Das esoterische Christentum und die
geistige Führung der Menschheit
GA 130
29 Januar 1912, Kassel
15. Die Morgenröte des neueren Okkultismus II
[ 1 ] Heute wollen wir an die Betrachtung von vorgestern etwas anknüpfen, was uns zu tief persönlicher Auffassung theosophischen Lebens führen kann. Wenn wir unser Leben überblicken, wenn wir versuchen, uns in seinen Einzelheiten zurechtzufinden, so können wir durch eine solche Lebensbetrachtung viel gewinnen. Da werden wir sehen an manchen Dingen, die uns als unser Schicksal getroffen haben oder treffen, dass wir sie als gerecht anerkennen müssen, dass wir es so verdient haben. Sagen wir, ein Mensch ist in dieser Inkarnation etwas leichtsinnig gewesen und es trifft ihn später dann ein Schicksalsschlag, so kann man vielleicht nicht mehr äußerlich den Schicksalsschlag mit dem Leichtsinn zusammenbringen, aber man hat doch das Gefühl dafür, dass dieser Schlag uns in gerechter Weise zukommt. Andere Schicksalsschläge finden wir, weiterblickend, die uns wie Zufall dünken müssen, für die wir keine Erklärung finden. Diese zwei Kategorien von Erlebnissen finden wir, wenn wir zurückblicken auf unser Leben.
[ 2 ] Es handelt sich nun darum, dass wir recht sehr unterscheiden zwischen dem, was uns als Zufall erscheint, und demjenigen, was als Notwendigkeit wirkt. Wenn der Mensch sein Leben auf diese zwei Kategorien von Erlebnissen hin betrachtet, dann kann er eine höhere Entwicklung nicht durchmachen, ohne dass er versucht, auf alles zu schauen, was ihm als Zufall erscheint. Wir müssen besonders versuchen zu schauen auf die Dinge, die wir nicht gewollt haben, die dem entgegenstehen, was uns gefällt. Es gibt eine gewisse Möglichkeit der Seelenverfassung, sich auf einen hypothetischen Möglichkeitsstandpunkt zu stellen und sich zu sagen: Wie wäre es, wenn ich mir vorstellte, dass ich dasjenige, was ich nicht gewollt habe, was mir gar nicht angenehm ist, was mir nicht gefällt, gerade so recht gewollt hätte, das was mir damals gerade nicht gefiel, und was ich nicht wollte? Dies muss man sich intensiv vorstellen: Wir selbst hätten diese unsere Lage aufs Energischste gewollt.
[ 3 ] Von dem, was uns Zufall dünkt, müssen wir uns vorstellen: Wie wäre es, wenn wir den energischsten Willen angewendet hätten, um das alles zu wollen? Gleichsam meditierend muss der Mensch sich in diese Seelenstimmung versetzen gegenüber dem, was uns in unserem Leben als zufällige Ereignisse erscheint. Und jeder Mensch der Gegenwart kann dieses tun. Wenn wir so vorgehen, dann macht das nach und nach einen ganz besonderen Eindruck auf unsere Seele, wir fühlen, als ob sich etwas loslösen wollte von uns. Ich habe mir da einen zweiten, einen anderen Menschen vorgestellt, sagt sich die Seele, der ist nun da. Und man kann nicht mehr loskommen von dieser Vorstellung, sondern ein solcher ausgedachter Mensch wird nach und nach zu unserem Doppelgänger. Mit diesem ausgedachten Menschen hast du eigentlich etwas zu tun, sagt sich die Seele. Man steigt auf zu der Vorstellung: Dieser Mensch lebt eigentlich in dir. Und wenn man sich recht intensiv hineinlebt in diese Vorstellung, dann wird man gewahr, dass dieser ausgedachte Mensch nicht so ganz ohne Bedeutung ist. Die Überzeugung wird in uns wach: Das ist schon einmal dagewesen, und damals hast du die Willenskräfte zu den scheinbaren Zufälligkeiten von heute in dir gehabt. - Auf diese Weise verschaffen wir uns eine gründliche Überzeugung davon, dass wir schon einmal da waren, bevor wir in diese Leibeshülle untertauchten. Und jeder Mensch der Gegenwart kann diese Überzeugung sich verschaffen.
[ 4 ] Wir müssen nun ins Auge fassen, wie die aufeinanderfolgenden Inkarnationen des Menschen sind. Was reinkarniert sich denn eigentlich? Wie können wir das finden?
[ 5 ] Im menschlichen Seelenleben haben wir vorzugsweise drei Arten von Seelenerlebnissen zu unterscheiden. Erstens unsere Vorstellungen, unsere Gedanken. Wenn wir uns etwas vorstellen, so kann das ja in ganz neutraler Weise geschehen. Wir brauchen das, was wir uns vorstellen, nicht zu lieben oder zu hassen, ihm weder sympathisch noch antipathisch gegenüberzutreten. An die Vorstellungen reiht sich das Leben in den Gemütsstimmungen, die dadurch entstehen, dass wir das eine gerne haben, lieben, das andere verabscheuen, hassen und so weiter. Eine dritte Art von Seelenerlebnissen bilden die Willensimpulse. Es gibt wohl Übergänge, aber im Großen und Ganzen sind es diese drei Kategorien von Seelenerlebnissen. Und es ist ein Grundzug eines gesunden Seelenlebens, diese drei Erlebnisarten gesondert haben zu können. Unser Vorstellungsleben entsteht dadurch, dass wir äußere Anregungen empfangen. Nun wird jeder leicht einsehen können, dass dieses Vorstellungsleben am engsten zusammenhängt mit der gegenwärtigen Inkarnation. Es wird schon daraus klar, wenn wir bedenken, dass uns die Sprache zum Ausdruck der Vorstellungen dient. Und die Sprache kann natürlich in jeder Inkarnation nur eine andere sein. Ebenso wenig wie wir die Sprache mitbringen, wenn wir eine neue Inkarnation beginnen, ebenso wenig bringen wir die Vorstellungen mit. Beides, sowohl die Sprache als auch die Vorstellungen, müssen wir in jeder Inkarnation neu erringen. Hebbel hat einmal in sein Tagebuch einen merkwürdigen Eintrag gemacht. Er meinte, wie drastisch etwa ein Stück wirken müsste, in dem der wiederverkörperte Plato am meisten kujoniert wird von seinem Lehrer wegen schlechten Plato-Verständnisses. — Also das Vorstellungsleben geht nicht hinüber von einer Inkarnation zur anderen, und vom Vorstellungsleben nimmt der Mensch am wenigsten mit in die nachtodliche Welt. Wir bilden uns keine Vorstellungen nach dem Tode, sondern nehmen die Dinge unmittelbar wahr, wie unser physisches Auge die Farbe wahrnimmt. Das, was wir als Begriffswelt kennen, sehen wir nach dem Tode wie ein Netz, das über die Welt ausgespannt ist. Das aber, was uns bleibt, wenn wir durch die Pforte des Todes geschritten sind, und was wir auch bei einer neuen Erdengeburt wieder mitbringen als seelische Anlagen, das sind unsere Gemütsbewegungen, unsere Gemütsstimmungen. Und wir werden bei einem Kinde zum Beispiel, das in Bezug auf sein Vorstellungsleben noch sehr wenig weit ist, bemerken können, wie dagegen sein Empfindungsleben schon ganz bestimmte Linien zeigt. Und weil unsere Willensimpulse an die Gemütsverfassung geknüpft sind, so gehen auch sie mit uns durch die Pforte des Todes. Wenn zum Beispiel der Mensch sich einem Irrtum hingibt, so bewirkt das in seinem Gemüt etwas anderes, als wenn er sich einer Wahrheit hingibt. An diesen Folgen falscher Vorstellungen leiden wir noch lange nach dem Tode. Daher müssen wir sagen, dass wir auf das sehen müssen, was unsere Gemütsstimmungen und Willensimpulse sind, wenn wir uns fragen, was denn eigentlich von Inkarnation zu Inkarnation geht.
[ 6 ] Nehmen wir nun einmal an, es habe uns vor zehn oder zwanzig Jahren ein schmerzliches Ereignis getroffen. Wir werden uns heute in unseren Vorstellungen noch ganz gut daran erinnern können, sogar an alle Einzelheiten. Aber wie verblasst ist der Schmerz, den wir damals empfunden haben, und wie wenig ist der Mensch imstande, die damaligen Gemütsbewegungen und Willensimpulse nachzuerleben. Denken wir einmal an Bismarck, von dem ja bekannt ist, unter wie außerordentlich schwierigen Verhältnissen er 1866 zum Kriege geschritten ist. Welche Gemütsbewegungen, welche ungeheure Fülle von Willensimpulsen hat sich da in Bismarcks Seele abgespielt! Aber wird Bismarck auch beim Schreiben seiner Lebenserinnerungen diese seelischen Erregungen und Willensentschlüsse wieder durchlebt haben in annähernd derselben Stärke? Gewiss nicht! Das menschliche Gedächtnis ist so beschaffen zwischen Geburt und Tod, dass es als Vorstellungsgedächtnis vorhanden ist. Natürlich kann es sein, dass auch noch nach zehn oder zwanzig Jahren uns Schmerz überkommt bei der Erinnerung an ein damals stattgehabtes, für uns schmerzliches Ereignis, aber im Allgemeinen wird der Schmerz stark verblasst sein im Laufe der Jahre, während sich in unserer Vorstellung die Erinnerung bis auf Einzelheiten erstrecken kann. Wenn wir uns nun vorstellen, wir hätten solche schmerzlichen Ereignisse gewollt, wir hätten sympathisch gefunden, was wir als junger Mensch vielleicht ganz unsympathisch gefunden haben, dann rüttelt die Schwierigkeit dieser Tätigkeit die Seele auf; sie wirkt hinüber in unser Gemüt. Wenn uns früher vielleicht ein Stein auf den Kopf gefallen ist, so versuchen wir jetzt mit aller Kraft, uns vorzustellen, dass wir das selbst so gewollt hätten. Durch solche Vorstellungen, dass wir den Zufall, der uns betroffen, selbst gewollt hätten, bekommen wir ein Gemütsgedächtnis für unsere früheren Inkarnationen. Auf diese Weise erhalten wir eine Vorstellung davon, wie wir hineingestellt sind in die geistige Welt. Unser Schicksal fangen wir an zu verstehen. Den Willen zu den Zufälligkeiten dieses Lebens haben wir aus unserer vorigen Inkarnation mitgebracht.
[ 7 ] Wenn wir uns solchen Gedanken in der Meditation hingeben und sie weiter ausbilden, so kann das von außerordentlicher Wichtigkeit sein. Auch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt geschieht etwas, ja unendlich reich ist diese Zeit an Erlebnissen, die jedoch rein geistiger Art sind. Daher bringen wir auch Gemütsstimmungen und Willensimpulse mit aus der Zeit zwischen dem letzten Tod und der letzten Geburt, also aus der rein geistigen Welt. Darauf beruht eine Tatsache der neueren Zeit, die außerordentlich wichtig ist, die aber im Ganzen wenig beachtet wird. Eine Tatsache, die im Leben vieler Menschen da ist heute, nur die meisten merken es nicht. Aber unsere theosophische Geistesströmung hat die Aufgabe, hinzuweisen auf diese Tatsache und ihre Bedeutung. Lassen Sie mich an einem Beispiel anschaulich machen, um was es sich handelt.
[ 8 ] Ein Mensch, sagen wir, hat Veranlassung, irgendwohin zu gehen, und dieser Weg bringt es mit sich, dass er der Spur eines anderen Menschen folgt, eines Kindes vielleicht. Da sieht der Mensch plötzlich, dass am Rand des Weges, den das Kind geht, ein Abgrund gähnt. Unfehlbar wird das Kind hinabstürzen, wenn es noch einige Schritte weiter tut. Er läuft dem Kinde nach, um es zu retten, läuft und läuft und vergisst dabei ganz den Abgrund. Da plötzlich hört der Betreffende von irgendwoher eine Stimme kommen, die ihm zuruft: Bleibe stehen! - Wie angenagelt steht er still. In dem Moment fasst das Kind einen Baum und bleibt auch stehen, sodass nichts Übles passiert. Wäre die Stimme nicht in diesem Augenblick gekommen, der Mensch wäre unfehlbar in den Abgrund gestürzt. Der Mensch fragt sich nun: Woher kam die Stimme? Er findet niemanden, der gerufen haben könnte. Aber er hat ein Bewusstsein, dass er unfehlbar verloren gewesen wäre, wenn er nicht diese Stimme gehört hätte. Er kann nicht entdecken, dass irgendein physisches Wesen ihn gerufen hat, so genau er auch forscht.
[ 9 ] Ein ähnliches Erlebnis könnten viele Menschen der Gegenwart in ihrem Leben finden bei intimer Selbstbetrachtung. Man beachtet solche Dinge heute nur zu wenig. Entweder wird nun ein solches Erlebnis spurlos an dem betreffenden Menschen vorübergehen, dann verwischt sich der Eindruck, er hält dieses Erlebnis nicht für wichtig. Aber nehmen wir an, der Mensch wird aufmerksam, er hält dieses Erlebnis nicht für bedeutungslos. Dann kommt er vielleicht zu dem Gedanken: Eigentlich standest du da vor einer Krisis, einer karmischen Krisis, eigentlich sollte dein Leben enden in diesem Augenblick, du hattest dein Leben verwirkt. Nur durch etwas Zufallähnliches bist du gerettet, und es ist seit jener Stunde gleichsam ein zweites Leben auf das erste draufgepflanzt. Dieses zweite Leben musst du als dir geschenkt betrachten, und demgemäß hast du dich auch zu benehmen. - Wenn ein solches Erlebnis in einem Menschen diese innere Stimmung auslöst, dass er sein Leben von jener Stunde an als Geschenk betrachtet, so macht dies heute diesen Menschen zu einem Bekenner des Christian Rosenkreutz. Denn so ist seine Art, die Seelen zu sich zu rufen. Und derjenige, der sich zurückerinnern kann an ein solches Erlebnis - und alle, die hier sitzen, können etwas derartiges in ihrem Leben finden bei genügend intimer Betrachtung -, ein solcher kann sich sagen: Christian Rosenkreutz hat mir einen Wink gegeben aus der spirituellen Welt, dass ich seiner Strömung angehöre. Christian Rosenkreutz hat zu meinem Karma hinzugefügt die Möglichkeit eines solchen Erlebnisses. Das ist die Art, wie Christian Rosenkreutz die Wahl seiner Schüler trifft. So wählt er seine Gemeinde. Wer solches bewusst erlebt, der sagt sich: Da ist mir ein Weg gewiesen; ich muss dem nachgehen und sehen, inwiefern ich meine Kräfte in den Dienst des Rosenkreuzertums stellen kann. Die aber, die den Wink nicht verstanden haben, werden später dazu kommen, denn an wen der Wink einmal ergangen ist, der wird auch nicht wieder davon loskommen.
[ 10 ] Dass der Mensch ein Erlebnis der geschilderten Art haben kann, das rührt daher, dass dieser Mensch in der Zeit zwischen seinem letzten Tode und seiner letzten Geburt zusammengertroffen ist in der geistigen Welt mit Christian Rosenkreutz. Damals hat uns Christian Rosenkreutz erwählt. Er hat einen Willensimpuls in uns hineingelegt, der uns nun zu solchen Erlebnissen führt. Das ist die Art, wie geistige Zusammenhänge herbeigeführt werden. Für eine materialistische Auffassung gilt dieses natürlich alles als Halluzination, wie ja auch das Erlebnis des Paulus vor Damaskus als eine Halluzination angesehen wird. Die Konsequenz davon würde natürlich sein, dass das ganze Christentum auf einer Halluzination, also auf einem Irrtum beruht. Denn die Theologen wissen ganz gut, dass eigentlich für das ganze spätere Christentum das Ereignis von Damaskus die Grundlage bildet. Und wenn diese Grundlage auf einer Täuschung beruht, so müsste man natürlich, wenn man konsequent weiterdächte, auch alles, was sich darauf aufbaut, als falsch betrachten.
[ 11 ] So ist heute versucht worden, klarzulegen, wie gewisse Dinge, die uns im Leben etwas angehen, wie gewisse Erlebnisse uns zeigen können, wie wir in die geistigen Zusammenhänge der Welt hineingehören. Wenn wir unser Gemütsgedächtnis ausbilden, wie das heute geschildert wurde, dann leben wir uns ein in das, was als spirituelles Leben die Welt durchströmt und durchpulst. Daher ist noch nicht der ein wahrer Theosoph, der theoretisch die Lehren kennt, sondern erst der, der sein Leben und das der anderen Menschen zu deuten weiß in dem Sinne, wie heute angegeben worden ist. Dann wird Theosophie eine Grundkraft, welche unser Seelenleben umgestaltet. Und das muss ja auch das Ziel der Arbeit in unseren Zweigen sein: dass unsere inneren Seelenerlebnisse andere werden, dass wir das Unsterbliche empfinden lernen durch allmähliche Entwicklung unseres Gemütsgedächtnisses. Der Theosoph muss den Glauben haben: Wenn du nur willst, wenn du nur deine starken inneren Kräfte anwendest, dann kannst du deinen Charakter umgestalten. Man muss fühlen, empfinden lernen, dass in uns selber und in allem anderen ein Unsterbliches waltet. Der Theosoph wird dadurch ein Theosoph, dass er sein ganzes Leben lang aufnahmefähig bleibt, auch mit grauen Haaren. Und dieses Bewusstsein, dass man immer und immer fortschreiten kann, das wird unser ganzes jetziges Geistesleben umgestalten.
[ 12 ] Durch den Materialismus werden die Menschen vorzeitig alt. Vor dreißig Jahren zum Beispiel, ja da haben die Kinder anders ausgeschaut als heute. Heute sieht man schon zehn-, zwölfjährige alte Leute, Kinder, die geradezu einen greisenhaften Eindruck machen, gibt es heute. Die Menschen sind so altklug geworden und ganz besonders die Erwachsenen. Sie sagen: Wir wollen unsere Kinder nicht mehr anlügen, zum Beispiel damit, dass der Storch die Kinder bringe. Die Kinder müssen aufgeklärt werden. Aber so lügen sie die Kinder in Wahrheit an. Unsere Nachkommen werden wieder wissen, dass tatsächlich unsere Kinderseelen als vogelartige geistige Gebilde herunterschweben aus den höheren Welten. Es ist außerordentlich wichtig, dass man eine imaginative Vorstellung hat für manche Dinge, die noch nicht begreiflich sind. Es ist allerdings wohl möglich für die Tatsache, um die es sich handelt, eine bessere Imagination zu finden als die Storchgeschichte. Darauf kommt es an, dass spirituelle Kräfte spielen zwischen Kind und Eltern oder Erzieher, etwas wie ein geheimer Magnetismus muss da sein. Man muss selbst an die Imagination glauben, die man den Kindern gibt. Wenn man den Kindern den Tod erklären will, so muss man hinweisen auf ein anderes Naturereignis. Man kann sagen: Sich dir den Schmetterling an, wie er aus der Puppe herausfliegt: also ist es auch mit der Menschenseele nach dem Tode. - Aber erst muss man selbst glauben, die Welt sei so angeordnet, dass die Mächte in dem Schmetterling, der aus der Puppe herausfliegt, uns ein Bild für den Vorgang des Hervorgehens der Seele aus dem Körper hingezeichnet haben. Der Weltengeist hat uns aufmerksam machen wollen, wie das geschieht, deshalb hat er uns ein solches Bild in die Natur eingezeichnet. Das ist ungeheuer wichtig, dass wir immer lernen können, immer jung bleiben können, unabhängig von unserem physischen Leibe. Und das ist die ungeheuer wichtige Aufgabe der Theosophie: der Welt die Verjüngung zu bringen, die sie braucht. Wir müssen hinauskommen über das banal Sinnliche. Seelisches und Geistiges in der Praxis anzuerkennen, das muss das Ziel unseres Zweiglebens sein. Die Erkenntnis muss uns immer mehr durchdringen, dass wir von der Seele aus Herrscher werden können über das Äußere.
