Das Prinzip der spirituellen Ökonomie
im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen
GA 109
8 Juni 1909, Budapest
15. Die Gestaltung und die Wandlungen des physischen Menschenleibes
[ 1 ] Heute wollen wir, anschließend an die gestern in bestimmten engen Grenzen betrachtete Entwickelung der Menschheit, zurückgehen bis in die längst vergangenen Epochen der Entwickelung, und betrachten, was damit zusammenhängt. Ehe wir in diesem Zusammenhange die Tatsache der Reinkarnation besprechen, die wir unmittelbar daran anschließen könnten, und ehe wir die Fragen des menschlichen Schicksals, des Karmagesetzes erörtern, wollen wir noch zu älteren Zeiten zurückgehen und den Blick über große Perioden der Menschheitsevolution schweifen lassen.
[ 2 ] Der heutige Mensch stellt sich uns dar als ein Gefüge von physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich - dem Träger des Ich und der eigentlichen Selbständigkeit. Nicht das Ich oder der Astralleib sind die vollkommensten Glieder am Menschen, weil sie geistig höher stehen, sondern der physische Leib. Er ist das vollkommenste Glied der menschlichen Wesenheit, ein Gefüge, eine Zusammensetzung aus wunderbarsten Einzelheiten. Welch ein Wunderbau ist dieser physische Menschenleib! Der Astralleib, er ist zwar geistiger, aber weniger vollkommen; er ist der Träger von Freude und Schmerz, von Trieb, Begierde und Leidenschaft. Warum ist der physische Leib dennoch vollkommener? Betrachten Sie das menschliche physische Herz. Welch ein Wundergebilde ist dieses, daß es das ganze Leben lang all den Angriffen standhält! Und ebenso ist es mit allen andern Organen des physischen Leibes: Weisheit spricht aus ihnen. Und wie ist es nun beim Astralleib in bezug auf dieses Herz? Keineswegs benimmt er sich immer weise. Der Astralleib braucht Mittel des Genusses aus der Sehnsucht am Genuß heraus und malträtiert damit fortwährend den physischen Leib; fortwährend führt er Attacken auf das physische Herz aus, und dieses leistet ihm Widerstand. Warum? Weil der Bau des physischen Leibes bereits eine viel längere Zeit in der Vergangenheit in Anspruch genommen hat als die andern Körper. Der physische Menschenleib ist das älteste Glied der menschlichen Wesenheit, daher auch das vollkommenste. Fine Schar vollkommener Wesenheiten haben an ihm schon gearbeitet. Alles, was physisch, was sinnlich ist, das hat sich aus dem Geiste heraus entwickelt, hat sich vom Geiste herabgearbeitet zu seiner physischen Gestalt. Das erste, was vom Menschen in der physischen Welt vorhanden war, das war die Anlage des menschlichen physischen Leibes. Damals war noch keine Anlage des Ätherleibes, des Astralleibes und des Ich-Trägers in der physischen Welt vorhanden.
[ 3 ] Alles in der Welt ist in Entwickelung, nicht nur der Mensch, sondern auch ein Planet wie unsere Erde. Wie der Mensch, so hat auch diese unsere Erde schon andere planetarische Verkörperungen durchgemacht. Die erste davon nennen wir den Saturn, die zweite die Sonne und die dritte den Mond. Dabei müssen wir absehen von dem heutigen Mond; der ist nur ein Rest, ein Überbleibsel, eine Schlacke des alten Mondes.
[ 4 ] Wir wollen nun sehen, warum seit alten Zeiten unser Mond «Mond» genannt wird. Dabei müssen wir uns daran erinnern, daß die Namengebung der alten Okkultisten absolut nichts Zufälliges, sondern etwas tief Bedeutsames war. Der Name, der gegeben wurde einem Ding oder einem Wesen, der war organisch immer verknüpft mit dem, was das Wesen ausdrücken soll. Der vorhergehende planetarische Zustand unserer Erde war also der alte «Mond»; der noch frühere die alte «Sonne», nicht die heutige Sonne; diese ist wie eine Erinnerung an jene alte Sonne. Zuerst kommen wir dann bis zu jenem Weltenkörper, auf den es heute zunächst [noch] möglich ist, mit den okkulten Mitteln zurückzublicken: es ist der « Saturn», der alte Saturn, von dem wir schon öfter gesprochen haben. Skizzenhaft will ich Ihnen nun diesen alten Saturn in seiner Entwickelung beschreiben. Dabei wollen wir uns zuerst klarmachen, was im Sinne des Okkultisten die Grundelemente unserer äußeren Welt sind. Man hat unterschieden im alten Okkultismus die vier Elemente: Erde, Wasser, Luft, Feuer oder Wärme. Für den heutigen Physiker hat das keinen rechten Sinn mehr; was die heutige Wissenschaft Element nennt, das deckt sich nicht mehr recht mit dem, was der Okkultist darunter versteht. Die heutige Benennung «Aggregatzustand» ist etwa gleichbedeutend mit «Element». Der Okkultist nennt erdig oder fest alles, was bei den heutigen Temperaturen auf der Erde fest ist: ein Quarzkristall zum Beispiel ist bei den heutigen Temperaturzuständen für den Okkultisten «Erde». Alles Flüssige, auch flüssige Metalle und so weiter sind für ihn « Wassem, alles Gasförmige wird « Luft» genannt. Und das, was der heutige Physiker als einen Zustand der drei Aggregatzusammensetzungen ansieht, das Feuer, das ist für den Okkultisten das vierte Element. Ich weiß sehr wohl, daß es der Wissenschaft ein wahrer Greuel ist, wenn man das Feuer nicht bloß als einen Zustand, sondern als etwas, was gleichberechtigt ist mit der Erde, dem Wasser und der Luft, ansieht. Dreist darf man sich im Okkultismus vorstellen, daß Wärme etwas ist, was noch von feinerer Substanz ist als die drei andern: Erde, Wasser, Luft. Von Erde, Wasser und Luft hätten Sie auf dem Saturn nichts gefunden, nur Wärme oder Feuer war vorhanden. Hätten Sie damals mit hellseherischem Blick das verfolgen können, indem Sie sich einen Stuhl in den Weltenraum gestellt und die Saturnentwickelung beobachtet hätten, nur eine Wahrnehmung hätten Sie mit dem Wärmesinn machen können, und zwar war es zuerst nur seelische Wärme. Von all den Wesen, die heute auf der Erde sind, war auf dem Saturn nur der Mensch vorhanden; kein Mineral-, kein Pflanzen-, kein Tierreich war da. Unter den heutigen Verhältnissen braucht der Mensch die drei Reiche zu seinem Aufbau; im damaligen Zustand brauchte er sie nicht. Der ganze Mensch war sozusagen nur vorhanden als ein Wärmegebilde. Nichts, nichts sonst war vom Menschen da. Denken Sie sich nun vom heutigen Menschen alles weg, was Sie physisch an ihm wahrnehmen, selbst die eingeatmete Luft, und lassen Sie nichts von ihm bestehen als das, was ihn heute durchströmt als seine heutige Blutwärme, aber so gestaltet, wie wenn Sie heute das Blutsystem nachmalen würden: nur solche Menschen gab es auf dem alten Saturn, sonst nichts. Ein Himmelskörper ist für den Okkultisten nur eine Zusammensetzung von Wesenheiten. Auch die Erde ist nichts anderes als eine Zusammensetzung von mineralischen, pflanzlichen, tierischen und menschlichen Wesenheiten.
[ 5 ] Das Bewußtsein der alten Saturnmenschen war auch schon in Entwickelung. Es war dumpf, aber umfassend. Das heutige helle Tagesbewußtsein ist erst auf der Erde möglich geworden. Die Menschen auf dem alten Saturn hatten einen sehr merkwürdigen dumpfen Bewußtseinszustand. Sie wissen, der Mensch ist schon im Schlafe bewußtlos. Nun, nehmen Sie die Pflanze, nur die physische Pflanze, ohne die hinter der Pflanze sich verbergenden Wesenheiten: da haben Sie einen Schlafzustand, der noch tiefer, traumloser Schlaf ist. Die Pflanze ist ein tiefschlafendes Wesen. Und nun denken Sie sich einen Zustand des Schlafes, der noch tiefer, noch dumpfer ist, das Tief-Trancebewußtsein, dann haben Sie das Saturnbewußtsein. Ich will es Ihnen beschreiben dadurch, daß ich Ihnen eine Art abnormen Zustand der heutigen Zeit - eines in früheren, jetzt also abnormen Verhältnissen zurückgebliebenen Wesens - an einem beobachteten Beispiel schildere: Ein Mädchen, das bis zu seinem achtzehnten Lebensjahr ganz ungewohnt war jeglichen Alkoholgenusses, wird durch ein Ereignis verführt, rasch einige Gläser Rotwein hinunterzustürzen. Dieses machte nun, vermöge anderer Verhältnisse ihres Organismus, einen solchen Eindruck, daß sie wie tot war. Man gab ihr nun einen Bleistift in die Hand, und sie fing an, allerlei Dinge zu zeichnen und schrieb Namen dazu. Sie hatte keine Ahnung von dem, was sie tat. Sie war wie eine Maschine; sie hatte kein Leben, kein Bewußtsein. Wenn Sie nun das, was dieses Mädchen aufzeichnete, vergleichen mit dem, was in den theosophischen Büchern von Planeten und dem, was heute das Weltengebäude und so weiter ist, steht, so würden Sie finden, daß das, was dieses Mädchen da aufgeschrieben hat, zwar eine ganz merkwürdige Kosmologie ist, aber doch mit der okkulten Kosmologie in einigem übereinstimmt. Es war in einem Zustand, tiefer als der gewöhnliche Schlaf. Dabei ist das Wesen fähig, weit, weit über die Erde in seinem dumpfen Bewußtseinsinhalte hinauszugehen und kosmische Dinge zum Ausdruck zu bringen. Der Okkultist weiß, daß im physischen Stein ein solches Bewußtsein vorhanden ist: dumpf und umfassend, Stein ohne die dazugehörigen Iche, und daß der Stein, wenn er so sich zum Ausdruck bringen könnte, ähnlich es täte. Weite Gebiete umfaßt dieses Bewußtsein, aber dumpf. So war das Bewußtsein der Menschen auf dem alten Saturn.
[ 6 ] Der Saturn selbst ist ein Wesen, das seiner selbst unbewußt ist, besser gesagt, ein niederes Bewußtsein hatte, welches so zu beschreiben ist, daß er in sich trug ein Spiegelbild des ganzen Kosmos, und daß er imstande gewesen wäre, das zeichnen zu können. Um solches zu verstehen, müssen wir noch anderes betrachten. Während also der Mensch auf.dem Saturn die Stätte fand, wo die erste Anlage für seinen physischen Leib sich bilden konnte, war der Saturn gleichzeitig der Schauplatz, worauf sich auch andere Wesen entwickeln konnten, Wesen, die heute weit, weit über dem Menschen stehen. Wir wollen uns das klarmachen an einem Ausspruch, den ein ägyptischer Weiser einem Griechen gegenüber getan hat. Er sagte: Ihr Griechen, ihr bleibt doch immer große Kinder. Ihr wißt nichts von dem größten Mysteriengeheimnis, daß Götter einst Menschen waren! - Diese Wesenheiten haben dann nicht mehr nötig, in das physische Dasein einzutreten.
[ 7 ] Der Mensch war also auf dem alten Saturn wie eine Art Mineral; er hatte auch ein Bewußtsein wie das Mineral. In dem Menschenleibe aber haben gewohnt Wesenheiten, die heute weit erhaben sind über die Menschheitsstufe. Es sind die Urbeginne oder Archai oder Geister der Persönlichkeit. Die haben auf dem Saturn ihre Menschheitsstufe durchgemacht. Nicht Menschen, wie wir heute, waren sie, sie benützten nur den physischen Menschenleib, um sich der Welt gegenüberzustellen, um ihre Menschheitsstufe zu erleben, das Ich-Bewußtsein zu erringen. Sie hatten also ihr Ich-Bewußtsein auf dem Saturn, diese erhabenen Wesenheiten, und wie einen Wagen brauchten sie den Menschenleib, der ihnen stellvertretend als ihre leibliche Wohnung galt. Gewisse Wesen durchdrangen da den menschlichen physischen Leib und durchdrangen ihn mit ihren Eigenschaften, und diesen verdankt der Mensch heute zweierlei. Erstens die Fähigkeit, daß ein IchTräger jemals in ihm Platz greifen kann; diese Geister der Persönlichkeit waren es, die dem Menschenleibe damals die Form gegeben haben, die von ihrer Persönlichkeit ausgegangen ist. Zweitens gaben sie dem Menschen aber auch die Möglichkeit, die Selbstsucht zu entwickeln. Durch die Einwirkung der Geister der Persönlichkeit empfing der Menschenleib wie in der Keimanlage die Fähigkeit, sich als eine freie Persönlichkeit zu entwickeln, gleichzeitig aber auch die Selbstsucht, den Egoismus in sich auszubilden. Nicht einen Vortrag oder einen Zyklus, sondern Jahre würde ich brauchen, wenn ich Ihnen hier alle Einzelheiten beschreiben wollte. Wir können also daher nur Etappen, Stufen betrachten, und zwar wollen wir sieben solche Stufen in der Saturnentwickelung denken, die unter sich verschieden sind.
[ 8 ] Bei der ersten Stufe müssen Sie sich vorstellen, daß noch nichts da war von physischer Wärme, sondern daß sich diese erst vorbereitet hat. Bloß Seelisches war da, seelische Wärme war vorhanden, und erst in der Mitte der Saturnentwickelung war dann der physische Menschenleib, aus physischem Wärmestoff gebildet, vorhanden. Dieser menschliche Wärmeleib löst sich dann am Ende der Saturnentwickelung wieder auf. Wir haben sieben Etappen: drei Vorstufen, eine physische Wärmestufe und drei absteigende Stufen, und jede von diesen sieben Stufen hat wieder sieben Unterabteilungen, die wir hier aber lieber weglassen wollen, und auf die wir bei der Erdenentwickelung dann zurückkommen wollen. Die heutigen theosophischen Bücher sprechen von ihnen als von Runden und Globen.
[ 9 ] Nun wollen wir aber fragen: Woher kam denn die Substanz, aus welcher der Menschenleib gebildet wurde? Hohe geistige Wesenheiten waren es, die ihr eigenes Wesen ausfließen ließen, es herniederträufelten als Substanz für den physischen Menschenleib: es waren die Geister des Willens oder die Throne, die das Opfer brachten, ihre eigene Wesenheit ausfließen zu lassen. Also wir haben auf dem Saturn die Geister des Willens oder die Throne, welche die Substanz zum Menschenleib geben, dann die Geister der Persönlichkeit, die ihn während ihrer Menschheitsstufe bewohnen, und den Menschen selbst als physischen Keim. Die Saturnentwickelung geht nun so vor sich, daß wir den Beginn, den Höhepunkt und das Abfluten uns vorzustellen haben. Darnach geht das Ganze durch ein Pralaya hindurch. Wir können uns den Prozeß etwa so wie beim Pflanzenwesen denken. Der Keim wird in die Erde gelegt, verfault und rettet die Form in ein neues Dasein hinüber. Wie nun zwischen der ersten und der zweiten Pflanze ein Zwischenzustand, ein verborgener Zustand ist, ebenso ist es beim Planeten. Man nennt diesen Zustand das Pralaya. Der Unterschied ist nur der, daß die Pflanze eine der alten ähnliche Wiederholung dann hervorbringt, der Planet aber eine Höherentwickelung dann erreicht hat. Sein Weg ist der einer Spirale wie beim Menschen. Den sichtbaren Zustand des Planeten nennt die indische Theosophie ein Manvantara. Bei der Pflanze ist dies ihre Entwickelung über der Erde. So gehen auch die Planeten durch ein offenbares Dasein und durch ein verborgenes Dasein hindurch. Dieses letztere nennt man einen Weltenschlaf.
[ 10 ] Nach diesem Weltenschlaf des Saturn, als er aus dem Dunkel wieder heraustrat in einer neuen Verwandlungsform, da war es die alte Sonne, die da nun erstand. Der Unterschied zwischen Saturn und Sonne ist der, daß in ihren mittleren Zuständen die Wärmesubstanz des Saturn sich zu einem Luft- oder Gaszustand verdichtet hatte. Die Wärme behält die Sonne, aber sie entwickelt noch etwas dazu, die Luft, so daß wir nun also Wärme und Luft auf der Sonne haben. Und noch etwas: es wird Licht auf der Sonne. Der Saturn bestand aus dunkler Wärme, der zweite Planet, die Sonne, besteht aus Licht — das Gas brennt -, Wärmeäther und Luft. Durch den Saturn ist in die Evolution hineingekommen ein für allemal die Anlage, daß der Keim zum physischen Menschenleib da ist. Jetzt, auf der Sonne, kommt etwas Neues dazu. Wie hineingegossen von geistigen Wesenheiten ist nun in diese Substanz der Ätherleib: der zweite planetarische Zustand, in dem der Mensch nun erlangt hat den Wert einer Pflanze. Leben ist in ihm. Durch diese Eingliederung des Ätherleibes hat sich aber auch der physische Leib des Menschen verändert. Er behält nicht die Eiform der Saturnzeit bei, sondern er wird in sich gegliedert. Er ist nun ein vibrierendes Wärme-Ei, das in Lichtgebilden aufglänzt und abglimmt und Einbuchtungen hat. Der Ätherleib bearbeitet nun den physischen Leib.
[ 11 ] Während beim Saturn die Throne die Substanz des physischen Leibes aus sich selbst ausgegossen haben, sind es jetzt andere Wesenheiten, welche dazu die Substanz als ihr großes Opfer ausfließen lassen: es sind die Geister der Weisheit, Herrschaften oder Kyriotetes genannt. Das schwerere Opfer haben die Throne gebracht. Wäre von ihnen nicht die Grundlage geschaffen worden, so hätten die Geister der Weisheit nicht ihre Arbeit beginnen können.
[ 12 ] Auf der Sonne haben nun auch wieder Wesenheiten ihre Menschheitsstufe durchgemacht. Es sind die Erzengel oder Feuergeister, Archangeloi in der christlichen Esoterik genannt. Stellvertretend bewohnten sie den Menschenleib und erhielten so ihr Ich-Bewußtsein.
[ 13 ] Hier ist jetzt etwas zu erwähnen, auf das zu achten ist. Wäre der Saturn nach dem Pralaya gleich als Sonne hervorgegangen, dann hätten die Menschenleiber nicht den Ätherleib in sich aufnehmen können. Der neue Planet, die Sonne, mußte daher zuerst eine kurze Wiederholung des Saturn durchmachen. Die Wesen mußten gleichsam ihre alte Form wieder annehmen.
[ 14 ] Was für Wesen gab es nun noch auf dieser Sonne? Es gab dort gewisse Geister der Persönlichkeit, die nicht Menschen wurden auf dem Saturn, denen es nicht gelungen war, ihr Ich-Bewußtsein auf dem Saturn zu erlangen. Diese mußten das nachholen auf der Sonne. Sie mußten nun auf der Sonne das nachholen, standen also da noch auf der gleichen Stufe wie ihre Genossen auf dem Saturn. Sie konnten also auf der Sonne gleichsam nur in einer Schale wohnen, einem mineralischen Leib ohne Ätherleib, die nicht von einem Ätherleib durchzogen war. Es mußte also auf der Sonne noch einmal ein Gebilde entstehen, das nur aus dem physischen Leibe bestand. Es gab also niedrigere Gebilde neben denen, die aus physischem und Ätherleib bestanden, und das sind die Vorgänger unserer heutigen Tiere. Auf der Sonne haben wir also zwei Reiche: ein Menschenreich und das Reich der Wesen, die auf der Sonne auf der Stufe der Saturnentwickelung waren, das Tierreich. Zwei Reiche haben wir auf der Sonne, ein Menschenreich und ein Tierreich. Die Nachkommen des letzteren haben wir in den heutigen höheren Tieren.
[ 15 ] Nun geht die Sonne auch wieder über in eine Art Weltennacht und wird in einem dritten Verwandlungszustand wiederum geboren als der alte Mond, der zunächst fähig ist, die früheren Zustände zu wiederholen, denen sich die wäßrige Substanz hinzufügt. Bei der Abspaltung geht mit der Sonne das hinaus, was Wärme und Licht ist. Auch die hohen Wesen gehen mit den feinen Essenzen hinaus. Das wässerig Gewordene geht als Mond hervor und wird immer dichter und dichter und wird eine Art Nebenplanet. Auf dem Monde haben wir also damals Wärme, Licht und Wasser. Der Mensch hat seinen Äther- oder Lichtleib wie auf der Sonne, das Neue, das hinzukommt auf dem Monde, ist dasjenige, was wir als Ton oder Schall bezeichnen können. Um sich das besser vorstellen zu können, will ich Ihnen ein Beispiel geben. Denken Sie an eine mit Staub bedeckte Metallplatte, über die mit dem Fiedelbogen gestrichen wird: der Staub ordnet sich zu bestimmten Figuren, den Klangfiguren des Physikers. Was wir heute als Ton erkennen, ist die physische Ausgestaltung des Tones. Das Wasser auf dem Mond war durchzogen von dem Ton und war dadurch in eine regelmäßige Bewegung gebracht. Der physische Leib der Wesen kommt dadurch auf dem Monde in ein inneres Erleben; es bilden sich in der Form Glieder, zum Beispiel die Leber; das aber vergeht wieder. Es ist ein Bilden und Wiederauflösen von Organen, ein Erleben in Figuren und Rhythmen. Dies macht die Leiber reif, die Astralsubstanz in sich aufzunehmen. Solches Einschlagen des Urtones in die wässerige Substanz, das drückt die Bibel also aus: Gott ordnete alles nach Maß, Zahl und Gewicht. Das Wesentliche, das Neue der Mondenentwickelung ist also das innere Erbeben, das wie einschlägt in die physische Materie. Von diesem innern Erbeben, geordnet in regelmäßigem Zahlenrhythmus, davon haben Sie sich den alten Mond durchdrungen zu denken. Früher, auf dem Saturn, waren es wärmeartige Gebilde, die den Menschenleib bildeten, später, auf der alten Sonne, waren es luftartige Gebilde, wie eine Luftspiegelung erscheinend, einer Fata Morgana gleich. Auf dem Monde nun ist die Substanz wässerig, durchwogt, von innerem Erbeben in Bewegung gebracht. Innerlich sich verwandelnde Gliederungen entstanden durch dieses Erbeben; von denen war der Menschenleib durchstrahlt. Wie ein vorübergehendes Werden und Wiedervergehen müssen Sie sich das denken: so wurde im Menschenleib eine Leber oder eine Lunge gebildet und wieder aufgelöst. Das waren also die Zustände auf dem alten Mond. Die Bibel drückt das so aus: Gott hat einst alles geordnet nach Zahl, Maß und Gewicht. - Damit ist das innere Erbeben gemeint. Innerhalb des alten Mondes entstehen nun zuerst wieder die früheren Gebilde des Menschenleibes, es bildet sich wieder der physische und der Ätherleib. Warum? Weil auf dem alten Monde wieder zuerst die Wiederholung von Saturn und Sonne stattfindet; dann erst entstand der eigentliche alte Mond. In den physischen Menschenleib, der nun einerseits das Wässerige in sich hatte, andererseits durch das innere Erbeben durchzogen war von dem Urton und dem Ätherleib, lassen nun einfließen die Geister der Bewegung, Mächte oder Dynamis genannt, den menschlichen Astralleib. Sie opfern, wie die Geister des Willens auf dem Saturn und die Geister der Weisheit auf der Sonne, so opfern sie jetzt aus ihrer eigenen Substanz heraus den menschlichen Astralleib. So ist die Erde fortwährend in fortschreitender Entwickelung, und ebenso der Mensch selber, der sie bewohnt.
[ 16 ] So haben Sie den physischen Leib sich auf dem Saturn entwickeln sehen. Durch die drei Verwandlungen hindurch — Saturn, Sonne, Mond - ist er nun so geworden, daß er die dritte Vollkommenheitsstufe erreicht hatte. Dieser menschliche physische Leib kommt nun auf dem Monde noch näher seiner heutigen Gestalt. Seine fernere Entwickelung, die seinem Astralleib notwendig war, die hätte der Mensch auf der Erde aber nicht erhalten können, wenn nicht in einem bestimmten Zeitpunkt eine Abspaltung stattgefunden hätte. Es bleibt eine Grundsubstanz des Planeten, des alten Mondes, zurück, und ein Teil geht heraus, der dann die Grundsubstanz umgibt, den Körper seiner Grundsubstanz umkreist. Nun haben wir erstens Saturn, zweitens Sonne, drittens Mond. Das Beste der Substanzen und Wesenheiten hat sich jetzt abgespaltet in einem Grundkörper. Er tritt als Sonne aus ihm heraus in unserer Erdenzeit und steht in seinem Range höher als ein Planet, er wird zum Fixstern. Und ein anderer Körper trennt sich davon ab, der ein Planet bleibt. Die heutige Sonne ist auch erst eine Sonne geworden, einst war sie ein Planet. Wenn Sie die heutige Sonne, den heutigen Mond und unsere Erde in ihrer Substanz und ihren Wesen in einem großen Topf zusammenrühren würden, dann hätten Sie die alte Sonne; rührten Sie Erde und Mond zusammen, dann hätten Sie den alten Mond.
[ 17 ] Im Verlaufe der Menschheitsentwickelung löst sich also ab von dem Planeten Erde unsere Sonne. Mit ihr gehen die besten Substanzen und Wesenheiten heraus aus der Erde. Der Sonne zur Seite geht das Wässerige, das immer dichter und dichter wird. Die dichten Formen sind die Träger der Wesenheiten, die den alten Mond bewohnen; einen Schauplatz in Absonderung wählen sich nun die Menschen aus. Ein Fixstern, eine Sonne entsteht immer dadurch, daß eine Art Avancement eines Planeten stattfindet. Während dieser Menschheitsentwickelung waren nun nicht nur die Menschen da und so entwickelt, daß sie die drei Leiber, physischen Leib, Ätherleib und Astralleib eingegliedert hatten. Es waren auch Wesen da, die zurückgeblieben waren.
[ 18 ] Die Menschen, die auf dem Monde ihre Menschheitsstufe durchgemacht hatten, das waren die Engel, in der christlichen Esoterik Angeloi genannt, in Indien auch lunarische Pitris. Diese Menschen hatten ein anderes Bewußtsein als die Menschen heute. Nun waren aber auf dem alten Monde auch noch andere Wesenheiten. Da waren gewisse Erzengel, die auf der Sonne zurückgeblieben waren und nun ihre Menschheitsstufe nachholen mußten auf dem Monde, dann waren Wesenheiten da, welche die Stufe der Geister der Persönlichkeit, also die Saturnstufe der Menschheit, nun auf dem alten Monde erst erreicht hatten.
[ 19 ] Die Erzengel, die auf der Sonne zurückgeblieben waren, die bildeten als Menschenleiber Gebilde, die nur einen physischen und einen Ätherleib hatten. Das war dann ein Reich unter den Menschen, ein Reich, das sich fortsetzte auf Erden als Tierreich; sie sind die Vorläufer dieser physischen Leiber der heutigen Tierwelt. Und solche Wesenheiten, die auf dem Monde gar nur einen physischen Leib hatten, das sind die Vorläufer des heutigen Pflanzenreichs. Also ein Menschen-, ein Tier- und ein Pflanzenreich gab es auf dem alten Monde. Auf dem Saturn nur ein Menschenreich, auf der Sonne ein Menschen- und ein Tierreich, und auf dem Monde haben wir sogar ein Menschen-, ein Tier- und ein Pflanzenreich. Das Mineralreich ist das letzte der Reiche, die in der ganzen kosmischen Entwickelung entstanden sind. Der Mensch ist das älteste Reich in der Menschheitsentwickelung, er war schon da, che es eine Erde gab. Auf der Erde erhält er dann noch zu seinen drei Leibern hinzu das vierte Glied seiner Wesenheit, den Träger des Ich.
