Experiences of the Supernatural
The Three Paths of the Soul to Christ
GA 143
25 February 1912, Munich
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Experiences of the Supernatural, tr. SOL
5. Spiegelungen des Bewusstseins: Oberwusstsein und Unterbewusstsein
5. Reflections of Consciousness: The Superconscious and the Subconscious
[ 1 ] Es wird heute und übermorgen meine Aufgabe sein, einige der wichtigeren Tatsachen des Bewußtseins und auch der karmischen Zusammenhänge zu besprechen.
[ 1 ] Today and the day after tomorrow, my task will be to discuss some of the more important facts regarding consciousness and karmic connections.
[ 2 ] Im wesentlichen möchte ich gerne an die Auseinandersetzungen anknüpfen, die gestern im öffentlichen Vortrage gegeben worden sind. Es ist ja bei uns einmal so, daß in den öffentlichen Vorträgen für ein größeres Publikum gewisse Dinge anders besprochen werden müssen, als es in den Zweigversammlungen möglich ist, weil die Mitglieder eines Zweiges durch das längere Zusammenarbeiten, durch das längere Sich-Beschäftigen mit den Gegenständen in ganz anderer Weise vorbereitet sind, die Dinge entgegenzunehmen, zu verstehen, als das eben bei einem größeren Publikum der Fall sein kann. Wir haben gestern gesehen, daß wir sprechen können von verborgenen Seiten des menschlichen Seelenlebens, und wir müssen diese verborgenen Seiten des menschlichen Seelenlebens gegenüberstellen den Tatsachen des gewöhnlichen, alltäglichen Bewußtseins.
[ 2 ] Essentially, I would like to pick up where the discussions left off in yesterday’s public lecture. It is simply the case with us that in public lectures for a larger audience, certain things must be discussed differently than is possible in branch meetings, because the members of a branch, through their longer collaboration and their longer engagement with the subjects, are prepared in a completely different way to receive and understand these things than is possible with a larger audience. We saw yesterday that we can speak of hidden aspects of human soul life, and we must contrast these hidden aspects of human soul life with the facts of ordinary, everyday consciousness.
[ 3 ] Wenn Sie einmal nur einen oberflächlichen Blick tun auf dasjenige, was in unserer Seele vom Aufwachen morgens bis zum Einschlafen abends lebt an Vorstellungen, Gemütsstimmungen, Willensimpulsen, wenn Sie dabei natürlich auch alles dasjenige hinzurechnen, was durch die Wahrnehmungen von außen an unsere Seele herankommt, dann haben Sie alles das, was man die Gegenstände des gewöhnlichen Bewußtseins nennen kann. Alles das, was so in unserem Bewußtseinsleben vorhanden ist, ist in diesem unserem gewöhnlichen Bewußtsein angewiesen auf die Werkzeuge des physischen Leibes. Sie haben ja die nächstliegende, selbstverständliche Beweistatsache für das, was eben gesagt worden ist, darin, daß der Mensch eben aufwachen muß, um in diesen Tatsachen des gewöhnlichen Bewußtseins zu leben. Das heißt aber für uns, der Mensch muß untertauchen mit dem, was während des Schlafzustandes außerhalb des physischen Leibes ist, in den physischen Leib, und es muß ihm sein physischer Leib mit seinen Werkzeugen zur Verfügung stehen, wenn die Tatsachen des gewöhnlichen Bewußtseins ablaufen sollen. Nun entsteht natürlich sofort die Frage: In welcher Weise bedient sich der Mensch als geistig-seelisches Wesen seiner leiblichen Werkzeuge, der Sinnesorgane, des Nervensystems, um im alltäglichen Bewußtsein zu leben? — Da ist ja zunächst der Glaube vorhanden draußen in der materialistischen Welt, daß der Mensch eigentlich in seinen leiblichen Werkzeugen dasjenige habe, was seine Bewußtseinstatsachen hervorbringt. Ich habe schon öfters darauf aufmerksam gemacht, daß dies nicht so ist, daß wir uns nicht vorzustellen haben, die Sinnesorgane oder das Gehirn brächten die Bewußtseinstatsachen so hervor, wie etwa die Kerze eine Flamme. Das Verhältnis dessen, was wir Bewußtsein nennen, zu den leiblichen Werkzeugen ist ganz anders. Es ist so, daß wir es vergleichen können mit dem Verhältnis eines Menschen, der sich in einem Spiegel sieht, zu diesem Spiegel. Wenn wir schlafen, leben wir so in unserem Bewußtsein, wie wenn wir einfach geradeaus in einem Raume gehen. Wenn wir geradeaus in einem Raume gehen, dann sehen wir uns nicht, dann sehen wir nicht, wie unsere Nase aussieht, wie unsere Stirn aussieht und so weiter. In dem Augenblick, wo jemand mit einem Spiegel vor uns hintritt und ihn uns entgegenhält, sehen wir uns. Dann tritt das, was aber schon früher da war, uns entgegen; das ist dann für uns da. So ist es mit den Tatsachen unseres gewöhnlichen Bewußtseins. Sie leben fortwährend in uns; sie haben so, wie sie sind, eigentlich gar nichts zu tun mit dem physischen Leibe, so wenig wie wir selbst mit einem Spiegel zu tun haben.
[ 3 ] If you were to take even a cursory look at what lives within our soul from the moment we wake in the morning until we fall asleep at night—at the mental images, moods, impulses of will—and if you also include, of course, everything that reaches our soul through external perceptions—then you have everything that can be called the objects of ordinary consciousness. Everything that is present in our life of consciousness in this way is, in our ordinary consciousness, dependent on the instruments of the physical body. You have, after all, the most obvious, self-evident proof of what has just been said in the fact that a person must wake up in order to live within these facts of ordinary consciousness. But this means for us that a person must immerse what is outside the physical body during the state of sleep into the physical body, and their physical body with its tools must be at their disposal if the facts of ordinary consciousness are to unfold. Now, of course, the question immediately arises: In what way does the human being, as a spiritual-soul being, make use of his physical instruments—the sense organs, the nervous system—in order to live in everyday consciousness? — For there is, of course, the belief prevalent in the materialistic world that the human being actually possesses within his physical instruments that which brings forth the facts of his consciousness. I have often pointed out that this is not the case, that we must not form a mental image of the sense organs or the brain producing the facts of consciousness in the same way that, say, a candle produces a flame. The relationship of what we call consciousness to the physical instruments is quite different. It is such that we can compare it to the relationship of a person who sees himself in a mirror to that mirror. When we sleep, we live in our consciousness just as if we were simply walking straight ahead in a room. When we walk straight ahead in a room, we do not see ourselves; we do not see what our nose looks like, what our forehead looks like, and so on. The moment someone steps in front of us with a mirror and holds it up to us, we see ourselves. Then what was already there before comes to meet us; it is then there for us. So it is with the facts of our ordinary consciousness. They live continuously within us; as they are, they actually have nothing to do with the physical body, just as little as we ourselves have to do with a mirror.
[ 4 ] Die materialistische Theorie ist auf diesem Gebiete nichts weiter als ein Unsinn. Sie ist nicht einmal eine mögliche Hypothese. Denn, was der Materialist behauptet, läßt sich mit nichts anderem vergleichen als damit, daß jemand behaupten würde: Weil er sich im Spiegel sieht, so bringe ihn der Spiegel hervor. — Wenn Sie sich der Täuschung hingeben wollen, daß der Spiegel Sie hervorbringt, weil Sie sich erst wahrnehmen, wenn der Spiegel Ihnen entgegengehalten wird, dann können Sie auch glauben, daß die Gehirnpartien oder Ihre Sinnesorgane den Inhalt des Seelenlebens hervorbringen. Beides wäre gleich «geistreich» und gleich «wahr», und so wahr wie die Behauptung, daß Spiegel Menschen schaffen, ebenso wahr ist es, daß Gehirne Gedanken schaffen. Die Tatsachen des Bewußtseins bestehen. Notwendig ist nur für unsere Organisation, daß wir diese bestehenden Tatsachen des Bewußtseins auch wahrnehmen können. Dazu muß uns das entgegentreten, was Spiegelung des Tatsachenbewußstseins ist in unserem physischen Leib. So daß wir also in unserem physischen Leibe etwas haben, was wir nennen können einen Spiegelungsapparat für die Tatsachen unseres gewöhnlichen Bewußtseins. Es leben also die Tatsachen unseres gewöhnlichen Bewußtseins in unserem geistig-seelischen Wesen, und wir nehmen sie wahr dadurch, daß wir dem, was in uns ist, was wir aber nicht wahrnehmen können seelisch — wie wir uns selber nicht wahrnehmen, wenn kein Spiegel uns gegenübersteht —, den Spiegel der Leiblichkeit entgegengehalten bekommen. Das ist der Tatbestand. Nur hat man es bei dem Leibe nicht mit einem passiven Spiegelungsapparat zu tun, sondern mit etwas, worin Vorgänge sind. Sie können sich also vorstellen, daß, statt daß der Spiegel belegt ist, um die Spiegelung hervorzubringen, da rückwärts allerlei Vorgänge stattfinden müssen. Der Vergleich reicht hin, um wirklich das Verhältnis unseres geistig-seelischen Wesens zu unserem Leibe zu charakterisieren. Das also wollen wir uns vorhalten, daß für alles das, was man im alltäglichen Bewußtsein erlebt, der physische Leib der entsprechende Spiegelungsapparat ist. Hinter oder meinetwillen unter diesen gewöhnlichen Bewußtseinstatsachen liegen noch die Dinge, die da herauffluten in unser gewöhnliches Seelenleben und die wir als die Tatsachen bezeichnen, die in den verborgenen Tiefen der Seele leben.
[ 4 ] In this area, materialist theory is nothing but nonsense. It is not even a plausible hypothesis. For what the materialist claims can be compared to nothing other than someone asserting: Because he sees himself in the mirror, the mirror brings him into being. — If you wish to succumb to the delusion that the mirror produces you, because you only perceive yourself when the mirror is held up to you, then you might as well believe that the parts of the brain or your sensory organs produce the content of your inner life. Both would be equally “ingenious” and equally “true,” and just as true as the claim that mirrors create people, so too is it true that brains create thoughts. The facts of consciousness exist. It is only necessary for our organization that we can also perceive these existing facts of consciousness. For this, we must encounter what is the reflection of factual consciousness in our physical body. So that we have, within our physical body, something we can call a reflective apparatus for the facts of our ordinary consciousness. Thus the facts of our ordinary consciousness live within our spiritual-soul being, and we perceive them by having the mirror of physicality held up to that which is within us but which we cannot perceive soul-wise—just as we do not perceive ourselves when no mirror stands before us. That is the fact. Only, in the case of the body, we are not dealing with a passive mirroring apparatus, but with something in which processes take place. You can therefore form a mental image of what would happen if the mirror were not occupied in order to produce the reflection: all sorts of processes would take place on the other side. The comparison suffices to truly characterize the relationship of our spiritual-soul being to our body. So let us bear in mind that for everything we experience in everyday consciousness, the physical body is the corresponding apparatus of reflection. Behind—or, if you will, beneath—these ordinary facts of consciousness lie the things that well up into our ordinary soul life and which we designate as the facts that live in the hidden depths of the soul.
[ 5 ] Einiges von dem erlebt ja der Dichter, der Künstler, der, wenn er ein wirklicher Dichter, ein wirklicher Künstler ist, weiß, daß ihm nicht auf die gewöhnliche Weise, wie man sonst logisch überlegt, oder durch äußere Wahrnehmungen, das, was er in seiner Dichtung auslebt, zukommt; sondern er weiß, daß die Dinge herauftauchen aus unbekannten Tiefen und wirklich da sind, ohne daß sie erst zusammengestellt werden durch die Kräfte des gewöhnlichen Bewußtseins. Aber es tauchen ja aus diesen verborgenen Tiefen des Seelenlebens auch andere Dinge auf. Damit haben wir dann diejenigen Dinge gegeben, welche, ohne daß wir im gewöhnlichen Leben so recht ihren Ursprung kennen, mitspielen im gewöhnlichen Bewußtsein.
[ 5 ] The poet and the artist experience some of this; for if they are true poets and true artists, they know that what they express in their poetry does not come to them in the usual way—through logical reasoning or external perceptions— but rather knows that these things emerge from unknown depths and are truly there, without first being assembled by the forces of ordinary consciousness. But other things also emerge from these hidden depths of the soul’s life. With this, we have then those things which, without our really knowing their origin in ordinary life, play a part in ordinary consciousness.
[ 6 ] Aber wir haben gestern schon gesehen, daß man auch tiefer hinuntersteigen kann, da, wo das Gebiet des Halbbewußtseins ist, das Gebiet der Träume, und wir wissen, daß die Träume etwas heraufheben aus den verborgenen Tiefen des Seelenlebens, das wir nicht auf eine einfache, gewöhnliche Weise, durch Anstrengung unseres Bewußtseins heraufheben können. Wenn dem Menschen etwas, was er längst für seine Erinnerung begraben hat, in einem Traumbild vor die Seele tritt, wie das immer und immer wieder geschieht, so ist das so, daß der Mensch in den weitaus meisten Fällen niemals in die Lage kommen könnte, diese Dinge durch bloßes Besinnen aus den verborgenen Schachten des Seelenlebens heraufzuholen, weil eben das gewöhnliche Bewußtsein nicht bis da hinunterreicht. Aber das, was für das gewöhnliche Bewußtsein nicht mehr erreichbar ist, das ist für das Unterbewußtsein sehr wohl erreichbar. Und in jenem halbbewußten Zustand, der im Traum vorhanden ist, da wird eben manches, was sozusagen geblieben ist, was aufgespart ist, dann heraufgeholt; das schlägt herauf. Nur diejenigen Dinge schlagen herauf, die eigentlich nicht ihre Wirkung gefunden haben in der Art, wie sonst das, was hinuntergetaucht ist aus der Erfahrung in die verborgenen Seelentiefen, seine Wirkung findet. Wir werden gesund oder krank, mißgestimmt oder heiter gestimmt, aber so, daß wir das nicht so im gewöhnlichen Verlauf unseres Lebens haben, sondern daß es ein körperlicher Zustand ist durch das, was von unserer Lebenserfahrung hinuntergetaucht ist, was nicht mehr erinnert werden kann, was aber da unten im Seelenleben arbeitet und uns so macht, wie wir im Verlaufe des Lebens werden. Manches Leben würde uns sehr erklärlich werden, wenn wir wüßten, was in die verborgenen Tiefen im Verlauf des Lebens hinuntergetaucht ist. Wir würden manchen Menschen in seinem dreißigsten, vierzigsten, fünfzigsten Jahr besser verstehen können, würden wissen können, warum er diese oder jene Anlage hat, warum er sich in dieser oder jener Beziehung so tief unbefriedigt fühlt, ohne daß er sagen kann, was diese Mißstimmung hervorruft, wenn wir das Leben eines solchen Menschen in die Kindheit zurückverfolgen könnten. Wir würden dann eine Anschauung davon gewinnen, wie Eltern, wie die sonstige Umgebung auf das Kind gewirkt haben, was hervorgerufen worden ist an Leid und Freude, Lust und Schmerz, was vielleicht total vergessen ist, aber an der gesamten Stimmung des Menschen arbeitet. Denn, was aus unserem Bewußtsein hinunterrollt und hinunterwogt in die verborgenen Tiefen des Seelenlebens, das arbeitet da unten weiter. Nun ist es das Eigentümliche, daß das, was so arbeitet, zunächst an uns selbst arbeitet, daß es sozusagen die Sphäre unserer Persönlichkeit nicht verläßt. Wenn deshalb das hellseherische Bewußtsein da hinuntersteigt — und das geschieht schon durch die Imagination, durch das, was man imaginative Erkenntnis nennt —, dahin, wo im Unterbewußtsein die Dinge walten, die jetzt charakterisiert worden sind, dann findet der Mensch eigentlich immer sich selbst. Er findet, was da wogt und lebt, in sich selber. Und das ist gut. Denn eigentlich muß der Mensch in wahrer Selbsterkenntnis sich so kennenlernen, daß er all die Triebkräfte wirklich anschaut und kennenlernt, die in ihm wirken.
[ 6 ] But we saw yesterday that one can descend even deeper, into the realm of semi-consciousness, the realm of dreams, and we know that dreams bring up something from the hidden depths of the soul’s life that we cannot bring up in a simple, ordinary way through the effort of our consciousness. When something that a person has long since buried in their memory appears before their soul in a dream image—as happens time and again—it is because, in the vast majority of cases, the person would never be able to bring these things up from the hidden depths of the soul’s life through mere recollection, precisely because ordinary consciousness does not reach down that far. But what is no longer accessible to ordinary consciousness is very much accessible to the subconscious. And in that semi-conscious state present in dreams, many things that have, so to speak, remained, that have been stored away, are then brought up; they surface. Only those things surface that have not actually taken effect in the way that what has otherwise sunk from experience into the hidden depths of the soul usually takes effect. We become healthy or sick, out of sorts or cheerful, but not in the way we experience it in the ordinary course of our lives; rather, it is a physical state brought about by what has sunk down from our life experience—things that can no longer be recalled, yet which work down there in the life of the soul and shape us into who we become over the course of our lives. Many lives would become very understandable to us if we knew what has sunk into the hidden depths in the course of life. We would be able to better understand many people in their thirties, forties, or fifties; we would be able to know why they have this or that disposition, why they feel so deeply unsatisfied in this or that relationship without being able to say what causes this discontent, if we could trace such a person’s life back to childhood. We would then gain an insight into how parents and the wider environment have affected the child, what has been evoked in terms of suffering and joy, pleasure and pain—things that may be completely forgotten but continue to shape the person’s overall disposition. For whatever rolls and surges down from our consciousness into the hidden depths of the soul’s life continues to work there below. Now, the peculiar thing is that what works in this way first works upon ourselves, that it does not, so to speak, leave the sphere of our personality. Therefore, when the clairvoyant consciousness descends there—and this already happens through imagination, through what is called imaginative insight—to where, in the subconscious, the things now described are at work, then the human being actually always finds themselves. They find what is surging and living there within themselves. And that is good. For in true self-knowledge, a person must come to know themselves in such a way that they truly observe and come to know all the driving forces at work within them.
[ 7 ] Wenn der Mensch mit dem hellseherischen Bewußtsein durch die Übungen der imaginativen Erkenntnis hinunterdringt ins Unterbewußtsein und nicht aufmerksam ist darauf, daß er da zunächst nur sich selbst findet mit alldem, was er ist und was in ihm wirkt, dann ist der Mensch den allermannigfaltigsten Irrtümern ausgesetzt; denn durch irgendwelche mit den gewöhnlichen Bewußtseinstatsachen vergleichbare Art wird man keineswegs gewahr, daß man es zu tun hat nur mit sich selber. Es tritt auf irgendeiner Stufe die Möglichkeit auf, sagen wir, Visionen zu haben, Gestalten vor sich zu sehen, die durchaus etwas Neues sind gegenüber dem, was man sonst durch die Lebenserfahrungen kennengelernt hat. Das kann auftreten. Wenn man aber etwa die Vorstellung haben sollte, daß das schon Dinge sein müßten der höheren Welten, so würde man sich einem schweren Irrtum hingeben. Diese Dinge stellen sich nicht so dar, wie sich für das gewöhnliche Bewußtsein die Dinge des inneren Lebens darstellen. Wenn man Kopfschmerzen hat, so ist das eine Tatsache des gewöhnlichen Bewußtseins. Man weiß, daß die Schmerzen in unserem eigenen Kopfe sitzen. Wenn man Magenschmerzen hat, nimmt man sie in sich selber wahr. Wenn man in die Tiefen, die wir die verborgenen Seelentiefen nennen, hinuntersteigt, dann kann man durchaus nur in sich selbst sein, und dennoch kann das, was einem entgegentritt, sich so hinstellen, als wenn es außer uns wäre. Nehmen wir als Beispiel einen eklatanten Fall, nehmen wir an, jemand hätte den allersehnlichsten Wunsch, die Wiederverkörperung der Maria Magdalena zu sein. Ich habe schon einmal erzählt, daß ich vierundzwanzig Magdalenas in meinem Leben gezählt habe. Nehmen wir aber auch an, daß er sich zunächst diesen Wunsch nicht gesteht: Wir brauchen ja nicht mit dem oberen Bewußtsein unsere Wünsche uns zu gestehen, das ist nicht notwendig. Also irgend jemand liest in der Bibel die Geschichte der Maria Magdalena, sie gefällt ihm außerordentlich. Nun kann in seinem Unterbewußtsein sogleich die Begierde aufsteigen, die Maria Magdalena zu sein. In seinem Oberbewußtsein ist nichts anderes vorhanden als das Gefallen an dieser Gestalt. Im Unterbewußtsein, das heißt so, daß der Mensch nichts davon weiß, lebt aber sogleich die Begierde sich ein, diese Maria Magdalena zu sein. Jetzt geht dieser Mensch durch die Welt. Solange sonst nichts eintritt, so lange gefällt ihm für sein Oberbewußtsein, das heißt für das, was er weiß, die Maria Magdalena. Im Unterbewußtsein ist die brennende Begierde, selber die Maria Magdalena zu sein; aber davon weiß er gar nichts. Das geniert ihn also auch weiter nicht. Er richtet sich nach den Tatsachen seines gewöhnlichen Bewußtseins; er kann durch die Welt gehen, ohne daß er irgendwie in seinem Oberbewußtsein solch eine schlimme Tatsache zu haben braucht wie die Begierde, Maria Magdalena zu sein. Aber nehmen wir an, solch ein Mensch komme dazu, durch irgendwelche Handhabung von den oder jenen okkulten Strebemitteln etwas in seinem Unterbewußtsein zu erreichen. Dann steigt er hinunter in sein Unterbewußtsein. Er braucht nicht diese Tatsache, «in mir ist die Begierde, Maria Magdalena zu sein», so wahrzunehmen, wie man den Kopfschmerz wahrnimmt. Würde er wahrnehmen die Begierde, Maria Magdalena zu sein, dann würde er vernünftig sein können. Er würde sich gegenüber dieser Begierde so verhalten, wie man sich gegenüber dem Schmerz verhält und würde sie loszukriegen suchen. Aber so stellt sich das, wenn eben eine irreguläre Eindringung stattfindet, nicht dar, sondern es stellt sich diese Begierde außerhalb der Persönlichkeit des Menschen als Tatsache hin, es stellt sich die Vision hin: Du bist Maria Magdalena. — Es steht da vor dem Menschen, es projiziert sich diese Tatsache. Und dann ist ja ein Mensch, so wie heute nun einmal die menschliche Entwickelung ist, nicht mehr imstande, mit seinem Ich eine solche Tatsache zu kontrollieren. Bei regelrechter, bei guter, bei absolut sorgfältiger Schulung kann das nicht eintreten; denn da geht das Ich mit in alle Sphären. Aber sobald etwas eintritt, ohne daß das Ich mitgeht, da tritt das als eine objektive äußere Tatsache auf. Der Betrachter glaubt sich zurückzuerinnern an das, was die Ereignisse in und um Maria Magdalena waren, und fühlt sich identisch mit dieser Maria Magdalena. Das ist durchaus eine Möglichkeit.
[ 7 ] When a person with clairvoyant consciousness delves into the subconscious through the exercises of imaginative cognition and fails to realize that there, at first, they encounter only themselves—with all that they are and all that is at work within them—then that person is exposed to the most manifold errors; for in no way does one become aware, through any means comparable to ordinary states of consciousness, that one is dealing only with oneself. At some stage, the possibility arises—let us say—of having visions, of seeing figures before oneself that are entirely new compared to what one has otherwise come to know through life experiences. This can occur. But if one were to have a mental image of these being things of the higher worlds, one would be committing a grave error. These things do not present themselves in the same way that the phenomena of inner life appear to ordinary consciousness. If one has a headache, that is a fact of ordinary consciousness. One knows that the pain is located in one’s own head. If one has stomach pain, one perceives it within oneself. When one descends into the depths we call the hidden depths of the soul, one can certainly be entirely within oneself, and yet what one encounters may present itself as if it were outside of us. Let us take a striking example: suppose someone has the most ardent desire to be the reincarnation of Mary Magdalene. I have already mentioned that I have counted twenty-four Magdalenes in my life. But let us also assume that at first he does not admit this desire to himself: after all, we do not need to admit our desires to our higher consciousness; that is not necessary. So someone reads the story of Mary Magdalene in the Bible, and it appeals to him immensely. Now the desire to be Mary Magdalene can immediately arise in his subconscious. In his conscious mind, there is nothing other than a fondness for this figure. In the subconscious—that is, without the person being aware of it—the desire to be this Mary Magdalene takes root immediately. Now this person goes through the world. As long as nothing else happens, Mary Magdalene remains pleasing to his conscious mind—that is, to what he knows. In the subconscious lies the burning desire to be Mary Magdalene herself; but he knows nothing of this. So this does not bother him either. He acts according to the facts of his ordinary consciousness; he can go through the world without having to carry in his conscious mind such a terrible fact as the desire to be Mary Magdalene. But let us suppose that such a person comes to achieve something in his subconscious through some use of one or another occult means. Then he descends into his subconscious. He does not need to perceive this fact—“in me is the desire to be Mary Magdalene”—in the same way one perceives a headache. If they were to perceive the desire to be Mary Magdalene, then they would be able to act rationally. They would relate to this desire as one relates to pain and would seek to get rid of it. But when an irregular intrusion occurs, it does not present itself in this way; rather, this desire presents itself as a fact outside the person’s personality, the vision presents itself: You are Mary Magdalene. — It stands there before the person; this fact projects itself. And then, given the state of human development today, a person is no longer able to control such a fact with their ego. With proper, sound, and absolutely meticulous training, this cannot occur; for then the ego accompanies the person into all spheres. But as soon as something occurs without the ego accompanying it, it appears as an objective external fact. The observer believes they are recalling the events surrounding Mary Magdalene and feels identified with this Mary Magdalene. This is certainly a possibility.
[ 8 ] Ich hebe diese Möglichkeit heute aus dem Grunde hervor, weil Sie daraus sehen sollen, daß eigentlich nur die Sorgfalt der Schulung, nur die Sorgfalt, wie man sich hineinfindet in den Okkultismus, einen davor retten kann, Irrtümern zu verfallen. Wenn man weiß: Du mußt zuerst eine ganze Welt vor dir sehen, mußt Tatsachen um dich herum wahrnehmen, nicht aber etwas, was du auf dich beziehst, was in dir ist, aber wie ein Welttableau erscheint, wenn man weiß, daß man gut tut, das, was man zuerst sieht, bloß als die Hinausprojektion seines eigenen Innenlebens zu betrachten, dann hat man ein gutes Mittel gegenüber den Irrtümern auf diesem Wege. Das ist das allerbeste: zunächst alles wie Tatsachen zu betrachten, welche aus uns selber aufsteigen. Meistens steigen die Tatsachen aus unseren Wünschen, Eitelkeiten, aus unserem Ehrgeiz, kurz, aus den Eigenschaften auf, die mit dem Egoismus des Menschen verknüpft sind.
[ 8 ] I am emphasizing this possibility today because I want you to see that, in fact, only the care taken in one’s training—only the care with which one approaches occultism—can save one from falling into error. If one knows: You must first see a whole world before you, must perceive facts around you, not something you relate to yourself, something that is within you but appears as a world tableau—if one knows that it is wise to regard what one first sees merely as the outward projection of one’s own inner life, then one has a good safeguard against errors on this path. This is the very best approach: to regard everything at first as facts that arise from within ourselves. Most often, these facts arise from our desires, vanities, and ambition—in short, from the qualities linked to human egoism.
[ 9 ] Diese Dinge projizieren sich hauptsächlich nach außen, und Sie können jetzt die Frage aufwerfen: Wie entkommt man nunmehr diesen Irrtümern? Wie kann man sich vor ihnen retten? — Durch die gewöhnlichen Tatsachen des Bewußtseins kann man sich eigentlich nicht vor ihnen retten. Es kommt gerade dadurch der Irrtum zustande, daß man sozusagen, während einem sich in Wirklichkeit ein Welttableau gegenüberstellt, nicht aus sich herauskann, in sich ganz verstrickt ist. Daraus können Sie schon entnehmen, daß es eigentlich darauf ankommt, daß wir in irgendeiner Art aus uns herauskommen, in irgendeiner Art unterscheiden lernen: Hier hast du eine Vision und hier eine andere. Die Visionen sind beide außer uns. Die eine ist vielleicht nur die Projektion eines Wunsches, die andere ist eine Tatsache. Aber sie sind nicht so verschieden, wie es im gewöhnlichen Leben ist, wenn ein anderer sagt, er habe Kopfschmerz, und wenn man selber Kopfschmerz hat. Geradeso herausprojiziert in den Raum ist das eigene Innere wie das fremde. Wie kommen wir zu einer Unterscheidung?
[ 9 ] These things are projected primarily outward, and you may now ask: How does one escape these errors? How can one save oneself from them? — One cannot actually save oneself from them through the ordinary facts of consciousness. The error arises precisely because, so to speak, while one is actually confronted with a tableau of the world, one cannot step outside oneself, but is completely entangled within oneself. From this you can already infer that what really matters is that we find some way to step outside ourselves, to learn to distinguish in some way: here you have one vision and here another. Both visions are outside of us. One may be merely the projection of a wish, the other a fact. But they are not as different as they are in ordinary life, when someone else says they have a headache and when you yourself have a headache. Projected out into space, one’s own inner self is just like that of another. How do we arrive at a distinction?
[ 10 ] Wir müssen nämlich innerhalb des okkulten Feldes zur Unterscheidung kommen, wir müssen die wahre Impression von der falschen unterscheiden lernen, obwohl sie alle durcheinandergehen und alle mit dem gleichen Anspruch auf Richtigkeit auftreten. Es ist, wie wenn wir hineinschauen würden in die physische Welt und da neben wirkliche Bäume Phantasiebäume gestellt wären: Wir könnten sie nicht unterscheiden. Wie wenn miteinander da wären wahre und falsche Bäume, sind wirkliche Tatsachen da, die außer uns sind, und Tatsachen, die nur in unserem eigenen Inneren aufsteigen. Wie lernen wir diese beiden Gebiete, die ineinandergeschachtelt sind, unterscheiden?
[ 10 ] For within the occult realm, we must learn to distinguish; we must learn to tell the true impression from the false one, even though they are all intermingled and all present themselves with the same claim to truth. It is as if we were looking into the physical world and found fantasy trees placed alongside real ones: we would not be able to tell them apart. Just as there are true and false trees side by side, there are real facts that exist outside of us, and facts that arise only within our own inner being. How do we learn to distinguish between these two realms, which are intertwined?
[ 11 ] Man lernt sie nicht unterscheiden durch sein Bewußtsein zunächst. Wenn man nur innerhalb des Vorstellungslebens bleibt, da gibt es eigentlich gar keine Möglichkeit der Unterscheidung, sondern die Möglichkeit liegt nur in der langsamen okkulten Erziehung der Seele. Wenn wir immer weiter und weiter kommen, kommen wir eben auch dazu, wirklich unterscheiden zu lernen, das heißt, auf dem okkulten Gebiete das zu machen, was wir machen müßten, wenn Phantasie- und wirkliche Bäume nebeneinander wären. Durch die Phantasiebäume können wir hindurchgehen; an den wirklichen Bäumen stoßen wir uns. So etwas Ähnliches, aber jetzt natürlich nur als geistige Tatsache, muß uns entgegentreten auch auf dem okkulten Felde. Nun kann man, wenn man richtig vorgeht, in verhältnismäßig einfacher Weise unterscheiden lernen das Wahre vom Falschen auf diesem Gebiet, aber nicht durch Vorstellungen, sondern durch einen Willensentschluß. Dieser Willensentschluß kann auf folgende Weise zustande kommen: Wenn wir unser Leben überschauen, so finden wir in diesem unserem Leben zwei deutlich unterscheidbare Gruppen von Vorkommnissen. Wir finden oftmals, daß dieses oder jenes, das uns gelingt oder mißlingt, eben in ganz regulärer Weise mit unseren Fähigkeiten zusammenhängt. Wir finden es also begreiflich, weil wir auf irgendeinem Gebiet nicht gerade sonderlich gescheit sind, daß uns da nichts Besonderes gelingt. Wo wir uns wiederum Fähigkeiten zumuten, da finden wir es auch ganz begreiflich, daß uns dieses oder jenes gelinge. Vielleicht brauchen wir gar nicht immer so deutlich den Zusammenhang zwischen dem, was durch uns ausgeführt wird und unserer Fähigkeit einzusehen. Es gibt auch eine unbestimmtere Art, diesen Zusammenhang einzusehen. Wenn zum Beispiel irgend jemand in seinem späteren Leben von diesem oder jenem Schicksalsschlag verfolgt wird, so kann er zurückdenken und sich sagen: Ich war ein Mensch, der wenig dazu getan hat, sich energisch zu machen —, oder: Ich war immer ein leichtsinniger Kerl. — Anderseits wird er sich auch sagen können: Es ist mir nicht unmittelbar einleuchtend, wie der Zusammenhang zwischen meinem Mißlingen und den Dingen ist, die ich getan habe; aber es leuchtet mir ein, daß einem leichtsinnigen, faulen Menschen nicht alle Dinge so gelingen können, wie einem gewissenhaften und fleißigen. — Kurz, es gibt solche Dinge, bei denen wir begreiflich finden, daß sie sich so als unser Mißlingen oder Gelingen abspielen, wie sie sich eben abspielen, aber bei anderen kommt es vor, daß wir den Zusammenhang nicht einsehen, daß wir uns sagen: Trotzdem wir eigentlich diese oder jene Fähigkeiten haben, nach denen uns das eine oder andere hätte gelingen müssen, ist es eben nicht gelungen. Es gibt eben auch den Typus von Gelingen oder Mißlingen, wo wir zunächst nicht einsehen können, wie das mit unseren Fähigkeiten zusammenhängt. Das ist das eine. Das andere ist, daß wir gewissen Dingen gegenüber, die uns sonst äußerlich in der objektiven Welt als Schicksalsschläge treffen, zuweilen sagen können: Nun ja, es scheint uns schon recht, denn eigentlich haben wir alle Vorbedingungen dazu geliefert. — Aber andere Dinge, von denen können wir die Meinung haben: Sie treten ein, ohne daß wir etwas finden, was wir als Ursachen angeben können. — Wir haben also zwei Typen von Erlebnissen: Solche, die aus uns selber stammen und bei denen wir den Zusammenhang mit dem, was wir selber als Fähigkeiten haben, einsehen; und den anderen Typus, den wir auch charakterisiert haben. Und wiederum bei äußeren Erlebnissen solche Ereignisse, bei denen wir uns nicht sagen können, daß wir die Bedingungen dazu herbeigeführt haben, gegenüber anderen, bei denen wir wissen: Wir haben die Bedingungen herbeigeführt.
[ 11 ] At first, one cannot distinguish between them through one’s consciousness alone. If one remains solely within the realm of imagination, there is actually no possibility of distinction; rather, the possibility lies only in the slow occult education of the soul. As we go further and further, we also come to truly learn to distinguish—that is, to do in the occult realm what we would have to do if imaginary and real trees were standing side by side. We can walk right through the imaginary trees; we bump into the real ones. Something similar, though now of course only as a spiritual reality, must confront us in the occult realm as well. Now, if one proceeds correctly, one can learn to distinguish the true from the false in this realm in a relatively simple way—not through mental images, but through a decision of the will. This act of will can come about in the following way: When we survey our lives, we find in this life of ours two clearly distinguishable groups of events. We often find that this or that, which we succeed or fail at, is simply connected in a very regular way to our abilities. We therefore find it understandable that, because we are not particularly skilled in a certain area, we do not achieve anything special there. Conversely, where we assume we have the necessary abilities, we also find it quite understandable that we succeed in this or that. Perhaps we do not always need to perceive so clearly the connection between what we accomplish and our ability. There is also a more vague way of perceiving this connection. If, for example, someone is plagued by this or that stroke of fate in their later life, they can look back and say to themselves: I was a person who did little to make an effort—or: I was always a reckless fellow. — On the other hand, they may also say to themselves: It is not immediately clear to me how my failure is connected to the things I have done; but it does make sense to me that a careless, lazy person cannot succeed in everything as well as a conscientious and diligent one. — In short, there are certain things where we find it understandable that they play out as our failure or success just as they do, but with others it happens that we do not see the connection, that we say to ourselves: Even though we actually possess this or that ability, by virtue of which we should have succeeded in one thing or another, it simply did not work out. There is also a type of success or failure where we cannot initially see how it relates to our abilities. That is one thing. The other is that, in the face of certain things that otherwise strike us externally in the objective world as strokes of fate, we can sometimes say: Well, it seems fair to us, because we actually provided all the preconditions for it. — But regarding other things, we may hold the view: They occur without us being able to identify anything we can cite as a cause. — We thus have two types of experiences: those that originate from within ourselves and in which we recognize the connection to our own abilities; and the other type, which we have also characterized. And again, with external experiences, there are events where we cannot say that we brought about the conditions for them, as opposed to others where we know: We brought about the conditions.
[ 12 ] Nun können wir ein wenig Umschau halten in unserem Leben. Da gibt es ein Experiment, das jedem Menschen nützlich ist, das in folgendem besteht. Wir könnten uns alle diejenigen Dinge zusammenstellen, für die wir die Ursachen im Leben nicht einsehen, also Dinge, die uns gelungen sind und bei denen wir uns sagen müssen: Da hat wieder einmal ein blindes Huhn ein Korn gefunden —, bei denen wir uns also für das Gelingen durchaus kein Verdienst zuschreiben. Aber auch Fälle des Mißlingens, an die wir uns erinnern, fassen wir so zusammen. Dann fassen wir äußere Ereignisse ins Auge, die uns wie Zufall getroffen haben, bei denen wir nichts wissen von irgendeiner Motivierung. Und nun machen wir folgendes Experiment: Wir konstruieren gewissermaßen einen künstlichen Menschen, der gerade so geartet ist, daß er all das, von dem wir nicht wissen, warum es uns gelungen ist, durch seine eigenen Fähigkeiten herbeigeführt hat. Wenn uns also einmal etwas gelungen ist, wozu Weisheit notwendig ist, während wir da gerade dumm sind, so konstruieren wir uns einen Menschen, der auf diesem Gebiet besonders weise ist und dem die Sache hat gelingen müssen. Oder für ein äußeres Ereignis machen wir es so: Sagen wir, uns fällt ein Ziegelstein auf den Kopf. Wir können zunächst die Ursachen nicht einsehen, aber wir stellen uns einen Menschen vor, der dieses Ziegel-auf-den-Kopf-Fallen in folgender Weise hervorruft: Er läuft zunächst auf das Dach und zieht dort den Ziegelstein so weit los, daß er nur ein klein wenig zu warten hat, bis er herunterfällt; dann läuft er rasch hinunter, und der Ziegelstein trifft ihn. Und so machen wir es mit bestimmten Ereignissen, von denen wir durchaus wissen, daß wir sie nicht selber herbeigeführt haben nach unserem gewöhnlichen Bewußtsein, die uns sogar sehr gegen unseren Willen kommen.
[ 12 ] Now we can take a brief look around at our lives. There is an experiment that is useful for everyone, which consists of the following. We could compile a list of all those things for which we cannot see the causes in life—that is, things we have succeeded at and about which we have to say: “It was just a fluke”—in other words, instances where we take absolutely no credit for the success. But we also include instances of failure that we remember. Then we consider external events that seemed to happen by chance, for which we have no idea of any underlying motivation. And now we conduct the following experiment: We construct, so to speak, an artificial person who is precisely of such a nature that he has brought about, through his own abilities, all those things for which we do not know why we succeeded. So if we have succeeded at something that requires wisdom, while we ourselves are actually foolish in that regard, we construct a person who is particularly wise in that area and for whom the matter must have succeeded. Or for an external event, let’s do it this way: Let’s say a brick falls on our head. At first we cannot see the causes, but we create a mental image of a person who brings about this “brick-falling-on-the-head” in the following way: First, he runs up onto the roof and loosens the brick there just enough so that he has only to wait a little while before it falls; then he runs down quickly, and the brick hits him. And this is how we handle certain events that we know full well we did not bring about ourselves according to our ordinary consciousness—events that even occur very much against our will.
[ 13 ] Nehmen wir an, es hätte uns irgend jemand einmal in unserem Leben geschlagen. Damit uns das nicht so schwer ankommt, können wir ein solches Ereignis in die Kindheit zurückverlegen. Denken wir uns, wir hätten irgendwie einen Menschen angestellt, der uns prügelte. Wir hätten also durchaus alles getan, um diese Prügel zu bekommen. Wir konstruieren uns also einen Menschen, der just alles auf sich lädt, wovon wir da den Zusammenhang nicht einsehen können. Ja, sehen Sie, wenn man im Okkultismus vorwärtskommen will, muß man schon manche Dinge machen, die dem, was gewöhnliche Tatsachen sind, zuwiderlaufen. Wenn man nur das macht, was gewöhnlich vernünftig erscheint, dann kommt man im Okkultismus nicht weiter, denn, was sich auf höhere Welten bezieht, kann zunächst dem gewöhnlichen Menschen als etwas Närrisches erscheinen. So schadet es nicht, wenn schon die Methode dem äußeren Nüchterling als etwas Närrisches erscheint. Also wir konstruieren uns diesen Menschen. Zunächst erscheint es nur als groteske Tatsache, wenn man diesen Menschen konstruiert als etwas, von dem man den Zweck vielleicht nicht einsieht, aber jeder, der das versucht, wird eine sonderbare Entdeckung an sich machen, nämlich daß er von diesem Menschen, den er sich da zurechtgebildet hat, nicht mehr loskommen will, daß der anfängt, ihn zu interessieren. Wenn Sie den Versuch machen, werden Sie schon sehen: Sie kommen von diesem künstlichen Menschen nicht wieder los; der lebt in Ihnen. Und sonderbarerweise: Er lebt nicht nur in uns, sondern verwandelt sich in unserem Inneren und verwandelt sich sehr stark, so daß er zuletzt eigentlich erwas ganz anderes wird, als er vorher gewesen war. Etwas wird er, von dem wir gar nicht anders können, als uns zu sagen: Es ist doch etwas, was in uns steckt. — Das ist eine Erfahrung, die wirklich jeder machen kann. Man kann von dem, was jetzt beschrieben worden ist, was nicht der ursprünglich zusammenphantasierte Mensch ist, sondern was aus diesem geworden ist, sich sagen: Es ist etwas von dem, was in uns sitzt. Nun ist es gerade das, was die sonst scheinbar ursachlosen Dinge in unserem Leben sozusagen bewirkt hat; so daß man in sich etwas findet, was das sonst Nichterklärliche wirklich hervorruft. Es ist, mit anderen Worten, das, was ich Ihnen beschrieben habe, der Weg, um nicht bloß in sein eigenes Seelenleben hineinzugaffen und etwas zu finden, sondern es ist ein Weg aus dem Seelenleben heraus in die Umgebung. Denn das, was uns mißlingt, bleibt nicht bei uns, sondern gehört der Umgebung an. So haben wir aus der Umgebung etwas herausgeholt, was nicht mit unseren Bewußtseinstatsachen stimmt, sich aber so darstellt, wie wenn es in uns selbst wäre. Dann erhält man eben das Gefühl, daß man doch etwas mit dem zu tun hat, was einem so unverursacht im wirklichen Leben scheint. Man erhält auf diese Art ein Gefühl seines Zusammenhanges mit seinem Schicksal, mit dem, was man Karma nennt. Durch dieses Seelenexperiment ist ein realer Weg gegeben, um das Karma in sich in einer gewissen Weise zu erleben.
[ 13 ] Let’s suppose that someone had hit us at some point in our lives. To make it easier to bear, we can place such an event in our childhood. Let’s imagine we somehow hired a person to beat us. So we would have done absolutely everything to deserve those beatings. We thus construct a person who takes upon themselves everything we cannot see the connection to. Yes, you see, if one wants to make progress in the occult, one must do certain things that run counter to what are considered ordinary facts. If one does only what usually seems reasonable, then one gets nowhere in occultism, for what pertains to higher worlds may at first appear foolish to the ordinary person. So it does no harm if the method itself appears foolish to the sober-minded observer. So we construct this person for ourselves. At first, it seems like a grotesque fact to construct this person as something whose purpose one may not understand, but anyone who tries it will make a strange discovery about themselves, namely that they no longer want to let go of this person they have created, that this person begins to interest them. If you try it, you will see: you cannot shake off this artificial person; he lives within you. And strangely enough: he not only lives within us, but transforms within us and transforms very strongly, so that in the end he actually becomes something quite different from what he was before. It becomes something of which we cannot help but say to ourselves: It is, after all, something that lies within us. — This is an experience that truly anyone can have. One can say of what has just been described—which is not the person originally imagined, but what has become of that person—that it is something that resides within us. Now it is precisely this that has, so to speak, brought about the otherwise seemingly causeless things in our lives; so that one finds within oneself something that truly gives rise to what is otherwise inexplicable. It is, in other words, what I have described to you: the path not merely to gaze into one’s own inner life and find something, but rather a path from the inner life out into the environment. For what we fail at does not remain with us, but belongs to the environment. Thus we have drawn something from the environment that does not correspond to the facts of our consciousness, yet presents itself as if it were within us. Then one gets the feeling that one does indeed have something to do with what seems so causeless in real life. In this way, one gains a sense of one’s connection to one’s destiny, to what is called karma. Through this soul experiment, a real path is provided for experiencing karma within oneself in a certain way.
[ 14 ] Sie können sagen: Ja, was du da sagst, ich verstehe es eigentlich nicht recht. — Aber wenn Sie das sagen, dann verstehen Sie nicht das nicht, wovon Sie glauben, daß Sie es nicht verstehen, sondern Sie verstehen etwas nicht, was eigentlich kinderleicht zu verstehen ist, woran Sie nur nicht denken. Es ist gar nicht möglich, daß irgend jemand, der das Experiment nicht ausgeführt hat, diese Dinge einsieht, sondern erst der kann sie einsehen, der es ausgeführt hat. So sind diese Dinge nichts anderes als die Beschreibung eines Experimentes, das man machen und das jeder erleben kann. Jeder kommt dazu, einzusehen, daß in seinem Inneren etwas lebt, was mit seinem Karma zusammenhängt. Wenn das jemand von vornherein wüßte, dann brauchte man ihm nicht eine Regel zu geben, durch die er dazu kommt. Das ist ganz in der Ordnung, daß derjenige dieses nicht einsieht, der das Experiment noch nicht gemacht hat. Es handelt sich aber nicht um Einsehen einer Mitteilung über etwas, was unsere Seele vornehmen kann. Wenn nun unsere Seele solche Wege geht, gewöhnt sie sich, nicht bloß in ihrem Inneren zu leben, in ihren Wünschen und Begierden, sondern daran, äußere Vorkommnisse auf sich zu beziehen, wirkliche äußere Vorkommnisse ins Auge zu fassen. Daran gewöhnt sich unsere Seele dadurch. Gerade die Dinge, die wir nicht selber gewünscht haben, die haben wir hineinkonstruiert in das, um was es sich gehandelt hat. Und wenn wir noch dazu kommen, unserem gesamten Schicksal gegenüber uns so zu stellen, daß wir es in Gelassenheit auf uns nehmen, daß wir uns von dem, wogegen wir gewöhnlich murren und uns empören, denken: Wir nehmen es gerne auf uns, denn wir haben es selbst über uns verhängt —, dann bildet sich eine Gemütsverfassung heraus, die so ist, daß wir, wenn es sich darum handelt, bei dem Hinabdringen in die verborgenen Seelentiefen das Wahre vom Falschen zu unterscheiden, mit absoluter Sicherheit das Wahre vom Falschen unterscheiden können. Denn dann ergibt sich mit einer wunderbaren Klarheit und Sicherheit, was wahr und was falsch ist.
[ 14 ] You might say: “Yes, I don’t really understand what you’re saying.” — But when you say that, you don’t actually fail to understand what you think you don’t understand; rather, you fail to understand something that is actually child’s play to grasp—you just haven’t thought of it. It is simply not possible for anyone who has not carried out the experiment to grasp these things; only those who have carried it out can grasp them. Thus, these things are nothing other than the description of an experiment that one can perform and that everyone can experience. Everyone comes to realize that something lives within them that is connected to their karma. If someone knew this from the outset, there would be no need to give them a rule by which they might arrive at this realization. It is perfectly natural that those who have not yet performed the experiment do not grasp this. However, this is not a matter of comprehending a statement about something our soul is capable of doing. When our soul follows such paths, it becomes accustomed not merely to living within itself, in its desires and longings, but to relating external events to itself, to taking real external events into account. This is how our soul becomes accustomed to it. It is precisely the things we did not wish for ourselves that we have constructed into the very essence of what was at stake. And when we further come to face our entire fate in such a way that we accept it with serenity, that we think of what we usually grumble about and rebel against: We gladly accept it, for we have brought it upon ourselves—then a state of mind develops such that, when it comes to distinguishing the true from the false as we descend into the hidden depths of the soul, we can distinguish the true from the false with absolute certainty. For then it becomes clear with a wonderful clarity and certainty what is true and what is false.
[ 15 ] Wenn man mit dem geistigen Auge auf irgendeine Vision sieht und man sie einfach dadurch, daß man alle seine Kräfte, die man als sein Inneres fühlt, die man dann kennengelernt hat, wegschaffen, wegzaubern kann, sozusagen durch seinen bloßen Blick, dann ist sie ein bloßes Phantasma. Wenn man es aber nicht wegschaffen kann auf diese Weise, sondern wenn man höchstens wegschaffen kann, was an die äußere Sinneswelt erinnert, also das eigentlich Visionhafte, das Geistige aber dableibt wie eine feste Tatsache, dann ist es wahr. Aber diesen Unterschied kann man nicht machen, bevor man das getan hat, was beschrieben worden ist. Daher gibt es ohne die beschriebene Erziehung keine Sicherheit im Unterscheiden des Wahren und Falschen auf dem übersinnlichen Plan. Das Wesentliche bei dem Seelenexperiment ist dieses: Mit dem gewöhnlichen Bewußtsein sind wir bei dem, was wir wünschen, eigentlich immer dabei. Durch dieses Seelenexperiment gewöhnen wir uns, das als von uns gewollt anzuschauen, was wir für das gewöhnliche Bewußtsein gar nicht wünschen, was uns gewöhnlich eigentlich widerstrebt. Man kann in einer gewissen Beziehung in der inneren Entwickelung zu einem bestimmten Grad gekommen sein; wenn man aber nicht dem, was als Wünsche, als Begierden, als Sympathie und Antipathie in der Seele lebt, entgegenstellt durch ein solches Seelenexperiment unseren Zusammenhang mit dem, was wir nicht gewünscht haben, dann wird man überall Fehler über Fehler machen. Der größte Fehler gerade auf dem Gebiet der Theosophischen Gesellschaft ist ja zuerst von H. P. Blavatsky dadurch gemacht worden, daß sie den geistigen Blick auf jenes Feld gerichtet hat, wo der Christus zu suchen ist, und weil sie in ihren Wünschen, in ihren Begierden, kurz, in dem, was im Oberbewußtsein war, fortwährend eine Antipathie, sogar eine leidenschaftliche Abneigung gegenüber allem Christlichen und Hebräischen hatte, während sie eine Vorliebe für alles hatte, was sich an geistiger Kultur auf der Erde ausbreitet außer dem Christlichen und Hebräischen. Und weil sie niemals das durchgemacht hat, was heute beschrieben worden ist, so stellte sich eben eine ganz falsche Christus-Auffassung vor sie hin, und das ist ganz natürlich. Und von ihr ist es übergegangen auf ihre engeren Schüler und wird bis heute fortgeschleppt, nur noch ins Groteske vergröbert. Diese Dinge gehen bis in die höchsten Sphären hinauf. Man kann viele Dinge auf dem okkulten Plane sehen, aber das Unterscheidungsvermögen ist noch etwas anderes als das bloße Sehen, das bloße Wahrnehmen. Das muß scharf betont werden.
[ 15 ] If one looks at any vision with the inner eye and can make it vanish—as it were, by the mere act of gazing—simply by dispelling all the forces one feels within oneself and has come to know, then it is a mere phantasm. But if one cannot dispel it in this way, but can at most dispel what resembles the external sensory world—that is, the merely visionary aspect—while the spiritual remains as a fixed fact, then it is true. But one cannot make this distinction until one has done what has been described. Therefore, without the training described, there is no certainty in distinguishing between the true and the false on the supersensible plane. The essential point of the soul experiment is this: with ordinary consciousness, we are actually always present with what we desire. Through this soul experiment, we accustom ourselves to regard as willed by us that which we do not desire at all in ordinary consciousness, that which we usually actually find repulsive. One may have reached a certain degree of inner development; but if one does not counter what lives in the soul as desires, as cravings, as sympathy and antipathy, through such a soul experiment with our connection to what we have not desired, then one will make mistake after mistake everywhere. The greatest mistake, particularly in the realm of the Theosophical Society, was indeed first made by H. P. Blavatsky in that she directed her spiritual gaze toward that field where Christ is to be sought, and because in her desires, in her longings, in short, in what was in her higher consciousness, she constantly harbored an antipathy, even a passionate aversion toward all things Christian and Hebrew, while she had a preference for everything in spiritual culture spreading on Earth except the Christian and the Hebrew. And because she never went through what has been described today, a completely false mental image of Christ arose before her, and that is quite natural. And from her it passed on to her closer disciples and has been carried on to this day, only coarsened into the grotesque. These things extend up into the highest spheres. One can see many things on the occult plane, but discernment is something other than mere seeing, mere perception. This must be strongly emphasized.
[ 16 ] Nun ist die Frage diese: Wir kommen also, wenn wir in unsere verborgenen Seelentiefen hinuntertauchen — und jeder Hellseher muß das —, zunächst in uns selbst, im Grunde genommen. Und wir müssen uns selbst dadurch kennenlernen, daß wir wirklich jenen Übergang machen, indem wir zunächst eine Welt vor uns haben, von der uns Luzifer und Ahriman jederzeit versprechen, daß sie uns die Reiche der Welt schenken werden. Das heißt, es wird uns unser Inneres hingestellt, und der Teufel sagt: Das ist die objektive Welt. — Das ist eben die Versuchung, der selbst der Christus nicht entging. Es wurden hingestellt die Ulusionen des eigenen Inneren. Nun war Christus durch seine Energie so stark, auf den ersten Anhieb zu erkennen, daß das nicht eine wirkliche Welt ist, sondern daß das im Inneren ist. Durch dieses Innere erst, bei dem wir unterscheiden müssen zwei Glieder, von dem wir das eine hinwegschaffen können — eben unser Inneres —, während das andere bleibt, kommen wir durch die verborgenen Tiefen unseres Seelenlebens in die objektiv übersinnliche Welt hinaus. Und so wie unser geistig-seelischer Kern für die äußere Wahrnehmung, für das, was die gewöhnlichen Bewußtseinstatsachen sind, sich des Spiegels unseres physischen Leibes bedienen muß, so muß sich der Mensch in bezug auf seinen geistig-seelischen Kern für die zunächst ihm gegenübertretenden geistigen übersinnlichen Tatsachen seines Ätherleibes als Spiegelungsapparat bedienen. Die höheren Sinnesorgane, wenn wir sie so nennen können, treten im astralischen Leib auf; aber spiegeln muß sich das, was in ihnen lebt, am Ätherleibe, so wie sich unser Geistig-Seelisches, das wir im gewöhnlichen Leben wahrnehmen, am physischen Leibe spiegelt. Wir müssen nun lernen, unseren Ätherleib zu handhaben. Und nun ist es ganz natürlich, da uns unser Ätherleib gewöhnlich nicht bekannt ist, er aber das darstellt, was uns eigentlich belebt, daß wir ihn selber zuerst kennenlernen müssen, bevor wir das erkennen lernen, was aus der übersinnlichen Außenwelt in uns hereinkommt und an diesem Ätherleibe sich spiegeln kann.
[ 16 ] Now the question is this: When we delve into the hidden depths of our souls—and every clairvoyant must do this—we first encounter ourselves, essentially. And we must come to know ourselves by truly making that transition, in that we first have before us a world of which Lucifer and Ahriman constantly promise us that they will bestow upon us the realms of the world. That is to say, our inner self is presented to us, and the devil says: This is the objective world. — That is precisely the temptation that even Christ did not escape. The illusions of one’s own inner self were set before him. Now, through his own power, Christ was strong enough to recognize at first glance that this is not a real world, but that it is within. It is only through this inner world—in which we must distinguish two elements, one of which we can set aside—namely, our inner self—while the other remains—that we emerge through the hidden depths of our soul life into the objective supersensible world. And just as our spiritual-soul core must make use of the mirror of our physical body for external perception, for what are the ordinary facts of consciousness, so must the human being, in relation to his spiritual-soul core, make use of his etheric body as a mirroring apparatus for the spiritual supersensible facts that first confront him. The higher sense organs, if we may call them that, appear in the astral body; but what lives within them must be reflected in the etheric body, just as our spiritual-soul aspect, which we perceive in ordinary life, is reflected in the physical body. We must now learn to handle our etheric body. And since our etheric body is usually unknown to us, yet it is what actually animates us, it is only natural that we must first get to know it ourselves before we can learn to recognize what enters us from the supersensible outer world and can be reflected in this etheric body.
[ 17 ] Das, was wir so erleben, indem wir in die verborgenen Tiefen unseres Seelenlebens kommen und zuerst sozusagen uns selbst, die Projektion unserer Wünsche erleben, das ist dem Leben sehr ähnlich, das man gewöhnlich das Kamaloka nennt. Es unterscheidet sich nur dadurch vom Kamalokaleben, daß, während man so im gewöhnlichen Leben vordringt bis zu dem Eingesperrtsein in sich selbst — denn so ist es zu nennen —, unser physischer Leib aber noch da ist, zu dem wir immer wieder zurückkehren können, es im Kamaloka so ist, daß der physische Leib fort ist, sogar ein Teil des Ätherleibes fort ist, der Teil, der uns zunächst überhaupt spiegeln kann. Aber es ist der allgemeine Lebensäther um uns herum, der als das spiegelnde Werkzeug uns dient, und an dem sich alles das spiegelt, was in uns ist. Die Kamalokazeit ist eine solche, daß unsere innere Welt, welche sich in allen Wünschen, Begierden, in allem, wie wir innerlich fühlen und gesummt sind, sich um uns herum als unsere objektive Welt aufbaut. Das ist wichtig, daß wir das einsehen, daß zunächst das Kamalokaleben dadurch charakterisiert ist, daß wir in uns eingesperrt sind und die Einsperrung in uns selber das Gefängnis ist, um so mehr verriegelt zunächst, als wir nicht zu irgendeinem physischen Leben zurückkehren können, auf das sich unser ganzes Leben bezieht. Erst wenn wir dieses Kamalokaleben durchleben so, daß wir allmählich darauf kommen man kommt eben nur allmählich darauf —, daß alles das, was da ist, nicht anders aus der Welt geschafft werden kann, als daß man sich eben in anderer Weise erfühlt als durch bloße Begierden und so weiter, erst dann ist unser Kamalokagefängnis gesprengt.
[ 17 ] What we experience in this way—as we enter the hidden depths of our inner life and first encounter, so to speak, ourselves, the projection of our desires—is very similar to the life commonly referred to as the Kamaloka. It differs from life in Kamaloka only in that, whereas in ordinary life we advance to the point of being imprisoned within ourselves—for that is what it must be called— our physical body is still there, to which we can always return, whereas in Kamaloka the physical body is gone, and even a part of the etheric body is gone—the part that can initially reflect us at all. But it is the general life-ether around us that serves as the reflecting instrument, and in which everything that is within us is reflected. The time in Kamaloka is such that our inner world—which consists of all our wishes, desires, and everything we feel and are filled with inwardly—builds itself up around us as our objective world. It is important that we realize that Kamaloka life is characterized, first of all, by our being imprisoned within ourselves, and that this imprisonment within ourselves is the prison—all the more locked at first because we cannot return to any physical life to which our entire existence relates. Only when we live through this Kamaloka life in such a way that we gradually come to realize—and one does indeed come to realize this only gradually—that everything that exists cannot be removed from the world except by perceiving oneself in a different way than through mere desires and so on, only then is our Kamaloka prison shattered.
[ 18 ] Wie ist das gemeint? Nehmen wir an, es stirbt jemand mit einem bestimmten Wunsch. Der Wunsch gehört zu dem, was sich hinausprojiziert ins Kamalokagebiet, was in irgendwelchen Gebilden dann um ihn herum aufgebaut ist. Solange nun der Wunsch in ihm lebt, ist es unmöglich, daß er sich mit diesem Wünschen das Kamalokaleben öffnet. Erst wenn er gewahr wird, daß dieser Wunsch nur dann befriedigt werden kann, wenn er ausgeschaltet wird, wenn er aufgegeben wird, wenn nicht mehr gewünscht wird, wenn also dieser Wunsch aus der Seele gerissen wird, also wenn man sich in entgegengesetzter Weise dazu verhält, erst dann wird zugleich mit dem Wunsch nach und nach alles, was uns im Kamaloka einsperrt, aus der Seele gerissen. Dann erst kommen wir in das Gebiet zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, das wir bezeichnet haben als das devachanische, in das man auch durch Hellsichtigkeit kommen kann, wenn man erkannt hat dasjenige, was nur zu einem selbst gehört. In der Hellsichtigkeit erlangt man es durch eine bestimmte Stufe der Reife, im Kamaloka durch die Zeit, einfach weil uns die Zeit so quält durch unsere eigenen Wünsche, daß sie durch die Dauer sich überwinden. Dadurch wird das, was uns so vorgegaukelt wird, als ob es die Welt und ihre Herrlichkeit wäre, zersprengt.
[ 18 ] What does that mean? Let’s suppose someone dies with a specific wish. That desire is part of what projects out into the Kamaloka realm, forming structures around him. As long as that desire lives within him, it is impossible for him to open himself to Kamaloka life with that desire. Only when he realizes that this desire can be satisfied only if it is eliminated, if it is abandoned, if it is no longer desired—in other words, if this desire is torn from the soul, that is, if one behaves in a manner contrary to it—only then, along with the desire, is everything that imprisons us in Kamaloka gradually torn from the soul. Only then do we enter the realm between death and a new birth, which we have designated as the Devachanic, into which one can also enter through clairvoyance once one has recognized that which belongs solely to oneself. In clairvoyance, one attains it through a certain stage of maturity; in the Kamaloka, through time—simply because time torments us so much through our own desires that they are overcome by their very duration. Through this, that which is made to appear to us as if it were the world and its glory is shattered.
[ 19 ] Die Welt der übersinnlichen realen Tatsachen ist das, was man gewöhnlich das Devachan nennt. Wie tritt uns diese Welt der übersinnlichen realen Tatsachen entgegen? Hier auf diesem Erdenrund kann der Mensch nur vom Devachan sprechen aus dem Grunde, weil in der Hellsichtigkeit, wenn wirklich das Selbst überwunden ist, wir ja auch schon eintreten in die Welt der übersinnlichen Tatsachen, die objektiv vorhanden sind, und es fallen diese Tatsachen mit dem, was im Devachan vorhanden ist, zusammen. Nun ist das wichtigste Charakteristikum dieser devachanischen Welt, daß sich moralische Tatsachen nicht mehr unterscheiden von physischen Tatsachen, von physischen Gesetzen, sondern daß moralische Gesetze mit physischen Gesetzen zusammenfallen. Was heißt das? Nun, nicht wahr, in der gewöhnlichen physischen Welt scheint die Sonne über Gerechte und Ungerechte. Denjenigen, der ein Verbrechen begangen hat, kann man vielleicht ins Gefängnis setzen, aber die physische Sonne verfinstert sich nicht. Das heißt, es gibt in der Welt des Physischen eine moralische Gesetzmäßigkeit und eine physische, die gehen zwei ganz verschiedene Wege. So ist es nicht im Devachan, ganz und gar nicht; sondern da ist es so, daß alles, was aus Moralischem, aus intellektuell Weisem, aus ästhetisch Schönem und dergleichen hervorgeht, ein solches ist, das zur Entstehung führt, und daß dasjenige, was aus Unmoralischem, aus intellektuell Unwahrem, aus ästhetisch Häßlichem hervorgeht, zum Vergehen, zum Untergang führt. Und zwar sind dort die Naturgesetze wirklich so, daß nicht die Sonne über Gerechte und Ungerechte scheint, sondern daß sie sich, wenn wir bildlich sprechen dürfen, vor dem Ungerechten wirklich verfinstert. Der Gerechte, der durch das Devachan geht, hat also den geistigen Sonnenschein dort, das heißt die Einwirkung der befruchtenden Kräfte, die ihn im Leben vorwärtsbringen. Der lügnerische oder häßliche Mensch geht so durch, daß sich die geistigen Kräfte vor ihm zurückziehen. Dort ist die Einrichtung möglich, die hier nicht möglich ist. Wenn hier zwei Menschen nebeneinander gehen, ein gerechter und ein ungerechter, dann kann die Sonne nicht den einen bescheinen und den anderen nicht. Dort aber, in der geistigen Welt, ist das absolut so, daß es von der Qualität des Menschen abhängt, wie die geistigen Kräfte auf ihn wirken. Das heißt, die Naturgesetze und die geistigen Gesetze gehen dort nicht zwei getrennte Wege, sondern dieselben Wege. Das ist das Wesentliche, worauf es ankommt: In der devachanischen Welt fallen die Naturgesetze mit den moralischen und intellektuellen Gesetzen zusammen.
[ 19 ] The world of supersensible realities is what is commonly called Devachan. How does this world of supersensible realities present itself to us? Here on this Earth, a person can speak of Devachan only because, in clairvoyance, when the ego is truly overcome, we already enter the world of supersensible realities that objectively exist, and these realities coincide with what exists in Devachan. Now, the most important characteristic of this Devachanic world is that moral facts no longer differ from physical facts or physical laws, but rather that moral laws coincide with physical laws. What does that mean? Well, isn’t it true that in the ordinary physical world, the sun shines on the righteous and the unrighteous alike. One who has committed a crime may perhaps be put in prison, but the physical sun does not eclipse itself. That is to say, in the physical world there is a moral law and a physical one, and these follow two entirely different paths. It is not so in Devachan, not at all; but there it is the case that everything arising from the moral, from the intellectually wise, from the aesthetically beautiful, and the like, is such as leads to creation, and that that which arises from the immoral, from the intellectually untrue, from the aesthetically ugly, leads to decay, to ruin. Indeed, the laws of nature there are such that the sun does not shine upon the righteous and the unrighteous alike, but rather, if we may speak figuratively, it truly darkens before the unrighteous. The righteous person passing through Devachan thus has the spiritual sunshine there, that is, the influence of the fertilizing forces that propel them forward in life. The deceitful or ugly person passes through in such a way that the spiritual forces withdraw from him. There, an arrangement is possible that is not possible here. If two people walk side by side here—one righteous and one unrighteous—then the sun cannot shine on one and not on the other. There, however, in the spiritual world, it is absolutely the case that the quality of the person determines how the spiritual forces act upon him. That is to say, the laws of nature and the spiritual laws do not follow two separate paths there, but the same paths. This is the essential point: In the devachanic world, the laws of nature coincide with the moral and intellectual laws.
[ 20 ] Dadurch geschieht das Folgende: Wenn der Mensch eingetreten ist in die devachanische Welt und diese durchlebt, so ist in ihm alles das, was verblieben ist aus dem letzten Leben an Gerechtem und Ungerechtem, an Gutem und Bösem, an ästhetisch Schönem und Häßlichem, an Wahrem und Falschem. Alles das wirkt aber so, daß es sich dort sogleich der Naturgesetze bemächtigt. So ist dort Gesetz, was wir in der physischen Welt so beschreiben könnten, daß einer, der gestohlen oder gelogen hätte und an die Sonne ginge, von dieser nicht beschienen würde und er sich allmählich dadurch, daß er des Sonnenlichtes entbehrt, eine Krankheit zuziehe. Oder nehmen wir an, jemandem, der gelogen hat, würde der Atem verschlagen in der physischen Welt. Das wäre zu vergleichen mit dem, was alles in der devachanischen Welt der Fall ist. Derjenige, der das oder jenes auf sich geladen hat, dem geschieht so etwas in bezug auf sein Geistig-Seelisches, daß das Naturgesetz zugleich absolut dem Geistesgesetz entspricht. Daher werden, wenn nun die Weiterentwickelung dieses Menschen durch die devachanische Welt so geschieht, er allmählich weiter und immer weiter geht, sich immer mehr und mehr in ihm solche Eigenschaften einleben, daß das, was er dann ist, seinen Qualitäten entspricht, die er sich mitgebracht hat aus dem vorhergehenden Leben. Nehmen wir an, jemand ist zweihundert Jahre im Devachan, nachdem er in einem vorhergehenden Leben viel gelogen habe. Er lebt dieses Devachan durch, aber die Geister der Wahrheit entziehen sich ihm. Das stirbt in ihm, was in einer anderen Seele, die die Wahrheit gesprochen hat, auflebt.
[ 20 ] This results in the following: When a person has entered the devachanic world and is experiencing it, everything that remains from the previous life—whether just or unjust, good or evil, aesthetically beautiful or ugly, true or false—is present within them. But all of this operates in such a way that it immediately takes hold of the laws of nature there. Thus, the law there is what we might describe in the physical world as follows: someone who has stolen or lied and goes out into the sun would not be illuminated by it, and would gradually contract an illness as a result of being deprived of sunlight. Or let us suppose that someone who has lied would be left breathless in the physical world. This would be comparable to what happens in the Devachanic world. To the one who has brought this or that upon himself, something of this nature occurs in relation to his spiritual-soul life, such that the natural law corresponds absolutely to the spiritual law. Therefore, as this person’s further development through the Devachanic world proceeds—as they gradually go further and further—such qualities will increasingly take root within them, so that what they then become corresponds to the qualities they have brought with them from their previous life. Let us suppose that someone has been in Devachan for two hundred years after having lied a great deal in a previous life. He lives through this Devachan, but the spirits of truth elude him. That which dies within him comes to life in another soul who has spoken the truth.
[ 21 ] Oder nehmen wir an, jemand geht mit einer ausgesprochenen Qualität von Eitelkeit, die er nicht abgelegt hat, durch das Devachan. Diese Eitelkeit ist im Devachan eine außerordentlich übelriechende Ausdünstung, und gewisse geistige Wesenheiten meiden eine solche Individualität, welche die übelriechende Ausdünstung von Ehrgeiz oder Eitelkeit um sich herumströmt. Das ist nicht eigentlich bildlich gesprochen. Eitelkeit und Ehrgeiz sind im Devachan außerordentlich übelriechende Ausdünstungen, und dadurch kommt der wohltätige Einfluß gewisser Wesenheiten, die sich dann eben zurückziehen, nicht zustande. Es ist so, wie wenn eine Pflanze im Keller wachsen soll, während sie nur im Sonnenlicht gedeihen kann. Der Eitle kann nicht gedeihen. Nun wächst er heran unter den Auswirkungen dieser Eigenschaft. Wenn er sich wiederverkörpert, hat er nicht die Kraft, die guten Einflüsse hineinzubauen. Statt daß er gewisse Organe in gesunder Weise ausbildet, bildet er sie als ein krankhaftes Organsystem aus. Wie wir daher im Leben als Menschen werden, das zeigen uns nicht nur unsere physischen Bedingungen, sondern auch unsere moralischen und intellektuellen. Erst dann, wenn wir aus dem geistigen Plan heraus sind, dann gehen nebeneinander Natur- und Geistesgesetz. Zwischen Tod und einer neuen Geburt sind die aber eins, sind Naturgesetz und Geistesgesetz eins, sind ein Ganzes. Und in unsere Seele werden eingepflanzt die Naturkräfte, die zerstörend wirken, wenn sie die Folge sind von unmoralischen Taten vorhergehender Leben, die aber befruchtend wirken, wenn sie die Folge sind von moralischen Taten. Das bezieht sich nicht nur etwa auf unsere innere Konfiguration, sondern auch auf das, was uns von außen trifft als unser Karma.
[ 21 ] Or suppose someone passes through Devachan with a pronounced quality of vanity that they have not shed. In Devachan, this vanity is an exceedingly foul-smelling vapor, and certain spiritual beings avoid such an individuality from whom the foul-smelling vapor of ambition or vanity flows around them. This is not merely a figure of speech. Vanity and ambition are extraordinarily foul-smelling vapors in Devachan, and as a result, the beneficial influence of certain beings—who then simply withdraw—does not come to pass. It is as if a plant were to grow in a cellar, whereas it can only thrive in sunlight. The vain person cannot thrive. Now he grows up under the effects of this trait. When he reincarnates, he lacks the strength to incorporate the good influences. Instead of developing certain organs in a healthy way, he develops them as a diseased organ system. How we therefore become as human beings in life is shown to us not only by our physical conditions, but also by our moral and intellectual ones. Only when we have left the spiritual plane do the laws of nature and the laws of the spirit exist side by side. Between death and a new birth, however, they are one; the law of nature and the law of the spirit are one, they form a whole. And implanted in our soul are the forces of nature, which have a destructive effect when they are the consequence of immoral deeds in previous lives, but which have a fertilizing effect when they are the consequence of moral deeds. This applies not only to our inner constitution, but also to what befalls us from the outside as our karma.
[ 22 ] Das Wesentliche des Devachan ist also, daß es dort keine Unterscheidung gibt zwischen Natur- und Geistesgesetz. Und so ist es auch für den Hellseher, der wirklich hindurchdringt zu den übersinnlichen Welten. Da sind diese übersinnlichen Welten recht sehr verschieden von den Welten, die hier auf dem physischen Plan herrschen. Es ist einfach nicht möglich für den Hellseher, jene Unterscheidung zu machen, die der materialistische Sinn macht, indem man sagt: Das ist bloß ein objektives Naturgesetz. — Hinter diesem objektiven Naturgesetz steht in Wahrheit immer ein Geistesgesetz, und der Hellseher kann zum Beispiel nicht über eine ausgedörrte Wiese gehen, über eine überschwemmte Gegend, kann nicht gewahr werden einen Vulkanausbruch, ohne zu denken, daß hinter dem, was Naturtatsachen sind, geistige Mächte, geistige Wesenheiten stecken. Für ihn ist ein Vulkanausbruch zugleich eine moralische Tat, wenn auch vielleicht die Moral auf einem ganz anderen Plan liegt, als man es sich zunächst träumen läßt. Die Menschen, die immer die physische Welt mit den höheren Welten verwechseln, werden sagen: Ja, wenn unschuldige Menschen durch einen Vulkanausbruch vernichtet werden, wie kann man da annehmen, daß das eine moralische Tat ist? — Ein solches Urteil wäre so grausam philiströs, wie es das entgegengesetzte Urteilauch wäre, nämlich, wenn man den Ausbruch als eine Strafe Gottes ansehen würde gerade für die Menschen, die um den Vulkan herum sitzen. Beide Urteile können nur vom philisterhaften Standpunkt des physischen Planes gefällt werden. Nicht darum handelt es sich, sondern es kann sich dabei um viel universellere Dinge handeln. Die Menschen, die am Abhang eines Vulkanes wohnen und deren Besitz durch ihn zerstört wird, die können ganz unschuldig sein in bezug auf dieses Leben. Es wird ihnen dann später ein Ausgleich geschaffen. Das heißt nicht, daß wir etwa hartherzig sein und ihnen nicht helfen sollen — das würde wiederum eine philiströse Auslegung der Tatsachen sein —, aber es ist so, daß zum Beispiel für Vulkanausbrüche die Tatsache vorliegt, daß eben im Verlauf der Erdenentwickelung durch die Menschen gewisse Dinge geschehen, die die ganze Menschheitsentwickelung aufhalten. Und es müssen gerade gute Götter für den Ausgleich arbeiten, so daß in der Tat in solchen Naturphänomenen zuweilen ein Ausgleich geschaffen wird. Den Zusammenhang von dieser Sache sieht man manchmal erst in okkulten Tiefen. So können dadurch Ausgleiche geschaffen werden für das, was gegen den Geistesverlauf in der wirklichen Entwickelung des Menschengeschlechtes von den Menschen selbst getan wird. Jedes Ereignis ist in seinen Untergründen, auch wenn es ein bloßes Naturereignis ist, zugleich etwas Moralisches. Und geistige Wesenheiten sind es in den höheren Welten, welche die Träger dieses Moralischen sind, das hinter den physischen Tatsachen sitzt. Wenn Sie also einfach eine Welt vorstellen, in der es nicht möglich ist, von einem Auseinanderfallen des Natur- und Geistesgesetzes zu sprechen, eine Welt, in der, mit anderen Worten, Gerechtigkeit als Naturgesetz herrscht, dann haben Sie die devachanische Welt. Daher brauchen in dieser devachanischen Welt auch nicht strafbare Handlungen durch irgendeine Willkür bestraft zu werden, sondern mit derselben Notwendigkeit, mit der das Feuer Brennbares anzündet, vernichtet das Unmoralische sich selbst und das Moralische fördert sich selbst.
[ 22 ] The essential feature of Devachan, then, is that there is no distinction there between natural and spiritual laws. And this is also true for the clairvoyant who truly penetrates into the supersensible worlds. These supersensible worlds are quite different from the worlds that prevail here on the physical plane. It is simply not possible for the clairvoyant to make the distinction that the materialistic mind makes by saying: This is merely an objective law of nature. — In truth, behind this objective law of nature there is always a spiritual law, and the clairvoyant cannot, for example, walk across a parched meadow or a flooded area, nor witness a volcanic eruption, without thinking that behind these natural phenomena lie spiritual forces and spiritual beings. For him, a volcanic eruption is at the same time a moral act, even if the morality involved lies on an entirely different plane than one might initially imagine. People who always confuse the physical world with the higher worlds will say: “Yes, if innocent people are destroyed by a volcanic eruption, how can one assume that this is a moral act?” — Such a judgment would be as cruelly philistine as the opposite judgment would be, namely, if one were to regard the eruption as a punishment from God specifically for the people living around the volcano. Both judgments can only be made from the philistine standpoint of the physical plane. That is not the issue; rather, it may involve far more universal matters. The people who live on the slopes of a volcano and whose property is destroyed by it may be entirely blameless in this life. Compensation will then be provided for them later. This does not mean that we should be hard-hearted and not help them—that, in turn, would be a philistine interpretation of the facts—but the fact is that, for example, in the case of volcanic eruptions, certain things happen in the course of Earth’s development through human beings that hinder the entire development of humanity. And it is precisely the good gods who must work to bring about this compensation, so that in such natural phenomena, compensation is indeed sometimes created. The connection in this matter is sometimes only seen in the depths of the occult. In this way, compensation can be created for what is done by human beings themselves that runs counter to the spiritual course of the actual development of the human race. Every event, even if it is merely a natural phenomenon, is at its core also something moral. And it is spiritual beings in the higher worlds who are the bearers of this moral aspect that lies behind the physical facts. So if you simply create a mental image of a world in which it is not possible to speak of a divergence between the laws of nature and the spirit—a world, in other words, in which justice reigns as a natural law—then you have the Devachanic world. Therefore, in this Devachanic world, even non-punishable acts need not be punished by any arbitrary power; rather, with the same inevitability with which fire ignites combustible matter, the immoral destroys itself and the moral promotes itself.
[ 23 ] So sehen wir, daß gerade die innerste Charakteristik, der innerste Nerv sozusagen des Daseins ganz verschieden ist für die verschiedenen Welten. Wir bekommen keine Vorstellung von den einzelnen Welten, wenn wir nicht diese Eigentümlichkeiten, die in radikaler Weise für die einzelnen Welten verschieden sind, ins Auge fassen können. Und so können wir gut charakterisieren: physische Welt, Kamaloka und Devachan. Physische Welt so, daß in ihr Natur- und Geistesgesetz zwei nebeneinanderlaufende Tatsachenreihen sind; Kamalokawelt so, daß in ihr eingeschlossen ist der Mensch in sich selber wie in dem Gefängnis seiner eigenen Wesenheit; die devachanische Welt das reine Gegenteil der physischen Welt: Natur- und Geistesgesetz eines und dasselbe. Das sind die drei Charakteristiken, und wenn Sie dieselben genau ins Auge fassen, zu empfinden versuchen, wie radikal eine Welt von der unsrigen verschieden ist, in welcher das moralische, das intellektuelle wie auch das Schönheitsgesetz zugleich Naturgesetz ist, dann werden Sie eine Empfindung haben von der Art, wie es in der devachanischen Welt ist. Wenn wir in unserer physischen Welt einem häßlichen oder einem schönen Gesicht begegnen, so haben wir kein Recht, den häßlichen Menschen so zu behandeln, als wenn er geistig-seelisch irgendwie abzulehnen wäre, so wenig wir den schönen Menschen so betrachten dürfen, als ob wir ihn unmittelbar geistig oder seelisch hochstellen müßten. Im Devachan ist das ganz anders. Da begegnen wir keiner Häßlichkeit, die nicht verschuldet ist, und ein Mensch, der durch seine vorhergehende Inkarnation in die Notwendigkeit versetzt worden ist, in irgendeiner jetzigen Inkarnation ein häßliches Antlitz zu tragen, der sich aber in diesem Leben befleißigt, wahr und ehrlich zu sein, bei dem ist es unmöglich, daß er uns im Devachan mit einer häßlichen Form begegnet, der hat ganz gewiß dann seine Häßlichkeit in Schönheit verwandelt. Aber ebenso wahr ist es, daß derjenige, der lügenhaft, eitel, ehrgeizig ist, in häßlicher Form auf dem Devachan herumwandelt. Dafür ist aber auch noch etwas anderes wahr. Wir sehen nicht, daß ein häßliches Gesicht im gewöhnlichen physischen Leben sich selber fortwährend etwas nimmt, oder ein schönes sich selber fortwährend etwas gibt. Im Devachan ist es so: Das Häßliche ist das Element einer fortwährenden Zerstörung, und wir können kein Schönes wahrnehmen, von dem wir nicht annehmen müssen, daß es das Werk einer fortwährenden Förderung, einer fortwährenden Befruchtung ist. Ganz anders also müssen wir empfinden gegenüber der devachanischen oder mentalen Welt als gegenüber der physischen Welt.
[ 23 ] Thus we see that the innermost characteristic—the innermost nerve, so to speak, of existence—is quite different for the various worlds. We cannot form a mental image of the individual worlds unless we can grasp these peculiarities, which differ radically from one world to another. And so we can well characterize: the physical world, Kamaloka, and Devachan. The physical world is such that in it the laws of nature and the laws of the spirit are two parallel series of facts; the Kamaloka world is such that in it the human being is enclosed within himself as in the prison of his own being; the Devachan world is the pure opposite of the physical world: the laws of nature and the spirit are one and the same. These are the three characteristics, and if you consider them closely, trying to sense how radically different a world is from ours in which the moral, the intellectual, and the law of beauty are all at once natural laws, then you will have a sense of what it is like in the Devachanic world. When we encounter an ugly or a beautiful face in our physical world, we have no right to treat the ugly person as if they were somehow to be rejected spiritually or psychologically, just as we must not regard the beautiful person as if we were immediately required to elevate them spiritually or psychologically. In Devachan it is quite different. There we encounter no ugliness that is not deserved, and a person who, through their previous incarnation, has been compelled to bear an ugly face in some present incarnation, but who in this life strives to be truthful and honest—it is impossible for such a person to appear to us in Devachan with an ugly form; they have most certainly transformed their ugliness into beauty. But it is equally true that the one who is deceitful, vain, and ambitious wanders about in Devachan in an ugly form. Yet there is something else that is also true. We do not see that an ugly face in ordinary physical life is constantly taking something away from itself, or that a beautiful one is constantly giving something to itself. In Devachan, it is thus: the ugly is the element of constant destruction, and we cannot perceive anything beautiful without assuming that it is the work of constant nurturing, of constant fertilization. We must therefore feel quite differently toward the Devachanic or mental world than toward the physical world.
[ 24 ] Und dies ist notwendig, daß Sie in diesen Empfindungen unterscheiden, das Wesentliche sehen, worauf es ankommt, daß Sie sich aneignen nicht bloß die äußere Beschreibung von diesen Dingen, sondern daß Sie mitnehmen Gefühle und Empfindungen gegenüber dem, was in der Geisteswissenschaft beschrieben wird. Wenn Sie sich aufzuschwingen versuchen zu der Empfindung von einer Welt, in der das Moralische, das Schöne, das intellektuell Wahre mit der Notwendigkeit eines Naturgesetzes auftritt, dann haben Sie eben die Empfindung der devachanischen Welt. Und deshalb müssen wir so viel sozusagen zusammentragen und arbeiten, damit wir zuletzt die Dinge, die wir uns erarbeiten, in eine Empfindung zusammenschmelzen können. Es ist unmöglich, daß jemand leichter Hand zu einer wirklichen Erkenntnis dessen kommt, was notwendig durch die Geisteswissenschaft allmählich der Welt klargemacht werden muß. Es gibt gewiß heute viele Bestrebungen, die da sagen: Ach, warum müssen in der Geisteswissenschaft so viele Dinge gelernt werden? Sollen wir denn wieder Schüler werden? Es käme doch nur auf die Empfindung an. — Es kommt auf sie an; aber auf die richtige Empfindung kommt es an, die man erst herausarbeiten muß! So ist es bei allem. Schließlich wäre es für den Maler auch angenehmer, wenn er nicht erst die einzelnen Handgriffe seiner Kunst erlernen und wenn er das Bild nicht erst langsam auf die Leinwand bringen müßte, sondern bloß zu hauchen hätte, um sein Werk fertig vor sich zu haben! Nun ist das Eigentümliche in unserer Welt, daß, je mehr die Dinge gegen das Seelische zugehen, die Menschen um so schwerer einsehen, daß es mit dem bloßen Hauchen nicht getan ist! Für das Musikalische wird kaum jemand zugeben, daß ein jeder schon ein Komponist ist, der gar nichts gelernt hat; da ist es ganz selbstverständlich. Für die Malerei wird es auch noch ein wenig zugegeben, obwohl da schon etwas weniger. Für die Dichtung, da schon noch weniger; sonst würde es in unserer Zeit nicht so viele Dichter geben. Denn es ist eigentlich keine Zeit so undichterisch wie unsere, aber es gibt so viele Dichter. Man braucht es eben nicht gelernt zu haben; man braucht, was natürlich nichts mit Dichtung zu tun hat, bloß schreiben zu können — allerdings noch orthographisch —, man braucht bloß seine Gedanken richtig ausdrükken zu können! Na, und zum Philosophieren, dazu gehört noch weniger! Denn daß ein jeder heute über alles mögliche, was zur Weltund Lebensanschauung gehört, ohne weiteres urteilen kann, das gilt doch für selbstverständlich; denn ein jeder hat seinen Standpunkt. Und da erlebt man immer wieder und wiederum, daß es nichts gilt, wenn einer mit allen Mitteln innerer Arbeit dazu gekommen ist, etwas zu erkennen und zu erforschen in der Welt. Heute gilt als selbstverständlich, daß gleichberechtigt ist der Standpunkt desjenigen, der lange gearbeitet hat, um überhaupt nur ein weniges über die Weltgeheimnisse sagen zu können, mit dem Standpunkt dessen, der sich einfach vorgenommen hat, eben auch einen Standpunkt zu haben. Daher ist im Grunde genommen ein Weltanschauungsmensch heute ein jeder. Und nun gar ein Theosoph! Dazu scheint noch weniger nach mancher Ansicht notwendig zu sein; denn dazu soll einfach ausreichen, daß man nicht einmal die drei Grundsätze der Theosophischen Gesellschaft, sondern nur den ersten derselben anerkennt, und den ganz in seiner Art! Da aber dazu wirklich nichts anderes gehört, als daß man mit mehr oder weniger Wahrhaftigkeit sich dazu bekennt, ein liebender Mensch zu sein — ob man es ist, darum handelt es sich nicht —, dann ist man einfach ein Theosoph und dann hat man die rechte Empfindung! So daß wir fortwährend herunterkommen, wenn wir die Wertschätzung des Standpunktes und der Urteilsfähigkeit beginnen beim Musikalischen und durch die Dinge, die immer weniger und weniger verlangen, bis gar zur Theosophie herunterdringen! Denn da genügt es eben was man in der Malerei nicht für genügend betrachten würde —, daß man bloß zu hauchen braucht: Wir begründen den Kern einer allgemeinen Menschenverbrüderung; da sind wir Theosophen! — Zu lernen braucht man weiter gar nichts! Das aber ist es, worauf es ankommt, daß wir mit aller Energie arbeiten, damit wir das, was wir uns erarbeiten, allerdings zuletzt in Empfindungen zusammentragen, welche durch ihre Färbung erst die allerhöchste, die wahrste Erkenntnis geben. Ringen Sie sich durch, dadurch daß Sie zunächst arbeiten, zu einer solchen Empfindung, die da geht nach der Impression einer Welt, bei der Natur- und Geistesgesetz zusammenfallen. Wenn Sie im Ernst arbeiten — mögen Sie sich noch so sehr angestrengt haben beim Durcharbeiten dieser oder jener Theorie —, so macht das auf die devachanische Welt einen Eindruck. Haben Sie sich eine Empfindung nicht bloß anphantasiert, sondern erarbeitet, haben Sie sich dieselbe in jahrelanger Arbeit sorgfältig erarbeitet, dann hat diese Empfindung, dann haben diese Empfindungsnuancen jene Stärke, die Sie weiterbringt als bloß diese Nuancen reichen; dann sind sie wahr durch ernstes eifriges Studium geworden. Dann sind Sie nicht weit entfernt von dem, daß die Empfindungsnuance aufspringt und wirklich auch das vor Ihnen liegt, was Devachan ist. Denn wenn die Empfindungsnuance wahr erarbeitet ist, dann wird sie zur Wahrnehmungsfähigkeit. Daher sind, wenn wahr und wahrhaftig außerhalb aller Sensation nur auf Grundlage der Ehrlichkeit gearbeitet wird in unseren Zweigen, wenn geduldig geübt wird, diese Arbeitsstätten, was sie sein sollen: Schulen, um hinaufzuführen die Menschen in die Sphären der Hellsichtigkeit. Und nur derjenige, der das nicht erwarten kann oder nicht mitarbeiten will, kann über diese Dinge eine falsche Ansicht haben.
[ 24 ] And it is necessary that you distinguish between these feelings, that you see what is essential and what really matters, that you take in not merely the external description of these things, but that you also take in the feelings and sensations associated with what is described in Spiritual Science. When you try to rise to the feeling of a world in which the moral, the beautiful, and the intellectually true appear with the necessity of a natural law, then you have precisely the feeling of the devachanic world. And that is why we must, so to speak, gather so much and work so hard, so that we can ultimately fuse the things we have worked out into a single feeling. It is impossible for anyone to arrive with ease at a true understanding of what must necessarily be gradually made clear to the world through Spiritual Science. There are certainly many people today who say: Oh, why must so many things be learned in Spiritual Science? Are we to become students again? Surely it all comes down to the feeling. — It does depend on feeling; but it depends on the right feeling, which one must first work out! It is the same with everything. After all, it would be more pleasant for the painter if he did not first have to learn the individual techniques of his art and if he did not first have to slowly bring the picture onto the canvas, but merely had to breathe to have his finished work before him! Now the peculiar thing about our world is that the more things move toward the spiritual, the harder it is for people to realize that a mere breath is not enough! When it comes to music, hardly anyone will admit that anyone who has learned nothing is already a composer; there it is quite self-evident. In painting, it is still admitted to some extent, though somewhat less so. In poetry, even less so; otherwise there wouldn’t be so many poets in our time. For there is actually no era as unpoetic as ours, yet there are so many poets. One simply doesn’t need to have studied it; one needs—which, of course, has nothing to do with poetry—only to be able to write—albeit correctly—and to be able to express one’s thoughts properly! Well, and as for philosophizing, that requires even less! For the fact that everyone today can readily pass judgment on all manner of things pertaining to worldview and outlook on life is taken for granted; for everyone has their own standpoint. And there one experiences time and again that it counts for nothing when someone has, through every means of inner work, come to recognize and explore something in the world. Today it is taken for granted that the viewpoint of someone who has worked long and hard just to be able to say a little about the world’s mysteries is on equal footing with the viewpoint of someone who has simply decided to have a viewpoint. Therefore, in essence, everyone today is a person with a worldview. And now even a Theosophist! According to some views, even less seems to be required for this; for it is said to suffice simply to acknowledge not even the three principles of the Theosophical Society, but only the first of them—and that in its own way! But since this really requires nothing more than professing, with more or less sincerity, that one is a loving person—whether one actually is one is beside the point—then one is simply a theosophist and possesses the right sentiment! So that we continually descend as we begin to assess the standpoint and the capacity for judgment in music and through things that demand less and less, until we reach theosophy! For there it suffices—what one would not consider sufficient in painting—to merely breathe: We are laying the foundation for a universal brotherhood of humanity; there we are, theosophists! — There is nothing else one needs to learn! But this is what matters: that we work with all our energy so that what we have worked out may ultimately coalesce into sensations which, through their coloring, alone provide the highest, the truest knowledge. Strive, by working first, to attain such a feeling that leads to the impression of a world in which the laws of nature and spirit coincide. If you work earnestly—no matter how much effort you may have expended in working through this or that theory—it makes an impression on the devachanic world. If you have not merely imagined a sensation but have worked it out—if you have carefully cultivated it through years of work—then this sensation, then these nuances of sensation, possess a strength that carries you further than these nuances alone can reach; then they have become true through serious, diligent study. Then you are not far from the point where the nuance of sensation springs forth and what lies before you is truly Devachan. For when the nuance of sensation has been truly earned, it becomes the power of perception. Therefore, when work is done truly and genuinely outside of all sensation, based solely on honesty in our branches, and when it is practiced patiently, these workplaces are what they are meant to be: schools to lead people up into the spheres of clairvoyance. And only those who cannot expect this or do not wish to cooperate can hold a false view of these things.
