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The Rudolf Steiner Archive

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Menschheitsentwickelung und Christus-Erkenntnis
GA 100

23 Juni 1907, Kassel

>Theosophie und Rosenkreuzertum VIII

[ 1 ] Heute will ich Ihnen noch einige Ergänzungen geben zur Frage der Wiederverkörperung und des Karma. Und dann möchte ich zu der Besprechung der Entwickelung unserer Erde selbst übergehen, weil wir erst durch eine solche Betrachtung genau begreifen werden die wahre Natur des Menschen, so wie diese uns entgegentritt im Zusammenhang mit den Weltenverhältnissen. Zum Abschluß bringen will ich diesen Vortragszyklus dadurch, daß wir zusammen betrachten, wie der Mensch sich entwickelt, wenn das Ziel seines Strebens die Anschauung der höheren Welten ist. Um in die geistigen Welten einzudringen, werden wir also zu betrachten haben: erstens die vorchristliche Schulung, zweitens die christliche Schulung, drittens die Rosenkreuzerschulung.

[ 2 ] Was noch zu sagen ist über die Wiederverkörperung, sollte für ein besonderes Kapitel aufgespart werden, weil es für Anfänger am schwierigsten zu begreifen ist. Was wir zu besprechen haben, bezieht sich zunächst auf die Zeit, die zwischen zwei Verkörperungen liegt. Es ist ja das schon an und für sich eine Frage, die das materialistische Denken unserer Zeit schockiert.

[ 3 ] Die eine Wissensquelle, die dem Geistesforscher zu Gebote steht, kann ja derjenige, der noch nicht das geistige Schauen hat, nicht nachprüfen: das ist das Erlebnis. Wer aber die Schulung, die wir noch zu besprechen haben werden, auf sich anwendet, ist wohl imstande zu erforschen, wann die Mehrzahl der gegenwärtig lebenden Menschen zuletzt in ihrer vorigen Verkörperung hier auf der Erde war. Dann werde ich noch die Mittel zu besprechen haben, welche in der chaldäischen, in der pythagoreischen und in allen Geheimschulen der vorchristlichen Zeit üblich waren, um den Menschen den Eintritt in die geistige Welt zu ermöglichen.

[ 4 ] Alle, die hineinschauen können in die Verhältnisse der geistigen Welten, die also den Menschen zurückzuverfolgen vermögen in seine vorherigen Verkörperungen, werden die Mehrzahl aller jetzt lebenden Menschenseelen in der ersten Zeit nach Christi Geburt bis in das 8. und 9. Jahrhundert entdecken. Das sind aber alles Durchschnittsverhältnisse; ebenso kann die Zeit zwischen zwei Verkörperungen auch kürzer oder länger dauern.

[ 5 ] Mit der Tatsache, die ich eben erwähnt habe, hängt eine andere zusammen, die in unserer Zeit besonders stark hervorgetreten ist. Es ist die Tatsache, daß gerade in unserer Gegenwart so ungewöhnlich radikale Denker leben, welche die Gleichheit fordern. Es ist dies nichts anderes als die auf das materielle Gebiet übertragene Ausprägung der Gleichheitsforderung in den ersten christlichen Jahrhunderten, die da hieß: Gleichheit vor Gott und Gleichheit vor den weltlichen Mächten.

[ 6 ] Nun sind viele von denjenigen Menschen, die in den ersten christlichen Jahrhunderten diese Gleichheitsforderungen aufgestellt haben und die damals mit diesen nichterfüllten Forderungen durch die Pforte des Todes gegangen sind, die also alle diese Sehnsuchten nach Gleichheit vor Gott und den weltlichen Mächten in ihrer Seele mitgenommen haben in die geistige Welt, gerade jetzt wiederverkörpert, und sie bringen ganz selbstverständlich ihre Einstellung zu diesen Forderungen - nun aber in metamorphosierter Form, der heutigen materialistischen Weltanschauung entsprechend — wieder mit. Die jetzt Wiederverkörperten übersehen also den ganz materialistischen Einschlag, den diese Forderung in unserer Zeit erhalten hat. Es ist nicht richtig, wenn man glaubt, oder behaupten würde, der heutige Freiheitssinn stamme vom Christentum her.

[ 7 ] Diese Umsetzung der Forderung einer Gleichheit vor Gott und den weltlichen Mächten in die heutige Forderung der Gleichheit in allen irdischen Verhältnissen kann einzig und allein in das richtige Fahrwasser gebracht werden durch das Überschauen des wahren Zusammenhangs, wie er uns durch die theosophische Weltanschauung ermöglicht wird. Wer aber den wahren Zusammenhang überschaut und zugleich hinsieht auf das, was als materialistische Weltanschauung heute die Menschen beherrscht, der sieht ohne weiteres ein, daß die Gleichheitsforderung in der Form, wie sie heute von den radikalen Denkern der Gegenwart aufgestellt wird, etwas ist, was ganz naturgemäß einmal auftreten mußte. Aber ebenso wahr ist es, daß sich die Menschen von nun an wieder erheben müssen aus dem Materialismus zum Spiritualismus. Nur dann wird erst wieder eine Gesundung der sozialen Verhältnisse eintreten können. Es gibt kein anderes Heilmittel dafür, als eben die Geisteswissenschaft selbst.

[ 8 ] In Heft 30, 32, 34 der Zeitschrift «Lucifer-Gnosis» ist diese Frage genauer besprochen. Es wird da gezeigt, wie alle andern Mittel, die von noch so hochstehender Seite zur Lösung der sozialen Frage angepriesen werden, leiden unter dem Dilettantismus, weil eben die heutigen Menschen nichts wissen von den höheren Welten. Würden die heutigen sozialen Denker sich nur ein wenig inspirieren lassen von der Theosophie, dann würden sie erst wirklich wirksame Mittel finden, dieser Frage näherzutreten, Ebenso wahr, wie daß die Menschheit heruntersteigen mußte aus einer spirituellen Vergangenheit in den Materialismus, so wahr ist es, daß sie wieder hinaufsteigen muß zum Spirituellen. Erst aus dieser spirituellen Weltanschauung wird dasjenige kommen, was Harmonie, Frieden und Liebe gibt. So wird auch hier wieder die Theosophie im eminentesten Sinne praktisch sein.

[ 9 ] Nun werde ich zu zeigen haben, wie die mit Hilfe der hellseherischen Beobachtung gewonnene Anschauung über den Entwickelungsgang der Menschheit uns zurückführt zu den Ereignissen, die zwischen Tod und Wiedergeburt liegen.

[ 10 ] Ich habe schon gesagt, daß der Mensch nicht umsonst immer wieder und wieder auf dieser physischen Erde erscheint. Wir haben ja den Grund darin gefunden, daß er bei jeder neuen Inkarnation ganz neue Verhältnisse auf der Erde antrifft, und daß aus jedem neuen physischen Leben immer neue Früchte für die Zukunft gezogen werden, weil sich eben die Erde sowohl in kultureller Beziehung wie auch in bezug auf die rein äußere Natur jedesmal verändert hat. Jedesmal ist das Antlitz der Erde vollkommen anders geworden, wenn sie der Mensch bei einer neuen Inkarnation betritt.

[ 11 ] Nun hängt die Umwandlung unserer Erde nach chaldäischer Anschauung zusammen mit dem Verhältnis der Sonne zu den andern Gestirnen. Genaueres darüber finden Sie in manchen Vortragszyklen. Ich kann jetzt nur kurz darauf hinweisen.

[ 12 ] Wenn Sie achtgeben würden, wie es am Himmel aussieht, wenn die Sonne im Frühlingsanfang aufgeht, wenn Sie beobachten würden den Ort, an dem sie aufgeht, was sonst dort für Verhältnisse noch sind in der Gestirnenwelt, dann würden Sie sehen, daß diese Beziehung der Sonne zu den andern Gestirnen in jedem Frühjahr anders ist. Der Frühlingspunkt rückt jährlich weiter, so daß in zirka 26000 — 25920 Jahren dieser Frühlingspunkt an demselben Punkt wieder ankommt, wo er vor 26000 Jahren war - ein Kreislauf. Das ist aber nur scheinbar der Fall: in Wirklichkeit ist es kein Kreis, der da von der Sonne beschrieben wird, sondern eine Spirale. Man bestimmte nun diesen Frühlingspunkt nach dem Sternbild, welches mit diesem Punkt zusammentrifft. Die Sonne beschreibt also einen Kreis um den Himmel, der durch die zwölf Sternbilder bezeichnet wird. Sie rückt jedes Jahr ein Stückchen weiter und geht so durch alle zwölf Sternbilder hindurch innerhalb von 26000 Jahren.

[ 13 ] So ging die Sonne etwa 800 vor Christus zuerst auf im Sternbilde des Widders; und da der Durchgang der Sonne durch alle Tierkreiszeichen zirka 26000 Jahre braucht, hat sie zum Durchlaufen eines Zeichens den zwölften Teil, also 2200 Jahre nötig. Und mit dem Vorrücken dieses Frühjahrspunktes hängt wirklich die Veränderung im Antlitz unserer Erde zusammen. Also nach einem solchen Zeitraume von etwa 2200 Jahren hat sich das Antlitz der Erde so weit verändert, daß ganz andere Verhältnisse eingetreten sind; deshalb ist dies auch der Zeitraum, in dem der Mensch durchschnittlich zu einer neuen Verkörperung schreitet. Und so verhält es sich auch nach den Beobachtungen der Geheimwissenschaft. Die alten Völker haben mit dem Aufgehen der Sonne im Frühlingspunkt des Widders immer ein deutliches Gefühl verbunden, das sich so umschreiben läßt: Da sendet uns aus dem Sternbild des Widders heraus die Sonne zum ersten Male wieder die Strahlen, welche die Pflanzen aus der Erde hervorzaubern. — Es ist ihnen, als ob das Sternbild des Widders diese Strahlen brächte, und deshalb wurde diesem Sternbild Verehrung entgegengebracht. Gewisse heilige Gefühle hängen zusammen mit der Namengebung dieser Sternbilder. Der Widder sendet Kräfte der Frühlingssonne; daher sahen dieVölker der damaligen Zeit im Lamme ein Symbol für diese Kräfte der Wiederbelebung der Natur und Menschenseele. Daran knüpfen sich manche Sagen, so zum Beispiel die von Jason, der das Goldene Vlies holt, das etwas ungeheuer Kostbares für die Menschheit bedeutet. Diese Verehrung des Widders, beziehungsweise des Lammes, beherrscht viele Jahrhunderte und wird vom Christentum übernommen. Deshalb war ursprünglich beim Kruzifix an Stelle des Christus am Kreuz ein Lamm zu sehen. Und deshalb nannte man Christus «das Lamm Gottes».

[ 14 ] Wenn dem so ist, so müßte also, da erst seit dem 8. Jahrhundert vor Christo die Frühjahrssonne im Zeichen des Widders aufgegangen ist, vorher eine andere Verehrung dagewesen sein; vorher hat die Frühlingssonne ihren Aufgangspunkt vom Sternbild des Stieres genommen. Und tatsächlich wurde vor dem 8. Jahrhundert vor Christi Geburt an Stelle des Lammes der Stier verehrt. Diese Verehrung liegt dem Tempeldienst des Apis in Ägypten zugrunde und dem persischen Mithrasdienst. Noch etwa 2200 Jahre früher ging die Sonne durch das Sternbild der Zwillinge, und auch dies Symbol hat eine Rolle gespielt in jenen uralten Kulturen, die vorangingen. Die uralte persische Religion geht in Ormuzd und Ahriman auf diesen Kult zurück.

[ 15 ] So sehen wir, wie die alten Völker wichtige Vorstellungen mit diesem Durchgang der Sonne durch die einzelnen Sternbilder verknüpft haben. Und dies hängt dann auch wieder zusammen mit der Wiederverkörperung des Menschen zu einer bestimmten Zeitepoche, nach Ablauf von durchschnittlich etwa 2200 Jahren. Weil es aber einen großen Unterschied macht, ob der Mensch auf dieser Erde in einer solchen Epoche als Mann oder Frau verkörpert wird, so wird die Berechnung der einzelnen Inkarnationen etwas komplizierter. Die Erlebnisse, die der Mensch in einer Verkörperung als Mann oder als Frau hat, sind so verschieden, daß er sich zweimal während einer solchen Epoche verkörpern muß, einmal als Mann und einmal als Frau; so daß also auf den ungefähren Zeitraum von zwei Jahrtausenden zwei Verkörperungen erfolgen, in Wirklichkeit also nur 1100 bis 1200 Jahre zwischen zwei Verkörperungen liegen. Deshalb ist es auch im Durchschnitt richtig, daß eine männliche und eine weibliche Inkarnation abwechseln. Ausnahmsweise aber können auch einmal hintereinander mehrere Inkarnationen im selben Geschlechte folgen - die größte Zahl, die beobachtet worden ist, war sieben -; dann aber wechselt das Geschlecht. Das sind jedoch Ausnahmen; in der Regel wechseln die Geschlechter in den aufeinanderfolgenden Inkarnationen ab.

[ 16 ] Das ist es also, was über die Zeit, die zwischen zwei Verkörperungen liegt, zu sagen wäre. Sie ist aber außerdem noch von manchem andern abhängig, und nicht allein vom Menschen selber. So kann zum Beispiel der Fall eintreten, daß eine bestimmte Individualität gerade für die Verhältnisse auf der Erde in einem besonderen Zeitpunkt paßt, um eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. In diesem Falle kann sie sehr wohl von den höheren Mächten in die Verkörperung hineingezogen werden, ehe die normale Zeit um ist; sie wird heruntergeholt, weil sie eben ihrer ganzen Veranlagung nach gerade geeignet ist, eine bestimmte Mission zu erfüllen. Namentlich gehören hierher die großen Führer der Menschheit. Nur gleicht sich das aus im ganzen Verlaufe des Menschenlebens, so daß dann später ein um so längeres Leben im Devachan folgt.

[ 17 ] Das andere, was noch zu sagen wäre, ist, daß es eine Art Gegenstück gibt zu jenem Erlebnis, von dem ich gesagt habe, es fände unmittelbar nach dem Tode statt, wo der Mensch auf sein verflossenes Leben wie auf ein Tableau zurückschaut. Dies Gegenstück ist eine Art Vorschau auf das folgende Erdenleben.

[ 18 ] Vergegenwärtigen wir uns erst noch einmal, wie im Augenblick des Todes die Rückschau zustande kommt. Sie wissen ja, daß der Ätherleib die beiden Hauptaufgaben hat, einmal alle Lebensfunktionen des physischen Körpers anzuregen, das heißt, die Substanz des physischen Körpers dauernd vor dem Zerfall zu schützen und den Aufbau dieser Substanz zu regeln; dann aber bildet der Ätherleib den Sitz des Gedächtnisses. Wenn nun der Ätherleib im Augenblick des Todes den physischen Leib verläßt, ist er somit dieser ersten Hauptaufgabe enthoben, und in demselben Augenblick tritt die zweite Eigenschaft besonders stark hervor, nämlich das Gedächtnis an alles, was der Mensch in seinem verflossenen Leben erfahren hatte. Und das ist eben das Lebenstableau. In diesem Augenblick besteht also die Wesenheit des Menschen nur aus Ätherleib, Astralleib und Ich.

[ 19 ] Beim Eintritt in eine neue Verkörperung ist es nun so: Das Ich steigt aus der geistigen Welt herab, mit allen bis dahin erworbenen unvergänglichen Extrakten sowohl des Ätherischen als des Astralen. Zunächst zieht es naturgemäß alle astralen Qualitäten zu seinem neuen Astralleibe zusammen, die seiner bisherigen Entwickelung entsprechen, und dann erst in derselben Weise die ätherischen Qualitäten. Alles das spielt sich ab in den ersten Tagen nach der Empfängnis, und erst vom achtzehnten bis zwanzigsten Tag darnach arbeitet der neue Ätherleib selbständig an der Entwickelung des physischen Menschenkeimes, während vorher der Ätherleib der Mutter das vollzieht, was später vom Ätherleib zu besorgen ist. Erst mit diesem achtzehnten bis zwanzigsten Tag nach der Empfängnis nimmt sozusagen die Individualität, die sich da verkörpern will und die bis dahin ihr Ich mit einem neuen Astralleib und Ätherleib umkleidet hat, Besitz von dem bis dahin von der Mutter gebildeten physischen Leibe.

[ 20 ] In dem Augenblick, ehe diese Besitzergreifung erfolgt, besteht also die menschliche Wesenheit genau aus denselben Wesensgliedern wie in dem Augenblick des Todes; im letzteren Falle hat sie gerade den physischen Leib in jenem Augenblick abgeworfen, im ersteren Falle den physischen Leib noch nicht aufgenommen. Daraus wird Ihnen leicht verständlich sein, wie im Moment, da der Mensch seinen neuen physischen Leib betritt, etwas Analoges zu dem Moment auftritt, wo er diesen ablegt. In diesem Augenblick hat der Mensch dann eine Art Vorschau über sein kommendes Leben, so wie er im Augenblick des Todes eine Rückschau auf das verflossene Leben hatte. Diese Vorschau aber vergißt der Mensch, weil die Konstitution seines physischen Leibes noch nicht geeignet ist, diese Vorschau gedächtnismäßig zu behalten.

[ 21 ] In diesem Augenblicke nun kann der Mensch sehen: So sind die Familien-, so sind die Landes-, so die Orts- und die Schicksalsverhältnisse, in die ich da hineingeboren werde. — Und da kommt zuweilen die Tatsache vor, daß der Mensch, wenn er in diesem Moment der Vorschau erfahren hat, daß ihm Schlimmes bevorsteht, einen Schock bekommt, einen Schreck über das ihm bevorstehende Leben, und daß sich dann der Ätherleib nicht ordentlich vereinigt mit dem physischen Leib, nicht in ihn hinein will. Und dann treten im Leben die Folgen eines solchen Schreckens — dieses Nichtwollen des Ätherleibes, ordentlich in das Physische hineinzugehen — einem entgegen in der Form von Idiotie. Der geistig Schauende kann bei solchen Menschen den Ätherleib hinausragen sehen über den physischen Kopf. Und durch dieses Nichteingegliedertsein des Ätherleibes bleibt das Gehirn in seiner Entwickelung zurück, weil der Ätherleib nicht ordnungsgemäß am Gehirn arbeitet. Viele Fälle der heutigen Idiotie sind derartig veranlaßte Fälle.

[ 22 ] Und daß gerade die heutige Zeit ganz besonders leicht Fälle dieser Art zeitigt, ist ja sehr begreiflich, wenn man bedenkt, daß die Mehrzahl der heute wiederverkörperten Menschen ihre vorige Inkarnation durchgemacht haben etwa im 9. bis 11. Jahrhundert nach Christo. Man kann nun, wenn man eine Art physischer Behandlung anwendet, den Ätherleib so beeinflussen, daß er sich nach und nach in den physischen Leib hineinschiebt, und man kann dadurch die Verhältnisse bessern. Das ist aber nur einem Menschen möglich, der den Tatbestand in seiner geistigen Ursache durchschauen und in der richtigen Weise dann eingreifen kann.

[ 23 ] Aus den vorangegangenen Betrachtungen wissen wir nun, daß der Mensch seiner Gesamtheit nach zusammengesetzt ist aus dem physischen Leibe, aus dem Ätherleibe, dem Astralleibe und dem Ich. Alle diese Glieder sind nicht bloß so ineinandergeschachtelt, sondern sie durchdringen sich alle und wirken aufeinander ein. So wirken alle auch auf den physischen Leib und arbeiten an diesem so mit, daß er sich in einer solchen Weise entwickeln kann, wie er sich zu entwickeln hat. Wenn Sie einen Menschen vor sich haben, so sehen Sie, wenn Sie eben noch nicht Ihre höheren Wahrnehmungsorgane ausgebildet haben, nur den physischen Leib. Aber dieser physische Leib erscheint Ihnen nur deshalb so, wie er ist, weil eben in ihn hineingegliedert sind Ätherleib, Astralleib und Ich, und weil diese alle in ihrer Weise mitgearbeitet haben an der Ausbildung jenes physischen Leibes. Doch sind die physischen Organe dieses Menschenleibes nicht chaotisch von den drei höheren Gliedern aufgebaut worden, sondern wir können ganz genau unterscheiden, wie sich diese drei höheren Glieder an diesem Aufbau des physischen Leibes beteiligen. Versuchen wir uns ein Bild davon zu machen.

[ 24 ] Zunächst haben wir also an diesem physischen Leibe das, was in gewisser Beziehung rein physikalische Organe sind. Das sind diejenigen, welche zu ihrer Grundlage rein physikalische Gesetze haben, also Augen, Ohren, Kehlkopf und so weiter. Das Auge ist ja gewiß ein lebendiges Organ und erhält sein Leben von dem es durchdringenden und ernährenden Ätherleibe; aber vom rein physikalischen Standpunkte aus betrachtet ist es ein physikalischer Apparat, in dem dieselben Kräfte walten wie in der unorganischen Natur, zum Beispiel im Kristall. Wir können also die Wirkungen des Auges nach rein physikalischen Gesetzen betrachten. Diese Sinnesapparate müssen sich zunächst einmal herausarbeiten aus dem physischen Leibe. Es sind eben jene Organe, die wir im engeren Sinne als aufgebaut von physischen Kräften nach physikalischen Gesetzen erkennen. Dann haben wir eine zweite Gruppe von Organen: das sind die Ernährungs-, Wachstumsund Fortpflanzungsorgane, welche in der Drüsentätigkeit gipfeln. An der Bildung dieser Organe ist im wesentlichen der ÄÄtherleib beteiligt. Dann haben wir als dritte Gruppe das Nervensystem, das im besonderen aufgebaut wird durch den Astralleib. Viertens haben wir dasjenige, was im besonderen das rote Blut der höheren Tiere und des Menschen ist: das rote, warme Blut wird vom Ich aufgebaut.

[ 25 ] So haben wir also erstens: die eigentlich physikalischen Teile, die Sinnesorgane, allerdings später auch das rein mineralische Knochensystem, das aufgebaut wird vom physischen Leibe selber; zweitens: das Drüsensystem, Fortpflanzungsorgane und so weiter, das wird aufgebaut vom Ätherleib; drittens: das Nervensystem wird aufgebaut vom Astralleib; viertens: das Blutsystem wird aufgebaut vom Ich. Wir werden das noch viel genauer verstehen, wenn wir noch mehr die Entwickelung der Erde selbst betrachten.

[ 26 ] Sie müssen sich klar sein, daß das Gesetz von der Wiederverkörperung auf die ganze Welt anwendbar ist und nicht nur auf den Menschen. Ich bin jetzt da und lebe; ich bin die Wiederverkörperung meines früheren Zustandes. Aber nicht nur ich selbst als menschliches Wesen, sondern in gewisser Weise ist es auch so mit allem andern, was den Weltenraum erfüllt, und so unter anderem mit dem Planeten selbst. Ebenso wie wir selbst die Wiederverkörperung früherer Individualitäten sind, so ist auch unter anderem unsere Erde die Wiederverkörperung eines früheren planetarischen Zustandes.

[ 27 ] Man kann nun nicht bis ins Unendliche nach vor- und rückwärts diese Wiederverkörperungen unserer Erde verfolgen; weiter als bis zu einer gewissen Verkörperung nach vor- und rückwärts kann selbst der beste Hellseher nicht schauen, da ja auch für ihn noch Grenzen der Erkenntnis bestehen. Es kann der Hellseher bis auf drei Verkörperungen unserer Erde zurückschauen, und ebenso kann er auch noch die drei nachfolgenden überschauen, so daß er, den heutigen Erdenzustand miteingerechnet, sieben Verkörperungen überschaut.

[ 28 ] Manchen Menschen, die das zum erstenmal hören, kommt es vielleicht etwas abergläubisch vor, daß der geistig Schauende sozusagen gerade in die Mitte dieser Entwickelung die Erde setzt, und man könnte sagen, das wäre absonderlich eingerichtet. Aber so kann man nur bei oberflächlicher Beurteilung sprechen; denn es ist dies ebensowenig absonderlich, als daß ich auf freiem Felde überallhin gleich weit sehe und ich mich selbst im Mittelpunkt des Horizontes befinde. Wir stehen ja auch in der angegebenen Siebenteilung des Menschen mit dem Ich in der Mitte drin: physischer Leib, Ätherleib, Astralleib, Ich, Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch. Das beruht ja auf demselben Gesichtspunkte.

[ 29 ] Auch dasjenige, was ich über die planetarische Entwickelung unserer Erde zu sagen habe, wird manchen wundern und ihm merkwürdig vorkommen.

[ 30 ] Unsere Erde hat sich also aus einem früheren Planeten entwickelt. Dieser Planet, aus dem unsere Erde hervorgekommen ist, steht nicht mehr am Himmel. Aber ein Stück noch von dem, was einstmals war, ist der jetzige Mond; er stellt dar ein Stück von dem Vorgänger unserer Erde. Wenn Sie also die heutige Erde und den heutigen Mond und alles, was an geistigen Wesenheiten auf ihnen lebt, miteinander mischen würden, dann erhielten Sie ungefähr ein Bild der vorhergehenden Verkörperung der Erde, die der Okkultist Mond nennt. Nun müssen Sie bedenken, daß eine derartige Hypothese lediglich aufgestellt wird, um Ihnen den Vorgang in einer leichter verständlichen Weise begreiflich zu machen, daß sie aber, wie alle Hypothesen, selbstverständlich nicht ganz stimmt. Wenn jemand die heutige Erde und den heutigen Mond zusammenrühren würde, wie man etwa in einer Retorte im chemischen Laboratorium zwei Substanzen vermengt, dann würde in Wirklichkeit noch lange nicht der damalige Mond entstehen. Denn Sie müssen dabei wohl bedenken, daß seit dem Moment, wo sich Erde und Mond voneinander getrennt haben, sich beide Weltenkörper, jeder in seiner Art, seit dieser Zeit weiterentwickelt haben. So hat sich zum Beispiel in diesem Erdenkörper seit Beginn dieser unserer heutigen Erdenentwickelung erst das herausgeformt, was wir die feste Substanz, das Mineralreich nennen. Mineral im heutigen Sinn gab es vor Beginn unserer Erdenentwickelung nicht.

[ 31 ] Bei dem Zusammenrühren von Erde und Mond müßte man sich also zugleich alles das wegdenken, was sich in der Folgezeit so entwickelt hat. Die alte Mondmasse hatte noch nichts in sich von mineralischer Substanz. Sie hatte es in ihrer Konsistenz nur bis zum Flüssig-Breiartigen gebracht. Eine solche Hypothese ist, wie gesagt, deshalb aufgestellt, um Menschen, die noch nie etwas von der planetarischen Entwickelung unserer Erde und unseres gesamten Kosmos gehört haben, die Sache einigermaßen begreiflich zu machen. Zu einem tieferen Verständnis dieser Entwickelung gehört noch ungeheuer viel mehr, das aber in einem solchen Einführungszyklus nicht berührt werden kann, das nach und nach durchgenommen wird. Es wird dann immer und immer wieder diese Entwickelung von einem neuen Gesichtspunkt aus vervollständigt und beleuchtet werden.

[ 32 ] Ehe die Erde nun diesen alten Mondenzustand durchgemacht hat, war sie in einem solchen, den der Okkultist als «Sonne» bezeichnet. Da hat unsere Erde ähnliche Zustände durchgemacht, wie sie heute noch auf der Sonne vorhanden sind. Und wenn wir da dieselbe Annahme machen wollten, dann würde es noch etwas komplizierter. Wenn Sie nämlich den Zustand sich veranschaulichen wollten, dann müßten Sie Erde, Mond und Sonne verrühren, und dann würden Sie damit einen einzigen Weltenkörper bekommen als den vormaligen Sonnenzustand, aber auch wieder mit derselben Einschränkung wie oben beim Monde. Diese damalige Sonne hat also im weiteren Verlaufe ihrer Entwickelung alle Wesensteile, Kräfte und Substanzen der heutigen Erde und des heutigen Mondes aus sich herausgesetzt, abgestoßen, und ist damit aus einem Planeten ein Fixstern geworden. Unsere Erde wird auch einmal Sonne, wenn sie alle ihreWesen zu Lichtwesen gemacht haben wird.

[ 33 ] Unsere Erde war also vorher Mond, und der war vorher Sonne. Und dann kann der Mensch noch auf einen weiteren Entwickelungszustand zurückblicken, der im Okkultismus mit Saturn bezeichnet wird. So daß wir von den vorhergehenden Entwickelungszuständen unserer Erde zu unterscheiden haben: Saturn-, Sonnen-, Mondenzustand, sowie Erdenzustand, und in Zukunft werden folgen: Jupiter-, Venus-, Vulkanzustand.

[ 34 ] Nun könnte ja jemand sagen: Du erzählst uns da, daß die Erde früher einmal Saturn gewesen sei, und es steht doch noch heute der Saturn am Himmel? — Aber der Saturn, der früher unsere Erde war, der hat nichts zu tun mit dem Weltenkörper, der heute als Saturn am Himmel steht. Es soll damit nicht etwa gesagt sein, daß die Wesen, die heute hier auf der Erde sind, früher einmal auf dem Saturn gewesen wären, der da oben am Himmel steht. Der heutige Saturn hat nur insofern etwas zu tun mit dem damaligen Saturnzustand, wie das beim Mond vom Mondenzustand angedeutet worden ist. Was sich da als heutiger Saturn zeigt, das hat nach dieser urfernen Zeit auch wieder seine Weiterentwickelung durchgemacht, und der frühere Saturn verhält sich zu dem heutigen Saturn etwa wie das Baby zum Greis. Der Saturn von heute war auch einmal in einem solchen Zustand wie der frühere Saturn, genau wie der Greis ja auch einmal ein Baby war. Ebenso ist es mit der Sonne und den andern Weltenkörpern. Und wenn heute der Geistesforscher nach dem Jupiter blickt, findet er auf dem Jupiter Zustände und Wesenheiten, wie sie die Erde einst haben wird, wenn sie einmal selbst Jupiter geworden sein wird.

[ 35 ] Diese Lehre rührt her von den ältesten Eingeweihten, und immer wieder haben die Eingeweihten ihren Schülern diese Entwickelung eingeschärft.

[ 36 ] Nun ist ja unsere Sprache in denjenigen Teilen, in denen sie auf die ältesten Zeiten zurückgeführt werden kann, von Eingeweihten geschaffen. Ich kann das in einem solchen Einführungszyklus nicht ausführlich darlegen, weil uns das zu weit vom Thema ableiten würde. Aber es war eben in alten Zeiten, als die Eingeweihten noch die Sprachbildung bestimmten, die Sprache etwas anderes. Heute zum Beispiel sucht man wohl einen Namen, der vielleicht noch nicht vergeben ist, der aber ohne irgendwelche tiefere Bedeutung ist. Früher dagegen geschah die Namengebung mit einer tiefen Bedeutung aus den inneren Verhältnissen heraus. So wollte man denn eine Art Denkmal aufbauen als Erinnerung an den Entwickelungsgang der Erde durch alle diese Zeiträume und planetarischen Zustände hindurch. Man hat sozusagen eine Zeittafel geschaffen, so daß sich die Menschheit immer erinnern soll an die Zeitphasen. Wenn wir aber diese Tafel verstehen sollen, dann müssen wir noch etwas anderes wissen.

[ 37 ] Aus der obigen Skizze ersehen Sie, daß diese Erde vor ihrem Erdendasein ein Saturn-, Sonnen- und Mondendasein durchlaufen hat. Bevor aber die Erde die jetzige Erde geworden ist, das heißt also beim Übergang vom Mondendasein zum heutigen Erdendasein, da stand diese Erde unter dem starken Einfluß eines andern Weltenkörpers, nämlich unter dem Einfluß des Mars. Gerade zu Beginn unserer Erdenentwickelung fand diese sehr wichtige und für die Weiterentwickelung der Erde ungeheuer bedeutungsvolle Beeinflussung von seiten des Mars statt. Nebenbei bemerkt, hat die Erde bei dieser Gelegenheit vom Mars das Eisen erhalten, das vorher nicht in der Substanz der Erde enthalten war. So hat die Erde in ihrer ersten Entwickelung vom Mars einen Einfluß erhalten, und in der zweiten Hälfte, also jetzt, da kam sie unter den stärkeren Einfluß von Merkur. Daher kommt es, daß der Okkultismus die Bezeichnung «Erde» fallen läßt, und daß man die Zustände der Erde im Okkultismus in zwei Hälften einteilt: in die erste, die Marshälfte, und in die zweite, die Merkurhälfte. Dadurch verändert sich das vorige Schema folgendermaßen: Saturnzustand, Sonnenzustand, Mondenzustand, Mars-Merkurzustand, Jupiterzustand, Venuszustand und Vulkanzustand.

[ 38 ] Damit wäre der Vulkanzustand der achte, und er spielt in der Entwickelung dieselbe Rolle, wie die Oktave in der Musik. Wie die Oktave sozusagen eine Wiederholung des ersten Tones, nur eben in höherer Lage, darstellt, so auch ist der Vulkanzustand eine Wiederholung des Saturnzustandes, nur in höherer Entfaltung. Der ganze Kosmos hat sich aus dem Geistigen heraus entwickelt, und mit dem Vulkanzustand hat sich wieder alles zum Geist hin entfaltet, nur in höherer und vielfältigerer Entwickelung. Aus der einen Geistigkeit sind unendlich viele Geistmenschen geworden, wie aus dem Samenkorn, das der Landmann in die Erde senkt, im Herbst in der reifen Ähre sich dieselben Körner in Vielfältigkeit entwickeln. Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.

[ 39 ] Alle diese sieben Namen haben die alten Eingeweihten zur Erinnerung an den Entwickelungsgang der Erde einfließen lassen in das monumentale Wahrzeichen, von dem ich eben gesprochen habe, und das uns gegeben ist in den Namen der sieben Wochentage:

Saturntag: Saturday, Samstag
Sonntag
Mondtag
Marstag: Mardi, Mars, Ziu, Dius, Dienstag
Merkurtag: Mercredi, Merkur, Wodan, Wednesday
Jupitertag: Giovedi, Donar, Donnerstag
Venustag: Vendredi, Venus, Freia, Freitag

[ 40 ] Es ist tatsächlich in den Namen der Wochentage ein Monument erhalten für die sieben Stadien unserer Erdenentwickelung. So finden wir in den scheinbaren Alltäglichkeiten Hinweise auf tiefe geistige Zusammenhänge.

[ 41 ] Und nun müssen Sie einmal bedenken, daß auch die ganze Menschenentwickelung innigst mit dieser planetarischen zusammenhängt. Ja, die ganze Entwickelung des Menschen ist nur auf Grund der planetarischen zu verstehen. Ein jedes Glied der menschlichen Wesenheit ist innigst verbunden mit einer von diesen planetarischen Entwickelungsphasen der Erde, insofern als während einer jeden dieser Phasen eines der Glieder der menschlichen Wesenheit veranlagt worden ist. So ist der physische Körper veranlagt worden während der Saturnzeit, der Ätherleib während der Sonnenzeit, der Astralleib während der Mondphase, und das Ich hat sich der menschlichen Wesenheit eingegliedert erst während der Erdenphase. Deshalb ist dieser physische Körper auch das bis heute am vollkommensten ausgebildete Glied, während der Ätherleib erst in der dritten Etappe der Entwickelung steht, da er erst auf der alten Sonne veranlagt worden ist, der Astralleib erst in der zweiten Etappe, da er erst während des Mondenzustandes veranlagt worden ist, und das Ich ist das Baby unter den menschlichen Wesensgliedern, denn es ist erst im Beginne seiner Entwickelung während des heutigen Erdenzustandes.

[ 42 ] Einen Fingerzeig für das eben Gesagte gibt es ohne weiteres, wenn wir uns einmal die vier Glieder der menschlichen Wesenheit auf: ihre Entwickelung hin anschauen.

[ 43 ] In den Kinderjahren der Theosophischen Gesellschaft wurde viel gearbeitet mit der Bezeichnung «höhere» und «niedere» Glieder, wobei der physische Leib als das niedrigste Glied bezeichnet wurde; und damit verband sich sehr oft der Begriff der Wertigkeit. Und man war nur allzuoft geneigt, den physischen Leib auch als den minderwertigsten anzusehen, ja, ihn zu verachten. Aber das ist durchaus falsch.

[ 44 ] Betrachten Sie einmal genau diesen Wunderbau des physischen Leibes; dann ergibt sich Ihnen ohne weiteres, daß er auf einer ungeheuer hohen Stufe der Vollkommenheit steht, während das zum Beispiel beim Ätherleib durchaus nicht der Fall ist. Wenn Sie den physischen Leib anschauen mit den Augen der Weisheit, dann sehen Sie in jedem Organ dieses physischen Körpers einen Wunderbau, im Herzen, in den Knochen und so weiter. Betrachten Sie nur einmal den weisheitsvollen Bau des Herzens und bedenken Sie, was dies verhältnismäßig doch kleine Organ täglich und stündlich an Arbeit leistet. Halten Sie dem gegenüber die heute noch verhältnismäßig mangelhafte Ausbildung des Astralleibes: wie in diesem Astralleib noch täglich unveredelte Leidenschaften sich regen, wie der Mensch unter anderem noch täglich Sehnsucht nach Genüssen in sich verspürt, deren Befriedigung diesen Wunderbau des Herzens geradezu malträtiert, und doch ist das Herz imstande, alle diese astralen Schädigungen zu paralysieren, ohne entzwei zu gehen, ja oft ohne überhaupt Schaden zu nehmen. Heute also ist der Astralleib noch nicht so weit entwickelt wie der physische Leib; heute ist der physische Leib das vollkommenste Glied. In der Zukunft allerdings wird der Astralleib so weit sein, daß er den physischen Leib überragt. Weniger weit als der physische Leib ist heute der Ätherleib entwickelt, und erst an dritter Stelle steht der Astralleib. Und das jüngste unter den Gliedern der menschlichen Wesenheit ist das Ich; es wird deshalb erst am spätesten seine Vollkommenheit erreichen.

[ 45 ] Also alles, was Sie im physischen Leibe als das eigentlich Physische haben, ist das Allerälteste. Unser physischer Leib hat schon eine Entwickelung durchgemacht, bevor ein Ätherleib eingegliedert wurde. Und diese Entwickelung, die der physische Leib nur als physischer Leib durchgemacht hat, das ist die Saturnphase. Da war diese erste Veranlagung dieses physischen Leibes eben nur physikalischer Apparat. Das hat sich dann weiter entwickelt, und erst auf der Sonne ist der Ätherleib in diesen physischen Leib hineingegliedert worden. Dieser Ätherleib hat sozusagen diesen physischen Leib ausgefüllt und ihn in gewisser Beziehung umgewandelt. Während des Mondenzustandes gliedert sich hinzu der Astralleib, und das Ich ist überhaupt erst zu Beginn unseres heutigen Erdenzustandes hinzugekommen. Heute steht der Mensch als viergliedrige Wesenheit da. Während der Mondenzeit bestand er aus physischem, Äther- und Astralleib, während der Sonnenzeit aus physischem und Ätherleib, während der Saturnzeit aus physischem Leib allein. Der physische Leib hat also vier, der Ätherleib drei, der Astralleib zwei und das Ich die erste Entwickelungsphase. Deshalb ist aber auch der physische Leib das vollkommenste Glied, weil eben an ihm am längsten gearbeitet worden ist.

[ 46 ] So sehen Sie, wie die einzelnen Glieder der menschlichen Wesenheit zusammenhängen mit der Entwickelung des gesamten planetarischen Systems. Und deshalb werden Sie auch in alten okkulten Büchern die Bezeichnung finden

für physischen Leib: Saturnleib
für Ätherleib: Sonnenleib
für Astralleib: Mondenleib
für das Ich: Erdenleib, als das eigentliche
Erdenglied des Menschen.

[ 47 ] Morgen werden wir die Gestaltung und das ganze Leben des Saturn verfolgen, und werden dann übergehen zur Sonne und zum Mond. Wir werden dann sehen, wie sich die Menschen immer mehr und mehr vervollkommnen, bis zum heutigen Zustand.