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The Rudolf Steiner Archive

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Kosmologie und menschliche Evolution
Innere und Äussere Evolution
GA 91

18 August 1904, Graal

2. Über Meditation II

[ 1 ] Die Abendrückschau hat den Zweck, das Leben der Vergangenheit zu Lektionen für das Leben der Zukunft zu machen. Einige sagen: Ja, ich tue es täglich. Auch die Selbstprüfung ist ein zweischneidiges Schwert; sie ist nur dann fruchtbar, wenn sie wirklich das höhere Selbst herauslöst aus [dem niedrigen]. Die Menschen werden sich nicht fremd genug, sorgen sich ...

[ 2 ] Dies ist nicht unberechtigt, die Theosophie sagt nicht, dass man hartherzig werden soll; aber oft verhindern wir etwas, indem wir uns Kummer und Sorge um Vergangenes machen, verhindern das Bessermachen. Der Sinn meditativer Arbeit ist, sich herauszureißen; tagsüber kann man Kummer und Sorge haben, während der Rückschau [muss man sie] ebenso abweisen wie die alltäglichen Gedanken. Gut ist es, diese Tagrückschau von rückwärts nach vorne zu machen. Denn der Mensch lebt der Zukunft entgegen, und in Wahrheit kommt die Zukunft heran, die Vollkommenheit liegt am Ende. Wenn wir [die Rückschau] ausdehnen nicht auf zwölf, sondern auf vierundzwanzig Stunden, werden wir einsehen, dass es gut ist. Die Träume werden anfangs nur verworren bewusst sein, aber es ist gut, dass man sein Gedächtnis ausdehnt, denn dadurch wird der Sinn für das Astrale geschärft, und das Bewusstsein wird kontinuierlich. Man lernt begreifen, dass das Traumleben eine höhere Wirklichkeit hat. Dem Menschen erscheint das Astrale in verzerrten Bildern, weil der Mensch nicht richtig zu sehen vermag. Später kommt der Moment, wo während des Traumes der Mensch vollkommen bewusst ist, und das führt zur Kontinuität des Bewusstseins, sodass es gleichgültig wird, ob wir wachen oder träumen. Dies ist auch der Weg, auf dem die Meister die okkulten Schüler unterrichten.

[ 3 ] Man soll sich nicht dafür interessieren, ob man eine wertvolle Persönlichkeit ist oder nicht. Was die Morgenmeditation betrifft, handelt es sich hauptsächlich darum, ein vollständig blickfreies Bewusstsein zu haben, damit diese Leere erfüllt wird von spirituellem Inhalt ... oder Schrift. Versuchen wir diese Leere herbeizuführen dadurch, dass wir den absoluten, dunklen und leeren Raum vorstellen, der keine Grenze hat. Der Zustand, den wir herbeirufen müssen, ist ebenso, wie wenn wir schlafen. Die Sinne und die Erinnerung auszuschließen ist eben die Kunst. Dann stellen wir uns den absoluten leeren und finstern Raum vor, und dann aus dieser schwärzesten Finsternis heraus lassen wir aufsteigen: «aum mani padme hum» — dann die Formel und die Erhebung zum höheren Selbst. Wieder Finsternis - und dann wie auf einer Wand den Satz.

[ 4 ] Sich öfter hinzusetzen, wenn Zeit und Gelegenheit ist, und an gar nichts zu denken, ist eine gute Übung. Es ist schwer, sich zu erwehren der immer wütenden Gedanken. Dies stärkt sogar den physischen Organismus. Sehr bedeutsam ist, bei anwesendem Astralkörper frei zu kriegen das Gehirn.

[ 5 ] Ein starker Grund, warum der Astralkörper egoistisch ist, sind die Gedanken; jeder umgibt sich mit einer Hülle, die astralisch ist. Wenn die Gedanken fortgeschafft werden, löst sich dieser astrale Stoff wieder auf, und nichts ist besser, als wenn ein Organismus sich selbst überlassen wird. Der Mensch hat ein so harmonisches Herz, Lunge und so weiter, weil die höheren Bildner dran geschaffen haben und er wenig ruinieren konnte. Man erwirbt sich auch dadurch eine gewisse Übung, Gedanken zu verscheuchen.

[ 6 ] Bei der Konzentration ist nötig, dass davon scharf gesondert wird das Nachdenken, das Spekulieren über einen [Meditations-]Satz. Wir müssen damit bereits fertig sein. Solch ein Satz stammt aus höherer Erfahrung und enthält immer mehr, als wir wissen. Selbst der Inspirierte meditiert über seine eigenen Sätze. So fest ist sein Glaube, dass es sich um höhere Offenbarung handelt.

[ 7 ] Die Geduld muss so lang sein, selbst bei Misserfolg, dass der unbedingte Glaube, es wird einmal besser, nicht wankt. Die Dinge nicht forcieren, nicht zwingen, ist nötig. Geduld muss in ungeheurem Maße da sein; sie ist es, die sich über den okkulten Schüler in der

[ 8 ] Meditation ganz ergießen muss. Dadurch wird er ein Schüler. Wie die Pflanze nicht ein Einziges überläuft, um zum Letzten, Krönenden zu kommen, so der Schüler; nie ein Zwischenglied überspringen; Umwege, wo es nötig ist; Form wird der Felsspalte angepasst. Geduld, Stetigkeit und Standhaftigkeit sind die Eigenschaften der göttlichen Natur, die wir zu entwickeln haben. Es handelt sich um Gesinnung, nicht um Erfolg.

[ 9 ] Der devotionelle Teil folgt dann.

[ 10 ] Sätze: Behalten wir den im Auge, dass im Grunde der Mensch als physisches Wesen vollkommener ist denn als astrales und mentales. Unvollkommenheit liegt darin, dass der Mensch heute ein dreigliedriges Wesen ist und noch ungelenk in der Handhabung dessen, was die höheren Prinzipien sind, und in der freien Benützung der unteren Prinzipien. Denn er kann nie glücklich werden, wenn er sich den unteren Prinzipien überlässt wie das Tier, das seinen mentalen Leib nicht auf demselben Plan hat wie seinen physischen und astralen. Dressiert können Tiere werden, aber der Mensch wirkt durch das Tier hindurch wieder auf den höheren Plan, der dann hinunterwirkt. Es dürfte aber nur derjenige das tun, der sich auf dem mentalen Plane frei bewegt, nur ein Okkultist.

[ 11 ] Der Mensch muss die Waage halten zwischen seiner geistigen und physischen Natur, hin und her pendeln zwischen beiden. Das äußert sich schon im Äußeren. Das Tier ist waagerecht; dem Menschen ist aufgeprägt das Herausgerissen-Sein aus der physischen Vitalität. Dies Senkrecht-Halten des Hauptes ist bedingt durch die Balancierung zwischen dem Physischen und dem höheren Geistigen. Weil es so ist, ist das Haupt des Menschen als Zeichen seiner Intellektualität das Organ, das mitten hereingeschoben ist ...

[ 12 ] Das tierische Haupt ist nur instinktiv. In okkulter Beziehung ist das menschliche Haupt ganz verschieden vom tierischen. Beim Tiere vollkommen ... beim Menschen ein Anfang; der Strom ist ausgegossen in das Tier und hat dort sein Ende gefunden — Sackgasse. Beim Menschen ist ein neuer Anfang; durch alle Hauptesöffnungen gehen alle Ströme weiter, sodass der Mensch durch sein Haupt eine Brücke, ein Verbindungsglied ist zwischen der höheren und unteren Natur.

[ 13 ] Das Tierische blickt nur hinaus auf das empfundene Objekt; das menschliche Auge verbindet die Vorstellung mit dem Objekt und öffnet sich dadurch dem Geist; während das tierische Auge eine Sackgasse bildet.

[ 14 ] Die menschlichen Hauptesöffnungen stehen in Beziehung zum Raum durch die sieben Planeten, zur Zeit durch die sieben Wochentage. Die heilige Linie in der Welt, die Lemniskate, ist hier zu verfolgen; wir erkennen auf diese Art die okkulte Einordnung des Menschen in das Weltenganze.

[ 15 ] Durch das rechte Auge geht das zweite Prinzip, Budhi; durch das linke das dritte Prinzip, Manas; durch das rechte Ohr die Verstandesseele; durch das linke die Empfindungsseele; durch das rechte Nasenloch der Ätherleib; durch das linke Nasenloch der Astralleib, Linga sharira. Und oben auf dem Kopf wird in Zukunft eine Öffnung für das Ausströmen Atmans sein. Durch den Mund strömt das Wort, das man immer durchdenken muss. Durch die sieben Planeten sind diese Hauptöffnungen in ein Verhältnis zum Raum gestellt.

[ 16 ] Die oberste Öffnung am Kopf hat eine Verbindung zum Jupiter, das rechte Auge ist verbunden mit Merkur, das rechte Ohr mit Saturn, das rechte Nasenloch mit der Sonne, das linke Nasenloch mit dem Mond, das linke Ohr mit Mars, das linke Auge mit Venus. Durch die sieben Wochentage sind sie mit der Zeit verbunden. Hier muss man die Heilige Linie der Welt bemerken. Sie weist uns auf den okkulten Bau des Menschen im Weltall.

[ 17 ] Der Konzentration folgt ein Gebetsteil, der aus Ehrfurcht und Verehrung [gegenüber] den großen Geistern bestehen soll, die tief in die Geheimnisse der Natur und des Weltalls eingedrungen sind und die über der gewöhnlichen Menschennatur stehen.

[ 18 ] Bei abnehmendem Mond darf nichts Neues in die Meditation hineinkommen.

Rechtes Auge Zweites Prinzip, Budhi Merkur
Linkes Auge Drittes Prinzip, Manas Venus
Rechtes Ohr Verstandesseele Saturn
Linkes Ohr Empfindungsseele Mars
Rechtes Nasenloch Ätherleib Sonne
Linkes Nasenloch Astralleib Mond