Human Development and Christ-Knowledge
GA 100
29 June 1907, Kassel
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Human Development and Christ-Knowledge, tr. SOL
Theosophie und Rosenkreuzertum XIV
Theosophy and Rosicrucianism XIV
[ 1 ] Gestern habe ich Ihnen das, was man die Rosenkreuzereinweihung nennt, bis zur dritten Stufe, der «Erkenntnis der okkulten Schrift», ausgeführt. Wir haben also kennengelernt, was man im rosenkreuzerischen Sinne nennt das «Studium», dann die «Erringung der imaginativen Erkenntnis», und sodann das, was man nennt «das Sich-Hineinleben in die okkulte Schrift», in jene Schrift, die aus den Naturgesetzen selber genommen ist. Nunmehr obliegt es uns, zu der vierten Stufe der Rosenkreuzereinweihung zu schreiten, zu dem, was man nennt die «Bereitung des Steins der Weisen». Ich bitte Sie, dabei von alledem abzusehen, was Sie in irgendwelchen Büchern lesen können über die «Bereitung des Steins der Weisen» und sich klar zu sein, daß man erst in unserer gegenwärtigen Zeit etwas darüber berichten kann, was der Rosenkreuzer eigentlich meint mit der «Bereitung des Steins der Weisen».
[ 1 ] Yesterday I explained to you what is known as the Rosicrucian initiation, up to the third degree, the “knowledge of the occult script.” We have thus become acquainted with what is called, in the Rosicrucian sense, the “Study,” then the “Attainment of Imaginative Knowledge,” and subsequently what is called “Immersing Oneself in the Occult Scripture”—that scripture which is drawn from the laws of nature themselves. It now falls to us to proceed to the fourth stage of Rosicrucian initiation, to what is called the “preparation of the Philosopher’s Stone.” I ask you to disregard everything you may read in any books about the “preparation of the Philosopher’s Stone” and to be clear that it is only in our present time that one can report on what the Rosicrucian actually means by the “preparation of the Philosopher’s Stone.”
[ 2 ] Unter diesem Namen waren gewisse Vorschriften vorhanden für das Hinaufgelangen in die höheren Welten, seitdem der bekannte Begründer der Rosenkreuzerei 1459 diese Strömung gestiftet hat. Sie müssen sich klar sein, daß diese Strömung immer außerordentlich vorsichtig behandelt worden ist und immer geheimgehalten wurde. Es war so gegen das Ende des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als auf einem unrechten Wege, durch eine Art Verrat, gewisse Geheimnisse der Rosenkreuzerei in die Öffentlichkeit gekommen sind. Damals wurde Verschiedenes darüber gedruckt; man konnte daraus entnehmen, daß die Betreffenden etwas haben läuten hören, aber es nicht verstanden haben. Doch haben sie wenigstens richtige Worte gehört, sozusagen aufgeschnappt, auch über «den Stein der Weisen». Damals erschien sogar in dem damaligen «Reichs-Anzeiger» eine Reihe von Mitteilungen über eine Gesellschaft, die sich die «Bereitung des Steins der Weisen» zur Aufgabe gemacht hatte; und unter diesen Mitteilungen findet sich auch eine, die nur ein solcher verstehen konnte, der da wußte, worum es sich handelt. Da heißt es: «Ja, den Stein der Weisen gibt es; ihn kennen eigentlich die meisten der Menschen; die meisten haben ihn sogar schon in der Hand gehabt, er ist gar nicht so schwer zu finden, nur wissen das die meisten nicht!»
[ 2 ] Under this name, certain guidelines for ascending to the higher worlds have existed ever since the well-known founder of Rosicrucianism established this movement in 1459. You must be aware that this movement has always been treated with the utmost caution and has always been kept secret. It was around the end of the 18th century and the beginning of the 19th century that, through improper means—a kind of betrayal—certain secrets of Rosicrucianism were made public. At that time, various things were printed about it; one could gather from them that those involved had heard something, but had not understood it. Yet they had at least heard the right words, so to speak, picked them up, including about “the Philosopher’s Stone.” At that time, a series of reports even appeared in the then “Reichs-Anzeiger” about a society that had made the “preparation of the Philosopher’s Stone” its mission; and among these reports there is also one that only someone who knew what it was about could understand. It reads: “Yes, the Philosopher’s Stone exists; most people actually know it; most have even held it in their hands; it is not that hard to find, only most people do not know it!”
[ 3 ] Nun verband man mit diesem Begriff des «Steins der Weisen» den Sinn, daß er einen nach und nach kennen lehrt den unsterblichen Teil des Menschen, der nicht dem Tode verfallen kann, daß er einen in die höheren Welten hinaufführt. Wenn der Mensch sich klar wird, daß dieser unsterbliche Teil nicht dem Tode verfallen kann, dann erwirbt er sich durch den Besitz des «Steins der Weisen» ein ewiges Leben; er überwindet dadurch den Tod. Das hatte man sich nun so ausgedeutet, daß man niemals sterben würde. Gemeint ist aber, daß der Mensch dadurch die Welt kennenlernt, in der er nach dem Tode lebt. Außerdem sah man noch in dem «Stein der Weisen» ein Lebenselixier. Das alles machte den «Stein der Weisen» außerordentlich begehrenswert. Wer da weiß, um was es sich handelt, mußte diese Worte in merkwürdiger Weise richtig finden, denn wahr sind sie sogar; nur kann der, der das Geheimnis nicht kennt, nicht viel daraus machen.
[ 3 ] This concept of the “Philosopher’s Stone” came to be associated with the idea that it gradually teaches one to recognize the immortal part of the human being that cannot succumb to death, and that it leads one up into the higher worlds. When a person realizes that this immortal part cannot succumb to death, then by possessing the “Philosopher’s Stone” they acquire eternal life; through it, they overcome death. This had been interpreted to mean that one would never die. What is meant, however, is that through it a person comes to know the world in which they live after death. Furthermore, the “Philosopher’s Stone” was also seen as an elixir of life. All of this made the “Philosopher’s Stone” extraordinarily desirable. Anyone who knows what it is must have found these words strangely accurate, for they are indeed true; only, those who do not know the secret cannot make much of them.
[ 4 ] Nun will ich Ihnen kurz zeigen, was darunter gemeint ist. Wenn Sie das verstehen wollen, müssen Sie mir in die Betrachtung einer ganz einfachen naturwissenschaftlichen Tatsache folgen: Sie müssen sich klar sein, welches Verhältnis zwischen dem Menschen und der Pflanzenwelt besteht. Es ist der Tatbestand ein solcher, daß alles, was so atmet wie der Mensch, niemals existieren könnte, wenn es keine Pflanzen gäbe. Da müssen Sie sich einmal bekanntmachen mit dem Vorgang, der sich zwischen Ihnen und den Pflanzen abspielt.
[ 4 ] Now I would like to briefly show you what this means. If you want to understand this, you must follow me in considering a very simple scientific fact: you must be clear about the relationship that exists between humans and the plant world. The fact is that anything that breathes like a human being could never exist if there were no plants. You must first familiarize yourself with the process that takes place between you and the plants.
[ 5 ] Sie atmen die Luft ein; Sie brauchen davon den Sauerstoff. Gäbe es keinen Sauerstoff, könnten Sie niemals leben. Wenn Sie die Luft in sich aufnehmen und den Sauerstoff in Ihrem Organismus verarbeiten, so atmen Sie die Kohlensäure wiederum aus, eine Verbindung von Kohlenstoff mit dem Sauerstoff. Sie müssen sich also sagen: Der Mensch nimmt fortwährend Sauerstoff auf und erhält dadurch seinen Leib, und er atmet die Kohlensäure aus: er schafft also fortwährend selbst ein Gift, an dem er zugrunde gehen würde. Fortwährend füllen Sie so Ihre Umgebung mit einem Gifte an. — Was tut die Pflanze? Sie tut in gewisser Beziehung genau das Gegenteil. Sie nimmt die Kohlensäure auf, behält den Kohlenstoff zurück und gibt den für sie unbrauchbaren Sauerstoff wieder ab. So daß Sie der Pflanze geben, was sie braucht, und die Pflanze Ihnen dafür den Sauerstoff zurückgibt. Dieser Prozeß von Kohlensäureatmung und Abgabe von Sauerstoff überwiegt weitaus die Aufnahme von Sauerstoff seitens der Pflanze. Was tut nun die Pflanze mit dem Kohlenstoff, den sie zurückbehält? Daraus baut sich zu einem gewissen Teil die Pflanze ihren eigenen Leib auf. So geben Sie gewissermaßen der Pflanze die Gelegenheit, in der ihr entsprechenden Weise aus dem Kohlenstoff ihren Leib sich aufzubauen. Wenn Sie nach Jahrtausenden die Pflanze als Steinkohle herausgraben aus der Erde, haben Sie darin denselben Stoff.
[ 5 ] You breathe in the air; you need the oxygen it contains. If there were no oxygen, you could never live. When you take in the air and process the oxygen in your body, you exhale carbon dioxide, a compound of carbon and oxygen. So you must tell yourself: Human beings constantly take in oxygen and thereby sustain their bodies, and they exhale carbon dioxide: they are thus constantly creating a poison that would ultimately kill them. In this way, you are constantly filling your surroundings with a poison. — What does the plant do? In a certain sense, it does exactly the opposite. It takes in carbon dioxide, retains the carbon, and releases the oxygen that is useless to it. So that you give the plant what it needs, and the plant gives you oxygen in return. This process of carbon dioxide respiration and oxygen release far outweighs the plant’s uptake of oxygen. What, then, does the plant do with the carbon it retains? To a certain extent, the plant uses it to build its own body. In a sense, you are giving the plant the opportunity to build its body from the carbon in a way that suits it. When, after millennia, you dig the plant out of the earth as coal, you have the same substance within it.
[ 6 ] Die Pflanze gibt Ihnen den Sauerstoff, Sie nehmen ihn auf. Sie geben ihr die Kohlensäure, sie behält davon den Kohlenstoff zurück, bildet sich selbst daraus den Leib, und gibt Ihnen den Sauerstoff zurück. Das ist ein wunderbarer Wechselprozeß, der da stattfindet. So ist es heute. Nun ist aber der Mensch in Entwickelung begriffen, und in Zukunft wird der Menschenleib so sein, daß er in sich selbst jenes Organ haben wird, welches die Kohlensäure in den Sauerstoff umwandelt, und den Kohlenstoff wird er selbst in sich zurückbehalten.
[ 6 ] The plant gives you oxygen, and you take it in. You give it carbon dioxide, and it retains the carbon from it, uses it to build its own body, and gives you oxygen back. This is a wonderful process of exchange that takes place. That is how it is today. But now humanity is in the process of evolution, and in the future the human body will be such that it will possess within itself the organ that converts carbon dioxide into oxygen, and it will retain the carbon within itself.
[ 7 ] Da deute ich heute hin — in anderer Weise als gestern bei der Rosenkreuzerschulung — auf einen Zukunftszustand des Menschen. In der Zukunft wird der Mensch einen begierdefreien Leib höherer Ordnung tragen, den Sie auf niederer Stufe bei der Pflanze haben: er wird sich einen Leib aufbauen können, der auf höherer Stufe pflanzenartig sein wird. In dem Organ, das heute sein Herz ist, wird er dann einen Apparat haben, der das tun wird, was heute die Pflanze tut. Heute gehören Pflanze und Mensch zusammen; eines könnte ohne das andere nicht leben. Gäbe es keine Pflanzen, so müßten alle Sauerstoffatmer in kurzer Zeit aussterben, weil ja die Pflanze es ist, die uns den Sauerstoff gibt; wir können uns gar nicht denken ohne die Pflanze. Und was heute die Pflanze außerhalb von uns macht, das wird in Zukunft jenes Organ tun, zu dem sich das Herz herausgestalten wird in uns, wenn es ein willkürlicher Muskel sein wird. Wir breiten unser Bewußtsein über die Pflanzen aus, wir wachsen zusammen mit der Pflanzenwelt, so daß, was heute außerhalb von uns die Pflanze macht, später in uns selbst geschieht; dann behalten wir auch den Kohlenstoff, den wir heute abgeben, in uns zurück und bauen uns unseren eigenen Leib daraus auf. Wir werden pflanzenartig auf einer höheren Bewußstseinsstufe.
[ 7 ] Today I am pointing—in a different way than I did yesterday during the Rosicrucian training—toward a future state of humanity. In the future, humanity will possess a desire-free body of a higher order, the kind you find at a lower level in plants: they will be able to build a body that, at a higher level, will be plant-like. In the organ that is today their heart, they will then have an apparatus that will do what plants do today. Today, plants and humans belong together; one could not live without the other. If there were no plants, all oxygen-breathers would die out in a short time, for it is the plant that gives us oxygen; we cannot even conceive of life without the plant. And what the plant does outside of us today, that organ into which the heart will develop within us will do in the future, when it becomes a voluntary muscle. We extend our consciousness over the plants; we grow together with the plant world, so that what the plant does outside of us today will later take place within us; then we will also retain within ourselves the carbon that we release today and build our own bodies from it. We will become plant-like on a higher level of consciousness.
[ 8 ] Das alles kleidet der Okkultismus seit uralter Zeit in eine wunderbare Legende; denn in Bildern und Legenden wurden durch Jahrtausende die Wahrheiten aufbewahrt. Es ist die Goldene Legende. Und was ich Ihnen heute erzählt habe, das brachte man darin im Bilde dem Geheimschüler bei. Sie lautete ungefähr:
[ 8 ] Since time immemorial, occultism has clothed all this in a wondrous legend; for truths have been preserved through the millennia in images and legends. It is the Golden Legend. And what I have told you today was taught to a student of occultism through imagery in that legend. It went something like this:
[ 9 ] Als Seth, der Sohn, den Gott dem Adam und der Eva anstelle des ermordeten Abel gegeben hat, einstmals ins Paradies hineinging, fand er miteinander verwachsen die beiden Bäume, den Baum der Erkenntnis und den Baum des Lebens; sie schlangen ihre Äste ineinander. Und von diesem Baum nahm Seth drei Samenkörner auf Geheiß des ihn führenden Engels. Er bewahrte sie auf, und als Adam starb, legte er ihm die drei Samenkörner in den Mund. Und aus dem Grabe des Adam wuchs ein Baum heraus; dieser Baum zeigte für den, der hinzuschauen verstand, eine Schrift in Flammenbuchstaben; es waren die Worte: «Ehjeh asher ehjeh — Ich bin, der da war, der da ist, der da sein wird.» Nun nahm Seth Holz von diesem Baume, der aus dem Grabe des Adam herauswuchs, und von diesem Holz wurden mancherlei Dinge geformt: unter andern jener Stab, der Moses’ Zauberstab war. Und weiter wurde es fortgepflanzt; geformt wurde daraus die Pforte zum Tempel Salomos, und später, nachdem es verschiedene andere Schicksale erlebt hatte, das Kreuz, an dem der Erlöser gehangen hat.
[ 9 ] When Seth, the son whom God had given to Adam and Eve in place of the murdered Abel, once entered Paradise, he found the two trees—the Tree of Knowledge and the Tree of Life—grown together; their branches were intertwined. And from this tree, Seth took three seeds at the behest of the angel who guided him. He kept them safe, and when Adam died, he placed the three seeds in his mouth. And a tree grew out of Adam’s grave; to those who knew how to look, this tree revealed a message in letters of fire; the words were: “Ehjeh asher ehjeh—I am who was, who is, who will be.” Now Seth took wood from this tree that grew out of Adam’s grave, and from this wood many things were fashioned: among them that staff which was Moses’ staff. And it was passed down further; from it was fashioned the gate to Solomon’s Temple, and later, after it had undergone various other fates, the cross on which the Savior hung.
[ 10 ] So bringt die Legende zusammen das Holz des Kreuzes von Golgatha mit dem Baume, der aus den Samenkörnern des Paradiesesbaumes aus dem Grabe des Adam herauswuchs.
[ 10 ] Thus, the legend links the wood of the cross of Golgotha to the tree that grew from the seeds of the Tree of Paradise in Adam’s grave.
[ 11 ] In dieser Legende verbirgt sich dasselbe Geheimnis, das ich Ihnen heute andeutete. Man wollte damit sagen: In Urzeiten war das Menschengeschlecht so, daß es noch nicht heruntergesunken war zu dem von der Begierde erfüllten Fleische, sondern keusch und rein war es, wie die Pflanze, die der Sonne den Blütenkelch entgegenstreckt. Dann kamen die Menschen durch den Sündenfall herunter: ihr Fleisch wurde mit Begierde erfüllt. Aber alles, was der Mensch einst in einem unschuldsvollen Zustand gehabt hat, soll er wieder haben, wenn er sich durch den Erkenntnispfad den begierdelosen Leib erschaffen haben wird, den Leib, wie er einstmals war, bevor der Mensch in die Erkenntnis eingetreten ist; erinnern Sie sich, woher das Ich stammt. Daß er jenen Leib nicht mehr hat, hängt damit zusammen, daß der Mensch ein Lungenatmer geworden ist, daß er sein rotes Blut hat bilden können. So hängt zusammen mit Atmung und Blutkreislauf die heutige Gestalt des Menschen, und daß er ein Erkenntnisträger in der heutigen Art werden konnte.
[ 11 ] This legend conceals the very same mystery that I hinted at to you today. The intention was to say: In primeval times, the human race was such that it had not yet sunk into the flesh filled with desire, but was chaste and pure, like the plant that stretches its calyx toward the sun. Then, through the Fall, humanity fell: their flesh became filled with desire. But everything that humanity once possessed in a state of innocence, it shall possess again when, through the path of knowledge, it has created the desireless body—the body as it once was, before humanity entered into knowledge; remember where the I originates. The fact that he no longer has that body is connected to the fact that man has become a lung-breather, that he has been able to form his red blood. Thus, the present form of man is connected to breathing and blood circulation, and to the fact that he could become a bearer of knowledge in the present sense.
[ 12 ] Versetzen Sie sich nun in den heutigen Leib. Da können Sie sich ein Bild davon machen, wie der Sauerstoff hineinströmt, wie er das rote Blut erregt, wie das rote Blut gleich einem sich verästelnden Baum durch den ganzen Leib läuft, wie das blaue Blut dann zurückläuft, mit Kohlensäure angefüllt.
[ 12 ] Now imagine yourself in your body today. There you can picture how oxygen flows in, how it stimulates the red blood, how the red blood flows through your entire body like a branching tree, and how the blue blood then flows back, filled with carbon dioxide.
[ 13 ] Zwei Bäume haben Sie in sich: den roten und den blauen Blutbaum. Ohne diese beiden könnte es den Menschen nicht als einen Ich-Träger geben. Dazu muß das rote Blut aufgenommen werden; das ist der Weg, wie unsere heutige Erkenntnis hervorgerufen wird. Aber es war verknüpft damit der Tod; denn Sie wandeln ja das rote Blut um in das blaue, kohlensäureerfüllte Blut. Daher sagte der alttestamentliche Geheimlehrer: Sieh dich an, du hast in dir den roten Blutbaum; hättest du diesen Baum nicht bekommen, du wärest nie ein erkennender Mensch geworden. Du hast genossen von dem Baume der Erkenntnis; aber damit ist dir zu gleicher Zeit die Möglichkeit genommen worden, aus dir selbst dir das Leben zu geben.
[ 13 ] You have two trees within you: the red and the blue blood trees. Without these two, human beings could not exist as bearers of the “I.” For this, the red blood must be absorbed; this is the way in which our present-day knowledge is brought about. But death was linked to this; for you transform the red blood into the blue, carbon dioxide-filled blood. That is why the Old Testament secret teacher said: Look at yourself, you have the red blood tree within you; had you not received this tree, you would never have become a knowing human being. You have partaken of the tree of knowledge; but at the same time, this has deprived you of the ability to give yourself life from within yourself.
[ 14 ] Aus dem, was früher ein Lebensbaum war, ist ein tötender Baum geworden; daher ist der blaue Blutbaum in uns der Baum des Todes. Das ist der gegenwärtige Zustand. Für den Eingeweihten stellt sich aber ein Zukunftszustand vor die Seele, wo der Mensch die Pflanzennatur in sich hat, wo er durch den Herzapparat in sich das blaue Blut zurückverwandeln wird in rotes Blut. Dann wird er den Baum des Todes verwandelt haben in einen Baum des Lebens. Der Mensch ist dann ein unsterbliches Wesen geworden; was er auf einer untergeordneten Stufe war, wird er auf einer höheren wieder sein. Den Apparat, der heute in der Pflanze ist, wird er dann in sich selber haben. — So daß man in dem Paradies einen Endzustand der Menschheit hat. Und Seths Sendung wurde so aufgefaßt, daß er das sieht, was am Ende der Zeiten ist: das Sich-Ausgleichen der beiden Prinzipien im Menschen selber. So verschlingen sich der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis im Paradies; im Menschen können sie sich nur finden, wenn der Mensch zur Pflanze seine Zuflucht nimmt. Aber wie erlangt der Mensch nun die Fähigkeit, daß die beiden Bäume sich in ihm verschlingen? Indem er in sich entwickelt die drei höheren Glieder der Menschennatur.
[ 14 ] What was once a tree of life has become a tree of death; therefore, the blue blood tree within us is the tree of death. That is the present state of affairs. For the initiate, however, a future state presents itself to the soul, in which man possesses the plant nature within himself, and through the heart apparatus within him, he will transform the blue blood back into red blood. Then he will have transformed the tree of death into a tree of life. Man will then have become an immortal being; what he was on a lower level, he will be again on a higher one. The apparatus that is in the plant today, he will then possess within himself. — So that in Paradise we have a final state of humanity. And Seth’s mission was understood to be that he sees what lies at the end of time: the balancing of the two principles within the human being himself. Thus the Tree of Life and the Tree of Knowledge intertwine in Paradise; within man they can only find each other if man takes refuge in the plant. But how does man now attain the ability for the two trees to intertwine within him? By developing within himself the three higher members of human nature.
[ 15 ] Wir haben kennengelernt den Menschen, zusammengesetzt aus dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem Astralleib und dem Ich; und wir haben gesehen, wie das Ich, wenn es an dem Astralleibe arbeitet, das erste höhere Wesensglied erringt, wenn es an dem Ätherleib arbeitet, das zweite, und durch die Arbeit am physischen Leibe das dritte. So daß also der zukünftige Mensch der siebengliedrige sein wird, der noch haben wird Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch. Hat der Mensch seine niedrige Natur so umgestaltet, dann wird er in sich selbst den Baum der Erkenntnis und den Baum des Lebens haben. Es ist also dem Menschen gegeben worden im Ausgangspunkt seiner Entwickelung die Voraussetzung zu seinen drei höheren Wesensgliedern in der Anlage zu seinem Ich.
[ 15 ] We have come to know the human being, composed of the physical body, the etheric body, the astral body, and the I; and we have seen how the I, when it works on the astral body, attains the first higher member of the being; when it works on the etheric body, the second; and through its work on the physical body, the third. Thus, the future human being will be the sevenfold being, who will also possess the Spirit-Self, the Life-Spirit, and the Spirit-Man. Once the human being has thus transformed his lower nature, he will possess within himself the tree of knowledge and the tree of life. Thus, at the starting point of his development, the human being has been given the prerequisite for his three higher members of being in the form of the potential for his I.
[ 16 ] Drei Samenkörner nimmt Seth, und der erste Ich-Mensch, Adam, läßt diese drei Samenkörner zu einem Baume hervorwachsen. In diesem Baum ist das vorhanden, was durch alle Ihre Verkörperungen hindurchgeht. Ihr Ich war auf einer ganz niedrigen Stufe in der ersten Verkörperung, und von Verkörperung zu Verkörperung erreicht es immer höhere Stufen. Was da hervorwächst, ist das Symbolum für das Ewige im Menschen, das seine höchste Vollendung am Ende des Erdenzustandes finden wird. Aber nur dann kann es der Mensch erringen, wenn er sich verbindet mit all dem Höchsten, was ihm auf dem Geistespfad entgegengetreten ist. Alles, was die Menschheit den Pfad hinaufgeleitet hat — der Stab des Moses, der’Tempel des Salomo, und endlich das Kreuz von Golgatha —, alles das hilft dem Menschen, die höhere Dreiheit voll zum Ausdruck zu bringen. Und das Kreuz von Golgatha war das, was den Weg zu der höchsten Menschenvollendung andeutete. Es war zu Beginn dem Adam als Keim, aus dem jener Baum hervorgewachsen ist, in den Mund gelegt worden — nicht schöner könnte man es ausdrücken, als wie es hier geschehen ist —- und hervorgegangen aus dem Holz, das Seth auf diese Weise gewonnen hatte. Da haben Sie den Weg des Menschen dargestellt, wie er durch die Zeitenläufe geht, den Weg des Menschen durch die Zeit. Was der Mensch in der Zukunft erringen muß: die Umwandlung seiner Wesenheit, die Fähigkeit, aus eigener Kraft in sich selbst den Kohlenstoff zu erzeugen, das ist es, was die Pflanze heute tun kann. Und diese Alchimie der Pflanze, sie wird der Mensch in der Zukunft beherrschen können.
[ 16 ] Seth takes three seeds, and the first “I”-man, Adam, causes these three seeds to grow into a tree. Within this tree lies that which passes through all your incarnations. Your “I” was at a very low level in the first incarnation, and from incarnation to incarnation it reaches ever higher levels. What grows forth there is the symbol of the eternal within man, which will find its highest fulfillment at the end of the earthly state. But man can attain this only if he unites himself with all that is highest which has come his way on the spiritual path. Everything that has guided humanity up the path—the staff of Moses, the Temple of Solomon, and finally the Cross of Golgotha—all of this helps man to fully express the higher Trinity. And the Cross of Golgotha was what pointed the way to the highest human perfection. It had been placed in Adam’s mouth at the beginning as a seed from which that tree grew—one could not express it more beautifully than has been done here—and it emerged from the wood that Seth had obtained in this way. There you have depicted the path of humanity as it passes through the course of time, the path of humanity through time. What humanity must achieve in the future—the transformation of its being, the ability to produce carbon within itself through its own power—is what the plant can do today. And this alchemy of the plant, humanity will be able to master in the future.
[ 17 ] Die alchimistische Zubereitung dessen, was ich eben geschildert habe, wird dadurch erreicht, daß dem Rosenkreuzerschüler gewisse Anweisungen gegeben werden, wie er seinen Atmungsprozeß regulieren soll. Das ist etwas, was man auch nur verstehen kann nach dem Grundsatze: Steter Tropfen höhlt den Stein. Aber der Rosenkreuzerschüler arbeitet daran. So wie der Tropfen als ein Kleines, Winziges, nach langer Zeit erst die Höhlung im Stein bewirkt, so wird der Fortschritt der Menschenleiber bewirkt durch diesen Atmungsregulierungsprozeß. Diese Anweisungen, die der Rosenkreuzerschüler auszuüben hat, sind solche, daß sie ihn auf den Weg bringen, schon heute die Vorbereitung zu treffen, daß sein Ich die Fähigkeit erwirbt, sich die nächsten Leiber auf eine andere Weise aufzubauen. Damit ist allerdings verknüpft, daß Sie das, was Sie später in physischer Umgebung haben werden, schon jetzt in der geistigen Welt haben. Jene Rosenkreuzerberatung besteht darin, daß man im langsamen Prozeß einen Zukunftszustand vorbereitet und sich die Fähigkeit erwirbt, schon jetzt in den höheren Welten diesen Zustand zu schauen. Zweierlei tut also der Rosenkreuzerschüler: Erstens arbeitet er vor für die Zukunft der Menschheit, und zweitens erwirbt er sich selbst das Schauen in der geistigen Welt; er sieht das, was dann später heruntersteigt in die physische Wirklichkeit.
[ 17 ] The alchemical preparation of what I have just described is achieved by giving the Rosicrucian student specific instructions on how to regulate his breathing process. This is something that can only be understood according to the principle: “Constant dripping wears away the stone.” But the Rosicrucian student works at it. Just as the drop, being small and tiny, only creates a hollow in the stone after a long time, so the progress of the human bodies is brought about by this process of regulating the breath. These instructions, which the Rosicrucian student must practice, are such that they set him on the path to make preparations even today so that his I may acquire the ability to build up his next bodies in a different way. This is, however, linked to the fact that what you will later have in the physical environment, you already have now in the spiritual world. This Rosicrucian guidance consists in preparing, through a slow process, for a future state and acquiring the ability to perceive this state already now in the higher worlds. The Rosicrucian student thus does two things: First, he works in advance for the future of humanity, and second, he acquires for himself the ability to see into the spiritual world; he sees what will later descend into physical reality.
[ 18 ] Jetzt verstehen Sie auch die Anweisungen, die der merkwürdige Mann hat drucken lassen, aber nicht verstanden hat. Der «Stein der Weisen» ist die gewöhnliche schwarze Kohle; aber Sie müssen den Prozeß lernen, der Sie durch innere Kraft den Kohlenstoff verarbeiten lehrt: so ist der Fortschritt der Menschheit. In der heutigen Kohle haben Sie ein Vorbild dessen, was einst der wichtigste Stoff für den Menschen sein wird, wenn sie auch ganz anders ausschauen wird. Erinnern Sie sich an den hellen Diamant: der ist ja auch nur Kohlenstoff! — Das also nennt man die «Bereitung des Steins der Weisen» in der Rosenkreuzerweltanschauung. Es verbirgt sich dahinter ein menschlicher Umwandlungsprozeß und eine Aufforderung, zu arbeiten an den Zukunftszuständen der Menschheit. Alle, die so arbeiten, sie arbeiten vor für die Menschenleiber der Zukunft, für die Leiber, welche die Seelen später brauchen werden.
[ 18 ] Now you also understand the instructions that the strange man had printed but did not understand. The “Philosopher’s Stone” is ordinary black coal; but you must learn the process that teaches you to transform carbon through inner power: such is the progress of humanity. In today’s coal, you have a model of what will one day be the most important substance for humanity, even if it will look quite different. Remember the bright diamond: it, too, is nothing but carbon! — This, then, is what is called the “preparation of the Philosopher’s Stone” in the Rosicrucian worldview. Behind it lies a process of human transformation and a call to work toward the future states of humanity. All who work in this way are preparing the human bodies of the future, the bodies that souls will later need.
[ 19 ] Es gibt ein Wort, welches dieses Arbeiten an der Zukunft sehr schön ausdrückt, und das wir verstehen werden, wenn wir den Unterschied zwischen Seelen- und Rassenentwickelung uns klarmachen. Sie alle waren früher Atlantier, und diese atlantischen Leiber haben ganz anders ausgesehen, wie ich es Ihnen bereits beschrieben habe. Dieselbe Seele, die irgendwo in einem atlantischen Leib war, ist heute in Ihrem Leibe. Aber nicht alle Leiber sind, wie heute die Ihrigen, durch wenige Kolonisten — jene, die damals von Westen nach Osten zogen — so vorbereitet worden. Die Zurückgebliebenen, die sich, wie man sagt, mit der Rasse verbunden haben, die sind verkommen, während die Fortgeschrittenen neue Kulturen begründet haben. Die letzten Nachzügler auf dem Wege nach Osten, die Mongolen, haben noch etwas von der Kultur der Atlantier behalten. Ebenso werden die Leiber derjenigen Menschen, die sich nicht fortschrittlich weiterentwickeln werden, über die nächste Zeitenwende hinüberwachsen und die Chinesen der Zukunft bilden. Es wird wieder in Dekadenz befindliche Völkerschaften geben. Es leben ja auch in den Chinesenkörpern Seelen, die, weil sie eine zu große Anziehungskraft zur Rasse gehabt haben, noch einmal in solchen Rassen werden verkörpert sein müssen. Die Seelen, die heute in Ihnen sind, sie werden später verkörpert sein in Leibern, die von denen kommen, welche heute in der angedeuteten Weise arbeiten, und welche die Leiber der Zukunft erzeugen, so wie es früher die ersten Kolonisten der Atlantier getan haben. Und diejenigen, die so recht am Alltäglichen haften, die sich nicht verbinden wollen mit dem, was der Zukunft entgegengeht, werden mit der Rasse verschmelzen. Es gibt solche Menschen, die bei dem bleiben wollen, was althergebracht ist, die nichts wissen wollen von dem, was weiterschreiten heißt; die nicht hören wollen auf solche, die über die Rasse hinüberführen zu immer neuen Gestaltungen der Menschheit.
[ 19 ] There is a word that beautifully expresses this work on the future, and we will understand it once we grasp the difference between soul development and racial development. You were all once Atlanteans, and those Atlantean bodies looked quite different, as I have already described to you. The same soul that was once in an Atlantean body is now in your body. But not all bodies have been prepared, as yours have been today, by a few colonists—those who migrated from west to east at that time. Those who lagged behind, who, as they say, became associated with the race, have degenerated, while the more advanced ones founded new cultures. The last stragglers on the path to the East, the Mongols, have retained something of the Atlantean culture. Likewise, the bodies of those people who will not continue to develop progressively will outlive the next turn of the age and form the Chinese of the future. There will again be peoples in a state of decadence. For there are also souls living in Chinese bodies who, because they were too strongly drawn to the race, will have to be incarnated once more in such races. The souls that are within you today will later be incarnated in bodies that come from those who are working today in the manner described, and who are creating the bodies of the future, just as the first colonists of the Atlanteans did in the past. And those who cling so strongly to the everyday, who do not wish to connect with what is moving toward the future, will merge with the race. There are such people who wish to remain with what is traditional, who want nothing to do with what it means to move forward; who do not want to listen to those who lead the race toward ever-new forms of humanity.
[ 20 ] Die Mythe hat in wunderbarer Weise diese Tendenz erhalten. Nicht besser könnte sie das darstellen, als indem sie auf einen der Größten hinweist, der das Wort ausgesprochen hat: «Wer nicht verläßt Vater und Mutter, Weib und Kind, Bruder und Schwester, der kann nicht mein Jünger sein», und dagegen das Traurige in einem Menschen darstellt, der da sagt: Ich will nichts von einem solchen Führer wissen! — und ihn zurückstößt. Wie könnte man das klarer ausdrücken als in dem Bilde dessen, der den Führer von sich weist, und der nicht aufzusteigen vermag! Das ist die Sage von Ahasver, dem Ewigen Juden, der da saß und den größten Führer, den Christus Jesus, von sich stieß, nichts wissen wollte von der Entwickelung, und der deshalb bei seiner Rasse bleiben muß, immer wiederkehren muß in seiner Rasse. Das sind solche Mythen, die der Menschheit zum ewigen Gedächtnis gegeben sind, damit sie weiß um was es sich handelt.
[ 20 ] Myth has captured this tendency in a wonderful way. It could not portray it better than by pointing to one of the greatest figures who spoke these words: “Whoever does not forsake father and mother, wife and child, brother and sister, cannot be my disciple,” and in contrast depicts the sadness in a person who says: I want nothing to do with such a leader! — and rejects him. How could one express this more clearly than in the image of the one who rejects the leader and is unable to ascend! This is the legend of Ahasver, the Eternal Jew, who sat there and rejected the greatest leader, Christ Jesus, wanted nothing to do with evolution, and who must therefore remain with his race, must return again and again to his race. These are the kinds of myths given to humanity for eternal remembrance, so that it may know what is at stake.
[ 21 ] So ist diese vierte Stufe der Rosenkreuzerschulung aufzufassen als etwas ungeheuer Tiefes, und so gliedert sich in die Entwickelung der Menschheit die «Bereitung des Steins der Weisen» herein.
[ 21 ] Thus, this fourth stage of Rosicrucian training must be understood as something profoundly deep, and in this way the “preparation of the Philosopher’s Stone” becomes an integral part of human evolution.
[ 22 ] Das fünfte ist die «Entsprechung von Mikrokosmos und Makrokosmos». Der ganze komplizierte Menschenleib ist, so wie er heute ist, in einer bestimmten Weise entstanden. Ich habe Sie geführt durch den Saturn-, Sonnen-, Monden- und Erdenzustand. Von alledem, was heute in Ihrem Leibe ist, waren auf dem Saturn nur die ersten Anlagen zu Ihren Sinnesapparaten vorhanden, eingebettet in die Saturnmasse wie die Kristalle heute in die Gebirgsmasse; Ihr Auge war wie ein Quarzkristall im Gebirge. Auf der Sonne waren Ihre höchsten Organe, alle Drüsen, so, daß sie deren Oberfläche bedeckten. Auf dem Monde waren die Organe, die heute Ihr Nervensystem zusammensetzen, ausgebreitet über die Oberfläche des Mondes. Der Mond hatte ein Nervensystem, und die einzelnen Menschentiere, die da waren, wurden zum ersten Mal auf dem Monde des Nervensystems teilhaftig. Auf der Erde bekam der Mensch sein Knochensystem, denn ein Mineralreich war ja auf dem Monde überhaupt noch nicht da.
[ 22 ] The fifth is the “correspondence between the microcosm and the macrocosm.” The entire complex human body, as it is today, came into being in a specific way. I have guided you through the Saturn, Sun, Moon, and Earth stages. Of all that is in your body today, only the earliest rudiments of your sensory organs were present on Saturn, embedded in the Saturn mass just as crystals are today in the mountain mass; your eye was like a quartz crystal in the mountain. On the Sun, your highest organs—all the glands—were such that they covered its surface. On the Moon, the organs that today make up your nervous system were spread out over the Moon’s surface. The Moon had a nervous system, and the individual human-like beings that were there first became partakers of the nervous system on the Moon. On Earth, the human being acquired his skeletal system, for a mineral kingdom did not yet exist at all on the Moon.
[ 23 ] So sehen Sie, wie kunstvoll sich der Mensch zusammengesetzt hat. Das, was heute als Auge in uns ist, war als Auge über den ganzen Saturn ausgebreitet; in uns hineingezogen ist das, was in der großen Welt war. Von jedem einzelnen Organ kann Ihnen nun die Geheimlehre sagen, wie es im Zusammenhang steht mit der großen Welt draußen: von Leber, Milz, Herz und so weiter, mit dem, was ihnen in der Außenwelt entspricht und was in der Außenwelt geschehen mußte, damit sie sich bilden konnten. Es gibt Mittel in der rosenkreuzerischen Erkenntnislehre, durch die wir in uns selbst uns unter dem Anhaltspunkt unserer Sinnesorgane vertiefen, uns innerlich versenken in die Augen, die Ohren, und dadurch einen hellseherischen Einblick in die Bildung dieser Organe bekommen.
[ 23 ] You can see, then, how artfully the human being has been composed. What is now the eye within us was once spread out as an eye over the entire planet Saturn; what was in the great world has been drawn into us. The Esoteric Doctrine can now tell you, for every single organ, how it is connected to the great world outside: the liver, spleen, heart, and so on, with what corresponds to them in the outer world and what had to happen in the outer world so that they could form. There are methods in Rosicrucian esoteric teaching through which we delve into ourselves using our sense organs as a point of reference, immersing ourselves inwardly in the eyes and ears, and thereby gaining a clairvoyant insight into the formation of these organs.
[ 24 ] Ich habe Sie geführt zu dem Zeitpunkt in der atlantischen Entwickelung, wo der Ätherleib noch so weit draußen war, daß er sich nicht verbinden konnte mit dem Punkt, der hier im Kopfe über der Nasenwurzel ist. Wir haben gesehen, wie der Ätherleib dann hineinrückte in den physischen Leib, wie dann der physische Leib die heutige Gestaltung bekommen hat. Es gibt nun eine Methode der Versenkung mit einer ganz bestimmten Formel, die nur von Mensch zu Mensch mitgeteilt wird. Wenn Sie sich dadurch in die Stelle hineinversenken, wo der Kopf mit jener Stelle des Ätherkopfes zusammenhängt, von der wir sprachen, dann geht Ihnen die Erkenntnis auf von jenem Zeitpunkte der Erde, von der Art, wie damals die Erde ausgeschaut hat, als dieser Teil des Ätherkopfes in den physischen Kopf hineinrückte. So können Sie sich in jedes Glied Ihres Mikrokosmos vertiefen und dadurch Kräfte des Makrokosmos kennenlernen, das, was die Baumeister der Welt in Ihnen zusammengebaut haben. Nach Anleitung des Okkultismus können Sie daher den Makrokosmos kennenlernen; für alle Dinge in der Welt, draußen im Makrokosmos, gibt es ein Organ im Mikrokosmos. Der Mensch ist das komplizierteste Wesen. Wie Sie beim Telegramm von der zugesandten Mitteilung auf den Absender schließen, so können Sie beim Menschenleib durch die Versenkung in das Organ dessen Erzeuger erkennen lernen.
[ 24 ] I have guided you to that point in Atlantean evolution when the etheric body was still so far removed that it could not connect with the point located here in the head, above the bridge of the nose. We have seen how the etheric body then moved into the physical body, and how the physical body subsequently took on its present form. There is now a method of meditation with a very specific formula that is communicated only from person to person. When you use this to immerse yourself in the point where the head connects with that part of the etheric head we spoke of, then the realization dawns on you of that point in Earth’s history, of what the Earth looked like back then, when this part of the etheric head moved into the physical head. In this way, you can delve into every limb of your microcosm and thereby come to know the forces of the macrocosm—that which the architects of the world have built within you. Following the guidance of occultism, you can thus come to know the macrocosm; for every thing in the world, out there in the macrocosm, there is a corresponding organ in the microcosm. The human being is the most complex being. Just as you can infer the sender from the message in a telegram, so too can you, through contemplation of an organ in the human body, come to recognize its creator.
[ 25 ] Damit haben wir schon die sechste Stufe berührt, das, was man nennt die «Versenkung in den Makrokosmos». Wer so in sich kennengelernt hat das Verhältnis des Mikrokosmos zum Makrokosmos, hat sich erweitert zur Erkenntnis der ganzen Welt. Das verbirgt sich hinter dem alten Spruch: Erkenne dich selbst! — Es ist viel Unheil angerichtet worden damit, daß die Theosophen sagten: In dir ist schon der ganze Gott, in dir ist schon das Höchste vorhanden. Du brauchst nur in dich hineinzuschauen, dann erkennst du die ganze Welt!
[ 25 ] With this, we have already touched upon the sixth stage, what is called “immersion in the macrocosm.” Anyone who has come to know within themselves the relationship between the microcosm and the macrocosm has expanded their understanding to encompass the entire world. This is what lies behind the ancient saying: Know thyself! — Much harm has been done by the Theosophists’ assertion: The whole God is already within you; the Highest is already present within you. You need only look within yourself, and then you will know the whole world!
[ 26 ] Dieses Brüten in sich selber ist das törichteste Zeug, was es geben kann; dadurch lernt man nur sein niederes Ich kennen, das man schon hat. Keiner lernt dadurch mehr, als er schon hat. Wirkliche Selbsterkenntnis kommt nur auf die geschilderte komplizierte Weise zustande, und sie ist zugleich Welterkennrnis. Die wirkliche Theosophie ist nicht in der Lage, es den Menschen so bequem zu machen; sie muß sagen: In ruhiger, ernster Vertiefung müßt Ihr kennenlernen auch das komplizierteste Wesen, das es gibt. Ihr könnt den Gott nicht anders kennenlernen, als daß Ihr ihn Stück für Stück in der Welt kennenlernt. Geduld und Ausdauer gehören dazu. Im ruhigen, langsamen Fortschreiten erkennt man die Welt. Keine Formel, die allheilbringend ist, um die ganze Erkenntnis zu haben, kann Ihnen die Theosophie geben, sondern sie kann Sie nur auf den Weg verweisen, wodurch Sie zur Selbsterkenntnis und damit auch zur Welterkenntnis kommen. Dann wird dem Menschen auch die Gotteserkenntnis.
[ 26 ] This brooding within oneself is the most foolish thing imaginable; through it, one comes to know only one’s lower self, which one already possesses. No one learns more through it than what they already know. True self-knowledge comes about only through the complex process described, and it is, at the same time, knowledge of the world. True theosophy is not in a position to make things so easy for people; it must say: In quiet, serious contemplation, you must come to know even the most complex being that exists. You cannot come to know God in any other way than by getting to know Him piece by piece in the world. Patience and perseverance are part of this. It is through calm, slow progress that one comes to know the world. Theosophy cannot give you any all-encompassing formula for attaining complete knowledge, but it can only point you toward the path by which you will arrive at self-knowledge and, through that, also at knowledge of the world. Then, too, will come knowledge of God.
[ 27 ] Diese Erkenntnis, die dem Menschen auf der sechsten Stufe kommt, ist keine trockene Verstandeserkenntnis; diese Erkenntnis ist eine solche, die uns intim mit der Welt zusarmmenführt. Wer sie erlangt hat, der hat zu allen Dingen der Welt ein intimes Verhältnis, wie es der Gegenwartsmensch nur kennt in dem mysteriösen Verhältnis der Liebe zwischen Mann und Weib, was auf einer geheimen Erkenntnis des Wesens des andern Menschen beruht. Ein solches Verhältnis, wodurch Sie nicht nur begreifen, sondern verbunden sich fühlen mit allen Wesen, so wie sich heute der Liebende mit der Geliebten verbunden fühlt, das kommt Ihnen bei dem Anschauen des Makrokosmos. Sie haben dann eine intime Beziehung, eine Art Liebesverhältnis zur Pflanze, zu jedem Stein, zu allen Wesen der Welt. Es spezialisiert sich Ihre Liebe zu allen Wesen; sie sagen Ihnen etwas, was sie Ihnen sonst nur sagen, wenn Sie noch nicht heruntergestiegen sind zur Erkenntnis. Das Tier frißt das, was ihm taugt, und läßt stehen, was ihm nicht taugt; es hat ein sympathisches Verhältnis zu dem einen, ein antipathisches Verhältnis zu dem andern. Der Mensch mußte, um die heutige Erkenntnis zu erringen, das unmittelbare Verhältnis zu den Dingen verlieren; aber er wird es auf einer höheren Stufe wieder erringen. Wodurch weiß heute der Okkultist, daß die Pflanze mit der Blüte anders auf den Menschen wirkt als die Wurzel? Wodurch weiß er, daß die gewöhnliche Wurzel anders wirkt als eine Möhre? Weil die Dinge wieder so zu ihm sprechen, wie es bei den Tieren der Fall ist. Dies intime Verhältnis ist auf den niederen Stufen unter Ausschluß des Verstandesbewußtseins da; auf den höchsten Stufen wird es der Mensch bewußt wiederum haben.
[ 27 ] This insight, which comes to a person on the sixth stage, is not a dry intellectual understanding; it is an insight that brings us into an intimate connection with the world. Whoever has attained it has an intimate relationship with all things in the world, such as modern man knows only in the mysterious relationship of love between man and woman, which is based on a secret understanding of the other person’s essence. Such a relationship, through which you not only understand but feel connected to all beings, just as the lover today feels connected to the beloved, comes to you when you contemplate the macrocosm. You then have an intimate relationship, a kind of loving bond with the plant, with every stone, with all beings in the world. Your love for all beings becomes more specialized; they tell you something that they would otherwise only tell you if you had not yet descended to the level of knowledge. The animal eats what suits it and leaves what does not suit it; it has a sympathetic relationship with one thing and an antipathetic relationship with another. In order to attain today’s knowledge, humanity had to lose its direct relationship with things; but it will regain it on a higher level. How does the occultist today know that the plant with its flower affects humans differently than the root? How does he know that an ordinary root has a different effect than a carrot? Because things speak to him again in the same way they do to animals. This intimate relationship exists on the lower levels, excluding intellectual consciousness; on the highest levels, humanity will once again become conscious of it.
[ 28 ] Wenn man so weit ist, dann ist die siebente Stufe etwas, was sich von selbst ergibt. Aus allem haben Sie schon entnehmen können, daß es hier um eine Erkenntnis geht von Gemütseindrücken und Gefühlen. Es gibt hier nichts für den Menschen, was nicht in der lebendigsten Weise sein Herz bewegen würde; deshalb dürfen Sie dabei nicht unterscheiden zwischen einer ideellen und intellektuellen und spirituellen Erkenntnis. Sie zu rühren, Ihnen allerlei schöne Dinge zu sagen, das ist nicht im Sinne des Okkultisten. Der Okkultist erzählt Ihnen die Tatsachen der geistigen Welt; er würde es als schamlos empfinden, wenn er direkt an Ihr Gefühl rühren wollte. Aber er weiß, daß die Tatsachen, wenn man sie erzählt, selbst sprechen; diese selbst sollen die Gefühle erzeugen. Daher kommt für den Rosenkreuzer niemals die Person des Lehrers in Betracht. Die Lehre hat mit der Person nichts zu tun. Der Lehrer ist nur da als die Gelegenheit, damit die Tatsachen zu den Menschen sprechen. Und er wird um so richtiger sprechen, je mehr er sich zum Ausdrucksmittel für die Anschauung der höheren Welten macht. Wer noch glaubt und meint und Anschauungen hat, die ihm eigen sind, ist nicht zum okkulten Lehrer geeignet. Denn wenn nicht die Objektivität, sondern das Gefühl entscheiden würde, dann würden Sie vielleicht sagen: zwei mal zwei ist fünf!
[ 28 ] Once you have reached this point, the seventh stage follows naturally. As you have already gathered from everything said so far, this involves an understanding of emotional impressions and feelings. There is nothing here that would not move a person’s heart in the most vivid way; therefore, you must not distinguish between an ideal, intellectual, and spiritual understanding. To move you, to tell you all sorts of beautiful things—that is not the occultist’s intention. The occultist tells you the facts of the spiritual world; he would consider it shameless to try to appeal directly to your feelings. But he knows that the facts, when told, speak for themselves; they themselves are meant to evoke the feelings. Therefore, for the Rosicrucian, the person of the teacher is never a factor. The teaching has nothing to do with the person. The teacher is there only as an opportunity for the facts to speak to people. And the more he makes himself a means of expression for the vision of the higher worlds, the more accurately he will speak. Anyone who still believes and thinks and holds views that are his own is not suited to be an occult teacher. For if emotion, rather than objectivity, were to decide, then you might say: two plus two equals five!
[ 29 ] So sehen Sie, wie der Rosenkreuzer durch die verschiedenen Dinge, die er in sich auszubilden hat, allmählich sich hinauflebt in die Erkenntnis der höheren Welten. Dazu ist allerdings eine Anleitung notwendig, die aber jeder zur rechten Zeit findet, wenn er sie ernsthaft sucht.
[ 29 ] As you can see, the Rosicrucian gradually ascends to the knowledge of the higher worlds through the various qualities he must cultivate within himself. This, however, requires guidance, which everyone will find at the right time if they seek it earnestly.
[ 30 ] Sie dürfen nicht sagen, daß man bei einer persönlichen Anleitung diese sieben Stufen eine nach der andern absolviert, sondern der Lehrer greift heraus, was sich für den einen oder andern besonders eignet. Ich habe Ihnen auch die Vorstufen anführen wollen. Aus denen will ich jetzt nur zwei Dinge herausgreifen, um Ihnen zu zeigen, daß man noch anderes entwickeln muß, bevor man zu den strengeren Übungen schreitet. Da ist eines, was man von Anfang an üben muß: Konzentration, Konzentration des Gedankenlebens. Bedenken Sie einmal, wie die Gedanken in Ihnen irrlichtelieren vom Morgen bis zum Abend! Da und dorther kommen Ihnen Gedanken und ziehen Sie mit sich fort. Nun müssen Sie sich als Rosenkreuzerschüler eine Zeit aussondern, wo Sie Herr der Gedanken sind, wo Sie sich einen möglichst uninteressanten Gegenstand nehmen und darüber nachdenken. Davon werden Sie eine ungeheuer wohltuende Wirkung für sich haben. Die Zeit spielt keine Rolle; Energie, Geduld und Ausdauer sind dabei notwendig.
[ 30 ] You must not assume that, in personal instruction, these seven stages are completed one after the other; rather, the teacher selects what is particularly suitable for each individual. I also wanted to mention the preliminary stages to you. From these, I will now single out just two things to show you that one must develop other qualities before proceeding to the more rigorous exercises. There is one thing that must be practiced from the very beginning: concentration, concentration of the life of thought. Just consider how your thoughts wander aimlessly within you from morning until night! Thoughts come to you here and there and carry you away. Now, as a Rosicrucian student, you must set aside a time when you are master of your thoughts, when you take an object that is as uninteresting as possible and reflect upon it. This will have an immensely beneficial effect on you. Time is of no consequence; energy, patience, and perseverance are necessary for this.
[ 31 ] Das andere ist das, was man nennt «Positivität», die darin besteht, daß man im Leben aufsucht, was am besten durch eine persische Legende über den Christus Jesus charakterisiert wird: Als der Christus Jesus einmal mit seinen Jüngern einen Weg machte, fanden sie am Wegesrand einen krepierten Hund liegen, der schon stark in Verwesung übergegangen war. Die Jünger, die noch nicht so weit waren wie der Christus Jesus, wandten sich von dem häßlichen Anblick ab, nur der Christus Jesus blieb stehen, betrachtete sinnig das Tier und sagte: «Was für wunderschöne Zähne hat doch das Tier!»
[ 31 ] The other is what is called “positivity,” which consists in seeking out in life what is best characterized by a Persian legend about Jesus Christ: Once, when Jesus Christ was walking along a path with his disciples, they found a dead dog lying by the roadside that had already begun to decompose. The disciples, who were not yet as advanced as Jesus Christ, turned away from the ugly sight; only Jesus Christ stopped, looked meaningfully at the animal, and said: “What beautiful teeth this animal has!”
[ 32 ] Was auch immer Häßliches in der Welt ist, es gibt immer noch ein Schönes im Häßlichen, in jedem Unwahren ein Körnchen Wahres, in jedem Bösen ein Gutes. Sie brauchen gar nicht kritiklos zu werden! Man faßt das oft nur so auf, daß man nichts mehr schlecht finden dürfe und so weiter; es ist aber so gemeint, daß in jedem Häßlichen immer noch ein Körnchen Schönes ist und in jedem Bösen etwas Gutes liegt. Das treibt die höheren Kräfte der Seele herauf. Das gehört alles schon zur Vorbereitung.
[ 32 ] Whatever ugliness there is in the world, there is still beauty within the ugly, a grain of truth in every falsehood, and good in every evil. You don’t have to stop being critical! People often interpret this to mean that one must no longer find anything bad, and so on; but what is meant is that in every ugly thing there is still a grain of beauty, and in every evil there lies something good. This brings forth the higher powers of the soul. All of this is already part of the preparation.
[ 33 ] Ich hatte Ihnen zunächst eine Vorstellung geben wollen von dem Geiste, in dem die christlich-gnostische Schulung verläuft. In der Rosenkreuzerschulung finden Sie das tiefste, echteste Christentum, Sie können Christ sein im wahrsten Sinne des Wortes, trotz allem modernen Leben. Man konnte Christ im alten Stil sein, so lange es mehr Möglichkeiten gab, sich von der Welt zurückzuziehen, und so lange noch nicht die Gedankenformen in uns eingezogen waren, die uns heute so schwer machen, es zu sein. Diese aus der naturwissenschaftlichen Denkweise heraus gebildeten Vorstellungen machen es aber dem Menschen schwer, das Christentum in der ursprünglichen Form in sich aufzunehmen. Gerade die edelsten Geister sind es, die sagen: Ich kann mit dem Christentum heute nichts mehr vereinigen. — Wohl lebt die geistige Welt in unserer Umgebung, aber auch das, was die materialistische Zeit an Gedankenformen hervorbringt, lebt in uns. Wir sind immerfort umgeben von den so geprägten Gedankenformen des materiellen Lebens. So daß, wer gewissenhaft ist, sich sagen muß: Es braucht unsere Zeit ein Mittel, das sich inmitten dieser in uns einströmenden Vorstellungen bewähren kann, um uns aufrechtzuerhalten gegenüber allem, was von der Welt her in uns einfließt. — Durch die Geisteswissenschaft wird es uns gereicht. Weist man dieses Mittel zurück, will man es sich nicht aneignen, so ist man ein Egoist. Geisteswissenschaft fühlt sich als die Testamentsvollstreckerin dessen, was auch die mittelalterliche Theosophie schon gewollt hat. Sie kann aber von jedem, auch von dem verstanden werden, der mit all den berechtigten Einwänden der Naturwissenschaft bekannt ist. Jeder wird heute in der rosenkreuzerisch orientierten 'Iheosophie das finden können, was ihn zu einer Erkenntnis der Welt führt und auch zu einem Frieden der Seele, zur Sicherheit im Leben. Keine solche Erkenntnis, die bloß Theorie ist und über die man mit bloßen Gründen streiten kann, ist die Theosophie des Rosenkreuzers, sondern eine Erkenntnis, die einfließen muß in unsere ganze Kultur. Der im rosenkreuzerischen Sinne geschulte Theosoph weiß selbst alles, was sich an Einwänden erheben läßt; alle die Gegenargumente kennt er selbst. Wenn man mit Gründen dagegen streiten würde, würde es so gehen, wie es einmal Eduard von Hartmann mit seiner «Philosophie des Unbewußten» ergangen ist. Eduard von Hartmann veröffentlichte seine «Philosophie des Unbewußten». Er hatte darin über den Darwinismus und so weiter Sachen gesagt, die sich wie ein höherer Standpunkt gegenüber dem materialistischen Standpunkte der naturwissenschaftlichen Forschung ausnahmen. Da standen die Gelehrten alle gegen ihn auf, und es erschien eine Flut von Kritiken gegen diese «Philosophie des Unbewußsten». Der größte Dilettant wurde Eduard von Hartmann genannt! — Unter diesen vielen Broschüren erschien auch eine von einem Anonymus; es wurde darin die «Philosophie des Unbewußten» glänzend widerlegt mit allem, was man nur anführen konnte, wenn man das Wissen unserer Zeit beherrscht. Diese Broschüre fand überall großen Beifall. Und es sagte zum Beispiel Oscar Schmidt, der berühmte Zoologe: Schade, daß wir nicht wissen, wer diese Gegenschrift geschrieben hat, denn das ist ein Mensch, der auf der naturwissenschaftlichen Höhe seiner Zeit steht! — Und Ernst Haeckel sagte: Er nenne sich, und wir zählen ihn zu den unsrigen! — In der Tat machte diese Broschüre ein großes Aufsehen. Und es erschien eine zweite Auflage mit dem Namen des Verfassers, Eduard von Hartmann! Die Naturforscher fingen jetzt an zu schweigen, und die Sache ist auch nicht sehr bekanntgeworden. Aber sie war denn doch einmal dagewesen.
[ 33 ] I had initially wanted to give you a mental image of the spirit in which Christian-Gnostic training takes place. In Rosicrucian training, you will find the deepest, most authentic Christianity; you can be a Christian in the truest sense of the word, despite all aspects of modern life. One could be a Christian in the old style as long as there were more opportunities to withdraw from the world, and as long as the thought forms that make it so difficult for us to be Christians today had not yet taken root within us. However, these mental images, formed out of a scientific way of thinking, make it difficult for people to take Christianity in its original form into themselves. It is precisely the noblest spirits who say: I can no longer reconcile myself with Christianity today. — The spiritual world certainly lives in our surroundings, but the thought forms produced by our materialistic age also live within us. We are constantly surrounded by the thought forms of material life shaped in this way. So that anyone who is conscientious must say to themselves: Our time needs a means that can prove itself amidst these mental images flowing into us, in order to sustain us against everything that flows into us from the world. — Spiritual Science provides it for us. If one rejects this means, if one does not wish to make it one’s own, then one is an egoist. Spiritual Science sees itself as the executor of what medieval theosophy also sought. Yet it can be understood by everyone, even by those familiar with all the legitimate objections of natural science. Everyone today will be able to find in Rosicrucian-oriented theosophy that which leads them to a knowledge of the world and also to peace of soul and security in life. The Rosicrucian theosophy is not merely a theoretical knowledge that can be debated with mere arguments, but a knowledge that must flow into our entire culture. The Theosophist trained in the Rosicrucian sense knows full well all the objections that can be raised; he is familiar with all the counterarguments himself. If one were to argue against it with logical arguments, it would turn out as it once did for Eduard von Hartmann with his “Philosophy of the Unconscious.” Eduard von Hartmann published his “Philosophy of the Unconscious.” In it, he had said things about Darwinism and so on that appeared to represent a higher standpoint in contrast to the materialistic standpoint of scientific research. Then all the scholars rose up against him, and a flood of critiques appeared against this “Philosophy of the Unconscious.” Eduard von Hartmann was called the greatest dilettante! — Among these many pamphlets, one by an anonymous author also appeared; in it, the “Philosophy of the Unconscious” was brilliantly refuted with everything one could possibly cite when one has mastered the knowledge of our time. This pamphlet was met with great acclaim everywhere. And Oscar Schmidt, the famous zoologist, said, for example: It is a pity that we do not know who wrote this counter-pamphlet, for this is a person who stands at the scientific height of his time! — And Ernst Haeckel said: Let him name himself, and we will count him among our own! — Indeed, this pamphlet caused quite a stir. And a second edition was published bearing the author’s name, Eduard von Hartmann! The natural scientists now began to fall silent, and the matter did not become widely known. But it had, after all, once existed.
[ 34 ] Sie sehen, wer einen höheren Gesichtspunkt beherrscht, kann schon selbst die Gegengründe anführen; er braucht sich nur auf einen andern Standpunkt herunterzuschrauben. Und auch wir hätten, wenn wir Zeit dazu gehabt hätten, einige solcher Gegengründe anführen können. Aber es war wichtig, wegen der Kürze der Zeit, daß wir das mitgeteilt erhielten, was die Geistesforschung schon heute zu verkünden vermag über die Tatsachen der höheren Welt. Worauf es ankommt, ist, daß die Sachen heilsam auf den Menschen wirken können, und daß die Geisteswissenschaft zu zeigen vermag, wie sie sich immer mehr und mehr in alle Zweige des menschlichen Lebens eingliedern und sie befruchten kann. Und wenn sie befruchtend und gesundend wirken wird, dann wird sie durch eine solche Tatsache den besten Beweis für ihre Berechtigung gebracht haben. Dies soll auch der Beweis sein, den die Geisteswissenschaft sucht. Deshalb bleibt der Theosoph ziemlich unerschrokken, wenn die Leute heute noch sagen: Alles das ist nur Phantastik! — Es ist ja immer alles das, was zum Segen der Menschheit geworden ist, einst als Phantastik angesehen worden. Ein Beispiel dafür aus den letzten vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts: Da gab es noch nicht unsere gewöhnliche Postmarke. Die Postmarke ist ja erst Ende der vierziger Jahre von einem gewissen Hill — eigentlich von einem Dilettanten — erfunden worden. Derjenige nun, der sie im Parlament zu vertreten hatte, hat eine merkwürdige Rede gehalten. Erstens, sagte er, kann das gar nicht sein, daß der Verkehr in einer solchen Weise zunimmt, wie dieser Mensch das ausrechnet, und wenn das der Fall wäre, dann würde man ja das Gebäude größer machen müssen! — Was heute als ganz selbstverständlich erscheint: daß man auch das Gebäude vergrößert, wenn der Verkehr zunimmt, ist so abgespeist worden. Ein anderes: Als die erste Eisenbahn gebaut werden sollte, hat man in Bayern das Medizinalkollegium darüber befragt. Da haben die Herren gesagt, man sollte keine Eisenbahn bauen, denn das würde für die Menschen, die da fahren, die furchtbarsten Folgen für ihr Nervensystem haben. Wenn man aber schon eine Eisenbahn baue, dann müsse man hohe Bretterwände herumbauen, damit die andern keine Gehirnerschütterung davon bekämen!
[ 34 ] You see, anyone who has mastered a higher perspective can already present the counterarguments themselves; they need only lower themselves to a different point of view. And we, too, if we had had the time, could have presented some such counterarguments. But given the limited time, it was important that we be informed of what spiritual research is already able to reveal today regarding the realities of the higher world. What matters is that these insights can have a healing effect on people, and that Spiritual Science is able to demonstrate how they can increasingly integrate into and enrich all branches of human life. And if it has a fertilizing and healing effect, then by that very fact it will have provided the best proof of its validity. This is also the proof that Spiritual Science seeks. That is why the theosophist remains quite undaunted when people still say today: All of this is just fantasy! — After all, everything that has become a blessing to humanity was once regarded as fantasy. An example of this from the last four decades of the 19th century: At that time, our ordinary postage stamp did not yet exist. The postage stamp was, after all, only invented at the end of the 1840s by a certain Hill—actually an amateur. The person who had to defend it in Parliament gave a curious speech. First, he said, it cannot possibly be that traffic is increasing in the way this man calculates, and if that were the case, then one would have to make the building bigger! — What seems completely self-evident today—that one also enlarges the building when traffic increases—was dismissed in this manner. Another example: When the first railroad was to be built, the Medical Council in Bavaria was consulted on the matter. The gentlemen said that no railroad should be built, because it would have the most terrible consequences for the nervous systems of the people riding it. But if a railroad were to be built, then high wooden walls would have to be erected around it so that others wouldn’t suffer concussions from it!
[ 35 ] Man hat alles als etwas Phantastisches angesehen, als es zum ersten Male auftrat. Aber Geisteswissenschaft muß, wenn sie Lebenstatsache werden will, unmittelbar eindringen in das, was uns täglich umgibt. Wenn sie eine Kraft werden wird, die unser ganzes Leben beflügelt, die in unser alltäglichstes Tun und Wirken eindringt, dann erst hat sie sich als Tatsache bewährt. Von diesem Gesichtspunkt geht die Rosenkreuzertheosophie aus, und von diesem Gesichtspunkte aus bitte ich Sie alles das aufzufassen, was in diesen Vorträgen gesagt worden ist. In der Zukunft wird sie sich zu etwas ausgestalten können, was auf die schöpferischen Kräfte des Menschen wirkt und ihm neue Impulse geben wird auf den Gebieten der Heilkunde und Erziehung, der Kunst und des höheren Wissens, was auf alle Zweige des Lebens beseelend und belebend einströmen wird.
[ 35 ] Everything was regarded as something fantastical when it first appeared. But Spiritual Science, if it is to become a fact of life, must penetrate directly into what surrounds us daily. Only when it becomes a force that inspires our entire life, that penetrates our most everyday actions and activities, will it have proven itself as a reality. Rosicrucian theosophy proceeds from this point of view, and it is from this perspective that I ask you to understand everything that has been said in these lectures. In the future, it will be able to develop into something that acts upon the creative powers of the human being and will give him new impulses in the fields of medicine and education, art and higher knowledge, which will flow into all branches of life, animating and enlivening them.
[ 36 ] Von diesem Gesichtspunkte aus werden solche Vorträge gehalten, und von diesem Gesichtspunkte aus bitte ich Sie, sie aufzunehmen.
[ 36 ] It is from this perspective that such lectures are given, and it is from this perspective that I ask you to listen to them.
