ideas. As with the miller, if he is a brave fellow, courageous feelings emerge at the thought of the lion, which is an image in the spiritual realm; with the cowardly Schulze, feelings of flight emerge, as the thought becomes soulful, soulful from the human organism — for what floods into the imagination, into thinking, is ultimately the products of the organism — so now, from the other side, it is not instinct, desire, passion that flows in, but the world soul flows in from the supersensible.

[ 33 ] Und wir müssen uns schon klar sein darüber: Wenn wir den Menschen als in Geistesbildern, als in Vorstellungen lebend haben, so strömt in diese Vorstellungen herein von der einen Seite sein Triebhaftes, sein Animalisches und macht von der einen Seite das Vorstellen, das sonst kalt und nüchtern wäre, seelisch (siehe Zeichnung, tot); von der anderen Seite strömt das Übersonnliche herein (gelb). Das ist nun auch seelisch. Es ist nur ein Vorurteil, wenn man glaubt, daß derjenige, der nun nicht bloß in Emotionen lebt, sondern der aufnehmen kann auch das Übersonnliche aus der Welt in seine abstrakten Gedanken, daß der ein solch trockener Kumpan wird wie derjenige, der nur Gedanken hat.

[ 33 ] And we must be clear about this: If we have human beings living in mental images, in ideas, then on the one hand their instincts, their animal nature, flow into these ideas and make the imagination, which would otherwise be cold and sober, soulful (see drawing, dead); on the other hand, the supersensible flows in (yellow). This is also soulful. It is merely a prejudice to believe that someone who does not live solely in emotions, but who can also take in the supernatural from the world into their abstract thoughts, will become as dry a companion as someone who has only thoughts.

[ 34 ] Die Leute fürchten sich vor dem Spirituellen, wenn es in reiner, kosmischer Form auftritt, weil sie glauben: In bezug auf meine Gedanken bin ich schon ein genügend kalter Kerl; nehme ich nun noch die Weltgedanken auf, dann werde ich völlig ledern. - Da ist aber das Umgekehrte der Fall. Man wird ebenso innerlich warm, ebenso innerlich durchenthusiasmiert, aber eben in der reinen geistigen Form, wie man durchenthusiasmiert wird von den Trieben, von den Begierden, von dem Animalischen, das aus dem Organismus heraufstrahlt in das Gedankenhafte.

[ 34 ] People fear the spiritual when it appears in its pure, cosmic form because they believe: “I am already cold enough in my thoughts; if I now take in the thoughts of the world, I will become completely leathery.” But the opposite is true. One becomes just as warm inside, just as enthusiastic, but in a pure spiritual form, just as one is enthusiastic about the impulses, the desires, the animalistic nature that radiates from the organism into the realm of thought.

[ 35 ] Ich habe in meinem Buche «Goethes Weltanschauung» darauf aufmerksam gemacht, daß man wahrhaftig nicht bloß Wärme in das Gedankenhafte hineinbringen kann dadurch, daß man Triebartiges hineinmischt. Gewiß, die Leidenschaft, der Trieb macht die Gedanken warm, aber animalisch warm. Aber es gibt auch eine Wärme, die aus der Welt kommt, die von der Übersonne kommt, und man kann erglühen, indem man diese Weltenwärme, die jetzt nicht die animalische, sondern die die Wärme der über den Menschen stehenden Hierarchien ist, in sich aufnimmt. Wenigstens andeuten konnte ich das in meinem Buche «Goethes Weltanschauung», wo ich davon spreche, wie unrecht es ist, daß man einen Menschen, der ideenerfüllt ist, wenn seine Ideen von einer höheren Wärme durchzogen sind, auch als einen so trockenen Kumpan auffaßt und glaubt, selber einer zu werden, wenn man solche Ideen aufnimmt, wie das sonst bei den trockenen Ideen, die man eben heute zumeist allein kennt, der Fall ist.

[ 35 ] In my book Goethe's World View, I pointed out that one cannot truly bring warmth into the realm of thought simply by mixing in instinctual elements. Certainly, passion and instinct warm the thoughts, but they warm them in an animalistic way. But there is also a warmth that comes from the world, that comes from the super-sun, and one can glow by absorbing this world warmth, which is not animal warmth but the warmth of the hierarchies above man. I was at least able to hint at this in my book Goethe's World View, where I talk about how wrong it is to regard a person who is full of ideas, when his ideas are imbued with a higher warmth, as such a dry companion and to believe that one will become one oneself if one takes up such ideas, as is otherwise the case with the dry ideas that are mostly known today.

[ 36 ] Ich versuchte, Ihnen das Seelische also im Zusammenhange mit der Weltenentwickelung zu schildern und möchte dann morgen noch besondere Einzelheiten dieses Seelenlebens zur Darstellung bringen.

[ 36 ] I have attempted to describe to you the spiritual in connection with the development of the world, and tomorrow I would like to present some specific details of this spiritual life.