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The Rudolf Steiner Archive

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Kosmologie und menschliche Evolution
Innere und Äussere Evolution
GA 91

19 August 1904, Graal

3. Hilfsbegriffe; Neues Testament und Sagen

[ 1 ] Die Bibel, das Neue und auch das Alte Testament sind beide in bildlich esoterischer Sprache abgefasst und enthalten Wahrheiten in Sinnbildern. Das Neue Testament ist erst später aufgeschrieben. Die Art der Mitteilung durch Schrift ist keine alte; man hat noch im Anfang der christlichen Entwicklung gedacht, die Heiligkeit der Lehren zu profanieren durch Aufschreiben. Frühere Kirchenväter — ein Origenes, ein Clemens von Alexandrien — hielten dasjenige, was sie niedergeschrieben, für nur ein Zehntel so wichtig als das lebendige Wort. Es wurde im Wort etwas Lebendiges, Unmittelbares gesucht, was in der Schrift nicht zu finden ist. Man schreibt für jemanden Unbestimmtes und schreibt für solche, die man nicht kennt. Gesprochen wurde aus den Bedürfnissen der Gemeinde heraus, die oft okkulte Vorstudien hatte. In Ephesus sprach man anders als in Korinth; in Judengemeinden anders als in Heidengemeinden. Denn frühere Kirchenlehrer waren von dem okkulten Grundsatz erfüllt, tolerant zu sein. Sie wussten, dass sich das Christentum aus den verschiedenen Religionen herausholen lässt. Nun wurden diese Reden nachgeschrieben, oft erst später aus dem Gedächtnis, deshalb kann das Wörtliche nicht immer streng genommen werden. Aber sie haben eine okkulte Kraft, die auf Menschen wirkt, und geben mit Treue wieder Aussprüche von einer Tiefe, die nur ein Ausdruck dessen sein kann, was man die höchste Weisheit nennt. [... ]

[ 2 ] Solange der Okkultismus auf dem Grunde der Religion war, wurde das Steinreich als das angesehen, was das Vollkommenste ist; die Pflanze hat nur einen kleinen Teil Kama in sich, aber sie hat ihn doch; Tier und Mensch sind davon erfüllt; das Keusche, Begierdelose des Kristalles wurde als Ideal dem Jünger hingestellt; der menschliche Verstand dient dem Wunsch, der Begierde; er ist also auf seiner jetzigen Stufe nicht vollkommen, er dient dem Sonderwesen, während das Mineral aus der allgemeinen Natur hervorgeht und in das Allgemeine sich auflöst. Als das Sinnbild des verstandesstrebenden Menschen hat man die Schlangen angesehen - Naga —, die den Verstand den Menschen brachten, [sie wurden] deshalb Verführer genannt, da sie mit Verstand die Freiheit brachten, zu wählen zwischen Gut und Böse.

[ 3 ] Gottesweisheit war es, die der Mensch besaß vor Mitte der lemurischen Rasse — Sinnbild: Sonne. Menschenweisheit nach der Mitte der lemurischen Rasse — Sinnbild: Schlange. Dies ging über auf die nicht eingeweihten Lehrer: Ophiten — Verehrer der Schlangen, christlich-gnostische Sekte. Innerhalb der Juden waren Pharisäer und Sadduzäer solche Lehrer weltlicher Weisheit, Nagas.

[ 4 ] Wer eingeweiht war im Judentum, wurde Prophet genannt. Diese menschliche Weisheit musste wieder verwandelt werden in göttliche Weisheit. Daher musste Christus entgegentreten den Pharisäern und Sadduzäern — den Schlangen; und Johannes, sein Vorläufer, musste dementsprechend die Pharisäer und Sadduzäer zurückweisen.

[ 5 ] Die okkulte Weisheit wurde denen gelehrt, die Christen werden sollten; aber in Bildern, Sprichwörtern. Das geht aus den Evangelien selbst hervor. Die intellektuelle Weisheit der Pharisäer sollte durch eine neue Gottesweisheit überwunden werden. Der in einem Menschen inkarnierte Christus sollte so lehren wie der Okkultismus. Die Steine sind in ihrer Art vollendet, noch nicht das Astrale und Mentale. Deshalb sollten die Menschen sich aufwärts entwickeln und ihre andern Körper so vollkommen machen wie den physisch-mineralischen. «Aus Steinen Kinder erschaffen», heißt dies. [...]

[ 6 ] Alles vorhergehende Leben ist eine Lektion für das folgende; und zwar müssen wir das, was in jedem Reiche das Besondere ist, hinübertragen in die Zukunft; nur dadurch kommen die Früchte der physischen Welt hinüber in die anderen, dass man die Früchte sammelt. Sollte man also ein Vorbild schaffen, so musste in diesem auch vorbildlich die Erhaltung des Wesentlichen — des Knochenbaues — des Physischen als erhalten angedeutet werden.

[ 7 ] Die leuchtende Inkarnation des Christus bildet das kosmische Vorbild. Wenn er vorlebte den Menschen, was sie zu tun hatten, konnte er sie nicht hinweisen auf ihren astralen Leib, auf ihren mentalen. Dies musste entfernt werden. Blut — Ätherkörper — und Wasser — Astrales — fließen heraus, indem ihm in die Seite gestochen wird. Das Knochensystem entspricht dem Physischen. Sollte also hinübergenommen werden, was dem Menschen wirklich entspricht im Physischen, musste das Knochengerüst hinübergenommen werden. Das Mineralische ist im Menschen das schon Gute, Vollkommene; das Beste muss er mit aller Kraft hinübernehmen in die andere Welt. Dem Initiaten wurde gesagt: «Es dürfen ihm die Knochen nicht gebrochen werden.

[ 8 ] Es ist eines der tiefsten Symbole, dieses Nicht-Zerbrechen der Knochen. Wer nicht in die achte Sphäre fallen will, muss — wie die Biene den Honig — das Physische hinübertragen in die andere Welt.

[ 9 ] [Kommen wir nun zu] Prometheus, jenem griechischen Sagenheld, der das Feuer vom Himmel holt, während Zeus die Menschheit der Freiheit berauben wollte. Das Feuer ist die wichtigste Kraft in unserer jetzigen Kultur. Bei den Atlantiern war es die Lebenskraft. Erst als die Menschen das Lebendige nicht mehr beherrschen konnten, versuchten sie, Herren des Leblosen zu werden durch das Feuer. Prometheus ist der Initiierte, der im wichtigen Moment den Menschen gab, was ihr wichtigstes Kulturmittel wurde. Die fünfte Wurzelrasse war entstanden aus der fünften Unterrasse der vierten Wurzelrasse, den Ursemiten, und ein ausgesonderter Teil wurde in die Wüste Gobi und Schamo gebracht. Daraus entstanden als zweite Unterrasse die Perser.

[ 10 ] Zarathustra gab ihnen den Feuerdienst, und das Opferfeuer wurde dem Manu, dem Führer, als Dank dargebracht. Der Manu selbst, der hinübergeführt hat in die Wüsten Gobi und Schamo, hat die griechische Sage festgehalten in Prometheus; und nun muss Prometheus seine schwere Strafe erdulden, weil durch die Intellektualität die unendlichen Leiden hervorgerufen werden. Erlöst werden kann die strebende Menschheit durch was? Wieder durch einen Eingeweihten, Herakles ist ein Eingeweihter - steigt in die Unterwelt hinab. Überall finden wir ähnliche Prometheus-Sagen, mit dem bemerkenswerten Zusatz, dass durch spirituelle Weisheit, durch einen Eingeweihten die Erlösung kommt. Auf höheren Planen vollziehen sich die Wahrheiten. Die Wirklichkeit ist der Ausdruck für eine höhere Tatsache. Der physische Lanzenstich ist der Ausdruck für eine höhere Wahrheit, die sich auf anderen Planen abspielt. Nicht Mystik ist das Christentum, sondern Tatsache, aber als Tatsache mystisch. Lange Zeit kann nichts geschehen in diesen Linien, und dadurch wieder drängen sich die Tatsachen zusammen. Okkulter Satz: Es ist unten alles so wie oben. Oben tritt eine spirituelle Phase an Stelle der intellektuellen: Die Nagas, Pharisäer werden bekämpft von spirituellen Lehrern.