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The Rudolf Steiner Archive

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Über die astrale Welt und das Devachan
GA 88

19 August 1903, Berlin

13. Der erste, zweite und dritte Logos

[ ] [Der Anfang der Ausführungen fehlt.]

[ ] Wenn nun der selbstlose Strom in zwei zyklischen Ausströmungen wieder zu seinem Ausgangspunkt zurückkehrt und die Materie sich wieder auflöst, so ist nichts geschehen, als daß sie bereichert zu ihrem Ursprung zurückkehrt. Nur durch die Aufnahme und Überwindung der selbstischen Strömung wird die selbstlose Strömung eine solche starkschwingende Kraftentwicklung entfalten, daß sie über sich selbst, das heißt über den kosmischen Kreis, der das erste Treffen der beiden Strömungen bildet, hinausschwingen muß. Es wird im Auseinanderfließen der Selbstlosigkeit ein Neues geboren werden, aus ihr hervorgerufen, eine neue Region: Paranirwana, die negative Materie, weil sie im Gegensatz zur Materie, die innerhalb des kosmischen Kreises durch Anziehung festgehalten wird, außerhalb sich ausbreitet. Man kann sich den Vorgang klarmachen, wenn man sich die Pendelschwingung vorstellt. Das vorwärtsschwingende Pendel wird sogleich rückwärts zurückschwingen und muß, wenn es nicht auf seinem Wege durch Hindernisse aufgehalten wird, in so starke Schwingung geraten, daß es über seinen Ausgangspunkt hinausgeht - so wie auch ein vorwärtsrollender Wagen nicht plötzlich anhalten kann, sondern noch eine Strecke weiterrollen muß.

[ ] Mit dieser Vorbereitung und stufenweisen Entwicklung der Materie wären nun die stofflichen Bestandteile zu einer Planetenbildung geschaffen, aber das Planetenleben selbst kann noch nicht entstehen. So konnte der Logos nicht in Paranirwana verweilen, er mußte zurück, und auf diesem Rückweg bildete er die Maha-Paranirwana-Region. Von hier aus mußte der Logos das Opfer bringen und wieder den Kreislauf durch die Materie beginnen, damit noch anderes Leben, außer ihm, aber aus ihm heraus entstehen konnte.

[ ] Alles Leben in mannigfaltigen Formen ist aus der Einheit, dem einen Logos hervorgegangen. In ihm ruht alle Mannigfaltigkeit noch ungeschieden, undifferenziert verborgen. So wie er erkennbar wird, sich als Selbst wahrnimmt, tritt er aus dem Absoluten, aus dem Unterschiedslosen heraus und schafft das Nicht-Selbst, sein Spiegelbild, den zweiten Logos. Dieses Spiegelbild beseelt und belebt er, es ist sein dritter Aspekt, der dritte Logos.

[ ] So wäre der erste Logos das Undifferenzierte, in dem Leben und Form ungeschieden ruhen, als der Vater zu betrachten. Mit seinem Dasein beginnt die Zeit; er trennt sein Spiegelbild von sich ab, die Form, das Weibliche, das er mit seinem Leben erfüllt, der zweite Logos; und aus dieser Beseelung geht der dritte Logos als Sohn, als belebte Form hervor. So haben sich alle Religionen ihren Gott in dreifacher Gestalt gedacht, als Vater, Mutter und Sohn. So Uranos und Gäa, die mütterliche Erde; und Kronos, die Zeit, ist als Sohn aus ihrem Schoße hervorgegangen; Osiris, Isis und Horus und so weiter.

[ ] Das Opfer des Logos ist: Der Geist steigt hernieder in die Materie, beseelt sein Spiegelbild, und damit ist auch der Welt belebter Formen ihr Dasein gegeben, die alle ihr Sonderdasein führen und den Zyklus der Evolution durchmachen, um als höchstentwickelte Individualitäten wieder eins mit dem Logos zu werden, der durch sie den Erfahrungsreichtum empfängt. Hätte er sich nicht ausgegossen, um alle diese Formen zu beleben, so würde es kein selbständiges Wachsen und Werden geben. Alle Bewegung, alles Entstehen würde kein Eigenleben haben, es würde sich nur regen und bewegen nach der Direktion des Gottes.

[ ] So, wie den Menschen nur das Unbekannte, das Individuelle an dem Menschen interessiert und ihn alles, was er berechnen und verstehen kann, gleichgültig läßt, so kann auch der Logos nur an selbständig sich entwickelndem Leben seine Freude haben, das aus ihm hervorgeht, für das er sich opfert und hingibt.

[ ] Es beginnt der Entwicklungsprozeß der Materie, in welcher sich die Qualitäten des Wesens abspiegeln und wirksam sind, bis diese Spiegelbilder als abgetrennte Formen selbst ihre Tätigkeit beginnen und so die Materie immer mehr vergeistigen und beseelen, bis sie wieder eins wird dem Wesen Atma, Budhi, Manas ... [Lücke]

[ ] Zuerst war die kosmische Grundlage durch das Zusammentreffen der beiden Eigenschaften Selbstigkeit und Selbstlosigkeit des ersten Logos geschaffen. Durch die zweite Strömung derselben, durch Harmonie geleitet, bildete sich die atomistische Essenz. Diese umhüllte sich mit der schon vorhandenen Muttersubstanz, und es kam die Atombildung zustande. Diese Atome, mit ihren Hüllen von verschiedenen Dichtigkeitsgraden, bildeten nun stufenweise die Materie, welche dem zweiten Logos, der das Spiegelbild des ersten ist, als Medium dienen konnte, um sein Spiegelbild derselben abzugeben. Der zweite Logos strömt nun in diese Materie, die auf ihrer ersten, der Nirwana-Stufe, von so feinster Beschaffenheit ist, daß er ungehindert und unverändert durch sie hindurchströmen kann. Er gelangt nun in die Budhi-Region; hier wird er aufgehalten, und wenn auch die Selbstlosigkeit in dieser Region so stark ist, daß sie den Logos nicht für ihr Reich festhalten will, so beansprucht sie ihn doch für ihren ganzen Kosmos. Hier beginnt nun das Opfer des Logos, die Stimme, der Ton geht aus ihm hervor: er will mit seinem Geiste die Materie beleben, daß seine Gedanken als selbständige Formen ihr Dasein haben sollen. Hier, wo der göttliche Gedanke Ton und Stimme wird, in der Budhi-Sphäre, ist für das Mittelalter das göttliche Reich. Mit Budhi umhüllt, strömt nun der Logos in die mentale Region, die sich in die Arupa- und Rupastufe teilt; hier hinein ergießt sich nun die göttliche Gedankenwelt, die vorbildlichen Ideen wogen durcheinander. Was später Sonderwesenheit wird und in der Budhi-Sphäre noch im Logos eingeschlossen ruht, wird hier als vorbildliche Idee ins Dasein gerufen. Diese Arupastufe der mentalen Sphäre ist die Ideenwelt Platos, die Vernunftwelt des Mittelalters. Auf der Arupastufe nehmen diese Ideen ihre ersten Gestalten an. Als göttliche Genien beginnen sie ihr Sonderdasein und schweben durcheinander, sie durchdringen einander noch als gleichartige Geistwesen. Es ist das himmlische Reich des Mittelalters.

[ ] Diese Geistwesen kommen nun in die astrale Sphäre; hier, mit einem dichteren Stoffe umhüllt, erwacht durch die Berührung die Empfindung; sie empfinden sich jetzt erst als Sonderwesen, sie fühlen die Trennung. Es ist das elementare Reich, die Welt des Elementalen. Hinabgestiegen in die Äthersphäre wird diese Empfindung von innen nach außen gedrängt, sie quillt .auf, dehnt sich und wächst durch die ätherische vegetabilische Kraft, um dann von der physischen Materie eingeschlossen und kristallisiert zu werden, weil hier das Selbstische noch in voller Kraft nach Begrenzung strebt. So ist die Empfindung im Mineralreich eingeschlossen und die göttlichen Ideen schlafen in erhabener Ruhe im keuschen Gestein. Der Stein - ein eingefrorener Gottesgedanke: «Die Steine sind stumm. Ich habe das ewige Schöpferwort in sie gelegt und verborgen; keusch und schamvoll halten sie es in sich beschlossen.» So lautet ein alter Druidenspruch, eine Gebetsformel. Äther- und physisches Reich oder Mineralreich werden im Mittelalter Mikrokosmos oder das kleine Reich genannt.

[ ] Beim Einströmen hat der Logos sich mit immer dichteren Hüllen umgeben, bis er im Gestein gelernt hat, sich fest zu begrenzen. Die Steine sind jedoch stumm, sie können das ewige Schöpferwort nicht offenbaren. Die starre physische Hülle muß wieder abgeworfen werden; sie bleibt in ihrem Reich zurück, während nun die kristallischen Formen in ihrer weichen Ätherhülle sich ausdehnen, von innen heraus wachsen, das heißt leben können, denn Leben ist Wachstum; der Stein wird zur Pflanze. Und weiter aufsteigend streift der Logos auch diese Ätherhülle ab und kommt an die astrale Empfindungssphäre. Hier entfaltet sich durch Wechselwirkung der Berührung und Wahrnehmung die Tätigkeit; lebendig gestaltet sich aus Empfindung und Wollen das empfindende Tierdasein. So baut es sich, indem der Anstoß von außen als Empfindung nach innen wirkt, nach und nach seine Wahrnehmungsorgane aus. Es formen sich die Typen. Übergehend in das mentale Reich nimmt diese Empfindung sich selbst wahr, und mit dem Ich-Bewußtsein ist die Menschheitsstufe erreicht.

[ ] Vom kosmischen Standpunkt wäre mit dem Einströmen des Logos ins mineralische Reich sein tiefster Niederstieg in die Materie erreicht und mit dem Abwerfen der ersten Hülle das Aufwärtssteigen des Logos begonnen. Vom Standpunkt des Menschen aber gesehen, im anthropozentrischen Sinn, wie ihn unter anderem auch die alten Druidenpriester annahmen, wäre das Ruhen des Geistes im keuschen Gestein eine erhabene Daseinsstufe. Unberührt von selbstischem Wollen gehorcht der Stein einzig dem Kausalitätsgesetze. Für den Menschen auf der unteren mentalen Stufe, auf der wir jetzt stehen, wäre das Gestein ein Symbol zu höherer Entwicklung. Durch niedere kamische Leidenschaften und Irrungen hindurch entwickeln wir uns zu ätherischem Pflanzendasein, leben und wachsen von innen heraus in selbstloser Selbstverständlichkeit, um später in unserem Kausalkörper zu leben, unberührt von allem Außen, als reiner Geist in uns selbst beruhend, wie der kristallisierte Geist eingeschlossen im Gestein ruht.

[ ] Der zweite Logos, als Beweger und Beleber der Materie, in der er einschlossen ist, ist nur bis zur unteren mentalen Sphäre gelangt. Das empfindende Tier hat durch das Ich-Bewußtsein die menschliche Daseinsstufe erreicht. Es vermag die äußere Welt in Beziehung zu seiner Persönlichkeit zu bringen, es nimmt sich selbst wahr. So weit hat ihn die Natur geführt und geleitet, hier läßt sie ihn allein und in Freiheit. Die weitere Entwicklung des Menschen hängt nun einzig von seinem Willen ab. Er muß sich selbst zu dem Gefäß machen, die äußere Hülle der niederen mentalen Sphäre abstreifen, damit er nun die Einströmung des ersten Logos empfangen kann, wie das Samenkorn sich öffnet und der Befruchtung harrt, ohne die es nicht wachsen und Frucht tragen kann.

[ ] Der erste Logos ist das Ewige in dem All, das unveränderliche Gesetz, nach dem sich die Gestirne in ihren Bahnen bewegen, das allen Dingen zugrundeliegt. Die einzelnen Formen sind der Vernichtung und Veränderung unterworfen. Wir nehmen mit unserem sinnlichen Sehvermögen Farben wahr, die einem anderen Sehvermögen anders erscheinen können. Der äußerliche, feste Gegenstand, der durch seine Teile in der bestimmten Form zusammengehalten wird, kann bei einer gewissen Wärmetemperatur verschwinden, seine Teile können sich auflösen, aber das Gesetz, nach dem er geworden, bleibt und ist ewig. So bewegt sich das ganze Weltall nach ewigen Gesetzen, der erste Logos strömt ausgebreitet in ihm. Zu ihm muß der Mensch sich mit seinem Willen erheben. Er muß die selbstlose niedere Seelenerkenntnis (Antahkarana) in sich .entwickeln. Er muß durch reine Betrachtung dieses ewige unwandelbare Gesetz in dem Vergänglichen wahrnehmen, er muß unterscheiden lernen, was nur vorübergehende Erscheinung in einer bestimmten Form und was sein Wesenskern ist, er muß das Geschaute als Gedanke in sich aufnehmen und bewahren. So lernt er allmählich das Unreale der Erscheinungswelt kennen, der Gedanke wird ihm das Reale, er steigt allmählich empor zu der Arupastufe, er lebt in der reinen Gedankenwelt. Das Viele löst sich ihm auf und geht ihm unter in der Einheit, er fühlt sich Eins mit dem All. So hat er sich denn so hoch erhoben, daß er die Einströmung vom ersten Logos unmittelbar als Intuition empfangen kann. Aber nicht jedem einzelnen strömt so eine Einzelseele ein, nein, es ist die All-Seele, es ist die Seele Platos und anderer, an der er teilhat, mit denen er eins in Gedanken wird. Stufenweise entwickelt sich aus dem kamischen der höhere Mensch.

[ ] An diesem Wendepunkt, wo er in Freiheit durch seinen Willen sich emporringen soll, bedarf er des Lehrers, und darum waren in der dritten Rasse der vierten Runde, der lemurischen Zeit, die Söhne des Manas heruntergestiegen und ließen sich inkarnieren, um als Führer zu dienen. Mit dem einfachen Zählen schon, mit dem Verständnis für die Zahl begann die mentale Entwicklung und schied den denkenden Menschen von dem nur sinnlich empfindenden Tier.