Über die astrale Welt und das Devachan
GA 88
18 November 1903, Berlin
4. Die Wesen der astralen Welt
[ 1 ] Ein alter Schriftsteller, Olympiodoros, erzählt gelegentlich einer Besprechung eines Werkes von Plato von der Hadesfahrt des Odysseus. Wir wissen ja, daß uns in einem großen Homerischen Epos, der «Odyssee», erzählt wird, daß Odysseus auch in die Unterwelt hinabgestiegen sei. Wer die Sprache der griechischen Eingeweihten, die so etwas geschrieben haben, versteht, wird wissen, daß das Hinabsteigen in die Unterwelt immer bedeutet das Eingeweihtwerden in die Mysterien, das Überschreiten der Pforte des Todes schon während des Lebens. In unserem besonderen Fall bedeutet es auch das Kennenlernen der astralen Welt. Nichts anderes also bedeutet dieses Hinabsteigen des Odysseus in die Unterwelt, als daß Odysseus kennenlernt die Welt des Astralen. Unter anderem wird uns erzählt, daß Odysseus in der Unterwelt drei Verstorbene gesehen hat: den Tityos, den Sisyphos und den Tantalos. Er sah den ersten, Tityos, wie er auf dem Boden lag und zwei Geier ihm an seiner Leber fraßen. Den Tantalos sah er an einem See stehen und brennenden Durst leiden; wenn er sich hinabbeugte, um zu trinken, versiegte das Wasser, so daß er es nicht erreichen konnte. Er litt auch an Hunger. Über ihm war ein Baum mit Äpfeln; wenn er ihn aber erreichen wollte, so entglitt er ihm. Das sind Bilder, die uns zeigen sollen, welche Formen die Begierden des Menschen in der astralen Welt nach dem Tode annehmen, wie der Mensch an Begierden hängt und wie sie sich ausleben. Der erste, Tityos, liegt auf der Erde und an seiner Leber nagt eine böse Macht, ein Geier. Das deutet darauf hin, daß er am niederen, sinnlichen Leben gehangen hat und daß dieses niedere, sinnliche Leben auf die Dauer keine Befriedigung bringen kann. Sisyphos, der Habgierige, wird dadurch gequält, daß er seine Wünsche, die immer von neuem entstehen, niemals befriedigen kann. Tantalos hängt an den Bildern einer phantastischen Einbildungskraft und muß das ewig Unbefriedigende einer solchen Einbildungskraft auskosten.
[ 2 ] Da sind Bilder für unser astrales Leben gegeben. Wem der Blick geöffnet wird für die astrale Welt, der kann nur in solchen Bildern sprechen. Der Seher weiß, wie wenig die Worte aus unserem täglichen Leben ausreichen, um das zu schildern, was er in der Astralwelt schaut. Unsere Sprache kann nur ein sehr spärliches Ausdrucksmittel sein, um das in Worte zu bringen, wovon zu berichten ist. Darum werde ich Ihnen heute kaum etwas anderes geben können als Bilder, als bildliche Vorstellung von den Wesen, die demjenigen bekannt werden, dessen Seherblick geöffnet ist. Es sind dies Wesen, die unseren Raum bevölkern, auch wenn wir sie im physischen Leben nicht wahrnehmen. Die Astralwelt ist voller Farben, die der Seher wie eine äußere Wirklichkeit sieht. Wer nur auf das Äußere des Menschen den Blick richtet und nur darin die ganze Wesenheit des Menschen sieht, der gleicht dem, der behaupten würde, ein Mensch sei verschwunden, wenn er zur Tür eines Hauses hineingegangen und nun nicht mehr sichtbar ist. Wir wissen, daß er noch vorhanden und nur verdeckt ist durch die Mauer des Hauses. Und so wie ihn die Mauer des Hauses verdeckt, so verdeckt die Körperlichkeit des Menschen das, wovon wir jetzt sprechen; sie verdeckt es, weil es unsichtbar ist für die gewöhnlichen Sinne. So sind auch Wesen, die keine physische Körperlichkeit haben, im astralen Raum vorhanden, obwohl sie für das physische Auge nicht sichtbar werden. Und Sie alle sind ebenso wie im physischen Raum auch im astralen Raum vorhanden.
[ 3 ] Das erste, was der Mensch kennenlernt, wenn er den Astralraum betritt, das heißt, was er sieht, wenn ihm das astrale Auge geöffnet wird, ist: Er findet sich eingehüllt in den Astralkörper. Dieser Astralkörper ist es, in dem alle Begierden, Leidenschaften, Empfindungen und so weiter wogen. Da sehen wir das klar, was sonst verschlossen liegt in der menschlichen Natur. Alles Verborgene wird sichtbar, wenn wir diese menschliche Aura betrachten. Aus ihr strömt heraus in wellenartigen Bewegungen mit einer gewissen Leuchtekraft das, was ich das Astrale genannt habe, des Menschen ganze Empfindungsnatur.
[ 4 ] Ich möchte einige Einzelheiten erwähnen, die Ihnen zeigen werden, wie manches, was wir sonst unverständlich finden, sofort verständlich wird. Man kann oft sehen, daß gewisse Menschen, wenn sie an einem Abgrunde stehen, die unüberwindliche Begierde zeigen, sich in ihn hinein zu stürzen, trotzdem sie sich mit allen Kräften dagegen wehren. Oder man kann sehen, was für Gedanken durch eines Menschen Seele ziehen, wenn er ein Messer in der Hand hat. Alle diese Dinge haben ihre tiefe Begründung im menschlichen Astralleib. Sie beruhen darauf, daß wir im Astralen eine ganz andere Wesenheit haben, als sie uns im menschlichen Äußeren entgegentritt. Sie sind aber dem Schicksal, dem Karma unterworfen. Wer gewisse Begierden hat im Leben, der hat in einem früheren Leben Erlebnisse durchgemacht, die durch den gegenwärtigen Verstand tief in den Hintergrund gedrängt sein können. Sie schlummern aber im Astralkörper. Nehmen Sie an, jemand hat in einem früheren Leben an einem grausamen Krieg teilgenommen; da werden Sie in seiner Aura sehen, wie durch sein Karma alle diese Grausamkeiten in seinen Astralkörper eingebaut wurden, mit denen er nun im jetzigen physischen Leben harte Kämpfe zu führen hat. So wie die Fäden sich spinnen zwischen einem früheren und dem jetzigen Leben, so werden auch Fäden gesponnen von der Gegenwart aus zu späteren Leben. All dies sieht der Seher. Er sieht, wie das Karma eines Menschen sich gestaltet, und er sieht auch, wie zum Beispiel ein Mensch aus Klugheit einen Hang zu unterdrücken sucht oder wie er Gefühle zurückdrängt. Bis auf den Grund der Seele sieht der Seher. Diejenigen, die die Gabe des Sehens haben, halten das nicht für eine wünschenswerte Gabe, die in allen Fällen Freude bringt, hauptsächlich dann nicht, wenn die Menschen Gefühle haben, die sie besser nicht haben sollten. Und für den Anfänger, den Chela, ist es oft verhängnisvoll, denn leicht wird er angezogen von all dem, was er nun schaut.
[ 5 ] Dann finden wir im Astralraum das Wesentliche des Wachens und Schlafens des Menschen. Was heißt das: Wachen und Schlafen? Das ist etwas, was der gewöhnliche Mensch hinnimmt, ohne daß er einen genauen und bestimmten Begriff davon hat. Was in uns lebt, ist etwas, was der Mensch in unserer gegenwärtigen Zeitepoche nicht unmittelbar erkennt. Das höhere Selbst ruht im Menschen. Er denkt und handelt aus dem höheren Selbst heraus. Aber der Mensch der fünften Wurzelrasse [der gegenwärtigen Zeitepoche] sieht nicht dieses höhere Selbst. Alles, was das Bewußtsein uns bietet, ist nur ein Spiegelbild des höheren Selbst. Der Mensch sieht sich selbst nur als Spiegelbild, sein Gehirn ist der Spiegel. Was das Gehirn als Spiegelbild zurückwirft, ist nicht der wirkliche Mensch; dieser schlummert tief in uns und kann nicht unmittelbar gesehen werden. Der physische Körper allein ist es, der ermüden kann, er stellt während des Schlafes seine Tätigkeit als Spiegel ein. Das höhere Selbst, dessen Spiegelung der äußere Mensch ist, ermüdet nicht, es zieht sich nur von dem Physischen mehr oder weniger zurück. Während der Körper schläft, verläßt es, befreit von der äußeren Körperlichkeit, den äußeren Menschen und kann seine Tätigkeit im astralen Raum verrichten. Der Seher schaut diese Tätigkeit im astralen Raum.
[ 6 ] Der Mensch der gegenwärtigen Entwicklungsstufe verläßt im Schlafe seinen Körper. Er wandert, manchmal in großen Entfernungen von seinem physischen Körper, in der Astralwelt und kommt dort mit anderen Wesen der Astralwelt zusammen und pflegt Austausch mit deren Gedanken. Doch wenn der Mensch aufwacht, erinnert er sich daran nicht. Das hängt mit seiner gegenwärtigen Entwicklungsstufe zusammen. Die Entwicklung kann aber eine immer höher und höhere werden. Der Schüler, der unter Anleitung eines sogenannten Meisters lernt, kann allmählich sein Bewußtsein zu einem kontinuierlichen, zu einem fortdauernden machen. Dann wird er die Erfahrungen der Nacht sich in seinem Wachzustande als Erinnerung ins Bewußtsein bringen können. Wenn der Schüler, der Chela, ein fortdauerndes Bewußtsein erreicht hat, dann erinnert er sich dessen, was er in der astralen Welt empfing. Diese Erkenntnisse des Chela sind nicht in der physischen Welt erlernt, sondern sie sind in der astralen Welt erfahren und hineingebracht in sein physisches Leben. Das meint Plato, wenn er von Wiedererinnerung an höhere Seelenzustände spricht.
[ 7 ] Das Bewußtsein, das beim Durchschnittsmenschen fortwährend abreißt, das ist der Chela imstande, zu einem fortdauernden zu machen, wenn er die Gabe errungen hat, sein Spiegelbild nicht bloß im physischen Körper, sondern in den höheren Wesenselementen der menschlichen Natur entstehen, erzeugen zu lassen. Aus dem festen, physischen Körper heraus entsteht für den Durchschnittsmenschen das Spiegelbild seines Selbst; man kann auch sagen: Er wird sich seiner selbst bewußt. Derjenige, welcher die höhere Stufe erreicht hat, wird sich seines Selbstes nicht bloß im Physischen bewußt, sondern im Astralischen; es leuchtet ihm aus dem Astralischen entgegen. So begegnen Sie auf dem astralen Plan vor allem den Chelas, den Schülern, die imstande sind, ihr Bewußtsein in die Astralregion hinaufzubringen. Das Bewußtsein in die Astralregion hinaufzubringen ist das, was auch den Inhalt der theosophischen Lehre bildet und den Inhalt des Unterrichtes, den ein hochentwikkelter Meister seinen Schülern erteilt. Dieser Verkehr zwischen Meister und Chela spielt sich im Astralraum ab. Ein Übersetzen des Unterrichtes im Astralen in physische Worte, in physische Sätze ist dasjenige, was die Theosophie zu bieten vermag.
[ 8 ] So haben wir bereits zweierlei Wesenheiten kennengelernt, die wir im Astralraum treffen: Meister und Schüler. Dazu kommen noch diejenigen Menschen, die auch psychisch entwickelt sind, aber keinen regelmäßigen Unterricht hatten, die Somnambulen, die ein mehrdeutiges Bewußtsein haben. Sie wissen, daß es Menschen gibt, für die es möglich ist, ohne daß sie eine Unterweisung von einem Meister erhalten haben, zu gewissen Zeiten ganz besondere Wahrnehmungen zu machen, Wahrnehmungen, die unabhängig sind von ihren Sinnen. Aber nur für denjenigen, welcher durch theosophische Schulung in die Astralregion eindringt, gibt es keinen Irrtum. Der Theosoph weiß zu unterscheiden, was von pathologischen Zuständen herrührt und was tiefere Wahrheiten sind. Wenn wir den Somnambulen verfolgen im wachen und im Trance Zustande, so sehen wir, daß die Seele heraustreten kann aus dem Leibe und sehend werden kann. Wir würden aber den Somnambulen nicht ein Wörtchen glauben, wenn wir nicht Beweise dafür hätten, daß dieses undisziplinierte Sehen übereinstimmen kann mit dem Sehen des Sehers. Der Schüler, der das kontinuierliche Bewußtsein entwickelt hat, der die astralen Dinge so sieht, wie er Tische und Stühle sieht, der weiß auch, daß die Somnambulen in ihren besonderen Zuständen bisweilen Wahres erblicken. Sie haben die Fähigkeit, ihr Selbst zeitweilig herauszuheben aus der Körperlichkeit und dadurch zu sehen, was mit den gewöhnlichen Sinnen nicht gesehen werden kann. Diese zeitweilig leibbefreiten Seelen sind die dritten, die Sie als Bewohner des Astralraumes antreffen können. Das vierte, was wir antreffen in der astralen Welt, ist etwas wenig Erfreuliches, es sind die Zerstörer und Verwüster im Astralen.
[ 9 ] Ich habe öfter erwähnt, daß unserer physischen Welt eine andere vorangegangen ist, deren Früchte wir genießen. Wir können unsere Erde den Kosmos der Liebe nennen, wo der Mensch in Liebe geschult wird, bis er die höchste Stufe in unserer Runde erreicht haben wird. Wenn wir diese Entwicklung überblicken und unseren Blick richten auf das, was in der Zukunft da sein wird, so wissen wir, daß die Erde eine Schule der Liebesentfaltung ist. Doch wir müssen auch den Blick richten auf das, was schon in einem früheren Zustande dagewesen ist. Unser Weltenkörper ist aus einem anderen herausgeboren. Der Erde ist ein anderer Weltenkörper vorangegangen, der alte Mond, auf dem sich das vorbereitet hat, was wir brauchen, um unsere irdische Bahn zu durchwandeln. Aus dem, was der Mensch durchgemacht hat, haben sich seine physischen Organe gebildet. Er hat auf dem früheren planetarischen Zustande, dem Kosmos der Weisheit, aufgebaut das menschliche Empfinden, die empfindenden Organe. Der Körper der Empfindung ist damals aufgebaut worden.
[ 10 ] Damals, als wir Menschen unsere Entwicklung begannen, wurde die Fähigkeit des Empfindens in unseren physischen Organismus hineinverwoben. Bedenken Sie, welche Weisheit hinzutritt zu der chemischen Beschaffenheit des physischen Körpers durch das Hineinverweben der Empfindungen und Gefühle. Diese Empfindungen und Gefühle zu läutern, zu veredeln zu sittlichen Empfindungen, zu moralischen Gefühlen — das ist die Aufgabe unseres irdischen Lebens. So wie wir auf der Erde die Aufgabe haben, moralische Empfindungen und Gefühle auszubilden, so war es dazumal auf dem Kosmos der Weisheit, der dem unseren vorangegangen ist, die höchste Aufgabe der Wesen, einen weisheitsvollen Aufbau des Sinnesorganismus zu schaffen. Die Wesen mußten sich hingeben daran, die Sinnlichkeit auszubilden. Durch unendliche Weisheit sind die Funktionen der Sinne entstanden.
[ 11 ] Bedenken Sie nun, daß in den verschiedenen aufeinanderfolgenden kosmischen Zuständen die Wesen verschiedene Aufgaben haben. Um diese verschiedenen Aufgaben verständlich zu machen, denken Sie sich einen Klavierbauer und einen Klavierspieler. Der Klavierbauer muß sich mit Liebe und Hingabe dem Aufbau des Klaviers widmen, er hat also eine andere Aufgabe als derjenige, der auf dein Klavier spielen soll. Beide, der Klavierbauer und der Klavierspieler, haben ihre bestimmte Aufgabe, und beide bewirken an ihrer Stelle Gutes. Wenn aber der Erbauer des Klavieres im Konzertsaale auch sägen und hobeln und hämmern wollte, so würde er dort nur zerstörend wirken. Ja, er taugt dort nicht, so groß er auch als Meister des Klavierbaues sein mag.
[ 12 ] So finden sich auch in der astralen Welt Wesen solcher Art, die eine hohe Fertigkeit erlangt haben im Aufbau des sinnlichen Organismus, die aber diese Neigung nicht abgelegt haben beim Übergang in eine andere Entwicklungsstufe. Sie sind Meister im Aufbauen der sinnlichen Materie, aber sie taugen in unserer jetzigen Entwicklung so wenig wie der Klavierbauer im Konzertsaal. Sie wirken zerstörend, verwüstend, sie wirken am falschen Platz als böse Geister, denn sie hängen an Kräften, welche der Mensch als «Unterbau» braucht, aber sie führen die Entwicklung des Menschen nicht weiter. Diese Wesen können eine hohe Entwicklung haben, sie haben aber eine Neigung, die nicht mehr in unsere Entwicklung paßt, deshalb können sie dem Chela, dem Anfänger, der erst lernt, in der astralen Welt zu schauen, gefährlich werden, denn er kann durch diese Wesen angezogen werden und dadurch auf Abwege kommen.
[ 13 ] Es gibt in der astralen Welt auch andere Wesen, solche, die nicht in eine physische Verkörperung hinuntersteigen und nur im Astralraum zur Offenbarung kommen. Sie kann derjenige nicht wahrnehmen, der nur den Blick für das Physisch-Körperliche hat. Diese Wesen sind edel, und ihr Bestreben ist nur auf das Ziel der menschlichen Entwicklung gerichtet. Sie haben nicht menschliche Begierden, sie hängen nicht am Irdischen, sie haben sich diejenige Entwicklungsstufe erarbeitet, durch die sie Helfer der Menschheit geworden sind. Sie sind nicht Genießer, dennoch finden wir sie im Astralraum, denn sie warten hier auf ihre künftige Bestimmung.
[ 14 ] Um zu verstehen, wie dies geschieht und welche Bedeutung es hat, müssen wir uns mit ein paar Worten klarmachen, was dann Gegenstand des sechsten Vortrages sein wird: den Zustand im Kamaloka. Wenn der Mensch den physischen Körper verläßt, so wird derselbe der Erde übergeben; auch die Lebenskraft wird abgelegt. Dann kommt er in die astrale Welt, in das Gebiet der Begierden. Der Mensch macht in dieser astralen Welt eine Periode durch, geht dann in das Devachan über, um darauf wieder zur Verkörperung hinabzusteigen. Das ist die normale [nachtodliche] Entwicklung des Menschen, daß er zwei Welten durchschreitet, die Welt des Astralen und die Welt des rein Geistigen, um danach wieder reif zu werden für die nächste Verkörperung. In dieser nächsten Verkörperung genießt er dann die Früchte des früheren Lebens. «Gott läßt seiner nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten.»
[ 15 ] Bedenken Sie, daß der Höherentwickelte eine reiche Ernte in der geistigen Welt haben könnte. Aber es steht ihm frei, nach kurzer Zeit wieder zur Erde zurückzukehren und denjenigen zu helfen, welche zurückgeblieben sind in ihrer geistigen Entwicklung. So kann er auf den geistigen Aufenthalt im Devachan verzichten und warten, bis ihm ein Meister eine neue Verkörperung anweist. Diese Gestalten treffen wir unter den sogenannten Entkörperten.
[ 16 ] Sichtbar nur für die Höchstentwickelten unserer Zeit sind noch höhere Wesen, die sich nur noch selten in der Astralwelt aufhalten, weil sie ihre Heimat in noch höheren Gebieten, auf noch höheren Stufen der geistigen Welt haben. Wenn der Chela sich weiterentwickelt, dann erlangt er die Fähigkeit, das Bewußtsein nicht nur im Astralen zu haben, sondern das Bewußtsein auch zu haben in der noch höheren Welt, in der geistigen oder devachanischen Welt, die höher ist als die astrale Welt. In dieser höheren Welt wird ihm das Selbst gespiegelt. Der Mensch erlebt sich in den höheren geistigen Regionen als das Spiegelbild, das er in der physischen Welt sieht. Die Wesen, welche hierher gehören, sind nur für Hochentwickelte sichtbar. Auch diese Wesen können auf das verzichten, was als höchste Aufgabe unseres irdischen Daseins zu verstehen ist, sie können verzichten auf das «Nirwana». Eine solche Wesenheit kann verzichten auf das Nirwana, sie kann zurückkehren in die irdische Welt, in die sie selbst gar nicht zurückzukehren brauchte, um den Menschen zu helfen. Solche Wesen nennt man Nirmanakayas. Sie sind in der Lage, aus der geistigen Welt herabzusteigen in die astrale und in die physische Welt, und um da einen «Angriffspunkt» zu haben, nehmen sie einen Astralkörper an. Sie tun das, um den Menschen zu helfen. Das sind die Nirmanakayas, welche wir in der astralen Welt antreffen können, wenn auch selten. Ich spreche hier von solchen Wesenheiten, welche für physische Augen nicht erblickbar sind, sondern nur für solche Augen, die vom astralen Raum Eindrücke empfangen können. Wenn die Augen Eindrücke in der astralen Welt wahrnehmen können, dann können sie dort Nirmanakayas wahrnehmen und auch solche Menschenwesenheiten, die zwischen dem Tode und der nächsten Verkörperung sich befinden. Hierüber will ich im nächsten Vortrage noch sprechen.
[ 17 ] Wir treffen in der Astralwelt auch noch Wesenheiten, welche namentlich dem Anfänger unverständlich sind. Das sind Wesenheiten, welche von höchster innerlicher Beweglichkeit sind und verschiedene Formen und Gestalten annehmen und in ganz anderer Art ihren Zusammenhang mit der Welt zeigen als der menschliche Astralleib. Der menschliche Astralleib hat eine in Grenzen ein geschlossene Gestalt, er hat bestimmte Konturen. Solche bestimmten Umrisse hat der Astralkörper der Tiere nicht. Die Astralkörper der Tiere sehen ganz anders aus. Sie gehören nicht zu einem einzelnen Wesen, sondern für ganze Gruppen von Tieren sind Gruppenseelen vorhanden. Gleichsam an einem gemeinsamen Stamm hängen die einzelnen physischen Tiere, und von diesen einzelnen Tieren führen dann eine Art Stränge zu den Gruppenseelen, welche die Tiere bewegen. Sie können auch gewisse Tiergestalten, welche nicht im Physischen angetroffen werden können, im Astralraum entdecken. Diese Astralkörper sind werdende Menschen, die ihre Astralkörper ausbilden und weiter entwickeln, um für solche, die aus der geistigen Welt herabkommen, ein geeignetes Vehikel zu bilden.
[ 18 ] Das sind aber noch nicht alle Wesenheiten der astralen Welt. Wir treffen in der astralen Welt auch Wesen von schwer zu beschreibender Natur, Wesenheiten, deren Größe wir nicht überschauen können, Wesenheiten von einer Größe, als wenn sie sich über unser ganzes Planetensystem ausdehnten. Diese Wesenheiten, die die ganze Erde umspannen, zeigen deutlich, daß sie mit unserer irdischen Entwicklung etwas zu tun haben, aber der irdische Mensch kann sich von ihnen nur schwer eine Vorstellung machen. Diese Wesenheiten, welche in den verschiedensten Variationen vorhanden sind, hängen mit dem Ganzen unserer Entwicklung zusammen. Sie machten eine Entwicklung durch in den früheren Runden der Erdenentwicklung. Drei Runden gingen unserer Erde voran und drei Runden werden folgen. Diese Wesenheiten, die in den ältesten und noch geistigeren Religionen «Devas» genannt wurden, werden eine höhere Entwicklung erreicht haben, wenn unsere Erde ihr Ziel erreicht haben wird. Sie werden menschenähnlich gedacht, weil die Menschen sich keine rechte Vorstellung von ihnen machen können. Die Menschen aber, die davon etwas wissen, finden damit angedeutet, wie die kosmologische Entwicklung vor sich geht.
[ 19 ] Wenn ein «Kosmos» beginnt sich zu entwickeln in der ersten, zweiten und dritten Runde, dann ist es so, wie ein Kind sich entwickelt in den ersten drei Lebensjahren. Es wird damit gleichsam der Weg angezeigt, den es im Leben nehmen wird. Erst dann kommt das, was die eigentliche Aufgabe des Kosmos ist; wir nennen das die «Wahrheit» des Kosmos. Auf unserer gegenwärtigen Erde ist die Wahrheit zum Vorschein gekommen; die drei vorangegangenen Runden des Entwicklungsweges stellen den «Weg» dar. Die «Wahrheit» ist die äußere Ausgestaltung dieses «Weges» in unserer gegenwärtigen Erdenentwicklung. Den dritten Teil der Entwicklung, das «Leben», werden wir durchmachen, wenn wir unsere Seelen immer mehr durchdrungen haben werden von der Wahrheit. Wir lernen die Wahrheit erkennen, die Wahrheit aber wird unser Leben werden; dann werden wir die Wahrheit nicht mehr zu erringen brauchen. Jetzt ist das noch nötig, um uns zu einem moralischen und sittlichen Leben zu führen. Diese Wahrheit wird uns aber künftig durchziehen, sie wird unser Lebensblut sein. Deshalb hat derjenige, der ein Repräsentant der den Kosmos durchströmenden Wahrheit ist, aufgenommen dieses Dreifache in sein Bewußtsein und hat es ausgedrückt in den Worten: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben».
