Kosmologie und menschliche Evolution
Innere und Äussere Evolution
GA 91
17 August 1904, Graal
1. Über Meditation I
[ ] Die Meditation ist etwas, was eine Bedeutung hat wie ein System von Naturkräften, wodurch der Mensch etwas nicht nur für sich, sondern für die ganze Welt tut. Der Unterschied zu den Naturkräften besteht darin, dass diese bewusstlos das tun, was wir bewusst tun. Aber es ist in Wahrheit nur für unsere menschliche Anschauung richtig, dass diese Kräfte bewusstlos etwas tun, eigentlich ist es doch bewusst. Es wäre freilich falsch, wenn wir sagten, dass in der Uhr ein Seelchen ist, das die Räder, die Feder und das Übrige bewegt; aber doch ist dieser ganze Apparat zusammengefügt von einer leitenden Intelligenz. Ebenso bei den Naturkräften. Auch da ist es die dhyanische Intelligenz der höheren Wesen, die bewusst alles so fügen, dass die Naturkräfte in ihrer Kombination die Wesenheiten der verschiedenen Reiche ergeben. Im Menschen ist die dhyanische Intelligenz in seine eigene Wesenheit hereingeschoben.
[ ] Wir erinnern uns an die drei Elementarreiche. In der Natur wirken die Elementarwesen als Bildner; diejenigen, die in den höheren Naturkräften wirken, sind durch sie hindurch sichtbar. Innerhalb der Wesenheiten der drei Elementarreiche wirken die Menschen auch mit. Wir würden nämlich unsere physischen Bestandteile nicht beherrschen können, wenn es nicht so wäre. Da wirken wir in Gemeinschaft mit den Wesen des ersten Elementarreichs zusammen. In dem, was zum Animalischen gehört, da wirken die astralischen Elementarwesen mit; in dem Rupisch-Mentalen diejenigen des dritten Reiches.
[ ] Erst da, wo der Mensch selbstständig auftritt, wirken keine Elementarwesen mit. In seinem Gehirnleben entsteht ein viertes Elementarreich, es ist gleichsam das Elementarreich in ihn hineingezogen. Hier ist er Herr. Er setzt richtig fort die Naturwirksamkeit. Er nimmt als denkender Mensch die Leitung in die Hand. Im Kama-Manas nimmt kein anderes Elementarwesen mit teil; hier wirkt er als mineralischer Mensch, als Elementarwesen selbst mit.
[ ] Heute kann der Mensch nur seinen physischen Körper dirigieren, er vermag das Physische durch Handlungen zu verändern; er ist sich auf dem physischen Plan bewusst, aber erlebt auf dem astralischen Plan mit seinem Astralkörper, auf dem mentalen mit seinem mentalen Körper. Richtig ausgebildet ist vom Menschen nur, was wir seinen physischen Körper nennen. Nicht so weit ist des Menschen Astralkörper. In Bezug auf den mineralischen Körper unterscheidet sich der Mensch von allen Tieren. Der Mensch ist in Gestalt eines Kreuzes gebildet, das Tier hat eine waagerechte Rückenlinie. Auf der mineralischen Ebene ist ihm diese aufrechte Stellung eigen, und er ist so weit, wie der physische Körper eigentlich sein muss, wenn auch seine Vervollkommnung bis zum Ende dieser Runde weiterschreitet. Aber er hat nicht die Gott-Ebenbildlichkeit im Astralen oder Mentalen. Der astrale Körper steht noch auf der Stufe des tierischen Daseins; der niedere mentale auf der pflanzlichen; der arupisch-mentale drei Stufen niedriger. Es ist die Aufgabe der künftigen Runden, diese Körper auszubilden. In der siebten Runde soll der arupische Körper so vollkommen werden, wie er kann. Diesen Fortschritt in seiner Entwicklung, den der Mensch vor sich sieht, fasst man in einer bestimmten Formel zusammen; fertig ist seine physische Natur, in der Anlage der astralische Körper, der den physischen umgibt wie etwas, was noch wachsen soll, was noch in lebendiger Entwicklung ist:
«Ich bin das Juwel in der Lotusblume.» — «Aum mani padme hum.»
«Aum», das Innerste, die eigentliche Lebenskraft im Menschen, die er nur mit dem Tone anschlägt.
«Man», das Stein Gewordene, das Juwel, Manas,
«padme, das Astrale;
«hum», noch einmal: Ich bin.
[ ] Dieses «Aum» ist rhythmisch, ist noch erst geahnte innerste Wesenheit des Menschen. Und wenn es mit dem richtigen Gedankeninhalt vor die Seele gestellt wird, tut der Mensch kosmisch etwas; er schwingt mit in den höchsten rhythmischen Weltschwingungen; sein einzelner Ton klingt harmonisch herein innerhalb des sphärischen Weltenganzen.
[ ] So bereitet sich der Mensch vor auf das, was er unbedingt erreicht haben muss, wenn er die richtige Pitri-Entwicklung durchmacht.
[ ] Seinen astralischen Körper muss sich der Mensch nun ausbilden, die drei unteren Körperlichkeiten haben die Elementarwesen mit ihm gebaut; seinen astralen [Körper], wie er ihn gebrauchen kann, muss er selbst in die Hand nehmen. Aus einem undifferenzierten Organismus heraus ist der sinnliche Körper entstanden; der astralische ist noch undifferenziert und muss vom Menschen selbst organisiert werden; dies geschieht durch die Tagesrückschau, die er abends hält. Dabei muss ich mich [mir] so gegenüberstellen, wie ich es einem Fremden gegenüber tun würde. Dadurch, dass der Mensch im niederen astralischen Menschen steckt, kann er nicht organisieren, er ist dann selbst sein Astrales, sein «Ich» ist nicht frei; erst wenn er sich neben sich stellt, kann er das Astrale organisieren.
[ ] Der Astralleib kann ebenso Sinne ausbilden wie der physische Leib. Es werden sieben Sinne sein; fünf können wir schon deutlich merken in der astralischen Aura. Grade in der Körpermitte ist ein sechsblättriges Lotusblatt. Wenn der Mensch anfängt zu meditieren, fangen diese Räder an, sich zu drehen. Diese Drehung bedeutet, dass sich das Chakram entwickelt zum Sinn. Die Chakren sind die sich entwickelnden [astralen] Sinnesorgane.
[ ] Das Nächste ist die zehnblättrige Lotusblume in der Nabelgegend. In der Nähe des Herzens die zwölfblättrige. Beim Kehlkopf die sechzehnblättrige. Zwischen den Augenbrauen die zweiblättrige. Die Lotusblumen werden ganz bestimmte Formen erhalten, wenn der astrale Körper organisiert sein wird. Erst dann wird der Mensch bewusst sein auf dem astralen Plan.
[ ] Diese Organisation ist die Aufgabe dieses Teiles der Meditation. Die Hauptsache ist, aus dem Bewusstsein alles zu entfernen, was äußere Sinneseindrücke und Erinnerungen sind. Frei müssen wir sein von allen Sinneseindrücken; absolute innere Ruhe schaffen; uns ganz beherrschen vom inneren Selbst aus, nicht beherrscht werden von der Außenwelt. All das, was zusammensetzt unsere irdisch-räumliche Persönlichkeit, hat nichts zu tun mit unserem höheren Selbst, außer wenn wir es herausnehmen als Lektion, heraussaugen wie eine Biene, [wenn wir] aus dem Zeitlichen das Ewige gestalten. Man macht sich ganz frei, indem man sich zeitlos, raumlos in seine Gewalt kriegt. Das allgemein Menschliche können wir uns nicht vorstellen, indem wir an unsere zeitweilige Persönlichkeit denken, sondern wenn wir an unser höheres Selbst denken, das rein ist wie die Sonne. Wir sind Mensch und nichts weiter als Mensch, wenn wir diese Formel aussprechen, die seit achtzehn Millionen Jahren, seit es Menschen gibt, von Adepten ausgesprochen wird.
[ ] Das Zweite ist das Organisieren des unteren mentalen Körpers dadurch, dass wir uns auf eine besondere Sache konzentrieren. Man wählt eine inspirierte Schrift; all diese Lehren sind empfangen von höheren Planen; es sind geistige Naturkräfte, die in diesen Lehren liegen; ihre Vollwahrheit und Kraft liegt auf dem mentalen Plan. Wenn wir ein ganz leeres, freies Bewusstseinsfeld ohne Spekulation auf uns wirken lassen, erreichen wir das, was wir erreichen sollen. Was zur Verstandesarbeit dazugehört, muss außerhalb der Meditation gemacht werden. Während der Meditation muss der Satz zu uns sprechen. Wenn der Mensch noch nicht den Satz ganz auf sich wirken lassen kann, ist es gut, wenn man ihn wie auf einer Tafel vor sich hat, ihn sogar aufschreibt und vor sich hält. Die fremden Gedanken müssen wir betrachten wie Meereswogen, die wir immer wegjagen; reinigen müssen wir uns von allen Wogen, das Bewusstseinsfeld rein halten. Dadurch, dass die Meister der verschiedenen Zeiten solche Schriften durch Inspiration haben schaffen lassen, haben sie uns Kräfte gegeben, durch die wir an unserem mentalen Körper arbeiten, um das zu erreichen, was wir in der sechsten Runde erreichen müssen. Durch die theosophische Bewegung wird das geboten, was dem Menschen hilft zu dieser Arbeit, denn es werden nicht alle das Ziel erreichen, sondern die unentwickelten Mentalkörper werden zurückbleiben - achte Sphäre.
[ ] Bis [in die Mitte der lemurischen Zeit] haben Menschen von selbst diese Konzentration geübt, die ihnen eine Notwendigkeit war wie den heutigen Menschen Essen und Trinken. Denn in der zweiten lemurischen Rasse zum Beispiel waren die Menschen noch Luft, die Essen und Trinken nicht brauchten, dagegen den Geist aufzusaugen als Bedürfnis fühlten. Das ist also Konzentration innerhalb der Meditation.
[ ] Das Arupische im Mentalen zu entwickeln wird erreicht durch den devotionellen Teil. Die Erhebung zu dem großen Vorbild erzieht die wahre Demut, wo der Mensch in die Stimmung kommt zu dem, wozu er sich erheben soll; die Empfindung, die gehoben wird.
