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The Rudolf Steiner Archive

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Über die astrale Welt und das Devachan
GA 88

1 September 1903, Berlin

16. Geheimnisse Und Geheimhaltung

[ 1 ] Ich möchte heute einige Andeutungen machen über Vorgänge, die in der Astralsphäre wahrzunehmen sind.

[ 2 ] Die theosophische Bewegung ist eine Notwendigkeit für unsere Zeit. Man macht uns zwar den Vorwurf, daß wir Geheimnisse ausplaudern, die sonst nur wenige hatten — zum Beispiel in Blavatskys Büchern «Isis unveiled» und «Secret Doctrine» -, aber von anderen Menschen wird es wieder als zeitgemäß betrachtet, diese Dinge mitzuteilen. Es gibt Okkultisten, die sagen, es sei schädlich, dieses Wissen mitzuteilen. So sehen wir also zwei Richtungen, von denen die eine sagt, es sei schädlich, ein Unglück, das okkulte Wissen mitzuteilen; die andere Richtung aber behauptet, daß es notwendig sei, dieses Wissen der Welt mitzuteilen.

[ 3 ] Die Astralsphäre bleibt sich nicht immer gleich, sie erleidet kleine Veränderungen. Diese sind nicht erheblich, aber dennoch sind sie deutlich wahrzunehmen. Die allgemeine Szenerie der Astralebene war anders in der Zeit der Atlantier als in unserer Zeit; sie veränderte sich von Jahr zu Jahr. Gewisse Veränderungen in der astralen Welt haben dazu geführt einzusehen, daß es notwendig ist, einen Teil des okkulten Wissens den Menschen mitzuteilen, und zwar öffentlich und populär und nicht bloß einzelnen Eingeweihten. Es handelt sich dabei um tiefstes okkultes Wissen, und es kann immer nur ein Teil davon gesagt werden.

[ 4 ] Im 19. Jahrhundert sind ganz besondere Zeichen aufgetreten in der astralen Welt, die mit absoluter Sicherheit beweisen, daß das große Geheimnis, das in unserer Rasse zum Ausdruck kommen muß, einen etwas anderen Charakter zeigt als die früheren Geheimnisse. Jede Rasse erhält eines der sieben großen Geheimnisse ausgeliefert. Vier von diesen Geheimnissen sind bereits ausgeliefert. Das vierte wurde der vierten Wurzelrasse ausgeliefert. Das fünfte Geheimnis ist das, in welches wir hineinwachsen; das sechste und siebente Geheimnis werden der sechsten und siebenten Wurzelrasse ausgeliefert werden.

[ 5 ] In solche Geheimnisse werden zunächst nicht alle Menschen einer Wurzelrasse eingeweiht. Das Grundgeheimnis war bisher immer nur im Besitze der Adepten. Durch den Besitz des Geheimnisses waren sie die Führer der betreffenden Rasse. Für unsere fünfte Rasse war das bis jetzt ebenso. In der September-Nummer des «Luzifer» finden Sie darüber einiges angedeutet. Erst am Ende der fünften Wurzelrasse wird es einer größeren Anzahl von Menschen kund werden und von ihr verstanden werden. Bei den früheren Wurzelrassen war es so, daß diese Geheimnisse nur wenige erhalten haben. In unserer Wurzelrasse ist die Fähigkeit des Intellektes, des Verstandes ausgebildet worden. Die tiefsten Tiefen sind aber dem Verstande verschlossen, doch einiges Außen-Seitige des Geheimnisses kann mit dem Verstande erraten werden. Vor dem Jahre 1875 hat man nichts von diesen Dingen gewußt oder sie doch nicht beachtet.

[ 6 ] Das Geheimnis der fünften Wurzelrasse kann jetzt von dem Verstande dem Verstand überliefert werden, ohne daß er spekuliert. Welcher Art die Zeichen im Astralen sind, kann ich nicht auseinandersetzen; einiges ist tatsächlich von Persönlichkeiten, die fern von jeder okkulten Strömung stehen, erraten worden. Es liegt im Charakter der menschlichen Anlagen innerhalb der fünften Rasse, daß es bald viele Menschen sein werden, die einiges erraten werden.

[ 7 ] Es gibt Okkultisten, die sagen, das Erraten des Geheimnisses sei etwas sehr Gefährliches; es sei sowohl für den Betreffenden selbst als auch für die ganze Menschheit nachteilig. Es sei gefährlich aus dem Grunde, weil die Mitteilung des Geheimnisses der fünften Wurzelrasse die Menschen spalten könnte in einige wenige sehr gute Menschen und viele andere radikal unmoralische Menschen. Das ist zunächst eine paradoxe und gewagte Behauptung. Aber diese Okkultisten glauben wirklich, man könne das Zentralgeheimnis der fünften Wurzelrasse nicht mitteilen, denn, wenn jemand dieses Geheimnis mitteilen würde, so würde er der Gewalt der anderen hingegeben sein, er würde die Möglichkeit verlieren, eine wohltätige Wirkung auf die Menschheit auszuüben. Außerdem sei es zwecklos, das Geheimnis mitzuteilen, weil es nur zu schädlichen Wirkungen führen würde. Deshalb gäbe es keinen Eingeweihten, der dieses Geheimnis mitgeteilt hätte. Und es gäbe kein Mittel, einem eingeweihten Menschen das Geheimnis zu entreißen, selbst Foltern würde nichts nützen, der Betreffende würde irrsinnig werden oder durch Qualen ums Leben kommen.

[ 8 ] Durch die Theosophie soll nun die Menschheit vorbereitet werden, damit dann, wenn das Geheimnis teilweise enthüllt wird, die schlechten Wirkungen paralysiert werden. Ein Grundunterschied zwischen dem Geheimnis der fünften Wurzelrasse und den Geheimnissen der früheren Wurzelrassen ist der, daß das Geheimnis unserer fünften Wurzelrasse teilweise durch den Verstand erraten werden kann. Früher waren die Geheimnisse streng in der Hand von Adepten, die die Menschheit führten. Es könnte aber in unserer Zeit Menschen geben, die den Adepten über den Kopf wachsen in gewisser Beziehung. Deshalb müssen einige Menschen gewappnet sein, wenn von außen ihnen das Geheimnis entgegentritt. Es wird der Zeitpunkt kommen, in dem Einzelne mit Teilen der Wahrheit, welche sie erraten können, hervortreten werden. Ohne die Vorbereitung durch die Theosophie würde das aber furchtbar sein und von verheerender Wirkung für die Menschen. Es könnte dann so sein, daß einige wenige Gute da wären, und die große Masse der Menschen wäre dann für das Gute verloren. Die Grundlehren der Theosophie sind die Voraussetzung dafür, daß den Menschen diese Wahrheiten übergeben werden können. Ohne diese würden die Menschen in drei Teile gespalten: in erstens die gedankenlose Masse, zweitens die zerstörenden Verstandesmenschen mit dem erratenen Geheimnis und drittens die Okkultisten. Die Menschen würden einen Kampf um Leben und Tod gegeneinander führen. Diejenigen aber, welche das Geheimnis erraten haben, erkennen nicht, warum das Geheimnis nicht ausgesagt werden darf. Die Theosophische Gesellschaft strebt an, daß nicht diese Dreiteilung der Menschheit entsteht, sondern daß ein Kern einer allgemeinen Bruderschaft geschaffen werde. Man kann nun einwenden, eine allgemeine Bruderschaft der Menschheit könne es nie geben. Wir erwidern darauf: Was ihr sagt, ist zwar richtig, aber wir kennen die Grundlagen der Theosophie und wissen, daß ein solcher Kern die Menschheit schützen wird. - Dies ist eine Art Prophetie, die aber auf der Grundlage objektiver Wahrnehmung in der astralen Welt beruht. Das Geheimnis unserer Wurzelrasse ist also ein solches, welches bis zu einem gewissen Grade erraten werden kann. Deshalb müssen die Menschen für den Zeitpunkt des Erratens vorbereitet werden. Die Menschen müssen lernen, sich gegenseitig zu stützen, sie müssen zusammenwirken. Schädlich würde es wirken, wenn alle Gedanken der Menschen nur auf die unmittelbare Gegenwart gerichtet wären, wenn die Gedanken sich nur auf das Zeitliche und nicht auf das Ewige richten würden. Wir kennen nun also einen noch tieferen Grund als den der astralen Gesetze, der uns zwingt, unsere Kräfte für die theosophische Bewegung einzusetzen, weil wir wissen, wohin die Menschheit steuert.