Human Soul-Life and Spiritual Striving
GA 212
7 May 1922, Dornach
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Human Soul-Life and Spiritual Striving, tr. SOL.
Fünfter Vortrag
Fifth Lecture
[ 1 ] Es wäre selbstverständlich über unser Thema noch außerordentlich viel zu sagen, allein man kann bei einem solchen Thema nur einzelne Andeutungen geben, und mit denen müssen wir uns auch zunächst begnügen. Ich werde heute versuchen, durch eine Art umfassenderen Überblicks Ihnen das Drinnenstehen der Seele in der ganzen Weltentwickelung zu zeigen.
[ 1 ] There is, of course, an extraordinary amount to say about our topic, but with such a subject one can only give a few hints, and we must be content with those for now. Today, I will attempt to show you, through a kind of comprehensive overview, the place of the soul in the entire development of the world.
[ 2 ] Wenn wir als beseelter Mensch zwischen Geburt und Tod die Außenwelt auf uns wirken lassen, so bekommen wir zunächst von dieser Außenwelt eine Summe von Eindrücken. Der heutige Mensch ist Ja insbesondere auch durch die wissenschaftliche Erziehung, die bis in die niedersten Schulen hineingeht, seit Jahrhunderten daran gewöhnt, diese Außenwelt als das Wesentliche zu betrachten. Man hat in der neueren Zeit sogar angefangen, die Seelenwissenschaft als eine Art Naturwissenschaft zu konstruieren. Das tun nicht nur die Gelehrten, das tut im Grunde genommen heute der einfachste Mensch. Alles das rührt davon her, daß der heutige Mensch wenig dazu veranlagt ist, zurückzuschauen in sich selbst. Daher wird er gar nicht leicht aufmerksam auf solche Dinge, wie sie gestern hier besprochen worden sind. Der Mensch der Gegenwart ist wenig geneigt, wenig gewöhnt, auf sich selbst in objektiver Weise zurückzuschauen. Er sieht auf dasjenige hin, was ich gestern als die heraufwellenden und -wogenden Triebe, die Begierden, die Leidenschaften, die Emotionen überhaupt genannt habe. Aber er ist wenig geneigt, in objektiver Weise auf dieses hinzuschauen, weil von dem, was in seinem Inneren ist, bei einer solchen Selbstschau nicht viel anderes heraufkommt als eben diese Begierde. Wenn sie auch manchmal durch die Erziehung verfeinert wird, sie bleibt doch diese Begierde, die heraufkommt, während der Mensch allerdings von der Außenwelt sich gewisse Ideen bildet, denen gegenüber er nicht persönlich beteiligt ist, die eine gewisse Objektivität haben.
[ 2 ] When we, as animated human beings, allow the external world to influence us between birth and death, we initially receive a sum of impressions from this external world. Modern human beings, especially through scientific education, which extends even to the lowest schools, have been accustomed for centuries to regard this external world as the essential reality. In recent times, people have even begun to construct the science of the soul as a kind of natural science. This is not only done by scholars, but basically by the simplest human beings today. All this stems from the fact that modern man has little inclination to look back into himself. Therefore, he does not easily become attentive to such things as were discussed here yesterday. The man of the present day is little inclined, little accustomed, to look back on himself in an objective way. They look at what I called yesterday the surging and swelling drives, the desires, the passions, the emotions in general. But they are not inclined to look at this objectively, because when they look within themselves, not much else emerges from their inner being than these very desires. Even if it is sometimes refined by education, it remains this desire that arises, while the person forms certain ideas about the outside world in which he is not personally involved, which have a certain objectivity.
[ 3 ] Es gibt viele Leute, die wollen nicht gerne solche Begriffe, die halten sich mehr an dasjenige, was in ihrem Inneren subjektiv und persönlich lebt. Aber die Zivilisation der Zeit bringt ja überall solche Begriffe über die äußere Natur, wie wir sie einmal heute und seit Jahrhunderten schon auffassen, an die Menschen heran. Mit diesen Begriffen über die Natur füllt dann der heutige Mensch sein Inneres aus. Er lernt heute schon durch die kleinsten lokalen Zeitungsblättchen, wenigstens durch die Sonntagsbeilagen, die Welt so betrachten, wie es eben in diesem Sinne geschehen kann. Er weiß nicht, daß er eigentlich schon mit dem kleinsten Zeitungsblättchen die naturwissenschaftliche Weltanschauung aufnimmt, aber er tut es eben. So daß man sagen kann: Das einzige, womit sich der Mensch heute wirklich befaßt, das sind die Begriffe der äußeren Natur. Ich sage das nicht als Kritik des einzelnen, sondern als Kritik der Zeit oder eigentlich nur als Charakteristik der Zeit, denn zu kritisieren ist dabei nichts; die Sache ist eben einfach ein notwendiges Zeitprodukt. Der Mensch ist so wenig interessiert an dem Menschen selbst, daß es ihm eigentlich schon gleichgültig geworden ist, ob er den lebendigen Schauspieler auf der Bühne sieht oder ob er das Gespenst des Kino sieht, was natürlich in der Realität doch einen beträchtlichen Unterschied gibt. Aber es ist nicht eine tiefe Empfindung, eine gründliche Empfindung für diesen Unterschied in der heutigen Zeit vorhanden, sonst würde man auch mehr Gefühl, mehr Empfindung haben für den großen Anteil, den an dem Niedergang unserer Zivilisation gerade solche Erscheinungen wie die Kinokultur haben.
[ 3 ] There are many people who do not like such concepts; they stick more to what lives subjectively and personally within them. But the civilization of our time brings to people everywhere such concepts about external nature as we understand them today and have understood them for centuries. Modern man fills his inner life with these concepts about nature. Even today, through the smallest local newspapers, or at least through the Sunday supplements, he learns to view the world in this way. He does not realize that even the smallest newspaper is feeding him a scientific worldview, but that is what it is doing. So one can say that the only thing people are really concerned with today are concepts of external nature. I am not saying this as a criticism of the individual, but as a criticism of the times, or rather as a characteristic of the times, for there is nothing to criticize here; the matter is simply a necessary product of the times. Man is so little interested in man himself that he has actually become indifferent as to whether he sees the living actor on the stage or the ghost of the cinema, which of course makes a considerable difference in reality. But there is no deep feeling, no thorough feeling for this difference in today's world, otherwise we would have more feeling, more sensitivity for the large part that phenomena such as cinema culture play in the decline of our civilization.
[ 4 ] Die Ideen, die dem heutigen Menschen für seine Seele vermittelt werden, nimmt er einfach dadurch auf, daß er aus blindestem Autoritätsgefühl heraus sofort überzeugt ist, wenn man ihm sagt: Die Wissenschaft hat wiederum das und das gebracht, wiederum das und das konstatiert. - Man muß sich nur klar sein darüber, was das eigentlich heißt, daß man diese Dinge so hinnimmt, wie sie heute geschildert werden. Man weiß durchaus nicht, indem man die Schilderung entgegennimmt, was da eigentlich in den Laboratorien und so weiter vorgeht. Kurz, es ist der blindeste Autoritätsglaube an dasjenige vorhanden, was in dieser Weise an Ideen über die äußere Welt den Menschen mitgeteilt wird.
[ 4 ] The ideas that are conveyed to people today for their souls are simply accepted because they are immediately convinced by a blind sense of authority when they are told: Science has once again brought this and that, once again established this and that. One must be clear about what it actually means to accept these things as they are described today. When we accept the description, we have no idea what is actually going on in the laboratories and so on. In short, there is the blindest belief in authority in the ideas about the external world that are communicated to people in this way.
[ 5 ] Nun war das keineswegs immer so. Ich habe schon oftmals aufmerksam darauf gemacht, daß, wenn wir zurückgehen in der Geschichte der Menschheitsentwickelung, wir auf alte Zeiten kommen, in denen bei den Menschen etwas vorhanden war, was ich immer genannt habe ein instinktives traumhaftes Hellsehen. Instinktiv und traumhaft war dieses Hellsehen, aber es war doch geeignet, tiefer in das Wesen.der Dinge einzudringen als dies sogenannten wissenschaftlichen Ideen von heute. Man lebte sich einfach durch diese Begriffe, durch diese Vorstellungen, durch diese Bilder, die heute den Leuten nur mehr symbolisch oder allegorisch vorkommen oder so, als ob sie aus der Phantasie geschöpft wären, in die Wirklichkeit hinein. Ob das einzelne Bild etwa ganz genau einem objektiven Tatbestand entsprach, darauf kam es nicht an, sondern indem man mit dem Bilde in der Wirklichkeit lebte, war man lebensvoll in dem Geistigen drinnen, während heute es natürlich darauf ankommt, ob eine Idee, die man sich macht, genau übereinstimmt mit irgend etwas draußen, denn dieses Übereinstimmen ist das einzige, woran sich der Mensch halten kann.
[ 5 ] Now, this was by no means always the case. I have often pointed out that when we go back in the history of human development, we come to ancient times when people possessed something that I have always called instinctive, dreamlike clairvoyance. This clairvoyance was instinctive and dreamlike, but it was nevertheless capable of penetrating deeper into the essence of things than the so-called scientific ideas of today. People simply lived their lives through these concepts, these ideas, these images, which today seem to people to be only symbolic or allegorical, or as if they were drawn from the imagination, into reality. Whether the individual image corresponded exactly to an objective fact was not important; rather, by living with the image in reality, one was fully alive in the spiritual realm, whereas today it is of course important whether an idea one forms corresponds exactly to something outside, because this correspondence is the only thing to which human beings can hold fast.
[ 6 ] Nun, wenn wir dies überblicken, dann müssen wir einmal recht schroff vor unsere Seele etwas hinstellen, was für die ganze Beurteilung auch unserer heutigen Zivilisation von einer ungeheuren Wichtigkeit ist. Wir müssen ganz schroff das hinstellen, daß ja der ältere Mensch mit seinem instinktiven Hellsehen etwas in seiner Seele lebendig hatte, wovon der heutige Mensch sagt: Das ist Phantasie, das ist gar nicht enthalten draußen in den Dingen.
[ 6 ] Now, when we look at this, we must place something quite bluntly before our souls that is of tremendous importance for the entire assessment of our present-day civilization. We must bluntly state that older people, with their instinctive clairvoyance, had something alive in their souls that modern people say is fantasy, that is not contained in things outside.
[ 7 ] In einem gewissen Sinne müssen wir gerade, wenn wir verständnisvoll auf anthroposophischem Boden stehen, dieses treue Abbilden der äußeren Natur, wo man nicht mehr drinnensteht in der äußeren Natur, sondern sie nur abbildet, mitmachen. Und Sie wissen vielleicht, daß wir es wissenschaftlich im extremsten Sinne mitmachen, indem wir ablehnen jede Art von Hypothesenbildung über das, was Erscheinung der Natur ist, sondern in unserem Phänomenalismus, wie er genannt werden muß, innerhalb der Phänomene bleiben, das heißt innerhalb der äußeren Naturerscheinungen, die sich selbst erklären müssen, um im Goetheschen Sinne zu sprechen; zu denen man sich nicht allerlei hinzudenkt von Atombombardement, Atomsprengungen und so weiter, wie das heute noch, ich möchte sagen, aus der Trägheit einer alten Gewohnheit üblich ist. Wir müssen uns auf anthroposophischem Boden im strengsten Sinne, wenn es sich um die äußere Natur handelt, gerade an die Erscheinungen selbst halten, es ablehnen, da irgend etwas in die Erscheinungen hineinzudenken.
[ 7 ] In a certain sense, if we stand on an understanding basis with anthroposophy, we must participate in this faithful reproduction of external nature, where one no longer stands within external nature but only reproduces it. And you may know that we do this scientifically in the most extreme sense by rejecting any kind of hypothesis about what the appearance of nature is, but remaining, in our phenomenalism, as it must be called, within the phenomena, that is, within the external natural phenomena, which must explain themselves, to use Goethe's expression; to which one does not add all sorts of ideas about atomic bombardment, atomic explosions, and so on, as is still customary today, I would say, out of the inertia of an old habit. On anthroposophical ground, in the strictest sense, when it comes to external nature, we must adhere strictly to the phenomena themselves and reject the idea of thinking anything into the phenomena.
[ 8 ] Der Mensch kann am besten lernen, wie man nichts in die Erscheinungen hineindenkt, wenn er sich an etwas hält, was ja auch mit der naturwissenschaftlichen Weltanschauung heraufgekommen ist in der neueren Menschheitsentwickelung, wenn er sich hält an die Technik. Wenn wir die Naturgesetze technisch verwerten, so machen wir eigentlich die Erscheinungen selbst. Gewiß, es bleibt noch immer in den Erscheinungen selbst drinnen, sagen wir zum Beispiel die Kraft der Elektrizität, von der Ihnen der heutige Forscher dann sagt: Ich verwende sie, aber ich kenne ihr Wesen nicht. — Er spricht oftmals so, von allen Naturkräften, auch von der Wärme und dem Lichte und so weiter. Es bleiben also Reste. Aber das, worauf es uns eigentlich ankommt bei der Technik, was wir beherrschen wollen, das ist dasjenige, was wir im Experimente selber zusammenstellen, wo wir also ein gewisses Durchschauen der Sache haben.
[ 8 ] Human beings can best learn how not to read anything into phenomena by adhering to something that has also emerged with the scientific worldview in recent human development, namely technology. When we make technical use of the laws of nature, we are actually creating the phenomena themselves. Of course, they still remain within the phenomena themselves, for example, the power of electricity, about which today's researchers say: I use it, but I do not know its nature. They often speak this way about all natural forces, including heat and light and so on. So there are remnants. But what really matters to us in technology, what we want to master, is what we put together ourselves in experiments, where we have a certain insight into the matter.
[ 9 ] Es ist auch durchaus für den, der sich solcher Dinge bewußt sein kann, die Empfindung vorhanden: In dem, was ich technisch konstruiere, sei es auch auf dem Gebiete der chemischen Technik, liegt etwas drinnen von einer unmittelbaren, überschaubaren Gewißheit —, während, wenn man über die Natur, die man so beobachtet, spricht, man die Möglichkeit hat, in dieser oder jener Richtung verschieden zu denken. So daß man sagen kann: Das Denken der modernen Zeit ist eigentlich am vollkommensten vorhanden bei dem Techniker. Das ist durchaus so. Wer heute an einer Maschinenkonstruktion oder, sagen wir, an der Herstellung eines chemischen Präparates und seiner Verwendung ahnungslos vorbeigeht, der denkt noch nicht im Sinne unserer Zeit; ich möchte sagen: der läßt in seiner Seele die anderen denken, denn die maßgebenden Leute denken eben doch technisch. Und so ist die Weltanschauung der neueren Zeit eigentlich nach und nach das geworden, was man äußerlich verwirklicht findet in der Technik, im Mechanismus, im Chemismus und so weiter. Das hat sich allmählich auch ausgedehnt auf das, was man heute noch als Weltanschauung gelten lassen will.
[ 9 ] Those who are aware of such things also have the feeling that there is something of an immediate, comprehensible certainty in what they construct technically, even in the field of chemical engineering, whereas when one talks about nature as observed, one has the possibility of thinking differently in this or that direction. So that one can say: modern thinking is actually most perfectly present in the technician. That is absolutely true. Anyone who today walks past a machine construction or, say, the manufacture of a chemical preparation and its use without any idea of what it is, is not yet thinking in the spirit of our time; I would say: he lets others think in his soul, because the people who matter think technically after all. And so the worldview of modern times has gradually become what we find outwardly realized in technology, in mechanism, in chemistry, and so on. This has gradually extended to what we still want to consider a worldview today.
[ 10 ] Was ist denn schließlich unsere Astronomie? Unsere Astronomie war lange Zeit nichts anderes als die Darstellung der Weltmaschinerie. Es war eine große Maschine, wie man sich die Sonne im Verhältnisse zu den Planeten und die Bewegungen da vorstellte. Dazu ist in der neueren Zeit der Chemismus gekommen in der Spektralanalyse. Aber weiter geht eben die Astronomie nicht. Die Astronomie, diese Wissenschaft des Weltalls, beantwortet sozusagen heute lediglich die Frage: Wie kommen wir mit der Vorstellung des Weltalls zurecht, wenn wir die aus der Technik uns bekannten Vorstellungen einfach auf das Weltenall anwenden, wenn wir uns dasjenige hinausversetzt denken in den Weltenraum, was wir in der Technik beobachten können? - So daß unsere Wissenschaft eigentlich von wirklich geltenden Ideen mit Ausnahme von den, man möchte fast sagen, Faseleien, wie der Neovitalismus sie enthält, mit Ausnahme von Redereien über Psychoide und dergleichen, brauchbare Vorstellungen in der Weltanschauung nur so weit hat, als wir Maschinen und chemische Präparate konstruieren können. Die Vorstellungen, die wir an diesem Konstruieren gewinnen, übertragen wir dann auf den Weltenaufbau und stellen uns den auch als eine große Maschine vor, innerhalb welcher noch diese oder jene chemischen Vorgänge stattfinden.
[ 10 ] What, then, is our astronomy? For a long time, our astronomy was nothing more than a representation of the machinery of the world. It was a great machine, as one imagined the sun in relation to the planets and their movements. In more recent times, chemistry has come into play in spectral analysis. But astronomy does not go any further than that. Astronomy, this science of the universe, today answers only the question: How do we cope with the idea of the universe if we simply apply the ideas familiar to us from technology to the universe, if we transfer what we can observe in technology to outer space? So that our science, with the exception of what one might almost call nonsense, such as neovitalism, and with the exception of talk about psychoids and the like, has useful ideas in its worldview only to the extent that we can construct machines and chemical preparations. We then transfer the ideas we gain from this construction to the structure of the world and imagine it as a large machine within which this or that chemical process takes place.
[ 11 ] So war es eben durchaus nicht immer. Der Mensch noch bis ins 15. Jahrhundert herein - ich rede da gerade von den zivilisierten Gebieten der Erdenentwickelung - lebte in solchen Vorstellungen über das äußere Weltenall, die nicht bloß technisch waren, sondern die so waren, daß der Mensch etwas miterlebte. Das Technische ist ja ganz außerhalb des Menschen. Das ist abgesondert vom Menschen. Es lebte der Mensch früher dasjenige mit, was er wußte. Heute lebt er es nicht mehr mit, was er weiß. Deshalb haben auch unsere gegenwärtigen sehr gescheiten Leute immer das Gefühl: In älteren Zeiten, da träumten eben die Menschen in die Gebiete der Welt alles mögliche hinein, machten sich Phantasievorstellungen. Heute haben wir erst die Möglichkeit, die Welt ohne solche Phantasievorstellungen vorzustellen. — Man glaubt eben, die technischen Vorstellungen seien die einzigen, die man in die Welt hineindenken dürfe, ohne sich in die Gefahr zu begeben, über die Welt zu phantasieren, sie nicht zu erkennen.
[ 11 ] This was certainly not always the case. Until well into the 15th century, human beings – I am speaking here of the civilized areas of the Earth's development – lived with ideas about the external universe that were not merely technical, but such that human beings experienced them as something they were part of. Technology is completely outside of human beings. It is separate from them. In the past, people experienced what they knew. Today, they no longer experience what they know. That is why even our very intelligent people today always have the feeling that in earlier times, people dreamed all kinds of things into the world and created fantasies. Today, we have the opportunity to imagine the world without such fantasies. People believe that technical ideas are the only ones that can be conceived of in the world without running the risk of fantasizing about the world and failing to recognize it.
[ 12 ] Dem aber, was ich da darstelle, liegt etwas viel, viel Tieferes zugrunde. Es liegt etwas zugrunde, was die Prophetie der alten Mysterien schon betont hat für einen gewissen Grad der Einweihung, der Initiation. Das ist gerade das Eigentümliche der Mysterien in jenen Zeiten, in denen das alte Hellsehen vorhanden war, daß in den Mysterien prophetisch vorausgesehen wurde, was für eine Weltanschauung einmal kommen muß. Man sagte sich in den Mysterien etwa in der folgenden Weise prophetisch das voraus: Wenn wir für die Menschheit die Anschauung, die heute da ist — dieses «heute» war also in sehr frühen Zeiten, wo die Menschen die Umgebung miterlebten in einer instinktiv träumerischen Art -, beibehalten würden, dann würde der Mensch niemals ein freies Wesen werden können. Dann würde der Mensch immer durch das, was er da in seinem Inneren erlebt über die Welt, auch für seine Handlungen die Impulse bekommen müssen. Es würde eine göttliche Welt in seinem Herzen aufgehen, so sagte man sich; aber diese göttliche Welt würde ihn unfrei machen. — Die älteren Zivilisationen hatten eben durchaus unfreie Menschen. Was sie taten, von dem waren sie sich bewußt, wenn es ihnen nicht die Staatslenker als Staatsgesetze auferlegten, daß sie göttlichen Geboten folgten. Also sie waren sozusagen bloß Wesen, die das vollführten, was das Göttliche in ihnen impulsierte.
[ 12 ] But what I am describing here is based on something much, much deeper. There is something underlying it that the prophecies of the ancient mysteries already emphasized for a certain degree of initiation. This is precisely what was peculiar to the mysteries in those times when ancient clairvoyance existed, that the mysteries prophetically foresaw what kind of worldview would one day come about. In the mysteries, it was prophesied in the following way: If we were to maintain for humanity the view that exists today — this “today” was in very early times, when people experienced their surroundings in an instinctively dreamlike way — then human beings would never be able to become free beings. Then human beings would always have to receive the impulses for their actions from what they experienced in their inner lives. A divine world would arise in their hearts, it was said, but this divine world would make them unfree. — The older civilizations had people who were completely unfree. They were aware of what they were doing, unless the rulers imposed state laws on them, telling them that they were following divine commandments. So they were, so to speak, merely beings who carried out what the divine within them prompted them to do.
[ 13 ] So sagte man sich in den Mysterien: Es muß einmal eine Zeit kommen, wo diese Art des göttlichen Wirkens in dem Menschen aufhört, wo der Mensch dazu kommt, nur in die Außenwelt hineinzuschauen und in der Außenwelt das zu sehen, was mit dem Menschlichen nichts mehr zu tun hat, und auch aufzunehmen in seine Seele nur die Außenwelt. Wenn der Mensch nicht mehr auf die Kräfte des Menschen erkennend und erlebend hinschauen kann, sondern nur auf die Kräfte, die draußen in der Welt leben, mit denen der Mensch nichts zu tun hat, dann ist er innerlich frei, dann wird er innerlich entlastet, dann füllt seine Seele nichts anderes aus als das, was seine eigene Organisation nichts angeht.
[ 13 ] Thus it was said in the mysteries: There must come a time when this kind of divine activity in man ceases, when man comes to look only into the outer world and see in the outer world that which has nothing more to do with the human, and to take into their souls only the external world. When human beings can no longer look with understanding and experience at the forces of humanity, but only at the forces that live outside in the world, with which human beings have nothing to do, then they are inwardly free, then they are inwardly relieved, then their souls are filled with nothing but what does not concern their own organization.
[ 14 ] Es mußte diese Phase der Entwickelung für den Menschen einmal eintreten, daß er sozusagen die Natur nur außermenschlich anschaute, so daß er frei werden konnte. Das sagte man sich in den älteren Mysterien. In diesen älteren Mysterien sagte man sich deshalb: Was wir jetzt den Menschen, die uns Verständnis entgegenbringen aus ihrem instinktiven Hellsehen, geben können, das wird man ihnen nicht immer geben können, denn sie würden dadurch unfrei bleiben. Es wird eine Wissenschaft über sie kommen müssen, die zwar in ihnen keine Impulse erregt, die ihnen aber Ideen liefert von demjenigen, was außer ihnen ist, so daß sie sich in ihrem Erkennen immer nur halten an das Äußere, also in bezug auf ihre inneren Impulse zur Freiheit sich erziehen.
[ 14 ] This phase of development had to come once for human beings, so that they could look at nature, so to speak, only as something outside themselves, so that they could become free. That is what was said in the older mysteries. In these older mysteries, it was therefore said: What we can now give to people who show us understanding from their instinctive clairvoyance, we will not always be able to give them, because they would remain unfree. A science will have to come to them which, while not exciting any impulses in them, will provide them with ideas of what is outside them, so that in their cognition they will always hold fast to the outer, and thus educate themselves in relation to their inner impulses toward freedom.
[ 15 ] Sehen Sie, vor diesem Tatbestand stand ich ja auch im allerextremsten Sinne, als ich mich gedrungen fühlte, zunächst die vorbereitenden Schriften und dann meine «Philosophie der Freiheit» zu schreiben. Die Grundfrage für das Schreiben dieser «Philosophie der Freiheit» war die folgende: Es handelte sich darum, daß man sich mit aller Klarheit sagte: Wir stehen einfach im technischen Zeitalter. Wir haben, wenn wir nicht laienhaft das Alte fortfaseln, was noch erhalten ist in den Bekenntnissen und so weiter aus den alten instinktiven Weltanschauungen, keine andere Möglichkeit, als uns zu halten an das, was technisch über die Welt gedacht werden kann, was sich also erschöpft in Mechanismen und so weiter. Wir stehen in der Welt drinnen, indem wir sie wie eine große Maschinerie und wie einen großen Chemismus überblicken. Wir müssen einfach, wenn wir wiederum zum Geistigen kommen wollen, radikal brechen mit alledem, was als Mystik von alten Zeiten überkommen ist, und wir müssen in der, ich möchte sagen, geistlosen, mechanischen Welt, die uns die moderne Wissenschaft gegeben hat, den Geist finden.
[ 15 ] You see, I was faced with this situation in the most extreme sense when I felt compelled to write first the preparatory writings and then my Philosophy of Freedom. The fundamental question behind the writing of this Philosophy of Freedom was the following: It was a matter of saying to oneself with complete clarity: We are simply living in the technological age. Unless we amateurishly ramble on about what remains of the old ways in creeds and so on from the old instinctive worldviews, we have no other option than to stick to what can be thought about the world in technical terms, which is exhausted in mechanisms and so on. We stand inside the world, viewing it as a great machine and a great chemical process. If we want to return to the spiritual, we must radically break with everything that has been handed down to us as mysticism from ancient times, and we must find the spirit in the, I would say, spiritless, mechanical world that modern science has given us.
[ 16 ] Ich möchte schematisch diese Situation, vor der man stand, als ich meine «Philosophie der Freiheit» schrieb, Ihnen auf die Tafel zeichnen. Wenn das der Mensch wäre (Zeichnung links, hell) und das die Umwelt (gelb), so hätte man für frühere Zeiten sich die Sache so vorzustellen: Der Mensch sah hinaus in die Umwelt. Dann erlebte er aber auch im Inneren das, was ihm instinktiv traumhaft-hellseherische Vorstellung lieferte (rot). Das verband er mit dem, was er in der Umwelt sah, und er sah die Umwelt deshalb durchgeistigt (rot im Gelb). Er sah in allen Wesen elementare oder auch höhere Wesenheiten dadurch, daß er die Bedingungen aus seinem eigenen Inneren dem entgegenbringen konnte.
[ 16 ] I would like to sketch on the board the situation we faced when I wrote my Philosophy of Freedom. If this were man (drawing on the left, light) and this were the environment (yellow), then one would have to imagine things in earlier times as follows: Man looked out into the environment. But then he also experienced within himself what his instincts provided him with in the form of dreamlike, clairvoyant images (red). He connected this with what he saw in the environment, and therefore saw the environment as spiritualized (red in yellow). He saw elementary or even higher beings in all beings because he was able to bring the conditions from his own inner being to bear on them.


[ 17 ] Der neuere Mensch, derjenige Mensch, für den ich also eigentlich als dem zivilisierten Menschen Ende der achtziger Jahre, Anfang der neunziger Jahre meine «Philosophie der Freiheit» schrieb, den zeichne ich hier (Zeichnung, rechts, hell) und die Umwelt hier (gelb). Jetzt gibt der Mensch nichts mehr aus sich heraus in die Umwelt hinein, sondern er verfolgt nur dasjenige, was sich eben auch technisch konstruieren läßt; er verfolgt die Gesetzmäßigkeit der Umwelt selbst. Da heraus läßt sich aber kein Moralimpuls finden. Auf diese Art lassen sich nur Naturgesetze bilden. So wie ich das hier gezeichnet habe (links), weil der ältere Mensch noch verbunden war mit dem Äußeren, waren in allem, was er sah, in Stein, Tier, Pflanze, noch wahrzunehmen die Moralimpulse, weil in alledem enthalten waren die göttlich-geistigen Wesenheiten. Davon ist in den Naturgesetzen nichts mehr drinnen. In den Naturgesetzen ist nur das drinnen, was in die Maschinen oder in den Mechanismus übergeht.
[ 17 ] The newer human being, the human being for whom I actually wrote my “Philosophy of Freedom” at the end of the 1980s and beginning of the 1990s as the civilized human being, is depicted here (drawing, right, light) and the environment here (yellow). Now, humans no longer give anything of themselves to the environment, but only pursue what can be constructed technically; they pursue the laws of the environment itself. However, no moral impulse can be found in this. In this way, only natural laws can be formed. As I have drawn here (left), because older people were still connected to the external world, moral impulses could still be perceived in everything they saw, in stone, animals, plants, because divine-spiritual beings were contained in all of these. There is nothing of this left in the laws of nature. The natural laws contain only that which passes into machines or mechanisms.
[ 18 ] Was war daher die notwendige Aufgabe gerade dieser «Philosophie der Freiheit»? Ihre notwendige Aufgabe war diese, daß man sagte: Wenn der Mensch, indem er außerhalb der Natur steht, nichts mehr von Moralimpulsen finden kann, weil er nur Naturgesetze auf diese Weise hereinbekommt durch seine Sinne, dann muß halt der Mensch aus sich herausgehen, dann kann er nicht mehr in sich bleiben. Und ich mußte das erste Herausgehen schildern, wo der Mensch seine Leiblichkeit verläßt. Und dieses erste Herausgehen ist im reinen Denken, wie ich es dort in der «Philosophie der Freiheit» dargestellt habe. Das heißt: Jetzt rückt der Mensch nicht mit seinem instinktiven Hellsehen heraus, sondern jetzt rückt er aus seinem Leibe überhaupt heraus, versetzt sich in die Außenwelt (grün). Und was hat er da ? Da hat er, indem er das allererste feinste Hellsehen vollzieht, die moralischen Intuitionen, oder wenn Sie es mit dem Ausdruck bezeichnen wollen, subjektiv, den ich damals gebraucht habe, er hat die moralische Phantasie. Da geht der Mensch von sich weg, um nun innerhalb des Technischen - das Geistige ist ja deshalb doch drinnen - dieses Geistige auf dem ersten Gebiet, auf dem Moralgebiet zu finden.
[ 18 ] What, then, was the necessary task of this “Philosophy of Freedom”? Its necessary task was to say: If human beings, standing outside nature, can no longer find moral impulses because they only receive natural laws through their senses, then human beings must go outside themselves; they can no longer remain within themselves. And I had to describe the first stepping out, where man leaves his physicality. And this first stepping out is in pure thinking, as I have described it in the Philosophy of Freedom. That means: now man does not step out with his instinctive clairvoyance, but now he steps out of his body altogether, places himself in the external world (green). And what does he have there? There, by performing the very first, most subtle clairvoyance, he has moral intuitions, or if you want to use the subjective expression I used at the time, he has moral imagination. There, man departs from himself in order to find this spiritual element within the technical realm—for the spiritual is indeed within it—in the first realm, the realm of morality.
[ 19 ] Die Menschen haben nur nicht erkannt, daß das die erste Stufe des modernen Hellsehens ist, die in der «Philosophie der Freiheit» zur Geltung gebracht worden ist, weil die Menschen sich noch gedacht haben: Nun ja, Hellsehertum, das ist etwas, wo man so untertaucht in Unklarheit, wo man in das Unbekannte kommt -, während hier gerade das Bekannte gesucht wurde, während hier das Herausgehen mit dem Denken gesucht wurde, das nun nicht mehr sich an die Materialität hält, sondern das sich in sich selber erfaßt, weil in diesem zuerst, also in der reinen Geistigkeit, sogar in der reinsten Geistigkeit, die Welt erfaßt worden ist.
[ 19 ] People have simply not recognized that this is the first stage of modern clairvoyance, which was brought to light in The Philosophy of Freedom, because people still thought: Well, yes, Clairvoyance is something where you are immersed in uncertainty, where you enter the unknown — whereas here it was precisely the known that was being sought, whereas here it was a departure with thinking that was being sought, thinking that no longer clings to materiality but grasps itself, because it is here first, that is, in pure spirituality, even in the purest spirituality, that the world has been grasped.
[ 20 ] Und deshalb hatte auch die «Philosophie der Freiheit» das Schicksal, daß sie den Mystikern zu gedanklich war. Sie sahen nach ihrer Art zuviel Gedanken darinnen. Und die anderen wiederum, die Rationalisten und Naturwissenschafter oder auch Philosophen der neueren Zeit waren, konnten wiederum nichts mit ihr machen aus dem Grunde, weil sie in das Gebiet des Schauens führte, wo sie nicht hereinwollten, denn sie wollten bleiben bei dem bloßen äußeren Beobachten, auch wenn sie von Philosophie sprachen. Es war also gerade mit der ganzen Haltung, in dem Habitus der «Philosophie der Freiheit» das erfüllt, was einfach dem modernen Menschen auferlegt war.
[ 20 ] And that is why The Philosophy of Freedom was doomed to be too intellectual for the mystics. And that is why the Philosophy of Freedom was doomed to be too intellectual for the mystics. In their way, they saw too many thoughts in it. And the others, the rationalists and natural scientists or even philosophers of the modern era, could not do anything with it because it led them into the realm of intuition, where they did not want to go, for they wanted to remain with mere external observation, even when they spoke of philosophy. Thus, it was precisely the whole attitude, the habitus of the Philosophy of Freedom that fulfilled what was simply imposed on modern man.
[ 21 ] Das wäre sozusagen das Elementare von dem, was man in Anknüpfung an das sagen kann, was man in den alten Mysterien prophetisch verkündete über das, was da kommen müsse. Aber die alten Initiierten in den Mysterien sahen die Sache doch noch genauer, sahen sie noch mehr im Zusammenhang mit der menschlichen Seele und der Weltentwickelung. Sie sahen nämlich auch das Folgende: Sie erkannten klar: Ja, die Welt, die man da einmal entdecken wird durch die spätere Erkenntnis, diese Welt ist eigentlich nicht nur außermenschlich, sondern sie ist auch außergöttlich, außer dem Gebiete desjenigen göttlichen Schaffens, wovon wir - ich meine jetzt die alten Eingeweihten mit dem «wir» - eigentlich sprechen. Wir suchen die Offenbarung des Göttlichen in dem, was wir erreichen durch unsere Initiation; wir verkehren durch unsere Initiation mit den Götterwesenheiten. — Die verschiedenen heidnischen Völker verkehrten mit ihren Wesenheiten, die Juden zum Beispiel mit ihrem Jahve oder Jehova. Sie verkehrten, insofern sie Initiierte waren, nicht nur in Gedanken, sondern in der Wirklichkeit mit ihren göttlichen Wesenheiten. Man sagt da durchaus etwas Richtiges, wenn man von einem realen Verkehr mit diesen göttlichen Wesenheiten in den alten Mysterien spricht. Ja, die Eingeweihten verkehrten mit diesen göttlichen Wesenheiten; aber wenn sie außerhalb der Mysterien waren, und wenn ihre Schüler außerhalb der Mysterien waren, so sahen diese alle wiederum die Umwelt. In diese Umwelt sahen sie allerdings das hinein, was ihnen ihr instinktives Hellsehen gab. Aber namentlich die Eingeweihten selber und die Schüler dieser Eingeweihten wußten: Ja, was da draußen ist, das wehrt sich doch in einer gewissen Weise gegen das, was wir da hineinschauen, und es wird einmal einfach eine Zeit kommen, wo es sich nicht nur wehren wird, sondern wo man nur das anschauen wird, was man ohne solches Hineinschauen wahrnehmen kann.
[ 21 ] That would be, so to speak, the elementary element of what can be said in connection with what was prophetically proclaimed in the ancient mysteries about what was to come. But the ancient initiates into the mysteries saw the matter even more clearly, saw it even more in connection with the human soul and the development of the world. For they also saw the following: They clearly recognized that the world that would one day be discovered through later knowledge is not only extra-human, but also extra-divine, outside the realm of that divine creation of which we—and by “we” I mean the ancient initiates—are actually speaking. We seek the revelation of the divine in what we attain through our initiation; through our initiation we commune with the divine beings. — The various pagan peoples communed with their beings, the Jews, for example, with their Yahweh or Jehovah. Insofar as they were initiates, they communed with their divine beings not only in thought but in reality. It is entirely correct to speak of real contact with these divine beings in the ancient mysteries. Yes, the initiates communed with these divine beings; but when they were outside the mysteries, and when their disciples were outside the mysteries, they all saw the environment again. However, they saw into this environment what their instinctive clairvoyance gave them. But the initiates themselves and the disciples of these initiates knew that what was out there was resisting in a certain way what they were seeing, and that a time would come when it would not only resist, but when they would only be able to see what could be perceived without such insight.
[ 22 ] Wozu der heutige Mensch, weil seine Erkenntnis oberflächlich und nicht tiefgehend ist, gar nicht den Mut hätte, es sich zu gestehen, das gestanden sich eben diese alten Eingeweihten als eine Wahrheit. Sie sagten sich: Die Welt, die wir da draußen sehen, wenn wir nicht erst das in sie hineinschauen, was uns unsere Götter mitgegeben haben - denn das, was sie da hineinschauten, hatten ihnen beim Anfang der Weltenentwickelung ihre Götter gegeben -, dann ist diese Welt ja ungöttlich. Also haben wir in der Umwelt eine Welt, die gar nicht herrührt von den Göttern, mit denen wir in den Mysterien verkehren.
[ 22 ] What modern man, because his knowledge is superficial and not profound, would not dare to admit to himself, these ancient initiates admitted as a truth. They said to themselves: The world we see out there, if we do not first look into it with what our gods have given us—for what they saw there was given to them by their gods at the beginning of the world's development—then this world is ungodly. So we have in our environment a world that does not originate from the gods with whom we commune in the mysteries.
[ 23 ] Das war es, was dann in der besonderen Form der Naturverachtung und der Askese fortgelebt hat im Mittelalter, und was bis in die neueste Zeit in gewissen Bekenntnissen lebt, wenn auch in manchen Bekenntnissen sehr heuchlerisch lebt. Das ist das, was, aus den alten Mysterien herstammend, der Mensch sich eigentlich sagen muß: Wenn ich in mein Inneres hineinschaue, kann ich mit den Göttern verkehren; aber von den Göttern stammt gar nicht die Welt, die um mich herum ist. Diese Welt ist gar nicht geschaffen von denjenigen Göttern, zu welchen ich mich durchringen will, wenn ich mich einweihen lasse.
[ 23 ] This was what then lived on in the Middle Ages in the special form of contempt for nature and asceticism, and what lives on in certain creeds to this day, albeit very hypocritically in some creeds. This is what, originating from the ancient mysteries, man must actually say to himself: When I look into my inner self, I can commune with the gods; but the world around me does not originate from the gods at all. This world was not created by those gods to whom I want to devote myself when I allow myself to be initiated.
[ 24 ] Das war überhaupt eine Grunderkenninis, in die man immer mehr und mehr sich ganz sachlich hineinlebte, daß die äußere Welt gar nicht von den Göttern herrührt, die man durch die Mysterien und die Einweihung kennenlernte. Diese Götter haben eigentlich eine ganz andere Welt gewollt. Der Mensch ist durch ein besonderes Ereignis heruntergesunken in diese Welt, die seine Götter gar nicht gewollt haben. Alle Ideen vom Sündenfall - man könnte sie jetzt alle entwickeln, aber dazu reicht heute nicht die Zeit - rühren davon her, daß die Menschen erkannt haben: Die Welt, die wir da als Umwelt kennen, ist ja gar nicht diejenige, die diese Götter geschaffen haben.
[ 24 ] This was a fundamental insight into which people increasingly and objectively lived themselves, that the outer world did not originate from the gods they had come to know through the mysteries and initiation. These gods had actually wanted a completely different world. Through a special event, humans sank down into this world, which their gods did not want at all. All ideas about the Fall – one could develop them all now, but there is not enough time for that today – stem from the fact that humans realized: The world we know as our environment is not the one that these gods created.
[ 25 ] Aber man versuchte zu erfassen, was nun dieser von ihnen nicht geschaffenen Welt gegenüber diese Götter, mit denen man verkehren wollte, eigentlich wollten mit dieser Welt. Das konnte man von ihnen erfahren. Und man erfuhr von ihnen, daß sie eigentlich die Zerstäubung, daß sie die Vernichtung dieser Welt wollten.
[ 25 ] But people tried to understand what these gods, with whom they wanted to communicate, actually wanted with this world that they had not created. They were able to learn this from them. And they learned from them that they actually wanted the destruction, the annihilation of this world.
[ 26 ] Vor diesem Faktum standen auch die Initiierten der älteren Zeiten. Sie standen vor dem Faktum, daß die Götter, nach denen sie hinstrebten, ihnen als ihren Entschluß eigentlich die Vernichtung dieser Welt offenbarten. Und dennoch wiederum wußten sie: Einmal muß sich, damit der Mensch frei werden könne, die menschliche Erkenntnis knüpfen gerade an diese Welt, die die Götter reif zum Untergange finden, die die Götter eigentlich vernichten wollen.
[ 26 ] The initiates of earlier times were also faced with this fact. They were faced with the fact that the gods they were striving for actually revealed to them that their decision was to destroy this world. And yet they also knew that in order for human beings to become free, human knowledge must be linked precisely to this world, which the gods consider ripe for destruction, which the gods actually want to destroy.
[ 27 ] In den älteren griechischen Mysterien wurde das dann auf eine ganz eigenartige Weise aufgefaßt. In den ältesten griechischen Mysterien arbeitete man namentlich auf eine künstlerische Gestaltung der Welt hin - von einer naturwissenschaftlichen Auffassung, wie wir sie heute haben, hatte man im alten Griechenland noch keine Ahnung -, man arbeitete in der Plastik, namentlich auch in der Tragödie, kurz, in der Kunst darauf hin, durch den Menschen etwas zu schaffen, was zwar sich anlehnt an diese Welt, was aber über diese Welt doch hinausgeht. Und der eingeweihte Grieche, der hatte die Vorstellung: Die Welt, auf der du stehst, die Welt der Bäume, die du siehst, die Welt der Quellen, die du wahrnimmst und so weiter, die wird zerstäuben; was du aber in deine Venus von Milo, in den Zeus, in die Athene, was du in das Drama des Sophokles hineingeheimnißt hast aus dieser Welt heraus, das wird zwar aus dem sichtbaren Reiche ins Unsichtbare übergehen, es werden nur die Gedanken gleichsam schwebend bleiben, aber das wird, wenn diese Erde zerstäubt, hinausgehen und wird retten den Fortgang der Erdenwelt, der sonst eben nur darin bestehen könnte, daß diese Erdenwelt einmal radikal zugrunde ginge.
[ 27 ] In the older Greek mysteries, this was then understood in a very peculiar way. In the oldest Greek mysteries, people worked specifically toward an artistic shaping of the world—they had no idea of the natural scientific view we have today in ancient Greece—they worked in sculpture, especially in tragedy, in short, in art, toward creating something through human beings that was based on this world but nevertheless transcended it. And the initiated Greek had the idea that The world on which you stand, the world of trees that you see, the world of springs that you perceive, and so on, will be scattered; but what you have imbued in your Venus de Milo, in Zeus, in Athena, what you have imbued in Sophocles' drama from this world, will indeed pass from the visible realm into the invisible, only the thoughts will remain, as it were, floating, but when this earth is scattered, they will go forth and save the continuation of the earthly world, which otherwise could only consist in the radical destruction of this earthly world.
[ 28 ] Die Griechen der ältesten Zeit, solange die Kunst noch aus den Mysterien hervorging, stellten sich schon vor: Durch die Kunst wollen wir retten den Untergang derjenigen Welt, die von den Göttern herrührt, die aber einen Einschluß bekommen hat, den die Götter selber vernichten wollten. - Und das, was man da wußte, das führte eben dazu, sich folgendes zu sagen. Sehen Sie, gewisse fundamentale naturwissenschaftliche Tatsachen waren ja, wie auch geschichtlich nachgewiesen werden kann, den alten Mysterieneingeweihten durchaus bekannt. Gewiß, wir haben viel Neues im Laufe der letzten Jahrhunderte, namentlich des 19. Jahrhunderts, in bezug auf technische Konstruktionen hinzugebracht; aber gewisse fundamentale Dinge, die heute noch fortwirken in der Technik, die waren durchaus den alten Eingeweihten bekannt. Es war ihnen viel mehr bekannt, als dasjenige ausmachte, wovon sie zu den Menschen sprachen, die nicht eingeweiht waren. Aber sie sagten sich folgendes: Wenn wir einfach technisch so etwas zusammenstellen, was Naturkräfte kombiniert, so daß wir etwas Maschineriehaftes vor uns haben, so machen wir ja im allerextremsten Fall etwas, was zerstäubt mit dem Erdenwesen, wovon die Götter selbst den Untergang wünschen. - Denn das weiß ja jeder Eingeweihte, daß diejenigen Götter, zu denen man in den alten Mysterien hinaufsah, mit denen man in den alten Mysterien verkehrt hatte, mit denen man selbstverständlich auch heute noch verkehren kann, daß diese Götter nichts so sehr hassen wie zum Beispiel eine Lokomotive oder ein Auto! Das ist ihnen etwas Furchtbares. Denn sie sagen, diese Götter: Dasjenige, was wir uns gefallen lassen müssen von Ahriman, daß er uns die Erde gebildet hat in dieser maschineriehaften Weise, das machen jetzt die Menschen dem Ahriman noch nach; sie machen noch zu dem etwas hinzu. Unsere Arbeit ist schon groß für das, was wir vernichten müssen, wenn wir wenigstens bloß die Werke des Ahriman hätten; aber wir haben zu alledem noch diese Dampfmaschinen, diese elektrischen Maschinen und all das Zeug; das müssen wir noch dazu vernichten.
[ 28 ] The Greeks of the earliest times, when art still sprang from the mysteries, already imagined: Through art we will save the destruction of that world which originated with the gods but which has been subjected to a restriction that the gods themselves wanted to destroy. And what was known at that time led to the following statement. You see, certain fundamental scientific facts were, as can be proven historically, well known to the ancient initiates of the mysteries. Certainly, we have achieved much that is new in the course of the last centuries, especially in the 19th century, with regard to technical constructions; but certain fundamental things that still have an effect in technology today were well known to the ancient initiates. They knew much more than what they told people who were not initiated. But they said to themselves: If we simply put together something technical that combines natural forces so that we have something machine-like in front of us, then in the most extreme case we are doing something that will be destroyed along with the earthly realm, something that the gods themselves wish to see destroyed. For every initiate knows that the gods whom people looked up to in the ancient mysteries, with whom they communed in the ancient mysteries, with whom they can of course still commune today, that these gods hate nothing so much as, for example, a locomotive or a car! This is something terrible to them. For these gods say: What we have to put up with from Ahriman, that he formed the earth in this machine-like way, is now being imitated by human beings; they are adding something to it. Our work is already great for what we have to destroy, if we had at least only the works of Ahriman; but we also have these steam engines, these electric machines and all that stuff; we have to destroy that too.
[ 29 ] Also die alten Eingeweihten sagten sich: Das nützt gar nichts, wenn wir einfach die äußeren Naturkräfte, in die nichts mehr Geistiges hineingesehen wird, in technischer Maschinerie oder in technischem Chemismus vermehren. - Es war eine Grundüberzeugung der Initiierten, daß das so ist. Daher sagten sie: Man muß so viel wie möglich von dieser Welt retten. - Wie gesagt, in Griechenland war es so, daß man durch die Kunst retten wollte; wenn wir mehr nach dem Orient hinüberkommen, war es so, daß die Leute sich sagten: Was bloß nach sogenannten Naturgesetzen verläuft, hat im Grunde genommen für die wahre Menschheitsentwickelung gar keinen Zweck, denn das werden die Götter einmal zerblasen; daher kleiden wir das, was wir machen, so, daß darinnen Spirituelles lebt. - Und daraus entstand der Kultus im älteren Sinne, eben nicht die Formung einer Maschinerie oder eines Chemismus, sondern die Kultushandlung. Man sieht in dem, was man tut, etwas Sakramentales, etwas, wo Spiritualität drinnen ist, wo der Geist mittut. Im religiösen Kultus wollten die Leute eben so viel wie möglich retten von dem, was zu retten ist von der Erdenevolution.
[ 29 ] So the ancient initiates said to themselves: It is of no use simply to increase the external forces of nature, in which nothing spiritual can be seen, through technical machinery or technical chemistry. It was a fundamental conviction of the initiates that this was so. Therefore they said: We must save as much as possible of this world. As I said, in Greece, people wanted to save through art; when we move more towards the Orient, people said to themselves: “What proceeds according to so-called natural laws has, in essence, no purpose for the true development of humanity, because the gods will one day destroy it; therefore, we clothe what we do in such a way that the spiritual lives within it.” - And from this arose cult in the older sense, not the formation of a machinery or a chemistry, but cult activity. People see something sacramental in what they do, something in which spirituality is present, in which the spirit participates. In religious cult, people wanted to save as much as possible of what could be saved from earthly evolution.
[ 30 ] Ich habe das bei früheren Gelegenheiten oftmals dadurch ausgesprochen, daß ich ein Bild gebraucht habe: Wir müssen wiederum gegenüber unserer bloßen Technik dahin kommen, daß uns der Laboratoriumstisch ein Altar wird, daß wir tatsächlich eine Art göttlichen Dienstes verrichten, indem wir im physikalischen, im chemischen Laboratorium arbeiten, daß also der Laboratoriumstisch zum Altar wird, daß wir tatsächlich da hinein moralisieren und spiritualisieren. — Ich habe das früher so ausgesprochen; es ist im Grunde genommen dasselbe, was ich heute mehr historisch ausspreche.
[ 30 ] I have often expressed this on previous occasions by using an image: We must once again come to see our mere technology in such a way that the laboratory table becomes an altar, that we actually perform a kind of divine service by working in the physical and chemical laboratory, that the laboratory table becomes an altar, that we actually moralize and spiritualize there. — I have expressed this in the past; it is basically the same thing that I am expressing today in more historical terms.
[ 31 ] So also entstand der religiöse Kultus, zu dem heute die Menschen, weil sie sich nicht aufringen können zu einer Aktivität in bezug auf das Geistige, wiederum zurückkehren. Es ist merkwürdig, wie gerade intelligente Menschen heute in großer Zahl in den Schoß der katholischen Kirche zurückkehren, aus dem einfachen Grunde, weil sie sich retten wollen zu dem, was von der Erde bleibt, aus demjenigen, was ja spurlos verschwinden muß durch Götterwillen selber. Dieses Hinströmen gerade gebildeter Menschen heute in den Katholizismus hinein wird von denjenigen, die nicht die Gegenwart aufmerksam betrachten, eben auch gar nicht beachtet. Das besteht darinnen, daß die Leute heraus wollen aus dem, was vernichtet wird, in etwas hinein, was, wie die katholischen Zeremonien und Kultushandlungen, die auf sehr alten Einrichtungen beruhen, formen will wenigstens das, was da bleibt, weil den Leuten fehlt jene Aktivität, wodurch etwas Neues, etwas, was wir brauchen für die Zukunft, wirklich gefunden werden kann. Es fehlt den Leuten die innere Kraft. Die ist ihnen schon verlorengegangen innerhalb unseres technischen Zeitalters.
[ 31 ] This is how the religious cult arose, to which people are now returning because they cannot bring themselves to engage in spiritual activity. It is remarkable how large numbers of intelligent people today are returning to the bosom of the Catholic Church for the simple reason that they want to save themselves to what remains of the earth, from what must disappear without a trace by the will of God Himself. This influx of educated people into Catholicism today is not even noticed by those who do not observe the present attentively. This consists in the fact that people want to escape from what is being destroyed into something that, like Catholic ceremonies and cult practices based on very old institutions, at least wants to shape what remains, because people lack the activity through which something new, something we need for the future, can really be found. People lack inner strength. They have already lost it in our technological age.
[ 32 ] Man hätte sich eben in einem gewissen Momente energisch sagen müssen: Also wir stehen in der negativen Welt der Technik. Da drinnen lassen sich nicht mehr Impulse finden in der alten Art. Da muß zu der moralischen Phantasie, zu der Intuition geschritten werden. — Das hätte man sich sagen müssen. Diejenigen, die vorbeigehen an dieser Notwendigkeit der Zeit, die kehren eben zum Katholizismus zurück. Erklärlich ist die Sache durchaus aus der Schwäche der Zeit.
[ 32 ] At a certain point, we should have said emphatically: We are living in the negative world of technology. There are no more impulses to be found there in the old way. We must move toward moral imagination, toward intuition. That is what we should have said. Those who ignore this necessity of the times are simply returning to Catholicism. This can be explained entirely by the weakness of the times.
[ 33 ] Und daher, weil das so war, und weil das eine Erkenntnis war bei den alten Initiierten, fragte man sich: Ja, wie wird es denn nun werden? Also die Götter, von denen wir wissen, mit denen wir durch die Mysterien in Verkehr stehen, alle diese Götter wollen die Vernichtung der Erde. Aber die Menschen werden, wenn sie freie Menschen werden wollen, immer ähnlicher gerade dem, was da auf der Erde ist; denn nur dadurch, daß technische Erkenntnis wird, können die Menschen frei werden. -So hätten die alten Eingeweihten, wenn sie das nur allein hätten überschauen können, vor der furchtbaren, sich vor ihnen prophetisch enthüllenden Zukunftstatsache stehen müssen: Die Menschen müssen, um wirklich Menschen zu werden, sich ganz und gar in die ahrimanische Welt der Gottlosigkeit verstricken, und sie müssen zerstieben mit der Erde, wenn die Götter diese Erde auflösen. Denn die Menschen werden selbst nach und nach zur Maschinerie; sie werden den Maschinen immer ähnlicher. Sie werden in ihren Gedanken so, daß nur noch die technischen Impulse in den Gedanken wirken. Die Astronomie ist im Grunde genommen nichts anderes als das Denken über die große Weltmaschinerie. Da ist also nichts im Menschen als das Denken über die Maschine; denn schließlich ist es einerlei, ob man über Schrauben und Räder oder über Venus und Merkur denkt nach demselben rein technisch zu konstruierenden Muster.
[ 33 ] And because that was so, and because that was a realization among the ancient initiates, people asked themselves: Yes, how will it be now? The gods we know, with whom we are in contact through the mysteries, all these gods want the destruction of the earth. But if people want to become free, they will always become more like what is on Earth; for it is only through technical knowledge that people can become free. Thus, if the ancient initiates had been able to see this alone, they would have had to face the terrible fact of the future that was prophetically revealed to them: In order to become truly human, people must become completely entangled in the Ahrimanic world of godlessness, and they must be destroyed along with the Earth when the gods dissolve it. For people themselves are gradually becoming machinery; they are becoming more and more like machines. Their thoughts are becoming such that only technical impulses are at work in them. Astronomy is basically nothing more than thinking about the great world machine. So there is nothing in human beings except thinking about the machine; for ultimately it is all the same whether one thinks about screws and wheels or about Venus and Mercury according to the same purely technical pattern of construction.
[ 34 ] Also vor einer furchtbaren Zukunftstatsache hätten diese Initiierten stehen müssen. Und das war ihnen ganz klar: Ihre alten Götter wollten in dieser Weise den Untergang, weil sie den Untergang des Ahrimanischen wollen mußten, und weil sie so, wie die Sachen zunächst waren, die Menschen nicht retten konnten.
[ 34 ] So these initiates must have been faced with a terrible future reality. And that was quite clear to them: their old gods wanted destruction in this way because they had to want the destruction of the Ahrimanic, and because, as things were at first, they could not save humanity.
[ 35 ] Das andere, was nun schon in diesen alten Mysterien wiederum prophetisch entgegengestellt wurde, das war eben das Mysterium von Golgatha, bevor es geschehen war auf der Erde, prophetisch. Nachdem es geschehen ist, konnte man immer mehr und mehr dazu kommen, es in irgendeiner Weise aufzufassen. Das war eben einfach dieses, was die alten Initiierten in den Mysterien von den Göttern, mit denen sie verkehrten, erfuhren. Die Götter wußten alles; von denen konnten sie umfassende Weisheit erzielen. Aber eines konnten sie nie erfahren von diesen Göttern: das waren diejenigen Dinge, die sich auf Geburt und Tod des Menschen bezogen. Namentlich vom Tode als solchem wußten diese Götter nichts. Aber man wußte zugleich in diesen alten Mysterien, daß einer aus ihren Reihen heruntergeschickt werden solle, derjenige, den man später den Christus nannte, und daß er auf der Erde den Tod kennenlernen sollte. So daß das Mysterium von Golgatha darin liegt, daß einer der Götter, die früher den Tod und damit auch die Geburt und die ganzen Vererbungsverhältnisse nicht kannten, diesen Tod kennenlernte und dadurch, daß er ihn kennenlernte, sich mit der Erdenevolution verbinden und das Gegengewicht bilden konnte gegen dasjenige, was durch die Entwickelung zur Freiheit hin notwendig hätte geschehen müssen: Das immer mehr und mehr Verwandtwerden des Menschen mit der zerstäubenden Erde. Indem sich der Mensch auf der einen Seite wirklich nun der modernen Erkenntnis hingibt, die modernen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse wirklich aufnimmt, auf der anderen Seite aber sich zu dem Christus wendet, der derjenige der Götter war, der den Tod kennengelernt hat und damit auch die Geburt, damit bildet der Mensch in sich selber den Gegenpol.
[ 35 ] The other thing that was prophetically opposed in these ancient mysteries was the mystery of Golgotha, before it happened on earth, prophetically. After it happened, it became possible to understand it more and more in some way. This was simply what the ancient initiates learned in the mysteries from the gods with whom they communed. The gods knew everything; from them they could obtain comprehensive wisdom. But there was one thing they could never learn from these gods: that was everything related to human birth and death. These gods knew nothing about death as such. But at the same time, it was known in these ancient mysteries that one of their number would be sent down, the one who would later be called Christ, and that he would experience death on earth. Thus, the mystery of Golgotha lies in the fact that one of the gods, who previously knew nothing of death and therefore also nothing of birth and all the conditions of heredity, came to know death and, through this knowledge, was able to connect himself with the evolution of the earth and form a counterweight to what would have been necessary through the evolution toward freedom: the increasing kinship of human beings with the disintegrating earth. By truly devoting themselves to modern knowledge, truly accepting modern scientific discoveries, on the one hand, but turning to Christ, who was the god who experienced death and thus also birth, on the other, human beings form the opposite pole within themselves.
[ 36 ] Man kann daher auf der einen Seite völlig hinneigen zu demjenigen, was notwendig ist für die Freiheit, muß aber auf der anderen Seite, ich möchte sagen, auch das andere Gebiet auf die Waagschale legen, den Weg hinfinden zu dem Paulinischen Worte: Nicht ich, sondern der Christus in mir. - Dann wird der Mensch wiederum die Möglichkeit finden, indem er die Welt durchchristet, von seiner Seele aus dasjenige umzugestalten, was sonst abfallen müßte von derjenigen Götterwelt, zu der der Mensch eigentlich gehört.
[ 36 ] On the one hand, therefore, one can lean completely toward what is necessary for freedom, but on the other hand, I would say, one must also put the other side of the scale, find the way to the Pauline words: Not I, but Christ in me. Then, by permeating the world with Christ, human beings will again find the possibility of transforming from their souls that which would otherwise fall away from the world of gods to which human beings actually belong.
[ 37 ] Und so ist den ahrimanischen Mächten, die eigentlich sonst auf der Erde in dem wirkten, was abgefallen wäre, der Christus entgegengesetzt worden. Durch einen außerirdischen Götterentschluß ist der Christus entgegengesetzt worden, damit er nun in der Erde wirkt. Er hat es nicht nötig, frei zu werden, er ist ein Gott, bleibt es auch, indem er durch den Tod durchgegangen ist. Er wird nicht ähnlich der Erde. Er lebt als Gott innerhalb des Erdenwesens. Und die Folge davon ist, daß der Mensch nun auf der einen Seite die Möglichkeit hat, auf die Waagschale der Freiheit so viel als möglich zu legen, da wirklich bis zu den letzten Konsequenzen des Individualismus zu gehen, denn nur im individuellen Menschen wird die moralische Phantasie gefunden. Daher hat man eben meine «Philosophie der Freiheit» die Philosophie des Individualismus genannt im extremsten Sinne. Das mußte sie auch sein, weil sie auf der anderen Seite die christlichste der Philosophien ist. Daher mußte man also auf die eine Seite dasjenige legen, was im vollsten Sinne darbietet, was äußere Naturerkenntnis ist, in die man nur hineinkommt mit dem Geistigen, indem man sich zu dem reinen, freien Denken erhebt. Das kann man noch retten innerhalb der rein technischen Erkenntnis. Auf die andere Waagschale muß aber gelegt werden das, was die wirkliche Christus-Erkenntnis, die wirkliche Erkenntnis von dem Mysterium von Golgatha ist.
[ 37 ] And so the Christ was set against the Ahrimanic forces that would otherwise have worked on Earth in what would have fallen away. Through an extraterrestrial divine decision, Christ was opposed so that he might now work on earth. He does not need to become free; he is a god and remains so, even though he passed through death. He does not become like the earth. He lives as a god within the earth's being. And the consequence of this is that human beings now have, on the one hand, the possibility of placing as much as possible on the scales of freedom, of going to the ultimate consequences of individualism, because moral imagination is found only in the individual human being. That is why my Philosophy of Freedom has been called the philosophy of individualism in the most extreme sense. It had to be so, because on the other hand it is the most Christian of philosophies. Therefore, on the one hand, one had to place that which in the fullest sense presents what is external knowledge of nature, which one can only enter with the spiritual, by rising to pure, free thinking. This can still be saved within purely technical knowledge. On the other side of the scale, however, must be placed that which is the real knowledge of Christ, the real knowledge of the mystery of Golgotha.
[ 38 ] Es war daher ganz selbstverständlich, daß ich auf der einen Seite die «Philosophie der Freiheit» versuchte zu schreiben, so schlecht und recht natürlich als sie sein konnte, weil man nicht gleich auf den ersten Anhub alles gut machen kann. Auf der anderen Seite aber mußte gerade auf das Mysterium von Golgatha hingewiesen werden durch meine «Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung» und durch mein «Christentum als mystische Tatsache». Diese zwei Dinge gehören einfach zusammen. Aber diejenigen Menschen, die nun äußerlich darin einen Widerspruch finden, die finden, ich verfahre eigentlich so, wie wenn sie auf der einen Waagschale Fleisch und auf der anderen Waagschale Gewichte haben und nun sagen: Was ist das für Unsinn! Das gehört zusammen; kurz, man muß alles durcheinandermischen. — Und nun nehmen sie die Gewichte weg und werfen sie zum Fleisch dazu. Ja, da ist natürlich kein Gleichgewicht. So machen es die heutigen Kritiker. Sie setzen auf die eine Seite Mystik, auf die andere Seite Philosophie, und dann schießt, was in der Mystik ist, in die Philosophie hinein oder umgekehrt. Nun finden sie allerdings, daß die Welt sich in einer furchtbaren Weise benimmt; aber das ist ja mit Ausschluß wirklich alles desjenigen, was für die Gegenwart gefordert wird, für die das durchaus notwendig war. Und so muß eben, wenn die gegenwärtige Seele sich in richtiger Art hineinstellen will in die Weltentwickelung, in ihr leben auf der einen Seite ein starker Freiheitsimpuls, auf der anderen Seite muß in ihr leben ein starker Impuls zum innerlichen Durchleben des Mysteriums von Golgatha.
[ 38 ] It was therefore quite natural that I attempted to write The Philosophy of Freedom, as poorly and as well as I could, because one cannot do everything well at the first attempt. On the other hand, however, it was necessary to point to the mystery of Golgotha through my Mysticism at the Dawn of Modern Spiritual Life and Its Relationship to the Modern Worldview and through my Christianity as Mystical Fact. These two things simply belong together. But those people who now find a contradiction in this outwardly, who think that I am actually proceeding as if they had meat on one side of the scales and weights on the other and now say: What nonsense! These things belong together; in short, you have to mix everything together. — And now they take away the weights and throw them in with the meat. Yes, of course there is no balance. That is what today's critics do. They put mysticism on one side and philosophy on the other, and then what is in mysticism shoots into philosophy or vice versa. Now they find, of course, that the world is behaving in a terrible way; but that excludes everything that is required for the present, for which it was absolutely necessary. And so, if the present soul wants to place itself correctly in the development of the world, there must live in it, on the one hand, a strong impulse toward freedom, and on the other hand, a strong impulse toward inwardly living through the mystery of Golgotha.
[ 39 ] Das muß sich aber nach und nach sowohl im einzelnen Menschenleben ausgestalten, wie es sich ausgestalten muß im Wissenschaftlichen. Im einzelnen Menschenleben muß der Mensch einmal dazu kommen, die alten instinktiven Arten des Mystischen und des Hellseherischen zu überwinden und sich ganz und gar eben auf den Standpunkt einer solchen Erkenntnis zu stellen, wie wir sie haben, wenn wir, sagen wir, eine Dampfmaschine begreifen. Nur solche Ideen für die äußere Naturerkenntnis setzte ich meiner «Philosophie der Freiheit» voraus, wie man sie notwendig hat, um auch eine Dampfmaschine zu begreifen. Aber man muß, um eine Dampfmaschine zu begreifen, zwar seinen ganzen Menschen ablegen, aber nicht jetzt das Letzte, das reine Denken. Das muß man schon noch im Menschen ausbilden und dann hinaustragen. Aber das ist zu gleicher Zeit das, was in den Objekten lebt.
[ 39 ] But this must gradually take shape both in the individual human life and in science. In the individual human life, the human being must eventually overcome the old instinctive forms of mysticism and clairvoyance and place himself entirely on the standpoint of such knowledge as we have when we understand, say, a steam engine. I presupposed in my Philosophy of Freedom only such ideas for the external knowledge of nature as are necessary in order to understand a steam engine. But in order to understand a steam engine, one must indeed lay aside one's whole human nature, but not the last, the pure thinking. That must still be developed in man and then carried out. But that is at the same time what lives in objects.
[ 40 ] Man kann sich also auf der einen Seite ganz und gar auf den Boden der Freiheit stellen, muß aber auf der anderen Seite sich auf den Boden der Christus-Tatsache stellen. Das muß aber auch in die Wissenschaft hinein. Und das wird so in die Wissenschaft hineinkommen, daf man sich sagt: Da ist die äußere Natur. Ich beschreibe sie meinetwillen so Haeckelisch, als es nur sein kann. Aber da bleiben Reste. Da bleiben die Reste, die nie zu begreifen sein werden mit diesen Ideen. Verzeihen Sie, wenn ich mich ein klein wenig deutlich ausdrücke, aber wir sind ja als ernste Leute, die etwas verstehen wollen, beisammen, und nicht beim Five o’clock tea. Also ich möchte sagen: Die zwei Dinge sind notwendig, daß sie in unsere Zivilisation in der richtigen Weise hineingehen, die da lagen darinnen, daß man in älteren Zeiten — wobei man durch sein instinktives Hellsehen sich bewußt war der Anknüpfung des Menschen an die spirituelle Außenwelt — den Heiligenschein ausgebildet hatte. Es war in diesen ältesten Zeiten der Heiligenschein ganz besonders ausgebildet; er tritt vielfach hervor in den verschiedensten Formen, auch beim Kultus. Als aber aus dem Mittelalter heraus in den Gefühlen der erste Materialismus erwachte, da wurde etwas anderes besonders gern abgebildet: die schwangere Frau. Sehen Sie sich doch nur viele Bilder des Mittelalters an: die Frauen sind auf diesen Bildern alle schwanger. Sie haben auf der einen Seite dasjenige, was über den Tod hinausrettet und was sich im Höchsten in der Verkündigung der geistigen Welt im Heiligenscheine ausdrückt, und auf der anderen Seite dasjenige, was den Menschen immer wieder hereinbringt in die physische Welt: die Geburt.
[ 40 ] So, on the one hand, one can stand entirely on the ground of freedom, but on the other hand, one must stand on the ground of the Christ fact. But this must also enter into science. And it will enter into science in such a way that one says: There is external nature. For my own sake, I describe it as Haeckelian as possible. But there remain remnants. There remain remnants that can never be understood with these ideas. Forgive me if I express myself a little clearly, but we are serious people who want to understand something, and we are not at five o'clock tea. So I would like to say: The two things are necessary, that they enter our civilization in the right way, that in earlier times—when people were aware of their connection to the spiritual world through their instinctive clairvoyance—they had developed the halo. In those earliest times, the halo was particularly well developed; it appears in many different forms, including in worship. But when the first materialism arose in people's feelings during the Middle Ages, something else became particularly popular to depict: the pregnant woman. Just look at many pictures from the Middle Ages: the women in these pictures are all pregnant. On the one hand, you have that which saves us from death and which is expressed in the highest form in the proclamation of the spiritual world in the halo, and on the other hand, you have that which brings human beings back into the physical world again and again: birth.
[ 41 ] Diese Dinge hängen alle mit dem inneren geistigen Entwickelungsmotor der Menschen zusammen. Die Seele lebt immer in dem, was innere Entwickelungsmotoren sind. So ist ein Zusammenhang zwischen dem seelischen Erleben und der Weltenentwickelung selbst in bezug auf die intimsten Tatsachen, und die Wissenschaft wird sich auch dem nach und nach anbequemen müssen und wird sagen müssen: Ich erkenne die Welt so Haeckelisch als möglich, aber zwei Dinge bleiben übrig: das eine ist die Geburt, das andere ist der Tod. Die lassen sich nicht mit den Ideen aus der Chemie und der Mechanik begreifen, also aus dem, was technisch konstruierbar ist. Das sind die beiden Tore, die hinausführen, und da muß man anfangen mit einer anderen Betrachtungsweise. Solange man die Freiheit betrachtet, kann man bleiben innerhalb der Ideen, die sich auch in der Technik ausleben. Und wenn man eine «Philosophie der Freiheit» schreibt denn die Kinder sind ja noch nicht frei, da wirkt noch das Göttliche in Unfreiheit in ihnen -, schreibt man unmittelbar für Menschen, die in ihrem mittleren Lebensalter drinnenstehen, denn da wird man ja doch eigentlich erst frei. Fängt man an, die anderen Teile zu schreiben, dann wird man unmittelbar geführt auf die Auffassung, die der Mensch in seiner Seele haben kann über den Tod. Daher ist das Urmysterium das Erleben des Todes, und das innerliche Erleben des Todes und die geistige Wiedergeburt dasjenige, was Sie auch in den allerersten Kapiteln meiner mystischen Schriften finden.
[ 41 ] These things are all connected with the inner spiritual motor of human development. The soul always lives in what are inner motors of development. Thus there is a connection between the soul's experience and the development of the world itself in relation to the most intimate facts, and science will gradually have to come to terms with this and say: I recognize the world as Haeckelian as possible, but two things remain: one is birth, the other is death. These cannot be understood with the ideas of chemistry and mechanics, that is, with what can be technically constructed. These are the two gates that lead out, and there one must begin with a different way of looking at things. As long as one considers freedom, one can remain within the ideas that are also expressed in technology. And when one writes a “philosophy of freedom”—for children are not yet free, the divine still works in them in bondage—one writes directly for people who are in the middle of their lives, for that is when one actually becomes free. When you begin to write the other parts, you are immediately led to the view that human beings can have in their souls about death. Therefore, the primordial mystery is the experience of death, and the inner experience of death and spiritual rebirth is what you will also find in the very first chapters of my mystical writings.
[ 42 ] Das ist etwas, was einfach aus der gegenwärtigen Weltenbetrachtung sich von selbst ergibt, aber jetzt nicht in einer nebulosen Weise, sondern in einer solchen Weise, die wirklich das, was nötig ist, durch und durch eben begreifen will. Und so muß man sagen: Mit demjenigen, was die menschliche Seele nach der Richtung der Freiheit erlebt, streift sie in der Welt heran an das Ahrimanische. Mit demjenigen, was sie erlebt nach der Seite des Religiösen, auch wenn es zu dem Mysterium von Golgatha hingeht, streift sie sehr nahe heran an das Luziferische. Und da kann sie sehr leicht, wenn sie die bloßen religiösen egoistischen Instinkte ausbildet, wie es in der Gegenwart auch in dem Religionsbetrieb sehr leicht der Fall ist, auch in die luziferischen Triebe, Instinkte hineinfallen.
[ 42] This is something that simply arises from the present view of the world, but not in a nebulous way, rather in a way that truly wants to understand what is necessary through and through. And so one must say: with what the human soul experiences in the direction of freedom, it touches upon the Ahrimanic in the world. With what it experiences in the direction of religion, even if it leads to the mystery of Golgotha, it comes very close to the Luciferic. And there it can very easily fall into the Luciferic instincts and drives if it develops mere religious egoistic instincts, as is very easily the case in the present religious life.
[ 43 ] Das ist es, was aus der unmittelbaren Gegenwart heraus für das Seelische berücksichtigt werden muß, und das war es auch, was der Christus unmittelbar nach seiner Auferstehung seinen intimen Schülern gelehrt hat. Diese intimen Schüler, die die Fortsetzer der alten Mysterieneinweihung waren, sollten lehren, daß er heruntergestiegen ist aus derjenigen Welt der Götter, die den Tod noch nicht gekannt haben, die daher dem Menschen in der Urerdenzeit vom Tod nichts sagen konnten; daß der Christus heruntergestiegen ist, um die Geheimnisse über Geburt und Tod zu erfahren. Daher sind auch so unklar geblieben die Lehren von Christi Tod und Geburt, weil die Menschen nicht den Weg fanden, um diese Dinge zu erklären. Aber in den christlichen Urmysterien, deren eigentlicher Sinn, weil zunächst der Freiheitssinn ausgebildet werden sollte, schon im 4. nachchristlichen Jahrhundert verschwunden ist, wurde durchaus von dem Christus selbst seinen ersten eingeweihten Schülern nach seiner Auferstehung dieses Geheimnis von dem Erkennenlernen des Erdentodes durch einen Gott mitgeteilt. Das geschah aber allerdings, nachdem die alte, die ursprüngliche Weisheit von den alten Göttern den Menschen mitgeteilt worden war, dann immer weiter und weiter übertragen wurde auf die späteren Generationen und immer mehr und mehr verwässert wurde. Das, was da der Christus nach seiner Auferstehung seinen intimen Jüngern mitteilte, das war die eigentlichste Uroffenbarung im irdischen Leben, das war es, was nun als das Fundament, als das geistige Fundament das Leben der Seele weitertragen sollte. Denn im Grunde genommen, was die alten Götter, wenn sie in den Mysterien heraufgestiegen sind, die Menschen gelehrt haben, das waren die Geheimnisse von Saturn, Sonne, Mond; das eigentliche Erdengeheimnis -— denn auf der Erde erst ist im menschlichen Sinne aufgetreten Geburt und Tod, früher gab es nur Metamorphose, Verwandlung -, mußte ein Gott erst durch das Mysterium von Golgatha auf der Erde selbst erfahren, um es dem Leben der Menschenseele zu vermitteln. So daß also durch diese fundamentalste Offenbarung nach Christi Tod auch das Fundament geschaffen wurde, das die Menschenseele in sich aufnehmen muß, um von diesem Fundamente aus eben die Rettung des Erdenlebens zu vollziehen.
[ 43 ] This is what must be taken into account for the soul out of the immediate present, and this was also what Christ taught his intimate disciples immediately after his resurrection. These intimate disciples, who were the continuers of the ancient mystery initiation, were to teach that he had descended from the world of the gods who had not yet known death and who therefore could tell human beings in the primeval earth period nothing about death; that Christ had descended in order to learn the secrets of birth and death. This is why the teachings about Christ's death and birth have remained so unclear, because people could not find a way to explain these things. But in the Christian primordial mysteries, whose actual meaning, because the sense of freedom had to be developed first, had already disappeared in the 4th century AD, Christ himself revealed this secret of learning about earthly death through a god to his first initiated disciples after his resurrection. However, this happened after the ancient, original wisdom of the old gods had been communicated to people, then passed on further and further to later generations and increasingly watered down. What Christ revealed to his intimate disciples after his resurrection was the most authentic revelation in earthly life; it was what was now to carry on the life of the soul as its foundation, as its spiritual foundation. For basically, what the ancient gods taught people when they ascended in the mysteries were the secrets of Saturn, the sun, and the moon; the actual mystery of the earth — for it was only on earth that birth and death appeared in the human sense; previously there was only metamorphosis, transformation — had to be experienced by a god on earth itself through the mystery of Golgotha in order to be conveyed to the life of the human soul. Thus, through this most fundamental revelation after Christ's death, the foundation was also laid which the human soul must take into itself in order to accomplish the salvation of earthly life from this foundation.
[ 44 ] So hängen dann die Menschenseelen zusammen mit der Evolution der Erde, mit der Evolution der Welt überhaupt; so hängen sie zusammen durch die anderen Tatsachen, wie ich sie Ihnen in diesen Tagen dargestellt habe; so hängen sie zusammen, indem sie in richtiger Weise aufnehmen den Impuls des Mysteriums von Golgatha. Das wollte ich Ihnen in diesen Vorträgen ausführen.
[ 44 ] Thus, human souls are connected with the evolution of the earth, with the evolution of the world in general; they are connected through the other facts I have presented to you in recent days; they are connected in that they correctly absorb the impulse of the mystery of Golgotha. That is what I wanted to explain to you in these lectures.
