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The Rudolf Steiner Archive

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Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis I
Theosophie, Christologie und Mythologie
GA 90a

11 November 1904, Berlin

68. Die Sieben nachatlantischen Unterrassen

[ 1 ] Wir wollen uns heute beschäftigen mit einer Umschreibung des Satzes, dass die ganze Welt sinnvoll ist, dass die ganze Welt Gedanke ist. Dadurch, dass wir schöpferische Gedanken in der Welt sehen, können wir den Gedanken finden. Die Mystiker haben niemals in einer willkürlichen Weise die Dinge eingerichtet, sondern so, dass auch die menschlichen Einrichtungen ein Abbild der Weltgedanken sind.

[ 2 ] Die Benennungen der Wochentage haben etwas Regelmäßiges. Die Wochentage sind benannt nach den Planeten. Wir wollen erkennen lernen, wie bei den chaldäischen Magiern die Namen der Wochentage festgesetzt worden sind. Die alten chaldäischen Magier haben gesagt: Jeder Tag hat vier Teile - Vormittag, Nachmittag, Vormitternacht, Nachmitternacht. Diese vier Teile des Tages mussten sie ansehen als das erste Element in der Zeit, als den nächstliegenden Zeitabschnitt. Sie bezogen den vierteiligen Tag auf die sieben bekannten Planeten.

[ 3 ] [Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter, Saturn = Tageszyklus Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn = WochentagBenennungen]

[ 4 ] Sie haben die sieben Planetenzyklen beschreiben lassen durch den vierteiligen Tag hindurch, bis sie auf den Ausgangspunkt zurückkamen, eine Anzahl von Tagen hintereinander. Durch den vierteiligen Tag ließen die alten chaldäischen Magier die Planetenzyklen laufen. Sie weihten den ersten Vormittag dem Monde. Das Ende eines Zyklus fiel zusammen mit dem siebenten Tag. Jeder Planet hat einen vierfachen Zyklus am Ende der Woche durchlaufen. Sie benannten jeden Wochentag nach dem Planeten, dem der Vormittag geweiht war.

Vormittag - Mond = Montag
Nachmittag — Merkur
Vormitternacht — Venus
Nachmitternacht - Sonne

Vormittag — Mars = Marstag = Tuesday - Tin
Nachmittag — Jupiter
Vormitternacht - Saturn
Nachmitternacht - Mond

Vormittag — Merkur = Mittwoch, Merkurtag, Wednesday - Wotan
Nachmittag — Venus
Vormitternacht - Sonne
Nachmitternacht - Mars

Vormittag — Jupiter = Donnerstag - Donar -, Jupitertag
Nachmittag — Saturn
Vormitternacht - Mond
Nachmitternacht - Merkur

Vormittag — Venus = Freitag, Venustag
Nachmittag - Sonne
Vormitternacht — Mars
Nachmitternacht - Jupiter

Vormittag — Saturn = Samstag, Saturnstag, Saturday
Nachmittag - Mond
Vormitternacht - Merkur
Nachmitternacht - Venus

Vormittag - Sonne = Sonntag
Nachmittag - Mars
Vormitternacht - Jupiter
Nachmitternacht - Saturn

[ 5 ] Die kaufmännische Kultur hatte kein Verständnis mehr für die Benennung der Wochentage nach den Sternen. Es ist nämlich ein ganz bestimmtes Verhältnis, nämlich von Vier zu Sieben, die Vierheit auf die sieben Prinzipien bezogen. Die Namensgebung der Wochentage ist eine menschliche Einrichtung. Sie wurde aber nicht willkürlich gemacht, sondern so, wie sie vorgezeichnet war durch die Verhältnisse. Die Menschen damals ließen die kosmischen Verhältnisse aus allem hervorklingen und ließen die Einrichtungen sich verhalten, wie sich diejenige vom Mikrokosmos zum Makrokosmos verhält.

[ 6 ] Wenn man sich die Umgebung recht vorhält, wird man sehen, dass eine ganz bestimmte Auffassung von Welt und Leben ihr zugrunde liegt. Sie ist eine kama-manasische Auffassung, die dem niederen Mentalplan angehört. Wollten die Völker zu solchen Bestimmungen übergehen, die Maß und Zahl enthalten, so müssten sie sich inspirieren lassen von dem Rupaplan des Mentalen.

[ 7 ] Halten wir fest, dass die Zeit, wo so etwas geschehen konnte, sich inspirieren lassen musste vom Rupaplan des Mentalen. Also stammten diese Bezeichnungen aus einer Zeit, in der die Menschen inspiriert wurden vom Rupaplan des Mentalen.

[ 8 ] Der nächste Plan, von dem sie inspiriert wurden, ist der Astralplan. Das Verhältnis der Inspiration zu den verschiedenen Planen, wie sie zum Ausdruck kommt in den verschiedenen Unterrassen der fünf Wurzelrassen, ist das Folgende.

1. Unterrasse Arupaplan das Göttliche
2. Unterrasse Rupaplan
Maß und Zahl
Das Himmlische
3. Unterrasse Astralplan
Gerechtigkeit
Das Volkliche
4. Unterrasse Physischer Plan
Liebe
5. Unterrasse Astralplan Gemeinschaftsleben,
Gerechtigkeit
6. Unterrasse Rupaplan Gemeinschaftsorganisation,
Maß und Zahl
7. Unterrasse Arupaplan Gemeinschaftliches
Bewusstsein

[ 9 ] Nehmen wir an, dass die Inspiration vom Astralplan ausgeht und dass also Kama geordnet ist. Aus dem Mentalplan kam auch die Inspiration zu den Raumverhältnissen - zum Beispiel die Inspiration zum Pyramidenbau, deren Verhältnisse sich nach den Sternenbahnen richten. Vom Astralplan kann Kama geordnet werden, indem man es durchdringt mit der Idee der Gerechtigkeit; Ordnung der menschlichen Instinkte und Gefühle nach der Gerechtigkeit.

[ 10 ] Steigen wir einmal tiefer herab, so kommen wir auf den physischen Plan. Dort lassen sich die Handlungen der Menschen nicht mehr nach der Idee der Gerechtigkeit ordnen. Dort muss das Prinzip des Handelns in jeden einzelnen Menschen hineingelegt werden. Was früher Gerechtigkeit auf dem Astralplan sowie Maß und Zahl auf dem Mentalplan waren, muss auf dem physischen Plan in das eigene Herz des Menschen hineingelegt werden.

[ 11 ] Über dem Rupaplan liegt der Arupaplan, Maß und Zahl hören auf; die Bestimmung nach ganz bestimmten Verhältnissen und Formen hört auf; es gibt dort nur das unmittelbare Einfließen des Göttlichen. Also in der Zeit des Arupaplanes, als der Geist sich noch vom Arupaplan inspirieren ließ - in der ersten Unterrasse, der indischen -, bestand eine unmittelbare Inspiration des Göttlichen. Damals bestand die Rischi-Kultur. Die Veden entstanden mit unglaublicher Schnelligkeit. Nachher verlangsamte sich der Einfluss bis herab zum physischen Plan und wurde immer langsamer. Was auf dem physischen Plan das Prinzip der Liebe im Einzelnen war, steigt nun wieder hinauf, um eine Mehrheit zu ergreifen. Auf dem nächsten Rupaplan wird nun das Gemeinschaftsleben nach Maß und Zahl geordnet. Die Völker bestimmen selbst über Rassen und Klassen nach ihrer eigenen Vernunft. Auf dem Arupaplan folgt dann ein vollständig gemeinschaftliches Bewusstsein.

[ 12 ] Diese sieben Zeiträume sind in der Tat verteilt auf die sieben Unterrassen der fünften Wurzelrasse.

1. Der Inspiration vom Arupaplan gehört die erste Unterrasse, die indische, an, die Rishikultur.

2. Die Völker, die sich haben inspirieren lassen vom Rupaplan, sind die persischen und chaldäischen Magier, die persische Rasse.

3. Inspiriert vom Astralplan werden alle diejenigen, die demselben Prinzip entsprechen, dem Prinzip der Gerechtigkeit. Es waren die Gebote gebenden Völker, die alten Israeliten, alle die, welche in der Zeit vor dem Christentum das Christentum vorbereiteten, die semitisch-keltische Unterrasse.

4. Die griechisch-lateinische Rasse, die an ihrem Ende das Prinzip der Liebe im Christentum entwickelt.

5. Das Gemeinschaftliche nach und nach auszubilden, ist das, was unserer Rasse vorbehalten ist. Sie wird es aber erst an ihrem Ende erreichen, die germanische Unterrasse.

6. Die sechste

7. und siebente Unterrasse sind Rassen der Zukunft, die den aus dem Spirituellen hervorgehenden Sozialismus auszubilden haben. Die Völker werden sich selbst ihre Organisation geben.

[ 13 ] Um in sich selbst Ordnung zu bringen, muss man so etwas begreifen. Wir waren in allen Rassen verkörpert. In der zweiten Unterrasse wurden Maß und Zahl in uns involviert. In der nächsten Inkarnation mussten wir Maß und Zahl ausbilden. Dies wird Fruchtbares als Karma der sechsten Unterrasse, in der der Mensch nach Maß und Zahl Einrichtungen treffen wird. Ebenso wird die Inspiration auf dem Arupaplan in der siebenten Unterrasse zum Vorschein kommen. Wir, in der fünften Unterrasse, leben dasjenige aus, was in der dritten Unterrasse gelehrt worden ist: Gerechtigkeit.

[ 14 ] Die vierte Unterrasse ist eine besondere Erscheinung: die Liebe. Sie wirkt in allem zurück, bringt aber ihre eigene Natur erst in der sechsten Wurzelrasse zum Ausdruck. Das wahre Christentum kommt erst in der sechsten Wurzelrasse zum Ausdruck. In der sechsten Unterrasse werden die Formen geschaffen, in die das Leben der sechsten Wurzelrasse gegossen werden wird. Unsere Unterrasse hat es nicht weiter gebracht als zu einer genügenden Form des Rechtsbewusstseins; das war in der dritten Unterrasse veranlagt. Das Prinzip der Gerechtigkeit.

[ 15 ] Das Gemeinschaftsleben der fünften Unterrasse soll die Theosophische Gesellschaft vorbereiten. Das kann erst in der zweiten Hälfte der sechsten Unterrasse zur Geltung kommen. Die Theosophische Gesellschaft hält das Prinzip der Liebe durch die Weiterentwicklung hindurch aufrecht. Das Gemeinschaftsleben muss geschaffen werden; das ist physische Notwendigkeit. Die Liebe aber muss aufrecht erhalten werden - durch Menschheitspflege.

[ 16 ] In der slawischen Rasse leben auf diejenigen, die ihre Tätigkeit kennengelernt haben in der zweiten Unterrasse, in der Maß und Zahl waren. Persönlichkeiten wie Robespierre sind auch anwesend gewesen in der dritten Unterrasse.

[ 17 ] In der sechsten Unterrasse leben wieder auf die Magier aus der zweiten Unterrasse.

[ 18 ] Die in der siebenten Unterrasse werden die sein, die im Verborgenen gewirkt haben - Adepten oder Meister - während der anderen Unterrassen. Nach der ersten Unterrasse bleiben sie im Verborgenen.

[ 19 ] Das, was Sein ist, muss zuerst Tätigkeit gewesen sein. Die Tätigkeit der dritten Unterrasse wird Sein in der fünften Unterrasse. Die Tätigkeit der vierten Unterrasse ist in sich abgeschlossen.

[ 20 ] Laokoon ist der Repräsentant für den alten Priesterstand der Gerechtigkeit, der von dem Odysseus, von dessen Schlange - von der Schlauheit - überrumpelt wird, wie Troja von den Griechen, wie die dritte von der vierten Unterrasse. Die Sage von dem hölzernen Pferde ist von einem Initiierten verfasst worden. Es ist dies die große karmische Frage, die durch die zyklische Natur den Menschenlauf bestimmt.

[ 21 ] Die Entwicklung durch die Rassen ging in einem immer langsameren Tempo bis zum physischen Zustand, dann aber immer schneller. Die künftigen Ereignisse werden gar nicht so lange auf sich warten lassen; es wird dann eine bestimmte Anzahl von Menschen gerettet werden, die die Kultur von der fünften [Wurzelrasse] zur sechsten [Wurzelrasse] hinüberbringen.

Aus der Fragenbeantwortung

[ 22 ] Während der Entwicklung streifte der Mensch nach und nach die verschiedenen, unter ihm stehenden Reiche ab, die dann als Mineralreich, Pflanzen- und Tierreich - Kalt- und Warmblüter - neben ihm weiter bestanden. Die Kräfte, aus denen sich diese Reiche weiter entwickelten, waren vorher dem Menschen selbst zu seiner Entwicklung notwendig. Dann aber kamen stufenweise Zeiten, in denen ihn diese Kräfte an seiner Entwicklung gehindert hätten. Deshalb wurden sie abgestreift, herausdestilliert aus der Menschennatur. Als das geschah, sahen die entsprechenden Anlagen ganz anders aus als die jetzigen Mineral-, Pflanzen- und Tierformen. Durch Abstreifen bestimmter Wesen hat der Mensch nach und nach bestimmte höhere Kräfte erlangt. Darum stehen auch die übrigen Reiche, und besonders das Tierreich, mit ihm in einem ganz bestimmten Verhältnis, das man bis in die einzelnen Tiergattungen verfolgen kann. Das Pferdesymbol deutet auf einen solchen Zusammenhang hin. - In der Zeit der zweiten Rasse, der Hyperboreer, erlangte der Mensch die Anlage zur Aufnahme der Verstandestätigkeit dadurch, dass er das abstreifte, aus dem sich später im Tierreich das Pferd entwickelte. Er musste das abstreifen, sonst hätte er später nicht Manas aufnehmen können. Er war bereit, Manas aufzunehmen in der dritten Rasse, in der Mitte der lemurischen Zeit. Das Pferd entwickelte sich in der Art, wie wir es kennen, erst in der vierten Rasse, in der atlantischen Zeit.

[ 23 ] So steht also die Entwicklung des Verstandes beim Menschen in gewisser Beziehung zum Pferd, zur Pferdenatur. Daher wurde das Pferd bei allen alten Völkern heilig gehalten und oft als Symbol gebraucht, in der Apokalypse zum Beispiel. Die alten Völker, besonders auch die Atlantier, hatten ein Bewusstsein von diesen Zusammenhängen, ohne sie direkt zu kennen. Eine Gestalt der Sage, der Kentaur, hat tatsächlich bestanden in der Übergangszeit, als der Mensch allmählich das abstreifte, was die Pferdenatur wurde. Das Denkvermögen war nun das, wodurch der Mensch sich zum Höheren, Göttlichen erheben konnte. Daher wurde dem, der seine niedere Natur überwunden hatte, der die Erhebung ganz zu vollziehen verstand, der ein Initiierter in das Wesen der höheren Natur geworden war, ein Pferd als Symbol gegeben.