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The Rudolf Steiner Archive

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Das Prinzip der spirituellen Ökonomie
im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen
GA 109

9 Juni 1909, Budapest

16. Die Entwickelungsstadien unserer Erde bis zur lemurischen Epoche

[ 1 ] Gestern sind wir in unserer Betrachtung der Entwickelung unseres Planeten bis zur Mondenmetamorphose der Erde gekommen. Wir haben gesehen, daß sie ihre erste Verkörperung als der uralte Saturn durchgemacht hat, dann als Sonne und nun als Mond wieder erschienen ist. Wir sind nun gestern bis an den Punkt gekommen, wo wir gesehen haben, daß, wenn alles in gleicher Weise wie bisher fortgegangen wäre, dann der Mensch nicht imstande gewesen wäre, in derselben Weise Schritt halten zu können mit dem Tempo der kosmischen Entwickelung der andern Wesen. Darum mußte während der Mondenzeit des Planeten eine Art Abspaltung an einem bestimmten Punkte dieser Mondenerde geschehen. Es fand eine Art Heraustreten der im kosmischen Ganzen vorrückenden Sonne mit den feinsten Substanzen und Wesenheiten statt. Und das weniger Fortgeschrittene, der eigentliche alte Mond, der noch enthielt alles das, was unsere heutige Erde und der heutige Mond sind, der blieb als eine Art Nebelkörper zurück. Dadurch fand unter besonderen Bedingungen eine Verdichtung, eine Art Verhärtung auf dem alten Monde statt und gleichzeitig eine ebensolche der leiblichen Wesenheiten, die ihn bewohnten.

[ 2 ] Als die Sonne fort war, wirkten dann ihre Kräfte von außen auf den alten Mond ein. Das, wovon gesagt ist, daß es später als ein menschliches, tierisches und pflanzliches Reich entstanden ist, war nun aus der Sonne herausgetreten mit dem alten Monde und ließ sich von der Sonne bescheinen, nahm deren Kräfte von außen auf. Nach der Abspaltung gestalteten sich die drei Reiche auf dem Monde so wie folgt: Ein mineralisches Reich gab es noch nicht, aber das, was sich herausbildete nach der Verhärtung als unterstes Reich, war eine Art von mineralisch-pflanzlichem Reich; Mineralisches, das pflanzlichen Charakter hatte, oder, wenn Sie wollen: Pflanzliches, das mineralischen Charakter hat. Und das bildete den Boden des Mondes, sozusagen eine festflüssige Grundlage. So wie Sie heute auf der Erde auf Mineralischem herumtreten, so bestand dort der Boden aus einer festflüssigen Grundlage, die eine Art Pflanzenmineral war. Denken Sie sich eine Masse wie Kochsalat, eine pflanzliche Substanz, auf der man herumtritt: so war das niederste Reich des Mondes, das zugleich, man könnte sagen, halblebendig war. Unser Erdboden ist heute verhältnismäßig zur Ruhe gekommen, nur wenn vulkanische Tätigkeit sich zeigt, gemahnt dies uns noch an ein gewisses inneres Leben unserer Erde. Das war auf dem Monde noch nicht so. Was der Okkultist über Erdbeben und Vulkantätigkeit zu sagen hat, davon können wir vielleicht später noch sprechen. Wie Organe in einer Pflanze wachsen und nachher wieder absterben, so äußerte sich dieses Halblebendige auf dem Monde. Wie ein lebendiger, beweglicher, großer Organismus, so war dieser alte Mond, auf dem die auf ihm herumlebenden Wesen sich ähnlich fühlen konnten wie Parasiten etwa in der heutigen Zeit. Diese Mondpflanzen waren von mineralischer Substanz, hatten etwas Leben und waren beweglich, also ein Pflanzenmineral. Was heute unsere Felsen sind, würden wir dort auch gefunden haben, aber es waren horn- oder holzartige Verhärtungen, das heißt von ähnlicher Substanz. Im Umkreise des Mondes, wie eine Art Atmosphäre, waren weniger dichte Nebelmassen, weniger dichter, halb wässeriger, halb lebendiger Substanz, darinnen die Wesen des nächsten Reiches - halb tierischer, halb pflanzlicher Natur — eingebettet waren. Wenn Sie einen Baum quetschen könnten und er würde dabei etwas wie einen Anklang an eine tierische Empfindung haben, dann hätten Sie etwas diesem tierisch-pflanzlichen Reich Ähnliches. Dieses könnte heute als solches nicht mehr innerhalb unserer Erde leben.

[ 3 ] Wie schon öfter erwähnt, bleiben nicht nur in der Schule die Schüler sitzen, sondern es gibt auch in der [kosmischen] Evolution immer Wesenheiten, die sitzenbleiben, und die mit ihnen zusammenhängenden Gestalten, die den Ausdruck dieser Wesenheiten bilden, bleiben dann auch zurück, sie werden erhalten. So gab es gewisse Mondenwesenheiten dann noch auf der Erde, die sozusagen noch nicht so weit waren, daß sie die Erdenentwickelung mitmachen konnten. Diese mußten sich dann in ihrem äußeren Ausdruck das schaffen, was ihre Lebensbedingung gewesen war auf dem Monde. Sie wissen, die Pflanzen auf dem Monde, sie wurzelten nicht wie heute in einem mineralischen Boden, sondern in dem halblebendigen Mondboden. Die Mistel ist zum Beispiel ein Nachkomme, ein Nachzügler einer alten Mondform; sie muß wurzeln auf pflanzlichem Boden. In den Mythen der Völker können Sie manches ausgedrückt finden, das darauf Bezug nimmt, zum Beispiel die Sage von Baldur und Loki, der eine Wesenheit vom Monde her ist, während Baldur eine Wesenheit ist, die innig zusammenhängt mit der Erden- und Sonnenentwickelung. Wenn man eine Sage interpretieren will, dann muß man wissen, aus welchem Gebiet der okkulten Forschung heraus die Zusammenhänge gefunden werden. Durch das, was der Hellseher bringt, kann eine äußere Wissenschaft so befruchtet werden, daß sie in der Sage wieder mehr zu erkennen vermag als bloße Volksphantasie. Mit der ganzen Seele zu forschen, statt nur mit dem Verstande, das muß Geisteswissenschaft lehren.

[ 4 ] Dann haben wir noch ein drittes Reich auf dem Monde, das ein Zwischenreich ist zwischen Tier- und Menschenreich: das Tiermenschenteich. Allerdings würden Sie ganz anders gestaltete Wesenheiten in jenen Tiermenschen finden, als die heutige materialistische Wissenschaft sie sich vorstellt. Sie sind nur deshalb Tiermenschen, weil sie wichtige Glieder ihres Wesens noch nicht in sich, innerhalb ihrer eigenen Wesenheit hatten. Heute hat der schlafende Mensch seinen physischen und Ätherleib hier unten im Bette liegen und den Astralleib außerhalb. Er ist also im Grunde genommen in der physischen Welt nur mit der Hälfte seines Wesens drinnen und nicht der wichtigeren; er gehört mit physischem und Ätherleib gleichsam einem früheren, kosmischen Bewußtseinsstadium an. Auf dem Monde sieht der hellseherische Blick diesen Zustand aalseinen dauernden walten. Der astralische Leib war da noch zu keiner Zeit im physischen und Ätherleib ganz drinnen, nur war er auf dem Monde gründlicher und deutlicher mit dem Menschen verbunden, als er es heute im Schlafe ist. Der Kopf beim Mondenmenschen war noch nicht so abgeschlossen für sich wie heute. Ein Überbleibsel davon, wie damals die Organe da oben im Kopfe waren, ist noch die Stelle oben am Kopfe des Säuglings, die lange sehr weich und offen bleibt. Der Kopf des Menschen war damals nach oben hin vollständig offen, und das Organ, auf das Sie treffen, wenn Sie senkrecht unter dieser weichen Stelle eine Linie ziehen, die Zirbeldrüse, die heute allerdings vertrocknet und verkümmert ist, das war während der Mondenentwickelung ein sehr wichtiges Organ. Es war eine Art Sinnesorgan, das die Verbindung des menschlichen physischen und Ätherleibes mit dem Astralleibe des Menschen vermittelte. Der menschliche Astralleib sandte durch dieses Organ, das wie ein feiner, leuchtender Körper war, seine wichtigsten Strahlenkräfte in die andern Leiber hinein. Es war das Bewußtsein des Menschen nicht Schlaf- und nicht Wachbewußtsein. Äußere Dinge nahm der Mensch nicht wahr. Sein Bewußtsein wäre so etwa mit dem heutigen Traum zu vergleichen gewesen. Diese Zirbeldrüse war damals eine Art Wärmeorgan, sie sandte mächtige, leuchtende Wärmestrahlen aus. Wenn auf dem alten Monde der Mensch sich in der Außenwelt bewegte, so diente dieses Organ dazu, ihm die Richtung, die er zu nehmen hatte, zu weisen. Seine Wahrnehmung auf dem Monde war so, daß der Mensch aufsteigen gefühlt hat etwas wie ein lebendiges Traumbild. Ein gegenständliches Sehen oder Wahrnehmen gab es noch nicht, aber ein innerliches Aufundabwogen von lebendigen Bildern. Die heutigen Traumbilder sind nur schwache Schatten davon. Alles, was der Mensch auf dem Monde unternahm, wie er seine Nahrung suchte und so weiter, alles geschah durch diese Bilder. Diese Mondbilder standen in einem Zusammenhang mit der Außenwelt. Von ihnen konnte er sich dirigieren und leiten lassen. Wenn er seine Nahrung suchte, wurde er dadurch geleitet, daß gewisse Bilder vor ihm aufstiegen; Schädliches wurde ihm durch ganz bestimmte Bilder angezeigt. Und der Astralleib ragte weit hinaus über den physischen und Ätherleib, nur der physische Leib hatte eine Form, die wir als menschliche bezeichnen können.

[ 5 ] Auf dem Monde hatte der Mensch auch noch nicht eine gewisse Konstanz seiner innern Wärme. Heute hat er das, er hat es sich auf der Erde erworben. Auf dem alten Monde nahm der Mensch Wärme von der ihn umgebenden Wärme auf und strömte sie wieder aus, wie er heute die Luft aus- und einatmet. Und das machte sich sichtbar an seinem Wärmeorgan. Das leuchtete auf, erglänzte, wenn er Wärme aufnahm, und wenn er Wärme ausströmte, verdunkelte sich dieses. Hätten Sie das sehen können, so hätte es so ausgesehen wie der Feuerdrache, den Sie heute als eine Nachbildung davon sehen. Das alles hat eine tiefe Bedeutung. Wenn Sie Gestalten sehen, wie den Erzengel Michael, der den Feuerdrachen unter die Füße tritt, oder den Sankt Georg im Kampf mit dem Drachen, so führen solche Vorstellungen auf jene Zustände zurück. Das ist eine Gestalt, die es einmal gegeben hat: jener Feueratmer des alten Mondes, der alte Drache - eine Stufe, die überwunden werden mußte.

[ 6 ] Das ist die aus der okkulten Erkenntnis heraus geschöpfte Erklärung solcher Dinge. Wenn später einmal die Geisteswissenschaft mehr verbreitet sein wird, dann wird man auch solche Dinge, wie sie in solchen Bildern und Vorstellungen erhalten geblieben sind, wieder anders ansehen. Diese Tiermenschengestalt, sie war freilich ganz anders als die der heutigen Menschen, weil der Astralleib noch nicht so tief untertauchte in den menschlichen physischen Leib wie später auf der Erde. Der Mensch ist das Gebilde von heute dadurch, daß der Astralleib ganz in ihn untertauchte. Man könnte sagen, weil das, was während der Mondenentwickelung noch nicht sich darauf einließ, so in die Tiefen der physischen Welt herabzusteigen, sich nun während der Erdenentwickelung dazu entschloß. Wäre aber dieser Vorgang im Kosmos früher vor sich gegangen, dann wäre der Mensch auf einer viel niedrigeren Stufe stehengeblieben. Während der Erdenentwickelung hat er vom Geiste heraus sich zu dieser edlen Gestalt, die gottähnlich ist, durchgerungen. Wäre auf dem Monde schon die Möglichkeit der Menschengestaltung gewesen, so wäre dieses Hinuntersteigen für den Astralleib zu früh gewesen. Die göttlichen Lenker haben stets den richtigen Augenblick gewählt. Denn das ist das Wesentliche der Mondenentwickelung: Es wurde dem physischen Leibe noch sozusagen Zeit gelassen zu seiner Entwickelung, und für die Erde wurde aufgespart, daß der Mensch vom Astralleib durchzogen wurde, nachdem er sich auf dem Monde auf einer unteren Stufe physisch entwickelt hatte. Dann ereignete sich wieder ein gewisses Zurückgehen des Mondes in die vorher abgespaltene Sonne; aufgesogen wurde die alte Mondkugel wieder von der Sonne, und alles ging wiederum in einen Weltenschlaf über, durch ein Pralaya hindurch. Das beginnt in demselben Moment, wo der Mond in die Sonne zurückkehrt.

[ 7 ] Die alte Mondenentwickelung ging also folgendermaßen vor sich: Erstens eine Art Vorbereitung, zweitens Trennung in Sonne und Mond, drittens Bildung der drei Reiche auf dem Monde, viertens Zurückkehren in die Sonne, fünftens ein Abfluten, sechstens der Weltenschlaf.

[ 8 ] Aus diesem Weltenschlaf tritt dann die vierte Metamorphose unserer Erde zutage: unser Planet, die Erde selbst. Diese erste Gestalt der Erde ist allerdings ganz verschieden von dem, was unsere Erde jetzt als Gestalt zeigt. Als sie zuerst aufleuchtete, diese Erde, aus der kosmischen Nacht, dem Dämmerdunkel, da war sie groß, ungeheuer groß, denn sie hatte ja wieder in sich die Sonne und den Mond; alle Abspaltung geschah erst später. Sie war so groß, daß sie bis zum heutigen Saturn reichte. Die Differenzierung unseres Systems geschah erst später. Die Kant-Laplacesche Theorie gibt, soweit es dem physikalischen Denken möglich ist, dieses erste Hervorgehen unserer Erde in ganz verständlicher Weise. Sie spricht von einem Nebel, einer Art Urnebel, in dem alles aufgelöst ist, und aus dem daher das ganze Sonnensystem hervorgeht. Durch die Rotation dieses Nebels haben sich Ringe gebildet, diese Ringe verdichten sich, und durch die Rotation bilden sich dann die Planeten. In der Schule wird das an einem Experiment häufig dargestellt: man bringt eine Ölkugel in einer gleich schweren Flüssigkeit mittels einer einfachen mechanischen Vorrichtung zum Rotieren. Man kann alsdann beobachten, wie sich diese Kugel abplattet, wie sich von ihr Tropfen losreißen, die sich wiederum zu Kugeln formen und die Hauptkugel umkreisen, und auf diese Weise sieht man im Kleinen eine Art Planetensystem durch das Rotieten entstehen. Das wirkt ungeheuer suggestiv. Warum sollte man sich das nicht in der Welt ebenso vorstellen? Man sieht es ja hier förmlich, wie durch die Rotation ein Planetensystem entsteht, man hat es ja vor sich! Man vergißt dabei nur eines - sich selbst oder den Herrn Lehrer, der die Drehung vornimmt. Mit dieser äußeren Tatsache ist nichts erklärt. So etwas wie dieses Weltensystem entsteht nicht aus dem Nichts, entsteht nicht aus dem Nebel von selbst, sondern weil viele geistige Wesenheiten daran gearbeitet haben und an einem bestimmten Punkte ihrer Entwickelung aus der chaotischen Substanz die feinsten Substanzen herauszogen und die gröberen, den Mond, hinausschleuderten.

[ 9 ] In der ersten Zeit nach dem Pralaya wiederholte die Erde, die nun wieder alle die Substanzen und Wesenheiten in sich vereinigt hatte, den Saturnzustand. Sie war im Anfang dieser Entwickelung keine Gaskugel, wie vielfach falsch angenommen wird, sondern eine Wärmekugel. Denn sie wiederholte eben den Saturnzustand und reichte so weit wie bis zum heutigen Saturn. Die geistigen Wesenheiten sind es, die sich auf einer gewissen Stufe ihre Substanzen mitnehmen. Allem liegt eben der Geist zugrunde, sowohl bei der Trennung der Sonne wie bei der alten Mondenentwickelung. Nichts Äußeres war daran schuld, sondern innere Notwendigkeit war es für einen Teil der Wesenheiten. Die höheren Wesenheiten sondern aus der chaotischen Substanz das heraus, was sie brauchen. Der Geist ist es überall, der das Äußere lenkt. Als die Erde zuerst aufleuchtete, war alles in ihr darinnen; da waren diese Wesenheiten auf verschiedenen Stufen ihrer Entwickelung darinnen. Wir werden das bei den nun folgenden Betrachtungen ins Auge fassen.

[ 10 ] Die Erde wiederholte also jetzt zuerst, nach dem Pralaya, den Saturnzustand; das ist ein Wärmezustand. Dann verdichtete sich diese riesige, mächtige Kugel, so daß sie gasig wurde, und erst an einem bestimmten Punkt war es für sie möglich, das Flüssige zu bilden, den Mondzustand zu wiederholen. In diesem Moment wiederholte sich dann auch das, was früher auf dem Monde geschehen war: die Sonne sonderte sich auch von unserer Erde ab, und die Erde plus Mond wurde ein selbständiger Körper mit den Substanzen und Wesenheiten von Erde und Mond, wie sie auch heute vorhanden sind. Es waren also eine Zeitlang Erde plus Mond und Sonne miteinander verbunden. Dann wurde ausgeschieden die Erde plus Mond, denn der Mensch konnte ferner das Tempo der Sonnenwesen nicht mitmachen. Wäre die Sonne in der Erde geblieben, so wäre er, kaum geboren, auch schonalt gewesen. Die Wesenheiten des Weltenalls stehen auf ganz verschiedenen Stufen der Entwickelung. Wir werden nur die Hauptsachen davon für unsere vierte Periode, die Erdenzeit, angeben können. Es gibt alle möglichen Grade, auch bei den reiferen Wesenheiten. Es gab solche, die das rasche Sonnentempo und auch wieder das langsame Tempo der Erde nicht brauchen konnten. Diese nun sonderten sich schon ab vor der Trennung, als Sonne, Erde und Mond noch beisammen waren, und bildeten besondere Schauplätze für ihr Wirken, hatten dort die ihnen gemäßen Herrschaftsgebiete. Dadurch eben bildeten sich die äußeren Planeten Saturn, Jupiter und Mars.

[ 11 ] Während der Wiederholung des Saturnzustandes lösen sich von der Erde ab Uranus, Vulkan und Saturn. Während der Wiederholung des Sonnenzustandes lösen sich ab Jupiter und Mars. Nachdem die Sonne sich von der Erde getrennt hat, spaltete sie von sich ab Merkur und Venus, nach der Sonnentrennung spaltete die Erde ab den Mond. Das Auseinanderzerren des alten Mondes geschah durch die Kräfte der fortgeschrittenen Mächte, welche den Sonnenkörper herauszogen, während die normalen und zurückgebliebenen den ihn umkreisenden Mond bildeten. In allen Mysterien nennt man dies den Streit am Himmel. Die versprengten Planetoiden sind die Trümmer jenes Schlachtfeldes, in welchem auch das Urgeheimnis über die Entstehung des Bösen gesucht werden muß.

[ 12 ] Jene Planetengeister haben sozusagen nicht warten können, bis die Sonne sich von der Erde abspaltete, sie hätten sonst nicht den richtigen Boden für ihre Arbeit gefunden, als die Entwickelung in jenem Zeitpunkt in andere Bahnen einlenkte. Denn die Raum- und Bewegungsverhältnisse der Planeten sind alle der Ausdruck und die Wirkung der Tätigkeit ihrer Wesenheiten; sie bekunden den Entwickelungsstandpunkt der geistigen Wesen, welche die Planeten bewohnen. Wesenheiten nun, die jetzt geglaubt hatten, auch mit der Sonne mitkommen zu können, weil sie es früher gekonnt hatten, und die nun doch nicht mitkamen, die sonderten sich von dieser ab erst nach der Trennung der Sonne von der Erde. Sie schieden erst nachträglich aus, diese Wesenheiten, die immerhin noch weit über den Menschen hinausragten. Sie brauchten einen andern Schauplatz ihrer Tätigkeit. Venus und Merkur, diese beiden, die erst während der Abtrennung unserer Erde von der Sonne sich von dieser sonderten, sie bildeten die inneren Planeten unseres Sonnensystems.

[ 13 ] Für die Erde begann nun, nach ihrer Abtrennung von der Sonne, eine schwere, dunkle Zeit, in einer gewissen Beziehung die finsterste, härteste Zeit für die Erde. Sie war ja noch mit dem Monde verbunden und nahm also in sich alle die Kräfte mit, welche die Entwickelung verzögerten. Das Leben zu hemmen im eminentesten Sinne, das gehört zu den Kräften, die hauptsächlich im Monde wirken. Diese hemmenden Kräfte waren nun in dieser Zeit viel zu stark wirksam in der Erde. Wären sie mit ihr verbunden geblieben, dann wäre das Leben auch nicht in dem richtigen Tempo verlaufen. Der Mensch hätte sich verhärtet bis zur Mumifizierung; ein realer Kirchhof wäre die Erde geworden, ein großer Friedhof, auf welchem Statuen von mumifizierten Menschenleibern sich befunden hätten. Keine Fortpflanzung hätte mehr stattfinden können. Als die Sonne fort war aus der Erde, geschah eine ungeheure Verödung und Verhärtung alles Lebens auf der Erde. Es gab also schon damals Zeiten, wo der physische Leib von dem geistigen Teil verlassen wurde, wie heute der physische Leib von seinem geistigen Teil beim Tode verlassen wird. Es gab damals schon ein Sich-Zurückziehen des Geistig-Seelischen, sein Herausgehen aus dem Physischen und sein Wiederaufsuchen dieses Physischen, wie es heute bei den Inkarnationen der Fall ist. Aber immer häufiger kam es vor, daß, wenn das Seelisch-Geistige wieder einen Menschenleib finden wollte, während der Mond noch mit der Erde verbunden war, es einfach keinen fand, weil der Leib nicht mehr geeignet war, das Geistig-Seelische in sich aufzunehmen. Denken Sie sich, die Menschen würden heute in großen Massen sterben, und es würden durch Eigenschaften des physischen Leibes diese Leiber so in die Dekadenz kommen, daß die Seelen sich sagen würden: Wir können diese Leiber nicht brauchen. Sie sind zu schlecht für uns, wir finden in ihnen keine Gelegenheit zur Weiterentwickelung. - Durch ein besonderes Überhandnehmen des Alkoholismus zum Beispiel würde die Nachkommenschaft allmählich so schlecht, daß die Leiber einfach unbrauchbar für die herabsteigenden Seelen wären, So können Sie sich etwa den damaligen Zustand auf der Erde vor dem Mondenaustritt denken. Verhärtet, verrindet, vertrocknet, mumifiziert war oft alles das, was da unten hätte sollen bewohnt werden. Es gab wirklich eine Zeit, wo die Seelen sich vergeblich nach Leibern für die eigene Erdenentwickelung umschauten. Die Folge davon war, daß gewisse geistig-seelische Wesenheiten zu jener Zeit einfach nicht als Menschen auf den physischen Plan wiederkehren konnten. Sie konnten sich auf der Erde nicht wiederverkörpern. Und diese Wesenheiten, sie gingen nun zu andern Weltenkörpern, zu denen, die sich von der Sonne abgespalten hatten, zu Venus, zu Jupiter, Saturn und Mars. Und es gab eine Zeit, wo ein größerer Teil dieser Wesen, die normalerweise auf der Erde sich hätten verkörpern sollen, je nachdem sie geartet und je nach der Entwickelungsstufe, auf der sie standen, sich unter den Schutz des Mars, des Jupiter, der Venus- oder Saturnwesenheiten begaben, zu diesen Weltenkörpern hinaufstiegen und sie bevölkerten. Und unsere Erde verödete dadurch eine Zeitlang. Nur die allerstärksten Seelen fanden die Möglichkeit, die widerspenstigen Leiber zu besiegen, sie sozusagen weich zu erhalten. Verstehen wir uns recht: nur das allerbeste Seelenmaterial war es, das auf die Erde da wiederkam, weil es die größte Macht hatte, die widerspenstigen Leiber zu besiegen. Die Entwickelung konnte aber dabei nicht vorwärtsgehen.

[ 14 ] Die höchsten Wesenheiten, die zu unserem Sonnensystem gehörten, sie trafen nun eine neue Vorrichtung. Es wurden von den verhärtenden Kräften die dichtesten Substanzen aus der Erde herausgeholt und abgespalten: es geschah die Abtrennung des Mondes. Dadurch wurden die zurückbleibenden Kräfte nicht mehr in ihrer Entwickelung gestört. Dieser Mond wurde aber erst später, wie er heute ist. Für die physische, ätherische Menschenentwickelung war nun die Zeit gekommen, wo sie das richtige Tempo finden konnte, das ihrer Stufe entsprach. Nun wirkten die Sonnen- und die Mondenkräfte von außen auf die Erde gemeinsam und hielten sich die Waage, das Gleichgewicht. Nach und nach, während der Mond sich hinausbegab, fand nun wieder eine Art von Verweichung, von Verbesserung der Menschenleiber statt. Diese Zeit, die wir eben beschrieben haben, nennt man im Okkultismus die lemurische Zeit, die Zeit der Mondentrennung in der physischen Erdenperiode. Die Zeit, da die Sonne hinausgeht aus der Erde, nennt man die hyperboräische Zeit, und jene, wo Sonne, Mond und Erde noch zusammen waren, die polarische Zeit.

[ 15 ] In der ganzen Zeit nun, als die Sonne von der Erde getrennt war und der Mond zuerst verhärtend auf die Erde wirkte und dann die Erde verließ, in jener ganzen Zeit wirkten hohe Wesenheiten auf diese Differenzierung ein. Und ihre bedeutsamsten Diener waren die Geister der Form, in der christlichen Esoterik Exusiai genannt, auch Geister der Offenbarung, Gewalten.

[ 16 ] Auf dem Saturn waren es die Throne, Geister des Willens, die sich opferten und den Stoff für den physischen Leib des Menschen aus ihrer eigenen Substanz träufelten. Auf der Sonne sind es die Herrschaften oder Geister der Weisheit, welche die Substanz für die Ätherkörper hergeben, auf dem Monde die Geister der Bewegung oder die Mächte, welche die Bildung des astralischen Leibes ermöglichen. Auf der Erde nun sind es die Geister der Form oder die Gewalten, welche das Ich eingießen und so bewirken, daß in dieser Entwickelungsphase nach und nach, ganz allmählich, dieses Ich in das, was nun wieder entstanden war, den physischen Leib, den Äther- und Astralleib sich einfügte. Das ist die Arbeit der Geister der Form. Daß ein Ich-Mensch überhaupt entstehen konnte, der Ausdruck eines Ich-Bewußtseins, daß eine solche Gliederung der drei andern Leiber - physischer Leib, Ätherleib, Astralleib - sich bilden konnte, dazu war all das, was wir beschrieben haben, notwendig. Dazu war notwendig das Heraustreten von Sonne und Mond aus der Erde, es war notwendig, daß der Mensch eine solche Verhärtung erfuhr und wieder eine Milderung derselben. All das konnte geschehen dadurch, daß jene weisheitsvollen Wesenheiten, die das alles leiteten, erst probeweise das alles unternahmen zum Heile der Evolution. Es geschieht vieles in der Erdenentwickelung probeweise von den hohen Wesenheiten aus, die hinter der Evolution stehen, auch heute noch. Was ist denn die theosophische Bewegung? Sie ist dadurch in die Welt gekommen, daß durch die hohen Wesenheiten, die wir die Meister nennen, und die in einem physischen Menschenleibe leben, aber auf einer viel höheren Entwickelungsstufe stehen als der Mensch von heute, ausströmte vom letzten Drittel des 19. Jahrhunderts an eine gewisse Summe von Weisheit. Das lebendige Hereinströmen dieser Weisheit aus höheren Regionen in unsere Kultur, das ist die reale Grundlage unserer theosophischen Bewegung. Glauben Sie nicht, daß es nicht möglich wäre, daß die Einströmung, die versucht wird, ein taubes Ohr bei der Menschheit fände. Dann würden sich die Meister sagen: Es muß ein späterer Versuch gemacht werden, wenn die Menschheit reif dazu ist. Man nennt das im Okkultismus: die Probe auf die Reife der Menschheit. Es ist nicht genug damit, daß von solchen höheren Individualitäten Weisheit einströmt in unsere Menschheit, sondern wie ihr entgegengekommen wird, davon hängt das Gelingen der Probe ab. Es sind oft schon solche Proben unternommen worden, aber nicht immer geglückt. Die Menschheit erwies sich oft nur innerhalb enger Grenzen als reif dazu; nicht immer fanden sich geneigte Seelen und Herzen. So wie hier zum Zwecke der theosophischen Bewegung, so geschieht es auch im großen Weltenall. Als das Ich der Menschheit eingeströmt werden sollte, bestand die Probe darin, daß man nach und nach versuchte, das, was früher nur astralischer Leib war, vom Ich aus zu durchdringen. Und da stellte es sich dann heraus, daß der astralische Leib, der durchdrungen war mit dem Ich, nicht vermochte in den physischen Leib einzudringen. Man mußte eine Anpassung vollziehen, und dies geschah dadurch, daß man den Mond hinausführte. Erst in der Mitte der lemurischen Zeit vollzog sich der Einschlag des Ich, des Christus-Prinzips.

[ 17 ] Damit aber hing das Folgende zusammen: Während der Mondloslösung war die Erde verödet. Wir haben gehört, daß die Leiber so schlecht geworden waren, daß sie den Seelen keine Unterkunft mehr sein konnten. In der Sage sind solche kosmischen Vorgänge erhalten geblieben, aber die okkulte Forschung, die zeigt ihren wahren Ursprung und lehrt uns, daß, während der Abtrennung des Mondes, als die Erde verödet war, viele Seelen in dem kosmischen Raum nach geeigneter Verkörperung suchten und dann fortgingen von der Erde und auf andern Planeten sich verkörperten. Jetzt aber, nachdem der Mond fort war, zeigte es sich, daß die Erde wieder fähig war, geeignete Leiber abzugeben. Und jetzt stellten sich auch die Seelen auf der Erde wieder ein, die auf die andern Planeten schon in der letzten Zeit der Lemuria gegangen waren, und darnach in der atlantischen Entwickelung, und sie verkörperten sich wieder in diesen Leibern auf der Erde. Es bildeten sich nun auf der Erde Menschengruppen heraus: solche, die Leiber hatten für Seelen, die von Jupiterverkörperungen herkamen; für jene, die von Mars, Venus oder Saturn kamen und nun das zu ihnen Passende fanden. Diese Gruppierung der Seelen gab die Veranlassung zu der Entstehung der Menschenrassen. Dadurch sind die Rassen in einem gewissen Zusammenhang mit den Weltenkörpern. So konnte man also von Saturnmenschen, Jupitermenschen und so weiter sprechen, und nun hatte auch das erst Berechtigung, was man den Rassenbegriff nennen kann.

[ 18 ] Auf dem Monde, und auch auf der Erde zu ihrer Mondenzeit, gab es Menschen verschiedener Entwickelungsstufen. Wir können das verfolgen bis in das lemurische Zeitalter, wo durch den Austritt des Mondes die Menschheit sich differenziert; darnach taucht der Rassenbegriff auf und beginnt von jetzt ab einen gewissen Sinn, eine gewisse Bedeutung zu haben. Die Rasse ist etwas, was entstanden ist und wieder vergeht. Das Zeitalter, in dem die Rassen sich gebildet haben, ist das lemurische und atlantische Zeitalter. Heute haben wir nur die Nachzügler der Rassen.